Matchplan Indien - Thomas Brdaric - E-Book

Matchplan Indien E-Book

Thomas Brdaric

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Beschreibung

Als Spieler und Coach aktiv bei Vereinen wie VfB Stuttgart, Bayer Leverkusen, Hannover 96, TB Berlin und der TSG Neustrelitz, mit denen er sensationell Meister wurde. 2020 kommt die Anfrage aus Albanien, den traditionsreichen, aber aktuell wenig erfolgreichen KF Vllazina Shkoder zu übernehmen. Er wagt das Abenteuer und führt den Verein zur erfolgreichsten Saison der Vereinsgeschichte und wird zum Trainer des Jahres gewählt. Im Sommer 2022 entscheidet er sich aus einer Vielzahl von Angeboten, als Trainer nach Indien zu gehen und trainiert fortan den FC Chennaiyin. Über die gesamte Saison bringt er seine Eindrücke über das Land, die Menschen, die Kultur, das Essen und den Sport zu Papier und legt ein ungeschminktes Zeugnis über die Arbeit eines Profi-Fußballtrainers unter außergewöhnlichen Bedingungen ab. Thomas Brdaric – von den Medien respektiert, den Menschen geschätzt und den Fans geliebt, schreibt: Mein Jahr in Indien.

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Seitenzahl: 264

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Matchplan Indien

Die Trainerstory von Thomas Brdarić

SIBOST Verlag

Sabrina Bomke & M. Sindija

Neuheikendorfer Weg 123 A24226 Heikendorfwww.sibost-verlag.de

Lektorat: Lektorat Gedankengut

Bilder: Privatarchiv von Thomas Brdarić

Cover: Nicole Steiner

E-Book-Erstellung: Florian Koßmann

ISBN 978-3-98262-641-3

© SIBOST Verlag 2023

Alle Rechte vorbehalten.

Bildnachweise

Urheber und Bildquelle der im Original-Layout "Campfire Responsive" verwendeten Bilder:

Es wurden nur lizenzfreie Fotos verwendet.

Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.Kein Teil dieses Werks darf ohne schriftliche Erlaubnis des Autors in irgendeiner Form reproduziert, vervielfältigt oder verbreitet werden.

INHALT

Thomas Brdarić in Zahlen

Vorwort

19. August 2022

20. August 2022

23. August 2022

25. August 2022

26. August 2022

28. August 2022

29. August 2022

30. August 2022

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19. September 2022

20. September 2022

23. September 2022

24. September 2022

25. September 2022

27. September 2022

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19. Oktober 2022

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19. November 2022

21. November 2022

22. November 2022

24. November 2022

27. November 2022

28. November 2022

30. November 2022

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03. Dezember 2022

06. Dezember 2022

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10. Dezember 2022

14. Dezember 2022

16. Dezember 2022

19. Dezember 2022

21. Dezember 2022

22. Dezember 2022

24. Dezember 2022

29. Dezember 2022

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19. Januar 2023

20. Januar 2023

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26. Januar 2023

27. Januar 2023

28. Januar 2023

29. Januar 2023

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14. Februar 2023

15. Februar 2023

16. Februar 2023

17. Februar 2023

19. Februar 2023

21. Februar 2023

23. Februar 2023

24. Februar 2023

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02. März 2023

10. März 2023

12. März 2023

15. März 2023

16. März 2023

18. März 2023

23. März 2023

24. März 2023

25. März 2023

27. März 2023

30. März 2023

02. April 2023

05. April 2023

07. April 2023

09. April 2023

10. April 2023

11. April 2023

14. April 2023

15. April 2023

16. April 2023

18. April 2023

19. April 2023

21. April 2023

02. Mai 2023

Über den Autor

Thomas Brdarić in Zahlen

Spieler

International

Sportlicher Leiter

Trainer

Vorwort

Seit ich klein war, spielen mein Vater und ich Spiele. Von Strategie-Spielen bis hin zu endlosen Tipp-Kick-Nächten. Dabei konnte ich eine Menge von ihm lernen, weil er ein guter Stratege ist. Er ist jemand, der sich in seinen Spielpartner hineinversetzen kann und das ist eine Eigenschaft, die ihm sicher bei seiner Arbeit von großem Nutzen ist.

Mein Vater ist ein zielstrebiger Mensch, der einen genauen Plan hat und den auch verfolgt. Ich denke, man kann ihn als »Gewinner-Typ« beschreiben, der stets an den Erfolg seiner Mannschaft denkt und diesem Gedanken alles unterordnet. Als Mensch und als Trainer geht es ihm darum, sich weiterzuentwickeln. Spontan fällt mir da die Carrera-Bahn bei uns zu Hause ein, die immer weiter ausgebaut wird. Zudem ist er technikinteressiert und verfolgt da den Markt und die Neuerscheinungen genau, auch, um sich weiterzubilden. Die Tatsache, dass ich aktuell meinen Bachelor in Sport-Management mache, ist sicher etwas, das uns verbindet, wenn es darum geht, sich weiterzuentwickeln und Ziele zu verfolgen und den eigenen Horizont zu erweitern.

Was er wirklich mag, ist gute Laune und Menschen um sich herum, die positiv und voller Energie sind. Leute, deren Wasserglas meistens halb leer ist, sind nicht seine Welt.

Unsere gemeinsame Zeit in Albanien, wo er mein Trainer und ich sein Spieler war, betrachte ich im Rückblick als wertvoll. Gerade, weil es zu Zeiten der Pandemie war, die mit starken Einschränkungen für so viele Menschen verbunden war. Wobei wir durch die weniger strengen Auflagen der albanischen Regierung auch außerhalb des Fußballs eine sehr schöne Zeit miteinander verbringen konnten. Unsere Zeit in der atemberaubend schönen Natur werde ich sicher nie vergessen. Genau wie die Ausflüge ans Meer. Die Mentalität der Menschen kam uns sehr entgegen, weil sie offen sind und einen nahezu natürlichen Spaß am Leben haben. Sportlich lief es für uns gut mit dem Gewinn des Landespokals.

Und auch in der Meisterschaft mussten wir uns im Titelrennen erst am letzten Spieltag geschlagen geben.

Für mich persönlich war die Zeit mit meinem Vater sehr lehrreich, weil er mir gezeigt hat, wie es ist, Profifußballer zu sein und unter Profibedingungen zu trainieren. Ein besonderer Moment war sicher, dass ich gleich bei meinem Debüt ins Tor traf und ich diesen Moment mit meinem Vater teilen konnte.

Ein anderer Moment, an den ich gerade denke, liegt ein bisschen länger zurück. Ich spielte in der U14 und bekam eine Rote Karte, woraufhin er mich richtig zusammenschiss. Daraus habe ich gelernt, meine Aktionen zu bedenken. Die Konsequenzen, die daraus entstehen können. Das gilt nicht nur für den Sport, sondern für das gesamte Leben.

Auf die Zeit in Indien bezogen, habe ich sehr großen Respekt vor der Entscheidung, diesen Schritt zu wagen und Teil einer Liga zu sein, die sich in der Entwicklungsphase befindet, aber auf einer hohen professionellen Ebene geführt wird. Ich bin mir sicher, dass es nicht viele Trainer in Deutschland gibt, die diesen Schritt so weit weg von der Familie gehen würden, um so eine Herausforderung anzunehmen. Darauf bin ich richtig stolz und ich denke, dass er viel für sich und seine weitere Arbeit als Trainer daraus ziehen kann. Denn ich sehe ihn bei aller Objektivität als Trainer einer europäischen Erstliga Mannschaft.

Was mir auch wichtig ist. Mein Vater hat nie etwas geschenkt bekommen. Er hat sich alles hart erarbeitet und auch deswegen wünsche ich ihm, dass er über Indien den Weg in eine erste Liga zum Beispiel in Europa schafft, wo er mit all seinen Fähigkeiten und Eigenschaften wahrgenommen wird. Von seiner Kompetenz als Trainer und als Mensch hätte er das absolut verdient.

Tim Brdarić

19. August 2022

Wenn man an Profifußball denkt, dann kommt einem sicher nicht sofort ein Land wie Indien in den Sinn. Ich hingegen konnte mir das gut vorstellen und habe gleich begonnen, mein Jahr in Indien aufzuschreiben. Das, was Sie hier lesen, sind meine Aufzeichnungen, die ich immer, wenn ich Zeit und Lust hatte zu Papier, beziehungsweise in den Laptop getippt habe. Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen und hoffe, dass Sie ein bisschen von dem, was ich erlebt habe, nachempfinden können.

Der erste Kontakt nach Indien fand über einen Berater statt.

»Es geht nach Indien«, meinte der trocken.

Worauf ich dann ein bisschen verdutzt nachfragte: »Wie, es geht nach Indien?«

Er erklärte daraufhin, dass er einen guten Kontakt zu einem Verein hat, der sehr an einer Verpflichtung interessiert wäre. Ich solle es mir mal überlegen, ob das für mich von Interesse ist.

Wobei ich mich schon zu der Zeit als ich in Albanien tätig war, mit einem Berater aus Montenegro über Indien unterhalten habe. Der erzählte mir davon, weil sein Sohn in der indischen Liga spielte. Er zeigte mir auch ein paar Videos, die mich schon ein bisschen beeindruckten, gerade was die Qualität des Spieles und die Zuschauerzahlen anging. Zum damaligen Zeitpunkt hätte ich mir allerdings nicht vorstellen können, dass meine nächste Station nach Albanien tatsächlich Indien werden würde.

Für die Menschen, die dieses Buch lesen, ist es mit Sicherheit von Interesse, wie man einen Verein und dessen Funktionäre davon überzeugt, dass man der richtige Trainer für sie ist. Man muss sie schlichtweg überzeugen und man muss in allen Dingen der Trainingslehre etwas Besonderes können.

Im Fall meines neuen Vereins in Indien hatte ich natürlich sehr gute Argumente, weil ich in Albanien erfolgreich trainierte und mir auch schon auf meinen vorherigen Stationen einen guten Ruf erarbeitete.

Man muss durch einige Interviews durch. Es ist nicht so, dass man angerufen wird, um dann nur noch ja zu sagen und den Job dann hat.

Vorstellen kann man sich das wie in einem großen Gebäude mit Büros, in denen Arbeiter, Sekretärinnen, Vorarbeiter, Abteilungsleiter, Regionalleiter und die Menschen, die den Job dann vergeben, arbeiten. All diese Menschen muss man von sich und seiner Arbeit überzeugen. Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass ich zwischen den Büros eine Phase hatte, wo ich ungeduldig war, weil mir schon zu verstehen gegeben wurde, dass ich der Wunschtrainer des Vereins bin, aber es dauerte sehr lange. Das wiederum führte dazu, dass ich skeptisch wurde und meine Fühler auch in andere Richtung ausstreckte. Gedanklich entfernte ich mich wieder von dem Thema und sagte zwischenzeitlich sogar ganz ab, bis ich mir klar darüber wurde, dass die anderen Optionen zwar gut waren, aber bei Weitem nicht so spannend. Ich nahm dann selbst über einen Berater wieder Kontakt auf und der signalisierte, dass ich aufgrund meiner Absage nicht mehr der Wunschkandidat Nummer Eins wäre. Ein paar Tage später schlug sich das Glück auf meine Seite, weil der aktuelle Wunschkandidat in den Verhandlungen nicht mehr weiterkam.

Man muss vielleicht das Zögern des Vereins wenigstens im Ansatz erklären. Der FC Chennaiyn war durch schlechte Resultate in Verbindung mit schlechten Platzierungen enttäuscht worden. Die letzten Jahre waren mittelmäßig erfolgreich und sie wollten nun einen Trainer, von dem sie hundertprozentig überzeugt waren, und zwar alle Entscheidungsträger.

Von den letzten acht Championships konnten sie zwar immerhin zwei gewinnen, aber sind gerade in Zeiten der Pandemie durch einige Täler gegangen. Jetzt hatten sie den Wunsch, mit neuem Schwung eine neue unbelastete CFC-Familie zu gründen. Diesen Schwung und diesen Aufbruch soll ich mit meinem Trainer-Team bewirken. Eine weitere oft gestellte Frage in den letzten Wochen war, wie viel Vorlauf man für so ein Projekt hat.

Im Grunde genug, denkt man. Aber es fällt vor dem eigentlichen Beginn der Arbeit auf dem Platz so viel andere Arbeit an. Zum Beispiel in der Zusammenstellung des Kaders. Weiter geht es darum, schnell den Verein kennenzulernen und die Spieler, die schon da sind. Zudem habe ich mir sehr viele Videos von möglichen neuen Spielern angesehen. Gerade in der Phase, in denen Mannschaften zusammengestellt werden, bekommt man als Trainer wahnsinnig viele Profile und Videos geschickt. Das sind in der Regel Highlight Videos, mit denen ein Trainer nichts anfangen kann, die Videos haben tolle Musik, aber es sind zumeist Spieler, die nicht das haben, was du brauchst. Um das alles auseinanderzuhalten, braucht man sehr viel Zeit. Ich habe mit meinem Co-Trainer, ohne zu übertreiben, sicher hunderte von Videos geschaut.

Heutzutage musst du als Trainer im Grunde schon unzählige Spieler in deinem Profil haben, damit du sofort handeln kannst, wenn es zum Job kommt. Daher braucht man auch dann einen engen Draht zu Spielern und Beratern, wenn man gerade nicht im Job ist. Denn der Nächste kommt bestimmt und so kann man auch eine mögliche Perspektive aufzeigen. Man muss im Kopf einige Schritte weiter voraus sein, als man tatsächlich ist.

In Indien darf man nur sechs Ausländer transferieren. Einen hatten wir schon. Dieser wurde zum Problem, da er verletzt war und nicht spielen konnte.

Wir haben dann fünf ausländische Spieler verpflichtet, die dem Verein aus Sicht des Trainer-Teams guttun und auch eine tragende Rolle spielen können, um den Club weiterzubringen.

Wir haben zwei deutsche Drittligaspieler verpflichtet und einen, mit dem ich auf einer meiner vorherigen Stationen schon gearbeitet hatte und so wusste wie er funktioniert. Da jede Mannschaft auch einen asiatischen Spieler im Kader haben muss, wurden wir diesbezüglich im Iran fündig.

Der hatte bereits in Italien Erfahrungen gesammelt, jedoch zuletzt auch ein Jahr nicht gespielt. Weiter verpflichteten wir einen afrikanischen Offensivspieler, der bereits Erfahrung im asiatischen Raum sammeln konnte und im Abschluss sehr stark ist. Leider aber nicht in der Defensivarbeit taktisch geschult ist. Diese sechs Spieler sollen die Säulen des neuen Teams werden, aber in Indien dürfen nur vier Ausländer zeitgleich auf dem Feld stehen. Eine weitete Challenge für den Trainer ist, das ganze strukturiert aufzubauen und zu organisieren und dabei die indischen Spieler zu integrieren.

Die Ankunft in Chennai war schon sehr spannend, sicher hatte ich mir zuvor YouTube-Videos angesehen, um eine Vorstellung zu bekommen, was mich erwarten würde. Zudem wollte ich von allen möglichen Leuten, die ich kannte, wissen, ob sie schon mal in Indien waren, aber die wenigsten waren es. Natürlich hat man ein Bild von Indien, das man in Deutschland durch Bücher, Zeitungen, die Nachrichten oder eben Internet-Videos bekommt. Aber erst, wenn man hier ist, bekommt man ein wahres Gefühl für die Leute und das Land. Indien ist ein wahnsinnig großes Land mit über einer Milliarde Menschen.

Zum Zeitpunkt, wo ich den Beginn des Buches schreibe, bin ich seit acht Wochen hier. Ich lerne immer wieder Neues kennen und war bereits in Chennai, Kalkutta und in Manipur.

Im Grunde sind das drei völlig verschiedene Länder, die in dem eigentlichen Land Indien angesiedelt sind. Unser indischer Trainerstab berichtet viel von den politischen Verhältnissen, das Land an sich sowie die positiven und die negativen Seiten, die jedes Land hat. Ich will nicht gleich zu Beginn zu sehr ins Ausschweifen kommen, aber die ersten Eindrücke waren sehr positiv. Natürlich ist der Straßenverkehr sehr prägnant, denn er funktioniert völlig anders als in Europa. Es ist ein großes Durcheinander ohne klare Linien, jeder Fährt einfach kunterbunt durch die Straßen. Mit Bussen, Autos, Fahrrädern und den für das Land bekannten Tuk Tuks. Teilweise laufen auch Ochsen, Kühe und Hunde über die Straße. Durch die dazugehörige Lautstärke ist man schon immer ein Stück weit unter Stress.

Man kann nie wirklich abschalten und seinen Gedanken nachhängen, man ist immer On Air.

An das Wetter muss man sich auch erst mal gewöhnen, die hohen Temperaturen sind ein schon etwas bedrückend. Glücklicherweise kann man sich im Hotel immer wieder ein bisschen akklimatisieren. Dazu muss ich natürlich erklären, dass ich hier in Indien in der Regenzeit angekommen bin und es zudem sehr schwül ist. Das Wetter wechselt extrem schnell zwischen Starkregen, der warm und monsunartig auf die Erde prasselt und Sonne mit Temperaturen von fünfunddreißig bis vierzig Grad. Gerade wenn man dann auch viel in klimatisierten Räumen unterwegs ist, ist das schon auch eine Belastung, an die man sich gewöhnen muss.

In die ersten Tage hier kam ich gut rein und ich dachte schon, dass ich mich schnell eingewöhnen würde und keine größeren Probleme bekäme. Genau dann erwischte mich ein Virus, mit dem ich richtig Probleme hatte.

Drei, vier Tage konnte ich nicht mal aufstehen, ich hatte dann Glück, dass wir das Training so legten, dass ich nur eine Einheit verpasste. Da ging es mir schon richtig schlecht und ich bekam auch Infusionen gelegt.

Der Ursprung lag wahrscheinlich darin, dass ich etwas für mich Falsches gegessen hatte. Es konnte auch vom Wasser kommen, denn das, was hier im Wasser ist, muss der Körper auch erst verarbeiten. Wobei mir gesagt wurde, dass, wenn man den Virus überstanden hat, er erst mal nicht wieder kommt.

Ansonsten ist das Essen hier toll und der Service auch. Es gibt hier so viele unterschiedliche Würz-Arten, die alle ein bisschen spicy sind.

Unterschiedliche Soßen, Marinaden, Würzmischungen, die wir so in Deutschland gar nicht kennen. Die Inder zelebrieren ihr Essen regelrecht. Da kommt nicht mal eben eine schnelle Pizza auf den Tisch oder ein schnell gebratenes Fleisch.

Da wird ein sehr großer Aufwand betrieben. Im Übrigen essen die Leute hier zumeist mit den Händen und nicht mit Messer und Gabel wie in Europa.

Der Platz, auf dem wir trainieren, um wieder den Fokus auf den Sport zu lenken, ist von meinem Hotel, etwas weiter weg. Wir sprechen von ein paar Kilometern, die sich ziehen können, da wir zumeist in der Big Time trainieren, wo das Verkehrsaufkommen am höchsten ist. Da brauchen wir dann schnell mal eine Stunde. Wir, weil der ganze Tross gemeinsam fährt, die Mannschaft und der Stuff mit dem Bus und das Trainer-Team und das Management mit Autos. Vor Ort sind die Bedingungen okay. Der Trainingsplatz ist gut.

Ich würde sagen nicht absolut professionell aber in einem guten Zustand, dafür wird er auch täglich gepflegt und geschnitten. Er liegt in unmittelbarer Nähe eines Krankenhauses, mit dem wir eine Korporation haben. Dort befindet sich auch eine große Athletikhalle, die wir ebenfalls nutzen können, wenn wir Krafttraining machen oder schwimmen, um dann mit dem eigentlichen Training auf dem Platz zu beginnen.

Bei dem Ganzen hier darf man nicht vergessen, dass die Liga hier anders funktioniert als in Europa. Das ist erst die neunte Spielzeit der indischen Liga und die Erfahrungen, die der indische Fußball macht, nimmt von Jahr zu Jahr zu. Auch ein Grund für mich hier zu sein, um meine Erfahrungen, die ich als Spieler und Trainer gemacht habe, weiterzugeben und das Team so zu führen, damit es nach vorn kommt.

Die Liga besteht aus elf Vereinen und die Besitzer der Vereine sind einfach noch nicht bereit, die ganz großen Gehälter zu bezahlen, um vielleicht mit den großen Ligen in Europa mitzuhalten. Es ist ein großes Land und das Ziel hier ist schon China irgendwann mal als das Fußball-Land in Asien abzulösen. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg und es muss noch viel gemacht werden, wie zum Beispiel mehr Trainingsanlagen und Stadien zu bauen.

Das gibt es zwar hier auch alles, wirkt aber alles ein bisschen künstlich und nicht homogen gewachsen.

Es gibt kein festes Zentrum und Hotel auf dem Trainingsplatz. Am besten ist noch der Athletik- und der medizinische Bereich. Man ist sehr viel unterwegs, das muss man wissen, wenn man hierherkommt. Es gibt alles, aber nicht an einem Standort und wie ich schon erzählte, kann auf dem Weg zu den einzelnen Standorten von Kühen auf der Fahrbahn bis zu einem Monsun-Regen viel passieren. Die Kuh ist heilig in Indien und wird auch gerne mit Halsketten behangen.

Das Team rund ums Team hier ist super, das muss ich wirklich sagen. Von dem Marketing über die Presseabteilung bis hin zum Management alles junge Leute, die Bock haben, anzupacken und den Verein wieder »Back to Glory« bringen wollen, wie sie das hier sagen. Wir alle arbeiten auf hohem Niveau und es macht Spaß, wobei der sportliche Erfolg natürlich das oberste Ziel ist. Aber davor muss man erst mal die Weichen stellen, um sportlich erfolgreich zu sein. Wir als sportliche Führung können uns ausschließlich um den Sport kümmern und müssen uns nicht mit unnötigen Dingen beschäftigen, wie es bei meiner letzten Station in Albanien der Fall gewesen ist. Wir haben teilweise einen Tross von bis zu fünfundvierzig Leuten, die immer mit dabei sind.

Die Besitzer, die den Verein führen, sind ein Bollywood Produzent, der Kapitän der indischen Cricket Nationalmannschaft und Vita Dani, die sich auch im Tischtennis engagiert. Der Verein an sich wurde 2014 im Zuge der Gründung der Indian Super League gegründet und ist ein Fußball Franchise. Franchise im Sport ist eine Organisationsform von Sportwettkämpfen als gewerbliches Unternehmen.

Der Kern dieses Models basiert auf der Lizenzierung von Marken. Zum Spielmodus der Liga kann ich vielleicht erklären, dass die reguläre Saison im Herbst gespielt wird. Jede Mannschaft spielt zweimal im Hin- und Rückspiel gegeneinander und die vier besten Mannschaften gehen dann in die Playoffs. Da gibt es wieder Hin- und Rückspiel und die beiden Gewinner bestreiten ein Finale, um den Meister auszuspielen.

Um vielleicht noch mal das Thema Team ums Team aufzugreifen. Jeder versucht dir jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Wenn man mal einen Extrawunsch hat, wird wirklich alles versucht, um auch das zu realisieren, sodass der Trainerstab und die Mannschaft wirklich alles zur Verfügung hat, was man für den sportlichen Erfolg braucht. Das ist toll und wird sonst wahrscheinlich nur auf absolut hohem Niveau so gehandhabt. Daran kann ich auch feststellen, dass die Arbeit zwischen mir und dem Verein geschätzt und mir wirklich eine extrem gute Unterstützung geboten wird.

Natürlich gibt es auch Unwägbarkeiten. Die Hitze hätte ich mir zum Beispiel wesentlich schlimmer vorgestellt, viel wärmer und schwieriger durch den Tag zu kommen und die Trainingseinheiten zu bewerkstelligen. Aber ich glaube, das liegt vielleicht auch an der Einstellung, am Mindset im Kopf. Dementsprechend kann man so auch mit dem Problem der Hitze besser zurechtkommen, denn es ist schon teilweise richtig warm für Leistungssportler. Weshalb wir entweder morgens zwischen acht und neun Uhr oder am späten Nachmittag zwischen fünf und sechs Uhr trainieren. Dazwischen ist es unmöglich, im Hochleistungsbereich zu trainieren.

Bisher hatten wir eine Spielabsage wegen Starkregen. Da hatten wir nicht nur einen monsunartigen Regen über eine halbe Stunde, sondern über den kompletten Tag, was zur Folge hatte, dass der Rasen komplett unter Wasser stand. Aktuell befinde ich mich mit der Mannschaft in Manipur kurz vor Beginn des Durand Cup, ein sehr prestigereiches Armee Turnier.

Armee deswegen, weil die Armee hier in Indien einen sehr hohen und großen Stellenwert hat. Im Gegensatz zu Deutschland, wo die Bundeswehr nahezu gar keinen Stellenwert mehr hat. In Indien richtet die Armee zusammen mit der Liga dieses Turnier aus, an dem zwanzig Mannschaften teilnehmen.

Wir haben uns in Kalkutta auf dem Gelände der indischen Nationalmannschaft vorbereitet. Hier finden allerdings noch überall Arbeiten statt. Wenn diese abgeschlossen sind, werden hier fünf oder sechs Übungsplätze zur Verfügung stehen. Wir haben aktuell zwei, von denen einer ein Kunstrasenplatz ist und der andere ein herkömmlicher Rasenplatz, um den herum Sumpfgelände ist. Ich habe dann mal einen der Greenkeeper gefragt, ob da auch Schlangen leben und der meinte dann, dass es da durchaus viele weiße und schwarze Schlangen gibt. Wir sind also umgeben von Schlangen, was meine Einstellung zum Training auch noch mal ein bisschen verändert hat. Ich würde sicher niemals, wenn ein Rasen den Ball verlässt, hinter dem Ball herlaufen. Dafür gibt es hier zwei bis drei Leute, die sich mit Schlangen besser auskennen und die keine Verantwortung für eine Fußballmannschaft haben.

20. August 2022

vs. Army Red FT 2:2

Bis jetzt habe ich immer vermieden am Nachmittag zu trainieren, weil es aufgrund der Hitze wirklich schweineheiß ist. Die Spielansetzungen hier beim Durand Cup sind tatsächlich um fünfzehn und um achtzehn Uhr. Letzten Samstag hat es uns mit der fünfzehn Uhr Ansetzung erwischt und es war extrem heiß. Unverständlicherweise hatten wir nicht eine einzige Trinkpause, weil die Offiziellen meinten, es wären nur achtundzwanzig Grad, was totaler Blödsinn war. Es waren deutlich über dreißig Grad. Wenn ich die Umstände mit dem Wetter und dem Gegner betrachte, der enorm motiviert war, würde ich schon sagen, dass unser erstes Spiel vernünftig war. Leider mit einem für uns unglücklichen Ausgang. Wir hatten mehr Ballbesitz, viel mehr Torchancen, Torschüsse aufs Tor, wir hatten fünfundzwanzig Hereingaben in den sechzehn Meter Raum, von denen nur drei den Mitspieler fanden.

In der zweiten Halbzeit musste ich umstellen, weil wir unheimlich viele Ausfälle hatten. Wir haben fünfunddreißig Spieler im Kader, von denen ich nur neunzehn zur Verfügung hatte und die Elf, die auf dem Platz waren, würden so sicher auch nicht zusammenspielen.

In der zweiten Halbzeit haben wir dann durch Wechsel für zehn Minuten den Faden verloren und uns dann aber auch wieder gut gefangen. Genau in der Phase haben wir dann das 0:1 bekommen. Auch da sind wir wieder gut zurück ins Spiel gekommen und haben unser System geändert. Für die Fußballfans, die es ganz genau wissen möchten, kann ich sagen, dass wir auf ein 4 – 4 – 2 – Raute umgestellt haben, um besser in die Räume hereinzukommen, was wir auch geschafft haben. Im letzten Drittel sind wir allerdings nicht zielstrebig und exakt mit den Flanken und den Abschlüssen gewesen. Das Gefühl bei meinem ersten Spiel war gut, obwohl es wirklich sehr heiß war.

Wir hatten zudem über zwanzigtausend Zuschauer im Stadion, die uns zwischendrin immer wieder anfeuerten. Ich glaube, den Leuten hat das Spiel gefallen, gerade in der Schlussphase.

Leider haben wir es nicht geschafft, das Spiel zu gewinnen, aber die Mannschaft hat trotzdem Charakter gezeigt, indem sie einen Rückstand in eine 2:1 Führung drehte und dann durch einen individuellen Blackout noch den Ausgleich schlucken musste. So haben wir in der sechsten Minute der Nachspielzeit noch unnötig zwei Punkte verschenkt. Wir müssen weiter an der Konzentrationsfähigkeit der Mannschaft feilen, dann wird das noch was.

Ich würde das Niveau dieses Turniers als ordentlich bezeichnen. Ein Mix zwischen der deutschen Regionalliga und der Zweiten. Der Durand Cup ist ein sehr prestigeträchtiges Turnier und man kann sich hier schon einen Namen machen beziehungsweise auf sich aufmerksam machen in Indien und vor Saisonstart schon mal ein Zeichen setzten. Wobei der letztjährige Sieger des Turniers mit dem Ausgang der Liga-Meisterschaft gar nichts zu tun hatte. Deswegen haben sie für dieses Jahr auch nur ihre zweite Mannschaft geschickt.

Nicht alle Mannschaften spielen hier mit der ersten Truppe. Teilweise ist es auch ein Mix. Insofern weiß man wahrscheinlich zu Saisonbeginn noch nicht so genau, wo man steht. Mitnehmen kann man natürlich schon einiges. Auch wie die eigenen Spieler im Spiel und in bestimmten Situationen des Spiels agieren und vor allem reagieren. Das Turnier wird sehr stark medial verfolgt und begleitet.

Es gibt allerdings auch immer wieder Spielertypen, die wirklich den Unterschied ausmachen, die auch schon in den ersten Ligen in Europa unterwegs waren. Die Mannschaften bereiten sich hier sehr professionell auf den Durand Cup vor, weil es das entscheidende Vorbereitungsturnier auf die indische Liga und die neue Saison ist. Dadurch, dass das Land so groß ist, kann man kaum Freundschaftsspiele austragen. Dennoch haben wir sehr viel Zeit als Trainerstab, um die Mannschaft auf die neue Saison vorzubereiten.

Unser Trainingsbeginn war am ersten Juli. Der Turnierstart war Mitte August. Das sind dann schon sieben Wochen, in denen man intensiv arbeiten kann. Es wird in vier Gruppen mit jeweils fünf Mannschaften gespielt, was bedeutet, dass an unterschiedlichen Orten gespielt wird. Wir spielen im nordöstlichsten Teil in Manipur, was ein absolutes Risikogebiet ist. Hier findet man all das, was man aus Europa hört, was in Asien passieren kann. Von terroristischen Anschlägen bis hin zu Überfällen wird hier vor allem gewarnt. Was dazu führt, dass die Armee hier sehr präsent ist, um die Menschen zu beschützen. Wobei die Terroristen sich hier im Land auch reichlich Kämpfe mit dem Militär liefern.

Deswegen befinden wir uns als Mannschaft eher in einem Hochsicherheitstrakt, denn in einem Hotel. Ohne Security dürfen wir das Hotel nicht verlassen, weil es einfach zu gefährlich ist.

Dieses Gebiet, in dem wir uns befinden ist außerdem absolut alkoholfrei, es wird auch kein Alkohol ausgeschenkt. Wobei ich denke, dass es den unter der Hand schon gibt, aber eben offiziell nicht.

Ich verfolge auch hier, wenn es meine Zeit zulässt, den Fußball auf der Welt. Natürlich auch die Bundesliga. Vor ein paar Tagen war ich bei Sky Sport News zugeschaltet, wo ich gelegentlich als Experte fungiere und zum schlechten Saisonstart von einem meiner ehemaligen Vereine befragt wurde —Bayer Leverkusen.

Ansonsten gibt es hier zwischen den Spielen nicht so viel, was man machen kann. Das Hotelleben bestimmt den Alltag und den Tagesrhythmus. In Chennai oder Kalkutta kann man auch schon mal in ein anderes Restaurant gehen, das ist hier aus den gerade beschriebenen Gründen nicht möglich. Wenn man aus unserer mitteleuropäischen Sicht über »Wild Indien« spricht, ist das hier oben in East Bengalo sicher »Wild Wild West«. Man kann es sich eigentlich gar nicht vorstellen, wie die Leute hier leben.

Aber irgendwie kann man alles überstehen, wenn man Ziele hat wie wir. Ich nenne das hier auch Bootcamp und nicht normales Vorbereitungslager. Da muss man allerdings als Mannschaft auch zusammenstehen. Wir machen auch Mannschaftsabende, an denen wir gemeinsam Karaoke singen und Spaß haben.

Manchmal geht es auch nur darum, die Zeit herumzubekommen und dennoch sinnvoll zu nutzen und die Atmosphäre in der Mannschaft hochzuheben, um wachsen zu können. Es gibt unterschiedliche Maßnahmen, um eine Mannschaft zu bauen. Einmal auf dem Platz und dann außerhalb. Beides empfinde ich als wichtig.

Einzel und Gruppengespräche bieten sich natürlich bei so einem Turnier auch immer wieder an. Wir bereiten uns zudem sehr professionell auf jedes Spiel vor. In der Regel mit einer Videoanalyse unserer Gegner und versuchen wirklich alles zur Verfügung stehende Material zu nutzen, um zu sehen, wie der Gegner spielen möchte.

Wir versuchen ihn zu lesen, um so gut wie möglich vorbereitet zu sein. Es geht darum, für alle Eventualitäten gewappnet zu sein.

Unser nächstes Spiel findet am Freitag gegen den amtierenden Pokalsieger statt, der zudem auch Vizemeister wurde, und sich so für die asiatische Champions League qualifizierte. Ich denke, das wird eine tolle Herausforderung, denn es sollte unser Ziel für die Saison sein mindestens in die Playoffs zu kommen, um dann mit solchen Teams mithalten zu können. Aber bis dahin muss man noch sehr viel tun und investieren.

Was vielleicht interessant ist, sind Geschichten rund um den Fußball, wenn es um Land, Leute und deren Gepflogenheiten geht. Von den Tuk Tuks hatte ich schon erzählt, die sind eigentlich für zwei oder drei Leute gebaut. Hier sitzen auch gerne mal acht in so einem Gefährt. Bei uns in Chennai sind sie übrigens gelb, in Kalkutta grün und jetzt hier gerade in Manipur schwarz.

23. August 2022

Sicher haben auch viele von den Lesern bemerkt, dass ich auch in den sozialen Netzwerken aktiv bin. Ich versuche meine Abonnenten mit Bildern und Informationen aus meinem Leben und dem, was ich alles mache, zu versorgen. Gerade bei Instagram bin ich aktiv, aber ich lasse mich auf keine Diskussion ein. Ich hatte so etwas einmal zu meiner Zeit in Albanien, die ich so nicht mehr haben möchte. Ein User hat einen Screenshot gemacht und das Ganze dann publiziert und das war mir eine Lehre. Wobei ich mir in der Zukunft vielleicht auch mal Gedanken darüber machen werde, mein Profil von einer professionellen Firma betreuen zu lassen. Die würden das sicher strukturierter machen. Aber ich muss auch sagen, dass es mir Spaß macht mich aktuell selbst damit zu beschäftigen. Zudem ist es manchmal im Hotel auch einfach eine Form der Freizeitbeschäftigung.

Vielleicht sollte ich noch ein paar Sätze zu der Situation in Albanien schreiben. Ich habe immer einen sehr engen Draht zu den Fans und bin absolut nahbar. Das war auch zu meiner aktiven Zeit so. Jedoch noch nicht in den sozialen Netzwerken. Aber gerade nach dem Training oder auf Fantreffen habe ich Autogramm- und Fotowünsche stets sehr gerne erfüllt. Es ist für mich auch immer eine Form der Anerkennung meiner Arbeit.

In Albanien war ich mit einem Traditionsverein, der lange nichts mehr gewinnen konnte, sehr erfolgreich. Wir wurden Pokalsieger und in der Meisterschaft trennte uns nur das schlechtere Torverhältnis vom Meister.

Allerdings gibt es im Sport auch Dynamiken in denen man nicht nur erfolgreich ist. Das ist relativ normal, gerade im Leistungssport.

Die Leute vergessen aber leider sehr schnell, wo sie herkommen. Den Erfolg zu genießen ist das Eine, ihn aber richtig einzuschätzen das Andere. So kam es dann, dass ich auf meiner Instagram Seite unverschämte und zum Teil auch sehr beleidigende Kommentare erhielt. In dem Fall, den ich beschreibe, wurde ich gefragt, warum ich den jungen Spielern keine Chancen geben würde. Ich habe das dann versucht zu erklären, was sie dann auch später verstanden haben. Aus dieser Nummer wurde dann eine Riesen-Story. Gerade auch in der Öffentlichkeit, weil es, wie gesagt, auch öffentlich wurde, was gar nicht meine Absicht war. Es ging einfach in die Hose. Im Endeffekt hat der User es dann wohl verstanden, dass es nicht so einfach ist, in einer Phase der Neustrukturierung junge Spieler zu integrieren.