Mee too - for Women - Pit Vogt - E-Book

Mee too - for Women E-Book

Pit Vogt

0,0

Beschreibung

Frauen sind keine Ware! Frauen haben Schicksale! Und diese Schicksale sind nicht immer leicht - sie sind schwer und oftmals kaum zu ertragen! In diesem Werk handelt alles von Frauen, vielleicht von starken Frauen, vielleicht von schwachen Frauen. In jedem Fall von Menschen, die irgendwo ihre Frau stehen -müssen-. Wer fragt sie nach dem, was sie fühlen, was sie denken, was sie wollen? Wer will wissen, wie es in diesen Frauen aussieht? Wer kann sie verstehen, wenn sie sich durchkämpfen, ackern bis zum Umfallen, ihren ganz eigenen Weg gehen wollen? Ist nicht jede Errungenschaft, die Frauen heutzutage leben, ein hart erkämpftes und täglich neu errungenes Gut? Lernen Sie die Frauen in diesem Buch näher kennen - es sind ganz sicher mutige, nicht immer so starke, aber kluge Frauen. Frauen, die ein Leben haben, welches sie sich nicht immer so ausgesucht haben. Sie leben es und sie kämpfen und sie weinen und sie lachen. Sie sind ganz normale, aber dennoch ganz besondere Menschen - sie sind Frauen, die ganz einfach ihren Weg gehen wollen. Begleiten Sie diese Frauen ein Stück auf einem langen, holprigen, nicht ganz einfachen Weg. Es geht irgendwie immer vorwärts!

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 136

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhaltsverzeichnis

Irgendwo

Die Angestellte

Die Fee

Mona Lisa

Für einen Star

Die Partisanin

Mein schönstes Geschenk Bekenntnisse der Ingeburg L. / Story

Zeit

Eine Weihnachtsgeschichte

Alte Frau

Der letzte Sommer

An die Eltern

Wiedersehen

Träume der Erinnerung

Maries Wunder / Story

Für meine Mama

Eine Frau

Späte Heimkehr

Die Fremde

Besuch bei ihr

Letzter Sommer

Eine Mutter

Die Toilettenfrau / Story

Die Königin

Drei Frauen / Story

Eine Geschichte

Liebe Omi

Ninas Engel / Story

Die Abhängige

Brief an einen Star

Irgendeine Frau

Die Barfrau

For Mom

Die Hafenbar

Glogau-Lied /

Erinnerungen

Die Mörderin

Die Tänzerin

Sie

Weiße Frau

Sehnsucht nach Glogau /

Mamas Lied

Gedanken an Mama

Das bisschen Leben

Babyklappe / Story

The Lady

Die Arbeitsvermittlerin

Die Könnerin

Die Wärterin

Oma Paulsen / Story

Familiendrama

Die Wahrsagerin

Frau Holle

Intensivstation

Die Weihnachtsfrau

Die eine und die andere Frau

Die Frau an der Grenze

Ihr letzter Sommer

For Amy

Wir hatten diese Zeit

So gegen 4

Me Too – An die Frauen

Irgendwo

Irgendwo in dieser Stadt

Dort, wo keiner Namen hat

Fand ich dich am Rand der Zeit

Warst zu schnellem Sex bereit

Dort, am Ende aller Zeit

Irgendwo in dieser Stadt

Warfst dir harte Drogen ein

Bloß nichts fühln

Das muss so sein

Träume, Liebe gibt’s hier nicht

Niemand schaut dir ins Gesicht

Traum und Hoffnung gibt’s hier nicht

Selbst das Bier ist selten rein

Tränen netzten deinen Blick

Wolltest Freiheit, nur ein Stück

Irgendwo in dieser Stadt

Wo kein Mensch mehr Namen hat,

Bliebst du hungrig

Warst nicht satt

Sehnsucht netzte deinen Blick

Als ich ging, bliebst du zurück

Bliebst im Schatten, ohne Glück

Irgendwo im Hinterhaus

stirbt so manche graue Maus

Dort hälts keiner lange aus

Kann man leben ohne Glück

Und schon bald fuhr ich nach Haus

Hier sieht alles anders aus

Trank den Sekt, so gegen Vier

War doch noch so nah bei dir

Schloss die dicke Eingangstür

Weit entfernt vom Hinterhaus

Die Angestellte

Es war ein Morgen, irgendwann

Der Kaffee schmeckte schlecht, so schlecht

Noch schnell ein Küsschen für den Mann

An diesem Morgen, irgendwann

Sie macht´ es allen immer recht

An jenem Tag, als Regen fiel,

War´s trübe noch und seltsam lau

Ihr Job war hart, kein leichtes Spiel

Der Tag war grau und Regen fiel

Sie war ´ne starke schwache Frau

Sie sah das Elend vis-à-vis

Und mancher Fall wog tonnenschwer

Sie hielt es durch, wohl irgendwie

Sie sah manch Trauer vis-à-vis

Doch auch sie selbst schien müd und leer

Vorm Spiegel in der Pause dann,

Da sah sie sich und weinte leis

Ein Handyklingeln – wohl der Mann

Vorm Spiegel jetzt – minutenlang

Und irgendwo zerschmolz das Eis

Was, wenn sie einfach wortlos ging

Dorthin, wo alles Glück vielleicht

Dorthin, wo aller Segen hing

Wer fragt, wenn sie jetzt einfach ging

Ob´s für das Leben dann noch reicht

Sie schloss die Augen, hielt sich fest

Sie wankte hin und wieder her

Was, wenn man sich mal treiben lässt

Sie hielt am Waschbecken sich fest

Im Leben geht so manches quer

Was für ein schöner ferner Traum

Sie wischte sich die Tränen fort

Mit Seife und mit reichlich Schaum

Wusch sie sich ab, den großen Traum

Man rief nach ihr, mit lautem Wort

Und lächelnd lief sie schnell zurück

Ein neuer Kunde wollte Rat

Wo liegt des Lebens größtes Glück

Sie lief nur ins Büro zurück

Und tat, was sie sonst immer tat

Sie sagte „Ja“, sie sagte „Nein“

Der Arbeitstag ging schnell vorbei

So musste es wohl immer sein

Ein Leben zwischen Ja und Nein

Ihr Mann kam heim, so gegen 3

Die Fee

Von fern spielt eine Melodie

Und irgendwo, da sah ich sie

Ein Zauber drang ins Herze mir

Am Weihnachtsabend, gegen 4

Vom Schnee verweht ihr Angesicht

Sie tanzte leicht im Kerzenlicht

Ihr weißes Kleid

Ein Sternenmeer

Und Glück und Friede um uns her

So leicht erschien mir da die Welt

Ganz ohne Leid und Hass und Geld

Ihr Lächeln schien fern aller Zeit

Mein Aug von Tränen längt befreit

Sie flog davon

Sie blieb nicht hier

Am Weihnachtsabend, gegen 4

So etwas Schönes sah ich nie

Mir blieb die ferne Melodie

Mona Lisa

Was für ein göttliches Gesicht

So wunderschön

Ich kann mich gar nicht satter sehn

Und dieses Lächeln,

Welch wundervoller Schein

Dies kann fürwahr ein Traum nur sein

Mir ist, als sei im Himmel ich

So meisterlich

Dies unbeschreiblich Wesen

Nein, etwas Schöneres gibt’s wohl nicht

Dies zauberhafte

Angesicht

Bleibt mir vielleicht für immer

In den Träumen

Und auf die Knie sink ich vor Dir

Am Ende allen Seins mit Dir

Und jenseits doch

Ein märchenhafter Schimmer

Für einen Star

Ein Film, ein Mensch, ein Angesicht

Sie ist ein Star und sieht gut aus

Sie scheint so stolz und steht im Licht

Sie trägt ein Leben im Gesicht

Man kennt sie in fast jedem Haus

Sie lacht und weint – ihr Film ist gut

Ich seh sie gern zu jeder Zeit

Und wenn sie spielt mit heißem Blut,

Fühlt sich auch meine Seele gut

Ihr Spiel hat mich schon oft befreit

Doch wenn sie dann nach Hause geht,

So fern von Film und Bühnenschau,

Wer fragt, ob man sie dort versteht

Wer sagt ihr, wies wohl weitergeht

Ist sie zu Haus noch stark und schlau

Vielleicht rinnt in so mancher Stund

Ein Tränenmeer ins Taschentuch

Vielleicht liegt auch die Seel mal wund

Vielleicht läuft manchmal gar nichts rund

Erreicht auch sie manch bittrer Fluch

Ich weiß es nicht und freu mich sehr

Denn sie ist da und spielt für mich

Manch Schweres scheint nur halb so schwer

Sie ist ein Star, ich freu mich sehr

Ein Film, ein Mensch, ein Angesicht

Die Partisanin

Ein Grabmal, irgendwo, weit fort

Es ist kein sehr bekannter Ort

Die junge Frau starb hier im Krieg

Ihr Grabstein nur als Mahnung blieb

Sie war noch jung und sie war schön

Doch musste sie so früh schon gehn

Im Kugelhagel, dort am Feld,

Hat sie gekämpft für unsre Welt

In einem Himmelsbataillon,

Da rächte sie manch´ toten Sohn

Sie setzte Mut und Leben ein

Und wollt doch nie Soldatin sein

Die Schüsse sind längst schon verhallt

Und damals wars in Russland kalt

So viele blieben irgendwo

Im Vaterland, im Nirgendwo

Ich schau den Grabstein lange an

Hat einst getrauert hier ein Mann

Hat irgendwo im Taiga-Wind

Geweint die Mutter um ihr Kind

Erfahren wird das keiner mehr

Nur die Geschichte wiegt so schwer

Und schweigend leg ich Blumen ab

An diesem einsam, fernen Grab

All jene Frauen in der Erd,

Sie klagen an, vom Blut beschwert

Nein, niemals ist die Schuld vorbei

Ich fühl mich schlecht- doch ich bin frei

So zieh voll Trauer ich nun fort

Von diesem unbekannten Ort

Die Partisanin starb im Krieg

Ihr Grabstein mir als Mahnung blieb

In stillem Gedenken an

Soja Anatoljewna Kosmodemjanskaja

Das Wichtigste auf dieser Welt

Ist stets das Leben und die Kraft

Ist Hoffnung, die uns sicher hält

Und Liebe, die uns leidend macht

Mein schönstes Geschenk

Bekenntnisse der Ingeburg V.

Es war im Sommer 69. Ich lebte von meinem Mann getrennt, er arbeitete im Ausland, ziemlich weit weg. Sicher, es war schwer, den Jungen allein groß zu ziehen. Ich arbeitete damals in Chemnitz als Säuglings- und Kinderkrankenschwester in drei Schichten. Auch wenn wenig Zeit blieb, unternahm ich so oft ich konnte etwas mit meinem Sohn.

Stundenlang gingen wir spazieren. Als ich ihm das lang ersehnte Fahrrad schenkte, konnte er unterwegs sein und mit seinen Freunden baden fahren. Meine Mutter half mir in dieser schweren Zeit wo sie nur konnte. Mit vereinter Kraft kamen wir über die Runden. Und obwohl die damalige DDR viel für junge Mütter tat, musste man doch zusehen, wie man die Dinge unter einen Hut bekam. In diesem Sommer jedenfalls war es besonders schön.

Es war ein wunderschöner Sommer am Meer. Ein FDGB-Ferienplatz, der kaum Wünsche offenließ. Meinem Sohn gefiel es am Meer. Er war und ist eine regelrechte Wasserratte. Doch bereits auf der Heimreise hatte ich immer wieder diese bohrenden Schmerzen im Oberbauch. Ich konnte es mir einfach nicht erklären. All diese wundervollen Tage am Meer. Die Wanderungen, das Schwimmen – ich hatte nie etwas bemerkt. Und nun? Pit, mein damals achtjähriger Sohn durfte nichts von alledem mitbekommen. Darauf achtete ich sehr. Doch in der Nacht, als wir im Schlafwagen in die Heimat zurückfuhren, konnte ich vor Schmerzen kein Auge zu tun. Nervös lief ich den langen Gang vor dem Abteil auf und ab. Der Schaffner fragte mich, ob er mir helfen könnte. Doch ich winkte nur ab und zwang mir dabei ein verkrampftes Lächeln aufs Gesicht. Irgendwie musste es gehen! Natürlich fielen mir seine besorgten Blicke auf. Wieder und wieder kam er aus seinem Dienstabteil und rollte bedenklich mit den Augen.

Am nächsten Morgen, längst hatte ich den Frühstücksbeutel aus der Reisetasche gekramt und die Thermoskanne mit Früchtetee auf die Ablage unterm Fenster abgestellt, weckte ich meinen Sohn. Verschlafen schaute er mich an. „Wir sind bald da. Komm, Du musst noch etwas frühstücken“, sagte ich leise. Die Schmerzen hatten merkwürdigerweise etwas nachgelassen. Auf dem Chemnitzer Hauptbahnhof half mir der Schaffner aufopferungsvoll, die schweren Koffer aus dem Abteil zu tragen.

„Kann ich sonst noch was für Sie tun, junge Frau“, meinte er nur. Ich verneinte.

„Na denn, kommen Sie gut heim.“

Pit sprang schon übermütig auf dem Bahnsteig herum und zählte die einfahrenden Züge. Ich war glücklich, ihm wieder einen schönen Urlaub ermöglicht zu haben. Doch plötzlich kehrten die Schmerzen zurück. Sie wurden stärker und stärker. Zeitweise wurde mir so schlecht, dass ich die Koffer absetzen musste, um tief durch zu atmen. Und da waren auch diese quälenden Ängste. Was, wenn ich nicht mehr in der Lage wäre, mich um meinen Sohn zu kümmern. Was, wenn ich plötzlich … Ich konnte diesen Gedanken nicht zu Ende denken, denn ich spürte bereits, wie die ersten Tränen aus den Augen rannen. Hastig zog ich ein Zellstofftaschentuch aus der Tasche und wischte mir heimlich die Augen trocken. Hoffentlich hatte Pit nichts bemerkt. Doch der schien bester Laune und hatte bereits einen kleinen Eisstand im Visier.

„Nur nicht an die Schmerzen denken“, zwang ich mich, „Du musst Deinen Jungen groß bekommen! Du hast für ihn da zu sein! Du musst!“

Die Bahnfahrt bis in unsere kleine Stadt schien sich mein Körper an die drastischen Befehle zu halten. Doch als wir endlich daheim auf dem kleinen Bahnhof ankamen, hielt ich es vor Schmerzen einfach nicht mehr aus. Ich drückte Pit zwanzig Pfennig in die Hand und bat ihn, bei Evi und Kurt, meiner Schwester und meinem Schwager, anzurufen. Sie besaßen ein Fahrzeug und sollten uns vom Bahnhof abholen. Es dauerte nicht lange bis sie kamen. Sie bemerkten sofort, dass mit mir etwas nicht stimmte. Ich wollte es ihnen erklären. Doch dazu kam ich nicht mehr. Mir wurde übel und taumelig. Ich spürte, wie ein leichtes Taubheitsgefühl durch meine Gliedmaßen fuhr und mir die Kräfte nahm. Große Angst machte sich breit, vor allem die Angst um meinen Sohn. Was sollte nur aus ihm werden, wenn ich kein Geld mehr verdienen konnte? Niemals wollte ich ihn in irgendein Heim geben. Ich musste doch für ihn da sein. Evi rief den Notarzt an. Frau Dr. Müller kam sofort. Sie war eine gute Freundin und ihre Praxis lag nicht sehr weit entfernt. Wenigstens kein fremder Arzt, dachte ich nur.

Plötzlich bekam ich keine Luft mehr! Ich röchelte nur noch und ein schneidender Schmerz zuckte durch meinen Leib. Die Sinne schwanden mir, ich fiel und fiel, endlos tief…

Ich sah viele Etappen meines Lebens an mir vorüberziehen, sah die Geburt meines Sohnes. Und am Ende eines seltsamen Tunnels sah ich ein weißes, warmes, wunderbares Licht.

Rasch kam es näher. Alle Schmerzen vergingen und mir wurde leicht, so unendlich leicht. Unter mir breitete sich die Erde aus, eine Szenerie wie in einem Science-Fiction-Film. Ich sah, wie sich Ärzte über eine leblose Frau beugten, wie die Frau beatmet wurde, wie ein kleiner Junge weggeführt wurde. Ich wusste damals nicht, dass ich mich selber sah.

Das weiße Licht war plötzlich so nah, dass ich es beinahe greifen konnte. Da flackerte plötzlich ein greller Blitz auf und abrupt wurde es schwarz um mich herum!

Nur eine leise Stimme sang aus der Ferne:

Oh Du wundervolles Leben, Du

Gabst mir viel, doch niemals Ruh

Gabst mir meinen lieben Sohn

Gabst mir Kraft als schönsten Lohn

Oh Du wundervolles Leben, ach

Halte meine Sinne wach

Denn mein Sohn braucht mich so sehr

Lass nicht zu, dass ich verlier

Wenn´s Dich gibt, Du lieber Gott,

mach gesund mich, mach mich flott

Meine Zeit, ich spüre es,

ist nicht um, muss leben jetzt

Als ich erwachte, fiel mein Blick auf ein kleines geöffnetes Fenster gegenüber von meinem Bett. Ich versuchte, mich aufzurichten, doch es gelang mir nicht. Kraftlos fiel ich in die weißen Kissen zurück. Ich riss die Augen auf, wollte irgendetwas sehen, doch ich war einfach zu müde. Immer wieder fielen mir die scheinbar schweren Augenlider zu. Aus der Ferne vernahm ich eine Stimme. Sie rief fortwährend meinen Namen: „Hallo Frau Vogt, aufwachen! Frau Vogt, hören Sie mich?“

Mühsam gelang es mir endlich, meine Augen einen winzigen Spalt zu öffnen. Schemenhaft erkannte ich weit über mir das Gesicht einer jungen Frau. Ihre dunklen Haare hoben sich unnatürlich grell von ihrer weißen Bekleidung ab. Sie lächelte mich an. Ich glaubte, im Himmel angekommen zu sein. War das ein Engel?

„Wo bin ich“, hörte ich mich wispern. Mit beruhigender Stimme sagte die junge Frau: „Sie sind im Krankenhaus. Und Sie haben die Operation gut überstanden, ich bin Schwester Ina.“

Ungläubig starrte ich die Schwester an. Ich glaubte wohl noch immer, im Himmel zu sein. Doch so langsam kehrten die Erinnerungen zurück. Und seltsam verwirrt säuselte ich: „Operation? Was für eine Operation? Und wo ist mein Sohn?“

Ich erholte mich schnell. Pit war bei meiner Mutter, die sich rührend um ihn kümmerte. Später erfuhr ich, dass ich zusammengebrochen war. Die Ärztin brachte mich umgehend ins Krankenhaus. Dort wurde mir die Gallenblase entfernt. Außerdem diagnostizierte man eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse bei mir. Der behandelnde Arzt offerierte mir, dass dieses Leiden nicht besser werden würde. Im Gegenteil, ich müsste nun erstrecht sehr stark auf meine Gesundheit achten. Ich durfte nicht mehr alles essen und brauchte etliche Medikamente. Insgesamt sechs Wochen lag ich im Krankenhaus. Nur an den Besuchstagen sah ich meinen Sohn, den meine Mutter jedes Mal mitbrachte. Es brach mir damals fast das Herz, ihn so traurig zu sehen. Evi und Kurt brachten mir alle drei Tage frisches Obst, obwohl ich es eigentlich noch gar nicht essen durfte. Alle waren sehr bemüht und sorgten sich sehr. Doch es wollte einfach nicht aufwärts gehen mit mir. Eines Nachts starb Irene, mit der ich all die lange Zeit im Zimmer lag. Sie litt an der gleichen Krankheit. Ihre Bauchspeicheldrüse hatte einfach aufgehört zu funktionieren. Ich mochte sie sehr, und dieses Erlebnis brachte mich beinahe an den Rand der Verzweiflung. Es warf mich um Wochen zurück. Ich weinte sehr viel in dieser Zeit.

Manchmal hörte ich meinen Sohn, wie er vor dem Fenster meines Krankenzimmers stand und nach mir rief: „Hallo Mami, bist Du da? Wie geht’s Dir?“

Ich schleppte mich dann zum Fenster, nur um ihn zu sehen. Das gab mir wieder die nötige Kraft, um weiter durchzuhalten. Denn oft wusste ich nicht, wie lange ich all das noch ertragen könnte. In einer der folgenden Nächte wurde ich von einem lauten Geräusch aus meinem leichten Schlaf gerissen. Es musste von draußen kommen. Ich hob mich umständlich aus dem Bett und wankte zum Fenster. Draußen fielen dicke Flocken vom Himmel und vor dem Haus stand eine sehr hohe Tanne. Ihre Zweige wurden vom Wind immer wieder an die Scheiben geweht. Ich legte mich zurück ins Bett, wollte weiterschlafen. Da fiel plötzlich ein helles Licht, welches über der Tanne zu schweben schien, auf mein Bett. Ich erschrak, dachte im ersten Moment, jemand würde mit einer Taschenlampe vor meinem Fenster herumspielen. Doch wer sollte um diese