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Mehr als nur ein Name ist die Geschichte einer jungen Frau, die gelernt hat, sich selbst zu finden zwischen Schmerz, Liebe, Verlust und Neubeginn. Vanessa Schlosser erzählt ehrlich, mutig aus ihrem Leben. Es ist eine Biografie über das, was uns wirklich ausmacht: nicht der Name, den wir tragen, sondern die Spuren, die wir hinterlassen.
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Seitenzahl: 105
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Ich hab lange überlegt, ob ich dieses Buch wirklich schreiben soll. Ob ich bereit bin, meine Geschichte so ehrlich aufzuschreiben – mit all den Narben, den Abstürzen, den Tränen. Aber auch mit dem Mut, der Freundschaft, dem Aufstehen. Dieses Buch ist kein Roman. Es ist mein Leben. So, wie es war – laut, leise, schön, kaputt, ehrlich. Es ist für alle, die sich manchmal falsch fühlen. Die oft an sich zweifeln. Und für die, die nie wirklich sagen konnten, wie’s ihnen eigentlich ging. Ich erzähle von meiner Kindheit, meiner Jugend, den dunklen Tagen – aber auch von allem, was mich heute stark macht. Ich schreibe für mich. Und für alle, die vielleicht genau das brauchen: jemanden, der’s schon mal gefühlt hat.
Vorwort
Einleitung
Wurzeln im Wind – Kindheit zwischen Liebe und Kampf
Verloren und gefunden – Meine Zeit im Heim
Herz aus Narben – eine Jugend im Schatten und im Aufbruch
Stärker als die Stürme – mein Weg ins Erwachsenenleben
Zwischen Herz und Härte – Familie Fluch oder Segen?
Köper, Geist und Kampfgeist – Sport als Rettungsanker
Wen der Körper streikt – Lektionen durch meine Krankheiten
Freundschaft auf Leben und Tot – Meine Weggefährten
Karriere trotz Chaos – wie ich mir meinen Platz erkämpfte
Mit Narben lachen – Mein Weg zur Leichtigkeit
Morgen kann kommen – Träume, Pläne und das Feuer in mir
Nachwort
Dankesagung
Manchmal begegnet man einem Lächeln und ahnt nicht, welche Stürme sich hinter dieser Fassade verbergen. Mein Leben nahm nicht seinen Anfang auf festem Grund. Von Beginn an war es eine Reise über unebene Pfade, durch Sackgassen und über Brücken, die manchmal beinahe unter meinen Füßen nachgaben.
Ich musste früh lernen, dass zuhause kein fester Ort ist, sondern ein Gefühl, das oft flüchtiger ist, als man es sich vorstellen kann. Menschen können dich lieben und dennoch fortgehen. Die Last der Angst kann erdrückend sein, während die Hoffnung häufig leise und zerbrechlich bleibt.
Diese Geschichte erzählt von der Familie, die mich geformt hat – sowohl im Licht als auch im Schatten. Von Freundschaften, die tiefer gingen als Worte es je ausdrücken könnten. Von Träumen, die oft auf der Kippe standen. Von Krankheiten, die mich zurückhielten, und von Sport, der mir eine neue Stärke verlieh. Von einem Weg, der selten einfach, aber stets der meine war.
Und genau an dieser Stelle beginnt meine Erzählung.
Am 2. April 2005 erblickte ich zum ersten Mal das Licht der Welt. Alles um mich herum war neu, fremd und überwältigend. Vor meinem Krankenhausbett standen meine Großeltern, ihre Blicke voller Liebe und einer stillen Ehrfurcht, die sich kaum in Worte fassen ließ. Meine Mama hielt mich fest in ihren Armen – erschöpft, aber erfüllt von einem Stolz, der den ganzen Raum erfüllte. In diesem winzigen Moment veränderte sich alles: Eine Tochter wurde geboren. Eine Enkelin. Ein neuer Anfang. Damals ahnte ich noch nichts von dem, was vor mir lag. Aber tief in mir spürte ich: Mein Leben würde seinen ganz eigenen Weg gehen. Und dieser Tag legte den ersten, zarten Stein für alles, was noch kommen sollte.
In den ersten Tagen nach meiner Geburt war richtig was los. Ständig stand jemand an meinem Bett, wollte mich auf den Arm nehmen oder einfach nur mein kleines Gesicht bestaunen – ganz vorne dabei natürlich meine Oma. Manchmal fühlte ich mich wie ein Wanderpokal. Ehrlich gesagt: So viel Rumgereiche war ziemlich anstrengend. Manchmal wollte ich mich einfach kurz unsichtbar machen und meine Ruhe haben. Aber als wäre das nicht schon genug Trubel gewesen, tauchte plötzlich auch noch die Presse auf – die Passauer Neue Presse, um genau zu sein. Sie schossen ein Foto von mir und meiner Mama, dass ein paar Tage später tatsächlich in der Zeitung landete. Wie mir meine Oma und Mama später erzählten, war ich auf einmal ein kleiner Lokalstar. Als sie mir irgendwann den vergilbten Zeitungsartikel zeigten, war ich richtig stolz. Da war ich – frisch auf der Welt und schon ein echter Aufmacher! Neben all dem Trubel gab es aber auch die weniger glamouröse Seite: Die Krankenschwestern und Ärzte schauten fast im Minutentakt bei uns vorbei. Tests, Untersuchungen, Pieksen hier, Fiebermessen da – ich hatte ziemlich schnell genug. Aber immerhin: Nach ein paar Tagen hieß es Entwarnung. Alles bestens. Und ich durfte das Kinderklinikum in Passau endlich verlassen. Ich konnte es kaum erwarten, endlich mein Zuhause kennenzulernen. Wie würde es riechen? Wie würde es aussehen? Und am wichtigsten: Würde ich dort genauso viele Kuscheleinheiten bekommen wie hier? Meine Oma und mein Opa würden jedenfalls auf mich warten – und wie meine Mama immer sagte: Mit ihnen konnte ich schon damals am allerbesten lachen.
Danach ging der Stress so richtig los – also, nicht für mich natürlich, sondern für meine Familie. Alle wollten mich sehen, mich bewundern und meiner Mama gratulieren. Aber kaum standen sie da, stolz wie Bolle, sahen sie… na ja, ein schlafendes Bündel. Wirklich, ich habe überall und immer geschlafen: auf Mamas Brust, bei meiner Oma im Arm, auf dem Boden – völlig egal. Und glaubt mir, es gab noch viel verrücktere Orte, an denen ich eingepennt bin, … aber die Geschichten hebe ich mir lieber für ein anderes Mal auf. Ich glaube ja, das mit dem “immer und überall schlafen können” habe ich eindeutig von meinem Papa geerbt. Wie sich später noch rausstellte, habe ich aber nicht nur seine Schlafkünste übernommen – sondern auch seinen Bärenhunger. Wenn ich keine Milch bekam, wurde ich richtig unangenehm. Und wenn ich sage „unangenehm“, dann meine ich das auch so: Ich schrie, ich weinte, ich legte das komplette Drama hin. Damals taten mir unsere Nachbarn kein bisschen leid. Heute denke ich mir manchmal: Respekt, was die alles ausgehalten haben. Arme Leute.
Die nächsten Wochen? Ganz einfach: „Ich habe Hunger!“ und „Ich möchte schlafen!“ – das war eigentlich mein gesamtes Repertoire. Ehrlich gesagt, war mein Leben zu der Zeit auch nicht viel mehr als das. Den ganzen Tag durchgehend fressen und dann wieder schlafen – klingt doch nach einem super Plan, oder? Natürlich ließ es sich meine Oma nicht nehmen, regelmäßig bei uns vorbeizukommen, um meiner Mama zu helfen – sei es beim Einkaufen, im Haushalt oder mit all dem anderen Kram, der halt so anfällt, wenn man frisch Mutter geworden ist. Aber wenn ich ehrlich bin, hatte ich zu der Zeit eh nur ein Ziel: Essen und Schlafen. Und manchmal… gab’s das auch gleichzeitig. In meiner Welt gab es nichts Besseres. Aber nicht nur Oma und Mama hatten ihre Hände voll – auch mein Onkel war oft zu Besuch. Er brachte immer eine Menge Energie mit, die ich in meinem Zustand nicht ganz nachvollziehen konnte. Trotzdem machten wir zusammen Blödsinn auf meiner großartigen Spielmatte am Boden. Ich weiß nicht genau, was wir gemacht haben, aber ich kann mir gut vorstellen, dass ich dabei oft „Schlafen!“ gerufen habe, während er das Spiel fortsetzte. Und dann gab’s da noch die Spaziergänge. Ja, draußen am Inn oder an der Ilz – bei schönem Wetter natürlich! Essen und Schlafen war mein Ding, aber irgendwie mochte ich es auch, ein bisschen die Welt zu erkunden. Klar, ich hab’s damals vielleicht nicht so richtig mitbekommen, aber wie sich später herausstellte, waren die Orte, die ich damals gesehen habe, die gleichen, die ich später mit meinen Freunden aus der Nachbarschaft unsicher machen würde. Spaziergänge? Klar, aber wirklich nur, wenn ich nicht gerade in den „Ich-habe-Hunger-und-Muss-Schlafen“-Modus verfallen bin!
Die Zeit verging. Erst schlichen sich die Monate vorbei, dann nahm das Leben langsam Fahrt auf. Ich wuchs, ich entdeckte die Welt – und ehrlich gesagt war ich hauptsächlich mit zwei Dingen beschäftigt: schlafen und essen. Doch kurz bevor ich meinen ersten Geburtstag feiern konnte, wurde aus meinem kleinen, heilen Universum plötzlich eine echte Achterbahnfahrt. Angefangen hat alles harmlos – ein bisschen Husten, ein bisschen Quengeln. Meine Mama dachte sich noch: „Naja, Erkältung halt.“ Also packte sie mich ein und wir machten einen Ausflug zum Kinderarzt. Der war entspannt wie immer, klopfte einmal auf meine Brust und meinte: „Alles normal, kein Grund zur Panik.“ Tja, Spoiler: War’s nicht. Wieder daheim wollte ich natürlich – wer hätte es gedacht – schlafen. Aber der Husten hielt mich davon ab. Mama kuschelte, sang, wiegte mich hin und her, aber irgendwas stimmte einfach nicht. Manchmal spürt man Dinge, auch wenn man sie noch nicht richtig greifen kann. Mama spürte es.Und dann kam die Nacht, die alles veränderte. Plötzlich bekam ich keine Luft mehr. Nicht ein bisschen zu wenig Luft – nein, gar nichts mehr. Meine Mama sprang auf, versuchte alles, rief den Krankenwagen – während ich, ganz die kleine Drama-Queen, die komplette Wohnung in Panik versetzte. Im Krankenhaus ging’s dann weiter mit dem großen Auftritt: Sauerstoffmasken, Monitore, blinkende Geräte und ein gefühlt ganzes Fußballteam an Pflegekräften, die rund um mich herumwuselten. Ich lag da, winzig, verwirrt, und fragte mich innerlich: „Was zur Hölle passiert, hier eigentlich?!“ Die Diagnose? Eine schwere Bronchitis, die sich still und heimlich in meinen kleinen Körper geschlichen hatte. Mama wich mir nicht von der Seite. In ihren Augen sah ich Angst, Hoffnung, Verzweiflung – und unendliche Liebe. Während die Maschinen piepsten und die Ärzte hektisch um mich herum arbeiteten, stellte sie sich immer wieder dieselben Fragen: „Schafft sie das? Wird sie wieder gesund?“ Und ich? Ich kämpfte. Denn schon damals wusste ich: Aufgeben ist einfach nicht mein Stil.
Nach zwei Wochen Krankenhaus, in denen ich mehr Zeit an Schläuchen und Piepsgeräten hing als irgendwo sonst, durfte ich endlich wieder nach Hause. Die schwere Bronchitis hatte keine bleibenden Schäden hinterlassen – zum Glück! Ich freute mich riesig auf mein kleines Reich: meine Kuscheltiere, meine Spielmatte, mein eigenes Bettchen… und natürlich auf Oma und Opa, die ich mindestens genauso vermisst hatte wie meine Milchflaschen. Kaum zu Hause angekommen, gab es natürlich eine riesige Willkommens-Party – na gut, zumindest aus Erwachsenensicht. Ich selbst zeigte meine Freude auf meine eigene Art: Ich legte mich direkt schlafen. Was denn sonst? Schlafen und Essen – das war damals schließlich mein Tagesinhalt Nummer eins. Meine Mama aber ließ in diesen Tagen kaum ein Auge zu. Immer wieder wachte sie nachts auf, kontrollierte meinen Atem, legte ihre Hand auf meine Brust, lauschte meinen kleinen Atemzügen. Die Angst, mich zu verlieren, saß ihr noch tief im Nacken. Und obwohl ich das damals nicht bewusst wahrnahm – heute weiß ich: Ihre stille Wachsamkeit war pure, bedingungslose Liebe. Doch das Leben wartete nicht – bald schon stand ein ganz besonderer Tag vor der Tür: mein erster Geburtstag! Ein ganzes Jahr auf dieser Welt – ein kleiner Mensch, der bereits mehr erlebt hatte als andere in einer halben Kindheit. Und weil man große Ereignisse ja am besten gleich bündelt, fand an meinem Geburtstag auch meine Taufe statt. Meine ersten Begegnungen mit der Kirche liefen… sagen wir mal… nicht ganz so heilig ab. Ich hing hauptsächlich bei meinem Opa auf dem Arm (mein heldenhafter Taufpate) und ließ alles geduldig über mich ergehen – während ich innerlich vermutlich darüber nachdachte, wann es endlich wieder Futter oder ein Nickerchen gab. Nebenbei begann ich in dieser aufregenden Zeit zu laufen. Oder besser gesagt: ich versuchte zu laufen. Es war mehr ein Wanken, Torkeln und wieder-Hinfallen – aber Aufgeben? Fehlanzeige. Mit jedem Aufstehen legte ich still und leise den Grundstein für eine meiner wichtigsten Eigenschaften: Egal, wie oft ich falle – ich stehe wieder auf. Immer. Und auch das Sprechen kam langsam ins Rollen – „Mama“, „Oma“, „Opa“ und ein rätselhaftes „Dada“ waren meine ersten Beiträge zur großen Welt der Kommunikation. Nicht viel, aber der Anfang war gemacht. Und der Rest? Der Rest sollte noch folgen. Mit viel Lachen, mit viel Hunger – und mit ganz, ganz viel Mut.
Mit 18 Monaten war es dann so weit – der Kindergarten rief!
Für mich war das Neuland. Neue Erwachsene, neue Kinder – alles war
