4,99 €
Mohamed El Bachiri ist Marokkaner, Belgier und Muslim. Am 22. März 2016 verlor er seine Frau Loubna, seine große Liebe und die Mutter seiner drei Kinder, bei den terroristischen Angriffen in Brüssel. Die eindrucksvolle Rede, die er danach im belgischen Fernsehen hielt, berührte Millionen. In »Mein Dschihad der Liebe« – aufgezeichnet von David Van Reybrouck – spricht Mohamed über seine Kindheit in Belgien, die Liebe zu seiner Frau und sein Leben nach den Anschlägen allein mit seinen drei Kindern. Es ist eine Hommage an die Liebe seines Lebens und eine humanistische Botschaft für die Verständigung der Religionen und gegen Hass.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 48
Veröffentlichungsjahr: 2017
Mohamed El Bachiri | David Van Reybrouck
Mohamed El Bachiri ist Belgier mit marokkanischen Wurzeln, Muslim und lebt in Molenbeek. Am 22. März 2016 verlor er seine Frau Loubna, seine große Liebe und die Mutter seiner drei Kinder, bei den Terroranschlägen in Brüssel. Die eindrucksvolle Rede, die er danach im belgischen Fernsehen hielt, berührte Millionen. In Mein Dschihad der Liebe – aufgezeichnet von David Van Reybrouck – spricht El Bachiri über seine Kindheit in Belgien, die Liebe zu seiner Frau und sein Leben nach den Anschlägen allein mit seinen drei Kindern. Es ist eine Hommage an die Liebe seines Lebens und eine humanistische Botschaft für die Verständigung der Religionen und gegen den Hass.
Weitere Informationen finden Sie auf www.fischerverlage.de
David Van Reybrouck, geboren 1971, ist ein preisgekrönter Journalist und Bestsellerautor. Seine Bücher sind international erfolgreich, u.a. sein vielfach gelobtes Buch »Kongo. Eine Geschichte«.
Dieses Buch wurde mit Unterstützung des Flämischen Literaturfonds herausgegeben (www.flandersliterature.be).
Erschienen bei FISCHER E-Books
Die niederländische Originalausgabe erschien 2017 unter dem Titel
»Een Jihad van Liefde«
im Verlag De Bezige Bij, Amsterdam/Antwerpen
© 2017 Mohamed El Bachiri und David Van Reybrouck
Für die deutschsprachige Ausgabe:
© 2017 S. Fischer Verlag GmbH, Hedderichstr. 114, D-60596 Frankfurt am Main
Coverabbildung: © Anton Coene
Abhängig vom eingesetzten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.
Dieses E-Book ist urheberrechtlich geschützt.
ISBN 978-3-10-490610-2
Dieses E-Book ist urheberrechtlich geschützt.
Die Nutzung unserer Werke für Text- und Data-Mining im Sinne von § 44b UrhG behalten wir uns explizit vor.
Abhängig vom eingesetzten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.
Im Text enthaltene externe Links begründen keine inhaltliche Verantwortung des Verlages, sondern sind allein von dem jeweiligen Dienstanbieter zu verantworten. Der Verlag hat die verlinkten externen Seiten zum Zeitpunkt der Buchveröffentlichung sorgfältig überprüft, mögliche Rechtsverstöße waren zum Zeitpunkt der Verlinkung nicht erkennbar. Auf spätere Veränderungen besteht keinerlei Einfluss. Eine Haftung des Verlags ist daher ausgeschlossen.
Dieses E-Book enthält möglicherweise Abbildungen. Der Verlag kann die korrekte Darstellung auf den unterschiedlichen E-Book-Readern nicht gewährleisten.
Wir empfehlen Ihnen, bei Bedarf das Format Ihres E-Book-Readers von Hoch- auf Querformat zu ändern. So werden insbesondere Abbildungen im Querformat optimal dargestellt.
Anleitungen finden sich i.d.R. auf den Hilfeseiten der Anbieter.
Lexikoneintrag
Loubna, Liebste
Jener Tag
Abends
Nachts
Meine Stimme
Meine Eltern
Sprache
Glaube
Meine Schule
Mitmenschlichkeit
Der Koran
Nachdenken
Neugier
Geschichte
Selbstvertrauen
Reisen
Begegnung
Beziehung
Zusammenleben
Ehe
Geburt
Über die Anschläge
Güte
Die Kinder
Brüderlichkeit
Vergeltung
Die Todesstrafe
Das Herz
Die Täter
Molenbeek
Marokko
Zwei Länder
Tiefe
Schönheit
Das Wesentliche
Dazugehören
Schulunterricht
Dschihad
Dieses Buch
Menschsein
Politik
Aufrichtigkeit
Der laizistische Staat
Beten
Nachts
Liebe
Envoi
Nachwort
Dschihad (Substantiv, m)
(Arab.: jihād, Anstrengung, Kampf auf dem Wege Gottes)
Anstrengung, die jeder Muslim auf sich nehmen muss, um seine Leidenschaften zu bezwingen (vom Propheten Mohammed als der »große Dschihad« betrachtet).
Kampf, um das Territorium des Islam zu verteidigen (als der »kleine Dschihad« betrachtet).
Larousse, Dictionnaire de français.
Loubna, Liebste,
nichts hat noch einen Reiz, nichts hat mehr einen Sinn.
Meine Träume waren die deinen, deine Träume die meinen.
Zusammen alt werden, Hand in Hand.
Die Kinder aufwachsen sehen, in Freude und Liebe.
Das war unser Weg, vorgezeichnet von Dem, der die Feder des Schicksals führt.
Das dachten wir zumindest.
Doch zu unserem großen Kummer erwartete uns ein anderes Schicksal.
Du warst meine Seelenverwandte, meine Vertraute, meine beste Freundin.
Liebe meines Lebens, Mutter meiner Kinder,
die, mit der ich immer lachte.
Wir hatten eine ernsthafte Beziehung, nahmen uns selbst aber nie zu ernst.
Unsere Geschichte gründete auf Liebe, Vertrauen und Respekt.
Einfache und doch starke Liebe.
Was für eine außergewöhnlich seltene Perle besaß ich.
Sie schenkte mir so viel Freude, einfach, indem sie bei mir war.
Was für ein Glück, eine so schöne, intelligente Frau
mit einem so großen Herzen zu haben …
Wir haben unsere Kinder immer beschützt gegen Krieg und Wahnsinn.
Aber das Schlimmste ist uns doch widerfahren.
Auge in Auge mit dem Unfassbaren – was soll ich den Kindern sagen?
Ich hatte frei.
Sie nahm die Metro.
Eine ihrer Freundinnen kam zu mir.
Sie sagte, es habe einen Anschlag gegeben.
Ich hatte sofort eine schlimme Vorahnung.
Ich sah, dass sie nach 9:10 nicht mehr online gewesen war.
Da wusste ich genug.
Ich ging zu meinen Eltern.
In eine Decke gehüllt, brach ich zusammen.
Ansonsten habe ich eine Art Gedächtnisverlust.
Ich befinde mich in einer anderen Dimension.
Nur so kann ich leben.
Wenn sie abends im Bett liegen, schreibe ich manchmal auf dem Display meines Handys. Texte und Sätze, die mir durch den Kopf gehen, manchmal auch Gedichte. Schreiben, Worte finden, wahre Worte.
Wenn ich über Liebe schreibe, komme ich deinem strahlenden Gesicht näher.
Es ist mitten in der Nacht.
Ich gehe die Treppe hinab.
Alles dreht sich.
Wo bin ich?
Der Kleine ist aufgewacht.
Er weint.
Er hat Hunger.
Er ist drei.
Unser Jüngster.
Wir haben drei.
Drei Söhne. Zehn, acht und drei Jahre alt.
Unsere Kinder.
»Meine Kinder«, muss ich jetzt sagen.
Ihr Name steht noch immer neben der Klingel.
Natürlich. Das hier ist ihr Zuhause.
