Mein Leben für Virginia - Eppa Hunton II. - E-Book

Mein Leben für Virginia E-Book

Eppa Hunton II.

0,0

Beschreibung

Nach der Wahl Abraham Lincolns zum Präsidenten der Vereinigten Staaten und dem folgenden Austritt mehrerer Südstaaten aus dem Staatenbund sieht sich der 38-jährige Rechtsanwalt Eppa Hunton II. aus Prince William County, Virginia zu Beginn des Jahres 1861 mit der Entscheidung konfrontiert, ob seine Loyalität seinem Land oder seinem Heimatstaat gelten soll. Obgleich er keinen Groll wider die Union hegt, zögert er nicht, sich ganz in den Dienst seines Heimatstaates zu stellen. Als die Legislative Virginias für den 04. Februar 1861 eine außerordentliche Tagung zwecks Abstimmung über eine etwaige Sezession des Staates einberuft, wird Hunton zum Abgeordneten und Wahlmann seines Countys gewählt und spricht sich sogleich entschieden für eine sofortige Sezession aus. Er erhofft sich eine unblutige Spaltung der Union, ist jedoch willens, nötigenfalls für die Unabhängigkeit des Südens zu kämpfen. Als sich der Krieg schließlich als unausweichlich erweist, verschafft Huntons Popularität ihm ein Feldkommando als Colonel der 8th Virginia Infantry. Er kämpft in der Ersten Schlacht von Manassas, trägt wesentlichen Anteil an dem konföderierten Sieg bei Ball's Bluff und übernimmt zeitweise das Kommando über General Picketts Brigade. Die 8th Virginia Infantry kämpft im Laufe des Jahres 1862 in den meisten Schlachten des östlichen Kriegsschauplatzes und als General Robert E. Lee seine Army of Northern Virginia im Juni 1863 nach Pennsylvania führt, verfügt Colonel Huntons Regiment nur noch über 205 Soldaten. Als Bestandteil von Picketts Division nimmt das 8th Virginia an "Pickett's Charge", dem großen konföderierten Sturmangriff am dritten Tag der Schlacht von Gettysburg, teil. Hunton ist aufgrund seiner angeschlagenen körperlichen Verfassung gezwungen, seine Männer zu Pferde in den Angriff zu führen und erleidet eine Verwundung, doch seine Männer gehören zu den wenigen, welche die Verteidigungsstellungen der Unionsarmee erreichen. Für seine Tapferkeit in der Schlacht wird er zum Brigadier-General ernannt und führt seine Brigade durch die Schlacht von Cold Harbor, die Belagerung Petersburgs und General Lees letztlichen Rückzug nach Appomattox Court House, bis die Brigade schließlich am 06. April 1865, drei Tage vor der Kapitulation der Army of Northern Virginia, in der Schlacht von Sayler's Creek umzingelt wird und die Waffen strecken muss. Hunton gerät in Gefangenschaft und verbringt vier Monate gemeinsam mit weiteren gefangenen Generälen in Fort Warren, Massachusetts. Nach dem Krieg stellt er sein Leben weiterhin in den Dienst seines Heimatstaates und wird zum Kongressabgeordneten und Senator Virginias gewählt. Auf Drängen seiner Familie beginnt Hunton mit der Niederschrift seiner Memoiren und da er niemals eine Veröffentlichung seiner Erinnerungen erwog, äußert er sich offen, ehrlich und teils meinungsstark über die politischen sowie militärischen Aspekte des Krieges und gewährt Einblick "hinter die Kulissen" der Führungsriege von General Lees Army of Northern Virginia. Seine Perspektive stellt eine wertvolle und erhellende Ergänzung zur Sichtweise der einfachen Soldaten dar und ist als solche ein faszinierendes Zeitzeugendokument. Ein Anhang der Gefechtsberichte von Huntons Brigade sowie der 8th Virginia Infantry ermöglicht einen aufschlussreichen Vergleich zu Huntons Erinnerungen und stellt eine Ergänzung zu seinen Schilderungen dar.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 318

Veröffentlichungsjahr: 2020

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Eppa Hunton II.

Mein Leben für Virginia

Ein General der Army of Northern Virginia erinnert sich an den Amerikanischen Bürgerkrieg

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Vorwort des Übersetzers

Vorwort des Autors

Vorwort zur erweiterten Ausgabe

Kapitel 01: Mein Leben vor dem Ausbruch des Krieges

Kapitel 02: Der Ausbruch des Krieges und die Sezession Virginias

Kapitel 03: Die Schlachten von Manassas und Ball’s Bluff

Kapitel 04: Der Halbinselfeldzug; die Zweite Schlacht von Manassas; die Schlachten von Sharpsburg, Fredericksburg, Chancellorsville und Gettysburg

Kapitel 05: Einige Gedanken zur Schlacht von Gettysburg

Kapitel 06: Beförderung zum Brigadier-General; die Schlacht von Mine Run; General Grants Überland-Feldzug

Kapitel 07: Die Schlacht von Cold Harbor; Grant bedroht Petersburg

Kapitel 08: Die Belagerung von Petersburg; die Schlacht von Five Forks; die Schlacht von Sailor’s Creek; ich gerate in Gefangenschaft; General Lee kapituliert; Präsident Lincoln wird ermordet

Kapitel 09: Meine Gefangenschaft; einige Gedanken über den Krieg; meine Freilassung und Heimkehr

Anhang

B: Gefechtsberichte der 8th Virginia Infantry und von Huntons Brigade

Schlacht von Ball’s Bluff

Schlacht von Williamsburg

Schlacht von Seven Pines

Schlacht von Gaines Mill

Schlacht von Frayser’s Farm

Schlacht von South Mountain und Schlacht von Sharpsburg

Schlacht von Gettysburg

Das Ende von Huntons Brigade

Impressum neobooks

Vorwort des Übersetzers

Widmung

Der Autor widmet dieses Buch in innigster Zuneigung seinen beiden geliebten Kindern Eppa und Jincie, die so viel Freude und Vergnügen in sein Leben gebracht haben und ihm im fortgeschrittenen Alter eine treue und verlässliche Stütze sind. Sie werden nach meinem Ableben mehr als würdige Vertreter meines Namens sein.

Eppa Hunton II.

"Die Bevölkerung Virginias liebte die Union, zu deren Entstehen ihr Heimatstaat so viel beigetragen hatte. Die Virginier betrachteten ihre Schwesterstaaten als Fleisch von ihrem Fleisch und Blut von ihrem Blut. Die besten Söhne Virginias hatten die politischen Gremien des Bundes geleitet und die Armeen befehligt, die seine Unabhängigkeit erstritten. Das Blut der Kinder Virginias war auf jedem Schlachtfelde der Revolution vergossen worden. Die Söhne Virginias erschufen die Institutionen ihres Heimatstaates und gestalteten diese gemäß ihren eigenen Vorstellungen. Die Geschichte Virginias war auf das Engste mit jener der Vereinigten Staaten verwoben. Es konnte kein Zweifel daran bestehen, dass im Kriegsfalle die streitenden Armeen auf dem Boden des Staates marschieren und kämpfen würden. Und doch vermochten weder die zärtlichen und stolzen Erinnerungen an die gemeinsame Vergangenheit noch der sorgenvolle Gedanke an eine unheildräuende Zukunft Virginia von seinem Entschlusse abzubringen. Man zog das Schwert, schleuderte die Scheide von sich und dem Staate entsprangen Heerscharen bewaffneter Söhne, als hätte man auf seinem Boden die Drachenzähne der griechischen Sage ausgesät."

James Keith, Vorsitzender des Supreme Court of Virginia

Als Abraham Lincoln den Sieg in den US-Präsidentschaftswahlen von 1860 davonträgt, ist die junge Republik politisch bereits zutiefst gespalten. Während Lincolns Wahlsieg in weiten Teilen des Nordens gefeiert wird, stößt er im Süden, wo man die eigene Lebensart und den Fortbestand der Institution der Sklaverei bedroht sieht, größtenteils auf Entsetzen. Bereits im Dezember, dem Folgemonat der Wahlen, erklärt mit South Carolina der erste Südstaat seinen Austritt aus dem Staatenbund. Als es ihm weitere Staaten in rascher Folge gleichtun, sehen sich die Einwohner der bis dato in der Union verbliebenen Südstaaten, darunter auch Virginia, dem stetig wachsenden Druck ausgesetzt, eine mehr oder minder schwere Entscheidung bezüglich ihrer widerstreitenden Loyalitäten zu ihrem Land und ihrem Heimatstaat zu treffen. Es ist dies eine Frage, die mitunter Freundschaften, ja Familien entzweit, doch letztlich ist es für die überwältigende Mehrheit schlicht undenkbar, wider die Interessen ihrer Heimat zu handeln.

Auch der 38-jährige Rechtsanwalt Eppa Hunton II. aus Prince William County, Virginia sieht sich mit dieser Entscheidung konfrontiert, doch obgleich er keinen Groll wider die Union hegt, zögert er nicht, sich ganz in den Dienst seines Heimatstaates zu stellen. Er ist seit frühester Jugend überzeugter Demokrat und betreibt bereits seit Martin van Burens Kandidatur im Jahre 1840 aktiven Wahlkampf für jeden demokratischen Präsidentschaftskandidaten, zudem hat der geachtete Hunton den Rang eines Brigadier-General der virginischen Miliz inne. Als die Legislative Virginias für den 04. Februar 1861 eine außerordentliche Tagung zwecks Abstimmung über eine etwaige Sezession des Staates einberuft, wird Hunton zum Abgeordneten und Wahlmann seines Countys gewählt und spricht sich sogleich entschieden für eine sofortige Sezession aus. Er erhofft sich eine unblutige Spaltung der Union, ist jedoch willens, nötigenfalls für die Unabhängigkeit des Südens zu kämpfen. Als sich der Krieg schließlich als unausweichlich erweist, verschafft Huntons Popularität ihm ein Feldkommando als Colonel der 8th Virginia Infantry. Er kämpft in der Ersten Schlacht von Manassas, trägt wesentlichen Anteil an dem konföderierten Sieg bei Ball’s Bluff und übernimmt nach General George Picketts Verwundung in der Schlacht von Gaines Mill zeitweise das Kommando über dessen Brigade. Die 8th Virginia Infantry kämpft im Laufe des Jahres 1862 in den meisten Schlachten des östlichen Kriegsschauplatzes und als General Robert E. Lee seine Army of Northern Virginia im Juni 1863 nach Pennsylvania führt, verfügt Colonel Huntons Regiment nur noch über 205 Soldaten. Als Bestandteil von Picketts Division nimmt das 8th Virginia an „Pickett’s Charge“, dem großen konföderierten Sturmangriff am dritten Tag der Schlacht von Gettysburg, teil. Hunton ist aufgrund seiner angeschlagenen körperlichen Verfassung gezwungen, seine Männer zu Pferde in den Angriff zu führen und erleidet eine Verwundung. Für seine Tapferkeit in der Schlacht wird er zum Brigadier-General ernannt und übernimmt nach General Garnetts Tod das Kommando über General Picketts alte Virginia-Brigade. Diese führt Hunton durch die Schlacht von Cold Harbor, die Belagerung Petersburgs und General Lees letztlichen Rückzug nach Appomattox Court House, bis die Brigade schließlich am 06. April 1865, drei Tage vor der Kapitulation der Army of Northern Virginia, in der Schlacht von Sayler’s Creek umzingelt wird und die Waffen strecken muss. Hunton gerät in Gefangenschaft und verbringt vier Monate gemeinsam mit weiteren gefangenen Generälen in Fort Warren, Massachusetts. Als er im Juli 1865 zu seiner Familie und seinem zerstörten Heim zurückkehrt, beginnt er sofort mit dem Wiederaufbau seiner Existenz. Anfangs führt er seine Arbeit als Rechtsanwalt fort, wendet sich jedoch der Politik zu, als er die Interessen seines Heimatstaates bedroht sieht und dient Virginia im Laufe seines Lebens als Kongressabgeordneter und Senator.

Auf Drängen seiner Familie beginnt Hunton mit der Niederschrift seiner Memoiren, die schließlich zum Zeitpunkt seines Todes am 11. Oktober 1908 als vollendetes Manuskript vorliegen. Sein Sohn Eppa Hunton III. sowie sein Enkel Eppa Hunton IV. erweitern den Text um einige historische und persönliche Anmerkungen und veranlassen den Druck einer Kleinauflage von 100 Exemplaren, welche lediglich für Familienmitglieder und enge Freunde bestimmt sind.

Hunton, der niemals eine Veröffentlichung seiner Erinnerungen erwog, äußert sich offen, ehrlich und teils meinungsstark über die politischen sowie militärischen Aspekte des Krieges und gewährt Einblick „hinter die Kulissen“ der Führungsriege von General Lees Army of Northern Virginia. Seine Perspektive stellt eine wertvolle und erhellende Ergänzung zur Sichtweise der einfachen Soldaten dar und ist als solche ein faszinierendes Zeitzeugendokument.

Florian Dexheimer

Vorwort des Autors

Ich muss gestehen, dass ich erst nach beträchtlichem Zögern zur Feder griff, um die folgenden Details aus meinem Leben zu Papier zu bringen. Mein Leben war seit dem frühen Tode meines Vaters von steter Anstrengung und Mühsal geprägt. Die politischen und militärischen Positionen, welche ich während des schrecklichen Bürgerkrieges bekleidete, bildeten hierbei keine Ausnahme, doch ganz gleich, welche Funktion ein unergründliches Schicksal mir zudachte, ich versuchte stets, getreu meine Pflicht zu erfüllen. Im Rückblick auf mein Leben muss ich mir eingestehen, dass meine Leistungen hinter den Grenzen des Machbaren zurückgeblieben sind und ich wäre überrascht, sollten die Erinnerungen an meine vergangenen Tage abgesehen von meinen Kindern irgendjemandes Interesse erregen. Meine Kinder waren es auch, die mich so nachdrücklich zur Niederschrift dieses Buches drängten, dass ich ihren Bitten schließlich nachkommen musste. Sie sind die liebevollsten und ergebensten Kinder, die ein Vater sich nur wünschen kann und dieses bescheidene Büchlein ist für sie und nur für sie bestimmt.

Die Mühen und Anstrengungen meines Lebens mögen in den seit dem Ende des Krieges vergangenen Jahrzehnten einige Einzelheiten meiner Erinnerungen an jene Zeit verwischt oder gar ausgelöscht haben, doch ich hoffe, dass mein Leben dereinst Anlass geben wird, sich meiner als eines Menschen mit Integrität, Vaterlandsliebe und Ehrgefühl zu erinnern, sodass meine Kinder bei der Nennung meines Namens niemals vor Scham werden erröten müssen.

Möge der Allmächtige sie segnen und behüten.

Richmond, 14. Juni 1904.

Eppa Hunton II.

Vorwort zur erweiterten Ausgabe

Auf das Drängen meiner Frau und meines Sohnes hin habe ich die Erinnerungen meines Vaters um einige Anmerkungen ergänzt und den Druck einer kleinen Auflage für unsere Familie und einige engere Bekannte veranlasst. Das Buch wird ihnen und ihren Nachkommen einen erleuchtenden Einblick in die Rolle meines Vaters in jenen turbulenten Jahren gewähren. Ich habe also 100 Exemplare dieses Buches drucken lassen und behalte mir sämtliche Rechte hinsichtlich seiner Verbreitung und Vervielfältigung vor. Ich hege nicht die Absicht, Exemplare an Außenstehende zu verkaufen oder zu verschenken, aber jeder Besitzer dieses Buches darf sein Exemplar selbstverständlich einem Freunde leihen, wenn dieser aufrichtiges Interesse an dessen Inhalt zeigt.

Diese wohl reichlich restriktiven Bedingungen erlege ich mir aus folgenden Gründen auf:

Im Vorwort seines Manuskriptes schrieb mein Vater, dass sein bescheidenes Büchlein „für sie und nur für sie“ (womit er seine Kinder meinte) bestimmt sei. Folglich schrieb er sehr freimütig über allerlei Belange, die für seine Familie von Interesse, jedoch nicht für die Augen einer breiten Öffentlichkeit bestimmt sind.

Das Buch enthält zahlreiche Fakten und Meinungen über den Bürgerkrieg und dessen große Persönlichkeiten, die bei einem breiten Publikum womöglich nicht allenthalben auf Zustimmung oder Verständnis stoßen würden. Ich würde es sehr bedauern, mit dem bescheidenen Büchlein meines Vaters jemandes Gefühle zu verletzen oder Zank und Streit auszulösen.

Trotz alledem fühle ich mich jedoch in der Pflicht, die Geschichte meines Vaters in dauerhafter Form für künftige Generationen zu bewahren.

Mein Vater diktierte diese Erinnerungen im Alter von 82 Jahren, während er seinen wohlverdienten Ruhestand in unserem Heim in der 8 East Franklin Street in Richmond, Virginia verlebte.

März 1929.

Eppa Hunton III.

Kapitel 01: Mein Leben vor dem Ausbruch des Krieges

Ich wurde am 22. September des Jahres 1822 auf der zwischen New Baltimore und Thoroughfare gelegenen väterlichen Farm "Springfield" in Fauquier County, Virginia geboren. Mein Vater Eppa Hunton, gebürtig am 30. Januar 1789, war der Sohn von James Hunton und der Enkel von William Hunton, beide ebenfalls aus Fauquier County.

Der Virginia-Zweig der Huntons kam dereinst aus England und siedelte sich um das Jahr 1700 in Lancaster County in der Kolonie Virginia an. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts verließen William Hunton und zwei seiner Brüder Lancaster County. Einer der Brüder ließ sich in Albermarle County nieder, der andere in Madison County und William machte das Anwesen "Fairview" unweit New Baltimore in Fauquier County zu seiner Heimat. Dort ehelichte er Judith Kirk und ihre kinderreiche Ehe bescherte dem County etliche neue Einwohner. "Fairview" blieb im Laufe der Generationen stets in Familienbesitz und ist heute das Heim von Williams Enkel Joseph G. Hunton, einem alten Junggesellen von 80 Jahren. Mein Großvater James Hunton war der älteste Sohn von William und Judith und lebte in dem Anwesen "The Valley" unweit von "Fairview".

James Hunton ehelichte Hannah Logan Brown aus King George County und sie schenkte ihm vier Söhne und drei Töchter. Mein Vater Eppa war der zweitälteste Sohn. Er unterrichtete mehrere Jahre lang in einer Schule unweit der Old Broad Run Church in Fauquier County, erwarb schließlich "Springfield" und ehelichte Elizabeth Marye Brent.

Mein Vater war ein überaus tüchtiger Geschäftsmann, gesegnet mit einer raschen Auffassungsgabe und großer Tatkraft. Er war ausgesprochen beliebt und wurde zweimal in das Abgeordnetenhaus von Virginia gewählt. Im Laufe seines Lebens brachte er es zu einigem Wohlstand und zum Zeitpunkt seines Todes besaß er drei einträgliche Plantagen: "Springfield", "Mount Hope" und eine Farm in Prince William County. Neben seinem ausgeprägten Geschäftssinn verfügte er auch über beträchtliche militärische Fähigkeiten und diente als Offizier im Krieg von 1812. (Laut den Aufzeichnungen des Generaladjutanten der U.S.-Armee diente er als 1st Lieutenant in Captain William R. Smiths Kavallerietrupp aus Fauquier County, welcher dem Kommando von Major Thomas Hunton der Virginia-Miliz angegliedert war.) Er focht bei Bladensburg und Craney Island und fungierte als Brigadeinspekteur der Virginia-Miliz. "Mount Hope" erwarb er, um ein wenig näher bei New Baltimore zu leben, da der Ort über eine vorzügliche Lehranstalt für Knaben und Mädchen verfügte. Mein Vater verstarb am 08. April 1830 im Alter von 41 Jahren.

Die Huntons aus Virginia waren geachtet für ihre Intelligenz, Gastfreundschaft, Charakterstärke und Rechtschaffenheit. In den Gerichtsakten des Staates findet sich kein einziges Verfahren, das wegen eines Gesetzesverstoßes gegen einen Hunton geführt worden wäre.

Meine Mutter war die Tochter von William Brent. Dieser lebte in Dumfries, wo er Hannah Neal ehelichte. Bald nach der Hochzeit brach der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg aus. William finanzierte die Aufstellung einer Kompanie und wurde deren Captain. Da ihn die Vorstöße der Briten den Potomac River hinauf um seine Familie fürchten ließen, erstand er eine Farm nahe Bealeton in Fauquier County und siedelte seine Lieben dorthin um. Auf jener Farm wurde meine Mutter geboren und verheiratet.

Die Brents kamen mit Lord Baltimore nach Amerika und ließen sich in Maryland nieder – angeblich waren sie Vettern des Lords. Zwei von ihnen überquerten den Fluss und siedelten in Stafford County, Virginia. Einer von ihnen erwarb "Richland", der andere "Woodstock" am Potomac River, beide sehr fruchtbare Farmen. Meine Mutter entstammte den "Woodstock-Brents". Die Familie Brent ist eine der zahlreichsten in den Vereinigten Staaten. Ihre Mitglieder finden sich in Virginia, Maryland, Kentucky, Ohio, Missouri und etlichen weiteren Staaten. Die Brents sind bekannt für ihre Intelligenz und ihren Patriotismus.

Mein Vater hatte elf Kinder: Virginia Freedonia, Hannah Neale, John Heath, Judith Ann, Silas Brown, James Innis, meine Wenigkeit, Elizabeth Marye, George William, Mary Brent sowie Charles Arthur. Sowohl das älteste als auch das jüngste Kind starben bereits sehr früh, doch die übrigen von uns erreichten das Erwachsenenalter (einige von uns haben sich als mit enormer Lebenskraft gesegnet erwiesen) und wurden zu ehrbaren und geschätzten Bürgern. Meine Schwester Mary Brent (die Witwe von Thomas R. Foster) und meine Wenigkeit sind die letzten beiden Überlebenden der Geschwisterschar. Der Nachlass meines Vaters erwies sich als finanziell erheblich belastet und es bedurfte des Verkaufs sämtlicher beweglichen Güter sowie der Farm in Prince William County, um seine Schulden zu begleichen.

Der Tod meines Vaters ließ meine Mutter im Alter von 38 Jahren mit neun Kindern, keines von ihnen volljährig, sowie in recht bescheidenen finanziellen Verhältnissen zurück. Sie war die fürsorglichste und aufopferungsvollste Mutter, die ein Kind sich nur wünschen konnte und sie widmete sich unserer Erziehung und Bildung mit unübertroffener Entschlossenheit und Hingabe. Sie war das Musterbeispiel einer vollkommenen Mutter, erreichte ein gesegnetes Alter und sah all ihre Kinder (mit Ausnahme der beiden früh verstorbenen) zu ehrbaren und geachteten Herren und Damen heranwachsen.

Ich erhielt meine Schulbildung nahezu ausschließlich in der Lehranstalt von New Baltimore. Diese war damals unter der Leitung des ehrwürdigen Reverend John Ogilvie eine vorzügliche Einrichtung. Seit meiner frühen Kindheit hegte ich den innigen Wunsch, den Beruf des Rechtsanwalts zu ergreifen und hierfür war eine sehr gute Bildung in Latein und Englisch vonnöten. In meinem letzten Schuljahr gingen meine finanziellen Mittel zur Neige und so musste ich mir Geld borgen, um meine Ausbildung vollenden zu können. Ich beendete meine Englischkurse, begann am 01. September 1838 mein Lateinstudium und schloss dieses gegen Ende des Jahres 1839 ab.

Im Folgejahr unterrichtete ich in der Schule der Herren Richard Rixey und Sylvester Welsh, die aus einem kleinen Blockhaus bestand, das am Rande der Straße von Warrenton zu dem Örtchen The Plains lag. Meine Freizeit widmete ich dem Studium der Geschichte, wobei mein Interesse besonders der Geschichte Englands und dessen Feudalsystem galt, von dem sich das großartige Rechtssystem des Gewohnheitsrechts, das "Common Law", ableitet. Im Jahre 1841 eröffnete ich eine öffentliche Schule in Buckland, Prince William County, Virginia. John Webb Tyler, der spätere Richter des örtlichen Bezirksgerichts, lebte in jener Gegend. Ich unterrichtete fünf seiner Söhne und er war so gütig, mich in den Feinheiten des Rechtswesens zu unterweisen und mir die nötige Literatur zu beschaffen. Zwei Jahre lang, 1841 bis 1842, lehrte ich an jener Schule, ehe ich im Juni 1843 meine Zulassung als Rechtsanwalt erhielt. In der Zeit meines Aufenthaltes in Buckland logierte ich im Hause meines Bruders Silas B. Hunton, dessen Gattin Margaret (gebürtige Rixey) mich mit der herzlichen Zuneigung einer Schwester aufnahm. Beide scheuten keine Mühe, mir meinen Aufenthalt so behaglich als möglich zu machen und wir blieben einander bis zu ihrem Tode in inniger Liebe zugetan.

Nach dem Erhalt meiner Anwaltslizenz ließ ich mich auf Anraten von John Webb Tyler in dem kleinen Städtchen Brentsville, dem Verwaltungssitz von Prince William County, nieder. Für die Gerichte dieses ruhigen, friedlichen Countys fiel nur wenig Arbeit an, aber dementsprechend hatten sich auch nur sehr wenige Anwälte dort niedergelassen und Mr. Tyler hatte mir geraten, meine ersten praktischen Erfahrungen in einer Gegend mit überschaubarer Konkurrenz zu sammeln, um mich anschließend mit einiger Berufserfahrung in einem einträglicheren Landstrich anzusiedeln. Im gesamten County gab es lediglich drei oder vier Rechtsanwälte und nur einer von ihnen, ein gewisser Daniel Jasper, war in Brentsville ansässig. Die Gerichte wurden größtenteils von Anwälten aus Warrenton unterstützt. Meine Geschäfte in Prince William County verliefen ausgesprochen schleppend. Daniel Jasper praktizierte bereits seit fast einem Jahr als Anwalt und da er ein außerordentlich geschäftiger Mann mit einem munteren und gewitzten Wesen war, konnte er für die nächsten beiden Jahre den Großteil der potentiellen Kundschaft davon überzeugen, seine Dienste in Anspruch zu nehmen.

Im Winter 1847-48 wurde John Webb Tyler zum Richter des Bezirksgerichts gewählt. Mr. Jasper und ich waren die Kandidaten für den Posten des Staatsanwalts des Staates Virginia, der mit Mr. Tylers Wahl vakant geworden war. Das Landgericht verfügte zu jener Zeit über 20 bis 30 richterliche Beamte, welchen die Wahl der Staatsanwälte oblag. Das Ergebnis ihrer Wahl fiel sehr knapp aus, aber ich ging als Sieger daraus hervor.

Am 14. Juni 1848 ehelichte ich Lucy Caroline Weir. Sie war die Tochter von Robert und Clara Boothe Weir, den Besitzern der "Hartford"-Farm in Prince William County, Virginia. Lucys Vater entstammte einer höchst angesehenen schottischen Familie. Er hatte jahrelang als Kaufmann in Tappahannock, Virginia gearbeitet und schließlich "Hartford" erworben. Er verstarb schließlich im Jahre 1840 und hinterließ seine Witwe sowie drei Töchter und zwei Söhne. Die Mutter meiner Frau war eine gebürtige Smith aus Williamsburg und eine Enkelin von Richter Benjamin Waller, dem Großvater von Littleton Waller Tazwell, einem der fähigsten und beliebtesten Gouverneure in der Geschichte des Staates Virginia. Die Großeltern mütterlicherseits meiner Frau hießen John Smith und Sarah Waller.

Unsere Ehe war über alle Maßen glücklich. Meine Frau war mir eine in jeder Hinsicht liebevolle und treue Gefährtin. Wir verlebten den Rest des Jahres 1848 im Hause ihrer Mutter. Die "Hartford"-Farm wurde im Laufe des Jahres verkauft und sollte am 01. April 1849 in den Besitz des Käufers übergehen. Ich erwarb ein wohnliches Heim in Brentsville, welches ich am 01. Januar 1849 gemeinsam mit meiner Frau bezog. Als "Hartford" am 01. April schließlich den Besitzer wechselte, zog Mrs. Weir mit ihren beiden Töchtern Bettie und Martha bei uns ein und wir lebten als eine glückliche Familie. Ich ließ unser Heim um einige Anbauten erweitern und es war ein ebenso prächtiges wie wohnliches Gebäude. Leider wurde es im Jahre 1862 von Unionssoldaten zerstört.

Mrs. Weir war eine der nettesten und charmantesten alten Damen, die ich jemals getroffen habe. Ich bin überzeugt, dass kein Mann je eine bessere Mutter und Schwiegermutter hatte als ich. Sie liebte mich wie ihr eigen Fleisch und Blut und als sie 1870 in Warrenton verstarb, hielt ich sie in meinen Armen. Ihre Tochter Martha verstarb 1882 in meinem Haus. Bettie blieb bei mir bis zum Tode meiner Frau und lebt heute bei ihren Nichten in Clarke County, Virginia.

Im Jahre 1852 wurde im Staate Virginia eine neue Verfassung verabschiedet, gemäß welcher sämtliche Ämter, darunter auch jenes des Staatsanwalts, fürderhin von der Bevölkerung gewählt werden sollten. Erneut waren Jasper und ich die Kandidaten für das Amt und nach einem langen und sehr anstrengenden Wahlkampf wurde ich schließlich mit überwältigender Mehrheit gewählt, wobei ich jeden Bezirk des Countys für mich gewinnen konnte. Mein Amt übte ich aus, bis ich im Jahre 1861 in die Konföderierte Armee eintrat.

Im Jahre 1848 wurde ich zum Colonel des Miliz-Regiments von Prince William County gewählt und 1857 ernannte mich die Legislative des Staates Virginia zum Brigadier-General der Miliz. Am 20. Juni 1853 erblickte meine Tochter Elizabeth Boothe das Licht der Welt. Sie war so wunderhübsch und liebenswert, wie ein kleines Töchterchen nur sein kann, doch in ihrem zweiten Lebensjahr, welches für Kleinkinder generell sehr gefährlich ist, verstarb sie. Auf die ersten Anzeichen ihrer angeschlagenen Gesundheit hin brachten wir sie nach "Mount Hope" in das Heim meiner Mutter. Die Luftveränderung war Elizabeths Gesundheit sehr zuträglich. Hierauf kehrten wir im September nach Brentsville zurück, doch bereits am 30. des Monats holte der Allmächtige sie zu sich. Sie hatte in ihrer kurzen Zeit auf Erden unser Heim mit Freude erfüllt und unsere liebevolle Ehe noch weiter gefestigt. Sie trug die Namen ihrer beiden Großmütter und beide hatten sie abgöttisch geliebt. Wir betrauerten ihren Tod bitterlich. Sie war unsere einzige Tochter.

Am 14. April 1855 wurde mein Sohn Eppa geboren. Seine Geburt vermochte unseren Schmerz über den Verlust unserer geliebten, kleinen Lizzie ein wenig zu lindern. Mein Sohn war nach meinem Vater und mir benannt. Er lebt noch und war mir und seiner Mutter stets eine treue und liebevolle Stütze. Er hat mir niemals Kummer oder Sorge verursacht, mit Ausnahme seines Lasters des Zigarettenrauchens, welches er sich leider angewöhnt hat. Er hat sich zu einem angesehenen Rechtsanwalt entwickelt und ist bei allen Leuten, die ihn kennen, ausgesprochen beliebt. Die Freude, die er mir stets bereitet hat, stellt ein Geschenk dar, für welches ich mich niemals adäquat werde erkenntlich zeigen können. Er war mir zeitlebens in innigster Zuneigung zugetan und seine Liebe zu seiner Mutter war wahrhaft anrührend.

Ich war seit meiner frühen Jugend ein überzeugter Demokrat. Auch mein Vater war ein Demokrat gewesen und generell machten die Huntons keinen Hehl aus ihrer demokratischen Gesinnung. Mit Erreichen des Erwachsenenalters nahm ich aktiv an der Parteipolitik teil und warb ab 1840 in jedem Präsidentschaftswahlkampf mit Wahlreden um Stimmen für die Demokraten.

Im Jahre 1856 war ich einer der Abgeordneten des Parteitages der Demokraten in Cincinnati. Franklin Pierce war der amtierende Präsident und ich sprach mich für seine Wiederwahl aus, entschied mich jedoch letztlich unter den favorisierten Kandidaten für R. M. T. Hunter aus Virginia. Schließlich war es jedoch James Buchanan aus Pennsylvania, der von den Demokraten als Präsidentschaftskandidat aufgestellt wurde und die Wahl auch für sich entscheiden konnte.

Ich arbeitete zu jener Zeit, bis in das Jahr 1860, als Rechtsanwalt in Brentsville und war dabei recht erfolgreich. Meiner Kanzlei mangelte es nicht an Kunden und ich konnte allmählich meinen Landbesitz erweitern. Es herrschten bereits seit einiger Zeit beträchtliche Spannungen zwischen dem Norden und dem Süden des Landes und die Sklavenfrage war die grundlegende Ursache dieser Uneinigkeit. Der Norden erstreckte sich über ein weitaus größeres Territorium und verfügte über eine weitaus größere Bevölkerung und seine Haltung hinsichtlich der Institution der Sklaverei wurde zunehmend feindseliger. William H. Seward, einer der führenden Staatsmänner des Nordens, verkündete, die Union könne nicht länger bestehen, solange eine Hälfte des Landes frei und die andere unfrei sei. In beiden Kammern des Kongresses kam es zu Tumulten und gewalttätigen Auseinandersetzungen und ein jeder friedliebender Mann musste der Zukunft des Landes mit Sorge und Furcht entgegenblicken.

Im Jahre 1860 spaltete sich die Demokratische Partei, der es zuvor stets gelungen war, ihre Flügel hinter der gemeinsamen Sache zu einen, über der Frage der Ausbreitung der Sklaverei in den neuen Bundesstaaten westlich des Mississippi. Am 23. April 1860 hielt die Partei eine Versammlung in Charleston, South Carolina ab und erwies sich bezüglich der Nominierung von Stephen A. Douglas oder John C. Breckinridge als hoffnungslos zerstritten. Douglas repräsentierte den dem Norden freundlicher gesonnenen, sogenannten "Free-Soil"-Flügel, welcher die Entscheidung über eine eventuelle Einführung der Sklaverei den Bevölkerungen der neuen Bundestaaten überlassen wollte, wohingegen Breckinridge den sehr stark südstaatlich geprägten Flügel vertrat, welcher zuvörderst auf die Rechte der Einzelstaaten pochte. Auf dieser Versammlung ereigneten sich gewalttätige Szenen und sie musste schließlich vorzeitig aufgelöst werden. Hierauf fanden zwei getrennte demokratische Parteitage statt, einer in Baltimore, dessen Teilnehmer Stephen A. Douglas aus Illinois als Präsidentschaftskandidaten aufstellten und ein anderer in Richmond, wo John C. Breckinridge aus Kentucky nominiert wurde. Die alte Whig-Partei nominierte auf ihrem Parteitag John Bell aus Tennessee und die Republikanische Partei stellte Abraham Lincoln aus Illinois auf. All diese Kandidaten waren zweifellos fähige Männer. Lincoln war ein ungeschlachter Mann aus einfachsten Verhältnissen und wurde der "Holzhacker von Illinois" genannt. Er war wohl einer der ungeschliffensten Männer, die jemals ein hohes Amt in den Vereinigten Staaten bekleideten.

Es wurde schon bald offensichtlich, dass die reale Gefahr eines Wahlsieges der Republikaner bestand, besonders, nachdem die Demokraten sich gespalten hatten. Die Feindseligkeit zwischen den Parteien wuchs stetig weiter und in vielen der Südstaaten wurden Stimmen laut, die sich offen für Sezession aussprachen, falls ein Mann zum Präsidenten gewählt werden sollte, der ungeniert nur die Interessen des Nordens vertrat. Ich selbst hatte für die Nominierung von Breckinridge gestimmt und betrieb nun einen aktiven Wahlkampf in Virginia, um den Flügel meines Kandidaten zu stärken.

Zu jener Zeit erkrankte meine Frau schwer. Sie schien unter einer Leberneuralgie zu leiden, die sich in wiederkehrenden, schier unerträglichen Schmerzschüben äußerte. Diese Anfälle dauerten mehr oder minder heftig bis in das Jahr 1862 an. Ihr Leiden beeinträchtigte meine politische Tätigkeit sehr, denn wir waren einander über alle Maßen zugetan. Wenn sie starke Schmerzen litt, wollte ich nach Möglichkeit bei ihr sein und auch sie sehnte sich nach meiner Gegenwart.

Am 06. November 1860 wurde Abraham Lincoln zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt. Obgleich er nur eine Minderheit der Stimmen der wählenden Bevölkerung zu erringen vermochte, konnte er die Mehrheit der wahlentscheidenden Wahlmänner gewinnen. Seine Wahl wurde im gesamten Lande vom Potomac bis zum Rio Grande lebhaft bis hitzig diskutiert. Mehrere der sogenannten "Baumwollstaaten" trafen Vorkehrungen zum Austritt aus dem Staatenbund. Bis zu Lincolns Amtsantritt war James Buchanan noch immer Präsident, doch obwohl er ein guter Mann war, erwies er sich als zu zaghaft, um den Lauf der Dinge beeinflussen zu können. Nach der Sezession aller Baumwollstaaten ließ sich die Regierung der neuen Konföderierten Staaten in Montgomery, Alabama nieder. Jefferson Davis wurde zum Präsidenten gewählt und er entsandte sogleich Unterhändler nach Washington, um die Anerkennung der jungen Nation durch Präsident Buchanan zu erreichen. Mr. Buchanan versprach mehrmals, die Konföderierten Staaten offiziell anzuerkennen, doch letztlich vermochte er seine Zaghaftigkeit nicht zu überwinden und erfüllte seine Zusagen bis zum Ende seiner Amtszeit nicht.

In der Zwischenzeit verfolgte Virginia die Geschehnisse, ohne eindeutig für eine der beiden Seiten Stellung zu beziehen. Bis zum 01. Januar des Jahres 1861 wurden keine Schritte für eine eventuelle Sezession des Staates unternommen. Kurz darauf verabschiedete die Legislative des Staates jedoch in einer außerordentlichen Sitzung den Beschluss, eine Tagung samt Wahl zwecks Bestimmung der politischen Zukunft Virginias abzuhalten. Diese Tagung sollte am 04. Februar 1861 stattfinden. Ich bewarb mich um den Posten des Abgeordneten und Wahlmannes von Prince William County. Mr. Allen Howison, ein geachteter Einwohner des Countys und Anhänger der Whig-Partei, war mein Konkurrent. Ich sprach mich offen für Virginias sofortige Sezession aus, während Mr. Howison der Union die unbedingte Treue halten wollte. Ich veröffentlichte eine Denkschrift, in welcher ich darlegte, dass ich für eine sofortige Sezession eintrat, da dieser Weg auch für die Union die beste Lösung darstellte. Ein unverzüglicher Austritt Virginias aus dem Staatenbund, gefolgt von der Sezession der Grenzstaaten im Westen, würde, so meine weitere Argumentation, einen starken und geeinten Süden präsentieren, gegen den die Regierung der Vereinigten Staaten keinen Krieg führen würde. Stattdessen würde selbst die Lincoln-Regierung in diesem Falle „den irregeleiteten Bruder in Frieden seiner Wege ziehen lassen“, wie es einige Kreise der nordstaatlichen Bevölkerung bereits wünschten. Ließe sich ein Krieg vermeiden, so würden sich Nord und Süd im Laufe der Zeit einander wieder annähern und als gleichberechtigte Partner auf dem Verhandlungswege die Union zur beiderseitigen Zufriedenheit wiederherstellen. Diese Sicht der Dinge war natürlich letztlich nur eine Theorie, aber ich bin noch heute davon überzeugt, dass eine frühe und geschlossene Sezession der Südstaaten bei Vermeidung eines Krieges schließlich zu einer friedlichen und für beide Seiten akzeptablen Wiederherstellung des Staatenbundes geführt hätte. Wie dem auch sei, ich konnte mich mit einer großen Mehrheit gegen Mr. Howison durchsetzen und wurde zum Abgeordneten für die Tagung gewählt.

Kapitel 02: Der Ausbruch des Krieges und die Sezession Virginias

Ich reiste also zum Tagungsort und erreichte Richmond am 03. Februar, dem Vortage der ersten Versammlung. Die Stadt befand sich in heller Aufregung und die Menschen in den Straßen fieberten den kommenden Ereignissen entgegen. Niemals zuvor hatte ich etwas Vergleichbares gesehen. Am folgenden Morgen begab ich mich zur ersten Sitzung, die im Institut für technische Mechanik, einem Gebäude in der 9th Street unweit der Main Street, abgehalten wurde. (Dieses Gebäude diente als Tagungsort, da im Kapitol zeitgleich eine außerordentliche Sitzung der Legislative stattfand. In der Folgezeit beherbergte das Institut das Kriegsministerium der Konföderierten Staaten, bis es im April 1865 im Zuge der Evakuierung Richmonds niedergebrannt wurde.) In der unteren Eingangshalle drängte sich eine große Gruppe örtlicher Damen. Wir mussten den Raum durchqueren, um zum Sitzungssaal im ersten Stockwerk zu gelangen, doch es war unmöglich, uns unseren Weg durch die Menge zu bahnen. Ich bat die Damen inständig, mich passieren zu lassen und erklärte ihnen, dass ohne uns Abgeordnete keine Sitzung stattfinden könne. Eine der Frauen fragte mich: „Sind Sie ein Sezessionist?“, worauf ich entgegnete: „Gute Frau, wenn es nach mir ginge, würde Virginia bereits morgen vor dem Frühstück nach einer kurzen Abstimmung die Union verlassen.“ Hierauf rief sie aus: „Meine Damen, lassen Sie den hier durch! Der ist brauchbar!“ Sie bildeten eine schmale Gasse und ich eilte in den Sitzungssaal.

Ich habe oft darüber nachgedacht, wie vorteilhaft es gewesen wäre, hätten wir bereits am nächsten Morgen den Austritt aus dem Staatenbund beschlossen. Stattdessen verschwendeten wir die Zeit vom Februar bis zum 17. April mit nutzlosen Debatten. Wie gut hätten wir jene Monate dafür nutzen können, uns auf den kommenden Sturm vorzubereiten! Doch es sollte nicht sein und es ist müßig, sich im Nachhinein darüber zu grämen.

Die Abgeordneten kamen also zusammen und wählten Mr. John Janney aus Loudoun County, Virginia mit 70 zu 54 Stimmen zum Sitzungspräsidenten. Sein unterlegener Konkurrent war Mr. V. W. Southall aus Albemarle County. Sie beide waren Unionsanhänger, aber die Sezessionisten unter uns bevorzugten Mr. Southall, da er dem Gedanken der Sezession etwas zugänglicher zu sein schien als Mr. Janney. Die Tagung wurde von Anhängern der alten Whig-Partei dominiert und die meisten von ihnen wollten der Union die Treue halten. Die Demokraten hingegen, die im Staate Virginia bereits seit mehreren Jahren politisch tonangebend waren, sprachen sich mit überwiegender Mehrheit für eine sofortige Sezession aus. Die Whigs vertraten eine gemäßigtere Haltung. Sie waren Befürworter der Union und wollten sie nach Möglichkeit erhalten, würden sich jedoch für einen Austritt aussprechen, falls die Entwicklung der Dinge diesen in ihren Augen erforderlich machen sollte. Sie glaubten nicht an eine bevorstehende Sezession Virginias und hofften, der Whig-Partei wieder Leben einhauchen zu können, nachdem diese im Staate Virginia nun schon seit einiger Zeit am Rande der Bedeutungslosigkeit stand. Die Partei wurde auf jener Tagung durch ihre einflussreichsten Mitglieder vertreten, welche zu den geachtetsten Bürgern des Staates zählten. Unter ihnen befanden sich John Janney aus Loudoun County, Robert E. Scott aus Fauquier County, Robert Y. Conrad aus Frederick County, John B. Baldwin und A. H. H. Stuart aus Augusta County, Jubal A. Early aus Franklin County und viele weitere verdiente Männer. Das beschwichtigende Gebaren dieser Gentlemen erboste mich über alle Maßen, denn ich war überzeugt, dass wir in unseren Sitzungen Tag für Tag nur Zeit verschwendeten, welche wir besser dazu genutzt hätten, uns auf das Kommende vorzubereiten. Leider war dies nicht zu ändern, denn die Herren zeigten sich unseren Argumenten nicht zugänglich.

Die Gruppe der Sezessionsbefürworter bildete nur eine vergleichsweise kleine Minderheit. Sie wurde angeführt von einigen der fähigsten Männer des Staates Virginia, unter ihnen der ehemalige Präsident John Tyler, Professor James P. Holcombe, Vizegouverneur Robert L. Montague, Henry A. Wise, John Goode und Jeremiah Morton. Wir sprachen uns geschlossen für die sofortige Sezession aus. Henry A. Wise äußerte die Ansicht, man solle versuchen, unsere Ziele „innerhalb der Union zu erkämpfen“. Er sprach mehrfach zu uns über diesen Kampf „innerhalb der Union“, aber zumindest ich verstand nicht so recht, wie genau dieser Kampf vonstattengehen sollte. (Jefferson Davis äußert in seinem Werk „Rise and Fall of the Confederate States” auf Seite 255 dasselbe Unverständnis für diese Vorgehensweise. John Marshall hingegen sprach die Möglichkeit einer ähnlichen Vorgehensweise an, als er im Jahre 1788 in Virginia für die Ratifizierung der Verfassung warb.) [Anm. d. Übers.: Im Dezember 1860 fasste Henry A. Wise sein Konzept des „Kampfes innerhalb der Union“ in einem offenen Brief an die New York Times in sechs Punkten zusammen: 1.) Die Einzelstaaten sind befugt, rechtswidriges Verhalten anderer Landesteile festzustellen und gegebenenfalls zu ahnden. 2.) Rechtswidriges Verhalten einzelner Staaten ist nicht durch den Staatenbund, sondern konkret durch die geschädigten Staaten zu ahnden. Dabei können rechtswidrig handelnde Staaten nicht im Namen der Union handeln; sie stellen sich durch den Rechtsbruch automatisch außerhalb der Union. 3.) Die Union ist kein rein abstrakter Gedanke, sondern eine konkrete Sache in Gestalt aller Gelder und Besitztümer der Zentralregierung. Diese Güter dürfen nicht einfach dem politischen Gegner überlassen werden, indem man sich selbst aus der Union ausschließt. Es ist moralische Feigheit, sich von den Freiheiten der Verfassung abzuwenden, nur um das Recht der Sklaverei zu schützen. 4.) Sezession bedeutet Abkehr von der Verfassung und dieser Abkehr wird die Mehrheit der südstaatlichen Bevölkerung nicht zustimmen. Um die Bevölkerung hinter einer gemeinsamen Sache zu einen, sollte der Süden sich zum Bewahrer der Verfassung und des Staatenbundes erklären. Der Norden ist nicht die Union, er bedroht die Union. 5.) Die Einzelstaaten haben das verfassungsmäßige Recht, ihre eigenen Truppen zu unterhalten und im Angriffsfalle oder in akuten Bedrohungslagen mit diesen Truppen Krieg zu führen. Der Rechtsbruch des Nordens stellt einen Angriffsfall dar und somit sind die Einzelstaaten notfalls zur Kriegsführung berechtigt. 6.) Diese Vorgehensweise macht einen Krieg zugegebenermaßen nicht weniger wahrscheinlich, aber der Süden sollte einen etwaigen Krieg als Vertreter und Bewahrer des Staatenbundes führen, nicht als dessen Feind.]

Unmittelbar vor der ersten Sitzung unserer Tagung hatte in Washington auf Virginias Bestreben hin ein Friedenskongress stattgefunden, um die Streitigkeiten zwischen Nord und Süd womöglich auf einvernehmlichem Wege beizulegen. Auf diesen Kongress wurden die fähigsten Männer des Nordens und des Südens entsandt und doch musste sein Ergebnis als kläglicher Fehlschlag bezeichnet werden. Als unsere Tagung in Richmond begann, waren die Abgeordneten des gescheiterten Friedenskongresses, unter ihnen der ehemalige Präsident John Tyler aus Charles City County sowie George W. Summers aus Kanawha County (im heutigen West Virginia), gerade erst nach Virginia zurückgekehrt.

Zu Beginn der Tagung hielt George W. Summers eine Rede, in welcher er sich dafür aussprach, den Zudringlichkeiten des Nordens nachzugeben, um eine Sezession zu vermeiden. Hierauf antwortete John Tyler mit einer gewaltigen Rede und er gestand mir danach, er habe befürchtet, seine Rede womöglich nicht zu überleben, da ihm seine angeschlagene Gesundheit arg zu schaffen machte. Tyler sprach drei Sitzungstage lang und mit jedem Tag wurde seine Rede mitreißender und wortgewaltiger. Sie bildete eine der hervorragendsten Verteidigungen des Südens und seiner Entscheidung zur Sezession, die ich jemals gehört habe.

Nach Mr. Tyler hielt auch Professor James P. Holcombe aus Albemarle County eine Rede, in welcher er zur Sezession aufrief. Mr. Holcombe war seit neun Jahren Professor der Rechtswissenschaften an der University of Virginia und seine Rede war eine der besten, die jemals im Staate Virginia vorgetragen wurden. Die sezessionistisch gesinnten Abgeordneten im Saale sowie die Zuhörer auf den Emporen brachen in donnernden Applaus aus und Abdrucke der Rede stießen bei den Einwohnern Richmonds und den Sezessionisten des gesamten Staates auf große Begeisterung. Die Damen der Stadt ließen noch tagelang die prächtigsten Blumenbouquets an Holcombes Sitzplatz liefern und er wurde eine Zeit lang als der große Held der Tagung gefeiert. Ihm folgte die Rede von John B. Baldwin, einem der fähigsten Männer unter den Unionsbefürwortern. Es muss gesagt werden, dass es eine gute Rede war, in der er die Ansicht vertrat, dass ein Sezessionsrecht nicht existiere und der Süden, sollte es jemals zum Ärgsten kommen, nur durch eine Revolution, nicht jedoch durch Sezession, für seine Rechte kämpfen könne. Diese Sicht der Dinge entsprach ganz den Überzeugungen der virginischen Whig-Partei. Die Rede stieß bei den Unionisten im Saale auf großen Beifall, wurde jedoch von der Bevölkerung Richmonds ausgesprochen kühl aufgenommen. Keine einzige Dame in ganz Virginia hatte auch nur ein Blümlein für Mr. Baldwin übrig. Lediglich drei Damen aus Massachusetts, welche zu jener Zeit in der Stadt verweilten und im Exchange Hotel logierten, konnten sich für Baldwins Worte ausreichend begeistern, um ihm Blumen zukommen zu lassen.

Auch nach Beginn der Tagung blieb es noch einige Zeit lang zweifelhaft, ob die Vereinigten Staaten Krieg gegen die sezessionistischen Südstaaten führen würden. In Teilen der nordstaatlichen Bevölkerung und selbst in Lincolns Kabinett fanden sich Anhänger der Vorgehensweise, „den irregeleiteten Bruder in Frieden seiner Wege ziehen zu lassen“. Dann wurden jedoch die Gouverneure der nordwestlichen Staaten unter der Führung von Oliver P. Morton in Washington vorstellig, um auf einem Krieg zur Wiederherstellung der Union zu bestehen. Die Regierung schwenkte schließlich auf diesen Kurs ein.