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"Mein lieber Buttje" - mit diesen Worten begannen fast alle Feldpostbriefe, die Willy Ladiges aus dem 2. Weltkrieg an seine Frau versandte. Diese Zusammenstellung der Briefe beschreibt die Jahre 1943 - 1945 aus Sicht des Soldaten Ladiges, der hauptsächlich auf einer griechischen Insel stationiert war. Diese Feldpostbriefe, die zwischen der Heimat und der Front hin- und hergingen sind Zeugen des Kriegsgeschehens. Es sind keine spektakulären Briefe, dennoch sind sie gespickt mit persönlichen Details über die eigenen Gefühle, über die Angst um die Familie zu Hause und über die Frage, wie der 2. Weltkrieg wohl enden würde.
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Seitenzahl: 842
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Im Nachlass meiner verstorbenen Mutter Minna Ladiges fand ich ein gesondert aufbewahrtes Bündel, bestehend aus in Sütterlin geschriebenen, verblassten Briefen. Es waren die aufbewahrten Feldpostbriefe, die mein Vater Willy Ladiges während des 2. Weltkrieges an seine Familie zu Hause geschickt hat.
Ich begann, die Briefe in chronologische Reihenfolge zu sortieren und übersetzte sie in mühevoller Kleinarbeit aus dem damals gängigen Sütterlin ins Hochdeutsche.
Die Sütterlinschriften, die zumeist einfach Sütterlin genannt wurden, sind zwei im Jahr 1911 von Ludwig Sütterlin entwickelte Ausgangsschriften. Ludwig Sütterlin entwickelte diese Schriften im Auftrag des Preußischen Kultur- und Schulministeriums. Um den Kindern das Schreiben lernen zu erleichtern, vereinfachte Sütterlin die Buchstabenformen, verringerte die Ober- und Unterlängen und stellte die relativ breiten Buchstaben aufrecht.
Ich habe versucht diese Briefe so zu übersetzen, wie sie geschrieben wurden. Einige Worte konnte ich leider nicht entziffern. Ich setzte dafür „…“ oder „(?)“ ein.
In den letzten Jahren hat sich unsere deutsche Sprache mehrfach geändert. Damals wurden Worte zusammengeschrieben, die jetzt getrennt geschrieben werden oder umgekehrt. Schreibform, Groß - und Kleinschreibung, Kommasetzung und anderes hat sich sehr verändert.
Es können sich auch meinerseits einige Schreibfehler eingesch1ichen haben. Ich bitte dieses zu entschuldigen.
Feldpostbriefe, die zwischen der Heimat und der Front hin- und hergingen sind Zeugen des Kriegsgeschehens.
Für die im 2. Weltkrieg geschriebenen weit über 40 Milliarden geschriebenen Feldpostbriefe prüften 12.000 Personen, ob diese nach den „Mitteilungen für die Truppe“ „inhaltsreich, männlich, fest und klar“ waren und keine „geheim zu haltenden Nachrichten“ oder „Nachrichten zersetzenden Inhalts" enthielten. Dafür wurden die Briefe mit der Schere geöffnet, mit Klebestreifen wieder verschlossen und mit einem Prüfvermerk versehen.
Wer einmal einen geöffneten Brief mit einem Vermerk der Feldpostprüfstelle empfangen hatte, überlegte sich danach genau, was er noch schrieb oder was er besser wegließ.
Dies führte zu einer inneren Zensur und vermittelte nur bedingt einen tatsächlichen Eindruck über die Lage in der Heimat und an der Front.
Es sind keine spektakulären Briefe, dennoch sind diese Feldpostbriefe gespickt mit persönlichen Details über die eigenen Gefühle meines Vaters, über die Angst um die Familie zu Hause und über die Frage, wie der 2. Weltkrieg wohl enden würde. Die alltäglichen Dinge, die Sorgen und Nöte um die eigene Familie standen im Vordergrund. Zahlreiche ausführliche Beschreibungen gaben mir und meiner Familie damals die Möglichkeit, nachzuvollziehen, wo mein Vater sich ungefähr aufhielt und wie es ihm erging. Für uns waren die detaillierten Beschreibungen über die Länder und Leute, die mein Vater kennen lernte, ein Lichtblick im Kriegsgeschehen und letztendlich ein Lebenszeichen von ihm.
Aus den Briefen geht weiterhin hervor, dass mein Vater in seiner Soldatenzeit von zu Hause mit Dingen des Alltags unterstützt wurde; umgekehrt sandte mein Vater Päckchen nach Hause, gefüllt mit in der Heimat nicht mehr verfügbaren Dingen, die er von seiner eigenen Ration abzwackte oder mit von zu Hause geschicktem Geld besorgte. Weiterhin schickte er Geld von der Front nach Hause, weil er dort nichts damit anfangen konnte.
Im Großen und Ganzen verschaffen diese Feldpostbriefe keinen Überblick über den 2. Weltkrieg, wohl aber einen Einblick über die letzten Lebensjahre meines Vaters.
08. April 1943
Lieber Willemann!
Auch für Dich mal ein paar Zeilen. Von Mama bekommst Du wohl auch öfter mal Post, nicht wahr? Würdest von mir auch mehr Post bekommen, habe aber nicht immer so viel Zeit über. Denn deine Mutti muß ja auch ihre regelmäßige Post haben. Das wirst Du doch gewiß verstehen. Deine Mutti freut sich genau so auf Post von mir als auch die von Dir. Du schreibst doch öfter mal an Mama, nicht wahr? Und Harry schreibt er auch mal? Ich habe bis jetzt noch keine Post erhalten. Aber das macht mir auch nichts aus. Ich weiß ja, daß er gerne spielt und die Freude will ich ihm auch nicht nehmen. Und Du lieber Willemann hast gewiß auch nicht immer Lust, Briefe zu schreiben, nicht wahr? Macht ihr auch noch immer viel Ausflüge? Habt ihr da auch solch schlechtes Wetter? Hier schneit es schon 2 Tage ununterbrochen. Sieht aus, als ob man mitten im Winter wäre. Ist alles wieder weiß geworden. Hier ist überhaupt eine schöne Gegend. Wäre für Dich und Harry und auch für Mama mal eine schöne Abwechslung hier ein paar Wochen zu verbringen. Nur müßte es besseres Wetter werden. So viele Berge wie hier, wirst Du in deiner Gegend wohl nicht zu sehen bekommen. Bist Du auch schon braun geworden oder ist das Wetter noch nicht danach gewesen? Wir haben schon viele schöne Sommertage gehabt. War hier am Tage schon so warm wie mitten im Sommer. Ich habe auch schon ordentlich Farbe bekommen. Lieber Willemann wie geht es Dir denn sonst, bist Du noch immer gesund und macht Dir das Lagerleben noch Spaß? Will es doch hoffen. Hast Du auch schon etwas zugenommen? Mir geht es auch noch gut. Sonst weiß ich nichts mehr zu berichten. Werde aber bald mal wieder etwas von mir hören lassen. So, lieber Willemann für heute erst mal genug. Sei also recht herzlich gegrüßt von Deinem Papa.
Anmerkung:
Der Brief ist an Willy, er war zu der Zeit im KLV-Lager
(Kinderlandverschickung) Hellkofen/Niederbayern. Unser Vater war in der Ausbildungskaserne Heuberg im Schwarzwald.
30. Juni 1943
Mein lieber Buttje!
Anmerkung: Mit „Buttje" ist unsere Mutter gemeint. Sohn Willy wurde nicht gegrüßt, da er sich zu dieser Zeit nicht in Hamburg, sondern im KLV-Lager in Helkofen/Bayern befand.
02. Juli 1943
Mein lieber Buttje!
Ich bin gestern garnicht zum Schreiben gekommen, werde es aber heute nachholen. Den Brief von vorgestern habe ich noch nicht befördert. Hatte noch keine Gelegenheit dazu. Wir rollen immer eben weg. Haben manchmal am Tage und in der Nacht auch viel Aufenthalt. Gestern hatten wir 5 Stunden Aufenthalt. Werden wohl noch einige Tage auf der Bahn liegen. Die Gegend ist immer noch hübsch und abwechslungsreich. Gestern sind wir fast den ganzen Tag durch flaches mit Getreide und Wein bebautes Land gefahren. In der Ferne sah man die Berge. Heute fahren wir wieder durch bergiges Land. An beiden Seiten Berge und in der Mitte die Bahn und ein Fluß. Beinahe wie im Donautal. Die Donau haben wir gestern auch schon überquert. Sind heute direkt im Zick-Zack-Kurs gefahren. Die Tunnel, die wir durchquerten, wollten gar kein Ende nehmen. Ungeheuer lang waren sie auch. Die Leute gehen auch hier schlecht in Zeug. Größtenteils laufen sie barfuß. Ihre Trachten sehen trotzdem nett aus. Ist auch guter starker Stoff. Scheint selbst gewirkt zu sein. Durch den Krieg werden sie aber wohl in solch schlechten Zustand gekommen sein. Städte, wie bei uns, habe ich noch nicht gesehen. Sind alle nur klein und furchtbar unsauber und ziemlich verfallen. Zwischen den einzelnen Ortschaften liegen immer etliche Kilometer. Sind furchtbar weit auseinander. Zu den Weiten des Landes steht die Bevölkerungszahl in gar kein Verhältnis. Auch gibt es bei uns garnicht, daß die Obstbäume an den Feldwagen stoßen. Es stoßen Kirschen - Pflaumen und Pfirsichbäume an den Wagen und außerhalb der Felder winken uns Buschwerk und fruchtige Bäume. Die Bevölkerung kommt an die Bahn um zu tauschen. Zu erst hatten sie nicht viel zu bieten, da kamen sie mit Kirschen und Pflaumen zum tauschen gegen Brot. Aber heute morgen (3.7.) lagen wir auf einer Station, da war ein richtiger Tauschhandel. Zigaretten und Tabak gab es in reichen Mengen. Aber nur gegen Artikel. Feuerzeuge, Feuersteine, Uhren, Ketten und sonstige Sachen. Auch Pantoffel und alte Unterwäsche haben sie genommen. Unser Geld haben sie nicht angenommen. Haben noch nichts eingewechselt. Können es auch nur in einem größeren Ort. Zigaretten und Tabak sind einfach blendend, da kommt selbst der holländische nicht mit. Vor allen Dingen ist er auch billig. Die Einwohner rauchen alle Zigaretten, ob alt oder jung. Sogar die kleinen Jungen rauchen ihre Zigaretten. Wovon die Leute leben ist mir allerdings ein Rätsel. Man sieht sie mit der Bahn fahren (Mir kommt es auch so vor als wenn sie überhaupt nicht bezahlen, für die Fahrt). Schalter und Bahnbeamte, die die Karten auf der Bahn prüfen, habe ich noch nicht gesehen. Man sieht die Einwohner viel an den Landstraßen gehen in ihrer malerischen Tracht mit einer Tasche an der Seite. Was sie machen und wovon sie leben ist mir ein Rätsel. Bei der Feldbestellung sieht man aber auch viele. Die Kleidung ist bei den Balkanvölker fast alle die gleiche. Sieht aber doch hübsch aus, trotzdem sie größtenteils in schlechtem Zustand sind. Vorgestern und gestern haben wir nicht viel zurückgelegt. Haben alle Augenblicke halten müssen. Müssen immer warten, bis der entgegenkommende Zug vorbei ist. Und das dauert manchmal Stunden. Von gestern Nacht 1 Uhr bis früh morgens Va 8Uhr haben wir auf einer Station gelegen. Die Fahrt selbst ist eigentlich nicht aufregend. Wir haben in unserem Waggon außer der Nachtlager noch 9 Hängematten. Letzte Nacht habe ich auch in einer solchen zugebracht. Am Tage habe ich schon öfter drin gelegen. Ist direkt knorke. Man kann dann schlafen, lesen und auch die Welt begucken. Und das ist bestimmt sehenswert. Habe mir nie träumen lassen, das ich diese Ecke noch mal durchreisen könnte. Schildern kann man es garnicht, muß man gesehen haben. Wann ich diesen Brief aufgebe weiß ich noch nicht, hoffe aber, daß Du ihn erhältst. Denke vor allen Dingen an Zigarettenpapier, damit ich noch etwas zum Tauschen habe. Wenn wir angelangt sind, werde ich Dir auch sofort schreiben. Gelesen habe ich auch schon einige Bücher. Hat Frau Heiden von Ernst schon Nachricht? Das alte Feuerzeug, welches ich dir mitgegeben habe, kannst Du mir auch gelegentlich mitschicken. Kann es vielleicht auch an den Mann bringen. Denn vor allen Dingen sind sie auf Artikel zum Tauschen scharf. Will nun man schließen, hoffe daß ich den Brief bald los werde.
Halte Dich also gesund und munter es grüßt und küßt Dich herzlichst dein Willy, an Harry auch einen herzlichen Gruß. Gleichfalls an meine Eltern und Geschwister sowie an Deine Mutter, Emil, Frieda und Harro. An Tante Jung, Tante Marie und Onkel Ernst, Emil Kahns, Trude und Hilde. Für Familie Nerlich auch einen herzlichen Gruß. Haben eben gerade unsere Tagesration Zigaretten erhalten, Grade 6 Stück.
Also lieber Buttje viele Grüße und Küsse Dein Willy.
Freitag, den 16. Juli 1943
Mein lieber Buttje!
Sind wieder in unserem vorläufigen Quartier gelandet, Heute hatten wir schon zur rechten Zeit Dienstschluß. Haben die Zeit genutzt und einen Stadtbummel gemacht. Zu sehen gibt es genug. Allein die Händler beim Verkauf und Angreifung ihrer Ware zu sehen lohnt sich. Die Kinder sind fast noch geschäftstüchtiger wie die Alten. Mit ihren Bauchladen oder mit kleinen Beuteln und Körben laufen sie durch die Stadt und bieten ihre Waren an. In Tauschgeschäften sind sie auch groß. Die Bahnhöfe und Durchgangsstationen belagern sie auch. Man muß sich nur wundem, wo sie immer so schnell herkommen.
Heute habe ich mich auch knipsen lassen. Ist aber doch nicht zu meiner Zufriedenheit ausgefallen. Ich habe mich mit dem Fotographen noch eine ganze Zeit abgesabbelt, aber das nützte auch nichts, denn wir haben uns ja doch nicht verständigen können. Also zahlte ich und nahm das Bild mit. Ich glaube doch, daß Dir das Bild trotzdem Freude machen wird. Rosinen oder Korinten werde ich Dir wohl auch noch schicken können. Sollen welche noch bekommen. Wenn Du mal Zeit hast, schicke mir doch meine Turn - und Badehose mit. Das Wetter ist immer noch ein Tag wie der andere. Klarer blauer Himmel und Sonnenschein. Und viel viel warm. Moskitos gibt es hier aber noch nicht. Werden aber wohl noch Bekanntschaft mit garstigen machen. - Sonst kann ich Dir mitteilen, daß es mir noch gut geht. Dasselbe hoffe ich auch von Dir und Harry. Also lieber Buttje! Für heute erst mal genug, will noch an meine Eltem schreiben.
Halte Dich gesund und munter es grüßt und küßt Dich uind Harry herzlichst Dein Willy und Papa.
Sonntag, den 18. Juli 1943
Mein lieber Buttje!
Habe mir den ganzen Tag schon vorgenommen, das Paket zu packen und den Brief dazu zu schreiben. Ich bin heute garnicht recht auf``n Damm, Habe mir einen ganz dollen Durchmarsch geholt, Fieber habe ich auch dabei. Das geht mir aber nicht alleine so, Ist eine allgemeine Erscheinung, Die meisten von uns haben es schon gleich zu Anfang gehabt. Hoffentlich bin ich da schnell mit durch. Gestern haben wir Rosinen und Korinthen bekommen. Ich glaube, daß Du Dich zu dem kleinen Paket freuen wirst. Ein paar Zigaretten habe ich auch beigelegt. Es sind noch welche aus dem Bulgarischen, die sind sogar noch besser als die griechischen. Wenn man genug Geld hätte, könnte man hier allerhand einkaufen. Zu haben ist hier noch alles. Wir bekommen aber nur die Hälfte unserer Löhnung in Drachmen und die andere Hälfte in Wehrmachtsgeld.
Für 10,. M. gibt es 6000 Drachmen, 20 Zigaretten kosten 1200 Drachmen, Rosinen 1600 bis 2000 und Obst ist auch so teuer. Für das Wehrmachtsgeld, das man aber nur in Wehrmachtslokalen ausgeben kann, bekommt man auch nicht viel. Eine Flasche Bier kostet 3.50 M, Wenn man die schönen Sachen sieht, möchte man am liebsten kaufen. Schicken lassen kann man sich auch kein Geld. Es wird mämlich nicht eingewechselt. Wir sind noch immer in Saloniki, sollen aber in den nächsten Tagen verschifft werden. Kommen auf eine kleine Insel, den Dardarnellen vorgelagert. Sie heißt Limnos. Es soll da ganz ruhig zugehen. Nur wird es da wohl noch heißer sein wie hier.
Lieber Buttje! Halte Dich also gesund und munter, es grüßt und küßt Dich herzlichst Dein Willy.
Will gleich wieder ins Bett, damit ich bald wieder gesund bin. Fühle mich ganz flau in den Knochen.
2 Briefe habe ich einem Kameraden mitgegeben. Trage sie schon einige Tage
mit mir herum. Konnte sie nicht los werden.
Montag, den 19. Juli 1943
Mein lieber Buttje!
Komme eben gerade wieder zurück. War in der Stadt und habe mir das über den hiesigen Rundfunk übertragene Volkstümliche Konzert angehört. War sehr schön. Will jetzt noch schnell die Zeit nutzen und Dir ein paar Zeilen zu schreiben. Mir geht es heute schon wieder besser. Mittagessen und Zigarette schmeckte schon wieder. Und wenn die Zigarette erst wieder schmeckt ist das Schlimmste auch vorbei. Letzten Sonnabend war ich im Kino und habe den Film „Münchhausen" gesehen. War der erste Farbfilm den ich gesehen habe. Die Ausstattung war ja ganz groß mit der Handlung war aber nicht allzuviel los. Für die Ausstattung muß ja eine Unmasse Geld ausgegeben sein. Im Kino selbst war es trotzdem vor Beginn sämtliche Türen auf waren, eine ungeheure Wärme. Mir ist das Wasser in Bächen den Körper runtergelaufen. Mein Taschentuch war ganz naß. Über die Wärme können wir uns nicht beklagen. Ein Tag ist wie der andere, immer die gleiche Hitze. Ob es hier im Zimmer einen Witterungsunterschied gibt, glaube ich garnicht, denn so lange wir hier sind, ist das Wetter immer beständig gewesen. - Die längste Zeit sind wir wohl auch hier gewesen, denn wahrscheinlich geht es morgen weiter unserem Bestimmungsort entgegen. Post habe ich bis jetzt, außer Deinen Brief vom 7.7., noch nicht wieder erhalten. Und doch, das Illustrierte Blatt und die Fußballwoche habe ich noch bekommen. Von Marta bekam ich gestern und von Andreas heute einen Brief. An Marta und Andreas habe ich gleich wieder geschrieben. - Hast Du eigentlich von Ernst Heiden etwas gehört? Wenn ja, schreibe mir doch mal. - Das Paket, das ich gestern für dich gepackt habe geht morgen auch von hier ab. Es ist heute nicht mehr mitgekommen. 40 Zigaretten habe ich für dich auch mit beigelegt. Hoffe, daß alles gut überkommt und Euch alles gut schmecken wird. Ich würde Dir ja gern öfter etwas schicken aber wie ich dir schon mitteilte ist es alles hier zu teuer. Na, hoffentlich bekommen wir öfter mal Marketenderware, dann kann es doch noch was werden. - Die Hauptsache ist ja, daß an unserem neuen Bestimmungsort genug zu haben ist. - Wir können hier jeden Tag auf Stadturlaub gehen. Bis jetzt habe ich es auch jeden Tag gemacht. Und wenn ich auch nur ein bißchen am Wasser spazieren gegangen bin. In der Mittagszeit während der größten Hitze haben wir ein paar Stunden Bettruhe. Die kann man aber auch gut gebrauchen. Und abends ist immer zur rechten Zeit Dienstschluß. Ich wollte diese Seite noch voll schreiben, schaffe es aber doch nicht. Denn erstens ist es schon ziemlich spät und dann bin ich mit meiner Weisheit auch zu Ende.
Also lieber Buttje! nächstes Mal mehr. Sei also recht herzlich gegrüßt und geküßt von Deinem Willy, Grüße mir Harry auch schön. An meine Eltern und Geschwister sowie Deine Mutter, Emil, Frieda und Harro auch einen schönen Gruß. Das gleiche auch an Herr und Frau Nerlich, Emil Kahns, Trude und Hilde.
Im Süd-Osten, den 25. Juli 1943
Mein Lieber Buttje!
Deinen Brief von 23. Juni habe ich gestern erst erhalten. Meinen besten Dank. Der Brief wird wohl erst über H. gegangen sein. Daher wohl auch die Verspätung. Mit der Postzustellung wird es jetzt auch nicht mehr so schnell gehen. Denn so oft geht sie von hier nicht weg. Ich denke aber, daß Du meine Post, die ich in kurzen Abständen während der Fahrt geschrieben habe, jetzt wohl schon alle erhalten hast. Wie ich im letzten Brief, den ich vor 2 Tagen an Dir geschrieben habe, schon mitteilte, sind wir ohne Zwischenfall an unseren Bestimmungsort angekommen. Unser Quartier haben wir inzwischen auch schon wieder gewechselt. Wir wurden gestern schon wieder abgelöst. Leider hatten wir uns dort ganz gut eingelebt. Augenblicklich sind wir in der Stadt Stadt ist ja ein bißchen zu viel gesagt. Ist nämlich nur ein Häufchen Häuser. Die Städte, die ich bis jetzt hier im sonnigen Süden gesehen habe, sind aber nicht allzu groß. Auch hier durchweg nur kleine Häuser. Gestern habe ich mich beim Frisör mit dem Inhaber unterhalten, der erzählte mir, daß es hier früher ein reges Leben und Treiben war. Viele große Schiffe sollen hier rein- und rausgegangen sein. Klein Paris haben sie den Ort genannt. Er hat mich auch gleich gefragt, ob ich nicht irgend etwas zu verkaufen hätte. Auf Hautcreme und Kämme war besonders scharf. Zu kaufen gibt es hier leider nicht viel. Außer Obst und Eier habe ich eigentlich noch nichts gesehen. Zigaretten sind hier auch nicht zu haben. Bin aber augenblicklich noch mit einigen versorgt. Habe heute noch 20 in unserer Kantine bekommen. Morgen will ich noch mal Ausschau halten, ob ich doch noch etwas einkaufen kann. Wollte für Dich gerne noch ein Paket fertig machen. - Die Hauptsache dabei ist ja, daß es alles gut rüberkommt und nicht zu den Fischen geht. Hast Du das Paket, das ich vor einer Woche abschickte schon erhalten? Ich hoffe doch. Wäre sonst zu ärgerlich. Mit der Post kann es jetzt auch leicht mal vorkommen, daß sie verloren geht. Kann deshalb leicht mal vorkommen, daß Du eine ganze Zeit ohne Post bist. Ich glaube aber, daß Du das vertragen wirst. Denn die Hauptsache ist ja, daß Du weißt, das es mir gut geht und sonst eigentlich nichts zu befurchten ist. Hast Du die Abzüge inzwischen schon erhalten? Richard Heinitz fragte heute morgen auch danach. War heute morgen hier, hat Verpflegung für seine Truppe geholt. Haben gestern auch schon ihr 2. Quartier bezogen. Kam wie ein Eingeborener mit einem Esel angetratscht. - Ob ich nun hier in der Stadt bleibe, weiß ich noch nicht. Wechselt hier von Tag zu Tag. Würde gerne wieder auf meinem Stützpunkt gehen. Denn da draußen mit seine Gruppe seinen Dienst machen, bringt doch mehr Laune. Vor allen Dingen auch die Ruhe in der Einsamkeit tut gut. Obwohl wir auch hier genug Ruhe haben, gefällt es mir doch besser. Denn in der Stadt geht es doch immer ein bißchen kasernenmäßig zu. In die Stadt können wir auch jeder Tag gehen, werde da aber nicht viel Gebrauch von machen. Denn was soll man dort schon groß anfangen. Und um ins Lokal zu gehen und Wein zu trinken, habe ich auch keine Lust. Erstmal ist es alles ziemlich teuer hier und zweitens bin ich auf Wein garnicht so versessen. Ich lege mich lieber ein bißchen an den Strand und schaue ins Weite. Der Strand ist nur ein paar Meter vom Haus entfernt. Ein herrlicher Anblick. Möchte nur, Du könntest es auch alles mal so sehen. Aber das wird wohl für uns gewöhnliche Erdenbüger nur ein frommer Wunsch bleiben. Die Bevölkerung ist uns hier sonst ganz freundlich gestimmt. Sind im Allgemeinen auch ziemlich sauber. Obwohl es hier Ungeziefer genügend gibt. Vor allen Dingen gibt es Wanzen in rauhen Mengen. Ich selbst habe aber mit ihnen noch keine nähere Bekanntschaft gemacht. Scheint als sagt meinem Blut ihnen nicht zu. Moskitos gibt es hier nicht. Vielleicht schon daher, weil es hier immer etwas windig ist. Sollen sich ja hauptsächlich in ruhigen Gewässern und Tümpeln aufhalten. Augenblicklich ist der Strand ganz leer, nicht ein einziges menschliches Wesen ist auf der Straße und am Strande zu sehen. Der größte Teil von meinen Kameraden haben sich ins Bett zum Schlafen gelegt, nur einer außer mir sitzt am Tisch und schreibt wie auch ich an meine Lieben. Wenn ich diesen Brief beendet habe, werde auch ich mich in die kühlen Fluten stürzen. Meine Bade- und Turnhose vermisse ich sehr. Und nun zu den Wichtigsten aus deinem letzten Brief. Ehrlich gesagt hat es mir einen ordentlichen Schlag versetzt. Ich glaube auch, daß Paul seine Freud(?) und Leiden mit ihrer Klatscherei keinen guten Dienst erwiesen hat. Denn ich kann es nicht ändern was ich einmal begangen habe, trotz aller guten Worte die man dafür in Anwendung bringen könnte. Habe ich auch nicht die Absicht Dir dafür, weil es nicht so war wie es hätte zwischen uns sein sollen, etwa die Schuld in die Schuhe zu schieben. Ich will auch ganz ehrlich sein, ich hatte damals einfach nicht den Mut es Dir zu sagen, wollte Dir auch nicht unnötig das Herz schwer machen. Bin auch von dem Grundsatz ausgegangen, was man nicht weiß, macht einem nicht heiß. Denn umgekehrt würde mir die Wut hochkommen. Eine Antwort selbst hieraufhalte ich schriftlich doch nicht für richtig. Glaube auch, daß wir uns mündlich gerade in dieser Sache besser aussprechen. Sonst kannst Du aber ganz beruhigt sein, ein gewisser Herr L. wird dir keinen Anlaß zur Klage geben. Glaube auch nicht, daß es in den letzten Jahren der Fall war. Ich glaube und hoffe auch, daß Du in Erinnerung all der schönen Stunden, die wir zusammen verlebt haben, über diese Geschichte so gut es geht wegkommen wirst. Und sonst kann man zu Paul 's Frau nur wohl sagen: Wenn über eine Sache mal endlich Gras gewachsen ist, kommt sicher ein Kamel gelaufen, daß alles wieder runterfrißt. - Von Willy habe ich immer noch keine Post erhalten. Hat wohl jetzt in der Erntezeit viel zutun. An Hinni und Martha habe ich eben auch geschrieben und an meine Eltern schon Freitag. Wollte an Frieda, Willy und Harry auch noch schreiben, ist aber doch schon etwas spät geworden. Wollte gern noch etwas an den Strand zum Baden. Vielleicht komme ich da ja morgen zu. Frieda und Emil haben auch schon lange keine Post von mir erhalten. Werde schließen, der Stoff ist mir auch ausgegangen.
Also lieber Buttje! Sei nicht mehr böse, halte Dich gesund und munter es grüßt und küßt Dich und Harry Dein Willy und Dein Papa. An meine Eltern und Geschwister sowie an Deine Mutter, Frieda, Emil und Harro auch einen schönen Gruß. Dasselbe auch an Nerlich und Frau, sowie an Emil Kahns, Trude und Hilde.
Im Süd-Osten, den 25. Juli 1943
Mein lieber Willemann!
Haben beide lange nichts von uns hören lassen, nicht wahr? Du hast bestimmt augenblicklich nicht viel Zeit zum Schreiben. Habt wohl während der Erntezeit viel zu tun. Während unserer Fahrt hierher hatte ich auch nicht viel Zeit. Werde es jetzt aber nachholen. Mir geht es sonst noch gut, hoffe dasselbe auch von Dir. Ich komme hier viel zum Baden. Das Wetter und auch das Wasser ist einfach herrlich. Warm ist es hier ganz enorm. 50-60 Grad haben wir hier jeden Tag.
Lieber Willemann! Nächstes Mal mehr. Halte Dich gesund und munter es grüßt Dich herzlichst Dein Papa.
Anmerkung:
Mein Bruder (Willy) war zu der Zeit im KLV-Lager (Kinderlandverschickung) in Hellkofen über Sünching, Bez. Regensburg.
Im Süd-Osten, den 26. Juli 1943
Lieber Hans und liebe Dora!
Einen schönen Gruß aus dem sonnigen Süden sendet Euch Euer Bruder und Schwager Willy. Unsere herrliche Fahrt haben wir ohne Unterbrechung beendet. Sind am letzten Mittwoch hier angekommen. Das letzte Stück der Fahrt haben wir mit einem Dampfer zurückgelegt. - Wir hatten zuerst eine Stellung direkt am Meer bezogen. War ein herrliches Leben. Nur war es zu schnell beendet. Hatten uns in der kurzen Zeit gut eingelebt und auch mit den Eingeborenen so gut es ging angefreundet. Gab da allerhand zu organisieren. Haben die paar Tage wie Gott in Frankreich gelebt. Melonen, Gurken, Zwiebeln, Erbsen, Bohnen Eier und Milch, direkt von der Kuh, gab es in rauhen Mengen. Wir sind dann aber nach 3 Tagen wieder abgelöst worden. Seit Sonnabend sind wird jetzt schon wieder in der Stadt (Es nennt sich jedenfalls so). Wir liegen in einem ganz netten Bau direkt am Meer. In der Stadt selbst gibt es eine Hauptstraße, die noch nicht einmal so breit wie der Grimm in Hamburg ist. Von der Straße gehen noch ein paar Gassen ab. Die Häuser sind alle ziemlich verfallen. Hauptsächlich sind in der Straße Kneipen und Gemüsegeschäfte vorhanden. Viel zu kaufen gibt es hier nicht mehr. Ist auch alles enorm teuer hier. Zigaretten sind auch so gut wie garnicht zu haben. Wir haben in der letzten Zeit von unserer Komp. erhalten. Rosinen und Korinthen haben wir heute auch schon wieder zu einem annehmbaren Preis erhalten. Ein Paket habe ich schon vor 14 Tagen abgeschickt. Wir können im Monat nur zwennal je 1 Kg- Paket nach Hause schicken. Hätte Euch sonst auch ein Paket geschickt. Wir sollen in Zukunft von unserer Komp. auch mehr mit Obst und Gemüse versorgt werden. Der Wein ist auch schon beinahe reif und an den Feigenbäumen sitzt auch schon allerhand dran. Ganz nette Aussichten nicht wahr? Vielleicht bekommen wir auch durch unsere Komp. das schöne Olivenöl. - Sonst kann es hier aushalten. Bis jetzt noch schön ruhig und friedlich. Der Dienst ist auch nicht anstrengend. Das Wetter immer noch gut. Jeden Tag Sonnenschein. Zum Baden gehe ich jeden Tag ein Paar Mal. Das Wetter ist auch herrlich. Ungefähr wie an der Ostsee. Ist hier hauptsächlich bergiges Gelände. Viel ausgedörtes, unfruchtbares Land. Und trotzdem muß man staunen, daß überhaupt noch so viel wächst. - Nach dem gestrigen Wehrmachtsbericht muß der Tommy ja wieder mal ordentlich in Hamburg gehaust haben. Hoffentlich ist bei Euch alles heil und gesund geblieben. Lieber Hans und Dora haltet Euch gesund und munter es grüßt Euch herzlichst Euer Bruder und Schwager Willy. Viele Grüße auch an Papa und Mama, sowie an Martha, Paul und Marion.
Anmerkung:
Komp.: Kompanie
Im Süd-Osten, den 27. Juli 1943
Mein lieber Buttje!
Ich habe wieder einmal Rosinen und Korinthen bekommen und habe sie gleich zu einem Paket gepackt. Das Paket muß nämlich noch bis zum 31.7. abgegeben sein, sonst wird es für den nächsten Monat mitgerechnet. Und dann kann ich nur noch ein Paket für August schicken. Wir sind nach der Insel Limnos gekommen. Ist nicht ganz so weit als nach der zuerst vorgesehenen. Ich habe von gestern Abend bis heute Abend Wache. Habe sie aber bis auf zwei Stunden schon rum. Brauche erst wieder von 16-18 Uhr stehen. Jetzt ist es 1/2 10 Uhr. Habe also den ganzen Vor- und Nachmittag frei. Muß mich aber im Wachlokal aufhalten. Der Dienst ist hier zu ertragen. Haben eigentlich nur Wache zu stehen. Neuerdings gibt es hier auch Arbeitsdienst. Wird sich aber auch nicht bei uns … Von morgens 11 Uhr bis nachmittags 1/2 4 Uhr wird garnichts gemacht. Wegen der Hitze schon. Regen kennt man hier fast garnicht. Seit April hat es hier dreimal geregnet. Hat aber nur ein bißchen geschmuddelt. Die Erde ist nicht mal reichtig naß geworden. Das Land ist hier richtig ausgedörrt. Kein Wunder bei der ununterbrochen scheinenden Sonne. Und trotzdem muß man sich wundern, daß überhaupt noch etwas wächst. Lange werde ich wohl auch nicht in der Stadt bleiben. Werden nach einer bestimmten Zeit ausgetauscht. Aushalten läßt es sich aber hier wieder. Vom Krieg sehen und hören wir hier garnichts. Ist das für Dich eine Beruhigung nicht wahr? Deinen Brief vom 23. Juni habe ich letzten Sonnabend erst erhalten. Konnte ihn darum auch nicht eher beantworten. Hast doch bestimmt gedacht, ich wollte kneifen, oder ist es doch nicht so. Ich hoffe auch, daß Du Dich inzwischen wieder beruhigt hast. Grund zu einer Beunruhigung hast Du ja auch nicht. Weißt doch ganz genau, daß ich nur Dich lieb habe. Wenn er auch mal manchmal seine Eigenheiten hat, nicht wahr? Aber das tut der Liebe doch keinen Abbruch. - Der Tommy hat in den letzten beiden Tagen ja wieder mal ordentlich in Hamburg gehaust. Hoffe nur, daß im Hause alles heil und gesund geblieben ist. Man ist doch immer in Unruhe. Jetzt noch viel mehr, da die Post so spärlich und es mit dem Überkommen solange dauert. So mein lieber Buttje ich will jetzt auch schließen, ich hoffe, daß Du und auch Harry das Paket bei guter Gesundheit erhaltet und es Euch schmecken werdet. Es grüßt und küßt Dich und Harry vielmals Dein Willy und Dein Papa.
Anmerkung:
Aus dem Bericht der Feuerwehr zum 50. Jahrestag der Bombenangriffe auf Hamburg (Auszüge): „Während des 2. Weltkrieges wurde die Zivilbevölkerung unmittelbar und massiv in militärische Handlungen einbezogen. Gezielte flächenmäßige Abwürfe von Bomben auf Wohngebieten sollten den Durchhaltewillen der Bevölkerung brechen. In den Tagen vom 25. Juli bis zum 3. August 1943 war Hamburg Ziel der bis dahin größten Luftangriffe auf die Stadt.
Sieben Luftangriffe
zerstörten 2293 qkm Stadgebiet,
40414 Wohnhäuser waren nicht mehr bewohnbar,
31647 Menschen wurden Opfer der Bomben,
8500 Tonnen Spreng- und Brandbomben entfachten einen Feuersturm von bis dahin nicht gekannter Größe. Die Planungen der Organisationen für den Luftschutz lösten sich buchstäblich in Rauch auf,
durch Flüssigkeits- und Phosphorbomben wurden an vielen Stellen große Wohnhäuser vom untersten Geschoss her schlagartig in Brand gesetzt. Rund 25 Minuten nach dem Fallen der ersten Bomben wurden Blockbrände beobachtet. Vierstöckige Wohnhäuser brannten innerhalb von 30 Minuten auf. Durch die an diesen Tagen herrschenden besonderen atmosphärischen Bedingungen entwickelte sich ein Feuersturm von orkanartiger Stärke, Dächer wurden durch die Luft gewirbelt, Bäume abgedreht und Menschen in das Zentrum der Flammen gerissen.
Viele Tausende Menschen erstickten in den Luftschutzkellern, weil der in den Straßen tobende Feuersturm allen Sauerstoff aufsog. Die neben der CO-Vergiftung häufigste Todesart war die Hyperthermie infolge der glühenden Hitze. Es wurden Temperaturen bis 800° erreicht.“
Im Süd-Osten, 29 Juli 1943
Mein lieber Buttje!
Dieses Paket sollte eigentlich meine Mutter haben. Für Dich habe ich gestern ein 1 Kg-Paket abgeschickt. Ich hoffe, daß es überkommen wird, dann kannst Du dieses Paket ja meiner Mutter geben. Habe die Adresse verkehrt draufgeschrieben. Mit Schnur zu verpacken bin ich sehr knapp. Kannst ja gelegentlich etwas mitschicken, Post habe ich immer noch nicht erhalten. Es wird erzählt es sollen einige kleine Dampfer mit Post untergegangen sein, damit muß man schon rechnen. Auch Du denn die Post die von hier abgeht, kann genau so zu den Fischen gehen. Hoffentlich geht es Euch noch allen gut. Man ist direkt in Sorge, jetzt nach den vielen Angriffen auf Hamburg. Wenn die Zustellung der Post nicht so lange dauern würde ginge es noch. Aber was kann ich in der langen Zeit in der man nicht zu hören bekommt, alles passieren. Ich will aber hoffen, das alle Schrecknisse des Krieges an uns vorübergehen werden. Es wäre ganz schön, wenn Du mit den Beiden außerhalb Hamburgs zubringen könntest, - Mir geht es sonst immer noch gut. Ich hoffe es von Dir und Harry auch. Willemann wird jetzt ja auch bald wieder bei Dir zu Hause sein. Freust Dich bestimmt schon, nicht wahr?
Lieber Buttje, ich hoffe, daß Du das Paket bei guter Gesundheit erhältst. Sei also recht herzlich gegrüßt und geküßt von Deinem Willy. An Harry auch einen schönen Gruß. An meine Eltern und Geschwister, sowie an Deine Mutter, Emil, Frieda und Harro. Dasselbe auch Nerlich und an Familie Kahns.
Im Süd-Osten, den 30. Juli 1943
Mein lieber Buttje!
Vorgestern habe ich ein Paket für Dich aufgegeben (1Kg). Und gestern ein von ungefähr ½ Pfd.. Das kleine Päkchen hatte ich eigentlich als eine Kostprobe für meine Mutter vorgesehen. Ich habe ganz in Gedanken Deine Adresse drauf geschrieben. Sollte aber eins verloren gehen, dann kannst du es behalten. Will aber hoffen, daß alles überkommen wird. In den Paketen habe ich dieses Mal nur Sultaninen und Korinthen. Zigaretten habe ich augenblicklich nicht viel. In der Stadt sind gar keine zu haben. Habe letzte Woche in unserer Kantine allerdings 4 Schachtel a 20 Stück abgekauft. Sollte nur 20 Stück haben. Bin aber jeden Tag hingegangen und habe mir 20 Stück gekauft. Wäre sonst schon lange ohne Zigaretten gewesen. Ich bin 2 Tage schon wieder außerhalb der Stadt. Und wenn man nicht in der Stadt bei der Komp. ist, bekommt man nicht so oft etwas von der Marketenderware ab. In der Hinsicht ist es besser, wenn man in der Stadt stationiert ist. Hätte sonst auch von den Sultaninen und Korinthen nichts abbekommen. Denn die Kameraden mit denen ich hier zusammen bin, haben keine gekriegt. - Post habe ich auch noch keine wieder erhalten. Eben ist aber von unserer Komp. durchgerufen worden, daß welche für uns angekommen ist. Hoffentlich ist für mich auch welche dabei. Man freut sich doch auf jedes kleine Lebenszeichen. Ich schreibe jetzt auch öfter, damit Du, wenn wirklich Post verloren gehen sollte, nicht so lange auf Post zu warten brauchst. - Unsere Fahrt zu unserem neuen Stützpunkt war nicht ganz nett. Haben für die Fahrt, die sonst in einer Stunde zurückzulegen ist, fast 12 Stunden gebraucht, hatten uns oft verfahren und mußten um uns von einer anderen Einheit die genaue Wegstrecke geben zu lasen, 17 km wieder zurück. Als wir in dem kleinen Ort abkamen, war da gerade eine Filmveranstaltung (Freilichtbühne). Wie der erste Film hieß, weiß ich nicht, kamen gerade mitten im Stück an. Wir haben natürlich die Gelegenheit wahrgenommen und haben uns die Vorstellung angesehen. Einen zweiten Film gab es auch noch, Und zwar: „Ich liebe Dich und kenn Dich nicht" gab es auch noch. Es ist zwar ein alter Film, war aber doch ganz schön. Willi Forst und Magda Schneider spielten drin mit. Nach dem Film wurde unser Auto überholt und es ging dann wieder weiter. Allzuweit sind wir aber nicht gekommen, kriegten wieder Panne. Wir wurden dann nach dem letzten Ort abgeschleppt. Wo wir dann übernachteten, Viel Schlaf habe ich nicht bekommen. Waren keine Betten mehr für uns frei. Morgens früh ging es dann mit einem anderen Fahrzeug weiter. Sind dann auch nach einer kurzen Fahrt gelandet, Waren schon auf die Verlustliste gesetzt, dachten wir wären in einem Schützengraben gekippt. Leicht möglich ist es, denn die Straßen sind alles andere als vorbildlich. Wenn man durch einen Ort fährt, muß man direkt Angst haben, daß man die Häuser mitnimmt. Durch die Straßen kann ein Auto gerade eben durchkommen. Wie lange ich nun hierbleibe weiß ich noch nicht. Bin mit 2 anderen zur Umschulung hierher gekommen. Sollen an einem Geschütz ausgebildet werden. Es ist aber möglich, daß wir hier länger bleiben. Der Stützpunkt liegt auch ganz schön. In der Nähe des Wassers. Nur sind wir hier mit mehren stationiert. Sind aber fast alle von unserem Zug. Das Essen ist auch gut und reichlich. Der Dienst ist auch zu ertragen. Habe gleich den ersten Tag Wache stehen müssen. Die Wache geht von mittags 1 Uhr bis zum anderen Mittag 1 Uhr. Wir brauchen aber nur von 6-6 Uhr stehen. Die andere Zeit haben wir frei. Wenn wir keine Wache haben, machen wir von morgens ½ 7 Uhr bis 10 1/2 und nachmittags von ½ 3 -1/2 5 Uhr Arbeitsdienst. Ich weiß nicht ob es Dich interessiert was ich schreibe. Möchte Dir gern zur Beruhigung schreiben wie es mir geht. Siehst auch daraus, daß es mir gut geht. Morgen müssen wir mit einigen von uns mit Maulesel in die Stadt und unsere Verpflegung für die nächsten Tage holen. Werde wohl auch mitgehen. Will versuchen etwas einzukaufen. Es gibt hier schöne Fettseife, eine Art Kernseife. Wenn ich welche bekomme, werde ich sie Dir schicken. Kleine Päckchen bis zu einem halben Pfund sind für uns frei. Werde also wenn meine Finanzen es erlauben die Gelegenheit wahrnehmen und so oft es geht Dir kleine Päckchen zu senden. Das meiste ist hier sehr teuer und vieles auch nicht mehr zu haben. Gibt aber immer noch allerhand Sachen, die bei Euch gar nicht zu haben sind. In der ersten Zeit war hier noch alles zu billigen Preisen zu haben. Wenn man die Landser hört, was hier alles gekauft und nach Hause geschickt wird, muß man nur staunen. Ist aber schon 1-2 Jahre her. Na, vielleicht haben wir ja noch Glück, daß wir noch Olivenöl bekommen. Mandeln gibt es hier auch, sind aber noch nicht reif. Die Hauptsache ist, daß die Pakete auch überkommen. Wäre sonst zu ärgerlich. Das Wetter ist immer noch gut. Gestern nachmittag war es etwas bewölkt. Sah ganz nach Regen aus, ist aber doch nichts geworden. Zur Abwechslung gibt es bei schönstem Sonnenschein 1 -¦ 2 Tage mal eine ordentliche Mütze Wind. Viel Abkühlung bringt er aber auch nicht. Bei euch zu Hause muß es in der letzten Zeit ja bös zugegangen sein. Hoffentlich seit Ihr von allen verschont geblieben. Bis ich die Gewißheit habe, daß es Euch allen noch gut geht kann noch eine lange Zeit vergehen.
So mein lieber Buttje ich will den Brief nun beenden. Ich hoffe und wünsche, daß es Euch allen noch gut geht. Seid also recht herzlich gegrüßt und geküßt von Deinem Willy und Deinem Papa. An meine Eltern und Geschwister sowie an Deine Mutter, Emil, Frieda und Harro noch einen schönen Gruß, desgleichen an Fam. Nerlich, Michaelsen sowie an Familie Kahns. An Tante Jung, Onkel Ernst und Tante Marie auch.
Im Süd-Osten, den 01. August 1943
Mein lieber Buttje!
Ich habe mir vorgenommen Dich mindestens alle 2 Tage zu schreiben, wenn dann wirklich mal Post verloren geht, denke ich doch, daß der eine oder andere ankommen wird. Die beiden Zeitungen (Das Reich und das Illustrierte Blatt) habe ich vorgestern erhalten. Die letzte Post, die ich von Dir erhalten habe, ist der Brief vom 23. Juni gewesen. Es war der, den gleich nach Deiner Ankunft in Hamburg geschrieben hast. Lieber Buttje! Schreibe doch bitte auch öfter mal es braucht ja nur eine Karte mit einem Gruß sein. Denn die Post von Dir kann genau so verloren gehen. Ich werde die Post jetzt auch wieder numerieren. Kannst dann immer gleich sehen, welche Post fehlt. Du kannst es ja auch so machen. Von Emi Riehm habe ich vorgestern auch einen Brief mit einigen Zigaretten bekommen. Geschrieben habe ich gleich wieder. An Hans und Dora, meinen Eltern, Martha und an Frieda und Emil habe ich letzte Woche auch geschrieben. Für Dich sind auch Briefe unterwegs. Wenn man solange ohne Post ist, ist man doch unruhig. Überhaupt wo Hamburg wieder Tag für Tag angegriffen wird. Muß ja wüst in Hamburg aussehen. Wenn wir den Wehrmachtsbericht bekommen, gucke ich zuerst immer nach, ob Hamburg angegriffen worden ist. Morgen, vielleicht auch schon heute abend wird es Post geben. Einer von uns ist zur Stadt geritten und wird die Post mitbringen. Hoffentlich ist welche für mich dabei. Obwohl ich über die letzten Angriffe doch nichts raus hören werde. Damit muß ich mich wohl noch 14 Tage gedulden. Die Post läuft ungefähr 14 Tage. Und was kann ich der Zeit alles passieren. Wenn der Krieg doch bloß bald zu Ende wäre. Hier ist es immer noch ruhig. Ich laufe den ganzen Tag in der Badehose umher. Habe mit eine machen lassen. Ist aber nicht besonders. - Gestern war ich mit noch einigen Kameraden nach der Stadt zu unserer Komp. zur Verpflegung holen. Wir hatten 6 Esel mit. Waren mit vier Mann. Unterwegs haben wir 2 Griechen 3 von unseren Eseln abgetreten. Wollten auch zur Stadt. Die Beiden verstanden natürlich mit den Eseln viel besser umzugehen. Es ging dann auch mit ein Karacho die staubigen unebenen Straßen der Stadt zu. Sie sind in einem furchtbar schlechten Zustand. Hin sind wir ziemlich schnell gekommen. Zurück haben wir aber 4 Stunden gebraucht. Die Esel haben aber auch eine schöne Last zu tragen gehabt. Haben Verpflegung für 10 Tage für 36 Mann geholt. Und trotzdem muß man sich wundern wie die Esel mit der schweren Last fertig wurden. Sie gehen mit ihrer Last ohne zu bocken immer ihren flotten Gang. Das Reiten strengt natürlich, schon weil man es garnicht gewohnt ist, ziemlich an. Mir taten abends, als wir zurück waren, die ganzen Knochen weh. Kam wohl auch mit von Laufen. Mir hat die Tour aber doch Spaß gemacht. Trotzdem man manchmal ordentlich zu steigen hatte. Es ist hier nämlich alles bergig. Auf dem Rückweg sind wir auch einmal eingekehrt. Es lagen 2 Lokale direkt nebeneinander. In das eine ist einer von uns mit unserem Unteroffizier gegangen. Der andere und ich haben es aber vorgezogen in das nebenan liegende Lokal zugehen. Wir haben uns da mit einem Mann (Es war der Bürgermeister von dem Kaff) unterhalten. Er konnte ganz gut deutsch. Er hat es sich aber nicht nehmen lassen, für uns ein paar Wein auszugeben. Ein paar Eier haben wir dann auch noch gekauft. Bei Hitze in der Stadt bin ich auch noch gewesen. Habe 2 Kämme und Zahnpasta verkauft. Die Euzerin (Salbe) wollte er nicht haben. Weil sie ohne Geruch ist. Wurde sie aber anderswo los. Für das Geld habe ich ein Stück Seife gekauft. Es ist eine Art Kernseife. Werde sie Dir in den nächsten zuschicken. Werde es als kleines Päckchen zurechtmachen. Das Päckchen kann bis zu einem ½ Pfd. wiegen. Muß wohl etwas von der Seife abschneiden, wiegt mehr als ein ½ Pfd. Wollte gleich noch ein Stück Toilettenseife mit kaufen, hatte aber nicht mehr so viel Geld. Wir haben unsere Löhnung gestern noch nicht erhalten. Werden sie morgen holen. Einige von uns müssen morgen wieder in die Stadt. Habe heute Nachtwache. Alle 2 Tage muß sowieso einer von uns zur Stadt, dann kann ich mir sie ja mitbringen lassen, wenn ich selbst nicht hinkomme. Gelohnt hat der Weg zur Stadt aber doch. Wir haben einige Zigaretten und 18 Eier mitgebracht. Morgen geht es dann schon nicht mehr. Um 7 Uhr kommen wir dann mit einem Bärenhunger in unser Heim an, Waren von morgens 5 Uhr unterwegs gewesen. In der Zwischenzeit habe sie hier eine Ziege gekauft und geschlachtet. Wir haben heute zu Mittag schon den größten Teil vermöbelt. Für die nächsten Tage sind wir mit Frischfleisch auch gut eingedeckt. Haben uns heute morgen ein Schaf geholt und gleich geschlachtet. Schafe gibt es hier in rauhen Mengen. das Schaf hat nur 5 Pfd. Zucker gekostet. Doch ein ganz guter Tausch, nicht wahr? Siehst also, daß wir hier mit dem Essen ganz gut zurecht kommen. Man muß aber ein bißchen organisieren können. Gestern morgen waren einige von uns zum Fischen. Haben eine ganz schöne Portion mitgebracht. Ungefähr einen halben Zentner. Die Fische haben wir als Beikost zum Abendbrot erhalten. Kam auf jeden Mann allerhand. Unser Koch hatte die Fische gebraten. Sie schmeckten aber extra prima. Ein Ausdruck der Griechen. Die Anwohner sind uns auch ganz gut gestimmt. Wissen auch schon was für Banausen wir sind. Spricht sich doch schnell herum. Auf die Kapitalisten haben sie eine furchtbare Wut. Einer fragte gestern auch, bei Euch besser, bei Euch keine Kapitalisten. - Sonst geht es mir noch gut. Essen und Trinken schmeckt und der Dienst ist auch noch zu ertragen. Als wir 3 Mann letzte Woche hier an unserem Stützpunkt ankamen, hatten wir noch gar keine Schlafgelegenheit. Es waren nicht genügend Betten vorhanden. Am nächsten Tage bekamen wir aber welche. Da hatten wir Betten aber noch keinen Raum dafür. Wir fanden aber einen. An dem eigentlichen Haus war noch ein kleiner Raum angebaut. Der war für Werkzeug und Gerümpel vorgesehen. Den haben wir uns dann hergerichtet. Paßte gerade für 3 Mann. Jetzt wo wir alles fertig haben, sind sie drauf scharf Vor allen Dingen die Herren Unteroffiziere. Der Raum bleibt uns aber, denn der Stabsfeld hat ihn uns selbst zugewiesen. Einer von uns ist heute Nachmittag zum Einkaufen zu den Bauern gegangen. Ich bin gespannt, was er alles mitbringen wird. Holt natürlich nur für uns 3 ein.
So mein lieber Buttje! Für heute will ich es genug sein lassen. Ich hoffe und wünsche, daß es Euch noch allen gut geht und wir uns in nicht allzu langer Zeit wiedersehen werden. Sei also recht herzlich gegrüßt und geküßt von Deinem Willy. An Harry auch einen schönen Gruß. Dergl. an meine Eltern + Geschwister, sowie an Deine Mutter, Emil, Frieda und Harro
Anmerkung:
Banause: spießbürgerlicher, kleindenkender Mensch (wurde so aber nicht gemeint, eher Schlitzohrig)
Im Süd-Osten, den 03. August 1943
Mein lieber Buttje!
Deinen Brief von 22. Juli habe ich gestern erhalten, wofür meinen besten Dank. Gesehen habe daraus allerdings nicht, ob Du und welche Post Du von mir erhalten hast. Es muß ja allerhand Post von Dir verloren gegangen sein. Kann es mir sonst garnicht vorstellen. Heute Mittag wurde mir Dein Telegramm telefonisch durchgegeben. Das Telegramm selbst habe ich noch nicht. Ist noch beim Batl. Wie ich den Bescheid erhielt, daß für mich ein Telegramm da wäre, wurde mir doch ein bißchen weich in den Knien. Habe die letzten Tage schon immer in Angst und Unruhe gelebt. Mein lieber Buttje! Ich freue mich aber trotz des Verlustes unserer Einrichtung, daß es Euch Beiden gut geht und Ihr außerhalb Hamburgs seid. Die Hauptsache ist ja, daß man keinen körperlichen Schaden erleidet. Alles andere ist ja zu ersetzen. Wenn es für unser einer auch nicht so leicht ist. Habe da aber keine Befürchtungen denn einen Tisch und Bett werden wir schon zurecht gezimmert kriegen. Ich habe sofort um Urlaub nachgefragt. Hoffentlich wird es was. Große Hoffnung habe allerdings nicht. Nach den Berichten muß in Hamburg ja allerhand verwüstet sein. Ist denn bei meinen Eltern und Geschwistern und bei Deiner Mutter und Geschwister alles heil und gesund geblieben? Ich will es doch hoffen. So Buttje! Ich will hoffen, daß ich einen Sonderurlaub erhalte. Halte den Kopf hoch und denke Dir, wie auch ich es denke „Es geht alles vorüber". Also mein lieber Buttje! sei recht vielmals gegrüßt und geküßt von Deinem Willy An Harry auch einen schönen Gruß und Kuß. Die Päckchen mit den Bildern habe ich noch nicht erhalten. Hast Du mein Paket mit Rosinen und Zigaretten eigentlich schon erhalten? Ein 1 Kg Paket und ein Pfd. Paket sind seit voriger Woche unterwegs. Denke doch, daß alles ankommen wird. Kannst bei der Post ja Deine Adresse angeben.
Im Süd-Osten, den 05.August 1943
Mein lieber Buttje!
Ich warte schon einige Tage auf Post von Dir. Denke doch, daß ich heute oder morgen welche bekomme. Sonst geht es mir noch gut. Hoffe dasselbe auch von Dir und den beiden Jungens. Wegen der Urlaubsgeschichte weiß ich immer noch nichts Neues. Glaube auch nicht mehr daran. Wir haben eben kein Glück. Wäre ich bei einer anderen Einheit würde ich trotz der Urlaubssperre zu Dir auf Urlaub kommen. Du siehst es doch an Hinni. Ich glaube nämlich nicht, daß er vor der Sperre noch abgefahren ist. Und dann hat die Sperre mit dem Sonderurlaub nach Regensburg zu Dir ja garnichts zu tun. Die Sperre gilt nur für das Gebiet Groß-Hamburg. Und mit einer Aufhebung einer Sperre rechne ich auch nicht. Es wird aber so kommen, daß es für Bombenbeschädigte außer wenn ein Leben der Angehörigen in Gefahr ist, überhaupt kein Urlaub mehr gibt. Denn wenn es so weiter geht, wird der größte Teil noch Bomben beschädigt. Hast Du schon wegen meines Urlaubes etwas unternommen? Vielleicht nützt es ja was, wenn Du über die Partei zur Wehrmacht gehst. Denn eigentlich liegt da ja garnichts im Wege. Genehmigt ist er und meinen Urlaubsschein habe ich ausgestellt erhalten. Wie steht es nun mit Willemann? Hast Du ihn schon rausbekommen oder sind sie genau so stur wie hier. Ich hoffe ja, daß ich diese Woche von meinem Kompaniechef Bescheid bekomme auf meinem Brief Wenn der doch bloß ein Einsehen hätte. Hoffentlich bekomme ich nicht den Bescheid, daß ich wieder zurück zur Insel muß. Denn dann besteht überhaupt keine Aussicht mehr. Von Martha habe ich letzte Woche einen Brief bekommen. War aber schon vom 13. August. Habe sonst noch nichts wieder gehört. Hat Willy meinem Brief zu seinem Geburtstag schon erhalten. Und Du meine letzten Briefe auch schon? Von den Paketen hast Du wohl noch keine erhalten, nicht wahr?
Also mein lieber Buttje! für heute will ich erst mal schließen. Halte Du Dich und auch Willy und Harry gesund und munter es grüßt und küßt Euch Drei herzlichst Dein Willy und Euer Papa.
Wenn Du mal etwas Bindfaden und Packpapier auftreiben kannst, dann denke mal an mich. Mit Briefpapier bin auch ganz knapp aber davon wirst Du jetzt wohl auch nichts mehr haben.
13. August 1943
Mein lieber Buttje!
Augenblicklich bin ich auf der Fahrt zu Dir, Der Sonderurlaub ist genehmigt worden. Sollte schon am Montag Fahren. Ist aber nichts mehr geworden. War Schiffssperre. Schreibe dir diesen Brief, weil ich noch nicht weiß, wann ich bei Dir sein werde. Denn bis zur Reichsgrenze ist es eine ganz schöne Strecke. Können auch in Sal. vielleicht noch 8-14 Tage liegen. Ich befinde mich jetzt mit noch einigen Hamburgern auf einem 2 Master, ganz alter Kasten. Werden darum auch noch 3 Tage auf dem Wasser zubringen. Die gefährliche Strecke haben wir schon hinter uns. Werden aber doch erst morgen früh in S. rausgehen. Ich habe immer noch auf Post von Dir gewartet, Wüßte ich doch noch garnicht genauer. Auch wie es meinen Eltern und Geschwister sowie Deine Mutter, Emil, Frieda und Harro gehen. Gestern habe ich nun endlich Post von Martha bekommen. Man ist doch gleich ein bißchen ruhiger. Wie ich nun zu Dir gelangen soll weiß ich noch garnicht. Auch weiß ich noch garnicht wie weit ich fahren muß. Na, erst werde ich doch zum Hamburger Hauptbahnhof fahren und von da werde ich schon weiter sehen. Hast Du nun schon etwas unternommen wegen des Bombenschadens? Ersetzt bekommen wir die Sachen und Möbel ja augenblicklich doch nicht. Bin aber trotz des Verlustes in glücklicher Stimmung, daß ich Dich und Harry in kürze wiedersehen kann. Es wäre ja schön, wenn Willy zu der Zeit auch da wäre. Vielleicht kannst Du Willy ja doch noch zu der Zeit zu Dir hin bekommen. Kannst es ja mal versuchen. Würde mich natürlich freuen. Wie wir gestern abend abfuhren waren wir alle froh. War nämlich noch unbestimmt ob wir abfahren sollten. Wir hatten schon einige Tage gewartet. Während der Nacht habe ich fast garnicht geschlafen. Habe den Sonnenunter- und auch Aufgang gesehen. Bis jetzt haben wir herrliches ruhiges Wetter. Nachts war es heller Mondschein. Und heute seit morgens früh schon sehr warm. Bin hier auf Deck nur mit einer Badehose bekleidet. Ist sonst auch nicht auszuhalten. Ich schwitze direkt beim Schreiben. Aber nicht weil der Brief mir Mühe macht, sondern weil es so warm ist. Heute werden wir den ganzen Tag noch fahren. Während der Nacht werden wir irgendwo anlegen und morgen noch das letzte Stück zurücklegen. Hoffentlich brauchen wir dann in S. nicht mehr solange liegen. Denke doch, daß sie bei uns Bombengeschädigten eine Ausnahme machen. Von der Reichsgrenze wird es dann auch nicht mehr so lange dauern, 1 ½ - 2 Tage höchstens. Werde Dir auch von Wien ein Telegramm schicken. Also lieber Buttje! Denke mal daran. Kannst ja gleich einen Eilbrief zu Willy oder vielmehr zu der Leitung schicken mit der Begründung, daß ich auf Urlaub komme. Wie es Deiner Mutter, Emil, Frieda und Harro geht weiß ich noch nicht. Martha schreibt mir nichts davon. Wird aber wohl alles in Ordnung sein, denn sonst hätte Martha mir davon geschrieben. Lieber Buttje! Ich hoffe, daß Dir die Zeit nicht mehr so lange dauern wird um Dich wieder in den Arm zu nehmen. Bis dahin halte Dich und auch Harry gesund und munter es grüßt und küßt Dich herzlichst Dein Willy.
Anmerkung:
Sal.: Saloniki, griechische Stadt
S.: See
Im Süd-Osten, den 20. August 1943
Mein lieber Buttje!
Lieber Willy und Harry!
Ich hoffe doch daß Ihr alle beisammen seid und auch ein festes Quartier habt. Habt Ihr Euch nun auch gleich auf dem Lande angesiedelt? Denn auch das kleine Regensburg kann vom Tommy angegriffen werden. Soviel ich weiß, ist es auch vor ein paar Tagen angegriffen worden. Verschont wird wohl keine Stadt bleiben. Am sichersten ist es also immer auf dem Lande. Ich warte schon sehnsüchtig auf Post von Dir. Habe noch immer keine erhalten. Außer der Karte die Du gleich bei Deiner Ankunft in Regensburg an mir geschickt hast. Wenn es Dir möglich ist, schreibe doch bitte öfter mal. Gerade jetzt in der ungewissen Zeit wäre es schon richtiger. Und vor allen Dingen schicke mir sofort wie möglich Deine neue Anschrift. Denn wenn die Urlaubssperre aufgehoben wird, muß ich die Adresse haben weil sie auf meinen Urlaubsschein eingezeichnet werden muß. Also schicke sie mir sofort wie möglich. Mit der Festsetzung der Entschädigung wartet noch bis ich bei Dir bin. Alleine wirst Du da auch garnicht damit zurecht kommen. Ich weiß selbst noch nicht, wie wir mit der Aufstellung zurecht kommen. Na, wir werden das Kind schon schaukeln wenn ich erst bei Dir bin. Ich bin noch immer in Saloniki, werde wohl auch bis zum Antritt meines Urlaubes hierbleiben. 2 Tage habe ich auch schon wieder krank gespielt. Hatte die hier bekannte Kakalatschenkrankheit. Man fühlt sich vom ganzen Körper flau und Kopfschmerzen auch. Bin aber heute schon wieder besser zu Wege. Hoffentlich beeilen sie sich in Hamburg ein bißchen damit die Sperre aufgehoben wird. Denn so bei kleinem wird die Geschichte langweilig. Na hoffen wir das Beste.
Also meine Lieben haltet Euch munter es grüßt und küßt Euch herzlichst Dein Willy und Euer Papa.
Anmerkung:
Der Angriff auf Regensburg, von dem mein Vater schrieb, galt den in der Nähe gelegenen Flugzeugwerken von Messerschmidt. Es war am sonnigen Tage, wir haben die Flugzeugpulks gesehen und auch die Bombenexplosionen gehört. Danach haben auch die Dorfbewohner geglaubt, das Hamburg zerstört wurde.
Im Süd-Osten, den 22. August 1943
Mein lieber Buttje!
Lieber Willy und Harry!
Ich warte schon wieder einige Tage auf Post von dir. Vertröste mich selbst schon immer von einem Tag zu anderen. Ist aber doch nie etwas dabei. Ich kann mir nicht vorstellen, daß Du mir, außer der Karte in der Du mir mitteilst, daß Du nach Itzstedt fährst und der einen Karte von Regensburg, weiter nichts geschrieben hast. Ich habe doch zu mindestens damit gerechnet, daß Du mir mitteilst, warum Du überhaupt so plötzlich nach Regensburg ziehst. Kann es mir nur so vorstellen, daß die Briefe direkt nach der Insel gegangen sind. Hier übersehen sind. Man ist jetzt doch immer in Unruhe. Denn mit den Angrifen der Tommys wird es doch von Tag zu Tag schlimmer. Nun auch kurz nach Deiner Ankunft in Regensburg gleich den Angriff auf Regensburg. Man kommt überhaupt nicht mehr aus dem Unruhigen heraus. Also lieber Buttje! Schreibe doch öfter mal. Es genügt doch auch, wenn du eine Karte schreibst, daß es Euch gut geht. Möchte auch gern wissen, wie es mit Willy geworden ist. Und vor allen Dingen ziehe nicht in die Stadt. Bleibe lieber außerhalb denn da besteht die Gefahr der Angriffe doch fast garnicht. Und mit dem Essen und Trinken wirst Du da doch auch besser zurechtkommen. - Ich hoffe jedenfalls, daß die Wohnungsfrage und auch die Geschichte mit Willy erledigt ist. Und Du und die Beiden Eure Ruhe habt. Wenn Du mir Deine neue Anschrift noch nicht mitgeteilt hast, dann hole es bitte schnellstens nach. - Wegen des Urlaubes vielmehr der Sperre, ist immer noch nichts raus. Hoffentlich läßt das nicht mehr so lange auf sich warten. Mein lieber Buttje! Für heute will ich erstmal schließen, weiß nichts mehr zu schreiben. Habe die Ruhe auch nicht dazu. Na hoffentlich bekomme ich bald Post von dir. Haltet Euch alle gesund und munter es grüßt und küßt Euch herzlich Dein Willy und Euer Papa.
Im Süd-Osten, den 23. August 1943
Mein lieber Willemann!
