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In diesem inspirierenden Buch "Mein Weg aus dem Lipödem" öffnet die Autorin die Tür zu ihrer ganz persönlichen Reise durch die Herausforderungen einer weit verbreiteten Stoffwechselkrankheit, die Millionen von Frauen betrifft. Als eine Betroffene teilt sie mutig ihre eigene Geschichte, angefangen bei den ersten Anzeichen der Krankheit bis hin zu ihrem triumphalen Erfolg über das Lipödem, mit. Die Leserinnen werden Zeugen der emotionalen Achterbahnfahrt, die mit zahlreichen Versuchen zur Gewichtsabnahme, Rückschlägen und medizinischen Herausforderungen einhergeht. Die Autorin scheut sich nicht davor, die Hindernisse offenzulegen, mit denen Frauen, die unter einem Lipödem leiden, konfrontiert sind, und vermittelt dabei ein tiefes Verständnis für die Vielschichtigkeit dieser Erkrankung. Die Leserinnen erleben die Höhen und Tiefen hautnah mit, während die Autorin durch ihre Geschichte navigiert. Von den Anfängen der Krankheit, den unendlichen Versuchen, bis zu dem Punkt, an dem sie ihr Wunschgewicht erreicht, wird deutlich, dass dieser Weg nicht nur physische, sondern auch emotionale Stärke erfordert. Die Autorin gibt Einblick in die mentalen Kämpfe und Triumphmomente, die untrennbar mit dem Kampf gegen das Lipödem verbunden sind. Dieses Buch ist mehr als nur eine persönliche Erzählung. Es dient als Lichtblick für Frauen, die ähnliche Herausforderungen meistern müssen, und bietet gleichzeitig eine Quelle der Inspiration für jeden, der nach Wegen sucht, um trotz scheinbar unüberwindbarer Hindernisse seine Ziele zu erreichen. "Mein Weg aus dem Lipödem" ist eine bewegende Erzählung darüber, wie Entschlossenheit, Selbstliebe und die Kraft des eigenen Willens dazu beitragen können, selbst die schwierigsten Lebenssituationen zu überwinden.
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Seitenzahl: 299
Veröffentlichungsjahr: 2024
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Vorwort
Wie alles begann
Eine Zusammenfassung der letzten 5 Jahre
Sport und Ernährung!
Doch was ist ein Lipödem?
Habe ich ein Lipödem?
FRUST!
Der Selbsttest
Das Testergebnis
Der Phlebologe
Gespräch über Schönheitsoperationen
Der erste Schönheitsoperateur
Besuche beim Hausarzt
Was mich wütend macht
Das Blutergebnis
Mein Besuch in einem Lipödemzentrum
Wichtige Informationen aus der Lipödemklinik
Gedanken
Die Tanzgala und der TV-Auftritt
Vorstellung in der Schönheitsklinik
Mein ganz persönlicher Kalender
Die Schmerzen
Fettabsaugung – muss das sein?
Brief an die Krankenkasse
Die Fernsehausstrahlung
Vorgespräch beim Arzt
Der Ernährungsplan
Der Tag der Verabschiedung vom Hip-Hop
Wechselbad der Gefühle
Widerspruch bei der Krankenkasse
Vor der Operation
Als ich aufgewacht bin
Erste Aufnahme nach dem Aufwachen
Nach der Operation
Was alles für die Zeit nach OP benötigt wird
Der Tag danach
3. Tag
4. Tag
5. Tag
6. Tag
7. Tag
9. Tag
10. Tag
11. Tag
12. Tag
13. Tag
14. Tag
16. Tag
17. Tag
18. Tag
19. Tag
20. Tag
Anruf von der Krankenkasse
Drei Wochen – 21 Tage
Vierte Woche
Sechs Wochen
Zwei Stunden ohne Anzug
Der Weg aus dem Anzug
Kleiderschrank-Flash
Low-Carb-Gerichte
Rückkehr zum Hip-Hop
Unter 100 Kilo
Die Entdeckung von Low Carb
Elf Wochen
Weihnachten und das Schlemmen
Ohne Anzug
Nachkontrolle nach drei Monaten
Ein Rückschritt
Nach 4 Monaten
Nach 5 Monaten
Von der Stange kaufen
Shitday
Komplimente
Haut, Muskel und Co.
Flashmob
Sonderbare Schmerzen
Glück gehabt
Wieder ein Arzt-Desaster
Telefonterror beim Arzt
Nach einem Jahr oder auch der erste Geburtstag in meinem neuen Körper
Steuererklärung
diverser Schriftverkehr
Schlusswort
Danni und ich kennen uns fast dreißig Jahre. Wir waren Nachbarinnen und haben uns angefreundet.
Wir haben über vieles gesprochen, das einen so beschäftigt, wenn man jung ist. Es ging um Berufliches, um Partnerschaften und eben auch um Aussehen. Wir waren beide damals nicht superschlank, aber aus heutiger Sicht nur minimal übergewichtig. Wir haben oft überlegt, wie man mit welcher Diät dauerhaft abnehmen könnte. Beide haben wir verschiedene Wege ausprobiert und waren damit, mal mehr und mal weniger, erfolgreich.
Einige Jahre später, Danni hatte inzwischen zwei Kinder, sah ich eine Livesendung über Lipödeme. Schon beim Zuschauen fiel mir sofort Dannis Figur ein. Ich fand, dass ihre Figur klassisch nach einem Lipödem aussah. Beim nächsten Treffen habe ich sie sofort darauf angesprochen.
An diesem Abend habe ich scheinbar einen großen Stein ins Rollen gebracht.
Ich freue mich, Teil ihrer Geschichte zu sein und dass ich ihr in verschiedenen Situationen eine große Unterstützung sein konnte.
Noch mehr freut mich allerdings, dass sie sich wieder pudelwohl in ihrer Haut fühlt. Sie war und ist ein sehr positiver und fröhlicher Mensch und jetzt auch in einem Körper, mit dem sie sich identifizieren kann.
Liebe Danni,
ich wünsche Dir weiterhin viel Spaß mit Deinem neuen Körpergefühl.
Deine Frauke
Als ich noch klein war, hieß es immer: „Kind iss, du bist zu dünn, man kann das Vater unser durch deine Rippen blasen.“ Sehr beliebt war auch: „Wenn eine Windböe kommt, dann bist du weg. Iss bloß.“ Den Gefallen habe ich meiner Mutter getan und mit der kommenden Pubertät angefangen zu essen. Später hieß es immer: „Iss nicht so viel, du bist zu dick.“ „Früher hast du nicht so viel genascht …“ „Komm, ich unterstütze dich bei einer Diät.“ Wie man es macht, ist es wohl immer verkehrt.
Nun, ich will meine Geschichte hier am Anfang beginnen:
Als zweitgeborenes Kind kam ich im Norden von Deutschland, gesund und vom Gewicht eher zu mager, im August zur Welt. Die Ehe zwischen meinen Eltern war nicht mit Liebe gesegnet und so entschied sich meine Mutter uns zu schnappen und vom Norden nach Nordrhein-Westfalen zu ziehen. Rückblickend eine sehr gute Entscheidung, da sie kurze Zeit später meinen Papa kennenlernte. Wir sind zwar nicht genetisch verwandt, aber ist der beste Papa, so wie er im Buche steht.
Ich fühlte mich in meinem Körper wohl, obwohl ich eher zu dünn war.
Mein Essverhalten war in meinen Augen normal. Schließlich habe ich das gegessen, was mir geschmeckt hat, und das versucht zu verweigern, was ich nicht mochte. Eine mäklige Esserin war ich schon immer. Dennoch wurde auch ich wie viele an dere frei nach dem Motto: „Was auf den Tisch kommt, wird gegessen“ erzogen.
Süßigkeiten habe ich zwar auch gerne gegessen, doch war ich immer diejenige, die alles gehortet hat, und wenn meine Schwester mal nichts mehr zu naschen hatte, kam sie zu mir rüber und hat was bekommen. Mal mehr und mal weniger. Mein Bruder, der Nachzügler, kam später auch, doch da war es fast mit meinem Horten vorbei.
Wir zogen von Nordrhein-Westfalen nach Bayern, was schulisch eine riesige Veränderung mit sich brachte. Das Schulsystem ist schon anders. Ich war immer ganz gut in der Schule, faul, doch ich habe zugehört, da waren die Noten immer im guten oberen Drittel. In Bayern änderte sich das schlagartig. Das Wissen im Gymnasium war weit vorangeschritten, so hatte ich gefühlt zwei Schuljahre aufzuholen. Viel Stoff, der mir noch gar nicht geläufig war. So konzentrierte ich mich eher auf die Hauptfächer und ließ die Nebenfächer nebenbei laufen. Doch der Biolehrer fand sein Fach so wichtig, dass er sich gekränkt fühlte, dass ich in seiner Arbeit nur ein ungenügend geschafft hatte. Er stellte mich vor der ganzen Klasse bloß und wedelte mit der sechs (in den USA entspricht das einem F) vor der Klasse herum. Mit den Worten: „Mehr habe ich von einem Saupreußen auch nicht erwartet“ bekam ich die Arbeit zurück und war tief gekränkt.
Meine Mama ging sofort in die Schule und hat diesen Lehrer zur Rede gestellt. Dieser hat sich zwar bei mir entschuldigt, doch die Verletzung saß tief. Demoralisiert von dieser Schule, fing ich an zu essen. Nicht die gute Nahrung, die auf den Tisch kam, nein, von meinem Taschengeld holte ich mir die Süßigkeiten, die es am Kiosk gab.
Die Sucht begann. Von einem Schokoriegel ging es zum nächsten und irgendwann investierte ich mein ganzes Geld in Schokolade.
Meine Haut riss, ich wurde immer dicker, doch ich wollte es nicht wahrhaben. Die Pubertät setzte ein, die Hormone zollten ihren Tribut.
Laut eines Arztes und alten Bildern hatte ich schon viele Jahre ein Lipödem, was mir gar nicht bewusst war. Somit fing meine Erkrankung mit der ersten hormonellen Umstellung im Körper an.
Mit 14 Jahren wurde ich immer runder, wurde als die „Dicke“ beschimpft und nahm mir vor, mich von solchen Äußerungen nicht in die Knie zwingen zu lassen. Meine Mutter sagte auch immer: „Bauch rein, Brust raus und Arschbacken zusammen gekniffen.“ Meine Haltung war immer aufrecht und ich lachte vieles weg. Diese körperliche Haltung und innere Einstellung haben mich vielleicht auch dazu gebracht, nach außen zu zeigen: Ich bin ein glücklicher Mensch, auch wenn ich etwas rund bin.
Die verletzenden Worte, die mich immer wieder trafen, ignorierte ich, da keiner sehen sollte, wie ich innerlich litt. Kinder können sehr gemein untereinander sein. Aus heutiger Sicht ist mir bewusst, dass Kinder vieles aufschnappen, was die Eltern oder andere Erwachsene von sich geben. Wenn zum Beispiel wieder einmal über die Nachbarin getratscht wird, die immer runder wird, oder die eigene Mutter, die nicht mit ihrer Figur zufrieden ist. Diäten wurden schon früh in den Köpfen der Kinder platziert und die Frau hat dem Schönheitsideal der Medien zu unterliegen. Eine Abwärtsspirale begann, ganz nach dem Motto: „So wie du aussiehst, bist du nicht richtig.“
Der Umzug nach Berlin war eine weitere Veränderung in meinem Leben, die mir im Nachhinein betrachtet sehr gut tat. Es stärkte mein Selbstbewusstsein und meinen Willen.
Wenn ich vorher noch der Saupreuß war, der nichts auf die Reihe bekam, so waren die Berliner doch ein herzliches Volk, was zwar austeilt, aber auch einstecken kann.
Nicht nur, dass ich rund war, nein, ich kam auch noch mit einem bayerischen Dialekt an, den viele Berliner zum Anlass nahmen, mich damit aufzuziehen. Zuerst ließ ich mir das gefallen.
Schließlich hatte ich mich nach bayrischer Manier zu benehmen und Achtung und Respekt zu zeigen. In Berlin war das jedoch ein wenig anders. Hier trug der Berliner oder auch der Zugezogene das Herz auf der Zunge. Stillschweigend die Fopperei zu ertragen, stachelte die Klassenkameraden nur an, weiter zu beleidigen und zu verletzen. Irgendwann wehrte ich mich und pfefferte irgendetwas Gemeines zurück. Danach war ich angenommen und hatte Ruhe.
Somit war ich nur noch den Beleidigungen auf der Straße ausgesetzt. Wenn ich wieder einmal Worte an den Kopf geworfen bekam, wie: „Boh, ist die dick“ oder „was für ein dicker Arsch“, konnte ich mich zumindestens mit dem Satz: „Ich bin vielleicht dick, du bist doof, ich kann abnehmen“, aus der Situation retten. Einsehen, dass ich zu viel auf den Rippen hatte, wollte ich nicht, weil ich ein komplett falsches Bild von meinem Äußeren hatte.
Meine Eltern animierten mich immer wieder dazu, dass ich eine Diät machen solle. Ich sei doch so ein hübsches Mädchen, wenn ich nur abnehmen würde. So machte ich diverse Diäten für andere, aber nicht für mich.
Ob nach FDH (Friss die Hälfte), nur Kartoffeln, Fleischdiät, Wasser und Brot, alles, was aus Hollywood kam oder welche Diät auch immer ich offiziell machte: ich futterte heimlich wo ich nur konnte, betrug die anderen und machte vor allem mir selbst etwas vor.
Mit meiner Volljährigkeit kam dann der erste wahre Blick in den Spiegel und die Erkenntnis: „Du bist zu dick. So gefalle ich mir nicht mehr.“ Also änderte ich mein Essverhalten und trieb auch viel Sport. Die Pfunde purzelten sehr langsam. Dennoch ging es immer weiter in die richtige Richtung, wenn auch langsam, aber stetig. Der Frust kam, da der Erfolg sich nicht so einstellte, wie ich es erhofft hatte.
Irgendwann wollte ich es dann wissen und aß nur noch 800 kcal pro Tag. Das machte ich eine ganze Weile. Was passierte? Ich nahm nicht mehr ab, sondern zu. Die Sachen wurden zunehmend enger und ich fühlte mich fast wie ein aufgeblasenes Reifenmännchen. Ich ging von Arzt zu Arzt und versuchte herauszufinden, was mir fehlte bzw. warum ich bei so wenig Nahrungsaufnahme zu statt abnahm. Keiner fand etwas. Die Blutwerte waren top, die Schilddrüse auch, von den Ärzten hieß es nur: ich bin gesund, vielleicht esse ich das Falsche.
Keiner der Ärzte hat mich je nach meinem Essverhalten gefragt, was ich genau zu mir nahm, wie lange ich schon versuchte abzunehmen oder auch wie viel Sport ich trieb. Laut Labor war ich gesund, aber ein wenig rund. Bei einem Arzt sagte ich schon aus Verzweiflung, er sollte mir doch sagen, was ich nicht mehr essen durfte, und ich werde es tun. Doch auch da kam nur ein Schulterzucken und seine Antwort: ich sei gesund.
Damit entschloss ich mich, nie wieder eine Diät zu machen! Und das mit 24 Jahren.
Das Thema Gewicht war dennoch nicht vom Tisch und viele von meinen Freunden fragten sich auch, warum ich so aufgedunsen aussehe und nicht abnehme, obwohl ich so wenig esse.
Mir ging es körperlich und auch vom Kreislauf her immer schlechter. Ich war ständig müde, abgeschlafft, gereizt, fast schon depressiv. Als ich mich dann mal wieder einem neuen Arzt anvertraute, ihm erklärte: „Ich habe Schmerzen in den Beinen und in den Armen, ich kann abends teilweise meine Beine nicht mehr richtig bewegen, ich fühle mich oft aufgedunsen und fett, bin müde, abgeschlafft, gereizt, könnte nur noch heulen und mir fehlt die Kraft, mich richtig zu bewegen.“
Verdacht auf Gicht! Ich hatte ebenso erwähnt, dass mir mein großer Zeh gerade wehtat. Was nur kurzweilig war. Die Blutuntersuchung ergab, dass mein Eisenspiegel im Keller war, mein Schilddrüsenwert war ebenso nicht optimal, somit bekam ich Jodtabletten. Reines Jod, keine Hormontabletten, nur damit die Schilddrüse besser arbeitet. Also was fehlte mir laut Arzt? Eisen und Jod. Beides nahm ich fleißig ein. Meine Mattigkeit verschwand, doch mein Gefühl von dicken Armen und Beinen am Abend blieb.
Wer von euch kennt das Gefühl, abends auf seinen Unterschenkeln zu sitzen und das Gefühl zu haben, es sind gespannte Würste, die gleich platzen? Die Haut ist prall und druckempfindlich.
Ich hatte meine Antwort: Eisenmangel und die Schilddrüse brauchte Jod. Also hatte ich einfach nur ein empfindliches Gefühl in den Beinen. Das war die Aussage des Arztes.
In den ganzen Jahren hat mich kein Arzt richtig auf den Kopf gestellt, warum ich nicht abnehme oder warum ich das Spannungsgefühl habe. Leider.
Meine erste Schönheitsoperation hatte ich mit 25 Jahren. Meiner Oberweite, überdimensional und hängend, wollte ich den Garaus machen. Die Freundin meiner Mutter riet mir dazu, schließlich hatte sie das auch gemacht und so ein hübsches Mädchen mit solchen Brüsten, das geht nun gar nicht.
Da mir mein Körper im Grunde egal war, nahm ich das in Angriff und legte mich unters Messer. Naja, ein wenig Selbsterhaltungstrieb hatte ich dann kurz vor der Operation. Mein Leben sollte nicht im Rollstuhl enden und ich wollte auch kein Herzleiden bekommen. Ich wollte leben und mich normal bewegen, mit meinen Kindern und meinem Mann das Leben genießen. Daher wollte ich eine Operation.
Die Vorbereitungen für die Operation waren schon in vollem Gange, die „Ist-mir-doch-egal-Pille“ hatte ich schon bekommen und mein Arzt trat hinter mich und sagte mit sanfter Stimme:
„Wir machen das schon.“ Mein Gedanke: „Jetzt kann ich noch gehen.“ Das versuchte ich im Aufwachraum, woran ich mich überhaupt nicht erinnern konnte. Die Schwestern kamen alle rein, als ich wieder auf der Station war, und feixten sich eins, was ich doch für eine bin. Keiner hat mir etwas erzählt, bis ich eine Lernschwester fand, die sich endlich dazu bereit erklärte, mir zu erzählen, was ich denn gemacht hätte. Es waren sechs Schwestern nötig, mich festzuhalten, weil ich gehen wollte. Ich äußerte bestimmt: „Ich gehe jetzt.“ Die Erklärungen, dass ich frisch operiert war, ließ ich nicht gelten.
Wenn ich gewusst hätte, wie toll so eine Operation sich auf mein Leben auswirkt, hätte ich das schon viel früher gemacht und wäre sicherlich entspannter in die Narkose gegangen.
Mein Körpergefühl war großartig. Endlich eine normale Oberweite. Jetzt war der Bauch eher störend. Ich weiß noch genau, wie es sich anfühlte, mich in meinem enganliegenden roten Rollkragenpullover aufrechtstehend vor dem Spiegel das erste Mal neu zu betrachten. Was ich jetzt brauchte, waren neue BHs. Also ab in ein Geschäft, wo ich sonst nie meine Unterwäsche kaufen konnte. Eine sehr unfreundliche Verkäuferin beantwortete mir meine Frage, ob das zwei einzelne Teile oder eine Kombi wären, mit einem knappen: „Es sind zwei Teile.“ Was sie nicht wusste, war, dass sie mir einen meiner schönsten Momente schenkte, den ich je von einer fremden Person erhalten hatte.Sie schaute mich nicht abschätzend von oben bis unten an, ob mir das überhaupt passen würde, sondern schaute nur auf die Dessous. Danke für diesen Moment, ich fühlte mich schön. Das wiederum spornte mich an, doch wieder mit einem Abnehmprogramm zu beginnen. Ein Kunde brachte mir aus Amerika Abnehmtabletten mit, die eine Wunderwaffe waren. Der Appetit blieb aus, ich aß alles, das jeder aß, und nahm ab. Kein einseitiges Essen, keine Kalorien zählen oder auf etwas verzichten. Klar macht das Essen viel aus, doch wenn Diäten, die ich konsequent einhielt, nichts nutzen, war wohl etwas in den Tabletten drin, was meinen Stoffwechsel auf einer anderen Ebene ankurbelte.
Leider kenne ich die Inhaltsstoffe nicht, um zu forschen, ob es ein Mittel ist, das den Stoffwechsel bei einem Lipödem ankurbelt.
Mit einem schlankeren Gefühl lebte ich dann einige Jahre fast zufrieden. Kurze Hosen oder auch Röcke waren aber immer noch nicht meine Lieblingssachen, mit denen ich mich zeigen wollte. Auch Spaghettiträger gaben mir das Gefühl, meine dennoch kräftigen Oberarme mehr hervorzuheben, als mir lieb war. Dennoch fühlte es sich besser an, in einem Bekleidungsgeschäft Kleidungsstücke anzuprobieren, die meistens passten.
Ich entwickelte einen Blick dafür, was für die Oberarme oder auch für die Oberschenkel zu eng war. Lieber ein wenig luftiger, dann passte es auch und ich hatte das Gefühl, schlank zu sein. Schuhe bis zu den Knöcheln, am besten zum Schnüren, passten auch immer, aber die Stiefel wollten einfach nicht über die Waden. Jede Größe und Weite, die ich anzog, passte einfach nicht. Tja, da lebte ich wohl mit dem Gefühl, einfach zu dicke Waden zu haben. Dabei war ich schon sehr zufrieden mit meinem Körper.
Wenn ich dennoch einmal kundtat, dass ich Figurprobleme habe, wurde von vielen der Rat gegeben: „Mache doch einmal eine Diät“, „Was hältst du von Sport?“, „Dann machst du etwas falsch, dann bist du nicht konsequent genug.“ Viele Menschen, die eine Diät machen oder Sport treiben und bei denen die Pfunde purzeln, können nicht nachempfinden, wie es einem in diesem Moment ergeht. Machte ich nicht alles, was eine Diät ausmachte, trieb ich nicht Sport?
Wie fühlte sich das für mich an?
Ich fühlte mich klein und schwach, unverstanden und schlecht! Machte ich alles falsch, sollte ich einfach nicht schlank sein?
War mein Körper krank?
Krank! Das hätte vielleicht ein Arzt erkennen können. Doch wie so oft wurden Erkrankungen oftmals erst viel zu spät als Volkskrankheit erklärt. Eine Fettstoffwechselerkrankung haben nur ganz dicke Menschen, die Erkrankung kommt ganz selten vor. Solche oder ähnliche Aussagen sind oft in den Köpfen der Menschen verankert.
Trotz meiner vermeintlich schlanken Figur hatte ich immer mal wieder das Gefühl, aufgedunsen, gespannt und voller Schmerzen in den Extremitäten zu sein.
Ich hatte das schon so oft bei Ärzten angesprochen, aber keiner hinterfragte es. Im Nachhinein sehr traurig. Ich suchte Hilfe und mir wurde nicht richtig zugehört, nichts wurde hinterfragt und nur mit einer oberflächlichen Aussage abgetan.
Das Lipödem ist eine Erkrankung, bei der die Wissenschaft noch nicht einmal genau weiß, was der Ursprung ist. Die Vermutung ist, dass es sich um eine hormonelle Erkrankung handelt, die oft in der Pubertät, in der Schwangerschaft oder den Wechseljahren auftritt. Vererbbar kann sie auch sein. Nach vielen Recherchen kann die Ursache auch der Eppstein-Barr-Virus sein. Viele Jugendliche bekommen diese Erkrankung und der Virus kann sich im Körper ausbreiten und so eventuell das Lipödem aktivieren. Das ist ebenso möglich, wenn eine Frau schwanger oder in den Wechseljahren ist. Der Eppstein-Barr- Virus „schlägt“ oft zu, wenn die Frau in einer emotional schwierigen Situation ist. Sei es Stress, Trauer, Schock oder ähnliches. Das ist ein großes Thema und sehr spannend. Daher könnte ich mir vorstellen, dass dieses Virus etwas mit der Entstehung des Lipödems zu tun haben könnte. Eigenverantwortlich oder als Mittäter? Wer weiß das schon.
Viele beleibte Menschen, die nicht fett sind, sondern an den Extremitäten ihre Problemzonen haben, kennen es, dass kein Arzt ihnen gesagt hat, dass sie unter einem Lipödem leiden, sondern einfach nur schwere Beine haben, dafür Kompressionsstrümpfe bekommen oder doch einfach mal mehr Sport treiben sollten.
Ich bin irgendwann müde davon geworden, dass mir nicht geholfen wurde. Also habe ich alles selbst in die Hand genommen. Ich habe versucht, zu akzeptieren, mich anzunehmen und den Schmerz zu ertragen. Ihr könnt mir glauben, auch damit kann man leben.
Viele Jahre litt ich nun schon unter dieser Erkrankung, ohne zu wissen, was ich hatte.
Wenn ich selbst vor dem Spiegel stehe, kommt oft die Akzeptanz meines Aussehens. Schließlich habe ich mir in der Schwangerschaft die Pfunde angefressen, da brauche ich mich nicht zu beschweren. Dann gibt es wieder Tage, da kann ich mich gar nicht betrachten und möchte mir einen Sack über meinen Körper stülpen, mich verstecken und keinem zeigen, wie ich aussehe. Lachen kann ich immer, warum sollte ich mich auch von meinem Körper dazu bringen lassen, das Leben in Trauer, Frust oder Selbstzweifel zu erleben. Ich liebe das Leben viel zu sehr, als mich darauf einzulassen, dauerhaft traurig und frustriert mein Leben zu fristen. Dennoch gibt es viele Momente der Traurigkeit, des Ekels, was mein Körper für ein Gewicht hat. Menschen, mit denen ich spreche, sind immer ganz erstaunt, dass ich abnehmen will: „Du bist doch immer so lustig, bist eine Frohnatur. Du siehst so toll aus. Hast tolle Sachen an …“ Tja, Kleidung macht nur in den USA Spaß zu kaufen. Da gibt es für meine Körperfülle Kleidung, die erstens passt und zweitens sitzt und drittens bezahlbar ist. In Deutschland finde ich ganz viel Mode, die sackartig, omahaft oder zu teuer ist. Also freue ich mich natürlich, wenn auch ich mal von der Stange kaufen kann, auch wenn es nur in den USA ist. Doch zurück zu dem Thema.
Selbst mein Bruder, mit dem ich über meine Erkrankungen gesprochen habe, meinte, dass ich doch so glücklich wirke, immer am Lachen und eine hübsche Frau sei. Ich sah doch so gut in meinem Hochzeitskleid aus. Tja, die Schönheit kommt doch von innen, doch wenn ich allein bin und mich innerlich fett fühle, macht das Leben auf Dauer so auch keinen Spaß mehr.
Ich will kurze Sachen tragen, etwas anprobieren, wo ich in Deutschland nicht in der Männerabteilung einkaufen oder keine XXXL-Sachen nehmen muss. Ja, meine Oberarme sind so kräftig, dass ich in die normalen Oberteile in der Frauenabteilung nicht reinkomme. Oder sind so weit, dass sie mit Altweiberchic glänzen. Wie schwer ist es, eine Jacke zu finden, die sitzt? Männerjacken sind oft am Becken zu schmal, tja, mit so einem Hintern ist es auch oft eine Kunst, die passende zu finden. Dafür passt sie in den Oberarmen.
Manche geben einem auch einen abschätzenden Blick, ganz so, als ob sie sagen wollen: „Na, du scheinst aber auch das Essen zu lieben.“
Wir sind irgendwie immer abhängig von unserer Gesellschaft. In Deutschland hat man dem Schönheitsideal zu entsprechen.
Wenn nicht, wird über einen gelästert, man wird schief angeschaut oder einem wird erzählt, dass zu wenig Sport getrieben wird und die Ernährung falsch ist. In den USA sieht es in vielen Teilen des Landes, obwohl ich noch nicht alle kennengelernt habe, noch anders aus. Da gibt es schwerere Frauen und ich gehörte zu denen, die dort zum Durchschnitt gehören. Wie schon erwähnt, hier bekommt man noch Kleidung von der Stange und keine hämischen Blicke von den Verkäuferinnen.
Klar sind das alles Unterstellungen, was man den Verkäufern, den Bekannten, den Menschen auf der Straße, den Freunden, Kollegen oder auch der Familie unterstellt. Sind es vielleicht auch nur die eigenen Gedanken, wie ich mich fühle? Dass ich genauso über andere denke?! Tatsache ist: Ich fühle mich so nicht wohl.
Betrüge ich mich selbst und könnte ich doch mehr Sport treiben?
Mein Leben besteht fast nur aus Bewegung. Morgens wenn ich aufwache, werden die ersten Streckübungen gemacht. Bein hoch, zur Seite, räkeln und strecken. Je nachdem, wie mein Tagesablauf ist, mache ich gleich meine Lymphdrainage für 30 Minuten oder erst später am Tag. Ich bürste meine Haut beim Zähneputzen, dennoch habe ich Cellulitis. Danach wird am Türrahmen der Oberkörper gedehnt. Anziehen und mit dem Faszien-Band dehnen. Frühstück. Ich bringe die Kinder zur Schule, ab und an auch mit dem Rad. Danach beginnt mein Arbeitsalltag zwischen fünf und zehn Stunden. Oft massiere ich, dehne die Faszien meiner Patienten, dehne hier ein Bein und dehne da ein Bein. Eine Patientin hat mal gemeint, dass mein Mann sicherlich keine Schraubzwingen braucht, da mein Griff das auch könnte. Ich setze also Kraft ein. Hin und wieder habe ich auch die Möglichkeit, bei einer Gesprächstherapie oder einer Craniosakral-Therapie zu sitzen. Bei der Craniosakral-Therapie halte ich den Körper des Patienten. Nach sieben Stunden Arbeit gönne ich mir eine kurze Mittagspause, danach wird weitergearbeitet. Bei schönem Wetter ab in den Garten. Zur Zeit ist meine Lieblingsbeschäftigung Rasenmähen. Dafür brauche ich auch eine Stunde. Mit den Kindern spielen, gerne auch mal Federball oder Tischtennis. Für die Tanz-Gala (dazu später) habe ich fast täglich mehrfach trainiert, ab und an auch bis zu einer Stunde. Einmal die Woche Training mit einer sehr intensiven Erwärmung. Mit Cardio-Intervallen, Bauchmuskeltraining, die es in sich haben und auch Dehnung. Danach wird eine weitere Stunde intensiv an neuen Tanzschritten geübt. Wer Hip-Hop kennt, weiß auch, dass es ein schneller Tanz ist. Nach diesen Stunden bin ich meist komplett durchgeschwitzt. Doch es macht Spaß. Was sagt meine Tanzkollegin immer: „Wir haben etwas gemacht und es hat auch noch Spaß gemacht.“ Recht hat sie. Ich bin danach auch immer so voller Endorphine, dass ich mich schon auf das nächste Mal freue. Zur Belohnung geht es jeden Abend in die Infrarotkabine, die meine müden Muskeln entsäuert. Da schwitze ich noch mal richtig gut. Der Hersteller sagt, dass eine halbe Stunde Infrarotkabine das Zweifache von den Kalorien verbraucht, was ein Rasenmäher in einer Stunde mit einem macht. Also „Sport“. So heißt es auf vielen Seiten, dass das Abnehmen durch eine Verbesserung der Durchblutung unterstützt wird. Bei einer halbstündigen Nutzung der Infrarotkabine können somit bis zu 600 Kcal verbraucht werden. Somit kann die Kabine mich dabei unterstützen, auf sanfte Weise Gewicht zu verlieren, es fördert die Schönheit und die Gesundheit. Gibt man bei einem Kalorienrechner Rasenmähen ein, ergibt es 250 Kcal bei 60 Minuten mähen. Eine halbe Stunde auf der Couch relaxen gönne ich mir dann doch. Ruhephasen habe ich wenige, ich bin stetig on Tour. Meine Freundin ist mal mit mir verreist und da war ich mit meinen Kindern schon ganz schön auf Sparflamme unterwegs gewesen, da meinte sie nur, dass wir viel zu viel Energie haben und sie sich mehr ausruhen möchte.
Nun zum Essen. Morgens meine Schüssel Müsli mit nur 1,5 % Milch. Lange arbeiten. Wenn ich die Patienten „anknurre“, gönne ich mir mal eine Handvoll Mandeln, die meinen Magen beruhigen. Mittags einen Bagel und ab und an auch mal eine Süßigkeit. Abends kochen wir etwas Warmes und ich esse eine ganz normale Portion. Vor dem Fernseher esse ich oft einen Apfel und vielleicht greife ich auch mal alle sechs bis acht Wochen bei Chips zu. Gemüse knabbere ich auch gerne vor dem Fernseher oder mal wieder meine Mandeln. Es gibt auch mal Phasen, da brauche ich ein wenig mehr Schokolade, das passiert so einmal im Monat, wenn sich meine Regelblutung anmeldet. Esse ich zu ungesund, zu viel? Oder doch zu wenig? Klar gibt es am Wochenende auch mal eine Portion Eis oder einen Kuchen. Doch das ist eher selten. Ein Arzt meinte nur, wenn es nicht vom Essen kommt, dann trinke ich zu kalorienreich. Was ich mir gönne, ist morgens mein Latte Macchiato. Den liebe ich. Den genieße ich auch. Am Wochenende auch schon mal eine zweite Tasse. Sonst trinke ich Tee, viel Tee, immer ungesüßt. Abends trinke ich Wasser. Schmeckt mir am besten. Alkohol trinke ich überhaupt nicht. Darauf meinte der Arzt nur, dass ich mit dem Alkohol doch mal anfangen solle, vielleicht klappt es dann. Das war nur ein Spaß, doch es lockerte die Atmosphäre auf. Also am Essen kann es nun auch nicht liegen. Vielleicht an dem Bonbon, das nicht zuckerfrei ist, das ich mir im Auto gönne?
Nein, am Essen liegt es nicht. Ich habe vor meiner Hochzeit 20 Monate Low Carb gegessen. Ganz konsequent. Morgens meine Eier, mittags Würstchen oder Salat. Abends Fleisch und Salat. Selbst die Hamburger habe ich ohne Brötchen gegessen. Ist auch zu empfehlen. Sehr lecker. Ich habe noch nicht einmal Low-Carb-Brot gegessen. Es war alles ohne Kohlenhydrate. Außer auf meinen Latte Macchiato morgens habe ich nicht verzichtet. Habe ich deswegen nicht abgenommen? Ein wenig an Gewicht habe ich verloren, doch in der ganzen Zeit kaum der Rede wert. Sport habe ich auch intensiv betrieben, entweder auf meinem Vibrationsboard täglich 20 Minuten oder nach einer bekannten Fitnesstrainerin täglich 30 Minuten ein Workout für Bauch, Beine, Po oder ich bin täglich eine Stunde Rad gefahren. Auch das hat nicht viel gebracht. Ja, meine Bauchmuskeln wurden ein wenig fester, aber an Gewicht habe ich nicht viel verloren. Mein Körper fing an zu streiken und wurde krank. Nur eine Erkältung, aber so stark, dass ich wie eine alte Dampflok die Treppen hoch schnaufte. Also stopp und erst wieder gesund werden. Kaum hatte ich wieder angefangen, kam die nächste Erkältung. Irgendwann reduzierte ich die Einheiten auf alle zwei Tage, da hat mein Körper ein wenig länger gebraucht, bis ich die nächste Erkältung hatte. Nun tanze ich nur noch und absolviere sonst meinen täglichen Wahnsinn. Reicht doch aus, oder? Dennoch nehme ich eher zu als ab. Meine Beine sind prall und spannen. Abends nach getaner Arbeit freue ich mich, meine schmerzenden Beine hochzulegen, doch kann ich nicht lange ruhig sitzen, weil mir dann alles weh tut. Also sitze ich, liege, sitze und so weiter. Die Sehnsucht, schlank zu sein, treibt mich immer wieder an, alles zu tun, nur damit ich schlank werde. Unfair ist es dann, wenn jemand in deiner Umgebung mit Low Carb anfängt und binnen 6 Wochen so viele Kilos verliert, dass ein bis zwei Hosengrößen kleiner gekauft werden können. Ich bin kein neidischer Mensch, doch das finde ich unfair. Sogar ohne Sport. Gemein. Ich gönne es jedem, der so abnehmen kann. Mein Mann zum Beispiel. Passen mal seine Hosen nicht, dann lässt er für zwei, drei Tage die Cola weg (er trinkt schon eine 1 ½ l Flasche pro Tag mit Zucker!) und die Tüte Chips. Danach passt wieder alles.
Noch vor einigen Jahren war der Begriff Lipödem kaum bekannt. Durch die vielen TV-Berichte und die Presse wurde diese Erkrankung immer bekannter und auch, dass es sich um eine Erkrankung der Frauen handelt, die den Körper durch Fettansammlung krank macht und sogar zu Depressionen führen kann. Es wurde die Aussage getroffen, dass die Erkrankung nur durch eine Fettabsaugung zu behandeln sei.
Viele Menschen haben mittlerweile vom Lipödem gehört, spätestens durch die Schlagzeile, dass Fettabsaugung zur Kassenleistung werden soll.
Warum wissen viele niedergelassene Ärzte noch nichts davon? Kommt eine Frau mit schmerzenden und zu dicken Beinen in eine Praxis, heißt es allzu oft, sie müsse erst einmal abnehmen. Ich kann selbst ein Lied davon singen, wie oft mir Ärzte das gesagt haben.
Eine Geschichte, die ich nach der o. g. Schlagzeile in einem Magazin las, möchte ich hier zum Besten geben:
Eine Frau kam zum Arzt, schilderte von ihren schmerzenden und viel zu dicken Beinen. Der Arzt fragte sie, wie groß sie denn sei. Sie: „Ich bin 163 cm.“ Darauf der Arzt: „Für diese Größe sind sie viel zu schwer.“ (Der Arzt hat nicht nach dem Gewicht gefragt.) Die Frau versucht sich zu verteidigen und bittet darum, dass er sich um sie kümmert und er sich ihr Lipödem einmal anschauen möchte. Der Arzt winkt ab und sagt zu ihr, sie sollte mehr Sport treiben und erst einmal eine Diät machen, dann könnte sie gerne wieder kommen.
Das ist leider eine traurige Wahrheit, die laut meinen Recherchen sehr oft passiert. Viele Frauen haben mir von ihren Besuchen beim Arzt erzählt. Oft erkennt ein Arzt diese Erkrankung erst, wenn es fast schon zu spät ist. Liegt es an der Unkenntnis der Ärzte? Warum wird die Diagnose erst gestellt, wenn es fast schon zu spät ist? Viele betroffene Frauen haben einen Leidensweg von über 10 Jahren hinter sich, bevor die Diagnose gestellt wird. Bei manchen, so wie auch bei mir, waren es über 30 Jahre. Was für einen Leidensweg haben all die Frauen durchgemacht? Ich kenne meinen, und wenn ich nicht so ein positiv denkender Mensch wäre, wäre ich sicherlich schon in eine Depression verfallen. Laut einigen Studien leiden wissentlich ca. 3,8 Mio. Frauen unter einem Lipödem. Wie hoch ist die Dunkelziffer?
Würde es den Frauen nicht schon helfen, einen Namen für ihre Beschwerden zu bekommen? Wie oft war ich beim Arzt und habe gefragt: Warum kann ich nicht abnehmen? Es wäre um einiges leichter gewesen, hätte ich gewusst, dass ich unter einem Lipödem litt. Ich hätte mich anders informieren können, mir Hilfe holen können, und sei es nur durch Lymphdrainage. Meine Schmerzen an den Armen und an den Beinen hätte ich mir erklären können. So ging ich über 30 Jahre mit meinem Körper durch mein Leben und dachte immer nur, der gehört nicht zu mir. Mit dem Wissen hätte sich die Erkrankung nicht aufgelöst, doch hätte ich mir einiges erklären können und damit leichter ertragen und früher nach Lösungen suchen können.
Trotz des Wissens, dass ich unter einem Lipödem litt, waren einige Ärzte immer noch der Meinung, dass ich zu fett sei, falsch essen würde und mich mehr bewegen müsse. Das ist verletzend und ignorant. Diese Ärzte werde ich nicht mehr besuchen und auch nicht empfehlen.
Das Lipödem ist eine krankhafte Fettverteilungsstörung, bei der die Ursache immer noch nicht erkannt ist. Sie tritt symmetrisch bei Frauen an Beinen und ab und an auch an den Armen auf. Es gibt mittlerweile Studien aus den USA, dass selbst am Bauch und am Gesäß ein Lipödem entstehen kann. Es betrifft nur Frauen und tritt in einer hormonellen Umstellung auf. In der Pubertät, bei Schwangerschaften, Entfernung der Gebärmutter, Eierstöcke, Eileiter etc. oder in den Wechseljahren. Zum Teil gibt es auch Berichte, dass es nach einer Vollnarkose oder in schweren Stresssituationen zu einem Lipödem kommen kann.
Ist ein geliebter Mensch verstorben und die Frau wird dicker, spricht man oft vom Kummerspeck.
Es kann eine erbliche Disposition vorliegen oder einfach spontan auftreten. Selbst schlanke Frauen können unter einem Lipödem leiden, genauso wie sehr fettleibige Frauen unter dieser Erkrankung leiden. Das Lipödem verschlimmert sich meistens im Laufe der Zeit.
Stadium: Eine sichtbare Tendenz zur Reiterhosen-Form. Die Haut ist noch glatt. Schiebt man aber die Haut zusammen, ergeben sich unschöne Dellen, die sogenannte Orangenhaut. Die Struktur ist verdickt und weich zugleich. Innen am Oberschenkel und an den Knien können styroporartige Kügelchen getastet werden.
Stadium: die Reiterhosen-Form ist ausgeprägter, die Hautoberfläche ist delliger und fühlt sich grobknotiger an. Das Unterhautfettgewebe ist verdickt und weich zugleich. Es können große Knoten in der Haut tastbar sein.
Das Unterhautgewebe ist stark verdickt und verhärtet. Fettlappen entstehen, die deformiert sind. Teilweise hängen Fettwülste über den Knöcheln, die Frauen neigen zu X-Beinen. Die Dellen an den Beinen sind stark ausgeprägt und das Bild ist wulstig.
Die Diagnose wird durch eine ausführliche Anamnese, einen Tastbefund und Sichtbefund erstellt. Die Patientin hat niemals dicke Hände oder Füße, ebenso sieht das Gesicht wie bei einer schlanken Person aus. Es können spontan Schmerzen und durch Berührung entstehen. Es sind vermehrt blaue Flecken möglich. Es kommt ebenso zu einer Flüssigkeitsansammlung, vor allem an warmen Tagen. Egal wie viel Sport die Person treibt oder wie kalorienreduziert sie isst, sie kann darüber nicht oder nur wenig abnehmen. Die betroffenen Bereiche fühlen sich oft kalt an.
Ärzte verwechseln oft das Lipödem mit dem Lymphödem. Dabei findet man beim Lymphödem oft keine Symmetrie.
Durch die Sonographie kann der Arzt gut erkennen, ob es sich um ein Lipödem handelt oder nicht. Die Flüssigkeitsansammlung kann mit den verschiedensten Techniken sichtbar gemacht werden. Das Lipödem soll somit eine Kombination aus Hypertrophie (übermäßige Vergrößerung von Gewebe und Organen durch Vergrößerung der einzelnen Zellen) und Hyperplasie (abnorme Vermehrung der Zellen, dadurch Vergrößerung des Gewebes und der Organe) von Fettzellen sein. Somit hat das Übergewicht nichts mit Fehlernährung zu tun. Ebenso ist es nicht möglich, die Fettzellen abzuhungern. Entlastung geben Kompressionswäsche und Lymphdrainage. Doch hilft das auf Dauer? Die einzige Möglichkeit, die medizinisch zurzeit angewandt wird, ist die Liposuktion. Die „schlechten“ Fettzellen werden abgesaugt, das lymphatische System kann wieder anfangen zu funktionieren und der Abtransport ist gewährleistet. Natürlich gehen auch gesunde Fettzellen dabei drauf, doch welche Frau wird sich daran stören, wenn der Körper danach wieder schmerzfrei und gesund ist?
Die Unkenntnis der Ärzte führt leider dazu, dass viele Fehldiagnosen bei Frauen mit Lipödem gestellt werden und der Leidensweg dieser Frauen nicht aufhört oder sogar noch schlimmer wird.
