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Als ihre Mutter stirbt, verliert ein Mädchen nicht nur ihr Zuhause, sondern alles, was ihr Halt gegeben hat. In der Obhut ihrer Tante scheint zunächst Ordnung, Wohlstand und Sicherheit zu warten — doch hinter der perfekten Fassade verbirgt sich ein System aus Kontrolle, Demütigung und Angst. Während das Dorf schweigt, die Schwester sich anpasst und der Vater verschwindet, beginnt ein stiller Kampf ums Überleben. Nur Erinnerungen halten sie davon, ganz zu zerbrechen. „Meine geliebte Rabentante“ ist eine erschütternde wahre Geschichte über Macht, Verrat und die Unsichtbarkeit von Gewalt hinter bürgerlicher Perfektion. Gleichzeitig ist es ein Buch über Mut — den Mut, sich zu befreien, seine Stimme wiederzufinden und sich nicht endgültig zerstören zu lassen. Ein autobiografischer Roman, der unter die Haut geht und lange nachwirkt.
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Seitenzahl: 61
Veröffentlichungsjahr: 2026
In liebevollen Gedanken und tiefer Dankbarkeit
für meinen Großvater –
meinen Schutz, meine Zuflucht und mein stiller Anker.
Mara Heid
Meine geliebte Rabentante
Eine Geschichte von Verlust, Macht und Stille
© 2026 Mara Heid
Druck und Distribution im Auftrag der Autorin:
tredition GmbH, Heinz-Beusen-Stieg 5, 22926 Ahrensburg, Deutschland
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Für die Inhalte ist die Autorin verantwortlich. Jede Verwertung ist ohne ihre Zustimmung unzulässig. Die Publikation und Verbreitung erfolgen im Auftrag der Autorin, zu erreichen unter: tredition GmbH, Abteilung "Impressumservice", Heinz-Beusen-Stieg 5, 22926 Ahrensburg, Deutschland.
Kontaktadresse nach EU-Produktsicherheitsverordnung: [email protected]
Cover
Widmung
Titelblatt
Urheberrechte
Vorwort
Kapitel 1 – Das zerbrochene Zuhause
Kapitel 2 – Die Nacht des Brandes
Kapitel 3 – Die Beerdigung
Kapitel 4 – Die Masken fallen
Kapitel 5 – Das Martyrium beginnt
6. Kapitel – Ertappt
Kapitel 7 – Aufatmen
Kapitel 8 – Schlechtes Image
Kapitel 9 – Hinter den Kulissen
Kapitel 10 – Mein letzter Halt verlässt mich
Kapitel 11 – Überraschung für alle
Kapitel 12 – Familie: Der gefährlichste Ort
Kapitel 13 – Das Ende vom Ende
Epilog – Nach dem Sturm
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Widmung
Titelblatt
Urheberrechte
Vorwort: „Meine geliebte Rabentante“
Epilog – Nach dem Sturm
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Vorwort: „Meine geliebte Rabentante“
Wir sprechen viel über Kriege. Über Schlachtfelder, über Brutalität, über Gewalt und Zerstörung. Wir diskutieren über Täter und Opfer, über Schuld und Verantwortung – und doch bleibt ein Krieg meist unsichtbar: der Krieg, der in den eigenen Wohnzimmern, hinter geschlossenen Türen, in vermeintlich sicheren Familien stattfindet.
Diese Kriege sind oft grausamer als jeder bewaffnete Konflikt. Denn hier sind die Opfer Kinder – völlig wehrlos, abhängig, ausgeliefert. Kinder, die nicht kämpfen können, nicht fliehen können, nicht einmal verstehen, warum ihnen so viel Schmerz zugefügt wird. Statt Schutz erfahren sie Verachtung.
Statt Liebe Demütigung. Statt Geborgenheit Angst. Sie werden mit negativen Eigenschaften belegt, verteufelt, klein gemacht. Sie werden misshandelt – körperlich, seelisch, emotional. Und währenddessen schaut die Gesellschaft weg. Wegsehen ist einfacher als Hinsehen. Wegsehen schützt das eigene Gewissen.
Die Täter sind oft keine Monster im klassischen Sinn. Im Gegenteil: Sie sind häufig angesehene, beliebte Persönlichkeiten in ihrem sozialen Umfeld – freundlich nach außen, grausam im Verborgenen. Sie kommen davon. Fast immer.
Für die Opfer hingegen bleibt eine schwere Decke des Schweigens. Eine Decke aus Scham, Schuldgefühlen, Angst und Hoffnungslosigkeit. Sie erfahren selten den Schutz, die Liebe und die Sicherheit, die jedes Kind von Geburt an verdient hätte. Von Kindesbeinen verunglimpft, bleiben sie oft ein Leben lang gezeichnet – innerlich, wenn nicht äußerlich.
Dieses Buch basiert auf wahren Erlebnissen. Namen, Orte und identifizierende Details wurden zum Schutz der Beteiligten verändert. Die dargestellten Ereignisse spiegeln die persönliche Wahrnehmung der Erzählerin wider.
Dieses Buch erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Urteil. Es ist ein Versuch, hinzusehen, wo andere wegschauen. Es ist ein Versuch, Stimmen hörbar zu machen, die zum Schweigen gebracht wurden.
Vielleicht regt es zum Nachdenken an. Vielleicht verändert es nur einen Blick, eine Haltung, eine Entscheidung. Und wenn es auch nur einem einzigen Menschen aus diesem unsichtbaren Elend hilft, gesehen zu werden – oder sogar zu entkommen -, dann hat dieses Buch seinen Sinn bereits erfüllt.
Das wünsche ich mir von ganzem Herzen.
Ihre
Mara Heid
Kapitel 1 – Das zerbrochene Zuhause
Das Haus war nie still.
Selbst wenn keine Stimmen zu hören waren, lag etwas Schweres in der Luft – ein unsichtbares Dröhnen, als würde der nächste Streit bereits in den Wänden lauern. Ich spürte es, bevor ich es verstand. Als Kind lernt man die Sprache der Angst schneller als die Sprache der Liebe.
Es roch nach Alkohol, kaltem Kaffee und einer Bitterkeit, die sich überall festgesetzt hatte: in den Gardinen, im Teppich, in den Ritzen der alten Küchenschränke. Manchmal roch es auch nach Parfum – dem Parfum meiner Mutter, das sie zu überdecken versuchte, was sich nicht überdecken ließ.
Ich war klein, und doch war ich schon wachsam. Ich lauschte, bevor ich einschlief, ob Schritte im Flur waren, ob eine Tür leise zuklickte oder ob das Glas auf dem Tisch wieder zu voll war. Mein Körper wusste früher als mein Kopf, wann Gefahr drohte.
Unsere Familie sah nach außen hin ordentlich aus. Ein Ingenieur als Vater, eine Hausfrau als Mutter, zwei Kinder – ein Bild, das in diesem Dorf passte wie ein sauber gebügeltes Hemd. Niemand hätte gedacht, dass hinter dieser Fassade ein Krieg tobte.
Aber ich kannte diesen Krieg.
Er begann oft abends. Zuerst nur als leises Grollen, wie ein entferntes Gewitter. Mein Vater sprach schärfer als sonst. Meine Mutter antwortete zu schnell, zu verletzt, zu verzweifelt. Dann wurden die Stimmen lauter. Türen knallten. Gläser klirrten.
Und irgendwann kamen sie zu uns.
Ich erinnere mich an die Hand meines Vaters, die mich aus dem Bett zog – grob, ohne Zögern. Der Teppich war kalt unter meinen nackten Füßen, und mein Herz schlug so schnell, dass mir schwindelig wurde. Meine Schwester stand neben mir, genauso erschrocken, genauso hilflos.
„Also?“ fragte er dann, mit einer Stimme, die keinen Widerspruch duldete. „Wen hast du lieber – Mama oder Papa?“
Diese Frage war eine Falle. Das wusste ich, ohne es erklären zu können.
Wenn ich „Mama“ sagte, verzog sich sein Gesicht vor Wut. Wenn ich „Papa“ sagte, brach meine Mutter in Tränen aus. Egal, was ich antwortete, jemand wurde verletzt – und am Ende waren wir es, die den Preis zahlten.
Manchmal antwortete ich gar nicht. Dann schlug er zu. Nicht aus Kontrolle, sondern aus Frust, aus Ohnmacht, aus dem Wunsch, seinen eigenen Schmerz irgendwo abzuladen. Ich lernte, still zu sein, klein zu sein, unsichtbar zu sein.
Meine Mutter saß oft am Küchentisch, ein Glas vor sich, die Schultern gesenkt. Ihre Augen wirkten müde, älter, als sie eigentlich war. Sie versuchte, uns zu schützen – oder vielleicht versuchte sie es nicht mehr.
Ich wusste es damals nicht. Heute weiß ich, dass sie selbst gefangen war.
