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Meine Träume Der Träumer Dietmar Wolfgang PritzlaffKann man Träume lesen? Kann man Träume wirklich nachvollziehen? Dies ist der Versuch Träume lesbar zu machen, auch auf die Gefahr hin, dass sie unverständlich bleiben und einem Fremden so gar nichts geben können, denn ein Aufschreiben kann nur aus Erinnerung geschehen und dabei wird die Traumdarstellung schon verändert.
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Seitenzahl: 128
Veröffentlichungsjahr: 2025
Titel:
MEINE TRÄUME – Der Träumer Dietmar Wolfgang Pritzlaff
ISBN:
978-3-6911-1715-8
Auflage 1 / v2 / Juli 2025
© Foto: Charly, Köln
Autor:
Dietmar Wolfgang Pritzlaff (Alle Rechte dem Autor vorbehalten.)
geb. in Altena/Westf., schreibt Romane, Kurzgeschichten, Lyrik, Haiku, Songtexte,
Theaterstücke, Hörspiele, Essays und Drehbücher, journalistische Texte
www.diwop.de
www.liesmichnet.de
Verlag:
© 2025 • dwp – Day Walker Productions
veröffentlicht von: feiyr.com
dwp-feiyr-com-Veröffentlichungen
© Cover-Bild: „Der Moment des Ungewöhnlichen“ (Ausschnitt), 1988,
Acryl auf Malkarton, Gemälde von Dietmar Wolfgang Pritzlaff
© Text, Satz, Layout und Lektorat: Dietmar Wolfgang Pritzlaff
Alles begann in meiner Kindheit. Ich war damals 10 Jahr jung. Die Sesamstraße lief 1973 zum ersten Mal im deutschen Fernsehen und ich wurde ein großer Fan der Puppenshow. Es gab immer mal wieder einen kurzen Zwischenfilm von einem erst weißen Bildschirm der langsam weggegessen wurde. Wenn ein Stück abgebissen wurde, wurde die Stelle schwarz, bis der ganze Bildschirm schwarz war. Dann ging es mit Puppensketchen weiter. Es gab auch die zweite Version in der ein schwarzer Bildschirm aufgegessen wurde und dann auf dem Fernseher nur noch ein weißer Bildschirm verblieb. Das war eigentlich ganz „lustig“ anzuschauen, wie das Bild auf dem Fernseher angeknabbert wurde, bis nichts mehr übrig war.
Warum hatte sich dieses Bild in das Unterbewusste eines 10-jährigen festgesetzt und sich als Alptraum manifestiert?
Nach ein paar Jahren Sesamstraßen-Genuss, ich muss 14 Jahre alt gewesen sein, träumte ich zum ersten Mal diesen seltsamen Sesamstraßen-Traum. Aber in dem Traum gab es keine Puppen zu bestaunen, sondern nur entweder einen weißen Raum, der durch weggebissene Stücke allmählich schwarz wurde oder einen schwarzen Raum, bis dieser dann völlig weiß war.
Das fatale und unheimliche daran war, dass ich im Traum nicht nur einen Bildschirm betrachtete, ein flaches Bild, sondern ich war der Sehende in dem Weiß oder in dem Schwarz. Ich war in einem Raum den ich nicht beschreiben konnte. Es gab keine Wände, keinen Boden, keine Ecken oder Rundungen, keine Möbel, nichts außer Leere. Das Weltall vielleicht. Weltall in Weiß und Schwarz. Sonst war da nichts. Ich sah, wie die Welt um mich herum weggeknabbert wurde. Manches Mal erschien auch nur ein kleiner schwarzer Punkt aus der Mitte des weißen Nichts und wurde immer größer und größer, kam auf mich zu, verschlang alles Weiße und verdrängte auch mich und dann bin ich aufgewacht, Schweiß gebadet aufgewacht. Das waren schreckliche Alpträume, die sich in den Nächten mehrmals wiederholen konnten. Also zwei- oder dreimal in der Nacht aufgewacht. In solchen Nächten kam ich nicht zur Ruhe. In manchen Träumen bauten sich schwarze Steine vor dem weißen Nichts auf, bis ganz oben rechts, der letzte Stein das Weiß völlig verdrängt hatte und nichts übrigblieb als Schwarz. Wie lebendig begraben, zugemauert, zugeschüttet.
Meine Gefühle beim Träumen waren voller Panik und Angst vor dem Nichts, dass ich eingemauert würde, dass ich keine Luft mehr bekommen würde, dass ich gegen diese Farben nichts ausrichten konnte. Ich konnte nur zusehen wie eine Farbe die andere verschlang und mich gleich mit.
Diese Träume kamen immer wieder. Manchmal mehrere Nächte hintereinander und dann wieder wochenlang nichts. Manchmal plagten sie mich wochenlang und dann gab es nur wenige Nächte ohne diesen Traum. Diese Sesamstraßen-Bilder bekam ich einfach nicht aus dem Kopf. Ich hätte gerne von Kermit und Miss Piggy geträumt, aber da waren nur immer wieder diese Farben. Es gab keine Messer, Blut, Verfolgungsjagden. Ich war doch nur in einem Raum mit nichts als nur Weiß oder Schwarz. Ich konnte nur sehen. Bewegte ich mich? Versuchte ich wegzulaufen? Nein, ich sah nur wie gelähmt zu. Ich sah immer nur zu und konnte das Verschlingen nie aufhalten, nie abwehren oder es rückgängig machen. Jedes Mal fraß es auch mich. Ich war dann nur die weiße oder schwarze Farbe. Sonst nichts. Ich musste etwas unternehmen.
Noch ein Traum, der mich lange verfolgte, war ein „ich-kann-fliegen-Traum“. Er begann ganz harmlos. Ich durchstreife zu Fuß einen schönen lichtdurchfluteten Wald. Plötzlich werde ich leichter und spüre unter mir keinen Waldboden mehr. Ich kann fliegen und fliege durch die Baumkronen. Es ist herrlich. Plötzlich verfolgt mich eine „Hexe“ auf ihrem fliegenden Besen. Jetzt rasen wir um die Baumwipfel. Sie kommt mir immer näher. Plötzlich ist der Wald zu Ende (alles immer plötzlich, von jetzt auf gleich). Es geht steil nach unten. Man kann kaum das Tal erkennen. Dann stürze ich ab. Einfach so. Ich kann nicht mehr fliegen und rase auf die Felsen im Tal zu. Kurz vor meinem Aufprall wache ich auf.
Auch diesen Alptraum wollte ich aus meinem Unterbewussten löschen und niemals wieder träumen. Jedes Mal danach war ich schweißgebadet und konnte kaum wieder einschlafen.
1982, mit 19 Jahren, begann ich esoterische Bücher zu lesen, um mich mit meinen meist „unheimlichen“ Träumen auseinandersetzen zu können. Die Bücher hießen KREATIV TRÄUMEN von Patricia Garfield – DER TRAUM UND SEINE DEUTUNG von Ernst Aeppli – DIE POSITIVE KRAFT DER TRÄUME von Ann Faraday und REISE DES ERWACHENS ein Handbuch zur Meditation von Ram Dass.
In dem Buch KREATIV TRÄUMEN wird die Möglichkeit beschrieben, schlimme Träume wegzuträumen und schöne Träume fortzusetzen. Ich habe das alles vorher als großen Blödsinn abgetan, aber so unglaublich wie es klingt, es stimmt. Man kann Träume wiederkehren lassen und böse Träume vergessen.
Und tatsächlich bewirkte meine Beschäftigung mit den esoterischen Büchern bei mir ein Wunder. Ende 1983 träumte ich zum letzten Mal den Traum mit den Farben. Danach war endgültig Schluss damit und ich konnte wieder meine Nächte durchschlafen. Aber die Panik vor den Träumen blieb. Das konnte dazu führen, dass ich nicht immer sofort einschlafen konnte.
1987 habe ich deshalb noch einen Kurs Autogenes Training drangehängt und siehe da, ich wurde wirklich ruhiger, entspannter und vor dem Einschlafen musste ich nicht an böse Träume denken.
Natürlich habe ich auch Bücher zur Traumdeutung gelesen, aber das ist kompliziert und man kann so viel reininterpretieren, dass einem ganz schwindlig wird. Also besser nur schön träumen.
Wie beschreibt man einen Traum, wenn man daraus gerade erst aufgewacht ist? Kann man wirklich noch Räume, Landschaften, Möbel, die herumstehen beschreiben? Auch Gefühle, Eindrücke und Gedanken im Traum sind schwer zu fassen. Und warum kann man sich nicht, oder nur sehr schlecht, an Träume erinnern? Am nächsten Morgen ist alles futsch, aus und vorbei. Vielleicht gibt es noch ganz vage eine Erinnerung, ein paar Bilder des Traums und sonst nichts.
Selbst dieser Sesamstraßen-Traum, wie ich ihn nenne, ist schon schwer zu beschreiben. Manchmal hing ich im Traum an einer Felswand. Steil abfallend, die Tiefe endlos, meint man, aber wie genau kann man das beschreiben? Es waren nicht immer surreale Welten, sondern Räume in denen ich schon mal war. Vielleicht bei Freunden und Verwandten, vielleicht in der Arbeit. Und dann waren auch völlig aus irgendeinem Zusammenhang gerissene Welten, die unheimlich und unheimlich schön sein konnten. Waren es wahre Welten um mich herum oder irreale Landschaften? Farben, Licht, ob Sonne oder Lampe, Atmosphäre und besondere Eindrücke die ich hatte, sind kaum beschreibbar oder ganz einfach nach dem Träumen vergessen.
Mein Buch MEINE TRÄUME hält alle meine Träume seit 1984 fest. Ungeschönt, nackt, brutal und verstörend. Wenn ich heute manche Träume nachlese, dann schaudert es mich oder verstören mich noch heute.
Die Erklärungen, wer die handelnden Personen in meinen Träumen sind, habe ich in Klammern gesetzt. Oftmals sind Personen im Traum anwesend und ich kann bei bestem Willen nicht erkennen, deuten, rätseln, wer diese Personen sind.
Wenn Traumdeuter oder Psychologen dieses Buch lesen, werden sie wohl feststellen: TOTALE MACKE – AB INS IRRENHAUS. Oder darf man so was träumen?
Einiges erklärt sich für mich von selbst. Vieles bleibt im Trüben, weil es auch für mich unerklärlich bleibt. Es wird für den Leser kaum nachvollziehbar sein. Warum sollte sich also jemand für meine Träume interessieren?
Weil sie zu mir gehören. Zu der Person Dietmar Wolfgang Pritzlaff. Wenn jemand mich durch meine Bücher kennenlernen möchte, dann muss er auch durch meine Träume durch.
Manche sind spannend zu lesen. Manche sind einfach nur langweilig. Warum solche Träume trotzdem verstören, mich in meinen Grundfesten erschüttern, bleibt dem Leser verborgen.
Alles kann reininterpretiert werden. Es sind ja NUR Träume. Und Träume sind ja bekanntlich nur Schäume.
Wie soll man Träume aufschreiben? Wie jemandem davon erzählen? Wie eine Grundstimmung des Traumes beschreiben?
Niemand war dabei, oder hatte Einsicht in den Traum. Es bleibt also die Erinnerung. Die Erinnerung an einen Traum, verfälscht schon Stimmungen und genaue Beschreibungen der Traumorte. Wenn man aufwacht aus dem Traum und direkt das Geträumte aufschreibt, das ist immer die Bedingung meines Aufschreibens gewesen, dann fehlen oft in meinen Traum-Schreibereien die genauen Orte und Menschen.
Einer meiner Lieblingskünstler Salvador Dali wollte unbedingt das reine surreale Bild malen, welches man nur im Traum sieht. Er wollte in einen traumähnlichen Zustand versetzt werden, um dann zu malen. Aber es blieb bei Versuchen, die einfach nicht klappen wollten. In Trance denkt man wohl auch nicht gerade ans malen. Auch unter bewusstseinserweiternden Drogen, wird es nicht das Bild geben. Oder es wird nur Stuss gemalt.
Also musste auch Dali aus Erinnerung malen und diese sind nun mal verfälscht. Denn die Beschreibung eines Bildes aus dem Traum kann durch das bloße Erinnern schon verfälscht worden sein und für jemand anderen ganz anders aussehen, eine Stimmung ganz anders wirken.
Manchmal bleiben nur Erinnerungsfetzen zurück, manchmal nur ein unbestimmtes Gefühl, dass man kaum beschreiben kann, wenn man wieder aufwacht. Ich versuche alles irgendwie unter einen Hut zu bringen und doch bleiben nur Buchstaben auf weißem Papier. Auch ein gut umrissenes Bild ist oft im Traum doch ganz anders. Man kann es mit Worten kaum ausdrücken.
Meine Esoterikbücher gaben mir den Tipp:
Wenn man aufwacht, wenn der Traum noch ganz frisch ist, soll man sofort Licht machen (auch wenn es mitten in der Nacht ist) und versuchen sofort zu schreiben, dann wäre die Erinnerung noch so gut wie unverfälscht.
Schon am nächsten Morgen hat man, dass meiste aus dem Traum oder der Stimmung vergessen. Wie war das noch? Was war da noch?
Meist hat man gar keine Lust das Licht anzuschalten, denkt lieber grübelnd über den Traum nach und träumt gleich den zweiten Teil. Das gibt es auch. Und am nächsten Morgen ist alles wie weggeflogen.
Probieren Sie es mal aus!
Ich habe mich jedes Mal zwingen müssen Licht anzumachen und sofort zu schreiben und meist konnte ich viel beruhigter wieder einschlafen. Der Traum war ja auf Papier festgehalten und nicht mehr im Unterbewussten. Aber oftmals fiel ich auch gleich wieder in tiefen Schlaf, dann waren die Träume auch am nächsten Morgen nicht mehr greifbar.
