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Ein Schuljubiläum; Eine Frau, die selbst Schülerin an dieser Grundschule war, an der sie heute unterrichtet, bittet den Autor, der im Kokon seines Schiffsrumpfs an der französischen Mittelmeerküste in die Arbeit an seinen neuesten Karibikgeschichten vertieft ist, Anekdoten aus seiner Schulzeit zum 50. Schuljubiläum zu schreiben. Das Thema stimuliert Situationen herauf, die immer schon einmal aufgeschrieben werden wollten. Der Schlüsselreiz der Anfrage öffnet die verrosteten Stahltore einer Zeitmaschine. Der Autor schlüpft hinein und fühlt sich in seine ersten vier prägenden Schuljahre zurückversetzt. Das ist die Ausgangssituation der 12 Kurzgeschichten Fünfzig Jahre später – Memoiren eines Pennälers. Mit seinem Bewusstsein des Sechsundfünfzigjährigen, gelingt es dem Autor, die Fröhlichkeit des spielenden Schulkinds, das er einmal war, zu reanimieren. Selbstironische Reflektionen, Gefühle, Verletzungen, Triumphe, sind einmal die des Sechsjährigen, bei seinen Versuchen sich in die Spielregeln des Lebens einzufinden. Jedoch unvermittelt schlägt das Jojo der Erzählhaltung in die Griffelspitzenanalytik des Autors um. Selbstanalytisches Heraufbeschwören von Schlüsselerlebnissen, im ersten Gegenüber mit Religion, Schulpflicht, Sozialisation, Liebe und Gewalt, eröffnen den Einblick in die Konstituenten einer sich bildenden Kinderseele. Gesellschaftspolitische, ökonomische, religiöse, philosophische Strömungen der beginnenden sechziger Jahre fließen durch die Geschichten und verankern den unverkennbaren Charakter der erzählten Episoden im festen Grund der Zeitgeschichte. Diese Kindergeschichten für Erwachsene und für Kinder öffnen Schlagbäume zwischen den Generationen.
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Seitenzahl: 60
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Franz-Wilfried Jansen
Memoiren eines Pennälers
12 Kurzgeschichten
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Zum Autor
Widmung
Vorwort
Großes Dankeschön an:
1 Dolle Minnas
2 Der weiße Neger
3 Auto k.o.
4 Kribbeln am Seil - „sex on the rope“
5 Beichtstuhlgang
6 Ikarus´ freier Fall aus der Kirschbaumspitze “Hals üvver Kopp dorr Kieschboom herraaf“
7 Handschuhamputation
8 Raubtierfütterung
9 Glacéhandschuhe
10 Das Weichei
11 Liebe macht doch nicht blind
12 „The circus`s in town!“ Peitschenhiebe in den Slums von Pointe-à-Pitre
Impressum neobooks
Franz-Wilfried Jansen
wurde am 27. März 1956 in seinem Heimathaus in Birgden geboren. Nach dem Grundstudium der Philologie an der FU-Berlin begann er sein Hauptstudium an der RWTH Aachen. 1977 unterrichtete er an einer Realschule und einem Gymnasium in Arles Deutsch. Dolmetscher Engagements beim Internationalen Fototreffen in Arles brachten ihn mit Fotografen wie Cindy Marler, Lucien Clergue, Toto Firma und Lieve Prins zusammen, deren Portraits er in den Fachmagazinen „Photographie“ und „Profifoto“ publizierte. Die Reisebeschreibung „Haifischtauchen auf Long Island Bahamas“ als Gastautor beim Prestel Verlag München erschien 1980. Radiolivesendungen beim HR in Frankfurt sowie erste TV Autorenproduktionen beim NDR Hannover und dem HR Frankfurt, portraitierten hauptsächlich Bluesmusiker wie B.B. King, Champion Jack Dupree, Colosseum, Dee Dee Bridgewater, Eric Burdon, John Mayall, u.a.
Mit der ersten eigenen Filmproduktionsgesellschaft, „Mediapros“, entstand 1991 ein Tour Portrait von Mink Deville. In den neunziger Jahren überwog die Produktion von Werbe- und Imagefilmen für die „new economy“. Für den Internet Marktführer „Cisco Systems“ aus San Jose Kalifornien entwickelte und produzierte der Autor eine deutschlandweite Veranstaltungsreihe zur Verkaufsförderung. Das Formel Eins Sponsoring im McLaren Mercedes Rennstall wurde für Cisco Sytems 1996 zu einem Präsentationskonzept entwickelt. Die Filmdokumentation, in Imola produziert und in Den Haag, Frankfurt und London auf den dortigen Internetfachmessen projiziert, stellte die bisher komplexeste Auftragsproduktion dar.
Eine vierwöchige Schiffsreise 1989 in der Südsee, auf den Spuren von Paul Gauguin, Herman Melville und Jacques Brel, fünfmonatiges Extremsegeln 1992 im Mittelmeer auf einem eigenen Formel 28 Katamaran, Regattasegeln in Schweden, Langstreckentörns bis Oslo, wiederholte Überführungstörns von der Nordsee durch die Biskaya nach Mallorca, Transkaribik Passage, von Guadeloupe bis Trinidad und abschließende Atlantiküberquerung von Martinique bis zu den Azoren 2011, geben einen Hinweis auf die Gründe, weshalb man den Autor seit Mitte der ersten Dekade des neuen Jahrtausends meist auf einem seiner Schiffe im Mittelmeer antrifft.
Der ersten Frau in meinem Leben
Ein Schuljubiläum; Eine Frau, die selbst Schülerin an dieser Grundschule war, an der sie heute unterrichtet, bittet den Autor, der im Kokon seines Schiffsrumpfs an der französischen Mittelmeerküste in die Arbeit an seinen neuesten Karibikgeschichten vertieft ist, Anekdoten aus seiner Schulzeit zum 50. Schuljubiläum zu schreiben.
Das Thema stimuliert Situationen herauf, die immer schon einmal aufgeschrieben werden wollten.
Der Schlüsselreiz der Anfrage öffnet die verrosteten Stahltore einer Zeitmaschine.
Der Autor schlüpft hinein und fühlt sich in seine ersten vier prägenden Schuljahre zurückversetzt. Das ist die Ausgangssituation der 12 Kurzgeschichten Fünfzig Jahre später – Memoiren eines Pennälers. Mit seinem Bewusstsein des Sechsundfünfzigjährigen, gelingt es dem Autor, die Fröhlichkeit des spielenden Schulkinds, das er einmal war, zu reanimieren. Selbstironische Reflektionen, Gefühle, Verletzungen, Triumphe, sind einmal die des Sechsjährigen, bei seinen Versuchen sich in die Spielregeln des Lebens einzufinden.
Jedoch unvermittelt schlägt das Jo-Jo der Erzählhaltung in die Griffelspitzenanalytik des Autors um. Selbstanalytisches Heraufbeschwören von Schlüsselerlebnissen, im ersten Gegenüber mit Religion, Schulpflicht, Sozialisation, Liebe und Gewalt, eröffnen den Einblick in die Konstituenten einer sich bildenden Kinderseele.
Gesellschaftspolitische, ökonomische, religiöse, philosophische Strömungen der beginnenden sechziger Jahre fließen durch die Geschichten und verankern den unverkennbaren Charakter der erzählten Episoden im festen Grund der Zeitgeschichte.
Diese Kindergeschichten für Erwachsene und für Kinder öffnen Schlagbäume zwischen den Generationen.
Frau Marlene Narizek für die Initialzündung des Projekts,
Frau Claudia Storms-Übachs für das bereit gestellte Forum.
Allen Protagonisten der Kurzgeschichten, tot oder lebendig, für ihr Verständnis, dass die Erinnerung auch von der künstlerischen Freiheit durchwachsen ist.
Dank im Voraus an den Heimatverein, der sicherlich wertvolle Ergänzungen, Korrekturen und sprachliche Feinheiten in der „platten“ Muttersprache hätte einfließen lassen, wenn es die knappe Zeit bis zur Drucklegung erlaubt hätte, seine Mitglieder zu konsultieren. Vielleicht beim nächsten Projekt?
Selbstverständlich steht die Kirche, wie zur Zeit meiner Einschulung Anfang der sechziger Jahre, mitten im Dorf, die alte Schule hundert Meter davon entfernt und dazwischen das Gemeindehaus. Schlüsselfiguren des damaligen öffentlichen Lebens residierten im damals imposantesten Backsteinbau des Orts, mit Zentral Entree und, was mich ganz besonders beeindruckte, sogar elektrischem Türöffner. Der Respekt einflößende Summton verströmte eine Mischung aus Fernüberwachung und Hochtechnologie. Allein die Seltenheit der Annäherung an dieses herausragende Gebäude unterstrich jedes Mal einen wichtigen Grund, auf den Klingeltasten seinen Daumenabdruck zu hinterlassen. Links drückte man, wenn man sich beim Dorfpolizisten Mansel für einen ertappten Erdbeerklau auf offenem Feld rechtfertigen musste und zur standrechtlichen Verurteilung ohne Tribunal herbeizitiert worden war. Rechts stand: „Fräulein Louise Jansen und Frau Hannelore Körfer“. Die beiden Lehrerinnen hatten offensichtlich einen unterschiedlichen zivilen Status, wie die Klingelschildaufschrift unterstrich. Aus heutiger Sicht würde ich unterstellen, dass die erstere, meine Grundschullehrerin, noch im jungfräulichen Besitz des Namens ihrer Eltern aus Harzelt ihre Ehelosigkeit dokumentierte und die Zweite eher schon einmal an den Freuden der Namensübernahme eines geehelichten Herrn Körbers genascht hatte. Aus besonderem Grund bekam man Audienz gewährt und durfte sein Anliegen zwischen gereichten Keksen und Obst knapp darlegen. Im Wohnzimmer herrschte eine mädchenhafte Ordnung, die von einem frisches Duftgemisch aus geschälten Orangen, heißem Lindenblütentee und fast verflogenem 4711 Kölnisch Wasser überlagert wurde. Wenn die eingesammelten Kakaogeldzahlungen, Buchbestellungen oder Ausflugsgelder abgerechnet, von Fräulein Jansen überprüft und abgeheftet waren, sprach man noch kurz über die Großeltern in der Gaterstraße und Tante Seefke, die sie häufig zur intellektuellen Erquickung aufsuchte, bis man mit ihrem flinken Blick über die wartenden Korrekturhefte von ihrer liebevollen, kratzigen Stimme verabschiedet wurde. Frau Körfer geleitete mich dann zum Portal, das hinter mir automatisch in das stabile Wilka Schloss fiel und das Geheimnis des Privatlebens dieser beiden, aus dem Rahmen der christlich katholischen Familiendoktrin herausfallenden Frauen, durch einen festen Rums unergründlich hinter mir verschloss.
Die „Dolle Minnas“ in Amsterdam kamen erst gut zehn Jahre später in die Medien. Alice Schwarzer hatte auch noch niemand gelesen, weil sie ihre Bücher erst noch verfassen sollte, aber dennoch halte ich es für wahrscheinlich, dass sich ein Band von Simone de Beauvoir, „Das andere Geschlecht“ oder „Memoiren einer Tochter aus gutem Hause“, in den Bücherregalen der zweiten Birgdener Frauen WG eingenistet hatten. Die erste, mir bekannte Frauenwohngemeinschaft, lebten meine beiden Großtanten, Seefke und Trautche, die in ihren dunklen Rentnerstuben so manchen Faden ihrer sozialpolitischen Errungenschaften während ihrer aktiven Zeit in der Verwaltung der Seidenweberei Schniewind nochmals verspannen. Die beiden WGs kommunizierten, wie bereits oben angedeutet, regelmäßig und intensiv miteinander. Man könnte auch von einem „ think tank“ oder einer Kongregation von „spin doctors“ der Gaterstraße sprechen.
Vielleicht hieß er ja Harald Harren und war ein Verwandter von einer meiner angebeteten, ruhigen, schönen Favoritinnen, Annemie Harren. Sei es dahingestellt, wie es um die Verwandtschaftsverhältnisse und den Familiennamen nun wirklich bestellt war. Die Geschichte steht jedenfalls auf zwei soliden Beinen:
Der Vorname ist sicher und meine Verehrung für Anne-Marie ebenfalls.
