Mission SOL 4: Welt des ewigen Todes - Ben Calvin Hary - E-Book

Mission SOL 4: Welt des ewigen Todes E-Book

Ben Calvin Hary

5,0

Beschreibung

Das Jahr 1552 Neuer Galaktischer Zeitrechnung: Seit über 3000 Jahren reisen die Menschen zu den Sternen. Sie haben unzählige Planeten besiedelt und sind faszinierenden Fremdvölkern begegnet. Terranische Raumschiffe erforschen das Universum, manche davon werden zu berühmten Legenden – dazu gehört insbesondere die gigantische SOL. Perry Rhodan hat die Menschheit von Beginn an bei ihren Vorstößen ins All geleitet. Als er in der Milchstraße eine kosmische Katastrophe abwenden will, wird er unfreiwillig an einen Ort versetzt, der Millionen Lichtjahre von der Heimat entfernt ist. Dort findet er zwei Sektionen der SOL und die Nachkommen der Besatzung. Sie sind auf dem Riesenplaneten Evolux gefangen. Rhodan kann mit einer SOL-Zelle und einigen Verbündeten ins All aufbrechen. Nun will er herausfinden, was mit den Menschen geschehen ist, die an Bord des SOL-Mittelteils lebten – darunter sein Sohn Roi Danton. Die Spur ist über 150 Jahre alt und führt auf die WELT DES EWIGEN TODES ...

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Nr. 4

Welt des ewigen Todes

Zwischen den Sternen von Tare-Scharm – die SOL stößt auf einen seltsamen Planeten

Ben Calvin Hary

Cover

Vorspann

Die Hauptpersonen des Romans

Ouvertüre

1. 30. August 1552

2. 9. September 1552 NGZ

3.

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5.

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Impressum

Das Jahr 1552 Neuer Galaktischer Zeitrechnung: Seit über 3000 Jahren reisen die Menschen zu den Sternen. Sie haben unzählige Planeten besiedelt und sind faszinierenden Fremdvölkern begegnet. Terranische Raumschiffe erforschen das Universum, manche davon werden zu berühmten Legenden – dazu gehört insbesondere die gigantische SOL.

Perry Rhodan hat die Menschheit von Beginn an bei ihren Vorstößen ins All geleitet. Als er in der Milchstraße eine kosmische Katastrophe abwenden will, wird er unfreiwillig an einen Ort versetzt, der Millionen Lichtjahre von der Heimat entfernt ist.

Dort findet er zwei Sektionen der SOL und die Nachkommen der Besatzung. Sie sind auf dem Riesenplaneten Evolux gefangen. Rhodan kann mit einer SOL-Zelle und einigen Verbündeten ins All aufbrechen.

Nun will er herausfinden, was mit den Menschen geschehen ist, die an Bord des SOL-Mittelteils lebten – darunter sein Sohn Roi Danton. Die Spur ist über 150 Jahre alt und führt auf die WELT DES EWIGEN TODES ...

Die Hauptpersonen des Romans

Perry Rhodan – Der Terraner akzeptiert kein Nein.

Mahlia Meyun – Die Heilerin übernimmt ihre erste Kommandoverantwortung.

Curcaryen Varantir – Der Algorrian wimmelt seine Besucher unwirsch ab.

Pravo Ylapp

Ouvertüre

Gleißende Energiebahnen zerrissen die Finsternis. Das Wummern ferner Explosionen und überlasteter Geschütze hallte von den Tunnelwänden wider, vermengt mit den Schreien der Sterbenden. Die Luft roch scharf nach ionisiertem Sauerstoff und dem Gestank von versengtem Fleisch.

In hastiger Folge brüllte Cerova Tuffran Befehle ins Akustikfeld der mobilen Kommandopositronik, die auf einem Antigravkissen zwischen ihm und seinem Adjutanten Varonto Tiruman schwebte.

»Ausfall nach rechts!«, wies er den Leiter des vordersten Truppensegments über Funk an. Ohne die Bestätigung abzuwarten, wechselte er den Kanal, wandte sich an den Befehlshaber der sekundären Flanke. »Den Gegner einkesseln!«

Das taktische Hologramm, das die Positronik in die Gangmitte projizierte, zeigte einen Querschnitt der unterplanetaren Anlage. Tuffrans und Tirumans Stellung lag im Zentrum der Darstellung: ein schmaler Seitentunnel, in sicherer Entfernung zum Kampfgeschehen und doch nah genug, um jederzeit eingreifen zu können. Rote Punkte markierten die Positionen der Angreifer im Labyrinth.

Tuffran stieß einen Wutschrei aus. Ihr Kampf war aussichtslos. Zwar waren die gegnerischen Waffen antik und richteten kaum Schaden unter den Verteidigern an, doch die Überzahl war erdrückend. Und sekündlich wurden es mehr. Von wo der feindliche Truppennachschub anrückte, war nicht zu erkennen.

Die Vordringenden eroberten immer mehr Terrain und engten den Bewegungsspielraum der Verteidiger ein. Gleichzeitig schnellte die Zahl der Opfer auf Tuffrans Seite in die Höhe.

»Nicht mehr lange, und sie überrennen uns!«, rief Tiruman über den Kampflärm hinweg. Das Holo, die einzige Lichtquelle in der Nähe, tauchte sein Gesicht in geisterhaftes Grün.

»Wir werden standhalten«, behauptete Tuffran.

Tiruman fuchtelte mit dem Handstrahler, den er zur Verteidigung bei sich trug. »Die Individualschirme unserer Kämpfer sind wegen der Störeinflüsse ausgefallen. Wir müssen die Stellung aufgeben, Kommandant!«

»Und den Forschungsstützpunkt mitsamt den Wissenschaftlern opfern, die an der Oberfläche stationiert sind?« Tuffrans oberes Armpaar beschrieb eine verneinende Geste.

In diesem Moment ertönte ein Kreischen. Die Kommandopositronik schlug Alarm.

Zeitgleich erstrahlte das taktische Holo in beunruhigendem Schrillrosa. Zahlreiche Ortsmarken, die die Position gefallener Kameraden bezeichneten, wechselten unvermittelt die Farbe. Der Rechner wertete sie plötzlich als Gegner.

»Was, bei allen Hohen Mächten ...?« Ehe Tuffran begriff, eröffnete jemand das Feuer.

Der Schuss kam aus der Tiefe des Gangs, wo der Feind bei der Offensive Teile ihrer Kolonne dezimiert hatte, und verfehlte den Kommandanten nur knapp.

Stattdessen erwischte es Tiruman. Die Wucht des Treffers schleuderte ihn nach hinten, er prallte gegen einen metallenen Pfeiler, glitt zu Boden und blieb reglos liegen.

Der vordere Teil von Tirumans Schutzanzug hatte sich in eine verschmorte Masse verwandelt. Rauchfahnen stiegen von der Brust auf. Der Strahler lag noch immer in seiner Hand. Wie durch ein Wunder war er Tiruman nicht entglitten.

»Das war Feuer aus unseren eigenen Reihen«, vermeldete die Positronik unaufgeregt.

Im Holo erschien die Analyse des Energiestrahls, der Tiruman niedergestreckt hatte. Die Modulation wies auf eine Waffe aus den Fabriken von Evolux hin.

Es war das Letzte, was die Recheneinheit von sich gab.

Ein weiterer Treffer verwandelte die Positronik in ein Häufchen Kunststoffschlacke. Das Antigravkissen bockte, dann gab der Generator stotternd auf. Die Kommandopositronik krachte auf das Metallplast am Boden des Korridors.

Fluchend suchte Tuffran hinter den Überresten des Geräts Deckung. Bemächtigten sich die Gegner der Waffen der Gefallenen und ließen ihre eigenen, wirkungslosen Gewehre dafür zurück?

Ehrlose Monster!, dachte er.

Der Kommandant kauerte in der Finsternis. Hilflos lauschte er den Kampf- und Todesschreien seiner Untergebenen, die – nun ohne taktische Unterstützung und sich selbst überlassen – in den Tunneln ums Überleben rangen. Den Versuch, sie über Helmfunk zu erreichen, gab er schnell auf. Die Störeinflüsse machten das Akustikfeld seines Schutzanzugs unbrauchbar.

Ein Knirschen erschreckte ihn.

Tuffran starrte in die Richtung des Geräuschs, versuchte zu erkennen, woher es stammte.

»Wer ist da?«, rief er und tastete mit allen vier Armen den Boden nach etwas ab, was er als Waffe verwenden konnte. Seine Finger fanden nichts.

»Ich bin es, Kommandant«, antwortete eine vertraute Stimme.

»Tiruman!«, stieß Tuffran aus. Die Erleichterung brachte seine Stimme zum Zittern. »Du lebst!«

»Ja. Ich bin am Leben.« Er klang überrascht.

Langsam gewöhnten sich Tuffrans Augen an die Finsternis. Der noch immer glühende Rest der Positronik gab in der Eiseskälte ein schwaches Leuchten ab.

Nach einer Weile erahnte er eine Bewegung, und endlich schälte sich der Umriss seines Freunds aus dem Nichts: vier Beine, vier Arme, ein Kopf, der auf einem lang gestreckten Hals saß.

Tirumans Anblick war erschreckend. Das Nanofasergewebe seines Kampfanzugs war mit Teilen des weißen Fells zu braunen Fetzen verschmolzen. Eine Brandwunde verunstaltete die linke Gesichtshälfte. Rohes Fleisch kam darunter zum Vorschein. Noch immer lag die Waffe in seiner Hand.

»Ich bin am Leben«, wiederholte Varonto Tiruman im gleichen erstaunten Tonfall wie zuvor.

1.

30. August 1552

Neue Galaktische Zeitrechnung

Vier Lichtwochen vor Evolux

Hart traf Elpin Vonnedals Faust auf Ianik Meygons Unterlippe. Der schmächtige Meygon taumelte unter dem Hieb zurück. Röte färbte seine Wangen. Er fing sich, stürzte sich auf den Widersacher, drosch mit beiden Fäusten auf ihn ein.

Jahli Zakut, Krulf Likro und einige weitere Mitglieder der Zentralebesatzung umringten die Streithähne, trommelten auf den Bedienpulten und feuerten mal den einen, mal den anderen an. Ihre Stimmen übertönten das Dröhnen der Energiegeneratoren, das durch Metallverstrebungen bis ins Zentrum des Raumschiffs vordrang.

Holokuben, Datendisplays sowie Schaltelemente tauchten das hallenartige Rund in farbenfrohes Blinken und bläulichen Schimmer, doch keiner scherte sich darum. Die Rangelei war wie ein Funke, der die herrschende Anspannung zur Explosion brachte.

»Auseinander!«, brüllte Mahlia Meyun. Sie stürmte durch das Eingangsschott der Kommandozentrale, bahnte sich einen Weg und eilte zu den Kämpfenden. Grob packte sie Meygon am Kragen und zerrte ihn von seinem Gegner weg.

Als Vonnedal nachsetzen wollte, gebot sie ihm mit einer energischen Geste Einhalt.

»Was ist hier los?« Sie ließ den Blick über die Versammelten streifen, suchte Augenkontakt.

Doch so ausgelassen die frischgebackenen Solaner eben noch gewesen waren, so schnell verflog ihre Stimmung. Ihr Jubel erstarb zu Gemurmel. Der Bauer Kanmar sah zu Boden. Rytanaia kratzte sich mit schuldbewusster Mine am Kopf.

Wortlos kehrten sie zu ihren Stationen zurück. Bald darauf herrschte erneut Betriebsamkeit, in der sie sich mit der SOL und ihrer Bedienung vertraut machten. Das Raunen der Energiekerne dominierte wieder die Geräuschkulisse.

»Er hat angefangen«, maulte Meygon und befreite sich aus Mahlias Griff. Herausfordernd legte er den Kopf in den Nacken, sah zu Vonnedal auf. Bei seiner Größe – Mahlia reichte er nur bis zum Kinn – wirkte es drollig. »Wer dummes Zeug von sich gibt, hat 'ne Abreibung verdient!«

Mahlia schloss die Augen. Nur zehn Minuten lang hatte sie die Zentrale verlassen, um auf der Medostation nach dem Rechten zu sehen – und schon verloren ihre Begleiter derart die Beherrschung? Ein Glück, dass sie im richtigen Moment zurückgekehrt war. Und gut, dass Perry Rhodan nichts mitbekommen hatte.

Der Terraner war derzeit im Raumschiff unterwegs, half bei der Reaktivierung von seit Langem funktionslosen Anlagen. Mahlia war das nur recht. Was er angesichts dieser Szene von seinen neuen Mitstreitern gehalten hätte, wollte sie sich nicht ausmalen.

»Ich habe nur gesagt, dass Perry Rhodans Plan keinem von uns nützt außer ihm selbst«, stellte Vonnedal richtig. »Daraufhin hat dieser Winzling mich attackiert.«

»Dir geb ich gleich Winzling!«, grollte Meygon.

Bevor der Streit erneut aufflammen konnte, hob Mahlia die Hand. Es kam ihr vor, als würde sie einen Zank ihrer Kinder Annri und Temm schlichten, und nicht zwischen zwei erwachsenen Männern.

»Niemand außer Rhodan hat etwas davon, wenn wir nach dem Mittelteil der SOL suchen«, rechtfertigte sich Vonnedal. »Die Solaner haben unsere Vorfahren im Tal der Gestrandeten zurückgelassen. Warum sollten wir ihnen nun helfen?« Er schürzte die Lippen. Die Ratlosigkeit war ein ungewohnter Anblick im Gesicht des sonst stets gut aufgelegten Manns.

Mahlia seufzte. »Elpin, hast du nichts zu tun? Pravo benötigt deine Hilfe.« Sie machte eine Geste, als würde sie Fliegen verscheuchen.

Vonnedal wandte sich ab und begab sich zu Pravo Ylapp. Dieser hockte, mit dem Rücken zum Geschehen, am Ortungspult und studierte die Anzeigen in den Holokuben.

Kopfschüttelnd zog Mahlia ein Medokit aus einem der Notfallfächer, die überall im Raumschiff installiert waren. Damit kehrte sie zu ihrem Patienten zurück.

Meygon hatte sich auf die Stufe gesetzt, die das leicht erhöhte Kommandopodest vom Rest der Zentrale absetzte. Mit dem Ringfinger betastete er die verletzte Lippe, untersuchte ihn auf Blut. Ein rötliches Rinnsal arbeitete sich auf sein Kinn vor.

Mahlia kniete sich vor ihn und klappte das Medokit auf. »Halt still!«, befahl sie, während sie Meygon das Kinn festhielt, mit einem Tupfer das Blut entfernte und den Schaden am Gewebe begutachtete.

»Es war dumm von dir, einen größeren Gegner zu attackieren«, tadelte sie ihn.

»Ich weiß, was ich mir zutrauen kann«, gab der junge Mann störrisch zurück.

»Mag sein. Aber warum trittst du überhaupt für Perry Rhodan ein? Dir muss doch klar sein, dass das die anderen gegen dich aufbringt.« Sie legte den Tupfer beiseite und desinfizierte die Wunde.

Meygon winkte ab. »Was wäre die Alternative? Zurück nach Hause? Darauf habe zumindest ich keine Lust. Rhodan hat ein Ziel. Wenn's nach Elpin ginge, würden wir planlos von Planet zu Planet fliegen. Und was dann?«

Zurück nach Hause ... Der Gedanke elektrisierte Mahlia. Zum ungezählten Mal dachte sie an ihre Kinder, die sie auf Evolux hatte zurücklassen müssen. Sie schob die Erinnerung beiseite. Es war zu schmerzhaft.

»Ich verstehe, was du meinst«, gab sie zu. »Wir haben mit unserer Heimat gebrochen, nun brauchen wir eine Aufgabe. Ich bin nur nicht sicher, ob Rhodans Mission auch die unsere ist.«

Sie nahm ein Biomolpflaster, pellte es aus der Schutzfolie und platzierte es auf der Wunde. Sofort verband sich das Material mit Meygons Haut.

Während es aushärtete, sah Mahlia zu Ylapp und Vonnedal, die sich über die Ortungsanzeigen beugten und unterhielten. Beide machten ihr Sorgen. Den Überläufer Ylapp einzuschätzen, fiel ihr noch immer schwer – und Vonnedals Stimmung war alarmierend. Wenn er, die ewige Frohnatur, derart an Rhodan zweifelte, dass er sich auf ein Handgemenge einließ – wie stand es dann um den Rest der Besatzung?

Ihr Zorn auf den Terraner wuchs. Ich hätte den Leuten die Wahrheit über unsere Vorfahren schonender beigebracht, dachte sie und fragte sich, ob sie nicht die geeignetere Anführerin war. Immerhin kannte sie ihre Gefährten und wusste, wie sie tickten. Anders als Rhodan.

Nach einigen Sekunden erreichte das Biomolplast seine maximale Festigkeit. Mahlia begutachtete ihr Werk. Sie war zufrieden. Bis auf eine leichte Schwellung würde nichts von der Verletzung zurückbleiben.

»So gut wie neu.« Sie stand auf und verstaute das Kit in dem Fach, aus dem sie es genommen hatte. Einer der reaktivierten Wartungsroboter würde das verbrauchte Material in Kürze ersetzen.

Auch Meygon erhob sich und kehrte an den Waffenleitstand zurück, den er sich als Station ausgesucht hatte.

Jemand räusperte sich.

Mahlia wandte sich um und erschrak. Hinter ihr stand Perry Rhodan. Seit wann war er da schon? Sie hatte seine Ankunft in der Zentrale nicht bemerkt.

Rhodan deutete kopfnickend zu Meygon. »Ist alles in Ordnung? Ich kam gerade rechtzeitig, um zu sehen, dass du den Jungen verarztet hast.«

»Nur ein unbedeutender Unfall«, behauptete Mahlia und versuchte sich an einem Lächeln.

Sie verzichtete darauf, ihm zu erklären, dass der »Junge« nur wie ein Junge aussah, in Wahrheit aber erwachsen war. Rhodans Unwissenheit bewies, dass er nicht wirklich zu ihnen gehörte.

Er musterte sie. »Du wirkst, als hättest du etwas auf dem Herzen.«

Mahlia haderte mit einer Antwort. Dann jedoch beschloss sie, ihn zur Rede zu stellen. Etwas musste geschehen, sollte die Stimmung nicht gänzlich kippen. »Hast du dir schon Gedanken über das weitere Vorgehen gemacht? Du verstehst, dass wir nicht glücklich sind bei der Vorstellung, ausgerechnet nach jenen Leuten zu suchen, die für unser Exil auf Evolux verantwortlich sind.«

Rhodan nickte. »Ich weiß. Ich habe nicht vergessen, dass dein Sohn und deine Tochter noch immer dort sind. Du wirst sie wiedersehen. Aber unsere Mission, die Suche nach dem Mittelteil der SOL, ist größer als du oder ich.«

»Hm«, machte Mahlia. Beim Gedanken an Temm und Annri hatte sie einen Kloß im Hals. Dennoch, ohne dass sie es sich zu erklären vermochte – sie glaubte ihm! Rhodans Worte hatten beinahe hypnotische Strahlkraft.

Letztlich, gestand sie sich ein, hatte Ianik Meygon recht. Rhodan hatte einen Plan. Bis ihr ein besserer einfiel, würde sie sich also fügen.

»Die anderen wirst du überzeugen müssen, nicht mich«, wich sie aus. »Die Frage ist, wo du mit deiner Suche überhaupt beginnen möchtest.«

Rhodan bedeutete ihr, ihn zum Kommandopodest zu begleiten. Gemeinsam traten sie vor das Zentralholo. Es zeigte den Raumausschnitt, den die SOL durchkreuzte.

Vielmehr, in dem die SOL-Zelle 2 vor sich hin dümpelte, jenes Drittel des hantelförmigen Kombinationsraumschiffs, mit dem Perry Rhodan und seinen neuen Verbündeten die Flucht von Evolux gelungen war.

Die Darstellung in dem Hologramm war stilisiert, die Entfernungen und Größen waren stark verzerrt. Sterne und Planeten nahmen sich winzig neben der SZ-2 aus. Zwischen den Objekten schwebten Skalen und Beschriftungen, an denen sich die tatsächlichen Dimensionen und weitere Daten ablesen ließen. Der Kugelraumer fiel mit einem Sechzehntel der Lichtgeschwindigkeit durchs All. Die Entfernung zu Evolux war mit vier Lichtwochen angegeben.

Rhodan legte die Hand ans Kinn. »Vor rund hundertfünfzig Jahren hat der Yakonto Masling Dryw den Mittelteil der SOL zu einer Forschungseinrichtung geschickt, wo der Algorrianwissenschaftler Curcaryen Varantir ein intergalaktisches Transportmittel entwickelt hatte. Die Solaner sollten diese Technologie zur eigenen Verwendung stehlen und auch Dryw eine Datenkopie zurückbringen«, rekapitulierte er.

»Wir wissen, dass die SOL-Besatzung unter der Führung von Roi Danton und Fee Kellind tatsächlich dorthin abgereist ist«, bestätigte Mahlia. »Ihre Kinder jedoch blieben als Faustpfand auf Evolux zurück. Was wir allerdings nicht wissen, sind die exakten Koordinaten dieser Forschungsstätte.«

Rhodan befahl der Positronik, den Bildausschnitt zu erweitern. Daraufhin zeigte das Holo die Galaxis Tare-Scharm im Ganzen – eine unüberschaubare Anzahl von Sternen. Jeder einzelne davon kam als mögliches Ziel des SOL-Mittelteils in Betracht. Mahlia schwindelte bei der Vorstellung.

»Warum fragen wir nicht einfach diesen Varantir selbst?«, schlug sie vor. »Er wird am besten wissen, wo dieser Forschungsstützpunkt liegt.«

Prompt schüttelte Rhodan den Kopf. »Nein. Das sollte unsere letzte Option bleiben.«

»Wieso?« Mahlia verengte die Augen.

Die Logik dieses Manns entzog sich ihr. Sah er nicht, dass das der direkte Weg war?

Rhodan lächelte. »Nimm mich beim Wort. Ich kenne Varantir. Zu sagen, er sei unleidlich, ist eine Untertreibung. Sobald er vom Verrat seines damaligen Assistenten erfährt, wird er außer sich sein. Spätestens dann ist er uns keine große Hilfe mehr.«

Für Mahlia klang das wenig überzeugend, aber sie war des Diskutierens müde. »Wen willst du also fragen?«

Rhodan senkte die Stimme. »Wir nehmen uns Colwin Heltamar vor.«

*

»Heltamar?« Mahlia Meyuns Ruf gellte durch die Zentrale. »Sag mir, dass das ein Scherz ist!«

Ihr Ausbruch blieb nicht unbemerkt. Kanmar, Saismut, Yenc und ein gutes Dutzend weiterer Männer und Frauen hoben die Köpfe und lauschten. Blicke irrten umher, trafen Mahlia und Rhodan.

Mahlia war das recht. Sie wusste, dass die anderen ebenso denken würden. Ausgerechnet Heltamar! Das konnte Rhodan nicht ernst meinen!

Der Yakonto Colwin Heltamar war Mitglied im Regierenden Rat der Weißen Welt. Hundertfünfzig Jahre hatten die SOL-Zellen auf Evolux in einem Gefängnis gelegen, das von einem Forschungskomplex aus betrieben wurde, dessen Kontrolle Heltamars Untergebenen oblag. Wer dies ursprünglich angeordnet und wer diesen Zustand anderthalb Jahrhunderte geheim gehalten hatte, wusste man nicht. So sollte es nach Heltamars Wunsch auch bleiben: Nach der Befreiung der SZ-2 hatte er die Missstände in seinem Verantwortungsbereich vertuschen wollen. Und ausgerechnet diesen hinterlistigen Mistkerl wollte Rhodan nun um Hilfe bitten?

Perry Rhodan schenkte ihr einen undeutbaren Gesichtsausdruck. Dieses Zucken im Mundwinkel, die verbissenen Kiefer ... War das Geringschätzung? Milder Tadel? Mahlia wurde nicht schlau aus ihm.

Rhodan blieb hart. »Heltamar ist unser einziger Ansatzpunkt«, behauptete er. »Er ist im Rat für das Thema Wissenschaft zuständig, und auf einer kosmokratischen Werftwelt wie Evolux heißt das einiges.«

Kosmokratisch, echote Mahlia in Gedanken. Dieses Wort hatte sie in jüngster Zeit öfter gehört. Bei einer passenderen Gelegenheit würde sie Rhodan fragen, was es bedeutete. Es war jedenfalls nicht Bestandteil ihrer Hypnoschulung gewesen.

»Sämtliche Forschungsprojekte ab einer gewissen Größenordnung dürften über Heltamars Schreibtisch wandern«, fuhr Rhodan fort, »und Curcaryen Varantir spielte vielfach eine bedeutende Rolle dabei. Woran auch immer der Algorrian in den vergangenen Jahrhunderten gearbeitet hat – und wo auch immer in Tare-Scharm das war –, ich gehe jede Wette ein, dass Heltamar darüber Bescheid weiß.«

»Und ich denke, dass er uns nicht helfen wird. Seine Kumpane sind an unserem Schicksal im Tal mit schuld. Warum sollte er uns also nun unterstützen?«

Sie hielt seinem Blick stand, verbarrikadierte sich hinter ihren verschränkten Armen. Ihr Zorn war gerecht, und so schnell würde sie nicht nachgeben.