Mit dem Schmetterling fliegen - Winkinkala Yukan - E-Book

Mit dem Schmetterling fliegen E-Book

Winkinkala Yukan

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Beschreibung

Mit dem Schmetterling fliegen! Nach der Flucht aus den Klauen von Satanisten, bei denen Tashina geboren und aufgewachsen war, ging es darum, den Schmerz, das Leid und die ständige Todesangst aufzuarbeiten. Doch es war für Tashina schwer, die Satanisten hinter sich zu lassen, da diese sie weiterhin bedrohten und bei einem Überfall sogar schwer verletzten. Selbst die gewonnene Freiheit war erstmal nicht sicher. Trotz allen Schwierigkeiten begann Tashina den Weg der Freiheit und der Heilung zu gehen. Wie war es also möglich alles hinter sich zu lassen? Wie war es möglich die große Angst vor den Satanisten zu entschärfen? Und wie war es möglich die Motivation und Kraft für die Aufarbeitung nicht zu verlieren?

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Seitenzahl: 565

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Dieses, von uns geschriebene Buch, „Mit dem Schmetterling fliegen“ ist die Fortsetzung, des Buches „Nimm mich mit Schmetterling“ das ebenfalls von uns geschrieben wurde.

Das erste Buch beschreibt, das furchtbar grauenvolle Leben, das wir erdulden und ertragen mussten.

Das zweite Buch beschreibt die Eingliederung in die Gesellschaft, die jahrelange Therapie und all unsere Stärken und Schwächen beim Umgang mit uns selbst. Sehnsucht nach Heilung, danach …

MIT DEM SCHMETTERLING FLIEGEN

Der Schmetterling ist ein kleiner, aber starker Bote für die Seele, den Geist und das Bewusstsein. Er hat die Kraft, sich in mehreren Ebenen zu bewegen. Er kennt den Tod und das Leben. Der Schmetterling kann dich in verschiedene Welten bringen und dir dort die Weisheit zeigen, die du gerade brauchst. Er ist ein heiliges Wesen. So leicht wie er ist, so stark ist er auch. Landet er auf einer Blume, wird sie von ihm verzaubert. Entscheidet sich der Schmetterling für dich und landet in deiner Nähe oder sogar irgendwo auf deinem Körper, dann wird deine Seele, dein Körper so leicht wie der Schmetterling und du fliegst mit ihm davon. Du bist dann in der Lage, das Wesentliche zu erkennen, zu verstehen, zu fühlen, zu sehen… und zwar mit dem Herzen, da wo du dich dann mit dem Schmetterling befindest.

Ausgesucht von Tashina

AUS DEM KREISLAUF DES LEIDENS, IN DIE FREIHEIT.

Du kannst dich in eine Ecke verkriechen

und über dein Schicksal klagen –

oder du kannst aufstehen, die Ärmel hochkrempeln

und versuchen etwas zu ändern.

Lille U. Kreßner

Eine wunderbare Überschrift. „Aus dem Leid in die Freiheit“

Nun könnte man denken, dass das vielleicht nicht zu schaffen ist, oder gar unmöglich oder unwirklich.

Doch der Geist und der Körper bringen eine große Kraft zusammen, wenn es darum geht zu heilen.

Nach dem Buch „Nimm mich mit Schmetterling“, das mein Überleben beschreibt und die tägliche Gewalt, möchte ich nun den Kampf ins Leben aufschreiben.

Ich habe eine Weile gebraucht, um mir klar zu werden, ob ich es wirklich möchte, dieses zweite Buch zu schreiben.

Meine Kindheit war grauenvoll und gruselig. Ich bin bei Satanisten aufgewachsen und das hat mein Leben geprägt. Durch die schlimme Gewalt bin ich gesplittet, ich habe mehrere Personen in mir. Wer das Buch „Nimm mich mit Schmetterling“ gelesen hat, wird es verstehen.

Von Anna

In diesem Buch möchten wir, auch meine Innenpersonen, die Jahre der Heilung und Therapie beschreiben.

Den Weg über Steine und Berge und wiederum wunderschöne Wege der Ruhe. Den Weg des Aufgebens und Weitermachens. Den Weg der Traurigkeit und Freude über erreichte Ziele.

Wir sind zurückgeworfen worden, hingefallen und wieder aufgestanden. Zwischen Angst, es nicht zu schaffen und große Motivation war alles dabei. Heilung und Freiheit sind einfach zu starke Worte, mit einer großen Bedeutung. Dennoch ist es jeder Mensch wert, dieses zu erreichen und die Lebensqualität Stück für Stück zu verbessern.

Man sagt doch so schön: „Rom ist auch nicht an einem Tag gebaut worden“ oder „Viele Wege führen nach Rom“? Genauso ist es mit der Heilung. Mit viel Geduld, Ausdauer und einem festen Willen ist es zu schaffen. Vor allem muss man die Heilung auch wirklich wollen und darf sich nicht vom Weg abbringen lassen. Man muss sich ein Ziel setzen und loslegen. Doch nicht vergessen, dass man dabei sehr auf sich aufpassen muss.

Unsere Heilung oder Freiheit war nur möglich, durch unsere ehrliche Offenheit. Wir haben unseren Schmerz gezeigt und unsere Schuld. Wir sind durch alle Teile der Gewalt gegangen und haben zusammen einen Weg gefunden, der uns aus der inneren Gefangenschaft und Angst, befreit

… Anna in Tashina.

Wenn man vor einem Berg steht, den man Heilung nennt, der so hoch ist, dass es gar nicht möglich ist darüber zu schauen, darf man nicht unruhig werden, sondern muss den ersten Schritt machen. Es gibt so einen schönen Spruch:

Wenn du aufgeben willst, denk daran, warum du angefangen hast.

Manchmal sind solche Weisheiten oder Sprüche ganz hilfreich.

Und ist man dann unterwegs, sollte man die schönen Dinge mit den Augen und Händen aufnehmen, dann ist der Weg nicht so beschwerlich.

Foto von Tashina

Als ich das erste Mal die Sonne sehen durfte und ihre Wärme gespürt habe, war das für mich ein neues Leben ohne schmerzhafte Dunkelheit

… Feuer Simon in Tashina

Die Indianer waren schon immer ein wichtiger Teil in unserem Leben und sind es immer noch. Wir lieben diese Menschen und durften von ihnen sehr viel lernen.

Schon in frühster Kindheit, konnten wir Geistreisen machen und uns mit den Indianern verbinden.

Im Geist reisten wir oft zu einem Dorf der Indianer. Dort lebt unsere Mutter „Schewaka“, unser Vater „Heroko“, unser Bruder „Moloi“ und mehrere Menschen im Dorf, die uns sehr bekannt sind und weit in den Bergen leben. „Haketo“, ist der Medizinmann und weise Träumer. Dann besuchten wir auch mit dem Geist ein Wolfsrudel, die beiden wichtigsten Wölfe sind „Kiro und „Torok“.

Unsere Kraft

Irgendwann fuhren wir tatsächlich in die USA zu den Indianern. Ich werde später, im Laufe der Erzählung, unsere Reisen genauer beschreiben.

Doch nun beginne ich mit einer Bewältigungsgeschichte. Diese habe ich während eines Trauma Klinik Aufenthalts – von denen ich mehrere besucht habe – aufgeschrieben bzw. für uns erfunden. Dort wurde ich von Heroko, Schewaka, Moloi und Haketo gerettet und in ein neues Leben gebracht. Ich werde diese Geschichte allerdings nicht sofort bis zum Ende schreiben, sondern Teile der Bewältigungsgeschichte im ganzen Buch einordnen.

Real:

Als ich 8 Jahre alt war, wurde ich von drei Männern vergewaltigt, schwer verletzt und fast getötet. Sie haben mich lebendig begraben. Im Buch „Nimm mich mit Schmetterling“ beschreiben wir die Situation ziemlich genau.

In dieser Situation beginnt die Bewältigungsgeschichte.

Geschichte:

Tashina wacht auf. Plötzlich spürt sie ihren Körper wieder. „Was ist passiert? Was ist los?“, geht es ihr durch den Kopf. Doch sie ist nicht in der Lage, sich zu orientieren. „Ich soll leben …“, haben sie mir in dem Traum gesagt. Tashina sieht die Bilder im Traum vor sich und kann die Worte noch genau hören.

Dann beginnt der Körper zu wehzutun, die Schmerzen sind schrecklich. Angst kommt in ihr auf. Sie bekommt keine Luft und sehen kann sie auch nichts. Im Bruchteil einer Sekunde erinnert sich Tashina. Sie kann die Männer vor ihrem inneren Auge sehen und erinnert sich an das, was geschehen ist. Das macht ihr große Angst. Sie würde gerne schreien, aber sie kann nicht … die Situation ermutigt sie aber, sich zu bewegen…

Plötzlich hört sie ein scharrendes Geräusch und leises Winseln. Dann sieht das kleine Mädchen, Licht und spürt etwas Kaltes im Gesicht. Auch zwei Hände, kann sie plötzlich erkennen, die sie aus diesem fürchterlichen Grab befreien wollen.

Die Hände, die so eifrig scharren, haben auch eine Gestalt, etwas verschwommen noch, doch das kleine Mädchen erkennt darin Heroko, ihren lieben Heroko. Als die Erde ganz von ihr entfernt worden ist, sieht sie auch Kiro und Torok – ihre wunderbaren Wölfe.

Obwohl die Schmerzen und die Angst sehr groß sind, beruhigt sich Tashina langsam, denn sie spürt Freunde um sich herum. Plötzlich kann sie das Gesicht von Heroko ganz nah sehen. „Kleine Tochter, wir holen dich da raus. Keine Angst, wir sind jetzt bei dir, um zu helfen“, sagt Heroko ganz ruhig mit der vertrauten Stimme, in der so viel Liebe ist. Tashina fängt an zu weinen, das ist gut, denn sie weiß jetzt, dass sie lebt. Sie ist nicht gestorben. Langsam hebt Heroko ihren Körper an. Tashina klammert sich ganz fest an ihn und sagt: „Ich habe so große Schmerzen. Oh Heroko, die waren so böse.“ „Jetzt bist du in Sicherheit“, sagt Heroko ganz leise.

Kiro und Torok ziehen eine Decke vom Sattel des Pferdes Sommerpfeil. Beide Wölfe breiten sie am Boden aus. Heroko legt das Mädchen ganz sanft auf diese Decke und wickelt sie darin ein.

Dann beginnt Heroko sich mit allen Beteiligten in die sichere Welt zu träumen. Sie kommen an den Kleinen See, hinter dem Indianerdorf an. Die Luft ist angenehm ruhig. Nur eine sanfte Brise streichelt die Gräser und Büsche. Den Bäumen, kann der leichte Wind, keine Bewegungen abringen. Sie stehen ruhig und stark da. Auch der See liegt ganz ruhig, nur manchmal zeigt sich ein kleiner Fisch, der runde Kreise ins Wasser wirft. Der Himmel ist blau und die Sonne schickt wohlige Wärme. Die Vögel singen Lieder der Hoffnung.

Heroko geht auf dem Kleinen Pfad ins Dorf. Noch nie ist ihm der Weg so endlos vorgekommen. Er ist froh, dass Kiro, Torok und Sommerpfeil ihn begleiten. Dann kann er schon die Zelte sehen und das lange Haus.

Tashina hält sich bei Heroko ganz fest und ihre Augen sind geschlossen. Sie hat große Schmerzen und ihr ist fürchterlich übel. Als die Kleine Gruppe ins Dorf kommt, werden sie natürlich gesehen. Alle Kinder kommen sofort und sie haben ängstliche Gesichter, weil sie sich Sorgen um ihre Freundin machen. Heroko macht ihnen Mut, indem er ihnen sagt, dass alles gut wird und sie später ein gutes Lied für Tashina singen werden. Dies verstehen alle und beruhigen sich. Jeder möchte dabei sein, wenn Heroko singt. Ja und die Kinder mögen Tashina und möchten ihr damit gute Träume schenken.

Schewaka und Moloi kommen ihnen entgegen. Ihre Gesichter sind ernst vor Sorge. „Kümmert euch um sie“, sagt Heroko zu Schewaka. „Kleine Tochter ist sehr verletzt.“

Schewaka nimmt das Mädchen vorsichtig auf ihren Arm. Tashina spürt die Berührung und weint leise vor Schmerz und Angst. „Ganz ruhig Kleine Tochter, ich bin es Schewaka. Wir werden dir jetzt helfen, sei unbesorgt“, sagt Schewaka leise. Während sich das Kind an Schewaka festhält, wirft diese Heroko einen fragenden Blick zu. Er weiß, was sie fragen will, und er antwortet mit einem kurzen Nicken. Schewaka weiß nun, was mit Tashina geschehen ist und was sie zu tun hat. Nur Moloi steht unbeweglich vor Sorge da. Er liebt seine Schwester und Freundin und versteht gar nichts. Schewaka bemerkt die Angst ihres Sohnes und sagt: „Lieber Moloi, wir werden uns um Tashina kümmern. Du kannst leider nicht dabei sein. Geh mit deinem Vater, der wird dir alles erklären. In etwa zwei Stunden, kannst du deine Schwester besuchen. Hast du das verstanden lieber Moloi?“

Moloi schaut seine Mutter mit Tränen in den Augen an und gibt ihr ein Zeichen, dass er alles verstanden hat. Schewaka weiß, dass Moloi jetzt gut bei Heroko aufgehoben ist. Sie und andere Frauen des Dorfes bringen Tashina in ein Zelt, um ihr dort zu helfen. Zur gleichen Zeit, gehen Moloi und Heroko in ein anderes Zelt, um sich zu unterhalten.

Fortsetzung folgt …

Die Sehnsucht nach einem anderen besseren Leben, war nicht immer in uns und wenn doch, dann sehr tief in uns versteckt.

Dort, wo wir aufgewachsen sind, haben wir zwar unerträgliche Gewalt erfahren, doch ich – beziehungsweise wir – kannten ja nichts anderes als dieses Leben. Ich dachte immer, dass dies alles so sein muss und alle Menschen so leben wie wir.

Die Sehnsucht kam mit dem Gefühl zu der Natur. Die Natur hat uns gezeigt, dass die Liebe überall ist. Wir erkannten die Liebe nicht sofort, aber sie war zu spüren in unserem Körper und zu fühlen in jedem Wesen der Erde. Das hat unser Herz verändert

… Kira in Tashina

Nur eins, das mir ganz wichtig ist, möchte ich noch hinzufügen: Die Todesangst, der Schmerz, die Hoffnungslosigkeit, gefangen zu sein und brutal misshandelt und missbraucht zu werden, hat mich (uns) nicht sterben lassen. Wir haben uns immer geweigert zu sterben. Unser Herz war damals schon sehr stark. Unsere innere Pflanze hat uns beschützt und das konnten wir spüren. Auch dann, wenn uns die Hoffnung oft verlassen hat.

Jeder der ein Überlebender oder eine Überlebende ist, hat die Kraft die Heilung in Angriff zu nehmen.

Überlebende sind Kinder der Glückseligkeit. Wenn man sich das bewusst macht, kann man auch einen beschwerlichen Weg der Heilung gehen.

Kinder der Glückseligkeit

Eine Nootka Indianerin hat dieses über die Kinder der Glückseligkeit geschrieben:

Kinder der Glückseligkeit sind nicht wie gewöhnliche Kinder. Normalerweise sind es Mädchen, aber manchmal kommen auch Knaben mit dem Zeichen zur Welt. Ein Kind der Glückseligkeit erweckt immer den Eindruck einer alten Seele, die in einem neuen Körper wohnt. Sein Gesicht wirkt sehr ernst, außer wenn es lacht, dann wird die Welt vom Licht zur Sonne erhellt. Man schaut in die Augen eines dieser Kinder, und man weiß, dass das Kind alles weiß, was wichtig ist. Kinder der Glückseligkeit sehen immer etwas anders aus als andere Kinder. Sie haben lange kräftige Beine und einen entschlossenen Gang. Sie lachen wie andere Kinder, sie spielen wie alle anderen Kinder und sie sprechen wie alle anderen Kinder und doch sind sie anders, sie sind gesegnet, sie sind besonders, sie sind heilig.

Sie müssen gehegt und beschützt werden, sogar, wenn du dein Leben dafür riskieren musst.

Sie können der Traurigkeit verfallen, aber sie werden sie besiegen. Sie können der Entfremdung verfallen, weil sie über und durch diese Wirklichkeit hindurchsehen. Sie halten aus, was andere nicht aushalten können. Sie überleben dort, wo andere nicht überleben können. Sie empfinden Liebe, auch wenn sie ihnen nicht gezeigt wird.

Während ihres ganzen Lebens versuchen sie, die ihnen bekannte Liebe weiterzugeben.

Eine Nootka

Ausgesucht von Tashina

Überlebende haben eine gute Strategie zu leben, vor allem aber auch zu überleben. Und … jeder ist es wert geheilt zu werden und zu leben.

Das Leben selbst fragt nicht nach dem Sinn. Wir Menschen sind es, die dem Leben einen guten Sinn geben möchten. Alles muss gut sein, alles muss klappen, alles muss schön sein. Es gibt nichts, was wir nicht planen. Doch unser Leben lässt sich nicht planen. Es ist wie es ist und wir sollten das Beste daraus machen. Wir sind alle verbunden mit Mutter Erde und dem Universum und mit dieser Energie und dem hellen Schein im Herzen, können wir stärker sein, als wir uns selbst wahrnehmen. Wir können durchs Leben gehen, mit allem Lebendigen und – ALLES LEBT!!!

Wenn ich das so aufschreibe, dass alles lebt, dann meine ich es aus vollem Herzen.

Alles lebt – Tier und Pflanzen, die Flüsse, Seen und das Meer, selbst die Steine und Felsen, der Himmel, das ganze Universum und alles, was dazu gehört.

Wir sind mit allem verbunden und somit gleich an Wert, wir sind Brüder und Schwestern, Vater und Mutter, Großvater und Großmutter. Wie schön ist es, wenn man durch den Wald geht und zu den Bäumen sagt: „Danke ihr Großväter, dass ihr hier seid und meinem Herzen ein gutes Gefühl gebt.“

Ein Sioux Indianer hat diese Worte geschrieben:

Überall ist Leben

Schon sehr früh begann ein Kind zu begreifen, dass es ringsum viel zu beobachten und viel zu erfahren gab. Den Begriff „Leere“ kannte es nicht. In der Welt um es herum war nichts bedeutungslos, nicht einmal der Himmel war leer oder stumm. Überall war Leben, sichtbar und unsichtbar, und jedes Ding, jedes Wesen besaß etwas, von dem es lernen konnte, selbst von einem Stein. Das weckte eine große Anteilnahme am Leben. Keiner war je allein, auch wenn er nicht in Gesellschaft anderer Menschen war. Die Welt war erfüllt von Leben und Weisheit – völlige Einsamkeit gab es für einen Lakota nicht.

Luther Standing Bear, Sioux

Die Flucht aus dem Kult, war ein großer Schritt und fast nicht möglich. Doch irgendwie habe ich das gewagt, was für mich zuvor unmöglich schien. Ich bin über alle Ängste und Gefühle gegangen, über alle Hindernisse, die man mir gezeigt hat, über alle Programmierungen. Ich bin ausgebrochen. Und ich denke, das war der erste Schritt zur Freiheit.

Nach der Flucht fühlte ich mich sehr schwach. Nicht körperlich schwach, nein eher psychisch. Ich spürte das natürlich, trotzdem funktionierte ich, schon wegen der Kinder.

Ich wusste überhaupt nicht, wie ein normales Leben funktioniert, und das schwächte mich enorm. Ich musste so banale Sachen lernen wie: Ohne Erlaubnis zur Toilette zu gehen, zu essen, zu trinken, zu reden, irgendwo hin gehen. Die angebliche Freiheit setzte mir ganz schön zu.

Freiheit muss man lernen. Freiheit bedeutet noch lange nicht, frei zu sein. Das spürte ich und hatte auch keine Idee, wie ich das ändern könnte.

Frei sein, bedeutet, sein Leben so zu gestalten, wie man es möchte. Mit allen Konsequenzen zu leben, wenn man die Freiheit nutzt.

Es bedeutet, mutig zu sein, offen zu sein, sich selbst zu vertrauen, den Weg zu gehen, den man möchte

… Primär Mutter in Tashina

Damals wusste ich noch gar nicht, dass wir Viele sind. Doch ich bemerkte Ausfälle, Zeiten, die vergangen waren ohne, dass ich wusste wie. Ich schwieg darüber. Oft dachte ich, dass mein Gehirn verrückt ist. Ich war mit meinen Kindern allein, ich wollte nicht, dass jemand auf die Idee kommt, ich könne mich nicht gut genug um meine Kinder kümmern. Ich hatte immer große Angst, dass mir die Kinder weggenommen werden. Also funktionierte ich und richtete alle Aufmerksamkeit auf meine Kinder. Denn wäre es nicht absurd, würden meine Kinder von mir getrennt werden, nach allem was hinter uns lag. Auch in dem Buch „Nimm mich mit Schmetterling“ ist die Flucht beschrieben.

Ich versuchte stark zu sein, damit mir niemand ansehen konnte, wie es mir wirklich ging. Das habe ich lernen müssen, um zu überleben. Wenn jemand aus dem Kult sah, dass ich schwach war oder Schmerz gezeigt habe, war die Strafe furchtbar. Sofort gab es schlimme Schläge oder ich wurde so gefoltert, dass ich nicht mehr genau wusste, wie es mir ging. Also funktionierte mein Mechanismus und das natürlich auch nach der Flucht.

Dann reichte ich die Scheidung ein. Obwohl dieser Mann mir zugeteilt worden war und es eine grausame satanische Hochzeit gab, musste ich ihn auf dem Standesamt heiraten. Deshalb musste ich nun auch die Scheidung einreichen.

Ich hatte immer Angst vor den Tätern, die uns ständig das Leben schwer gemacht haben, deshalb war die Scheidung keine leichte Aufgabe, zumal es auch gefährlich für uns alle war.

Tashina hat uns alle daraus gerettet, doch es war unheimlich schwer, die Täter loszuwerden. Angst und Schrecken wurde verbreitet, damit wir nicht lernen konnten, an uns zu glauben und vor allem an unsere Geschichte … Elsa in Tashina

Wir, also meine Kinder und ich, hatten vom „Weißen Ring“ einen Platz bekommen, um zur Ruhe zu kommen.

Dieser Platz ist immer geheim, deshalb werde ich auch nicht schreiben, wo wir waren.

Doch diese Zeit dort hat uns sehr gutgetan. Wir haben wunderbare Menschen kennengelernt, mit denen wir heute noch in Kontakt sind.

Wir konnten dort lernen, uns „normal“ zu verhalten.

Eigentlich könnte man sagen, normal zu leben. Trotzdem fiel mir alles sehr schwer, denn Angst und Schmerz, Flashbacks und kein Selbstvertrauen und kein Vertrauen in die Umwelt, ließen mich nicht zur Ruhe kommen. Das Problem ist, wenn man in einem Umfeld aufwächst, das einen so manipuliert hat, wie die Täter es wollten, dann ist es schwer aus diesem inneren Gefängnis herauszukommen. Denn die Täter haben es verstanden, uns sehr bewusst und mit großer Gewalt zu formen. Durch diese Gewalt gab es in mir viele Abspaltungen und so ist es für mich schwer oder gar unmöglich, die genaue Wahrheit unserer Geschichte herauszufinden, da ich Viele bin. Doch das Gute am Leben oder in einem Selbst ist: Nichts ist unmöglich!

Was ist Leben?

Es ist das Aufleuchten eines Glühwürmchens in der Nacht, es ist der Hauch eines Büffels im Winter, es ist der kurze Schatten, der über das Gras läuft und sich in der Sonne verliert.

Crowfoot, Blackfoot

Foto von Simon

Nach zwei Jahren der Flucht, wir hatten uns schon ganz gut eingelebt und eingerichtet, ist etwas Schwerwiegendes passiert.

Ich arbeitete damals als Tierwirtin, in einem Kuhstall.

Plötzlich wachte ich in einem Krankenhaus auf. Ich konnte mich nicht erinnern, wie ich dort hingekommen bin und was passiert ist.

Ich konnte mich einfach an gar nichts erinnern, auch nicht, wer ich bin, wie mein Name ist und dass ich Kinder hatte und auch nicht an das, was alles in der Vergangenheit passiert ist.

Ich wurde mit schweren Kopfverletzungen – doppeltem Schädelbruch – in komatösem Zustand eingeliefert. Dazu kam noch ein Jochbeinbruch, Kie-fergelenkbruch, Nasenbeinbruch, Rippenbrüche und diverse andere Verletzungen und Prellungen. Ich konnte mich nicht erinnern, wie es zu diesen Verletzungen gekommen war.

Insgesamt lag ich drei Wochen im Koma. Nach dem Aufwachen war die Welt ganz anders. In mir war absolute Leere. Ja, es fühlte sich an, als wäre meine Seele nicht mehr in mir.

Plötzlich und unerwartet, kam nach einigen Tagen die Erinnerungen an die Zeit vor der Flucht zurück und das mit voller Wucht. Das überforderte mich so sehr, dass ich buchstäblich durchdrehte und man mir eine Spritze geben musste, damit ich erstmal schlief.

Nach dem erneuten Erwachen, war ich zwar ruhiger, aber ich wusste immer noch nicht, was mit mir geschehen und wie es zu diesen Verletzungen gekommen war.

Da es am Arbeitsplatz passiert ist, ging die Berufsgenossenschaft alles mit mir durch, aber ich konnte mich nicht erinnern.

Das war ein harter und großer Zwischenfall, der mir sehr zu denken gab und die Angst und der Schmerz waren nun noch größer.

Ich musste anfangen, etwas für mich zu tun.

Viel später habe ich erfahren, das ich überfallen worden war. Man hat mich einfach zusammengeschlagen. Es waren die Täter, die verhindern wollten, dass wir frei leben können und dass nichts von den Geschehnissen im Kult nach außen dringt.

Fortsetzung der Bewältigungsgeschichte:

Vorsichtig legen die Frauen das Mädchen Tashina auf eine der weichen Felle. Als Schewaka die Decke entfernt, versucht sie ihre Sorge dem Mädchen gegenüber nicht zu zeigen, denn Schewaka erkennt, das ihre Kleine Tochter schwer verletzt ist. Schewaka weiß auch, dass die Wunden tief in diesem Kind sind, und sie müssen sie sehr sorgsam behandeln. Während sich die Frauen um das Mädchen kümmern, gehen Kiro und Torok zum Kleinen See, um ihr Wolfsrudel heran zu heulen, da sie der Meinung sind, dass die ganze Wolfsfamilie in der Nähe ihrer Freundin sein sollte. Sie heulen aus Leibeskräften. Alle im Dorf hören es, und verstehen die Wölfe. Auch Tashina kann sie hören und sagt ganz leise: „Kiro und Torok, wo sind sie?“ „Sie rufen ihre Familie, sie werden dich alle bald besuchen“, antwortet Schewaka, während sie die Wunden verbindet. „Danke“, flüstert das Mädchen. Tashina geht es furchtbar schlecht, sie ist sehr erschöpft und ihr ist zum Weinen zu mute. Das wissen die Frauen natürlich. Sie versuchen ihr eine angenehme Ruhe zu vermitteln und was ganz wichtig ist, das Gefühl sicher zu sein.

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Moloi und sein Vater Heroko führen zur gleichen Zeit, ein ernstes Gespräch. Sein Vater hat ihm erzählt, was passiert ist. Molois Augen sind traurig und voller Tränen. Er sagt zu seinem Vater: „Siehst du, dass so etwas schlimmes passiert, das wollten wir doch verhindern. Warum hat uns denn Haketo nicht geholfen?“ Heroko versteht die Gefühle seines Sohnes, trotzdem weiß er, dass sein Sohn sich auf dem falschen Weg befindet. Er muss seinem Sohn klar machen, dass die Schuld bei anderen zu suchen ist. So sagt er zu Moloi ganz ruhig: „Lieber Sohn Moloi. Ich kann dein trauriges Herz sehen. Ich verstehe auch, dass du der Meinung bist, Haketo hätte etwas Größeres für Tashina träumen sollen. Doch er ist nicht schuld, lieber Moloi. Haketo hätte nichts anderes tun können. Er hat uns Bescheid gegeben, dass etwas schlimmes geschehen ist und uns zu dem Platz geträumt, wo wir Tashina vorgefunden haben. Mehr konnte Haketo im Augenblick nicht für deine Schwester tun. Verstehst du das, lieber Sohn?“ Moloi versteht seinen Vater und weiß, wie wichtig solche Gespräche sind. Er nickt seinem Vater zu, der dann weiterspricht. „Moloi, die wahren Schuldigen, finden wir in diesem Dorf, wo Tashina wohnt. Jetzt können wir Haketo befragen, ob er weise Träume hat, um die Schuldigen zu bestrafen. Wenn du möchtest, kannst du mich begleiten, um Haketo aufzusuchen.“ Molois Augen werden wieder klarer, denn jetzt erkennt er, dass noch nichts verloren ist. „Danke lieber Vater“, antwortet er, „ich werde dich sehr gerne begleiten.“ „Gut dann werden wir morgen früh aufbrechen“, sagt Heroko ruhig. „Warum nicht sofort, es ist doch noch so viel Zeit, bis der Tag zu Ende geht?“, fragt Moloi sehr aufgeregt. „Lieber Sohn, übe Geduld, dann wird alles besser und du kannst mehr erreichen“, bittet ihn Heroko. Moloi weiß, dass sein Vater recht hat und stimmt dem zu. Heroko spricht weiter: „Dann hast du auch noch Zeit, bei Kleine Tochter reinzuschauen und ihr etwas Sicherheit zu geben. Sie wird sicher froh sein, ihren Bruder zu sehen. Danach werden wir mit den Kindern, Lieder singen, für Kleine Tochter.“

Beide gehen aus dem Zelt und sehen Kiro und Torok, den Pfad entlang ins Dorf kommen. Die Wolfsfamilie ist eingetroffen, sie werden von nun an, Tashinas Träume bewachen, bis es ihr wieder besser geht.

Kiro und Torok wollen nun das Mädchen besuchen. Sie wollen einfach neben ihr liegen und ihr inneren Schutz geben. Heroko sagt zu Moloi und den Wölfen: „Schaut ihr zu Kleine Tochter, ich werde schon einige Vorbereitungen für morgen treffen. Danach komme ich auch.“ So macht sich Heroko erstmal an die Arbeit.

Moloi und die beiden Wölfe fragen eine der Frauen, die vor dem Zelt wachen, ob sie ins Zelt dürfen. Die Frau schaut freundlich und öffnet die Zeltplane. Moloi kommt es sonderbar im Zelt vor. Das Licht ist fast gelb. Ein kleines Feuer brennt in der Ecke des Zeltes und wirft flackernde Schatten. Es duftet nach Lavendel und Kiefer, Düfte, die die Seele des Kindes beruhigen sollen. Schewaka sitzt am Feuer und bereitet ein heilendes Getränk. Sie lächelt den dreien zu. Molois Angst ist nun nicht mehr ganz so groß. Er sieht, dass für seine Schwester alles getan wird. Tashina liegt auf einem weißen Fell und ist mit einer ockerfarbene Decke zugedeckt. Ihre Augen sind geschlossen, doch der Schlaf ist unruhig, sie hat sicher schlechte Träume. Moloi schaut zu Schewaka und fragt: „Was ist mit ihr? Sie ist so unruhig.“ „Moloi, mein lieber Sohn, unserer Kleinen Tochter ist furchtbares geschehen. Sie hat einen verletzten Körper, das Fieber quält sie und eine zutiefst verletzte Seele macht ihr böse Träume. Es benötigt viel Geduld und Liebe, bis es Tashina wieder besser geht. Sie benötigt sehr viel Ruhe, um wieder Kraft zu bekommen. Und sie benötigt Freunde, denen sie jetzt vertrauen kann. Sie darf nicht alleine sein, das könnte böse Folgen haben. Sie würde dann glauben, dass auch wir sie verlassen haben. Denn weißt du Moloi, sie schwebt zwischen uns und dem bösen Geschehen. Sie sollte daher immer jemandem sehen, der ihr vertraut ist.“ Molois Augen füllen sich wieder mit Tränen, sein Herz ist so voller Trauer. Dabei möchte er viel lieber wütend sein, auf diese Menschen, in der anderen Welt. Moloi setzt sich neben Tashina und nimmt ihre Hand. Auch Kiro und Torok legen sich ganz nah an der Seite des Mädchens. Plötzlich beginnt sie zu weinen. Molois Augen füllen sich gleich wieder mit Tränen und er denkt, wie schlimm müssen die Bilder sein, die sie jetzt sieht. Kiro und Torok legen ihre Köpfe auf Tashinas Körper. Ihre Ohren bewegen sich aufmerksam. Sie möchten ihr so gerne zur Seite stehen, in diesem schlimmen Traum. Moloi sagt leise: „Liebe Mutter, können wir sie da nicht rausholen? Sie soll die Bilder nicht sehen.“ Schewaka hängt noch etwas Lavendel auf und sagt: „Lieber Moloi, das wird dir sicher herzlos vorkommen, doch wir müssen sie träumen lassen. Ihre Seele muss durch die Träume das Geschehene verarbeiten. Immer dann, wenn sie bei uns ist, müssen wir helfen. Irgendwann werden die Träume kürzer und Tashina wird wieder ganz bei uns sein.“ Moloi schaut zu seiner Schwester, die er so sehr liebt. Er sagt zu seiner Mutter: „Vater und ich, werden morgen zu Haketo reisen und um weise Träume bitten.“ Schewaka lächelt Moloi an und antwortet: „Es ist richtig, dass ihr Haketo besuchen wollt.“ Moloi würde gerne die beiden Wölfe fragen, ob sie ihn und Heroko begleiten. Doch er sieht, dass sie dem Mädchen nicht von der Seite weichen wollen. Er lässt sie dann auch Frieden. Dann schaut er zu Tashina und hält ihre Hand ganz fest. Er möchte ihr damit eine gute Erinnerung schicken. Von wunderschönen Bäumen, die bis in den Himmel ragen, oder von leichten Wegen, die zu Plätzen führen, an denen man lieblich träumen kann. Von hohen schneebedeckten Bergen. Von klaren Seen und Flüssen. Von saftigen Wiesen. Von vielen guten Freunden. Er möchte ihr die Erinnerungen geben, wie schön es war, mit ihr auszureiten und die Adler gesehen zu haben. Den Sonnenuntergang bewundert und die Güte der Bäume gefühlt zu haben. Plötzlich öffnet sie ihre Augen. „Ich fürchte mich so, ich habe große Schmerzen und mir ist übel.“ Schewaka gibt Tashina etwas zu trinken. Dann nimmt Schewaka sie in den Arm und singt ein wunderschönes Lied. Von Sternenblumen und bunten Schmetterlingen. Dadurch wird das Mädchen etwas ruhiger. Sie kann in diesem Moment die Liebe spüren, die sie braucht. Dann legt Schewaka Kleine Tochter wieder auf dem Fell und legt ihr einen warmen Umschlag auf den quälenden Bauch. Auch Kiro und Torok sind wieder an ihrer Seite. Moloi bemerkt, dass sie nun wieder in dieser schrecklichen Welt ist. Schewaka umarmt ihren Sohn, denn sie weiß, dass er das gerade benötigt. Moloi fühlt sich wohl, in den Armen seiner Mutter. Kein Kind muss hier seine Tränen verstecken, auch Moloi nicht. Mit traurigem Gesicht schaut Moloi nochmal in Tashinas Gesicht. Er sieht ihr liebliches Gesicht, nur ihre tollen grünen Augen kann er jetzt nicht sehen. Er denkt darüber nach, welche Gründe Menschen haben könnten, die es rechtfertigen ein Kind so zu verletzen. Wie kann es Menschen geben, die unschuldige Kinder misshandeln und sogar töten wollen. Ein Kind sollte aus der Sicht eines Erwachsenen, ein Wunder sein, das beschützt und geliebt werden sollte. Moloi ist froh mit seinem Vater zu Haketo reiten zu können. Er benötigt dringend Antworten. Noch einmal nimmt er die Hand seiner Schwester und hält sie an seine mit Tränen benetzte Wange und sagt ganz leise: „Wir Kinder und Heroko werden ein starkes Lied für dich singen. Morgen in aller Früh werden Heroko und ich zu Haketo reiten. Wir werden dir helfen kleine Schwester.“ Schewaka streicht ihrem Sohn über den Kopf und sagt: „Ich habe einen guten starken Sohn, das macht mein Herz stolz.“ Molois Augen zeigen einen kurzen Moment Fröhlichkeit, so wie seine Mutter es von ihm gewohnt ist, denn seine Mutter hat sein Herz glücklich gemacht. Für jedes Kind ist es ein großes Bedürfnis, geliebt zu werden und die Gewissheit, dass es sich auf seine Eltern immer verlassen kann. Dann steht er auf und sagt: „Ich gehe jetzt zu Vater.“ So wie er es ausspricht, kommt Heroko ins Zelt, um Kleine Tochter zu besuchen. Heroko schaut Schewaka genau an. Er möchte nicht, dass ihm etwas entgeht, was das Befinden des Kindes betrifft, denn das kann er alles in ihren reinen Augen lesen, die er so sehr liebt. In kürzester Zeit hat er verstanden. Dann kniet er sich neben Kleine Tochter und streicht sie über ihre blonden Haare. Leise sagt er: „Kleine Tochter, wir lieben dich.“ Heroko wünscht sich, sie würde ihn anschauen und Fragen stellen über die Flüsse, die Steine, Wälder oder Meere. So gerne würde er antworten und mit ihr reden. Auch Heroko hat Tränen in den Augen. Schewaka sagt: „Sie wird es schaffen, ihr Herz ist stark.“ Heroko kennt die Weisheit seiner Frau und stellt dazu keine Fragen, es ist alles gesagt. Dann schaut er Moloi an und sagt: „Die Kinder warten, sie wollen Kleine Tochter ein gutes Lied schenken.“ Schweigend und leise verlassen sie das Zelt. Die beiden Wölfe Kiro und Torok bleiben bei Tashina sitzen und versuchen durch ihre Lebendigkeit und das enge Bündnis zu ihr, in ihr Herz zu gelangen.

Moloi und Heroko gehen zu dieser Zeit ins lange Haus, wo schon alle versammelt sind.

Fortsetzung folgt …

Nach diesem Vorfall und den schlimmen Verletzungen, habe ich mir einreden lassen, das ich professionelle Hilfe benötige.

Vielleicht hatten die Menschen auch recht, also suchte ich mir einen Therapeuten.

Trotzdem und auch ohne Therapeuten, versuchte ich das neue Leben zu meistern.

Wichtig war: Gib niemals auf. Nutze jede Kraft, die du fühlst, um weiterzukommen. Lerne von der Natur. Beobachte alles auf deinem Weg. Steh wieder auf, wenn du hingefallen bist. Liebe.

Wir haben überlebt, deshalb haben wir eine Stärke aus Krisen zu kommen. An diese Stärke zu glauben und sich immer wieder darauf zu verlassen ist ein Prozess, der gelernt werden muss

… Luca-Marie in Tashina

Doch diesen Therapeuten zu finden, war alles andere als einfach. Denn nur mal so anrufen, bei irgendjemanden der Therapeut ist, war unmöglich. Die Angst davor war grauenvoll.

Ich zitterte schrecklich, wenn ich das Telefon in der Hand hatte. Also versuchte ich in der Natur etwas zu finden, wodurch sich die Angst etwas abbauen ließ. Ich redete mit meinem Bäumen. Sie haben mir schon immer Schutz und Kraft und Antworten gegeben. Also ging ich zu meiner alten Eiche. Stark und ruhig stand sie da. Mutter Eiche kann nichts aus der Ruhe bringen. Sie ist wie sie ist – meine Beschützerin und die Weisheit des Waldes. Ich kenne sie und ich weiß, dass sie mich fühlt. Denn alles hat ein Bewusstsein, nicht nur wir Menschen. Der Baum, zu dem du gehst, wird fühlen, so wie es dir gerade geht. Auch alles andere hat ein Bewusstsein, Steine, Tiere, die Erde, Flüsse, Seen, Himmel, all das, was auf unserer Mutter Erde existiert.

Ich fühlte in den Baum hinein. Ich begrüßte die Eiche, in dem ich mich vor ihr kurz verneigte und sagte: „Ich grüße dich, Mutter Eiche. Ich bin froh, wieder mal in deiner Nähe zu sein und um deine Güte und Stärke zu fühlen.“ Dann berührte ich mit meinen Händen, die Rinde. Es tat sehr gut, denn es gab meinen Händen, Kraft und Sicherheit. Die Unebenheit der Rinde, beruhigte meine Seele, weil es in den Händen etwas kitzelte und das Herz dadurch fröhlicher wurde. Genauso bekomme ich dann immer Mut, all meine Fragen zu stellen. An diesem Tag wollte ich wissen, ob ich einen Therapeuten aufsuchen solle, wie es mir gelingt ihn anzurufen und wenn möglich ein Termin zu machen. Zuerst schweigen die Bäume. Bei Bäumen muss man lernen, Geduld zu haben. Bäume kennen die Wahrheit, aber sie plaudern diese Wahrheit nicht einfach mal so raus. Also setzte ich mich unter diese Eiche, lehnte mich an und schloss meine Augen. So fühlte ich den Baum noch intensiver. Es ist wunderbar, auf Mutter Erde zu sitzen und sich an Mutter Eiche anzulehnen. Zwei starke Mütter, die mich getragen haben. So verging etwas Zeit, die ich jedoch nicht als schmerzhaft empfunden habe, eher als Geborgenheit und Ruhe. Irgendwann stellte ich die Frage nochmals, so in Gedanken zu der Eiche. Die Bäume reden ja nicht, wie wir Menschen, sondern die Antwort bekommen wir direkt ins Bewusstsein, plötzlich ist sie da und man weiß, das ist jetzt mein nächster Schritt.

Die Eiche gab mir zu verstehen, dass ich mir Hilfe suchen darf. Niemand kann mir das verbieten. Auch ich selbst sollte mir eingestehen, dass Hilfe von außen oft sehr wichtig ist. Wenn ich mir klar gemacht habe, dass ich das Recht dazu habe, werde ich auch den nötigen Mut haben, bei einem Therapeuten anzurufen. Das empfand ich als eine gute Lösung. Denn alles in mir rebellierte, wenn ich auch nur daran gedacht habe, Hilfe zu suchen. Die Natur ist authentisch und das zu jeder Zeit. Also konnte ich mich immer darauf verlassen, dass die Antworten in die richtige Richtung gingen. Ich wusste natürlich auch, dass niemand mir den Anruf zum Therapeuten abnehmen konnte. Ja, auch nicht mein Baum. Diesen Weg musste ich selbst gehen. Mutter Eiche gab mir noch etwas Ruhe und Mut mit auf den Weg und so bin ich wieder nach Hause gegangen und habe sofort bei einem Therapeuten angerufen. Ich wollte nicht zu lange warten, weil ich befürchtete, mein Mut würde sich sonst wieder auflösen.

Trotzdem spürte ich große Angst, Unsicherheit und Schmerz in Körper und Geist. Aber ich habe es geschafft! Zum ersten Mal hatte ich ein Termin bei einem Therapeuten. Nun musste ich nur noch hin gehen. Denn einfach wegbleiben, das ist nicht mein Ding. Also stand ich irgendwann vor seiner Tür.

Von Tashina

Wir haben auch boykottiert. In uns war die Neigung, dass niemand helfen darf und konnte. Deshalb machten wir Tashina den Weg schwer. Wir schickten Unsicherheit nach oben und Erinnerungsschmerz. Niemand von uns wusste das. Tashina dachte, sie wäre allein. Doch in ihrem Körper waren (sind) noch viel mehr. So war für Tashina der Weg zur Hilfe ein Spießrutenlauf, der vor allem von uns kam. Plus ihre eigene Angst und Erinnerungen, war es für Tashina oft ein Kraftakt. Doch zu dieser Zeit konnten wir nicht anders handeln, es war uns so einprogrammiert worden.

… Knut in Tashina

Meine Hände zitterten und das Atmen viel mir schwer. Doch ich blieb standhaft vor der Tür sitzen und wartete, bis ich reingerufen wurde. Plötzlich bewegte sich etwas in dem Raum und die Tür öffnete sich. Ein Mann mittleren Alters stand vor mir. Er war schmal und sportlich. Er begrüßte mich und ich durfte hinein.

Die erste Stunde ging einigermaßen gut. Ich dachte, das könnte klappen und ich würde mit ihm zusammenarbeiten und meine Trauma Geschichte abarbeiten. Das war mein Wunsch und mein Ziel.

Dann kam die nächste Stunde. An diesem Tag hatte ich große Probleme und Unruhe in mir. Flashbacks durchzogen ständig mein Körper und Geist. Trotzdem habe ich mich auf den Weg gemacht. Es sollte mir endlich besser gehen.

In der Stunde hatten wir schon einiges besprochen, da sagte er ein Wort und das schickte mich in die Dunkelheit.

An diesem Tag hatte ich das erste Mal psychogene Krampfanfälle. Was für ein Drama und große Angst überkam mein Herz.

Ich bin nie wieder zu diesem Therapeut gegangen. Seit dieser Zeit plagten mich immer wieder bis sehr häufig, diese Anfälle. Die Neurologen sagten, ich hätte Epilepsie und musste eine Menge Medikamente einnehmen. Dadurch war alles noch viel schlimmer geworden und ich war sehr verzweifelt. Meine Kinder hatten Angst um mich, und sie hatten auch Angst darüber zu reden.

Einmal sagte mir mein Sohn, wenn er erst Erwachsen ist, wird er auch mal viele Namen haben, das wäre gut. Ich verstand nicht, was er meinte, und fragte mich, wieso er auf die Idee kam, dass ich mehrere Namen hätte. Das verwirrte mich ständig und dann waren da dauernd die Ausfälle. Ich konnte einfach manche Zeiten nicht nachvollziehen. Es war alles sehr schwer und verworren. Mein Körper war ständig in Angst und Unruhe.

Aus dem Buch „Die Seele schützen“ von Sandra Ingerman

Eine Übung zur Beruhigung:

Die folgende Atemübung kann Ihnen helfen, wieder zur Ruhe zu kommen, wenn Sie das Gefühl haben aus einem bestimmten gedanklichen oder emotionalen Reaktionsmuster nicht mehr herauszukommen. Wenn Sie runterkommen wollen, wie der Volksmund dies so gut beschreibt, müssen Sie darauf achten, dass Sie länger aus- als einatmen.

Atmen Sie zuerst so lange wie möglich aus. Der Trick ist, dass wir erstmal gründlich ausatmen müssen, wenn wir gute Luft einatmen wollen. Lassen Sie also Ihre Atemluft ruhig ausströmen. Nun atmen Sie ein und halten inne. Diese Übung lässt sich vielfach abwandeln. Sie können einatmen und dabei bis vier zählen, Atem anhalten, ausatmen und dabei bis acht zählen. Vergessen Sie nicht die Atempause zwischen Ein- und Ausatmung.

Statt zu zählen, können Sie beim Ausatmen auch das Wort „Ruhe“ bzw. „Frieden“ wiederholen oder einen Satz „Ich bin ruhig.“

Durch Übung können Sie das richtige Maß finden und die richtigen Worte für Ihre eigene Seele.

Nun versuchte ich weiterhin meinen Weg zu gehen.

Die Scheidung kostete sehr viel Kraft. Wirkliche Hilfe hatte ich nicht. Der erste Anwalt, den ich mir genommen hatte, war nicht fair mir gegenüber. Manchmal denke ich darüber nach und glaube, dass auch er zu den Tätern gehörte, weil er nichts für mich tat, außer immer wieder Rechnungen zu schreiben. Das macht mürbe und mutlos. Traurigkeit legte sich oft über mich, wie eine Dunstwolke. Das machte schwere Gedanken und der Körper schien doppelt so schwer. Die Seele schrie leise vor sich hin und niemand hörte es.

Wie soll das weiter gehen? Ich war in einer verzwickten Lage. Meine Angst, die Kinder zu verlieren, durch meine Symptome und die Krankheit, war riesengroß. Ich wusste einfach nicht mehr, wie es weiter gehen sollte.

Wir hatten in unserem System den Auftrag alles abzuschmettern, was nach Hilfe von außen aussah. Auch unsere Angst unterzugehen war riesengroß. Wir könnten verschluckt werden, von dem Bösen selbst. Und die Hilfe tötet uns

… Titus in Tashina

Ich arbeitete auch noch weiterhin. Erst einmal war für uns die finanzielle Situation besser und zum anderen lenkte es mich von den absolut schlimmen Problemen ab. Das Arbeiten mit den Tieren machte mir sehr viel Freude. Auch wenn ich fast jedes Wochenende und feiertags arbeiten musste, war das für mich eine große Bereicherung.

Der nächste Schritt in die Freiheit. Ich habe gelernt, diese Freiheit zu nutzen, um mit anderen Menschen zu kommunizieren und mit ihnen umzugehen und auch mal zu vertrauen. Ich habe gelernt, mit dem eigenen verdienten Geld, das zu kaufen, was wir selbst wollten. Es gab keine Verbote oder ähnliches. Das musste ich mir aber sehr oft wieder klar machen. Ich darf …

Damit die quälende Scheidung zum Ende kommen konnte, suchte eine Freundin dann mit mir einen neuen Anwalt. Doch die Anwälte meines Mannes waren sehr gut. Da gab es kein baldiges Ende. Bald war ich nervlich fix und fertig.

Sehnsucht nach Gleichheit und Freiheit

Behandelt alle Menschen gleich.

Gebt allen Menschen dasselbe Gesetz.

Gebt allen Menschen die gleichen Chancen zu leben und zu arbeiten.

Die Erde ist die Mutter aller Menschen, und alle Menschen auf ihr müssen

die gleichen Rechte haben.

Lasst mich ein freier Mensch sein –

Frei zu reisen und zu bleiben, wo ich will,

frei zu arbeiten,

frei, meine eigenen Lehrer zu wählen,

frei, nach der Religion meiner Väter zu leben,

frei, für mich selbst zu denken und zu handeln –

Und ich würde jedem Gesetz gehorchen und

mich jeder Strafe unterziehen.

Chief Joseph, Häuptling der Nez Percés

Foto von Frieda

Zudem litt ich immer noch unter diesen Anfällen. Es ist so grausam, man möchte vergessen, doch der Körper und Geist zeigen jeden Tag, was in der Vergangenheit geschehen ist. Es ist, als ob immer wieder jemand das Licht eingeschaltet hat, nachdem ich es ausgeschaltet habe oder umgekehrt. Ich spürte, dass es mir schlecht ging. Der Körper verhielt sich, wie ein wildes Tier im Käfig und das schmerzte enorm. Durch die Anfälle und die dadurch entstehenden Ausfälle an Zeit, kam nicht nur Angst hoch, sondern ich dachte tatsächlich, dass ich verrückt bin.

Zur selben Zeit musste ich oft einen Neurologen besuchen, wegen der Anfälle. Kein Medikament konnte mir wirklich helfen. Auch die vielen Wochen in der Neurologie, haben nichts gebracht. Ich hatte große Angst, immer vom Gehirn weggekickt zu werden. Das heißt, es ist ständig unvorhersehbar, irgendwo passiert. Ich konnte mich weder vorbereiten noch rechtzeitig in Sicherheit bringen. Damit meine ich, dass ich mich nicht kurz vorher hinsetzen oder hinlegen konnte, das war in meinem Fall nicht möglich. So entschieden die Ärzte, dass ich eine Reha besuchen sollte. Ich stimmte zu, denn ich wusste, das sich etwas ändern musste, hatte ich doch in dieser Zeit, überhaupt keinen Plan mehr.

Also tat ich erstmal das, was die Ärzte sagten.

Die Reha war nicht weit von meinem zu Hause entfernt, deshalb war ich nicht beunruhigt, was meine Kinder anging. Meine Tochter war mittlerweile alt genug, um mit meinem Sohn, einige Wochen alleine zu bleiben.

In der Reha gab es einen Psychologen, mit dem ich sehr oft und viel geredet habe. Es dauerte auch nicht lange bis er begriff, dass in mir viele Traumata versteckt sind und rebellierten.

So überredete er mich dazu in eine Trauma Klinik zu gehen. Dann ging alles so schnell, dass ich auch gar nicht mehr darüber nachdenken konnte. Der Psychologe hat mir eine Klinik empfohlen und für mich alles andere erledigt. So durfte ich noch für drei Wochen nach Hause und dann konnte ich in diese Klinik fahren. Der Psychologe in dieser Rehaklinik, war ein wunderbarer Mensch. Ich vertraute ihm. Nach der Entlassung aus der Rehaklinik besuchte ich ihn nochmal und er sagte, dass ich immer wieder kommen dürfe. Dann musste ich (wir) mal in die Psychiatrie und dort besuchte er uns. Das machte uns sicher, um trotz all der Schwierigkeiten, den richtigen Weg zu finden und zu gehen. Irgendwann erfuhren wir, dass der Psychologe verstorben wäre. Er hatte einen Gehirntumor. Das war ein großer Schmerz und Schock für uns. Doch mit niemandem, mit absolut niemandem, konnten wir über diesen Schmerz reden.

Ich hatte Angst davor …

Als der Leitende Psychologe aus der Trauma Klinik bei mir anrief, hatte ich ein beklemmendes Gefühl. Er stellte so viele Fragen, wodurch ich plötzlich Angst bekam, ich antwortete irgendetwas falsches, wodurch er mich nicht in seiner Klinik haben wollte.

Doch alles klappte und er sagte, dann sehen wir uns bald. Als ich auflegte, wusste ich nicht, ob ich mich freuen sollte, oder mich vor Angst verstecken.

Wir hatten mitbekommen, das Tashina in diese Klinik gehen wollte.

Ich und die Intros von unterem System, wollten das verhindern. Denn uns wurde einprogrammiert, und das mit großem Leid, dass Hilfe von außen Verrat ist, dass kein internes Wissen vom Kult zu irgendwelchen Menschen weitergetragen werden darf. So haben wir versucht, Tashina so zu manipulieren, dass auch wirklich nichts nach oben kommt. Das heißt durch Selbsthass, kein Vertrauen in die eigenen Gedanken, kein Glauben an die eigene Geschichte, Unsicherheit anderen Menschen gegenüber. All dies und mehr, schickten wir zu Tashina hoch. Damals war das für uns die einzig wahre Aufgabe, dafür wurden wir geschaffen. Und so taten wir alles, was nötig war. Heute wissen wir es anders … zur Kenntnis nehmen, dass wir durch eine Lüge erschaffen wurden, mussten wir erst einmal lernen und begreifen. Zu dieser Zeit, als wir alle in diese Klinik gehen sollten, war das für uns eine große Bedrohung

… Primär-Mutter in Tashina

Erst als ich einen Platz für meinen Sohn hatte, konnte ich beruhigt in diese Klinik gehen. Ich habe mich auf das Jugendamt verlassen und das Amt hatte uns einen guten Platz zugewiesen, indem mein Sohn untergebracht werden konnte, bis ich wieder zurück bin. Meine Tochter konnte sich allein versorgen. Ich wollte ihr nicht zumuten, dass sie ihren Bruder versorgen und ständig auf ihn aufpassen sollte.

Dann kam der Tag, an dem ich in der Klinik ankam. Ich zitterte schrecklich. In der Anmeldung konnte ich kaum unterschreiben oder irgendwelche Fragebögen ausfüllen. Meine Gedanken kreisten und mir wurde schwindelig. Alles drehte sich.

Ich strengte mich an, damit niemand es sah und hoffte darauf, dass ich bald auf mein Zimmer gehen konnte.

Die Schwindelanfälle oder der Drehschwindel ist von uns. Wir haben die Folter „Folterrad“ überlebt und überstanden. Auf dem Folterrad wurde man gebunden und es wurde gedreht und gedreht, immer und immer wieder schneller. Wir, die das überstanden haben, können das Symptom Schwindel nach oben schicken. Uns nennt man auch die Dreher. So ist derjenige der gerade vorne ist, außer Gefecht gesetzt. Und wir konnten sicher sein, dass jener nichts mehr machen wollte, außer allein zu sein. Heute weiß ich auch, dass wir ständig durch Gewalt gespalten wurden, dass dieses Programm, „Drehen“ uns anheizen sollte, schlimme Symptome nach vorn zu schicken oder auch andere Innenpersonen (Im Körper) den Drehschwindel bekamen. Zum Glück brauchen wir es nicht mehr. Doch es war ein sehr langer Weg. Manchmal rutscht uns ein Drehschwindel nach oben, das tut uns dann sehr leid

... Julius in Tashina

Nun stand ich im Zimmer. Mir war zum Weinen, zum Schreien und zum Verstecken. Mein ganzer Körper schien durcheinandergeraten. Alles drehte sich. Ich glaubte nicht mehr daran, dass ich hier Hilfe bekommen würde oder bräuchte. Ich wollte auf der Stelle wieder nach Hause fahren. Zum Glück waren die Ängste, den Ärzten zu sagen, dass ich wieder nach Hause will, schlimmer. Also blieb ich. Und das war der nächste Schritt in die Freiheit.

Langsam packte ich meine persönlichen Sachen in den Schrank und versuchte, durch jedes Kleidungsstück, das ich in den Schrank einsortierte, etwas mehr anzukommen.

Ich fühlte mich etwas verloren, da ich mir nicht vorstellen konnte, was ich tun muss und was ich an Hilfe bekommen würde. Ich hatte plötzlich Angst, überhaupt etwas zu tun. Aber der normale Klinikablauf hinderte mich daran, mich zu verstecken. Ich hatte plötzlich Termine, die ich auch einhalten wollte. So lernte ich zunächst die Schwestern kennen, die mich auf der Station aufnahmen. Dann bekam ich einen Zettel, auf dem der Termin für die Psychotherapeutin stand. Ich sollte Essen gehen, doch danach war mir nicht zu mute.

Dann saß ich vor dem Büro der Therapeutin. Mal meinte ich, mein Blut lief mir aus dem Gehirn, so dass mir schwarz vor Augen wurde und mal hatte ich das Gefühl, das Blut stieg mir ins Gehirn, dass es in meinen Ohren sauste.

Dann ging die Tür auf und eine zierliche junge Frau stand vor mir und bat mich in ihr Zimmer. Diese junge Therapeutin hatte in der Klinik erst angefangen zu arbeiten. Doch das habe ich erst später erfahren. Ich war insgesamt sieben Mal in der Trauma Klinik und habe so ihre ganze Entwicklung mitbekommen, also Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeut – Traumatherapie, Konfrontationstherapie, Kinderpsychologie. Und auch die Therapeutin hat unsere Therapieentwicklung miterleben und durch ihre Hilfe unterstützen können.

Nun, an diesem ersten Tag saß ich vor ihr.

Ich saß kurz am Rande meines Lebens!

Habe den Leuten zugesehen, die es ausgefüllt hatten ...

Es gab gute und böse Menschen.

Von hier aus konnte ich sie anschauen und denken, dass einige mir Freude bereitet haben und andere hingegen mich missbraucht haben.

Musste man von den Letzteren den Weg bereuen?

Wissend, dass ich mit ihnen eine Ausbildung gemacht hatte ...

Misstrauen, Lügen, und Verrat ...

Und dass sie eine Lektion waren, die mich aus meinen Träumen erwachen ließ.

Ich saß ruhig und sah das Ganze so an,

mir wurde klar, dass nur noch die Guten übrigbleiben sollten.

Schaue ehrlich in meine Richtung,

Ich konnte die Gesichter meiner Missbraucher nicht mehr sehen.

Ich stand auf und streckte meine Arme aus ...

Ich habe die Schurken mit einem Wimpernschlag entmenschlicht!

Der Blick auf den Rest des Weges,

Ich habe mich für den Rest der Straße an der Hand genommen,

Und ich sagte: „Komm, wir fahren zusammen gegen morgen.“ Marie Busch

Foto von Kira

Ich versuchte zu lächeln, vielleicht gelang es mir sogar.

Die Therapeutin sagte: „Schön, dass Sie gekommen sind.“

Ich überlegte kurz. Wieso sagt sie … Schön, dass sie gekommen sind?

Ich hatte doch keine andere Wahl. Das war doch mein Termin. So lernte ich die erste Lektion. Ich habe immer eine Wahl. Egal was ich tun möchte. In diesem Fall, hätte ich mir einen anderen Termin von den Schwestern geben lassen können, zu einer Zeit, zu der es mir einigermaßen gutgeht, um mit der Begrüßung und dem Gespräch mit der Therapeutin besser umzugehen. Oder ich hätte an diesem Anreisetag überhaupt kein Gespräch mit der Therapeutin machen müssen, erst am nächsten Tag. Darum, egal was irgendwann jemand von mir möchte oder Termine für mich hat, habe ich die Wahl es zu ändern oder abzulehnen oder anzunehmen.

Wir im System hatten immer Angst. Auch nach der Flucht noch. Manchmal wusste ich überhaupt nicht, was passiert. Ich hatte die Aufgabe übernommen in unserem System von einem zum anderen zu reisen, um etwas Ordnung zu erreichen. Tashina wusste noch nicht, dass wir existierten. Es war alles durcheinander und sehr schwer und schmerzhaft. Wir hatten so viele Fragezeichen

… Anna in Tashina

Mit zitternden Händen saß ich in dem Sessel und krampfte meine Hände um die Sessellehnen. Ich traute mich nicht einmal mich in ihrem Zimmer umzuschauen. Ich hatte Angst. Sie merkt es und tadelte mich deshalb. Mir war furchtbar elend und Übelkeit kam in mir hoch.

Dann stellte sie Fragen. Manchmal hörte ich die Fragen sehr genau und manchmal konnte ich nichts verstehen.

So beantwortete ich die, die bei mir hängen blieben und sprach über die Erinnerungen, die in diesem Augenblick frei wurden.

Dann irgendwann hörte ich die Therapeutin sagen: „Die Zeit ist leider für heute vorbei. Sie haben es sehr gut gemacht, dass Sie es geschafft haben, darüber zu reden. Wie geht es Ihnen jetzt? Was können Sie für sich Gutes tun?“

Ich schaute sie an und verstand nichts. Gut gemacht. Was Gutes für mich tun. Das überforderte mich. So ging ich schließlich mit furchtbaren Kopfschmerzen in mein Zimmer.

Fortsetzung Bewältigungsgeschichte:

Ganz still ist es, niemand redet, jeder möchte wissen, wie es ihrer Freundin geht.

In den Augen der Kinder sind Tränen, sie haben in ihren kurzen Leben erfahren, wie es sich anfühlt, Sorge zu haben.

Heroko setzt sich in die Runde. Er möchte den Kindern die Angst nehmen und beginnt zu erzählen …

„Ganz oben auf einem der alten Bäume, die in der Nähe der Berge wachsen, hat ein Vogelpaar ihr Nest gebaut. Ein wunderschönes weiches Nest, mit einem überwältigenden Ausblick. Sie konnten den See überblicken, die Wiesen und Wälder. In ihren Nest waren Eines Tages fünf Kleine Vogelkinder, die die Eltern mit Liebe und viel Arbeit, aufzogen. Eines Tages waren beide Elternteile unterwegs zur Futtersuche. Als die Vogelmutter zurückkam, konnte sie gerade noch sehen, wie eins ihrer Kinder von einem frechen Wiesel aus dem Nest gestohlen wurde. Die Geschwister machten sich große Sorgen um ihre Schwester und weinten. Die Mutter sagte zu ihren Kindern: „Ich weiß, dass ihr traurig seid. Doch ihr könnt euch auf uns Erwachsenen verlassen. Wir bringen eure Schwester zurück.“

Die Mutter und auch der Vogelvater holten ihr Kind zurück, indem sie es dem Wiesel wieder abnehmen konnten. Etwas benommen, doch ohne schlimme Verletzungen kuschelte sich das Schwesterchen an ihre Geschwister. Die Kinder wussten, dass sie sich auf ihre Eltern verlassen können.“

Heroko schaut alle Kinder an und sagt: „Auch ihr könnt euch auf uns verlassen. Wir werden für Tashina da sein. Alles, was zu tun ist, werden wir unternehmen. Könnt ihr das in euren Herzen aufnehmen?“

Die Kinder nicken Heroko zu. „Gut dann lasst uns singen, so könnt ihr behilflich sein“, sagt Heroko und gibt noch einige Holzscheite ins Feuer. Dann holt er seine Trommel und beginnt mit dem Lied. Auch die Kinder beginnen mitzusingen. Im ganzen Dorf, kann man das Lied der Kinder hören. Auch die Wölfe am Rand des Dorfes hören das Lied und geben ein kurzes Geheul ab.

Die Trommel schlägt im Takt. Das Lied handelt von den Wünschen und den Träumen eines Kindes. Es träumt von sonnigen Wegen, warmen Regen und von bunt bemalten Zelten. Das Kind träumt von leuchtenden Flüssen und grasenden Tieren. Es träumt von Liebe und Magie, von Wundern und Freundschaft.

Das Feuer im Haus, nimmt das Lied auf und trägt es hoch in den Himmel und weithinaus in die Welt. Über das Dorf, den See, über die hohen Berge und die dichten Wälder. Über alle Tiere und Menschen, über Flüsse und Wasserfälle, bis hinaus aufs Meer und hinauf zu den Wolken, denn beide sollen das Lied bis in die Unendlichkeit tragen.

Es ist ein gutes Lied, das können alle Kinder fühlen, denn ihre Herzen werden dabei leichter.

Als Heroko das Lied beendet hat, schaut er alle Kinder nacheinander an und erkennt, dass in ihren Augen wieder etwas leuchtet, nämlich Hoffnung. Dann sagt er den Kindern noch: „Lasst euch heute, etwas Besonderes geben. Moloi kann eure Wünsche aufnehmen und den Frauen übermitteln.“ Dann verlässt Heroko das lange Haus und sagt zu Moloi: „Lieber Sohn, wenn die Sonne rot am See scheint, treffen wir uns dort, damit wir uns über die Fragen, die wir Haketo stellen wollen, einig sind.“ Moloi nickte seinem Vater zu und sagte: „Ich werde dort sein.“ Heroko geht über den Platz, auf dem die Kinder sonst spielen. Sein Herz ist schwer, denn die Traurigkeit, die er fühlt, scheint im ganzen Dorf zu verteilen. Dann kommt er an dem Zelt vorbei, indem Kleine Tochter, um ihre kleine Seele kämpft. Plötzlich empfindet er auch Wut, den Menschen gegenüber, die das Tashina angetan haben. Am liebsten würde er sofort dort hinreisen und alle bestrafen. Doch Heroko weiß, dass ein überschneller Impuls nichts bringt. Um sich etwas zu beruhigen, beschließt er mit seinem Pferd

„Sommerpfeil“ auszureiten und nachzudenken. Auf der Weide steht auch Tashinas Pferd „Morgentau“. Langsam streicht er über die Mähne des Pferdes und denkt an Kleine Tochter. Dann aber reitet er den breiten Pfad hinauf. Er möchte zu den großen Bäumen und von ihnen etwas Ruhe bekommen. Der Weg führt über die Wiese. Dann kommt er an dem großen See vorbei, der etwas kühle Luft spendet. Die Sonne schickt goldene Kreise auf dem See. Hinter dem See befinden sich die großen Berge, auf denen immer Schnee liegt. Dann reitet er eine kurze Anhöhe hinauf, auf denen sich vereinzelt Kiefern befinden. Durch den Wind, der hier stets herrscht, stehen sie immer schief. Doch es scheint ihnen nichts auszumachen, sie gedeihen prächtig. Der Geruch ist wohltuend. Das Pferd geht in leichtem Takt, die Hufe sind stark und sind an solche Ausritte gewöhnt. Dann kommen sie am Rande des Waldes an, wo Heroko einen besonderen Platz finden möchte an einem außergewöhnlichen Baum. Er ist riesengroß, es hat den Anschein er wachse bis in den Himmel. Jeder, der genau schaut, kann sehen, dass der Baum schon sehr viel erlebt haben muss (gehört, gesehen, gefühlt).

Ganz ruhig steht er da. Ja Heroko ist sicher, das ist der Baum, der ihm jetzt helfen kann. Er wusste, dass Kleine Tochter den Baum genau so lieben würde. Er steigt vom Pferd, um den Baum zu begrüßen. Seine Füße machen ein leises Geräusch. Kleine Heuschrecken, die sich im Gras verstecken, springen zur Seite. Dann steht er vor dem Baum und setzt sich mit dem Rücken an den Stamm. Das Gefühl, sich an den Baum anlehnen zu dürfen, tut seiner Seele gut. Alles ist ruhig, das nimmt er in sich auf und schließt seine Augen. Sein Herz wird frei, seine Gedanken offener, seine Seele wird ruhiger.

Er kann jetzt deutlich sehen, dass er in Ruhe und der richtigen Weisheit, Tashina helfen kann. Er wird nicht spontan die bösen Menschen dort bestrafen, sondern mit innerer Kraft, die ihm viele Zauber zeigen kann. Er weiß, dass er besonnen sein muss, ohne Hass. Mit etwas Wut zwar, denn ohne diese könnte er nicht strafen. Ja, er weiß auch schon, was er Haketo vorbringen wird.

Es war gut, hier her gekommen zu sein. Heroko spürt sein Gleichgewicht zurückkommen, das lässt ihn ruhiger und stärker werden.

Dann lässt er sich nochmal in seine Träume fallen. Er sieht, wie er mit Kleine Tochter das erste Mal ausgeritten ist. Wie ihre Augen leuchteten, wenn er Geschichten erzählte. Wie ihr Herz alle zum Reden brachte, die Steine, die Sonne, die Bäume und die Tiere. Er sieht auch, wie es war, als Tashina ihr Pferd geschenkt bekam, wie ihre Augen glücklich leuchteten. Ja, er weiß, dass er helfen muss und dass er einen richtigen Weg gefunden hat. Beruhigt im Herzen und voller Energie, reitet er zum Dorf zurück. Und die kleinen Blumen auf der Wiese scheinen ihn zuversichtlich anzuschauen.

Fortsetzung folgt …

Langsam wurde mir klar, dass ich meine Heilung nicht innerhalb weniger Wochen abschließen konnte. Ich habe mir immer gesagt, dass ich erst wieder nach Hause fahren werde, wenn ich „gesund“ bin.

Das Gesundsein oder werden ist ein langer Prozess, den man einfach nicht beschleunigen oder abkürzen kann. In mir kroch eine Resignation hoch, die mir Sorgen machte. Ich erfuhr von meiner Therapeutin, dass es erstmal um Stabilisierung geht. Ich musste tief durchatmen, um das zu akzeptieren. Am liebsten hätte ich schon die dritte Tür geöffnet, bevor ich die erste Tür aufmachte.

GEDULD war somit mein Begleiter geworden.

Dann ging es darum, sämtliche Diagnosen an mir zu akzeptieren. Ich hatte ja überhaupt keine Ahnung, was mit mir los war und wie das bezeichnet wurde. Alles war neu für mich. Während des Aufenthalts in der Klinik, hatte ich an der Gruppe „Trauma Info“ teilgenommen. Das war eine Bereicherung für mich. Denn so konnte ich erfahren, wie der Körper, der Geist und die Seele, bei einem Trauma reagieren. Mir wurde immer mehr bewusst, was die furchtbaren Täter mit mir und aus mir gemacht haben. Ich hatte oft den Drang, einfach mal zu verschwinden, ins Nichts. Denn die Diagnosen fraßen mich auf. Nie und nimmer, würde ich aus dieser Sache rauskommen. Mit der Therapeutin versuchte ich, aus dem Schlamassel der Diagnosen, etwas Positives zu ziehen. Es muss einen Weg geben.