Mit ganzer Härte - Martin Philipp - E-Book

Mit ganzer Härte E-Book

Philipp Martin

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Beschreibung

Dieser emotionale und brutale Tatsachenbericht schildert den Kampf eines Gewaltopfers ums Überleben und für die Verurteilung der Täter. Weiter zeigt dieses autobiographische Sachbuch die Grenzen der deutschen Strafverfolgung auf!

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EPUB
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Seitenzahl: 121

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Martin Philipp

MIT GANZER HÄRTE 

Der letzte Ringkampf für Gerechtigkeit

IMPRESSUM

2021

Umschlagfotos: Fabian Frühwirth

Lektorat, Korrektorat: Monika Thaller

Layout: Wolfgang Wiesen

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Dieses Buch möchte ich allen Menschen widmen,

die durch Gewalt körperliches und seelisches Leid erfahren haben.

Weiter möchte ich es denen widmen, die so viel Zivilcourage besitzen,

dass sie in brisanten Situationen helfen und so Leben retten.

Meine Geschichte ist auch jenen Gewaltopfern zugeeignet,

deren Leben durch tragische Schicksalsschläge

völlig aus der Bahn geraten ist.

Denn nur ganz selten gibt es für die Leidtragenden ein Happy End!

Achtung!

Ich beschreibe in diesem Buch sehr brutale

und emotionale Momente aus meinem Leben.

Weiter beschreibe ich die Situation,

in der ich fast umgebracht wurde,

und die Operationen an meinem offenen Kopf.

Wer das nicht verkraften kann,

sollte dieses Buch nicht lesen!

Inhalt

Cover

Titelblatt

Urheberrechte

Bildnachweise

Vorwort

Mein unbeschwertes Leben

Ab diesem Zeitpunkt nahm mein Schicksal seinen Lauf!

Was von mir übrig blieb. Den Tod vor Augen

Ich ordnete mein Leben neu. In Erinnerung an einen sehr lieben Menschen

Wütender Ehrgeiz

Der Prozess

Karenzzeit

Es konnte mir nichts Besseres passieren

Epilog

Danksagung

Für mich ist es Zeit, Bilanz zu ziehen

Mit ganzer Härte

Cover

Titelblatt

Urheberrechte

Vorwort

Für mich ist es Zeit, Bilanz zu ziehen

Mit ganzer Härte

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Bildnachweise

Titelbild, S.12, S.55

Fabian Frühwirth

S. 23, S. 29

Rechtsmedizinisches Institut-Würzburg

5.14, S.20, S.38, S.39, S.49, S.63, 5.66, S.78, S.103, S.113, S.115, Bild Umschlag-Rückseite

privat

5.68, S.70, S.72, S.97

Auszüge aus der Kommunikation mit den Behörden

Vorwort

Ich war gerade mal 24 Jahre alt, als sich mein Leben über Nacht „schlagartig“ änderte. Bis dahin war ich aufgeschlossen, zielstrebig und sportlich sehr aktiv. Nach einem Ringkampf wurde ich von mehreren vorbestraften Männern hinterrücks überfallen und fast totgeprügelt. Ich erhielt einen Schlag ins Gesicht, wurde bewusstlos und fiel mit dem Hinterkopf auf das Straßenpflaster. Anschließend wurde ich mit Tritten und Schlägen weiter misshandelt. Bis zu dem Moment, als sich zwei US-amerikanische Soldaten, die in dieser Nacht zivil unterwegs waren, über mich legten und mich vor weiterer Gewalteinwirkung bewahrten. Die schreckliche Konsequenz für mich: Schädelbruch, Gehirnblutung, Koma, Lebensgefahr! Nachdem mir die Ärzte den Schädel geöffnet hatten, damit mein Gehirn genug Platz hat, wachte ich entgegen sämtlichen Prognosen vier Wochen später auf. Es folgten unzählige Reha-Maßnahmen, um vier Monate später die Krankenhäuser wieder verlassen zu können. Meine Peiniger waren mittlerweile von der Polizei ausfindig gemacht worden. Es folgte ein jahrelanger frustrierender Ermittlungs- und Verhandlungsmarathon. Im Laufe des Verfahrens stellte sich heraus, dass zwei der Beteiligten viele weitere Straftaten begangen hatten und mein Fall aus juristischer Sicht gegenüber diesen Straftaten „voraussichtlich nicht weiter ins Gewicht fallen würde“! Der weitere Prozessverlauf entwickelte sich zu einer Farce: Zeugen wurden bedroht, milde Urteile gefällt und Schmerzensgeldzahlungen verschleppt. Mir wurden die Grenzen der deutschen Strafverfolgung aufgezeigt, in der die Täter oftmals mehr Unterstützung zur Verteidigung erhalten als die Opfer. Nach fünf Jahren erhielt ich die unfassbare Zahlung von 9000 Euro.

„Mein Leben für 9000 Euro“

Ich habe dieses Buch geschrieben, um die schlimmsten Jahre in meinem bisherigen Leben noch einmal zu verarbeiten. Der Inhalt basiert auf meinen Erlebnissen, meinen Erinnerungen und meinen Notizen, welche ich über diesen jahrelangen Spießrutenlauf gemacht habe. Man möge mir meine teils drastische Ausdrucksweise durchgehen lassen. Aber ich rede und schreibe nun mal so, wie mir der Schnabel gewachsen ist.

Mein unbeschwertes Leben

Es ist Samstagvormittag und ich stehe mit einem riesigen Brummschädel vom Vorabend auf. Ich habe wieder mal die Nacht zum Tag gemacht. Es müssen wohl mehr als nur drei Weizenbier gewesen sein. Und da war doch noch so eine kleine Blonde. An mehr kann ich mich leider nicht mehr erinnern. Es ist ein Samstag, wie ich ihn liebe. Heute steht ein Heimkampf vor der Tür. Es geht gegen den Lokalrivalen. Und man kann sich sicher sein, dass die Ringerhalle bis auf den letzten Platz gefüllt ist. Erst mal unter die Dusche, bevor ich mich auf den Weg in den Wiegeraum der Wettkampfhalle mache. Und alle Fenster auf. Denn ich kann mich schon selbst nicht mehr riechen. Das Frühstück fällt aus. Erstens ist es jetzt schon zu spät. Und zweitens kann ich wahrscheinlich eh nichts drinbehalten. Der gestrige Bierkonsum wird meinem Kampfgewichtslimit dagegen einen Strich durch die Rechnung machen. In weiser Voraussicht packe ich schon mal die Laufschuhe mit ein. Ein Kilogramm muss noch weg, um am Abend nicht vorzeitig als Verlierer auf der Wettkampfliste geführt zu werden. Ich hatte mit wesentlich mehr Übergewicht gerechnet. An der Wettkampfhalle angekommen , mache ich mich für einen lockeren Dauerlauf von einigen Kilometern bereit. Viel mehr lässt mein Zustand auch gar nicht zu. Ich werde langsam nervös. Bevor ich loslaufe, muss ich mir von unserem Betreuer noch eine Moralpredigt mit auf den Weg geben lassen. „Es kann nicht angehen, dass die Jugend am Abend vor einem Kampf zum Saufen geht.“ Na, da muss wohl einer gepetzt haben. Es ist mir aber scheißegal, was angehen kann und was nicht. Mir brummt der Kopf …

Ich bin vor jedem Kampf nervös und heute ganz besonders. Gegen meinen heutigen Gegner hatte ich bisher noch nie triumphieren können. Auch wenn unsere Kämpfe immer knapp und sehr hart umkämpft waren, behielt er bislang die Oberhand. Dies soll sich heute ändern. Ich erhöhe das Tempo beim Laufen, aber es gleicht einem Drahtseilakt. Denn ich habe mein Gleichgewicht noch nicht ganz unter Kontrolle. Seitenstechen reduziert die Geschwindigkeit sehr schnell wieder. Und meine Nervosität lässt kein bisschen nach. Ich lege mich um die Mittagszeit nochmal hin, um sicherzugehen, dass mein Kopf frei ist. Dem Alkoholabbau tut es natürlich auch gut. Meistens treffen wir uns eine Stunde vor der Abwaage , und ich begebe mich auf den Weg zur Kampfsporthalle. Wie erwartet, ist die Halle brechend voll mit Zuschauern.

Mein Kampf erfolgt entsprechend meiner Gewichtsklasse erst nach der Halbzeitpause. Als der Hallensprecher meinen Gegner und mich im Mittelgewicht ankündigt und die Stilart mit Griechisch-Römisch benennt, läuft mir das Adrenalin förmlich aus den Ohren. Ich betrete die Matte. Nach dem schrillen Ton der Pfeife des Kampfrichters ertönt das Getöse aus Trommeln, Fangesängen und Trillerpfeifen. Der Lärm treibt uns aufeinander los. Es ist ein sehr harter Kampf. Zu allem Überfluss falle ich gleich zu Beginn der Auseinandersetzung in einen Kopfhüftschwung. Ich kann diese Technik zwar übertragen und so Punkte gutmachen. Trotzdem muss ich von Anfang an einem Punkterückstand nachlaufen. Ich habe schon nach kurzer Zeit die ersten Blessuren im Gesicht, wo mich sein Kopf mehrfach traf. Doch der aktivere Kämpfer bin ich. Es ergab sich die Möglichkeit, diesem Spuk ein Ende zu setzen: der Angriff an die Hüfte meines Gegners. Wenn er zurückweichen würde, bekäme ich einen Aktivitätspunkt. Blieb er stehen, würde ich durch eine Technik den alles ersehnten Punkt erlangen. Doch in diesem Moment tue ich etwas völlig Unüberlegtes. Ich stoße mein Gegenüber aus der Ringermatte, und er fällt zu allem Übel auch noch in eine Zuschauerbank. Es ertönt der Pfiff des Schiedsrichters. Der Kampf ist unterbrochen. Die Zuschauer, die auf dieser Bank ihren Platz hatten, eilen davon. Es bricht ein riesiger Tumult aus. Gegnerische Fans, die Betreuer und selbst der Vater meines Gegners stürmen auf die Ringermatte und wollen mir an den Kragen. Meine Sportkameraden schirmen mich ab, und ich versuche mich bei den aufgebrachten Leuten und meinem Gegner zu entschuldigen. Als sich die Situation wieder etwas beruhigt, wird unser Kampf fortgesetzt. Die Fans nehmen wieder Platz und feuern uns beide an. In der nächsten Minute verpasst mir der Gegner einen Kopfstoß mitten ins Gesicht. Das war seine Antwort auf meine unsportliche Aktion. Trotz größter Anstrengung kann ich den Punkterückstand nicht mehr einholen. Auch heute wird sich nichts an der Tatsache ändern, dass ich ihm unterlegen bin. Trotzdem lassen mich die Fans keine Enttäuschung spüren. Auch wenn unsere Kämpfe immer ziemlich brutal geführt werden, verstehen wir Ringer uns nach dem Schlusspfiff recht gut. Es ist schön, dass wir den Sport von allem anderen trennen können. Der Mannschaftskampf ist zu Ende. Die 300 Ringerkampfanhänger haben sich einigermaßen beruhigt. Meine Mannschaft unterliegt im Gesamtergebnis. Trotz aller Aufregungen wird die zweite Phase des Abends eingeläutet. Frisch geduscht lass ich mich mit meinen Sportkameraden in der Bar nieder. Ein Weizenbier hilft mir über den Schmerz des verlorenen Wettstreits hinweg. Jetzt muss ich mir erstmal das Gelaber besserwisserischer Fans und Sponsoren anhören. Lediglich mit Halbwissen über den Ringsport ausgestattet, geben sie mir gute Ratschläge, wie ich das nächste Mal als Sieger von der Matte gehen könne. Der hinterlistigste Schlag ins Gesicht ist der Fingerzeig! – dachte ich zu dieser Zeit zumindest noch. Ich lasse es über mich ergehen und denke mir meinen Teil. Einige Erfrischungsgetränke weiter mache ich mir Gedanken über die weitere Gestaltung des noch jungen Abends. Ich spreche die junge Frau neben mir an. Ich frage sie, ob sie Lust hat, an meiner Zunge zu lutschen. Als ich diese herausstrecke, kommt sie meiner Aufforderung nach. Nach unserem Kennenlernen lache ich laut. Und ich möchte doch hoffen, dass ich morgen noch ihren Namen weiß. – Oh Mann, ich war zu dieser Zeit so weit oben auf der Leiter. Dass ich mal herabfallen könnte, dachte ich in keinem Moment!

In meinem Sport, dem Ringkampf, bin ich nicht schlecht. Ich kämpfe mit meiner Mannschaft immerhin in der dritthöchsten Wettkampfliga des Landes. Zu mehr reicht es bei mir nicht. Mir fehlt einfach ein gehöriges Stück Disziplin. Ich fröne zu sehr den leiblichen und fleischlichen Gelüsten. Und will dies auch nicht aufgeben.

Ich bin jung und vom Leben verwöhnt. Schönheit liegt im Auge des Betrachters, aber ich für meine Begriffe würde mich als attraktiv bezeichnen. Ich genieße meine Jugendzeit in vollen Zügen. Durch meine aufgeschlossene Art und Weise und meine sportlichen Aktivitäten bin ich in meiner Heimatstadt bekannt. Ich habe einen sehr großen Freundeskreis. Und ich bin mir sicher, dass viele mit mir durchs Feuer gehen würden, wenn es darauf ankäme. Dass ich diesen Kreis später mal würde aussieben müssen, auf diesen Gedanken wäre ich damals nie gekommen. Natürlich haben wir auch mal über die Stränge geschlagen. Auch mussten wir ab und an einen Querulanten ermahnen. Aber im Großen und Ganzen setzte sich unser Sportsgeist auch außerhalb der Sporthalle durch. Oftmals lief auch das eine oder andere Glas zu viel in unser Feinkostgewölbe. Aber ich denke, das gehört in unserem Alter einfach dazu. Meine Sturm-und-Drang-Zeit begann bereits im Alter von 14 Jahren.

In diesem zarten Alter sammelte ich meine ersten Erfahrungen bei einer Frau, deren Äußeres sie zu einem echten Objekt der Begierde machte. Selbst mein Vater schwärmte meiner Mutter gegenüber von ihrem Erscheinungsbild, nachdem er uns im hauseigenen Hobbyraum bei der Unzucht überrascht hatte. Der Frauenwelt bin ich nicht abgeneigt. Und die Anzahl der Betten, in denen ich gelandet bin, addiert sich sehr schnell. Ich habe mir in meiner Jugend mehr Hörner abgestoßen, als andere überhaupt fähig waren zu tragen. Ich bin ein sehr spontaner Mensch, der seine unbeschwerte Jugend genießt. Meinen schulischen Pflichten komme ich stets nach. Und als ich meine Ausbildung mit Auszeichnung abschließe, finde ich bei einem großen deutschen Familienbetrieb meine jetzige Arbeit. Ich habe Erfolg in fast allem, was ich tue. Und wäre ich damals fähig gewesen, die Spontanität und den Egoismus meiner Jugend mit meiner heutigen Lebenserfahrung zu vereinen, hätte es schon sehr viel benötigt, mich aus der Bahn zu werfen.

Da war die Welt noch in Ordnung.

Zu dieser Zeit drehte sich mein halbes Leben um den Sport. Und in den Vereinen, in denen ich aktiv war, fühlte ich mich im Großen und Ganzen gut aufgehoben. Ich verbrachte fast täglich Zeit in der Ringerhalle, auf dem Fußballplatz oder im Kraftraum. Für mich wäre ein Tag ohne sportliche Betätigung ein verlorener Tag gewesen. Ich tat sehr viel für meine Fitness, aber es erweiterte auch meinen Bekanntenkreis. Dass mein Fitnesslevel später ein Grund für mein Überleben sein würde, kam mir zu dieser Zeit natürlich nicht in den Sinn.

Fußball spielte ich auch sehr gerne. Ich habe recht spät damit begonnen. Da ich es also nicht von der Pike auf gelernt habe, reichte es bei mir auch nur für die Reservemannschaft unseres Fußballclubs.