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Isabel Varell strahlt auch mit Mitte 50 eine jugendliche Begeisterungsfähigkeit und einen Optimismus aus, die ansteckend wirken. Und das, obwohl sie in ihrem Leben schon so einige Herausforderungen meistern musste. Mutig, ehrlich, fröhlich und manchmal nachdenklich blickt sie auf prägende Lebenssituationen zurück: ihre ersten Versuche als Sängerin, ihre turbulente Beziehung und Ehe mit Drafi Deutscher, von der sie hier erstmals erzählt, ihre Entscheidung, beim Dschungelcamp mitzumachen oder ihr ehrenamtliches Engagement im Hospiz. Es gab Situationen, die sie fast umgeworfen haben, aber immer wieder hat sie es geschafft, aus den Krisen etwas Wertvolles fürs Leben mitzunehmen. So ist ihr Buch auch eine Quelle der Inspiration und ein Plädoyer dafür, sich spielerisch auf das Leben einzulassen und niemals ganz erwachsen zu werden.
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Veröffentlichungsjahr: 2016
Mehr über unsere Autoren und Bücher:www.piper.deEinige Namen, Orte und Personen wurden zum Schutz der Persönlichkeitsrechte verändert.ISBN 978-3-492-97388-5April 2016© Piper Verlag GmbH, München/Berlin 2016Covergestaltung: ZERO Werbeagentur, MünchenCovermotiv: Max Colin HeydenreichDatenkonvertierung: Fotosatz Amann, MemmingenSämtliche Inhalte dieses E-Books sind urheberrechtlich geschützt. Der Käufer erwirbt lediglich eine Lizenz für den persönlichen Gebrauch auf eigenen Endgeräten. Urheberrechtsverstöße schaden den Autoren und ihren Werken. Die Weiterverbreitung, Vervielfältigung oder öffentliche Wiedergabe ist ausdrücklich untersagt und kann zivil- und/oder strafrechtliche Folgen haben.
VORWORT
Liebe Leser,
zum ersten Mal begegnet sind Isabel und ich uns 1981 im Fernsehen, oder besser gesagt vor dem Fernseher, denn ich war damals ihr Zuschauer. Hätten Sie heut’ Zeit für mich? hieß die von Show-Legende Michael Schanze moderierte Talentsendung im ZDF. Isabel war an jenem Abend neben Ute Lemper und Gerd Dudenhöffer eines der vielversprechenden Talente, die dort ihr Debüt geben durften.
Wow! So etwas wie sie hatte ich noch nie gesehen und gehört. Auf der Bühne präsentierte sich Isabel Varell als eine ungekünstelte und wunderschöne Urgewalt. Diese einzigartige Stimme. Dieses lebenslustige Flackern in den Augen. Kann die zaubern?
Ein Jahr später schleppte Otto Waalkes mich, das aufstrebende Jungtalent, spontan wie er nun mal ist, in Hamburg zu einer komischen Promi-Party am schicken Rothenbaum.
Ich trage, dem Anlass entsprechend, ausgelatschte Turnschuhe, einen alten Norwegerpulli und Pickel im Gesicht. Aber so in etwa sehen Gymnasiasten 1982 nun einmal aus.
Auf dieser Party steht zu meiner freudigen Überraschung mitten im Getümmel zwischen Boney M. und Schlagerikone Michael Holm genau diese Isabel Varell in einem luftigen weißen Sommerkleid mit einem Glas Sekt in der Hand.
Das ist doch kein Zufall, denke ich. Der Varell lulle ich jetzt mal charmant ins Ohr, wie großartig ich sie finde. Schon will ich in ihre Richtung traben, da sehe ich, gerade noch rechtzeitig, wie Drafi Deutscher sich unter »Isabel«-Rufen den Weg zu ihr bahnt, anschließend flugs ihre Hand ergreift und diese bedeutungsschwanger küsst. Meine zukünftig beste Freundin wird daraufhin rot.
Ups! Da gehe ich jetzt wohl besser nicht dazwischen. Mit Herrn Deutscher und seinem weißen Borsalino auf dem Kopf kann ich in meinem flusigen Norweger-Schick nicht konkurrieren, entscheide ich. Das war wohl nichts. Schade. Isabel beschreibt diesen beschwingten Partymoment mit Drafi Deutscher in diesem Buch als einen schicksalhaften Augenblick.
Persönlich kennengelernt haben wir zwei uns dann erst 1985. Und seit diesem Kennenlernen vor über 30 Jahren in der Kneipe Buttstädt’s in Hamburg sind wir eigentlich unzertrennlich. Wir haben miteinander gefeiert, getafelt, Nächte durchgequatscht, geheult, uns gehalten, geflucht, gestritten und vor allem miteinander gelacht. Isabel fesselt mich nach wie vor mit ihrem seelischen Feuer und ihrer geistigen Kraft. Sie kann zaubern.
Neben vielen kleinen Lektionen, die ich von ihr gelernt habe, lautet ihre wesentliche Botschaft: Versöhnung! Tatsächlich kenne ich außer Isabel niemanden, der so sehr den Willen und die Fähigkeit zur Versöhnung in sich trägt. Was nicht heißt, dass sie Konfrontationen aus dem Weg geht – im Gegenteil. Aber ihre Versöhnungskraft halte ich für eine besonders wertvolle Gabe. Damit geizt sie auch nicht in diesem Buch. Das ist wohltuend und heilsam. Sie werden es lesend erleben.
Besonders liebe ich an Isabel, wenn sie an lauschigen Abenden – bei Raclette und Rotwein – ins Plaudern, Philosophieren und Erzählen gerät. Wie oft habe ich ihr da zugerufen: »Wann schreibst du das endlich einmal alles auf?« Denn es ist nie langweilig oder peinlich, immer auf den Punkt, sehr ehrlich, berührend, lebensklug und besonders unterhaltsam. Genau wie dieses wundervolle Buch!
Lassen Sie sich einfach von Isabels versöhnlicher Natur anstecken.
Viel Vergnügen.
Hape Kerkeling
SPIELPLATZ LEBEN
»Sie hat ja nur die mittlere Reife mit Ach und Krach erreicht!« Ich höre noch heute das blöde Getratsche meiner Mutter mit ihren Freundinnen an der Kaffeetafel, direkt vor dem Edelservice »Wildrose« von Villeroy & Boch. »Wie soll es nun weitergehen mit ihr ohne Abitur?« Cat Stevens schaute mich damals selbstbewusst von der Wand an und sagte: »My Lady D’Arbanville, scheiß drauf! Gib nicht auf. Wie wollen die denn schon wissen, wer du bist und was du drauf hast! Here comes my baby! You never walk alone!«
»Isabel, merk dir das alles, was du mir da gerade erzählst! Schreib das auf! Hörst du? Du musst das aufschreiben. Eines Tages schreibst du ein Buch über dein Leben. Sonst vergisst du das!«
Hape Kerkeling, mein langjähriger bester Freund, redete eindringlich auf mich ein. Aber ich schreibe doch kein Buch. Ich kann mir das überhaupt nicht vorstellen. Wenn ich mir nur überlege, wie anstrengend das wäre … Ich hab so viel erlebt. Das schaffe ich doch gar nicht, das alles aufzuschreiben.
In den Siebzigerjahren ohne Abitur ins Leben zu gehen – das war eine ziemliche Schande, zumindest für meine lieben Angehörigen. Nun bin ich heute erneut angekommen in der mittleren Reife. Ich habe das Lebensdiplom immer noch nicht in der Tasche. Ich habe viele Ehrenrunden drehen müssen, weil ich wohl in manchen Fächern der Lebensschule nicht so ganz fit war. Vieles hab ich nicht auf Anhieb verstanden. Aber das hier – das habe ich verstanden: Zu glauben, man hätte ausgelernt, oder zu hoffen, man sei »fertig« und allwissend, ist Humbug! Wer annimmt, der Reifeprozess sei irgendwann abgeschlossen – man habe ja schließlich alles schon erlebt –, ist alt. Ich fühle mich sehr wohl in meiner mittleren Reife – und sehr jung. Ja, sogar immer wieder mal wie ein Kind.
Ich habe mir als Kind mit einer stark ausgeprägten Fantasie fast alles vorstellen können. Ich fand Ufos spannend – weil ich davon überzeugt war, dass es sie wirklich gibt und sie neue Wesen mitbringen, mit denen wir uns anfreunden können. Ich glaubte an den Weihnachtsmann und ganz besonders, dass alle Menschen sich lieb haben.
Das ist eine spirituelle Gabe, mit der wir alle am Anfang diese Welt betreten. Sie ist quasi unsere Grundausstattung, so wie die Scheibenwischer beim Auto, wenn es die Fabrik verlässt. Dann aber wirken auf unserem Lebenspfad viele Menschen und Ereignisse auf uns ein und programmieren uns um. Wir merken das gar nicht, sondern gehorchen einfach nur.
Ich habe mir auf dem Weg zu meiner mittleren Reife, zu dem Menschen, der ich jetzt bin, Stück für Stück die Erinnerung an diese spirituelle Gabe eines Kindes zurückerobert. Gut, das mit dem Weihnachtsmann – das krieg ich nicht mehr hin. Aber der Glaube, dass die Menschen es grundsätzlich erst einmal gut meinen, und dass jeder von uns gerne eine Hand gereicht bekommt, um auf den Spielplätzen dieser Welt mitspielen zu können, das erhalte ich mir. Dadurch gewinne ich Trost, Erklärungen, Frieden und Mut.
Und mit genau diesem Mut habe ich begonnen, alles aufzuschreiben.
»Wenn man ganz fest an etwas glaubt – dann wird es wahr …«
AUS CINDERELLA
Doch da geht noch was
Da geht noch was
Das fängt doch grad erst an
Da geht noch mehr
Noch viel viel mehr
Ich arbeite daran
Der König ist schwul, der Hund auch. Ebenso der Igel, aber das ist ja klar, denn der Igel ist auch der König – aus Kostengründen.
Der Prinz ist übrigens auch schwul. Der einzige heterosexuelle Kollege im Ensemble ist die Taube. 2012 und 2013 heiße ich Jolanda und spiele die gute Fee in dem Popmusical Cinderella. Vier Monate werde ich zusammengewürfelt mit einem zauberhaften Ensemble von ganz jungen, sehr guten Musicaldarstellern. Sie alle könnten meine Kinder sein. O.k., so viele wollte ich nie, aber wir hatten eine tolle Zeit miteinander.
Ich habe noch nie so wenig gearbeitet, denn in meiner Rolle als gute Fee komme ich erst nach der Pause auf die Bühne.
Jeder kennt die Geschichte dieses Märchens: Die bösen Stiefschwestern zerstören Cinderellas wunderschönes Kleid, damit sie nicht zum Ball gehen kann, auf dem der Prinz sich eine Braut aussuchen soll. Also rufen die Freunde von Cinderella – Hund, Maus und Taube – mich, die gute Fee, zu Hilfe. Ich, in ein silbernes bodenlanges Gewand gehüllt, zaubere unter dramatischer Musik und mit geheimnisvollen Nebeleffekten das blaue Kleid hervor, und die ganze Chose ist gerettet.
Aber was so alles hinter der Bühne passiert, ist mindestens genauso spannend …
Zum Beispiel die Hetero-Taube, ich meine natürlich den männlichen Darsteller, verliebt sich in die Maus, weiblich – auch hetero. Eine süße Liebesgeschichte entsteht auf dieser Tournee durch ganz Deutschland, die ich sogar ein bisschen mit anzettele. Schon am ersten Probentag merke ich: Taube und Maus passen zusammen. Beim morgendlichen Joggen mit Taube mache ich ihn darauf aufmerksam.
17 Städte und 13 schlechte Hotels später sind die beiden ein Paar. Die Taube hat im Ensemble ja auch wenig Konkurrenz, denn selbst das Stinktier ist schwul!
Diese Musicalwelt, wie ich sie erlebt habe, ist oft ziemlich schwul besetzt. Und das finde ich sehr angenehm. Für uns Frauen sind schwule Männer ganz wichtig! Mich jedenfalls begleitet das Thema schon mein ganzes Leben.
Als hätte ich einen unsichtbaren Magneten in mir, merke ich schon in jungen Jahren, dass der Funke zwischen mir und schwulen Männern ganz besonders schnell überspringt. Dabei will ich eigentlich gar keinen Unterschied machen zwischen schwul und nicht schwul. Ist doch egal, wer mit wem was hat. Aber so ganz egal ist es dann eben doch nicht.
Vor allem, wenn man eng zusammenarbeitet, ist es praktisch, wenn gar kein Verdacht aufkommen kann, dass ein tieferes Interesse vorliegen könnte. Das macht frei und fröhlich. Nur ganz selten ist es bedauerlich.
Bei dieser Cinderella-Tournee drängelt sich mein inneres Kind wieder komplett in den Vordergrund. Ich hänge nachts nach der Vorstellung, wenn sich die anderen vom Ensemble schon auf ihren Zimmern befinden, mit Patrick, der den Hund spielt, in den Bars ab, und wir lachen uns über Gott und die Welt schlapp.
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
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