Mozartiana - Gustav Nottebohm - E-Book

Mozartiana E-Book

Gustav Nottebohm

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Beschreibung

Von Mozart herrührende und ihn betreffende, zum großen Teil noch nicht veröffentlichte Schriftstücke. Inhalt: Vorwort. I. Mitheilungen der Wittwe Mozart's. Aus einem Brief von Joseph Haydn an Monsieur de Puchberg in Wien. II. Mitheilungen der Schwester Mozart's. Data zur Biographie des verstorbenen Tonkünstlers Wolfgang Mozart. Nachtrag. Weiteres. Anhang. Auszüge aus Briefen der Wittwe. Auszüge aus Briefen der Schwester.

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Seitenzahl: 173

Veröffentlichungsjahr: 2012

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Mozartiana

Gustav Nottebohm

Inhalt:

Vorwort.

I. Mittheilungen der Wittwe Mozart's.

Aus einem Brief von Joseph Haydn an Monsieur de Puchberg in Wien.

II. Mittheilungen der Schwester Mozart's.

Data zur Biographie des verstorbenen Tonkünstlers Wolfgang Mozart.

Nachtrag.

Weiteres.

Anhang.

Auszüge aus Briefen der Wittwe.

Auszüge aus Briefen der Schwester.

Mozartiana, Gustav Nottebohm

Jazzybee Verlag Jürgen Beck

Loschberg 9

86450 Altenmünster

www.jazzybee-verlag.de

[email protected]

Frontcover: © Freesurf - Fotolia.com

Gustav Nottebohm – Biografie und Bibliografie

Mozartiana

Von Mozart herrührende und ihn betreffende, zum großen Theil noch nicht veröffentlichte Schriftstücke

Nach aufgefundenen Handschriften herausgegeben

Vorwort.

Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts faßte Friedrich Rochlitz den Vorsatz, eine Biographie Mozart's zu schreiben. Breitkopf und Härtel sollten die Verleger sein. Letztere, welche damals wegen Erlangung handschriftlicher Vorlagen für die von ihnen unternommene Ausgabe Mozart'scher Compositionen mit der Wittwe Mozart's in Verbindung standen, übernahmen es, dieselbe auch um Beiträge zu einer Biographie Mozart's zu ersuchen. Später wandte man sich zu gleichem Zwecke auch an die Schwester Mozart's. Beide willfahrten dem Ersuchen und sandten reichlich. Von dem von ihnen übersandten biographischen Material, nach dem Otto Jahn vergeblich gesucht hat1, ist der größte Theil in Abschrift erhalten worden und vor einigen Jahren zum Vorschein gekommen. Der Fund besteht in zwei Heften, welche in Leipzig und fast ganz von einer Hand geschrieben sind und in welche Briefe, Aufsätze, Gedichte, Zeitungsnotizen u.s.w., welche von den Frauen eingesandt wurden, allem Anschein nach in der Ordnung, in der sie einliefen, eingetragen sind.

Ein Heft (in (Quartformat und mit 144 beschriebenen Seiten) hat den Titel: "Materialien zu Mozart's Leben, von der Wwe Mozart mitgetheilt". Eine gleichlautende Ueberschrift steht am obern Rande der meisten Blätter. Das Heft enthält größtentheils Briefe Mozart's. Von diesen sind höchstens 25 bis jetzt gedruckt, mehr als 40 noch nicht gedruckt worden. Außerdem sind hervorzuheben einige bis jetzt unbekannt gebliebene Gedichte Mozart's und einige Schriftstücke verschiedener Art und Herkunft. Aus einigen Anzeichen2 ergiebt sich, daß die Wittwe nicht immer das Original, sondern eine Abschrift nach Leipzig geschickt hatte. Bei einigen "Actenstücken" sagt das die Wittwe selbst.

Das andere Heft (ebenfalls in Quartformat und mit 73 beschriebenen Seiten) trägt den Titel: "Materialien zu Mozarts Leben. Von Mozarts Schwester mitgetheilt. Decbr. 99", und auf dem obern Rande jedes Blattes die Bemerkung: "Von Mozarts Schwester mitgetheilt". Das wichtigste Stück des Heftes ist der Aufsatz, den die Schwester für Friedr. Schlichtegroll geschrieben hat und der von diesem in seinem "Nekrolog auf das Jahr 1791" (2. Jahrgang, 2. Band, Gotha 1793, S. 82 bis 112) benutzt wurde3. Der Aufsatz enthält in 11 Abschnitten die Antworten auf eben so viel Fragen. In der Form und Vollständigkeit, in der er von Marianna Mozart geschrieben ist, ist der Aufsatz noch nicht gedruckt worden. Einzelne Stellen daraus finden sich bei Schlichtegroll wörtlich wieder. Schlichtegroll hat aber Vieles, vielleicht weil es ihm geringfügig erschien, weggelassen. Die von ihm weggelassenen Stellen enthalten Daten, deren Quellen jetzt versiegt sind und die, mögen sie nun geringfügig sein oder nicht, theils zur Berichtigung, theils zur Vervollständigung bisheriger Angaben dienen können4. Was das Heft sonst bringt, ist bekannt und von geringerer Bedeutung.

Eine der ersten Fragen, welche sich nach Auffindung und nach Erkennung der Bedeutenheit der Manuscripte einstellte, war die, was mit ihnen zu geschehen sei. Wäre Otto Jahn noch am Leben, so hätte jene Frage kaum aufkommen können. Die Schriften wären ihm übergeben worden, und sie hätten in keine besseren Hände gelegt werden können, als in die seinigen. Die Hefte da liegen lassen, wo sie einmal lagen, konnte und wollte man nicht. Die Schriften hatten Anspruch auf Veröffentlichung. Da durch Umordnung der einzelnen Stücke ein zusammenhängendes, in seinem Inhalt fortschreitendes Ganze nicht herzustellen war, so erschien es am besten und rathsamsten, die Bücher zu nehmen, wie sie sind, und die in ihnen vorkommenden Stücke in der bunten Reihe drucken zu lassen, in der sie vom Abschreiber eingetragen sind. Diese durch die Beschaffenheit des Gegenstandes bedingte Wiedergabe ist zum Durchlesen wenig geeignet, wird aber bei einer Benutzung die sichersten Anhaltspunkte geben. Kürzungen waren bei der Wiedergabe nicht nur zulässig, sondern auch nöthig. Gekürzt werden konnten diejenigen nicht von Mozart herrührenden Stücke, welche wenig oder gar kein Interesse bieten, und diejenigen Stücke, welche bereits gedruckt sind, jedoch mit Ausnahme derjenigen wichtigeren Stücke, welche sich nach unseren Vorlagen genauer oder vollständiger bringen lassen, als sie bisher gebracht worden sind. Wegzulassen waren ferner mehrere das Schicklichkeitsgefühl verletzende Stellen.

Nähere Auskunft über die von den Frauen eingesandten Schrift- und Druckstücke geben ihre Briefe an Breitkopf und Härtel. Auszüge aus dieser Correspondenz, die auch O. Jahn kannte und aus der er Auszüge gebracht hat, sind im Anhang zusammengestellt. Unter den darin genannten eingesandten Briefen und andern Schriftstücken Mozart's befinden sich mehrere, welche bis jetzt noch nicht zum Vorschein gekommen und wohl als verloren zu betrachten sind5. Beim Ausziehen der Briefstellen sind auch solche berücksichtigt und aufgenommen worden, welche in Betreff einiger verloren gegangener Compositionen Mozart's oder in anderer Beziehung beachtens- oder bemerkenswerth sind.

Unsere Vorlagen enthalten manche Schreibfehler, von denen ein Theil beseitigt werden konnte, ein anderer nicht. Auch mehrere zweifelhafte oder mehrdeutige Ausdrücke mußten beim Druck stehen bleiben. Die bei der Herausgabe weggebliebenen Stellen sind mit Punkten angedeutet. Die im Text in eckigen Klammern eingeschlossenen Wörter sind bei der Herausgabe hinzugefügt worden, und die in gebogenen Klammern eingeschlossenen Wörter stehen so in den Vorlagen, oder es sind darin vorkommende Randbemerkungen. Besitzer der Vorlagen sind Breitkopf und Härtel.

G. Nottebohm.

Fußnoten

1 Vgl. O. Jahn's "Mozart", 1.Ausg. Bd. I, S. X f., Bd.III, S. 503 f.; 2. Ausg. Bd. I, S. IX f. Eine Ausnahme von dem oben Gesagten bilden selbstverständlich die in den ersten zwei Jahrgängen der Leipziger Allg. Musik. Zeitung stehenden, auf Mittheilungen der Wittwe und der Schwester Mozart's beruhenden "Anekdoten".

2 So z.B. aus den in mehreren Briefen zur Ersetzung von Personennamen vorkommenden Buchstaben: "N.N.", aus der in einem Briefe (S. 49) vorkommenden Bemerkung: "er hatte nehmlich sehr krumm geschrieben" u.s.w.

3 Vgl. Niemtschek's "Leben Mozart's", Prag 1798, S. 6; O. Jahn's Biographie, 1. Ausg Bd. I, S. IX, 2. Ausg. Bd. I, S. VIII und 23 (Anm.).

4 Wir machen nur auf die Angabe der Todeszeit Mozart's aufmerksam, welche bei der Schwester (S. 109) genauer ist, als anderswo.

5 Zu nennen sind: ein Büchlein "Capricci", ein Aufsatz über die "Grotte", Briefe über Mozart's Aufenthalt in Potsdam und ein italienischer Brief "an die Lang".

I. Mittheilungen der Wittwe Mozart's.

Musikalische Acadmiee zum Andenken von Wolfgang Gottlieb Mozart.

Mozart ist nicht mehr! In den Annalen der Musik wird sein Name unvergeßlich unter den ersten Tonkünstlern aller Zeiten und Nationen glänzen. Schon als Kind ein Wunder in seiner Kunst, hat er (ein noch seltener Fall) die Erwartungen, die er dadurch erweckt hatte, in seinen reifen Jahren noch übertroffen. Nie hat ein Genie das weite Gebiet seiner Kunst mehr umfaßt und beinahe in jeder Abtheilung desselben mit ausgezeichnetem Verdienste geglänzt, als Er. Von der Schöpfung einer Oper an, bis zur einfachen Sonate1...

Fußnoten

1 Der Aufsatz schließt mit der Aufforderung zum Besuch eines am 28. December 1791 in Prag zum Besten der Wittwe und der Kinder Mozart's veranstalteten, aus Compositionen Mozart's bestehenden Concertes. Die Aufforderung ist unterschrieben: "Prag. Eine Gesellschaft von Freunden des Verstorbenen". Das Concert ist erwähnt in Franz Niemtschek's "Leben des K.K. Kapellmeisters Wolfgang Gottlieb Mozart". (Prag 1798) Seite 38.

Trauerode,

dem Andenken Mozart's geweiht von der musikalischen Academie der Juristen den 7ten Febr. Prag 1794. (Nur ein Paar Stanzen sind in Niemtschek's Biographie eingerückt.)

Einem großen Todten bringt

heut die Wehmut ihre Thränen,

die Bewund'rung heut ihr Sehnen

an des Dankes Brandaltar

hier zum Todtenopfer dar.

Diese feyerliche Stunde,

und ihr Schweigen, ernst und hehr,

klagen mit beredtem Munde:

Mozart ist nicht mehr.

Ach er ward uns früh entrückt,1

................................................

Fußnoten

1 Die 2. bis 4. Strophe des Gedichtes stehen bei Niemtschek a.a.O. Seite 66 f. und in Nissen's "Biographie W.A. Mozart's" Seite 697 f. Am Schluß werden die ersten fünf Verse mit einer Aenderung des ersten Wortes ( "Diesem" statt "Einem") wiederholt.

Camera obscuravon Berlin.

10tes Stück.

Mozart's Todtenfeier.

(Auszug aus einem Briefe an einen Auswärtigen)

(Berlin den 29. Febr.)

Der König hatte gestern der Wittwe des großen Künstlers Mozart ein Konzert im Opernhause bewilliget; sie führte einen Auszug aus der letzten Oper ihres Mannes, la Clemenza di Tito (die Güte des Titus), auf.1...

Fußnoten

1 Der Artikel berichtet über das von der Wittwe Mozart's im Februar 1796 im Berliner Opernhause gegebene Concert und enthält in einer Randnote eine gedrängte Biographie Mozart's, bei der hauptsächlich die in Schlichtegroll's Nekrolog erschienene Lebensbeschreibung benutzt ist. Das Concert wird erwähnt bei Niemtschek a.a.O.S. 42, in O. Jahn's "W.A. Mozart", 2. Ausgabe II. 579, und anderwärts.

Wöchentliche gemeinnützige Anzeigen.

Man ist dem verehrungswürdigen Prager Publikum, welches den Namen Mozart zu ehren weiß, eine Erklärung schuldig, die durch die 2 letzten Opernavertissements nothwendig gemacht wurde. Der Knabe Mozart, der Sohn des unsterblichen Mannes, dessen himmlische Harmonien uns noch spät entzücken werden, ward auf Veranlassung Sr. Excellenz des Herrn Baron van Swieten, seines edlen Wohlthäters, im Vertrauen auf den Geist der böhmischen Nation, nach Prag zur Bildung und Erziehung gegeben.1 Dieser 9jährige Knabe, voll Feuer und Lebhaftigkeit, sollte nach dem Wunsche einiger Freunde des mozartischen Namens in der Opera Axur in der Rolle des Opferknabens öffentlich auf der Bühne auftreten. Welch eine schädliche Wirkung dieß auf die Bildung des jungen Menschen gehabt hätte, das können nur jene ganz einsehen, deren Aufsicht und Sorge derselbe übergeben wurde. Die Kinder großer Männer gehören einigermaßen dem Publikum an; und die Erzieher des Knabens haben zu viel Hochachtung für dasselbe und zu viel Liebe für das Wohl des Knabens, als daß sie es hätten zulassen können. Da diese Gesinnungen zugleich diejenigen seines edlen Wohlthäters und seiner Mutter sind: so nahm man um so weniger Anstand, das Auftreten des Knabens zu verhindern. Hätte man in den Operanzeigen die Sache der Publizität nicht voreilig überliefert, so wäre diese Erklärung nicht nöthig gewesen; aber so könnte leicht der Unterrichtete nach dem letzten Opernzettel die Wittwe Mozart, die voll Hochachtung und Dankgefühl fürs Prager Publikum ist, eines Eigensinnes beschuldigen, wovon sie nichts weiß.

Fußnoten

1 Der ältere Sohn Mozart's, Carl Mozart, erzählt (Beilage zur "Bohemia" vom 7. Juni 1876): "ich kam nach Prag als noch nicht 8jähriger Knabe, anno salutis 1792, und blieb daselbst bis Ende 1797" u.s.w.

Allerliebstes Bäsle Häsle!

Ich habe das mir so werthe Schreiben richtig erhalten – falten – und daraus ersehen – drehen –, daß der Herr Vetter – Retter – die Frau Baas – Haas, und sie – wie – recht wohl auf sind – hind; – wir sind auch1 ...... doch hoffe ich, mit der Hülfe Gottes – Spottes – es wird von keinen üblen Folgen seyn ...... Herr Vetter, gehen wir geschwind zum heil. Kreutz und schauen wir ......

Fußnoten

1 Siehe O. Jahn a.a.O., 2. Ausg. II. 665.

Der kunstreiche Hund.

Ein Gedicht.

O Musen! ich will Euch ein Dankopfer bringen,

Helft mir nur den Groß-Buzigannerl besingen,

Von dem man so Vieles und Schönes erzählt,

So daß seines gleichen ist nicht in der Welt.

Ich hab ihn, den Gott aller Hunde, gesehen

Und kann, ohne Furcht eine Sünde zu begehen,

Euch schwören, daß ich seines gleichen nie fand,

Und dieß sey gesagt allen Hunden zur Schand.

Nun werdet Ihr wohl vor Begierde fast brennen,

Den Phönix der Hunde genauer zu kennen,

Ihr sollt alles wissen; nur laßt mir auch Zeit.

Das Sprichwort sagt: Ja, nach und nach kommt man weit.

Drum bitt' ich recht sehr, meine Herren und Damen,

(Denn glaubt, selbst mein Herz ist schon vollends in Flammen,)

Doch lagert Euch nur unterdessen ins Gras,

Ich nehm eine Prise und putz meine Nas'.

Und fang unsern Helden dann an zu besingen

So rührend, daß es Euch aus Herze wird dringen;

Nur bitt' ich, seyd stille und redet kein Wort,

Sonst bleib ich Euch stecken – und kann nimmer fort.

Nun dann, Buzigannerl, der König der Hunde,

Ist eine Frucht Wiens, doch ich weiß nicht die Stunde,

Noch Monath, noch Tag, als Zemir, die Mamma,

Zur Welt ihn gebracht; von dem gnädigen Papa

Ist uns nichts bewußt, weder Stand noch Name,

Nur daß er vom östreich'schen Adel herstamme.

Die Mutter Zemir hat das Tages-Licht erblickt

Dort, wo es Columben zum ersten geglückt,

Ein Land zu entdecken. Sie hatte an Jahren

Das sechzehnte kaum, ganz die Welt umfahren

Als ächte Vestalin, viel frischer als Eis

Und reiner als Schnee; denn ich mach Euch nichts weis.

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

In diesem so unschuld'gen, glücklichen Stand

War es, daß sie eben im leichten Gewand

Am Ufer des Meeres ganz einsam spazierte,

In Grillen vertieft, mit sich selbst discurirte,

Als plötzlich ein Mann von sehr hübscher Gestalt

Und mittlerm Wuchs, nicht zu jung und nicht zu alt,

Ihr gen überstand. – Denkt Euch einmal den Schrecken! –

Sie zitterte – floh – und o Himmel! – blieb stecken

Im Roth – wollt sich helfen, – umsonst – denn sie fiel –

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Denn Leser, du brauchst Mädchenkenntniß nicht viel,

Um leichtlich zu schließen, daß sie, da sie fiel

Und in so sehr kritischer Lage sich wissen,

Sich wenigstens ohnmächtig anstellen müssen.

Als sie nun erwachte, sprang sie plötzlich auf

Und lies ganz dem Zorn und der Wuth vollen Lauf,

Sie nahm ihn beym Schopf – warf ihn nieder und ratschte,

Beohrfeigt' und maulschellte ihn, daß es klatschte.

Der arme Herr Ritter litt alles getrost,

Obwohl ihm nicht sonderlich schmeckte die Boßt;

Er dacht sich, sie wird sich doch endlich ermüden,

Es dauert ohnehin ja nichts ewig hienieden;

Und wie er dachte, so fügt' es sich's ietzt.

(Denn nur die Geduld hat ihn dies 'mal geschützt:)

Sie konnt' die Gelassenheit nimmer ertragen;

Mit liebvollem Bratzerl faßt sie ihn beim Kragen

Und küßt die noch brennenden Backen ohn' Maas

So daß er gar leicht all die Watschen vergas,

Womit die Schöne ihn so gnädig beehrte

Und, in der Geduld sich zu üben, ihn lehrte.

Er küßt ganz entzückt ihr dann Hand und Gesicht,

Läßt sie dann auf seinem Schoos sitzen und spricht:

O Schönste der Schönsten! – ich bitte, verzeihe

Mir doch das Verbrechen, denn sieh' ich bereue

Von Herzen die That, ach! die Schuld war nicht mein.

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Hier ruht ein lieber Narr,

Ein Vogel Staar.

Noch in den besten Jahren

Mußt er erfahren

Des Todes bittern Schmerz.

Mir blut't das Herz,

Wenn ich daran gedenke.

O Leser! schenke

Auch du ein Thränchen ihm.

Er war nicht schlimm;

Nur war er etwas munter,

Doch auch mitunter

Ein lieber loser Schalk,

Und drum kein Dalk.

Ich wett', er ist schon oben,

Um mich zu loben

Für diesen Freundschaftsdienst

Ohne Gewinnst.

Denn wie er unvermuthet

Sich hat verblutet,

Dacht er nicht an den Mann,

Der so schön reimen kann.1

Den 4ten Juni 1787.

Mozart.

Fußnoten

1 Niemtschek berichtet a.a.O. Seite 59: "Dieß [daß Mozart Verse machte] war unter andern der Fall bei dem Tode eines geliebten Staares, dem er in seinem gemietheten Garten ein ordentliches Grabmal errichtet und mit einer Inschrift versehen hatte". Vgl. auch O. Jahn a.a.O., 2. Ausg., I. 749 f.

Von Mozart in das Gebetbuch seiner Braut.

Derjenige, welcher in diesem Büchel all die Bildchen umgewandt und auf jedes was darauf geschrieben hat, ist ein – – – – – – nicht wahr Constanz? –

Nur ein einziges hat er verschont, weil er gesehen, daß sie es doppelt hat – und er sich daher Hoffnung macht, dasselbe zum Andenken zu bekommen; wer schmeichelt sich dieses? – – – –

Der Trazom– und von wem hofft er es zu erhalten?

Von der Znastnoc.

Seyn Sie nicht gar zu andächtig, gute Nacht.

London 1792.

Aus einem Brief von Joseph Haydn an Monsieur de Puchberg in Wien.

"ich war über seinen (Mozart's) Todt eine geraume Zeit ganz außer mir und konnte es nicht glauben, daß die Vorsicht so schnell einen unersetzlichen Mann in die andere Welt fordern sollte, nur allein bedaure ich, daß Er nicht zuvor die noch dunklen Engländer darinn hat überzeugen können, wovon ich denselben täglich predigte" – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –

"Sie werden bester Freund die Güte haben, mir das Verzeichniß der noch nicht hier bekannten Stücke mit zu schicken, ich werde mir alle erdenkliche Mühe geben, solche der Wittwe zum Besten zu befördern; ich hatte der Armen vor 3 Wochen selbst geschrieben, mit dem Inhalt, daß wenn ihr Herzens-Sohn die gehörigen Jahre haben wird, ich denselben unentgeltlich die Composition mit allen meinen Kräften lehren will, um die Stelle des Vaters einigermaßen zu ersetzen."

Wahrscheinlich an den ietzigen Kaiser Franz als Erzherzog, nach R. Josephs Tode.

Ew. Königliche Hoheit.

Ich bin so kühn Ew. R.S. in aller Ehrfurcht zu bitten,1 ..

Von Sr. Königl. Kais. zu Hungarn und Böheim Königl. Apost. Maj. Erzherzog zu Oesterreich2 ......

Fußnoten

1 Siehe O. Jahn, 1. Ausg. III. 188, 2. Ausg. II. 593. Vgl. ebenda I. 716.

2 Siede O. Jahn, 1. Ausg. III. 185, 2. Ausg. II. 592.

Der Magistrat der k.k. Haupt- und Residenzstadt Wien will ihn Hrn. Wolfgang Amadeus Mozart1 ......

Fußnoten

1 Siehe O. Jahn, 1. Ausg. III. 191, 2. Ausg. II. 594. Vgl. ebenda I. 716.

Baaden den 7. Juny 1791.

NB. Weil Du Wien geschrieben hast, muß ich ja Baaden schreiben! –

Liebstes, bestes Weibchen! –

Mit unbeschreiblichem Vergnügen habe Dein letztes vom 6ten erhalten, und daraus ersehen, daß Du wohl und gesund bist – recht gescheut – daß Du aussetzest. O Gott! wie hätte es mich gefreut, wenn Du mit den Wildburgischen zu mir gekommen wärest! – ich hatte genug mit mir zu streiten, daß ich Dich nicht herein zu fahren hieße – allein ich scheuete die Unkosten. Aber auf diese Art wäre es charmant gewesen. Morgen früh 5 Uhr fahren wir 3 Wagen voll weg, – ich hoffe also zwischen 9 und 10 Uhr in Deinen Armen all das Vergnügen zu fühlen, was ein Mann, der seine Frau so liebt wie ich, nur immer fühlen kann! Nur Schade, daß ich weder das Klavier noch den Vogel mitnehmen kann! – deswegen würde ich lieber allein gegangen sein; nun kann ich mich aber nimmer mit guter Art losmachen.

Gestern speißte ich mit Süßmaiern bey der ungarischen Krone1 zu Mittag weil ich noch um 1 Uhr in der Stadt zu thun hatte – S ... früh speisen muß, und die S ... die mich gerne diese Tage einmal zu Mittage gehabt hätte, schon nach Schönbrunn engagirt war – heute weißt Du ohnehin, daß ich bey Schicaneder esse, weil Du auch darzu eingeladen warst.

Brief ist noch keiner von der Duschek da – werde aber heute noch nachfragen. – Von Deinem Kleide kann ich nichts wissen, weil ich die Wildburgischen die ganze Zeit nicht gesehen habe. – Den Hut werde ich, wenn es anders möglich ist, gewis mitbringen. – Adieu Schazerl – wie ich mich auf Morgen freue kann ich Dir nicht sagen!

Ewig Dein

Mozart.

Fußnoten

1 Ein Gasthaus in der Himmelpfortgasse in Wien.

Den 12ten Jul. 1789.

Liebster, bester Freund!

und Verehrungswürdiger O.B. (Ordensbruder).1

Gott! ich bin in einer Lage, die ich meinem ärgsten Feinde nicht wünsche; und wenn Sie bester Freund und Bruder mich verlassen, so bin ich unglücklicher und unschuldigerweise