Ne dicke, fette Deern - Ilse Krause - E-Book

Ne dicke, fette Deern E-Book

Ilse Krause

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Beschreibung

Zeit- und Kurzgeschichten einer 1933 in Hamburg geborenen Frau. Von der Schulzeit, dem Aufwachsen in der Kriegs- und Nachkriegszeit bis zum heutigen Tage. Erinnerungen, Verarbeitungen und viel zum Schmunzeln.

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Seitenzahl: 147

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Inhaltsverzeichnis

Ein Mädchen auch das noch

Einschulung 1939

Kriegsbeginn September 1939

Der Engel im Kleiderschrank

Die Maus im Schnee

Lügen oder Wahrheit

Nachbars Katze

Pflaumenmus

Bitte nicht zu Tante Erna

Kinderlandverschickung

Laura

Der verschwundene Leuchter

Der See der Wunder

Von den Sommerferien in die Flammenhölle

Evakuiert nach Friesen bei Kronach

In der Kirche

Reise in die Vergangenheit

Schwarzer Markt

Mit der Seegurke nach Finkenwerder

Weihnachtsfreuden

Eine Nacht im UG

Das Schottenkleid

Mein erstes Fahrrad

Nun wird geheiratet

Die erste Tanzstunde

Eine frohe Botschaft

Die verlorene Melodie

Sagast bei Putlitz

Zeitlos soll es sein

Weihnachtsabend bei uns zu Haus

St. Pauli im Nachthemd

Delfine im Hamburger Hafen

Der Flügel

Auf der Autobahn Nr. 7

Paris

Silberhochzeit

Wie Kater Hektor zu seinem Namen kam

Cousin Heinz

Das Horoskop

Die Gartenpforte

Ida ist zurück

Wünsch dir was

Am Meer

Die Reise zum Nordkap

Von Kaltenkirchen nach Peking

Der Baikalsee

Ein magischer Moment

Der See

Der Heiratsantrag

Der schönste Tag im Leben oder ein Alptraum

Anhang

Eine frohe Botschaft

Winachtenobend bi uns to Hus

De Flögel

Weihnachtsgedichte

Ein Mädchen, auch das noch

Es ist der 25. Januar 1933, fünf Tage vor der Machtübernahme in Deutschland durch die Nationalsozialisten mit ihrem Führer Adolf Hitler. Die junge Frau im Kreissaal des Vereinshospitals steht kurz vor der Entbindung ihres ersten Kindes. Das Krankenhauspersonal ist völlig aus dem Häuschen, denn man erwartet von der neuen Regierung ein Ende der hohen Arbeitslosigkeit und den Beginn einer neuen Zeit. Die Flure sind mit unzähligen Hakenkreuzfähnchen geschmückt. Die Frau im Kreissaal fühlt sich alleingelassen, sie schaut immer wieder auf die große Wanduhr, die inzwischen 18.30 Uhr anzeigt. Seit Stunden hat sich keiner um sie gekümmert, nur eine Schwester hat mal den Kopf zur Tür hereingesteckt und gefragt: „Na, geht’s noch?“ Ohne eine Antwort abzuwarten, verschwand sie wieder.

„Wenn das Kind um 19.00 Uhr nicht da ist, werden wir es holen“, hat der Arzt zu ihr gesagt. Zweimal hat sie das Krankenhaus schon vergebens aufgesucht und wurde nach Hause geschickt, da die Zeit für die Geburt noch nicht gekommen war. Heute will sie es endlich hinter sich bringen.

Sie freut sich auf ihren Sohn, der heute das Licht der Welt erblicken soll. Bei den zwei Abtreibungen, die sie bereits hinter sich hat, soll es sich nach Aussage der Frau, die diese verbotenen Eingriffe vorgenommen hat, jeweils um Knaben gehandelt haben. Ihre Schwester Ilse hat im Oktober einen Jungen zur Welt gebracht und genau so wird es bei ihr sein, davon ist sie überzeugt.

Mit ihrem Ehemann ist sie sich einig, Günther soll er heißen.

Es ist kurz nach 19.00 Uhr, der Arzt und eine Schwester betreten den Kreissaal. Der Arzt tätschelt ihr die Hand und sagt: „Nun wollen wir mal sehen, ob der neue Erdenbürger sich noch Zeit lassen will und ob wir ihm helfen müssen?“

Da die Presswehen bereits seit einiger Zeit eingesetzt haben, handelt es sich nur noch um Minuten und das Kind ist auf normalem Wege zur Welt gekommen.

Die Schwester hält mich, das schreiende Wesen hoch und zeigt es meiner Mutter mit den Worten: „`ne dicke, fette Deern.“ Sie, erschöpft von der Geburt, ich wiege immerhin acht Pfund, fällt zurück und meinte: „Auch das noch.“

Ich bin eine große Enttäuschung für meine Eltern, statt des sehnlichst erwarteten Sohnes nur ein Mädchen. Mein Vater besucht uns noch am selben Abend und sagt zu meiner Mutter, nachdem er mich gesehen hat: „Den Grasmieger (Hamburger Ausdruck für Mädchen) werden wir nie los.“

Neugeborene sind in der Regel die schönsten Babys der Welt für ihre Eltern, bei mir ist das anders. In Punkto Aussehen habe ich scheinbar den Vogel abgeschossen, der Kopf sitzt ohne erkennbaren Hals direkt auf den Schultern und wird von einem Kranz roter Haare gekrönt. Einen Namen für dieses Wesen lässt sich zur Zeit nicht finden.

Tante Ilse ist begeistert, ihre Schwester hat ein Mädchen geboren und die Familie hat nun mit ihrem Sohn Heinz ein Pärchen. „Wie soll sie denn heißen?“ fragt sie. Meine Mutter schüttelt den Kopf: „Wir wissen noch keinen Namen, ich dachte an Gerda, aber so heißt schon die Tochter unserer Nachbarin.“ Meine Elter können sich auf keinen Namen für mich einigen.

„Wenn ihr keinen Namen findet, nennt sie doch Ilse, dann werde ich Patentante meiner Nichte.“

So komme ich zu meinem Namen. Meine Mutter trägt noch etwas zur Namensgebung bei, indem ich zwei Vornamen bekommen, Ilse Gerda. Da meine Mutter nicht weiß wie sie mit mir umgehen soll, schiebt sie das erste Jahr meines Lebens fast täglich mit mir zu Ihrer Schwester nach Altona. Vielleicht fühle ich ihre Unsicherheit, denn ich bin unruhig und schreie viel. Mit dem Stillen klappt es auch nicht so recht. Im Krankenhaus hat man ihr bereits gesagt, das sie mit der Flasche zufüttern muss. Sobald ich anfange zu schreien, bekomme ich die Flasche und gedeihe so zu einem echten Wonneproppen.

Schöner bin ich aber dadurch nicht geworden. Meine Großmutter väterlicherseits liebt mich abgöttisch, gerade weil ich ein Mädchen bin. Sie hat viele Kinder geboren, von denen ihr nur drei Söhne geblieben sind. Sie kauft für mich, als ich ein halbes Jahr alt bin, goldene Ohrringe mit herzförmigen Korallen. Da ich kein Haar auf dem Kopf habe, rufen Kinder auf der Straße meiner Mutter hinterher: „So eine Gemeinheit, ein Junge mit Ohrringe!“ Die Ohrringe kommen wieder raus. In Hamburg ist es üblich, das einem Mädchen eine Taftschleife, einen sogenannten Butterlecker, ins Haar gebunden wird. Mit zwei Jahren habe ich noch so wenig Haare, das mir die Schleife wie bei einem Osterei um den Kopf gebunden wird, was auf einer Fotografie aus der Zeit zu sehen ist. Meine Mutter beschäftigt sich lieber mit ihrem Neffen Heinz und überlässt mich meiner Tante Ilse oder meiner Großmutter, von beiden werde ich geliebt. Die Enttäuschung meiner Mutter über meine Geburt wird mich bis ins Rentenalter begleiten.

Einschulung 1939

Wir wohnten in der Altonaerstraße 66 im 3. Stock. Unter uns wohnte Tante Erna, Mutters Schwester, mit ihrem Mann Onkel Franz. Ich hatte Onkel Franz sehr gern, er spielte mit mir und erzählte mir Geschichten, wenn ich bei ihnen schlafen durfte und er mich ins Bett brachte. Das geschah oft, da meine Eltern viel Zeit in ihrer Stammkneipe verbrachten. Mein Vater war ein leidenschaftlicher Skatspieler.

Beim Preisskat gewann er häufig einen der Hauptpreise. An diesen Abenden wurde viel Bier getrunken und ich weiß, das mein Vater mit den Jahren ein zunehmendes Alkoholproblem hatte.

Ostern 1939 wurde ich in die Volkschule Schanzenstraße eingeschult. Die Rektorin Frau Lange trug immer knöchellange Seidenkleider in den Farben grau oder grün, dazu Stiefel die mit unzähligen kleinen Knöpfen geschlossen wurden. Ihre Haare waren hochgesteckt mit einem Dutt in der Mitte. Schon damals hatte ich das Gefühl sie stamme aus einem anderen Jahrhundert, aber sie hatte etwas mütterliches an sich und strahlte eine unendliche Geduld und Ruhe aus. Meine Klassenlehrerin Frau Bolzmann habe ich in weniger gute Erinnerung, was nicht unbedingt an ihr gelegen hat. Wegen Schwatzens mit der Banknachbarin, in der Stunde oder Unaufmerksamkeit, verbrachte ich häufiger Zeit vor der Tür des Klassenzimmers. Es gab auch Ohrfeigen und Schläge mit dem Lineal auf die Fingerkuppen. Meine Mutter wurde hin und wieder in die Schule zwecks Rücksprache bestellt aber ich musste sie immer wegen angeblicher Krankheit entschuldigen, das sie den Termin nicht wahrnehmen kann. Es war verboten zu lügen aber in diesen Fällen war es scheinbar erlaubt. Einmal ging mein Vater zu so einem Termin und erwischte mich prompt vor dem Klassenzimmer, weil ich wohl wieder einmal nicht aufmerksam war. Da meine Zensuren in den Hauptfächern gut ausfielen, außer im Betragen, meinte er nur: „Pass in der Stunde besser auf und lass keine weiteren Klagen kommen,“ damit war für ihn die Sache erledigt.

Kurz nach der Einschulung in Hamburg übersiedelten wir nach Krakow am See in Mecklenburg. Mein Vater war Polizist und wurde dorthin versetzt.

Heinz, mein Vetter kam mit uns und so wurden wir in die dortige Dorfschule eingeschult. Neu war für uns, dass wir nun zusammen in eine Klasse kamen und der Unterricht nicht wie in Hamburg getrennt nach Jungen und Mädchen stattfand. Der Schulanfang begann hier nicht mit der 1. Klasse sondern mit der 8. Klasse.

Kriegsbeginn September 1939

Wir wohnten bereits einige Monate in Krakow am See. Es war an einem Spätsommertag und wir kamen vom Spielen aus dem nahen Wald zurück. Auf den Straßen standen überall Gruppen von Erwachsenen zusammen. Heinz rief mir zu: „Komm schnell, es muss was Schlimmes passiert sein!“ Er witterte eine Sensation und für so etwas war er immer zu haben. Die Menschen an denen wir vorbei laufen, reden mit ernsten Gesichtern aufeinander ein, wir hören sie sagen: „Die Keller müssen zu Schutzräumen ausgebaut werden.“ Dann geht es von Mund zu Mund: „Es ist Krieg, Polen hat Deutschland überfallen, aber das lassen wir uns nicht gefallen, wir schießen zurück!“

Zu Hause angekommen, kramt Heinz sofort seine Soldaten aus der Spielzeugkiste hervor und beginnt sie aufzubauen. „Du bist Polen und ich schieße alle deine Soldaten tot,“ verkündet er. Mutter schaut unserem Spiel wortlos zu. „Ist es schlimm, das Krieg ist?“ frage ich. Sie nickt nur und verlässt das Kinderzimmer. Beim Abendessen diskutieren die Eltern über das Ereignis. Wir verstehen ihre Sorgen nicht, nur das Mutter so schnell wie möglich zurück nach Hamburg will.

Sie, als Großstadtmensch, hat sich von Anfang an hier nicht wohl gefühlt. Heinz und ich hoffen das es nicht so bald zurück geht, denn uns gefällt es in Krakow am See viel besser als in Hamburg. Erst Anfang 1940 können wir zurück und vom Krieg ist in Hamburg noch nichts zu spüren. Vater ist nun nach Westfalen versetzt worden. Mutter weigert sich erfolgreich wieder umzuziehen. Bis auf Heinz Vater sind alle Männer der Familie zum Militär eingezogen worden. Wenn einer von ihnen auf Urlaub nach Hause kommt, erzählt er, wie die Feinde von unseren Soldaten in die Flucht geschlagen werden.

Der Engel im Kleiderschrank

Da meine Eltern die Enttäuschung nie ganz überwunden hatten, dass ich ein Mädchen war, kam mein Cousin Heinz, als Sohnersatz mit nach Mecklenburg.

Meine Eltern bezogen eine Dienstwohnung und Heinz und ich hatten darin ein großes Kinderzimmer.

Heinz schloss sehr schnell Freundschaft mit den Junges des Dorfes, ging mit ihnen angeln und streifte durch die Wälder. Ich war sehr zurückhaltend, hatte immer Angst etwas falsch zu machen und konnte mich daher schlecht anderen Kindern anschließen.

Heinz war mal wieder mit seinen Freunden unterwegs und ich ging allein durch das Dorf Krakow am See durch eine Gegend, die ich noch nicht kannte. So kam ich vor ein großes eisernes Tor, das unheimlich quietschte, als ich es mit Mühe öffnete. Erst jetzt bemerkte ich, das ich auf einem Friedhof war. Eine große Stille umgab mich, als ich auf den Wegen entlang ging und die Gräber betrachtete. Ich bestaunte die kunstvollen Grabsteine, die Inschriften konnte ich noch nicht lesen, ich ging erst einige Monate in die erste Klasse der Schule.

An einem Grab stand eine Bank und ich setzte mich. Wie so oft, dachte ich mir Geschichten aus; wenn ich tot wäre, meine Eltern wären hoffentlich sehr traurig und würden auf meinem Grab wunderschöne Blumen pflanzen.

Sie würden bedauern nicht so lieb zu mir gewesen zu sein, wie zu Heinz.

Ich machte mich auf den Rückweg und kam an einem Grab vorbei, auf dem ein Engel mit gefalteten Händen und herrlichem Flügeln stand.

Wie gebannt blieb ich stehen, diesen Engel musste ich mitnehmen. Meine weite Jacke müsste genügend Platz haben und ihn zu verstecken. Ich schaute mich vorsichtig um, ob auch niemand mich sah, aber ich war allein auf dem Friedhof. Ein Griff und schon war der Engel unter meiner Jacke verschwunden.

Zu Hause versteckte ich den Engel in der hintersten Ecke meines Kleiderschrankes und ich hatte das Gefühl, nicht mehr so allein zu sein. Mehrmals schaute ich nach ob er noch da war und strich zärtlich mit den Händen über seine glatte Oberfläche.

Vater kam vom Dienst nach Hause und beim Abendessen erzählte er, wie jeden Abend, was im Dorf oder der näheren Umgebung passiert war. Wir fanden das immer spannend.

„Heute hat es einen Diebstahl auf dem Friedhof gegeben, ein Engel ist von einem Kindergrab verschwunden. Der Dieb wird wenig Freude an dem Engel haben, denn um Mitternacht zur Geisterstunde,“ fuhr er geheimnisvoll fort, „öffnen sich die Gräber und die Geister der Verstorbenen werden dem Kind helfen den Dieb zu finden.“ Mir blieb vor Schreck der Bissen im Halse stecken, mir wurde heiß und kalt und mit hochrotem Kopf starrte ich auf meinen Teller.

Jetzt war mir klar, dass ich etwas Entsetzliches getan hatte. Mein nächster Gedanke war, wie werde ich den Engel wieder los.

„Du isst ja gar nichts“, sagte Mutter. Ich schüttelte nur den Kopf, konnte weder essen noch sprechen. Mir lag der Engel schwer im Magen.

An diesem Abend waren die Eltern bei Freunden eingeladen. So gegen 20 Uhr verabschiedeten sie sich mit der Ermahnung, spätestens um 21 Uhr das Licht zu löschen und zu schlafen.

Heinz zog sich in den hinteren Garten zurück um seine Angelsachen für den nächsten Tag in Ordnung zu bringen.

Das war die Gelegenheit für mich, den Engel wieder unter meiner Jacke zu verbergen und in aller Eile zum Friedhof zu laufen. Dort angekommen verabschiedete ich mich unter Tränen von ihm und beteuerte, dass ich es nicht böse gemeint hätte. In meiner Angst warf ich den Engel einfach auf den Weg, denn von welchem Grab ich ihn genommen hatte, wusste ich nicht mehr. Ich hetzte durch das Dorf nach Hause und war erleichtert, dass Heinz mein Verschwinden nicht bemerkt hatte.

Im Bett flehte ich, hoffentlich ist der Engel heil geblieben und kommt wieder an seinen rechten Platz.

In den nächsten Tagen wartete ich gespannt und ängstlich auf das Abendessen. Ich hoffte so sehr auf eine erlösende Nachricht, dass der Engel wieder das Kindergrab beschützt, aber mein Vater hat den Diebstahl des Engels nie wieder erwähnt.

Die Maus im Schnee

Es ist kurz vor Weihnachten, das kleine Dorf in Mecklenburg ist tief verschneit.

Der Vater wird sehnsüchtig erwartet, er hat am Telefon versprochen, dass er den Kindern, Heinz und Ilse, etwas mitbringt. Um sich die Zeit zu vertreiben, lernen die Kinder ihre Weihnachtsgedichte.

Endlich hören sie den Vater mit seinen schweren Stiefeln die Holztreppe heraufkommen. Die Kinder haben erwartet, dass er ein Paket mitbringt aber davon ist nichts zu sehen. Sie müssen warten bis er seine nasse vom Schnee bedeckte Jacke an die Garderobe gehängt hat. Er tut sehr geheimnisvoll und greift in seine Hosentasche und hält etwas in seiner geschlossenen Hand.

Er bittet Ilse, schnell ihren Puppenwagen leer zu räumen. Zum Entsetzen der Mutter setzt er nun eine kleine Feldmaus in den leeren Puppenwagen und die schaut die Kinder mit ihren Knopfaugen ängstlich an. Mutter schreit hysterisch auf und setzt sich mit hochgezogenen Beinen auf den Wohnzimmertisch. Sie fordert den Vater auf, das Untier sofort aus der Wohnung zu entfernen. Die Kinder finden die Maus süß und bitten, sie behalten zu dürfen. Vater holt aus der Küche ein Stück Käse und Heinz und Ilse füttern das Mäuschen, das zusehends zutraulicher wird. Mutter sitzt immer noch auf dem Tisch, zetert und diskutiert mit Vater.

Für die Kinder hat das Füttern der Maus bald an Interesse verloren und sie achten nicht mehr auf das Tier. Ein spitzer Schrei der Mutter erschreckt alle, sie zeigt auf den Puppenwagen, die Maus ist daraus verschwunden. Sie gerät in Panik und fordert alle auf, sofort nach der Maus zu suchen. Nach einiger Zeit wird sie unter dem Teppich gefunden und Vater kann das verängstigte Mäuschen mit der Hand greifen. Zu dritt gehen sie hinaus, setzen sie in den Schnee und eilig macht sich die Maus davon. Heinz und Ilse hoffen das Nachbars Katze sie nicht entdeckt und fängt. Im Haus ist der Frieden nach einer geraumen Zeit wiederhergestellt.

Lügen oder Wahrheit

Es ist noch früh, das kleine Mädchen spielt am Sonntagmorgen ganz allein auf der Straße. Sie ist in ihre Kleider geschlüpft und hat sich so leise es geht aus dem Haus geschlichen, denn die Eltern schlafen noch.

Eine neugierige Nachbarin tritt vors Haus und meint: „Na, deine Eltern waren wohl mal wieder feiern und sind heute morgen laut singend nach Hause gekommen? Dann hat es einen fürchterlichen Krach gegeben, bist du davon wach geworden?“ Das Mädchen schaut zu Boden und erwidert nichts. Die Nachbarin bohrt weiter: „Es hörte sich an, als würde dein Vater deine Mutter schlagen. Waren deine Eltern betrunken?“ Nun hält das Mädchen es für angebracht die Eltern zu verteidigen: „Nein, nein, sie waren nur lustig und gestritten haben sie nicht. Jetzt sind sie müde und schlafen.“

Die Nachbarin schaut das Mädchen mitleidig an und meint: „Na ja, wenn du meinst, dass es so ist, dann ist es ja gut.“ Sie geht zurück in ihre Wohnung.

Das Mädchen mag es nicht, wenn die Eltern abends ausgehen und betrunken nach Hause kommen. Immer wird sie wach, weil der Vater die Mutter anschreit, sie wäre grundlos eifersüchtig oder hätte sich eingemischt wenn er sich noch ein Bier bestellen will. Oft ist ihm auch schon die Hand ausgerutscht und die Mutter hat im Gegenstände die gerade greifbar waren, an den Kopf geworfen.

Das kleine Mädchen verkriecht sich dann immer unter ihrer Bettdecke und stellte sich schlafend.

Wenn die Eltern ausgeschlafen haben, tun sie, als wäre nichts geschehen.