Nessun dorma: Eine Nacht mit Folgen - Hanna Julian - E-Book

Nessun dorma: Eine Nacht mit Folgen E-Book

Hanna Julian

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Beschreibung

Nach einer gescheiterten Beziehung hat Mark nur eines im Sinn: unverbindlich Spaß haben. Das rät ihm auch sein bester Freund, der sich von einem Sexerlebnis zum nächsten hangelt. Als Mark in einem Club auf den attraktiven und selbstbewussten Sven trifft, sind sie sich schnell einig. Es folgt eine heiße Nacht in Marks Wohnung. Doch am nächsten Morgen ist Sven weg. Zufällig begegnen sie sich wieder und spüren, dass sie mehr verbindet als nur diese eine Nacht. Doch Sven hat einige Geheimnisse und beide Männer wissen nicht, ob sie eine Beziehung wagen sollen. Dabei hat sie die Liebe doch schon längst im Griff. Bis Svens Lügen auffliegen ...

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Seitenzahl: 272

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Hanna Julian

Nessun dorma

Eine Nacht mit Folgen

Impressum

© dead soft verlag, Mettingen 2015

http://www.deadsoft.de

© the author

Cover: Irene Repp

http://daylinart.webnode.com/

Bildrechte:

© Dirk Vonten – fotolia.com

© photo 500 – fotolia.com

© schepers_photography – fotolia.com

1. Auflage

ISBN 978-3-945934-43-2

ISBN 978-3-945934-44-9 (epub)

Inhalt:

Nach einer gescheiterten Beziehung hat Mark nur eines im Sinn: unverbindlich Spaß haben. Das rät ihm auch sein bester Freund, der sich von einem Sexerlebnis zum nächsten hangelt. Als Mark in einem Club auf den attraktiven und selbstbewussten Sven trifft, sind sie sich schnell einig. Es folgt eine heiße Nacht in Marks Wohnung. Doch am nächsten Morgen ist Sven weg. Zufällig begegnen e sich wieder und spüren, dass sie mehr verbindet als nur diese eine Nacht. Doch Sven hat einige Geheimnisse und beide Männer wissen nicht, ob sie eine Beziehung wagen sollen. Dabei hat sie die Liebe doch schon längst im Griff. Bis Svens Lügen auffliegen ...

Für Ralf

1. Kapitel – Mark

Drei Uhr morgens – Marks Welt war bunt und laut. Er tanzte in einem Pulk aus Männern. Einige von ihnen hatten nackte Oberkörper, ein paar waren sogar recht ansehnlich. Muskeln und Schweiß; das ein oder andere interessante Tattoo zierte die Körper. Silberne Nippelpiercings blitzten im Licht der rotierenden Scheinwerfer. Zu sehen gab es eine ganze Menge – Mark checkte die für ihn infrage kommenden Kandidaten ab. Die meisten Männer waren kein gesteigertes Interesse wert, aber es gab erfreuliche Ausnahmen. Die Beats hämmerten aus den Lautsprechern und brachten die Masse in Ekstase. Ein wogendes Meer aus Menschen, und einer darin, der Mark gefangen nahm. Dabei war er nicht einmal der Attraktivste der Tänzer, aber seine Körperhaltung, die Art, wie er sich bewegte, und vor allem sein Blick sprachen dafür, dass er ein Mann war, der wusste, was er wollte. Mark mochte selbstbewusste Männer. Sie übten einen unwiderstehlichen Reiz auf ihn aus, dem er sich weder entziehen konnte noch wollte. Es war nicht etwa so, dass er Schutz bei dieser Art Mann suchte – und erst recht stand er nicht darauf, dominiert zu werden – aber ein gesundes Maß an Selbstwertschätzung war ihm allemal lieber, als ein Typ, der sich in einer Tour selbst infrage stellte und deshalb mit Eifersucht auf alles und jeden in seinem Umfeld reagierte. Es gab nichts Unerträglicheres, als einen Menschen, der einen egoistischen Kontrollzwang an den Tag legte, weil er befürchtete, sonst die „große Liebe seines Lebens“ zu verlieren. So ein Verhalten hatte in Marks Augen nämlich nichts mit Liebe zu tun, auch wenn diese Menschen das offenbar anders sahen. Mit so jemandem hatte er sich viel zu lange herumschlagen müssen. Im Laufe der letzten Monate hatte er jedoch zum Glück eine feine Antenne für solche Typen entwickelt und ging ihnen nun aus dem Weg. Der Tänzer, den er ins Auge gefasst hatte, schien jedoch ein ganz anderes Kaliber zu sein: lebenslustig, und er wirkte, als wäre er zufrieden mit sich und der Welt, soweit Mark das nach einer ersten Einschätzung beurteilen konnte. Sein Freund Karsten, mit dem er die Gay-Party besuchte, folgte seinem Blick.

»Ah, sieh mal einer an … Interessanter Kerl! Genau dein Typ, soweit ich weiß.« Er grinste. »Vielleicht war es doch nicht so schlecht, dass ich dich zum Discobesuch überredet habe, oder?«

Mark lächelte schief. Karsten hatte natürlich recht, denn ohne dessen Drängen läge er vermutlich längst im Bett und würde von einem Kerl wie diesem Tänzer nur träumen, statt ihn live zu sehen. Aber sehen reichte nun mal nicht aus, wenn man wirklich fasziniert – oder besser noch, erotisiert war. Der Tänzer schaute nun zu ihm herüber. Ob er bemerkt hatte, dass Mark ihn ständig ins Visier nahm? Es sah ganz so aus, denn er blickte immer noch zu ihm. Mark lächelte ihn an und hoffte, es sähe einigermaßen verführerisch aus. Ein Experte war er auf dem Gebiet des Flirtens ganz bestimmt nicht. Dafür hatte er zu lange in einer Beziehung gesteckt – mit Axel, der ihm für jeden noch so kleinen und harmlosen Flirt sprichwörtlich den Kopf abgerissen hatte. Und es hatte nicht mal wirklich ein Flirt sein müssen, sondern Axels Verdacht, dass es sich um einen gehandelt haben könnte, reichte dafür schon aus. Selbst wegen Marks Sandkastenfreund Karsten hatte sein Ex ständig Theater gemacht, und es war sehr schwer gewesen, diese langjährige Freundschaft trotzdem aufrechtzuerhalten. Okay, er und Karsten waren mal kurzfristig zusammen gewesen, aber die Geschichte war lange her und endgültig beendet. Für Axel hatte es keinerlei Grund gegeben, eifersüchtig zu sein, aber er hatte wegen dieser Verbindung trotzdem Gift und Galle gespuckt. Mark hatte es nur Karstens untypischer Rücksichtnahme und seinem noch viel untypischeren taktvollen Schweigen zu verdanken, dass sie noch befreundet waren. Immer wieder hatte Karsten erstaunlicherweise die Zähne zusammengebissen und geschwiegen, wenn er mal wieder als Grund für Axels Gezeter hatte herhalten müssen.

Es hatte lange gedauert, bis Mark begriffen hatte, dass er nicht in einer Liebesbeziehung, sondern in einer Farce lebte. Das Ende war hässlich gewesen – aber auch heilsam. Mark hatte sich vorgenommen, so schnell keine Partnerschaft mehr einzugehen – zu groß war die Gefahr, erneut in eine Beziehungsfalle zu tappen. Aber auch einfach nur Spaß zu haben, war noch ungewohnt. Karsten hatte dazu vor ein paar Wochen klare Worte gefunden: »Du bist jetzt fünfunddreißig Jahre alt. Wenn du nicht anfängst, dich auszutoben, musst du bald darum betteln, dass noch einer mit dir ins Bett geht. Die ersten grauen Haare hast du schon – und bald werden die wirklich heißen Kerle dich Opa nennen. Also, jetzt oder nie!« Und genau das galt auch für eine Kontaktaufnahme mit dem Tänzer, der nun den Blick wieder abgewandt hatte. Mark beobachtete den halbnackten Mann: sexy Muskelspiel, unbehaarte Brust, durchtrainierter Körper. Seine blonden Haare waren zerzaust, als hätte jemand darin herumgewühlt. Mark sah sich das Umfeld des Tänzers an. Ein anderer Mann tanzte ganz in seiner Nähe – war der Blonde etwa schon vergeben?

Aber das könnte man von Karsten und ihm auch denken, denn sie hingen oft eng zusammen, wenn sie gemeinsam ausgingen. Und auch sie hatten sich schon gegenseitig das Haar zerwühlt, obwohl sie nur noch gute Freunde waren. Nun fuhr der Tänzer sich mit den Fingern durch die blonden Strähnen und Mark atmete erleichtert auf: Der Typ schien tatsächlich selbst schuld an seinem Frisurenchaos zu sein – sexy sah es allemal aus! Die Scheinwerfer schwenkten über die Menge, und Mark erkannte, dass sein Schwarm wieder zu ihm sah.

»Los, mach schon!«, drängte Karsten.

Mark sammelte Mut und drängte sich durch die Tanzenden, bis er dicht vor dem Blonden stand. Aus der Nähe sah er nicht minder interessant aus. Mark sah ihm in die blauen Augen und registrierte, dass der Fremde eine kleine Narbe am Kinn hatte. Sein Blick glitt über dessen nackte Brust, die vor Schweiß glänzte.

»Hi«, sagte der Tänzer und sah ihn neugierig an.

»Hi! Lust auf einen Drink?« Mark wusste, dass der Spruch nicht gerade originell war, ihm fiel nur leider nichts Besseres ein. Der andere zuckte kurz mit den Schultern. »Klar, warum nicht?«

Mark sah ihn einen Moment lang überrascht an; er hatte nicht wirklich mit Zustimmung gerechnet. Der Blonde machte eine Geste zur Bar. »Wollen wir dann gehen, oder holst du was her?«

»Gehen«, erwiderte Mark knapp und schlug sich gedanklich vor die Stirn. Warum stellte er sich nur so trottelig an? Geschähe ihm recht, wenn der Typ es sich nun anders überlegen würde, aber der Blonde folgte ihm zur Bar.

»Was möchtest du?«, fragte Mark und holte seine Verzehrkarte hervor.

»Ein Bier.«

Mark hatte eigentlich mit einem Cocktail gerechnet, oder mit einem Glas Sekt, aber der Typ schien sehr bodenständig zu sein. Mark bestellte für sie beide Bier und reichte eine Flasche davon seinem Schwarm. Der nahm sie entgegen und prostete Mark zu. »Ich heiße Sven.«

»Mark.« Sie stießen an und tranken.

»Du bist mit deinem Freund hier?« Svens Blick ging zu Karsten, der zu ihnen sah. Mark schaute seinen Freund tadelnd an: Warum guckte der denn so auffällig?

»Ja schon, aber wir sind nur befreundet. Ich äh … bin solo.«

»Schön für dich«, erwiderte Sven.

Okay, das war jetzt nicht so gut gelaufen. Mark spürte, wie er immer unsicherer wurde. Und nun reckte Karsten auch noch den Daumen nach oben – als wäre die ganze Sache nicht schon peinlich genug.

»Er scheint mich zu mögen, dein Freund«, bemerkte Sven trocken.

Mark fiel nichts mehr ein. Er hatte ja geahnt, dass er im Flirten eine ziemliche Niete war, aber das hier schien sich in eine glatte Katastrophe zu verwandeln, denn nun sah Sven gar nicht mehr zu ihm, sondern nur noch zu Karsten! Der schien es auch zu bemerken und fuhr sich mit der Hand übers stoppelige Kinn, bevor er sich schließlich umwandte, als hätte er auf der anderen Seite etwas irre Interessantes entdeckt.

»Ist er auch solo?«, erkundigte sich Sven nun.

Mark sank der Mut. »Ja, ist er.«

»Weißt du, was mir an ihm gefällt?« Sven sah immer noch in Karstens Richtung.

Mark seufzte. Jetzt war ohnehin schon alles verloren. »Keine Ahnung. Ich schätze mal, er sieht ganz gut aus.« Mark wusste, dass das eine Untertreibung war. Sven trank einen Schluck Bier und nahm sofort wieder Karsten ins Visier. Nach einer Weile wandte er sich zu Mark um und sagte: »Ich mag an ihm, dass er einen Freund hat, der noch viel reizvoller ist, als er selbst.«

Mark brauchte eine gefühlte Ewigkeit, bis er begriff, dass er selbst damit gemeint war.

Sven grinste ihn an. »Du bist ziemlich leicht zu verunsichern, oder?«

»Sieht ganz so aus«, gab Mark mit einem schiefen Lächeln zu.

»Das solltest du dir unbedingt abgewöhnen. Tanzt du mit mir?«

Immer noch verwirrt stimmte Mark zu. Er folgte Sven wie mechanisch zur Tanzfläche und hatte plötzlich das Gefühl, sich in einen Roboter verwandelt zu haben. Seine eigenen Bewegungen kamen ihm abgehackt und schrecklich ungelenk vor. Hätte er diesen Sven doch bloß nicht in einem Anfall von Mut angesprochen. Der schien jedoch überhaupt nicht zu bemerken, dass Mark gerade innerlich tausend Tode starb. Im Gegenteil, er tanzte ihn an und lächelte ihm zu. Sven war wirklich ein interessanter Typ. Seine Gesichtszüge wirkten ein wenig zu herb, um ihm trotz blonder Haare, blauer Augen und durchtrainiertem Körper Model-Qualitäten zu verleihen. Aber gerade dieser kleine Makel war es, der Mark endgültig faszinierte. Ehe er sich versah, ging Sven auf Tuchfühlung. Das war überraschend, aber zugleich auch sehr erotisch, denn sein Schwarm legte beide Hände an Marks Hintern und sorgte dafür, dass dessen Unterleib sich beim Tanzen an seinen presste. Mark konnte deutlich spüren, dass sein Gegenüber erregt war. Der ging ja wirklich ran! Allerdings war das in solchen Läden wohl auch üblich. Wer nicht zeigte, was er hatte oder wollte, lief Gefahr, schon beim nächsten Lied von einem forscheren Konkurrenten aus dem Rennen geschlagen zu werden. Und letztendlich ging es ja darum, eine Eroberung abzuschleppen. Alles drehte sich darum, einen heißen Partner für die Nacht klarzumachen. Der schnelle Sex war das Ziel der meisten hier – und das sollte eigentlich auch ihm reichen, dachte Mark. Allerdings war es für ihn nicht alleine der Sex, sondern er war auch bestrebt, jemanden zu finden, der ihn durch die dunklen Stunden brachte und ihm die Einsamkeit vertrieb. Vermutlich galt auch das für die meisten hier, wenn sie ehrlich waren. Doch diese Ehrlichkeit hatte hier und jetzt nichts zu suchen. Mark wusste, dass er einfach genießen sollte – gerade die Kurzlebigkeit einer solchen Verbindung musste der Reiz sein. Ihm war all das bewusst, trotzdem spürte er ein Flattern im Bauch, für das Karsten ihn streng rügen würde.

Unentwegt hatte sein Freund auf ihn eingeredet, er solle sich nur auf die Eroberung für einen One-Night-Stand konzentrieren und seine sonstigen Gefühle unbedingt außer Acht lassen. Karsten war der Meinung, das würde heilsam für ihn werden, und Mark hatte den Sinn der Übung verstanden – zumindest theoretisch. Das Problem war nur, dass er ein absoluter Gefühlsmensch war. Sex mit unbekannten Partnern war ihm noch nie so erstrebenswert erschienen wie den meisten anderen Männern, die er kannte. Karsten hatte ihm allerdings vorgehalten, dass er genau deshalb so lange an seiner fatalen Partnerschaft mit Axel festgehalten hatte. Er warf ihm vor, seinen Ex nur solange ertragen zu haben, weil er sich das Gefühl von Nähe eingeredet hatte, um regelmäßigen Sex zu bekommen, ohne sich selbst dafür ständig auf den Markt werfen zu müssen. Und in der Tat hasste Mark es, sich zu präsentieren, als wäre er ein Gericht, das möglichst appetitlich aussehen musste, um konsumiert zu werden. Sein Tanzpartner schien allerdings keine Probleme mit dieser Art der Selbstdarstellung zu haben. Mark war einigermaßen verblüfft, als Sven ihn mit Zunge küsste und zugleich mit den Händen abcheckte. Der Kuss war heiß und brachte Mark in Nullkommanichts ganz schön auf Touren.

Sven ließ ihm keine Zeit, über die Entwicklung nachzudenken. »Wie sieht’s aus, Bock auf Sex?«

Mark nickte – es geschah, ohne dass er groß darüber nachgedacht hatte. Und ihm war klar, dass er innerhalb kürzester Zeit das erreicht hatte, was Karsten als Ziel des Abends ansah. Nun ja, fast, denn die bloße Übereinkunft war natürlich nur der Auftakt. Für die Umsetzung würde noch einiges folgen müssen. Mark spürte, wie kribbelig ihn der Gedanke machte.

»Okay, aber wir müssen zu dir gehen. Bei mir wird gerade renoviert und es sieht furchtbar aus.« Sven lächelte entschuldigend und zog ihn damit endgültig in seinen Bann.

Mark ließ es sich nicht nehmen, den verführerischen Mann noch einmal zu küssen. Es war unbeschreiblich schön, das zu tun, ohne einen Eifersuchtsanfall befürchten zu müssen.

»Ist okay. Wir gehen zu mir«, stimmte er zu. Plötzlich fiel ihm ein, dass er Karsten informieren sollte, bevor er mit seiner Eroberung verschwand. »Ich sage nur kurz meinem Freund, dass ich weg bin.«

»Frag ihn doch, ob er mitkommen will«, schlug Sven vor.

Mark stand einen Moment lang der Mund offen. Die Worte seines Gegenübers waren wie ein Faustschlag in die Magengrube. War das wirklich sein Ernst? Als er schon fast nicht mehr daran glaubte, lächelte Sven schelmisch.

»Das war nur ein Scherz. Ich bin mir sicher, dass wir auch ohne ihn Spaß haben werden.«

Mark war immer noch perplex, versuchte jedoch, sich seine Irritation nicht anmerken zu lassen. Viele Typen standen ja auf Dreier – oder mehr. Wenn er probeweise einfach ja gesagt hätte, was wäre passiert? Er konnte schlecht einschätzen, ob sein Gegenüber dann einen Rückzieher gemacht hätte.

Sven sah ihn abwartend an. »Also sagst du ihm jetzt Bescheid?«

»Ja klar«, erwiderte Mark und versuchte, sein Gedankenkarussell zu stoppen. Vielleicht sollte er wirklich lernen, alles außer Acht zu lassen und sich nur auf geile Momente zu konzentrieren. Dumm nur, dass ihm das einfach nicht gelang. Gerade, als er sich durch die Menge zu Karsten begeben wollte, hielt Sven ihn an der Schulter fest und sah ihm in die Augen. »Hör zu, das eben war echt nur ein Witz. Ich wollte dich provozieren. Keine Ahnung, warum. Frag ihn bitte nicht! Ich will mit dir alleine sein.«

Mark war wirklich erleichtert, das zu hören, auch wenn er sich wünschte, Sven hätte den Scherz gar nicht erst gemacht. Er nickte abermals und ging dann zu Karsten, der mit einem Typen tanzte, der zweifellos viel zu jung für ihn war, ihn aber unverhohlen anhimmelte. Klar, das gefiel Karsten natürlich ...

»Und, seid ihr weg?«, fragte er, als wäre er kein bisschen überrascht, dass Mark so schnell jemanden gefunden hatte.

»Ja, wir fahren zu mir. Und du? Kommst du klar?«

Karsten zuckte mit den Schultern. »Ich denke schon. Ich lasse mir von dem geilen Kerlchen gleich im Auto einen blasen und schicke ihn dann nach Hause. Keine Lust, dass der mich in meiner Wohnung belagert. Ach, Mark … denk dran, es geht bei dir heute mal nur um den Spaß! Man kann ficken, ohne sich zu verlieben. Lass die Gefühle aus dem Spiel, auch wenn’s dir schwerfällt.«

Das sagte Karsten so einfach … Aber ja, er hatte recht. Ficken, ohne Gefühle zu entwickeln, das schafften doch schließlich alle in seinem Umfeld – dann sollte er das wohl auch hinbekommen, wenn er sich Mühe gab. Mark warf noch einen Blick auf den Blowjob-Kandidaten seines Freundes. Der leckte sich schon lasziv über die Lippen, als wüsste er genau, worauf es ankam – und vermutlich wusste er es wirklich. Wenn der mal später kein Geld dafür haben wollte … Aber Karsten hatte wohl genügend Erfahrung, um einen Stricher zu erkennen, wenn er einen vor sich hatte.

Während Mark zu Sven zurückging, spürte er erneut Nervosität in sich aufsteigen. Würde er es wirklich schaffen, sich körperlich auszutoben, ohne seine Emotionen die Oberhand gewinnen zu lassen? Doch jetzt waren die Würfel gefallen, er würde es also so oder so herausfinden.

*

Mark öffnete die Tür und wurde auch schon von Sven, der ihn stürmisch küsste, in den Flur gedrängt. Mit dem Fuß beförderte er die Wohnungstür ins Schloss, während Sven an seinem Gürtel nestelte. Bereits im Taxi hatte Sven Marks Beule in der Hose erkundet und sie so lange gestreichelt, bis die sexuelle Reizung fast schon schmerzte. Mark war froh, dass sein erigierter Penis nun endlich befreit wurde – das fühlte sich richtig gut an! Er sah im Spiegel, wie Sven ihm die Hosen ein Stück herunterzog und in die Knie ging, um sich den strammstehenden Kameraden in den Mund gleiten zu lassen. Das Gefühl war unbeschreiblich geil, und sogar noch schöner, als Mark es sich schon auf der Fahrt ausgemalt hatte. Es war einfach viel zu lange her, dass sich jemand so unbändig über ihn hermachte. Mark stöhnte laut auf und lehnte sich gegen die Wand neben der Garderobe. Er senkte den Blick und sah zu, wie Sven sich seine Latte wieder und wieder in den Mund gleiten ließ. Mit jedem Verschlingen schien Marks Erektion noch weiter anzuwachsen. Svens Mundhöhle war so heiß und feucht. Sein Speichel glänzte auf dem Schaft, bevor die Enge der Lippen ihn wieder umfing. Das Gefühl war einfach zu überwältigend für Mark. Wenn er nicht aufpasste, war der erotische Abend schon in Kürze zu Ende. Es kostete ihn einiges an Überwindung, Sven vorsichtig, aber bestimmt wegzudrücken.

»Ich zeige dir mein Schlafzimmer, okay?«, fragte er außer Atmen.

Sven rieb sich über den Mund. »Du warst wohl schon kurz vor dem Abschuss«, mutmaßte er.

Mark wusste nicht, was er sagen sollte, also machte er nur eine vage Geste.

Sven grinste. »Ja, gehen wir ins Schlafzimmer.«

Mark zog sich die Hosen hoch und hoffte, dass er Svens weiteren Künsten etwas länger standhalten könnte, bezweifelte es aber stark. Jetzt ärgerte es ihn, dass er sich vor dem Ausgehen nicht selbst einen runtergeholt hatte. Vielleicht hätte ihm das nun etwas mehr Ausdauer verliehen. Er kam sich vor, als wäre er sexuell viel zu leicht reizbar. Sven schien es zu spüren, denn er lächelte und seine Augen blitzten vor Vergnügen. Klar, es war ja auch ein geiles Gefühl, den Partner die Kontrolle über sich verlieren zu lassen. Mark gönnte seinem Lover diesen erotischen Triumph. Er führte seinen Gast ins Schlafzimmer und schaltete das Licht ein. Das Bett war gemacht und Mark war froh, dass er sich die Zeit am Vormittag noch dafür genommen hatte. Auch sonst sah es recht ordentlich aus, bis auf einen Stapel seiner Zeichnungen, die in heillosem Durcheinander auf dem Nachttisch lagen. Er nahm sie weg und legte sie ins Buchregal.

»Möchtest du etwas trinken?«, fragt er, als ihm einfiel, dass man als Gastgeber solche Fragen stellen sollte, bevor man sich mit seinem Gast keuchend im Bett wälzte.

»Hast du Bier da?«

»Ja«, erwiderte Mark. »Ich gehe es holen. Mach es dir solange doch schon mal bequem.« Er verließ das Schlafzimmer und atmete tief durch. Langsam kroch ihm die Nervosität den Nacken rauf. Insgeheim fragte er sich, ob es anderen bei einem One-Night-Stand ebenfalls so ging.

Er schlich sich regelrecht in die Küche, als wäre es wichtig, keine unnötigen Geräusche zu machen. Mark wusste selbst nicht, was ihn dazu veranlasste, aber vielleicht war es die Tatsache, dass er das Gefühl hatte, sonst aus einem Traum zu erwachen. Als er vor dem Kühlschrank stand, atmete er abermals tief durch. Er musste unbedingt vermeiden, dass die Stimmung jetzt kippte – seine Stimmung! Dass seine zuvor noch übermäßige Erregung inzwischen abgeflaut war, war die eine Sache, aber sein bestes Stück musste wieder Einsatzbereitschaft zeigen, sonst würde diese Nacht die peinlichste seines Lebens werden. Mark nahm die beiden Bierflaschen aus dem Kühlschrank und öffnete sie. Dann holte er noch eine Tüte Salzstangen aus dem Schrank über der Spüle. Er ließ alles auf der Anrichte und ging ins Bad, um die Kondompackung und Gleitgel zu holen.

Während er in die Küche zurückeilte, hörte er, dass Sven sich die Wartezeit mit Singen vertrieb. Seine Stimme klang wirklich gut! Mark blieb stehen und lauschte – er sang eindeutig ein klassisches Stück. Ob Sven damit sein Geld verdiente? Vielleicht war er Operntenor … Mark kannte das Lied nicht, das sein Gast so gefühlvoll intonierte, aber es klang italienisch. Als Sven plötzlich abrupt zu singen aufhörte und seinen Namen rief, hechtete Mark schnell in die Küche. Nicht, dass sein Gast noch glaubte, er habe ihn belauscht – auch wenn er natürlich genau das getan hatte. Etwas außer Atem rief Mark dann: »Ich komme!«

»Zu früh! Das solltest du dir für später aufheben«, rief Sven gut gelaunt zurück. Auch wenn der Scherz reichlich abgegriffen war, war Mark froh, dass sein Gast noch nicht die Geduld mit ihm verloren hatte. Schnell nahm er die Flaschen, die Salzstangen, und klemmte sich die Kondompackung samt der Tube Gleitgel unter den Arm. Dann eilte er zum Schlafzimmer zurück, wo Sven es sich bereits nackt auf seinem Bett gemütlich gemacht hatte. Marks Blick wurde wie magisch auf das steil aufgerichtete Glied gelenkt, das eine recht passable Größe hatte. Die dicke Eichel lag frei, der Penisschaft war leicht geädert. Sven sah, bis auf diese augenscheinliche Erregung, ganz relaxt aus. Sein Körper war tatsächlich trainiert, wie Mark jetzt ohne die störende Kleidung feststellen konnte. Sven hatte ausgeprägte Muskeln an den Armen. Sein Bauch war flach und ebenfalls muskulös. Die Brust war unbehaart, genau wie seine Intimzone, abgesehen von einer schmalen und zielführenden Haarlinie, die von seinem Bauchnabel bis knapp über die Peniswurzel reichte.

»Ich hoffe, es ist okay für dich, dass ich mich schon mal ausgezogen habe. Du warst ja eine halbe Ewigkeit weg.« Mark wurde bei dem Vorwurf ein bisschen rot. Sven lachte. »Das war natürlich eine Übertreibung, aber schön, dass das Bier noch kalt ist. Ist wohl ein weiter Weg von der Küche hierher.« Nun grinste Sven, dann fügte er an: »Was hast du denn sonst noch mitgebracht? Lass mal sehen. Ah, Kondome und Gleitgel … Du willst doch nicht etwa ficken?« Er grinste nun noch breiter und ließ die Sachen, die er unter Marks Arm hervorgezogen hatte, neben sich aufs Bett fallen, dann setzte er sich die Öffnung der Bierflasche an die Lippen, um ein paar Schlucke zu nehmen. Auch Mark trank und hoffte, die Trockenheit in seiner Kehle würde damit endlich der Vergangenheit angehören. Kaum zu fassen, wie nervös er war. »Komm her zu mir!« Sven stellte seine Flasche auf dem Nachttisch ab und griff nach Marks Hüften. Er schnalzte tadelnd mit der Zunge. »Du hast dich ja wieder angezogen. Jetzt muss ich mit der Arbeit von vorne anfangen.« Er zog Mark die Hosen herunter und der half ihm dabei. Den Rest der Kleidung streifte Mark sich selbst vom Körper. Er war erhitzt und seine Haut prickelte vor Verlangen, berührt zu werden.

»Du siehst toll aus. Sehr sexy«, raunte Sven.

Es tat gut, das zu hören. Mark konnte spüren, wie seine Erregung wieder auf das Maß anstieg, auf dem sie sich vor dem Ausflug in die Küche befunden hatte. Auch Sven bemerkte es und gab ein zufriedenes Geräusch von sich. Dann zog er Mark abermals heran und sorgte dafür, dass dieser sich seitlich neben ihn legte und ihm die Front zuwandte. Mark spürte sein Herz beben. Er fühlte Svens heißen Atem auf seinem Körper. Sein Bettgefährte bewegte sich an ihm hinab und ließ sich die steif werdende Latte in den Mund gleiten. Sven massierte den Schaft mit seinen Lippen und Mark schloss genießerisch die Augen. Das geile Gefühl von vorhin war sofort wieder da, aber er hatte es nun tatsächlich etwas besser unter Kontrolle. Vielleicht, weil er sich auf noch viel mehr freute und sich nun sicherer sein konnte, dass Sven mit dem Grad seiner Erregung umgehen konnte. Der machte nämlich immer kleine Pausen, um Mark den Genuss zwar zu erhalten, diesen jedoch nicht zu schnell in die Höhe zu treiben. Es war schön, all das einfach nur zu genießen. Erst nach einer Weile begriff Mark, dass das zufriedene Brummen, das er hörte, von ihm selbst stammte. Er spürte, dass Sven etwas sehr Angenehmes mit seinen Hoden anstellte und sah nach unten. Sein Bettgefährte nahm seine Eier vorsichtig abwechselnd in den Mund. Mark sah zu und stöhnte vor Geilheit auf. Sven leckte ihm nun die Latte.. Eine Zeit lang setzte er die Schwanz- und Hodenstimulation ohne Hast fort. Dann hörte Sven auf, ihn oral zu verwöhnen, stattdessen fuhr er mit den Fingerspitzen über Marks Schenkel, ließ sie dann an der Rückseite seiner Beine hinaufgleiten und fuhr schließlich sanft an den Pobacken entlang. Das war ein kitzlig-schönes Gefühl, und Mark genoss es, auch wenn sein Glied ungeduldig pochte und nach weiterer Mundarbeit verlangte. Trotz der sexuellen Anspannung war es sehr angenehm, dass Sven sich die Zeit nahm, auch den Rest seines Körpers zu würdigen, denn nun streichelte er seinen Rücken, während er ihm zugleich den Bauch küsste. Sven richtete sich auf und seine Lippen strichen über Marks Brust, dann züngelte er erst an der einen, anschließend an der anderen Brustwarze. Mark spürte, wie seine Nippel die Stimulation an die Leistengegend weitergaben. Diese fast schon magische Verbindung sorgte dafür, dass er lustvoll aufstöhnte. Zugleich ließ Sven ihm hauchzart die Fingerspitzen über den Nacken gleiten. Kein Zweifel, der Mann wusste, wie man Erotik mit Zärtlichkeit verband. Und Mark musste sich eingestehen, dass er davon sehr positiv überrascht war. Er war etwas anderes gewohnt … In seiner Beziehung mit Axel war es längst nicht so zärtlich zugegangen, wie er es sich gewünscht hatte. Und die anderen schwulen Männer, die er kannte, berichteten ihm von wilden Nächten, in denen man direkt zur Sache kam; es klang immer so, als würde ihnen das gefallen. Vielleicht gefiel es ihnen ja tatsächlich, aber Mark hatte gewusst, dass er selbst etwas anderes brauchte – etwas, das er gerade von einem Wildfremden bekam. Er seufzte.

Sven sah zu ihm auf. »Alles okay? Gefällt dir irgendwas nicht?«

»Doch, ich finde es toll!«

»Gut. Ich dachte nur, weil du angespannt wirkst.«

Mark wusste, dass er recht hatte. Ein Teil von ihm konnte immer noch nicht die Abwehrmechanismen lösen, die er sich durch Axels extreme Eifersucht angewöhnt hatte. Aber er war auf dem besten Weg, sie abzulegen, davon war er überzeugt. »Ich fing gerade an, mich unter deinen Verführungskünsten zu entspannen«, versicherte er.

»Hm … Okay, aber dann mach doch einfach ein wenig mit. So können wir uns gegenseitig mit unserer Entspannung anstecken.«

Mark schlug sich gedanklich vor die Stirn. War sein letzter guter Sex echt schon so lange her, dass er nicht mehr wusste, dass passives Genießen nicht gerade zum erfüllten Miteinander führte? Vor allem, weil ihm jetzt erst klar wurde, wie gerne er Sven spüren wollte. Er ließ sich neben ihm auf dem Bett nieder und küsste seinen Hals. Mark ließ seine Hand über den flachen Bauch des Gespielen gleiten. Es war schön, warme Haut unter den Fingerspitzen zu fühlen. Sie ließen sich in die Kissen sinken. Auch Sven streichelte ihn nun wieder, ab und an ließ er seine Hand über Marks Penis gleiten. Mark tat es ihm gleich.

Die Küsse wurden intensiver. Als sich Sven über ihn beugte, lieferten sie sich ein sinnliches Zungenduell. Seinen Lover zu schmecken, ließ Mark zusehends außer Kontrolle geraten. Er konnte nicht mehr anders und presste die Hand nun fest um Svens Glied, um es zu massieren. Seine Bewegungen waren hart und fordernd; damit brachte er den Bettgefährten ganz offensichtlich in Ekstase. Sven ließ es sich nicht nehmen, Marks Erektion ebenfalls zu reiben, aber seine Hand wanderte schon nach kurzer Zeit den Damm entlang und er massierte mit einer Fingerkuppe die enge Rosette. Sofort wurde Marks Erregungskurve erneut in die Höhe gepeitscht. Er wusste nicht, wann Sven sich die Tube mit dem Gleitgel gekrallt hatte, aber er hatte eindeutig vorgesorgt, um ihn problemlos mit dem Finger erobern zu können. Das ging nun ziemlich schnell, aber zugleich wurden endlich seine geheimen Wünsche erfüllt. Wie oft hatte er sich schon in Gedanken ausgemalt, dass ihn jemand genau auf diese Art stimulierte. Und nun wurde es herrliche Realität! Die Reizung ließ Mark wohlig aufstöhnen. Ihm wurde bewusst, dass die Rollen für diese Nacht damit geklärt waren, aber das störte ihn nicht im Geringsten. Es war eher so, als hätte sein Lover ein feines Gespür dafür, was er brauchte – und er gab es ihm auf eine Art, die Mark ohnehin völlig wehrlos machte. Er ergab sich Sven gerne, denn es fühlte sich nicht wie ein Aufgeben an, sondern wie ein vertrauensvolles Fallenlassen. Kaum zu glauben, dass ihm das gelang, obwohl sie sich doch gar nicht kannten!

Sven küsste ihn wilder, während er ihn vorsichtig erforschte. Mark konnte gar nicht anders, als laut aufzustöhnen und die Erektion seines Bettgenossen gierig zu reiben. Der Drang, ihn in sich zu spüren, wuchs bis ins Unermessliche. Ehe er sich versah, hatte er genau das gewispert. Und gleich noch einmal, fordernder. »Lass mich deinen Schwanz spüren. Ich will, dass du mich damit ausfüllst.« Er wiederholte es – die Sehnsucht war einfach zu groß, um sich zu stoppen.

Sven nickte, als er Marks Entschlossenheit und seine inständige Bitte hörte. Er holte ein Kondom aus der Packung, um es überzustreifen. Mark stöhnte in freudiger Erwartung auf, doch Sven ließ sich Zeit. Er brachte sich zwar in Position, indem er sich hinter Mark legte, aber er schmiegte sich an ihn und ließ seine Eichel vorerst an dessen Rosette verharren. Nur ab und zu stieß er sanft dagegen, ohne sich in den engen Muskel zu drängen. Seine Stimme war nur ein Flüstern, aber voller Wärme.

»Lass auch den Rest deiner Anspannung hinter dir. Werde ganz locker. Ich bin da und erfülle dir deine Wünsche … aber wir haben Zeit.«

Mark atmete tief durch und ließ es zu, dass sämtliche Nervosität von ihm abfiel. Die Vergangenheit verschwand und er war endlich im Hier und Jetzt angekommen – bei sich und bei diesem unglaublichen Kerl, der willens war, sich völlig auf ihn einzustellen. Sven war so ganz anders als die Typen, von denen Karsten und andere Bekannte ihm berichtet hatten. Mark wusste, welches Glück er hatte, und das sorgte zusätzlich dafür, dass er gedanklich loslassen konnte. Als er spürte, dass er bereit war, kam er Svens sanftem Druck entgegen. Sven drang in ihn ein, und Mark genoss das Gefühl durch und durch. Es war aufregend, von ihm geweitet zu werden. Sein Liebhaber war zärtlich genug, ihm Zeit zu geben, sich auf ihn einzustellen. So eroberte er ihn Stück für Stück und Mark nahm den schwindenden Widerstand als herrlich stimulierend wahr. Als Svens Glied schließlich ganz in ihm war, begann dieser vorsichtig mit rhythmischen Stößen. Mark spürte einen unglaublich erotischen Kitzel, der sich in Windeseile in pure Geilheit verwandelte. Nun konnte er gar nicht mehr genug von den Stößen bekommen, mit denen der andere Mann seinen Körper in Ekstase katapultierte. Er fühlte Svens verschwitzten Körper, der immer wieder gegen seinen Rücken drängte. Sie waren nun verschmolzen und wanden sich in gemeinsamer Lust. Doch plötzlich hielt Sven inne. Er keuchte laut, schmiegte sich fest an Mark und umschlang ihn mit einem Arm.

»Hey, alles okay bei dir?«

Mark war verwirrt. Hatte er etwa einen anderen Eindruck gemacht? »Ja. Es ist sehr schön. Willst du nicht kommen?«

Sven lachte leise. »Klar will ich! Aber was ist mit dir? Was willst du? Wäre es nicht schön, wenn wir gemeinsam kommen?«

Mark brauchte einen Moment, um die Frage komplett zu erfassen. Axel und er hatten schon ewig nicht mehr so ein Gespräch beim Sex geführt. Eigentlich war alles immer nach einem ähnlichen Muster abgelaufen – mit dem Ziel der möglichst schnellen Befriedigung. Dass diese gemeinsam stattfand, war schon seit langer Zeit nicht mehr passiert. Mark hatte es ab und an vermisst, aber so etwas zu planen, war ihm letztendlich dann doch irgendwie zu verkrampft erschienen. Er hätte das Thema nämlich extra ansprechen müssen, und damit hätte er vermutlich Axels Gefühle verletzt, was diesen wiederum zu einer abwehrenden Haltung veranlasst hätte. Eine Situation von vielen, in denen Mark deshalb lieber geschwiegen hatte. Nun jedoch, da Sven ihn so hielt, als wolle er ihn nie wieder loslassen, und als würde er seine Frage ernst meinen, hatte der Plan eines gemeinsamen Orgasmus einen ganz neuen Reiz. Es kam Mark wie die Kirsche auf dem Sahnehäubchen vor – und ja, genau die wollte er!