Neubeginn - Hanna Michel - E-Book

Neubeginn E-Book

Hanna Michel

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Beschreibung

Eine reale Geschichte, die nachdenklich macht. Ehrlich und offen, unfassbar, unvorstellbar - und doch genauso geschehen: Hanna, Mutter von drei Kindern, sucht am Endpunkt ihrer Ehe eine neue Perspektive für ihr weiteres Leben und lernt in einem Chatroom den »Doc« kennen; einen faszinierenden Unbekannten, der ihre Sehnsüchte bedient. Er zeigt ihr wunderbare Möglichkeiten auf, leitet sie an Neues zu probieren und bestärkt sie in ihrem Selbstbewusstsein und Selbstverständnis als Frau. Zu ihrer eigenen Verwunderung wird Hanna von ihrer Umgebung plötzlich auf sehr positive Art und Weise wahrgenommen. Sie verstrickt sich immer tiefer in seinem engmaschigen Netz. Irgendwann ist sie mental und emotional von ihm abhängig. Ihre devote Neigung nutzt er geschickt aus, um sie immer fester an ihn zu binden. Hanna gerät in eine tief greifende seelische Krise und löst sich von dem Mann, der seine sadistischen Neigungen an ihr auslebt, doch es gelingt ihm immer wieder, sie zurückzugewinnen und so dreht sich die Spirale immer weiter … Zum Glück gibt es Menschen, die versuchen, Hanna aus den Fängen dieses Psychopathen zu befreien. +++ Was als Chat unter Fremden im Schutz der Anonymität des Internets begann, entwickelt sich rasch zu einer realen Krise. - Man kann nie sicher sein, wem man online ins Netz geht.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 283

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Hanna Michel

Neubeginn

Copyright: © 2015 Hanna Michel

Titelbild: © merydolla

(www.fotolia.com) Verlag: tredition

GmbH, Hamburg

Erich Fried, Was es ist, aus: Es ist was es ist

© Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 1983

Über die Verführung von Engeln, aus: Bertolt Brecht, Werke.

Große kommentierte Berliner und Frankfurter Ausgabe, Band 15: Gedichte 5

© Bertolt-Brecht-Erben / Suhrkamp Verlag 1993

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Prolog

Meine Gedanken bestimmen mein Leben,

aber ich alleine bestimme die Art meiner Gedanken …

Immer wieder denke ich darüber nach, wie ich mich endlich und endgültig, nach diesen langen Jahren, aus meiner vertrackten Lage lösen kann. Ich weiß, ich brauche dringend Hilfe. Alleine schaffe ich das nicht.

Meine vielen Versuche, mich aus seinem engmaschigen Netz zu befreien, sind bisher allesamt gescheitert. Es gibt einen Weg, ich muss ihn finden.

In den letzten Monaten und Jahren, habe ich gelernt, meine Augen und meine Ohren offen zu halten, und alle Botschaften, die für mich bestimmt sind, auch zu erkennen und zu nutzen.

Andrea ist so eine Botschaft. Es ist kein Zufall, dass ich sie kennen gelernt habe. Ich weiß, sie wird mir helfen, meinen Weg zu finden.

Kapitel 1

Es ist Herbst 2006, seit einigen Wochen ist meine Kleine für ein Auslandsschuljahr in Australien. Die Mittlere macht eine Ausbildung und der Große studiert in Norddeutschland. Alle drei sind auf dem besten Weg erwachsen und selbstständig zu werden.

Der Haushalt ist gut organisiert, die Kinder fordern mich nicht mehr, – viel Zeit für mich. Zeit zum Nachdenken, Zeit ein Resümee der letzten 20 Jahre zu ziehen. Seit langer Zeit bin ich mit meinen Lebensumständen unzufrieden. Ich möchte das unbedingt ändern, aber ich weiß noch nicht wie. Aus vielen guten Gründen bin ich Hausfrau und Mutter. Mit Überzeugung und Begeisterung habe ich mich immer für meine Familie eingesetzt und alles getan, damit „mein Laden“ rund läuft. Das ist mein Job und den habe ich mir selbst ausgesucht. Es war mein großer Wunsch, für meine Kinder und meinen Mann auf diese Weise da zu sein. Das bedeutet, ständig das volle Programm, ohne Pausen. Ich habe mich immer um alles gekümmert. Egal wann, egal wo, ich war stets bereit für meine Kinder und meinen Ehemann. Auf diese Weise habe ich im Laufe der Zeit mehr und mehr meine eigene Persönlichkeit verloren. Bei jeder Entscheidung, die ich getroffen habe, stellte ich mir grundsätzlich nur diese Fragen: Ist das gut für meinen Mann? Ist das gut für meine Kinder? Ist das gut für meine Familie? Ob meine Entscheidungen gut für mich waren, habe ich mich nie gefragt.

Nun machen sich Schlagworte wie Ehekrise und Midlifecrisis in meinem Kopf breit. Mir ist bewusst, da gibt es viel zu viel, was in meinem Leben nicht mehr zusammenpasst.

Ich habe das Gefühl, ein riesengroßes Loch tut sich vor mir auf. Fragen nach dem Sinn des Lebens, Fragen nach dem Sinn meines Lebens beschäftigen mich. War es das jetzt, oder kommt da noch was? Soll ich weiter machen wie bisher oder traue ich mich, aus diesem Trott auszubrechen und neue Wege zu gehen? In dieser Verfassung habe ich ihn getroffen, – im Chat – auf der blauen Seite. Engel wollen fliegen und DerDoc. Ein ausgesprochen arroganter Schnösel, viel zu frech und total von sich eingenommen. Ein Schwätzer, ein Spinner, dann aber plötzlich ernsthaft, kultiviert, geistreich und witzig. Was mir sofort auffällt, er ist der deutschen Sprache mächtig, kann sich ausdrücken und fehlerlos schreiben, womit er sich hier deutlich von der Masse abhebt und ordentlich punkten kann. Vielleicht ist er gerade deshalb interessant genug, um ihn nicht zu ignorieren. Allgemeinplätze beherrschen unsere ersten Gespräche, bloß nichts Persönliches. Es ist ein vorsichtiges Herantasten und Kennenlernen, denn man weiß ja wie gefährlich so ein Chat sein kann …

Wochen vergehen, ab und zu „treffen“ wir uns im Chat. Ohne Verabredung, einfach so, wie es sich gerade ergibt. Nach und nach werden unsere Gespräche vertrauter. Ich erzähle ihm von mir, meiner Ehe und den Kindern. Sein Verständnis und seine Anteilnahme bauen mich auf. Es tut so gut, jemanden zu haben, der mir zuhört und manchmal auch einen Rat für mich hat. Der Chat bietet mir Schutz in meiner Anonymität. Ich kann mir alles von der Seele schreiben. Er kennt mich nicht, er sieht mich nicht. Mit Tränen in den Augen und einem dicken Kloß im Hals lässt es sich viel leichter schreiben als reden. Der Chat als modernes Sorgentelefon.

Und dann, nach etwa einem Vierteljahr, das erste von vielen besonderen Gesprächen. Es ist ganz anders als sonst. Es geht nur um mich, um meine Persönlichkeit. Zum ersten Mal seit sehr langer Zeit hatte ich das Gefühl da interessiert sich jemand für mich!

„du musst auf dich achten!“

„leg die blöden jeans ab!“

„sei frau!“

Es geht um mich, es geht nur um Hanna. Er will alles von mir wissen und macht mir Vorschläge, was ich verändern kann. Und Stück für Stück tastet er sich bei dieser Gelegenheit auch an meine vernachlässigten sexuellen Wünsche und Vorlieben heran. Ja, das ist (m)ein spezielles Thema. Seit Monaten habe ich meine Zeit intensiv genutzt, um mich mit meinen Fantasien und Gefühlen auseinander zu setzen. Das Internet bietet dazu fantastische Gelegenheiten. Ich finde ausführliche Antworten auf meine zahllosen Fragen, jede Menge sachliche Informationen und kann mich in verschiedenen Foren mit Gleichgesinnten austauschen.

Nach und nach wird mir klar, was mir, insbesondere in erotischer Hinsicht, während meiner Ehe gefehlt hat. Mit meinem Mann ist es schwierig über das Thema Sex und seine möglichen Spielarten zu reden. Wir haben das beide nicht hingekriegt.

Ich fühle mich dauernd missverstanden und selbst wenn ich ihm (ohne Worte) die Hand führe, versteht er nicht, was ich möchte. Es fehlt an Kreativität und Einfühlungsvermögen, oder einfach nur an der Fähigkeit, offen über unsere Wünsche zu reden. Guten Sex habe ich nur, wenn ich die Initiative ergreife und die Führung übernehme. Aber genau das liegt mir überhaupt nicht. Ich will doch geführt werden, manchmal will ich benutzt werden, ich will meinem „Herrn“ dienen. Dafür muss er die Regie führen und sagen wo’ s langgeht.

Kann ich ihm offenbaren, dass ich meine devoten und leicht masochistischen Neigungen ausleben möchte? Vermutlich zweifelt er dann vollends an meinem Verstand. Als mir diese Eigenschaft klar wurde, erging es mir ja nicht anders. Ich habe anfangs tatsächlich an mir und meinem Verstand gezweifelt.

Unser äußerst sporadischer eheliche Sex beschränkt sich seinerseits auf ein fantasieloses rein – raus – fertig – umdrehen – einschlafen …, was dann mein Startsignal zur ungestörten Selbstbefriedigung inklusive intensivem Kopfkino in schwarzen Lederfesseln zur Sprachlosigkeit geknebelt und zärtlichen Streicheleinheiten mit der Gerte ist.

Diese und ähnliche Vorstellungen begleiten mich nun schon sehr lange. Durch viele Gespräche im Chat mit dem Doc und anderen bekomme ich endgültig die Bestätigung meiner Vermutung. Ich bin eben anders und das nicht erst seit einem halben Jahr. Diese Erkenntnis erschreckt und verunsichert mich zunächst sehr. Noch weiß ich nicht, wie ich damit umgehen soll.

Der Doc nimmt mir meine Zweifel, unterstützt mich und stärkt mein Selbstvertrauen. Plötzlich ist alles so einfach. Neue Perspektiven eröffnen sich für mich. Plötzlich ist da jemand, der mich ernst nimmt und mir Kraft und neuen Mut gibt. Mit der Zeit gewinnt er immer mehr Einfluss auf mich, und er weiß es genau.

„verfluchst du mich nicht?“

„Nein, warum?“

„den tag an dem du mich kennen gelernt hast? dir den kopf verändert habe?“

„Nein, der Tag hat eine andere Bedeutung für mich, aber es ist so, den Kopf hast du mir verändert.“

„ich hoffe du wirst viel mehr frau sein in zukunft.“

„Das werde ich, da kannst du sicher sein …“

„das wird dein selbstvertrauen stärken.“

„Ja, das stimmt, mir geht es richtig gut. Am besten, wenn wir miteinander reden.“

In diesen Wochen wird er zu meinem Lebensberater, zu meinem Freund und auch zu meinem Dom. Er bestimmt dadurch mehr und mehr über mich, und ich gebe zu, es gefällt mir. Denn endlich gibt es jemanden, der sich um mich kümmert und mich ernst nimmt. Virtuell macht er alles, was ich mir von meinem Mann immer gewünscht habe. Mit ihm kann ich über alles offen und ohne Hemmungen reden, auch über Sex.

„Ich glaube, ich bin heute aufgeschlossener, neue Dinge zu probieren. Aber ich möchte dabei geführt werden.“

„seit wann weißt du das?“

„Schon länger.“

„genauer“

„Vielleicht liegt es daran, dass ich beim Sex mit meinem Mann beinahe immer die Initiative ergreifen muss. Dabei will ich mich viel lieber fallen lassen können. Vielleicht auch mal benutzt werden, ausgeliefert und hilflos sein … Ich habe dir doch mal erzählt, dass ich als Kind häufig mit meinen Freunden Indianer gespielt habe.“

„ich weiß.“

„Weißt du, was ich daran am besten fand?“

„na, fesseln?“

„Ja, wenn sie mich gefangen und gefesselt haben. Das ist mir aber erst jetzt wieder richtig bewusst geworden. Diese Gedanken hatte ich irgendwo tief in mir vergraben.“

„die schmerzen hast du vergessen?“

„Eigentlich nicht, ich fand das gut.“

„die lust im schmerz.“

„Ja, mag sein, aber das war noch keine sexuelle Lust.“

„aber jetzt wirst du sie spüren.“

„Ja, das hoffe ich.“

„Ich möchte es erfahren.“

„du bist dazu bereit, das ist gut.“

„aber ich bin streng mit dir …“

„Ja, Herr, ich habe Vertrauen zu dir.“

„warum?“

„Weil ich merke, dass du mir gut tust. Ich fühle mich besser.“

„jetzt lächle ich.“

„Ich mag dich.“

„du machst alles.“

„Ja, Herr.“

„lass dich scheiden und komm mit mir!“

„Würde mich nicht wundern, wenn das bald so weit ist. Bei uns ist richtig Druck in der Luft.“

Mein Selbstbewusstsein beginnt zu wachsen. Ich fühle mich gut und bin bereit, aktiv zu werden. Endlich habe ich kapiert, ich muss mich ändern, damit sich meine Situation verändert. Erste kleine Schritte habe ich mit seiner Hilfe gemacht und ich kann wirklich ein paar Erfolge für mich verbuchen.

Nach über 20 Jahren als Hausfrau und Mutter will ich zurück ins Berufsleben und meine Position finden. Klar, das wird sehr schwierig werden. In meinen erlernten Beruf kann ich nicht zurück. Ich bin viel zu lange raus und es hat sich bis auf kleine Ausnahmen faktisch alles geändert. In den vergangenen Jahren war ich ehrenamtlich im Vorstand eines Sportclubs aktiv. Ich kann mit dem PC umgehen, organisieren liegt mir und ich bin motiviert. Das sind doch positive Eigenschaften und damit gute Voraussetzungen.

Eine Zeitungsanzeige veranlasst mich, den ersten Schritt zu machen. Meine Kurzbewerbung am Telefon ist auf Anhieb erfolgreich. Ich werde zu einem persönlichen Vorstellungsgespräch eingeladen. Das hört sich gut an. Na ja, es ist nur ein Job in einem Callcenter, nichts Besonderes und auch keine wirkliche Perspektive für die Ewigkeit. Aber für mich ist es ein kleiner Meilenstein. Ich werde bald 50 und habe im Augenblick keine Alternative. Es ist in erster Linie ein Test. Herausfinden wo ich stehe, das ist mein Ziel. Alles andere wird sich schon ergeben. Ja, und ich habe zum Glück ihn, der mich immer wieder unterstützt und mir Mut macht. Das gibt mir die Kraft, die ich für meinen Neuanfang so dringend brauche.

„musst immer für meine bedürfnisse da sein.“

„Ja, Herr.“

„willst du das?“

„Ich will für dich da sein. Solange ich das Gefühl habe, dir wichtig zu sein, werde ich alles für dich tun.“

„du bist das wichtigste, was ich habe.“

„Meinst du das ernst? Das hat mir schon lange keiner mehr gesagt. Das tut richtig gut.“

„ja, das sage ich jetzt, obwohl es deine position als sub stärkt.“

„Nein, es stärkt mein Vertrauen in dich.“

„es wird ein anderes leben werden.“

Ich will ein anderes Leben, ich will wieder ich selbst sein. Meine Persönlichkeit zurück haben und neue Wege gehen. Einen Weg mit ihm? Es ist an der Zeit, ihn zu treffen. Unsere Gespräche im Chat sind schön und tun mir gut – aber …

Dieses Aber beschäftigte mich schon eine ganze Weile. Was ich von ihm kenne sind Worte und Zahlen und ein Foto von ihm. Meint er seine Worte wirklich ehrlich? Ist das Bild echt? Ich will seine Stimme hören und ihn sehen, seine Mimik, seine Gestik und vor allem seine Augen.

„Kannst du mir sagen, an welchem Wochenende wir uns sehen? Ich habe mir 2 Termine frei gehalten.“

„ich muss meinen kalender zu hause ansehen. wann hast du frei?“

“Das 1. und das 3. Februarwochenende.“

„ich denke das 3. könnte was werden.“

„Das wäre sehr schön.“

„sag ich dir aber noch definitiv.“

Kapitel 2

Mein Job im Callcenter macht Spaß. Ich habe endlich wieder eine Aufgabe, für die ich sogar bezahlt werde und obendrein noch ein bisschen Anerkennung bekomme. Mehrere Kunden sagen mir, ich habe eine ausgesprochen sympathische Stimme, man könnte mein Lächeln sogar hören. Das sind sie, diese kleinen Glücksmomente. Die bauen mich auf, sie streicheln meine Seele und deshalb bedeuten sie mir sehr viel.

„hallo kleine.“

„Hallo, Doc“

„ich will ein bild von dir. zieh dir eine bluse mit weitem ausschnitt an, dazu einen engen kurzen rock.“

„Ich habe keinen kurzen Rock ☹.“

„du sollst an meiner seite sein, da musst du dich schon ansprechend kleiden.“

„Ich werde in die Stadt gehen und mir etwas Passendes kaufen.“

„mach das und enttäusch’ mich nicht wieder!“

„Nein, beim nächsten Mal wirst du zufrieden sein.“

„Wann sehen wir uns?“

„kann ich dir noch nicht sagen, muss erst meine termine abklären.“

Warum weicht er mir wieder aus? Was soll das? Ist das alles hier nur ein Spiel für ihn? Ein Spiel mit meinen Gefühlen? Viele Fragen beschäftigen mich. Ich muss bald entscheiden, wie es weiter gehen soll.

In wenigen Tagen kommt mein Mann zurück. Er besucht unsere Tochter im Ausland. Ich muss unbedingt mit ihm reden. Unsere Ehe ist emotional am Ende. Wir gehen uns so gut es geht aus dem Weg, reden nur das Nötigste miteinander und dennoch brennt spürbar die Luft zwischen uns. Ich habe das Gefühl, es braucht nur noch einen winzigen Funken, und es kommt mit voller Wucht zu der lange fälligen Explosion.

Manchmal hat so ein Ereignis etwas Reinigendes, etwas Klärendes. Manchmal bleibt nur verbrannte Erde zurück. Finden wir dieses Mal wieder zu einander? Vor ein paar Jahren standen wir schon einmal an genau diesem Punkt. Damals haben wir uns für uns und unsere Kinder entschieden. Damals gab es niemanden, der mir eine bessere Zukunft versprochen hat.

Für die Kinder war diese Entscheidung richtig, für ihn sicher auch. Alles blieb im Lot. Kein Umbruch, keine Aufbruch, kein Abbruch. Ich habe weiter meine Arbeit als Hausfrau und Mutter gemacht, suchte hier und da nach Anerkennung und fühlte mich in meiner finanziell gesicherten Welt häufig allein und unverstanden.

Jetzt hat sich vieles geändert. Auf die Kinder brauche ich nur noch bedingt Rücksicht zu nehmen. Allmählich habe ich mich selbst wieder entdeckt und habe den Mut und die Zuversicht, einen Neubeginn zu wagen. Er macht mich stark, er gibt mir diese Kraft, das nötige Selbstbewusstsein und nicht zuletzt eine neue Perspektive.

„ich hol dich da raus, aber dann gehörst du mir. überleg es dir.“

„Meinst du das wirklich ernst?“

„ich sag es so, wie ich es meine. überleg es dir!“

„Danke, das ist gut zu wissen, aber erst einmal habe ich ein Gespräch mit meinem Mann.“

„willst du die scheidung?“

„Ich sehe fast keine andere Möglichkeit mehr, aber eine Scheidung bedeutet meinen finanziellen Untergang.“

„das ist nicht schlimm, du beginnst ein neues leben, du bist eine wunderbare person – das reicht.“

Weg ist er wieder. Ich lese zum x-ten Mal unsere Gespräche und frage mich ebenfalls zum x-ten Mal, warum er sich seiner Sache so sicher sein kann, wenn wir uns doch noch nicht ein einziges Mal gesehen haben … Und immer wieder überzeugt er mich von seiner Wahrhaftigkeit. Ich verstehe es selber nicht. Jedes Misstrauen, jede Unsicherheit wischt er mit einem virtuellen Lächeln und ein paar passenden Sätzen weg.

„du bist das beste, was ich habe, das weißt du. kläre alles zu hause. ich werde dich in ganz neue regionen führen, oder willst du weiter dein langweiliges leben im goldenen käfig. sag es mir, dein DOM.“

Mein Mann ist zurück und endlich reden wir. Ich schaffe es, ihm meine Sicht der Dinge, auf sachliche Art und Weise, zu erklären. Mit vielen Beispielen erkläre ich ihm meine Situation und mache deutlich, dass ich neue Wege gehen muss. Einen Anfang habe ich mit meinem neuen Job gemacht. Er nimmt mich nicht ernst. Er möchte nicht, dass ich dieser Arbeit nachgehe. Er möchte nicht, dass ich irgendeiner Arbeit nachgehe, da mein „Erziehungsauftrag für die Kinder“ noch nicht abgeschlossen ist.

Staunend frage ich ihn, ob er tatsächlich der Meinung ist, dass unsere nun siebzehnjährige Tochter nach ihrer Rückkehr aus dem Ausland, nicht in der Lage sein wird, ein paar Stunden ohne ihre Mutter zu überleben.

„Du kannst deinen Job hier nicht einfach vernachlässigen. Du hast Verpflichtungen, wir verlassen uns auf dich.“

Oh ja, bisher hat das auch wunderbar geklappt. Leider will die Mutti nicht mehr so funktionieren wie bisher. Sie will eine richtige Arbeit, sie will unter Menschen, sie will Anerkennung, sie will einen Mann, der sie begehrt und Zeit für sie hat, sie will erfüllenden Sex. Sie will sich endlich verändern, weil sie ihr Leben verändern will. Sie will ihre Persönlichkeit zurück!

Das ist für ihn ein bisschen viel auf einmal. So kennt er mich nicht. Die sorgsam aufgebaute Fassade bekommt erste Risse. Unsere Bilderbuchfamilie, wie sie alle kennen und schätzen, funktioniert nicht mehr. Wie soll man (er) das in der Familie erklären? Was werden die Freunde und seine Arbeitskollegen denken? Und noch viel wichtiger, welche Einschnitte bedeutet es für das Familienoberhaupt persönlich, wenn die Chefin eigene Ideen umsetzt und nicht mehr uneingeschränkt für die Bedürfnisse der Familie zur Verfügung steht. Wird sie ihm dann noch, wie gewohnt, immer und ohne Ausnahme den Rücken freihalten. Wird er seine knappe Zeit anders einteilen müssen? Kommen da womöglich ganz neue Verpflichtungen auf ihn zu?

Und dann sind da auch noch ihre vielen äußeren Veränderungen. Sie läuft jeden Morgen ihre Joggingrunde, macht zusätzlich viel Sport, ernährt sich und die Familie bewusster und gesünder („immer dieser „Bioscheiß“), kleidet sich neuerdings sehr feminin, trägt eine neue Frisur, benutzt einen wunderbaren Duft und beginnt sich, ungewohnter Weise, zu schminken.

„Du bist so anders, du kommst mir vor wie fremdgesteuert …!“

Wenn du wüsstest, wie recht du damit hast. Wie oft habe ich mir gewünscht, du würdest in mir ab und zu mal etwas anderes sehen, als die top aufgestellte Familienmanagerin.

Meine vielen Jobs habe ich immer hervorragend gemacht. Ich beherrsche eine Menge Berufe: Logistikmanagement, Putzfee, Wäscherei und Bügeldienst, Großküche inklusive Bäckerei, Gästebewirtung, morgendlicher Weckdienst, Terminverwaltung für Kinder, Taxifahrerin, Krankenschwester, Seelsorgerin, Diplomatin (vorzugsweise bei Elternsprechtagen), Gärtnerin (mit Lust und Liebe), Sportcoach, Masseurin und noch viele andere mehr.

Ich habe jeden Beruf gerne und mit Überzeugung ausgeübt. Leider bin ich bei diesen vielen Aufgaben auf der Strecke geblieben.

„Hej, Doc!“

„na du schickes weib.“

„Gefallen dir die Sachen?“

„endlich vernünftige bilder, hast dich gut rausgeputzt.“

„Danke ☺.“

„siehst richtig lecker aus!“

„Lächel, das habe ich gehofft.“

„allmählich kennst du meinen geschmack.“

„Magst du auch den kurzen Rock?“

„der könnte noch kürzer sein, hast die beine danach.“

„fehlen nur noch hohe absätze.“

„Ich habe keine passenden Schuhe.“

„kauf dir welche, tu s für mich, kleine.“

„Ja.“

„du wirst immer perfekter, immer femininer, glaub mir. auch dein mann wird verrückt, wenn er sieht, was aus dir geworden ist.“

„Er wundert sich nur noch.“

„Hast du schon in deinen Kalender geguckt?“

„stell mir keine fragen!“

„du musst erst mal fit werden, damit ich mich mit dir zeigen kann.“

„Ich mache doch alles, was du willst.“

„das genügt mir nicht.“

„lern erst richtig mit pumps zu gehen.“

„Ich habe in letzter Zeit schon so viel Geld ausgegeben.“

„Kannst du mir bitte die Pumps kaufen?“

„ich muss los, muss arbeiten“

„Ja, bis heute Abend.“

„geh in ein schuhgeschäft und üb da.“

„schick mir neue bilder von dir, ich will deine haut sehen.“

„Ja.“

„es tut mir gut, wenn ich dich abends im bett betrachten kann.“

„du möchtest doch, dass es mir gut geht.“

„Ja.“

Ärgerlich schalte ich den Computer aus. Tausend Fragen schwirren mir durch den Kopf. Was ist mit mir? Ich möchte auch, dass es mir gut geht! Wann sehen wir uns? Warum kauft er mir keine Pumps, wenn er sie unbedingt für mich will? Warum geht er jedes Mal, wenn ich von ihm konkrete Antworten will? Vollidiot, Blödmann und noch einige andere nicht gerade liebevolle Bezeichnungen fallen mir für ihn ein. Trotzdem mache ich, wie verabredet, zwei Bilder von mir und schicke sie ihm.

Bevor ich ins Bett gehe schaue ich kurz nach, ob ich eine Nachricht von ihm habe.

„ich habe dir genau erklärt, was ich für bilder von dir will! zeig haut! du hast deine aufgabe nicht erfüllt!“

Tolle Nachricht! Was denkt sich dieser arrogante Mistkerl eigentlich? So kann er nicht mit mir umgehen. Ich verschicke keine Nacktbilder von mir übers Internet. Was bildet dieser Doofmann sich ein? Ich will ihn endlich treffen, dann können wir uns vielleicht über weitere Bilder unterhalten. An Schlaf ist nicht zu denken.

Meine Stimmung ist auf dem Nullpunkt. Es geht nicht voran. Ich habe das Gefühl, auf der Stelle zu treten. Er hält mich hin, will Zeit schinden. Warum? Ich bin mir sicher, er spielt nur ein Spiel mit mir. Er will sich überhaupt nicht mit mir treffen. Er ist nicht ehrlich zu mir. Zweifel machen sich breit. Zu allem Überfluss bemüht sich mein Mann nach Kräften um mich. Er nimmt sich Zeit für uns. Er lädt mich zum Essen ein. Er schenkt mir sogar wunderbare Blumensträuße, einfach nur so, und er begleitet mich auf langen Spaziergängen, die wir mit guten Gesprächen verbinden.

Fast fühlt sich alles wieder wie früher an. Beinahe erleben wir glückliche Momente. Ich bin mit meinen Gefühlen hin und her gerissen. Ich möchte meine Familie nicht zerstören, habe aber gleichzeitig große Angst, die Bemühungen meines Mannes verlaufen bald im Sande und ich komme wieder von meinem neuen Weg ab. Ihm ist die Kontinuität unserer Ehe wichtig, nicht mehr und nicht weniger. Das ist mir nicht genug.

Meine innere und äußere Veränderung tut mir gut. Durch meine Verwandlung, beginnen sich allmählich meine Lebensumstände zu verändern. Ich werde plötzlich wieder wahrgenommen. Wildfremde Menschen lächeln mir zu. Alte Bekannte (vorwiegend Männer) bewundern mein neues weibliches Aussehen. Freundinnen bestätigen meine positive Ausstrahlung und ich gehe zunehmend selbstbewusster durchs Leben. Das fühlt sich richtig gut an!

Von allen Seiten bekomme ich ein positives Feedback, nur mein Mann versagt mir seine Anerkennung. Ich glaube, ihm wird die Sache langsam unheimlich. Es sind zu viele Veränderungen auf einmal. Für mich ist es beinahe so, als hätte ich mich nach langen Jahren endlich aus meinem alten, starren Kokon befreit und heraus ist eine wunderschöne, attraktive, selbstbewusste Frau geschlüpft.

Sollte er nicht stolz auf mich sein? Warum unterstützt er mich nicht?

„Na du, hast du auf mich gewartet?“

„kann sein.“

„☺.“

„Sonst ist das immer umgekehrt …“

„lach nicht“

„Ich lächle nur. Ich freue mich, dich zu treffen.“

„endlich vernünftige bilder“

„Hast du mir verziehen?“

„etwas )“

„Danke, Doc.“

„Wann sehen wir uns? Klappt es Ende des Monats?“

„du bist noch nicht genügend vorbereitet.“

„Was muss ich denn jetzt noch tun?“

„highheels!“

„Woher soll ich die denn nehmen?“

„hast du schon mal drin gestanden?“

„Nein.“

„besorg dir welche, mind. 10 cm.“

„Wenn ich so etwas tragen soll, dann kannst du mir die auch kaufen!“

„werd’ nicht gleich wieder frech, kleine!“

„du hast mir deinen uneingeschränkten gehorsam versprochen.“

„Ja, Doc.“

„wie geht es zu hause, was ist los?“

„Er ist unterwegs. Am Telefon meinte er wir können unsere Probleme lösen. Ich habe ihm gesagt, es fällt mir schwer, daran zu glauben.“

„was hat er vor?“

„Er bemüht sich um mich, aber ich denke, es geht ihm weniger um mich, sondern ihm liegt hauptsächlich daran, dass sich seine Situation nicht verändert. Am Wochenende wollen wir noch einmal reden. Er hat mir auch gesagt, wenn ich jetzt gehe, brauche ich nicht mehr zurück zu kommen.“

„und was sagst du?“

„Ich möchte die Trennung.“

„das erleichtert vieles.“

„Ich denke, er braucht einfach Zeit, um zu verstehen, dass unsere Beziehung keinen Sinn mehr macht.“

„ja, gib ihm zunder, hat er versucht, dich anzufassen?“

„Nein, hat er ja schon ewig nicht mehr. Manchmal nimmt er mich noch in den Arm. Er kann sich nicht vorstellen, dass es mir ernst ist.“

„er wird nachdenklich.“

„zeig ihm, dass du ein tolles weib bist!“

„ich geh jetzt.“

„Ich möchte dich noch etwas fragen, Doc.“

„zeit ist um.“

„Och, Doc.“

„welche fragen?“

„Kannst du tanzen, Standard, Latein usw.?“

„ich kann tanzen, na klar!“

„Bringst du es mir bei?“

„erst mal übst du mit den highheels.“

„Ja, Herr!“

„Doc, ich glaube, du hast noch viel Arbeit vor dir. Ich verspreche dir, ich werde alles tun, was du von mir verlangst.“

„sonst hätte ich dich nicht ausgesucht)))“

„wir werden uns sehen, und du wirst nicht mehr von meiner seite weichen.“

„Ich hoffe, es wird so sein.“

„)) du bist es.“

„Was?“

„meine sub.“

„Ja, Herr. Weißt du, was passiert, wenn ich an dich denke?“

„was?“

„Dann habe ich Schmetterlinge im Bauch! Ich wusste schon nicht mehr, wie sich das anfühlt.“

„kleines, ich auch!“

Kapitel 3

Jetzt ist es raus. Ich habe ihm gesagt, wie viel er mir bedeutet. Er weiß nun, ich habe mich in ihn verliebt!

Geht das überhaupt? Wie kann man sich in jemanden verlieben, den man noch nie gesehen hat? Ich kenne ja noch nicht einmal seine Stimme. Bisher haben wir noch nie miteinander telefoniert. Ein Bild hat er mir von sich geschickt … Ist er es wirklich auf dem Foto? Er ist groß und kräftig, er trägt eine Brille, hat volles braunes Haar, braune Augen und einen sehr ernsten Blick.

Nachdenklich betrachte ich immer wieder dieses Bild. Dabei denke ich jedes Mal über meine Fragen und die vielen Ungereimtheiten nach. Irgendetwas passt nicht in diesem Puzzle. „Lass es sein“, sagt meine innere Stimme. Mein Verstand meldet sich immer häufiger zu Wort und versucht mich von der Sinnlosigkeit dieser Verbindung zu überzeugen. Mein Herz sagt mir ganz andere Dinge. „Finde heraus, wer er ist, dann kannst du dir aus den paar Puzzleteilen, die er dir gegeben hat, ein ganzes Bild machen.“

Halbe Sachen kann man nicht beurteilen. Im Internet suche ich nach Hinweisen auf seine Identität. Meine Suche bringt mich nicht weiter. Ich brauche viel mehr Informationen.

„noch fragen?“

„Ja! Kann ich bitte noch ein weiteres Bild von dir bekommen?“

„Vielleicht eines, wo du nicht so ernst drein schaust.“

„ich bin immer ernst, manchmal böse!“

„Zu mir wirst du gut sein!“

„woher weißt du das?“

„Weil du mein DOM bist.“

„du hast gelernt, kleines.“

„Ja, Doc.“

„jetzt bin ich weg.“

„Sag mir bitte, wann wir uns endlich sehen.“

„An welchem Wochenende wird es sein?“

„sag mir, wenn du in highheels laufen kannst und schick mir ein bild von dir“

„du weißt, was ich sehen will.“

„Ja, Doc.“

„bin weg.“

Ich kann nicht mehr. Ich bin nervlich am Ende. Wieder einmal sitze ich heulend vor dem Bildschirm. Wie kann er sich so verhalten? Warum gebe ich diesem dämlichen Eierkopp keinen Laufpass? Warum hat dieser Kerl mich so im Griff? Warum verletzt er immer wieder meine Gefühle und warum lasse ich mir das auch noch gefallen?

Der Akku meiner Kamera ist aufgeladen. Er bekommt ein Bild meiner Brüste – ohne Gesicht. Seufzend drücke ich auf senden und gehe noch mal kurz in den Chat. Mein Herz macht einen kleinen Hüpfer. Er ist online.

„das bild ist schön.“

„Danke, Doc.“

„Hast du heute Abend Zeit? Ich möchte gerne in Ruhe mit dir über uns reden.“

„ja vielleicht, wenn ich lust habe.“

„Sag doch mal bitte, lass mich nicht hängen.“

„ich habe dir eine aufgabe gegeben. wenn du es nicht hinkriegst, ist es vorbei!“

„Doc, warum bist du so hart zu mir? Was habe ich dir getan?“

„was anderes verstehst du nicht.“

„Ich mache alles, was du von mir verlangst. Ich arbeite an mir, das weißt du genau.“

„ich will die beste!“

„Doc, bitte sei für mich da. Ich möchte dich am Wochenende treffen!“

„und lern tanzen!“

„melde dich zu einem kurs an!“

„Ich kann da doch nicht alleine hingehen. Ich möchte mit dir tanzen.“

„mit einem trampel habe ich keine lust.“

„Du hast es ja noch gar nicht mit mir versucht.“

„dann muss aber noch viel passieren.“

„Was denn?“

„du musst auf pumps laufen können.“

„Das übe ich ja schon.“

„dein nächstes foto zeigt dich nackt in pumps!“

„erfüll deine aufgaben, ich bin jetzt weg.“

Es ist Zeit für eine ausführliche Mail. Im Chat lässt er mich nicht zu Wort kommen oder ich bekomme keine Antwort von ihm. Also schreibe ich ihm alles, was mich im Augenblick beschäftigt und bewegt.

Lieber Doc,

heute bin ich ziemlich weit unten angekommen. Mir geht es nicht gut. Ich bin ziemlich fertig.

Ich versuche, alles richtig zu machen, so wie du es möchtest. Wie du es von mir verlangst. Aber ich stoße schon jetzt an meine Grenzen. Habe immer öfter das Gefühl, deinen Ansprüchen nicht genügen zu können. Inzwischen weiß ich, du hast sehr hohe Ansprüche. Ich möchte sie so gerne erfüllen.

Mir liegt sehr viel daran, aber du gibst mir immer wieder das Gefühl, ich kann es sowieso nicht schaffen. Das lässt mich wieder und wieder zweifeln – an mir und auch an dir.

Bist du ehrlich zu mir?

Weißt du wie es sich anfühlt, den Halt zu verlieren? Und niemand ist da, der dich auffängt?

Heute war ich noch einmal im Schuhgeschäft. Es gefällt mir inzwischen, die hochhackigen Schuhe zu tragen. Nur wenn ich daran denke, dir gegenüber zu stehen, mich nach deinen Wünschen zu präsentieren, bekomme ich einfach nur Angst. Angst, du lachst mich aus, oder noch schlimmer, du schickst mich fort, – Angst, dass all das, was du mir im Chat gesagt hast nie real wird. Angst zu versagen und das alles, was uns im Moment verbindet, nur ein wunderschöner Traum war.

Und da ich schon mal dabei bin, möchte ich dir nun auch noch sagen, was mir noch auf der Seele lastet. Ich habe dir bisher noch nicht meinen richtigen Namen genannt. Ich wollte mich schützen. Aber ich sehe keine Notwendigkeit mehr dafür. Also, ich heiße Hanna.

Jetzt weißt du es und ich wünsche mir sehr, dass du mich verstehst.

Ich mag dich und ich möchte dich nicht verlieren.

Hanna

Nun warte ich auf seine Reaktion. Früh am Morgen schalte ich meinen Rechner an. Keine Antwort auf meine E-Mail. Im Chat war er auch nicht. Im Grunde habe ich nichts anderes erwartet. Er ist immer gleich extrem beleidigt, wenn es nicht nach seiner Nase geht. Warum ist das eigentlich so? Er ist doch ein erwachsener Mann. Dann kann man doch über die Dinge reden, die einem nicht gefallen. Er will mich mürbe machen, überlege ich, obwohl ich den Sinn nicht erkennen kann. Ich will das nicht mehr. Nicht so. Ich will reden. Ich will Klarheit. Ich will endlich ein Treffen.

Die Tage vergehen … Keine Mail, keine Nachricht im Chat und natürlich auch kein Anruf. Ab und zu war er online, aber ich habe ihn jedes Mal verpasst.

Dann endlich eine Mail von ihm in meinem Postfach.

du hast mich grenzenlos enttäuscht. als sklavin werde ich dich nehmen, den aufstieg zur sub musst du dir erarbeiten hanna!

Das glaube ich nicht, aber es steht wirklich auf meinem Bildschirm. Ist das alles, was ihm zu meinem Brief einfällt? Einen Brief schreibe ich ihm noch. Das muss sein.

Lieber Doc!

Ich vertraue dir. Das weißt du. Wenn es nicht so wäre, hätte ich viele Dinge, die du von mir gefordert hast, niemals getan. Ich weiß nicht, ob ein DOM seiner Sub vertraut. Ich geh davon aus, denn anders geht es gar nicht. Ich kann dir nur sagen: Du kannst mir vertrauen! Ich werde nie etwas tun, was dir schaden könnte und deine Gefühle würde ich auch nie verletzen. Ohne gegenseitiges Vertrauen funktioniert das alles nicht!

Bitte lass uns reden.

Hanna

Endlich treffe ich ihn nach weiteren drei langen Tagen im Chat.

„Guten Morgen Doc, bitte rede mit mir.“

„hallo hanna“

„was willst du mir sagen?“

„Ich möchte dich bitten, dich mit mir zu treffen.“

„So macht das alles keinen Sinn.“

„wieso belügst du mich?“

„Ich wollte dich nicht belügen. Ich habe immer auf die passende Gelegenheit gewartet, um es dir zu sagen.“

„so ist kein verlass auf dich.“

„Du kannst dich immer auf mich verlassen.“

„was ist denn sonst noch gelogen?“

„Sonst nichts, nur der Name. Ich war immer ehrlich zu dir. Ich habe dir so viel von mir erzählt.“

„aus anne wird hanna, na ja“

„und sonst noch?“

„Nichts, was meinst du denn?“

„Ich habe dir Dinge von mir erzählt, die ich dir nur erzählt habe, weil ich dir vertraue.“

„weiß doch nicht mal, was davon stimmt.“

„Es stimmt alles.“

„Bitte Doc, bitte glaube mir.“

„und mich wolltest du anscheißen. das wird dir noch leid tun.“

„Ich wollte dich anscheißen? Was meinst du denn jetzt damit?“

„du solltest als sklavin anfangen, du musst lernen zu gehorchen!“

„Ich gehorche dir, habe doch bis jetzt immer alles getan, was du von mir verlangt hast.“

„hast du die bilder fertig?“

„Mir liegt doch viel zu viel an dir, als das ich das aufs Spiel setzen werde. Ich hatte noch keine Gelegenheit sie zu machen, aber ich hole das so schnell wie möglich nach!“

„du machst mich rasend!“

„Ich habe mir schöne Schuhe gekauft, mit denen ich täglich übe ☺. Nur für dich!“

„ok, und eierst du?“

„Nein.“

„endlich mal eine bessere nachricht.“

„Doc, bitte, gibst du mir noch eine Chance?“

„Wenn ich deine Wünsche nicht sofort erfüllen kann, liegt das wirklich nicht an mir.“

„ja, aber nur weil ich so ein gutmütiger mensch bin. verdient hast du es nicht!“

„Danke, Doc! Du machst mich jetzt richtig glücklich.“

„hast glück gehabt. normal läuft das anders.“

„Danke, Doc!

„mach jetzt die fotos!“

„Nochmal werde ich dich nicht enttäuschen!“

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„Die Bilder sind unterwegs.“