Notizen - Petra Nachbaur - E-Book

Notizen E-Book

Petra Nachbaur

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Beschreibung

Asterix wandert an der Hand seiner Freundin durch Europa und hat eine Reihe von Abenteuern zu bestehen. In Österreich beginnt seine Reise, sie geht weiter durch Ungarn und dann nach Rumänien, wo er mit seinen Aufzeichnungen beginnt, er wandert weiter nach Bulgarien, und nach einer Pause in Österreich führt ihn seine Reise weiter durch Italien, Deutschland, die Schweiz, Frankreich, Italien und Slowenien.

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Seitenzahl: 120

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Notizen eines wandernden Pferdchens

Titel Seite

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Notizen

eines reisenden Pferdchens

auf seinem Weg durch Europa

übersetzt von Petra Nachbaur

Mein Nameist Asterix, aber meine Chefin nennt mich Tiger.

Ich bin nicht verwandt mit dem Zwerg aus Gallien, aber viele Menschen fragen mich nach dem Herrn Obelix und meistens lachen sie dann und hauen sich selbst auf die Beine. Menschen.

Ich bin ein Pony, PONEI sagt man hier dazu, ich bin nämlich gerade in Rumänien. Sie sagen auch manchmal CALUZ, wasPferdchenheißt. Manchmal sagen Menschen auch MAGAR zu mir, aber da wehren wir uns, MAGAR heißt nämlich Esel.

Diese Verwechslung liegt NICHT an meinen Ohren, die sind eigentlich prächtig, nein, es liegt daran, dass ich so viel Gepäck trage, echt viel, sehr hoch und sehr breit. Und wenn ich daran denke, wo wir damit schon überall waren, wird mir ganz mulmig, aber das erzähle ich später.

Heute lagernwir endlich unter Bäumen. Es hat gedauert bis die Chefin gecheckt hat, dass es da feiner ist, dass man so ein Dach über dem Kopf hat und – im Fall des Falles – nicht ganz im Regen steht.

Sie schläft nachts immer in dem orangen Zelt und wenn sie da raus kommt – unvorstellbar wie lange ein Mensch schlafen kann! – also wenn sie ENDLICH herauskommt, ist sie total trocken. Aber ich geh da trotzdem nicht mit hinein, nein, so klein bin ich auch wieder nicht.

Ich bin also ein Pony. In Ungarn haben sie mich SEPKISCHPONILO genannt, weil ich so schön bin. Das heißt es nämlich:schönes kleines Ponypferdchen. Und meistens haben sie mir dann irgendetwas geschenkt und oft war die Chefin schneller, hat das weggepackt oder selbst gegessen. Als ob sie auch ein SEPKISCHPONILO wäre. Nein, ich will sie jetzt nicht schlecht machen, sie teilt eh fast alles mit mir und sie pflückt mir auch die Brombeeren, das ist nett, die kriege ich allein schwer ab, das sticht mir zu sehr.

Vorhin war ein Fohlen zu Besuch bei mir. Nettes Kerlchen, ein bisschen ungezogen noch, aber das wird schon. Seine Mama (fesche Frau) hat mir dann gleich eine runtergehauen, als ob ich was dafür könnte, dass ihr Sohn bei mir bleiben wollte. Mütter! So sind sie nun mal und die laufen hier oft ganz frei herum. Meistens müssen sie aber einen Wagen ziehen und wenn ich dann stehen bleiben und ein bisschen plaudern will – schließlich bin ich ein weit gereister Mann und habe was zu erzählen – zieht mich die Chefin einfach weiter. Stark ist sie ja. Ich aber auch. Hab schon so manches Mal gewonnen. Sie ist in Auseinandersetzungen oft ungemütlich geworden, aber da musste sie durch.

Manchmal verwechselt sie mich mit einem Fisch. Nicht dass ich grundsätzlich etwas gegen Wasser hätte (ich war schon schwimmen – aber das erzähle ich ein andermal), aber ich steig doch nicht gleich überall rein! Ich bin ein Pferd! Und wenn es nur irgendwie geht, dann springe ich über jedes Wasser – mit dem ganzen Gepäck, versteht sich! – und wenn ich auf der anderen Seite ankomme, dann klopft die Chefin wieder auf mir herum und sagtTigerzu mir.

Gerade warder Tierarzt da und hat verwundert festgestellt, dass ich ein PONEI bin (das ist hier nämlich ganz, ganz selten, also eigentlich ganz und gar außergewöhnlich), hat meinen Husten erforscht und zur Chefin gesagt, ich solle reichlich Hafer bekommen. Sympathischer Typ. Ich mag rumänische Tierärzte.

Hab ich schon erzählt, dass ich ein Star bin? War groß im Fernsehen und das muss was ganz Tolles sein, die Leute machen dann große Augen und füttern mich. Und in der Zeitung stand:Mit dem Pony Asterix um die Welt!Und große Fotos von mir mit der Chefin.

Das war an dem Tag nach der furchtbaren Sturmnacht, als wir mitten in den Blitzen gelagert haben und der Boden vom Donner gezittert hat und der Wind das Zelt schräg geschoben hat. Ich habe alle vier Hufe fest in die Erde gerammt und mich noch gefragt, ob der Pflock wohl halten würde, wenn die Beine weggeblasen werden und am nächsten Tag sind Zeitungs- und Fernsehleute gekommen, um uns anzusehen.

Die Chefin hat selber ganz große Augen gemacht, als sie mir das vorgelesen hat:Mit dem Pony Asterix um die Welt.Ich weiß ja nicht ganz genau, wie weit das ist, um die ganze Welt, aber es ist sicher noch eine Strecke zu gehen und seit ich die Tour durch den Bergbach überstanden habe, kann mich kaum mehr etwas erschüttern.

Damals sind wir tagelang bergauf marschiert und es hat dauernd geregnet und oben auf dem Pass haben viele Hunde geheult und die Chefin hat gesagt, die heißen hier Wölfe.

Also Hunde können mir gar nichts, egal wie sie heißen. Es ist einfach wichtig, sie nicht ernst zu nehmen. Sie springen an die Gartenzäune oder sammeln ihre Freunde und machen Krawall und die Chefin und ich, wir schlendern einfach vorbei, das halten die ganz schlecht aus. Und wenn dann trotzdem einer näher kommt, als gut für ihn ist, dann starre ich ihn nur groß an und die Chefin zischt ein bisschen. Da hauen die ab. Kein Problem. NEM PROBLEM, wie ein echter Ungar sagt. Hier sagen sie NUINITSCHOPROBLEMA. Hat ein bisschen gedauert, bis ich das konnte.

Zurück zu den Wölfen. Wir haben auf dem Pass zusammen mit denen übernachtet und ganz viele Beeren gefuttert, weil sonst nicht mehr viel Essbares in meinem Gepäck war. Und am nächsten Morgen sind wir auf der anderen Seite des Berges wieder hinunter gestiegen und weil meine Füße schon weh taten vom Aufstieg – da waren zu viele große Steine – hat mich die Chefin getröstet und behauptet, jetzt wäre es leichter, dieser Weg sei ganz groß auf ihrer Europakarte drauf.

Also ziehen wir weiter und zuerst geht es ganz fein, bisschen Wiesenweg und dann Forststraße, steinig, aber was soll es, da muss man durch. Und dann standen wir auf einmal im Bach und die Straße war weg und wir haben uns nach der Straße umgesehen. Eigentlich nur die Chefin, ich war zu hungrig und musste was fressen.

Dann hat sie mich geholt und wir suchen die Straße zusammen, aber da war so viel Gehölz, da müsste ich schon die Beine einer Giraffe haben, um das zu können. Ich habe wirklich schöne Beine, aber ich bin ein Pferd!!

Zurück in den Wildbach und da haben gerade Menschen ihre Motorräder bergauf geschleppt, sozusagen flussauf. Die Chefin hat mich lange angeschaut und gesagt, ich solle es nicht persönlich nehmen und dann hat sie mich den Bach hinunter gezerrt. Nur Felsbrocken und Wasser und zwei Kilometer und es ist ein Wunder, dass ich heute noch alle Viere habe.

Ich stehewieder im Regen und die Chefin sitzt im Trockenen. Sie hat mir einen Regenmantel gebastelt. Ich sehe super aus. Nassglänzendes schwarzes Fell und nassschimmerndes rotes Regenzeug. Am Zaun zur Straße stehen Leute und wiehern. Ehrlich! Die können nicht mal ein Ohr drehen und wollen gleich große Konversation machen! Wenn sie ein Stückchen Brot oder eine Birne oder etwas anderes Freundschaftliches hätten, würde ich mich schon ein bisschen mit ihnen unterhalten. Menschen!

Hier in diesen Dörfern klappt das ganz gut. Wir sind jetzt in der Walachei, das ist im Süden von Rumänien. Ich wackle ein bisschen mit dem Kopf und sie laufen weg und rufen: MUSCHKA! Das heißt hier nichtKatze, sondern:Er beißt. Und wenn alles richtig läuft, holen sie Essbares, um mich zu besänftigen. Das ist gut.

Dort wo die Häuser dicht sind und die Menschen ganz eng stehen, ist es schwerer mit den Leuten. Wenn ich schon mindestens dreimalnein dankegesagt habe und echt die Nase voll habe, also wirklich mehr als deutlich um ein bisschen Respekt gebeten habe, halten sie mir noch immer statt gesundem Obst ihre Babys vor die Nase und dann wird die Chefin richtig grob mit mir, weil sie es nicht gern hat, wenn ich in die Babys reinbeiße.

Heute beißeich in Luzerne. So heißt der Klee hier auf dieser Wiese und der Pfarrer von diesem Dorf hat gesagt, ich könne essen, soviel ich mag und er hat den Klee freundlicherweise schon gemäht. Er hat mir gestern auch ganz viel Hafer angeboten, aber da ist die Chefin ganz schnell aufgesprungen und hat gesagt, von der Menge würde ich platzen. Also ehrlich! Ich bin noch nie geplatzt!

Nur einmal vielleicht, in Ungarn, da war mir nach Platzen. Dachte, es sei vorbei mit Allem und ich müsste fern der steirischen Heimat mein letztes Gras rupfen. Lag aber nicht am Hafer. Die haben was auf die Felder und die schönen grünen Grasstreifen daneben gegossen. Pflanzengift. Das haben sie mir aber erst am nächsten Tag erklärt. So schlecht war mir in meinem ganzen Leben noch nicht. Hab mich die ganze Nacht auf den Boden geworfen, das wollte die Chefin zwar nicht, aber die hatte ja auch kein Gift im Bauch. Als es am Morgen vorbei war, hat sie getanzt und mich abgeküsst, dabei war ich noch ganz schwach und konnte mich überhaupt nicht wehren.

Langweilig ist so ein Regentag. Hier laufen zwar ein paar Kollegen vorbei, aber bei Regen hat ja keiner Zeit für ein bisschen Kennenlernen. Manchmal kriegen die auch einen richtigen Schrecken, wenn sie mich treffen.

Das ist so: Ich gehe ganz gemütlich neben der Chefin die Straße entlang – wir gehen zurzeit Richtung Süden, wegen dem Winter, der bald kommt – und dann begegnen wir einem Kollegen oder einer hübschen Stute und dann reißen die ganz groß die Augen auf. Ich mache gleich auf freundschaftlich, schließlich ist man als Reisender ja überall neu, und die wollen trotzdem davonlaufen. Ihre Chefs auf den Kutschböcken müssen ziehen und zerren an den Zügeln und rufen und kreischen, damit sie nicht schneller ankommen, als sie eigentlich wollen.

Das muss an meiner Frisur liegen. Weil es mich immer so juckt, hab ich mir im Frühling die Mähne kurz gerieben und jetzt im September steht sie so richtig kraftvoll in die Höhe. Die kennen das hier nicht. Anderer Stil.

Ich würdenicht bleiben. Wenn ich ihr nicht vor langer Zeit einmal gesagt hätte, dass ich sie begleiten würde (damals wusste ich noch nicht, dass sie aus mir einen Fisch und eine Giraffe machen will), dann würde ich weggehen. Vielleicht zu dem Herrn, der mir heute freundlicherweise gleich einen ganzen Kübel voll Hafer hingestellt hat. Ich muss ja entsetzlich mager aussehen! Die Chefin hat mich nur ein bisschen naschen lassen und hat den vollen Kübel wieder zurückgegeben.

Gut, das bin ich ja gewohnt, aber vorhin hab ich nur von dem Brot genommen, das auf ihrer Decke lag. Ich weiß ja, dass sie oft kleinlich ist, also habe ich mir zur Sicherheit den großen Teil genommen und dann ist sie furchtbar herum gesprungen und hat ein Gezeter gemacht. Man wird sich doch mal selber was holen dürfen!

Wir lagern heute bei einem Brunnen. Ich dachte schon, die Chefin will mich wieder durch Gräben und Sümpfe schleppen, nur damit ich etwas trinke, aber diesmal hat sie wirklich nur einen Rastplatz gesucht. Ist ganz okay hier. Keine Pferde-Gesellschaft, keine Schafe, aber das Gras ist in Ordnung.

Also damals das mit dem Graben das war so: Die Chefin hat aus lauter Eigensinn unsere Leine zerrissen. Sie wollte unbedingt, dass ich mit ihr zum Straßenrand gehe und das war ein Plätzchen über einem Graben, das war einfach zu klein für mich, hatte eher die Größe eines Stiegenhauses für Zweibeiner.

Nicht mit mir! Ich bin ja schon lange Stiegen hinaufgeklettert und sogar hinunter, aber das waren Momente, da hatte ich mich quasi selbst aufgegeben.

Ich stehe also auf der Straße und um sicherzugehen, dass ich gewinne, hab ich mich auf den weißen Streifen in der Mitte gestellt. Und sie zieht und zerrt an mir und wird immer lauter, ich aber hab beide Vorderhufe fest im Asphalt verankert. Ich drücke von hinten ganz fest dagegen, und dann noch den Hals ganz hart machen. Die Autos um uns haben gewartet, es ging ja um was! Und also die Chefin zerrt und ich bin stärker und mit einem Mal lässt der Zug nach und sie sitzt auf der Straße.

Oje, dachte ich, das mag sie sicher nicht so gern! Das Band war ab. Sie hat dann eine ganze Weile nur mehr mit sich selbst geredet, nicht mehr mit mir. Die Autos haben wir aber weiterfahren lassen.

Es musssehrgefährlich sein, wenn man den Stoff ablegt und darunter kein Fell hat. Unsereiner steht ja oft genug im Regen, aber die Chefin begießt sich bei jedem Wetter mit Wasser und versteckt sich dann vor den anderen Menschen und ich passe auch auf, dass wir dabei nicht entdeckt werden.

Manchmal ist es auch ganz anders. In Ungarn hatten wir mal mitten in der Nacht Besuch von einem Mann ohne Stoff. Ich dachte, ich sterbe vor Schreck. Wir haben hinter einer Tischlerei, mitten in einem Dorf gelagert und ein paar Gärten und ein kleines Maisfeld waren da um uns. Ich hatte schon die ganze Zeit ein komisches Gefühl, mit der Zeit spürt man das einfach, wenn Gefahr im Busch oder im Maisfeld lauert.

Die Chefin war schon lange im Zelt und hat tief geschlafen. Ich hab Wache geschoben und dann höre ich, wie sich ein Tier nähert, durch das Maisfeld direkt auf uns zu. Ich denk mir noch: Warne ich die Chefin oder haue ich ab und hole Hilfe, da teilt sich das Maisfeld und heraus steigt ein riesiger nackter Mann.

Ich springe weg und reiß mir fast den Kopf ab, weil die Leine zu kurz ist, und das muss die Chefin gehört haben. Sie stürzt heraus zu mir und ist froh, dass ich noch da bin.

Sie hat sich an mir festgehalten, ich hab ja noch ganz wild gezittert und der Mann hat mit uns geredet. Aber Ungarisch konnten wir nie besonders gut und die Chefin hat sich ganz lieb um mich gekümmert, damit das Zittern aufhört, also ist der Mann wieder zurück in den Acker gegangen.

Die nächste Wache hat dann die Chefin übernommen, so ein Maisfeld kann schon Gefahren bergen.

Endlich wieder unterwegs!Felder, Wiesen, Kollegen, ein Wald. Da vorne kommt ein Kollege, zieht einen Wagen mit vielen Menschen darin den Berg hinauf. Starker Kerl. Ehrlich. Zuhause glauben die Kollegen gleich, dass sie sonst was leisten, wenn sie mit EINEM Menschen ein bisschen herum springen.

Hier wird gearbeitet. Und die Jungen laufen nebenher, dann müssen sie später nicht so viel lernen. Krankenstand gibt es keinen. Ein verletztes Bein ist hier kein Grund für einen Pausentag.

Unsere Sechse sind gesund und darum wandern wir tapfer weiter. Am Morgen, bevor es losgeht und nachdem sie sich nass und das Zelt trocken gemacht hat, werde ich gesattelt. Schaffell auf den Rücken, Teppich darauf, dann kommt der Sattel. Und sie zieht zu und ich passe auf, dass sie keine Wespe aus mir macht. Also ehrlich, das soll alles gut sitzen, aber manchmal übertreibt sie. Dann wird das Gepäck hinauf gebunden und weil wir so am besten zurechtkommen, stelle ich mich inzwischen tot. Ich darf keinen Schritt machen, nicht einmal den Kopf drehen, um mich zu versichern, dass wir nicht in Gefahr sind, nichts.

Da vorne bellt wieder so ein armer Hund. Die Menschen hier haben der Chefin erklärt, dass sie ihren Müll einfach auf den Boden werfen soll. Hier in Rumänien habe man wilde Hunde, die fressen alles auf und dann ist es wieder sauber. Also ich könnte nicht von Plastik leben.

Heute sind