Nur dieser eine Moment - Jutta Carmen Jersch - E-Book

Nur dieser eine Moment E-Book

Jutta Carmen Jersch

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Beschreibung

Jahre zuvor: Mai 1989. Der 19-jährige Patrick springt von einem Hochhaus. Seine zwei Jahre jüngere Schwester Wanda bleibt zurück. Schock, Starre, Sprachlosigkeit. Der Beginn einer Suche. Fragen nach dem Warum. Beobachten und Infragestellen der Familie, der Lehrer, der Nachbarn, fremder Menschen. Die Nähe zu Freunden und doch etwas Unausgesprochenes, Trennendes dazwischen. Mittendrin eine Fastliebesgeschichte. Die Sehnsucht, Einsamkeit zu durchbrechen und Liebe zu erfahren. Trauer durchleben: Hungern, Nachdenken, Schlaflosigkeit, Briefe an einen Toten, die Beschäftigung mit Schuld... Fremd in sich. Der Versuch, sich neu zu finden und weiterzuleben in einer als fremd empfundenen Gesellschaft. Die engsten Begleiter die Musik, das Schreiben und ein Heimatsuchender. Eine Reise. Eine Fahrt in den Süden. Ein Wendepunkt. Erlebtes fügt sich neu zusammen. Identität. Am Ende keine Antworten aber Möglichkeiten.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 253

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Für Thomas,

diese Geschichte ist für Dich.

Sie ist nicht Deine,

nicht meine,

doch erinnert sie an uns.

Inhalt

Prolog

Zurückbleibend I

Zurückbleibend II

Weiter

Sebastian

Einkehr

Najib und London

Schriftliches Abitur

Zwischenraum

Reisevorbereitungen

Frankreich, Spanien, Portugal ...

„Wenn ich eine Episode aus meinem Leben niederlegte, so entriß ich sie der Vergessenheit, sie interessierte andere Leute, sie war endgültig gerettet. Ich erfand auch gern Geschichten; insofern sie durch meine Erfahrungen inspiriert waren, waren sie für diese zugleich eine Rechtfertigung; in gewisser Weise freilich dienten sie zu nichts, waren aber dennoch einzig und unersetzlich, sie existierten, und ich war stolz darauf, sie aus dem Nichts gezogen zu haben“

Simone de Beauvoir, Memoiren einer Tochter aus gutem Hause

Prolog

Juli 1992

Lange Zeit habe ich nach Wahrheiten gesucht. Ich habe sie nicht gefunden. In meinem Zimmer vertiefte ich mich in Bücher, während meine Freundinnen zu studieren begannen oder mit ihren Freunden zusammenzogen. Rast- und Schlaflosigkeit, Unruhe, begleitete mich auf meinen Weg, der vor über drei Jahren an einem heißen Maitag begann. Damals hatte mein Bruder sich für den Tod entschieden und ließ mich zurück in einer Welt, die mir als fremd und trostlos erschien. Um seine Nähe ringend, fragte ich mich, ob er noch immer bei mir ist, es ein Leben nach dem Tod gibt. Ich klammerte mich an die Aufzeichnungen der Gespräche mit Menschen, die schon einmal für tot erklärt worden waren und begeisterte mich für ihre Geschichten, identifizierte mich mit ihnen, wenn sie von einem Wiedersehen mit Verstorbenen, Wohlgefühlen und einem sie anziehenden Licht sprachen. Sehr schnell interessierte ich mich für die Theorie der Reinkarnation, die mir über die Vorstellung hinaus, dass es ein ’Leben danach’ geben sollte, einen Sinn für das gegenwärtige Sein versprach. So war es für mich nachvollziehbar, dass ein einzelnes Leben in einem größeren Zusammenhang steht, wodurch gelebtes Leid und erfahrenes Unrecht erklärt werden kann. Die Trauer um meinen Bruder war damit nicht länger zufällig oder sinnlos, denn es gab - obgleich ich ihn nicht erkennen konnte - einen höheren Grund dafür, warum Patrick gegangen war, warum ich jetzt leiden musste. Zu meiner Enttäuschung stieß ich kurz darauf aber auf die Grenzen dieser Idee, denn für einen Moment über das eigene Leid hinweggeschaut, konnte ich es nicht anwenden auf andere Ungerechtigkeiten, auf die hungernden Kinder der Elendsviertel Afrikas oder Südamerikas zum Beispiel, denn war es nicht zu einfach oder gar arrogant ihre Qualen auf diese Weise rechtfertigen zu wollen. Außerdem stieß ich zeitgleich in dem Buchladen, in dem ich nach meinem Abitur zu arbeiten begonnen habe, auf ein Buch über PSI und die Erklärung dafür, warum Menschen nach ihrem Tod Bilder und Empfindungen wahrnehmen können. Zum zweiten Mal wandte ich mich enttäuscht ab - verstand nun, dass ein Leben nach dem Tod auf Erden nicht zu beweisen ist.

Etwas trieb mich dazu weiterzusuchen und ich stellte mir jetzt die Frage, warum es so weit gekommen ist, warum mein Bruder keinen anderen Ausweg als die Selbsttötung gesehen hatte. Ich vertiefte mich in seine Lebensgeschichte, machte mir Gedanken über unser Umfeld, unsere Familie, und suchte diesmal Rat in der Psychologie. Familientherapeutische Theorien aufsaugend, begriff ich, dass ein Mensch innerhalb seines Systems zum Opfer werden kann, eine zu große Last auf sich nimmt, und erinnerte mich gleichzeitig an die letzten Lebensjahre meines Bruders, wie er aneckte, da er Beziehungsgeflechte und Grobheiten ansprach, von denen keiner meiner Verwandten etwas wissen wollte. Ich fand Erklärungen, Strukturen, die ich anwenden konnte und stieß auch auf den Begriff der Schizophrenie, mit dem die Ärzte meine Mutter und mich kurz vor dem Tod meines Bruders konfrontiert hatten. Von nun an mit den Krankengeschichten schizophrener Menschen beschäftigt, kamen mir bald jedoch erneut Zweifel, denn es ergaben sich zu viele offene Fragen, Ungereimtheiten, die der Erkrankung widersprachen und die - so wurde mir bewusst - im Nachhinein nicht mehr zu klären sind.

Schließlich auch diese Bücher zur Seite gelegt, entwickelte sich ein neuer Gedankengang in mir und ich vermutete, dass es am Ende gar nicht die Diagnose war, die über die Zukunft meines Bruders entschieden hatte, sondern die Aussichtslosigkeit und Einsamkeit, mit der sie einherging. Abgestempelt als krank, im Wald unter Verrückten, so musste er sich gefühlt haben, denn er schämte sich dafür, dass er in der Psychiatrie behandelt wurde. Auch ich, seine Schwester, die so eng mit ihm aufgewachsen war, fühlte mich dem nicht gewachsen und war nicht in der Lage dazu, ihm Trost zu spenden. Umso qualvoller die Zeilen in seinem Abschiedsbrief, den mein Opa erst viel später, eingeklemmt in unserer Schlafcouch, entdeckt hat. Auf einem gelben Zettel mit einem Hasen darauf, der die Worte „Hattu Kopf wie Sieb muttu aufschreiben“ fröhlich seinem Betrachter entgegenhält, stellte mein Bruder für uns Zurückbleibenden unwiderruflich klar, dass er sehr gerne weitergelebt hätte, jedoch keine Möglichkeiten dafür sah: „Es tut mir leid, ich musste es tun - jetzt, wo mein Leben begonnen hat, es auch schon zu beenden.“ Diese, seine letzten, an uns gerichteten, Worte in meinem Geiste verewigt… und daneben, immer stärker, eine sich aufbäumende Kraft, ein Widerstand, das Empfinden, fast die Gewissheit, dass alles doch gar nicht so einfach ist.

Hier also meine Reise, Gedanken, Hinweise, aber keine Antworten, geschweige denn Gewissheiten und ich fühle mich erneut ratlos, im Nebel, ein Schleier, Trauer, die mich noch immer gefangen hält. Zurück an meinem Ursprung, dort wo ich einst begann, lese ich was ich damals geschrieben und finde sie wieder, die erste und akute Not, ein Einschlag, Gewalt, ein 17-jähriges Mädchen und der Versuch zu überleben, obwohl ein anderer neben ihr zugrunde ging. Längst vergessene Sätze und auf einmal doch eine Richtung, eine Eingebung und ich denke an meinen Bruder, daran, dass ich ihn halte, in einer Welt, die er längst überwunden haben wollte. Ihn loslassen und damit einen Teil von mir und ich ordne, überarbeite, schreibe, erzähle von Patrick, einem Menschen, meinem Bruder, den Schmerz ihn zu verlieren, neben dem Wissen, dass Themen wie diese nur am Rande der Gesellschaft ihren Platz finden. Der Vergessenheit entreißen, hinterlegen, gegenüberstellen, genährt über meine Vorstellung eine Stätte der Erinnerung zu errichten, wie einen Friedhof für Kriegsopfer beispielsweise, angelegt um mit der eigenen Geschichte zu versöhnen, gleichzeitig letzter Ort für Hinterbliebene und Mahnmal für vergangene Zeiten in die gegenwärtige Stille hinein.

Zurückbleibend I

Sonntag, der 7. Mai

Früher Nachmittag, ich bin unruhig und möchte zu Andie. Er hat mich zu sich nach Hause, nach Höchst, eingeladen. Auf dem Weg zur U-Bahn habe ich das Gefühl einen Umweg über das Papageienhochhaus nehmen zu müssen. Da es jedoch keinen Grund dafür gibt, laufe ich direkt zur Station. Meiner Mutter ergeht es ähnlich, doch davon weiß ich noch nicht. Sie ist mit meiner Oma in den Feldern hinter dem bunten Hochhaus spazieren und hört die Sirene eines Rettungswagens. Sie will rennen, doch meine Oma hält sie zurück.

Bei Andie verliere ich mein unruhiges Gefühl. Wir schauen aus dem Fenster und sehen in der Ferne eine Dunstwolke aus einem Schornstein kriechen. Wir drehen uns in seinem Bett herum und ich gestehe, dass er, älter als ich, mich noch immer etwas einschüchtert. Er lächelt und sagt, dass ich dennoch näher zu ihm kommen könne. Er mag, dass ich leicht bin.

Montag, der 8. Mai

„Seltsame Nacht, meine Gedanken schwer zu ordnen, hatte es nicht um Mitternacht geklingelt?, hatte ich nicht die Stimme meines Onkels durch die Sprechanlage hindurch wahrgenommen?, hatte ich nicht gewartet bis meine Mutter die Wohnung verließ, um dann auf den Balkon zu schleichen?, hatte ich nicht meinen Onkel und Lukas, den Freund meines Bruders, auf der Straße stehen sehen, in ihrer Mitte meine Mutter?, doch wo ist meine Mutter jetzt?“; das Telefon reißt mich aus den Gedanken, Lukas meldet sich und ich frage mich, warum er so früh morgens anruft, alles fühlt sich komisch an und das ist es, was ich ihm sage, er sagt, ich solle nicht zur Schule gehen, sondern auf meine Mutter warten, die beim Arzt ist, ich wundere mich noch mehr, doch allmählich wird es klarer: es ist etwas passiert, schon in der Nacht, als es zum ersten Mal geklingelt hat, habe ich es gewusst, ich habe mich auf den Flur geschlichen und zwei Männer, die Polizisten, waren zu hören und setzten sich zu meiner Mutter auf die grüne Couch im Wohnzimmer, ich jedoch flüchtete mich in mein warmes Bett, aus dem ich erst jetzt heraus gekommen bin, es klingelt wieder, diesmal an der Tür, ich öffne und Marius, mein Onkel, steht vor mir, keine Begrüßung, sondern: „Wanda, es ist etwas Furchtbares passiert, Dein Bruder, er ist tot“, trauriger Glanz in grünbraunen Augen und ich höre weiter: „Du musst jetzt stark sein, vor allem für Deine Mutter, die einen Zusammenbruch erlitten hat...“, Worte, die schwer auf meinem Rücken wiegen, als ich den Flur entlang renne hinein in das einst von Patrick bewohnte Zimmer, in dem nun meine Sachen stehen, ich stoppe am Fenster, dem von der Eingangstür entferntesten Punkt und Marius steht schon wieder bei mir, als mein Blick durch den Wintergarten hindurch auf eine Straßenbrücke fällt, im Hintergrund die Berge des Taunus, in Erinnerung kommen mir die Sonnenuntergänge, die ich mit meiner Mutter und meinem Bruder hier gesehen habe und die das Gebirge jeweils in wunderbares Rot einhüllten; im Auto erfahre ich mehr vom Zusammenbruch meiner Mutter, die Älteste von drei Geschwistern, neben Marius Mirella, die vielleicht noch gar nichts weiß..., später sehe ich Mutti am gedeckten Frühstückstisch mit der Freundin meines Onkels sitzen - ihr Gesicht bleich und im starken Kontrast zu ihrem dunkelbraunen, fast schwarzen Haar, sie wirkt ruhig, sehr ruhig und bestreicht ein Brötchen mit Butter und ich frage mich, wie ich je wieder Brötchen beschmieren und essen soll, ich höre meinem Onkel und seiner Freundin zu, die erzählen, dass mein zwei Jahre älterer Bruder Patrick - nachdem er die Klinik verlassen hat, gegen zwei Uhr am Nachmittag - sich von dem Hochhaus unserer Siedlung, das bunteste und höchste von allen, heruntergestürzt haben soll, gleichzeitig denke ich daran, dass er Bus und Bahn gefahren ist, vertraute Stationen, Gebäude und Felder an sich vorbeiziehen lassen hat - die Gewissheit des Todes in sich; wir fahren zur Polizei und werden zur Identifizierung gebeten, dort sehe ich ihn nun, meinen Bruder, Patrick, auf der Bahre, seinen Körper mit einem weißen Tuch bedeckt, sein Gesicht in scheinbaren Schlaf versunken, er schaut friedlich aus, nicht tot und meine Mutter beginnt ihn zu berühren, zu küssen, erst leicht, dann stärker und fordernder bis die Beamten sie wegziehen, sie möchte ihr Kind mit nach Hause nehmen und ich habe Angst, dass der tote Körper meines Bruders von jetzt an in unserem Wohnzimmer thront, langsam trete auch ich an Patrick heran und berühre sein kaltes Gesicht, seine weiche Haut, doch erst draußen vor der Tür, während ich auf meine Mutter und meinen Onkel warte, kommen mir die Tränen; wir fahren weiter zum Waldkrankenhaus und halten, um ein Eis zu essen, ich wundere mich und Marius schaut mich an, sagt, dass wir dennoch weiterleben müssen; um in die Klinik hinein zu kommen, klingeln wir, auf der Station ist es kalt, steril, auch in dem Zimmer, in dem mein Bruder bis gestern überlebt hat, wir packen Hose, Hemd, Schuhe und andere Sachen zusammen und mein Blick fällt auf das Zigarettenpäckchen, das auf dem Nachttisch liegt, ich stecke es ein und begegne dem Blick der Schwester, die an der Tür steht, Tränen in ihren Augen und ich beneide sie darum, gleichzeitig verachte ich sie, vor den Klinikmauern sage ich Marius, dass ich nach Hause möchte, allein, und er fährt mich zurück; auf meiner braunen Bettcoach warte ich bis Andie anruft, um zu fragen, warum ich nicht in der Schule war, ich stecke eine von Patricks Zigaretten an und erzähle, dass mein Bruder, Patrick, nicht mehr da ist, einfach nicht mehr existiert, Andie verspricht zu kommen und ich lege Musik auf, Bob Dylan, während ich weiter rauche und warte, danach zieht es mich auf die Straße, in karierter Schlafanzugshose auf dem Platz vor unserem Haus, Markus, ein Freund, der mit seiner Mutter unter uns wohnt, schmunzelt, doch Charlotte, die als nächste von der Schule nach Hause kommt, bemerkt, dass etwas nicht stimmt, ihr langes blondes Haar ist zu einem Zopf geflochten und ihr schmaler Mund besorgniserregend gespitzt, sie fragt, ob etwas mit Patrick oder meiner Mutter passiert ist, doch möchte ich sie nicht belasten, denn sie ist mehr als drei Jahre jünger als ich, trotzdem sind wir seit über zehn Jahren miteinander befreundet und dies liegt in erster Linie an ihrer Hartnäckigkeit, denn sie, die Kleine, hat sich von mir, der Großen, nie abwimmeln lassen, auch jetzt setzt sie sich neben mich, legt ihren Arm um meine Schulter und wir warten gemeinsam, wortlos, bis Andie kommt, Charlotte kennt Andie nicht, denn ich bin erst seit ein paar Tagen mit ihm zusammen, doch habe ich ihr von ihm erzählt, er ist spät, hat sich verfahren und ohne Charlotte zu grüßen, läuft er auf mich zu und nimmt mich in den Arm, zu dritt laufen wir unserem Haus entgegen und trennen uns am Treppenaufgang von Lotta, die im zweiten Stock wohnt, Andie und ich fahren mit dem Aufzug in den siebten, bevor ich ihm von meinem Morgen, meiner Nacht erzähle, Andie hört zu und zündet sich eine Zigarette an, obwohl er erst damit aufgehört hat, in meine Worte hinein klingelt das Telefon und es ist Marlene, meine Freundin, die nur ein paar Meter entfernt wohnt und ebenfalls in unsere Klasse geht, sie hat das Gefühl, dass etwas nicht stimmt und ich sage ihr, dass sie recht damit hat, sich aber nicht sorgen muss, da Andie bei mir ist, sie antwortet, dass sie trotzdem gerne kommen würde, doch wehre ich sie ab, mit Andie hingegen gehe ich spazieren und stoppe an dem in unserer Wohnsiedlung angelegten See, um uns herum weiße, gelbe, blaue und rote achtstöckige Hochhäuser, die einen Kreis bilden und aufgrund ihrer Bunte auch als Papageienring, kurz Ring, bezeichnet werden, Tausende verschiedener Lebensgeschichten, Menschen, die hier im Norden von Frankfurt zusammen leben und ich eine von ihnen, seit über zehn Jahren, dem Moment, da meine Mutter sich von meinem Vater getrennt hat, das Gefühl jeden Bewohner und jedes Stück Erde zu kennen, könnte ich einiges erzählen, doch jetzt ist Patrick tot und alles andere erscheint unwahr, nichtig, nie geschehen...; Andie bringt mich zu meinen Verwandten zurück, zu Oma und Opa, zu Marius, der in ihrer Nähe wohnt, in den nächsten Tagen beginnen wir mit dem Erledigen der Formalitäten und Marius fährt uns von Termin zu Termin, in Erinnerung wird mir der Mann bleiben, bei dem wir unseren Sarg bestellen, der sagt, dass die Qualität des Holzes die Tiefe der Trauer bestimmt, meine Mutter und ich schrecken kurz auf, sind aber zu angestrengt, um weiter traurig zu sein.

In einem abgegriffenen Gedichtband meiner Mutter finde ich die Worte, nach denen ich gesucht habe, die mich einhüllen, andächtig stimmen, verstummen lassen und die ich kaum zu begreifen wage: „Du, den wir alle sangen, du einziger und echter Christ, du Kinderkönig, der Du bist, - ich bin allein: mein Alles ist entgegen Dir gegangen“ (Rilke).

Dienstag, der 9. Mai

Markus, Couchbett, ’I’m Your Man’ von Leonard Cohen aus meinen Lautsprechern und ein Spiel mit Händen, wortlos. Mein Bruder, der Cohen geliebt hat und Markus, der mir das Lederband seiner vor Jahren bei einem Motorradunfall verstorbenen Schwester schenkt. Es ist abgegriffen, abgetragen und ich möchte es nicht annehmen, doch Markus besteht darauf. Ich frage ihn, wie er mit dem Tod seiner Schwester umgegangen ist und er antwortet, dass seine Situation mit meiner nicht zu vergleichen ist, da er jünger war, den Schmerz nicht bewusst wahrgenommen hat. Er sagt außerdem, dass seine Schwester ihm im Aussehen sehr ähnelte und dass er sie noch immer vermisst. Ein paar Tage später verliere ich das Lederarmband seiner Schwester in unserem Klassenraum während des Geschichtsunterrichts. Ich werde panisch und Marlene, die neben mir sitzt, tut alles, dass wir es wiederfinden.

Auch Natalia aus meiner Wohnsiedlung sucht mich auf, nachdem sie von dem Tod meines Bruders erfahren hat. Es ist trüb und regnerisch, als wir gemeinsam spazieren gehen und von der Seite her streife ich eines ihrer hellblond gelockten Haarsträhnen. Außerdem sehe ich die Träne, die aus ihren blauen Augen gekrochen ist und fühle mich beruhigt, erleichtert, denn ich spüre sie weint um Patrick - nicht um mich.

Donnerstag, der 11. Mai

Auf der Wiese im Grüneburgpark und meine Hände gleiten wie von allein über Andies hellbraunes Haar. Ich sehe in seine grünen Augen und erkenne mich selbst nicht wieder, denn nie zuvor habe ich so gefühlt, nie zuvor habe ich so etwas erlebt. Meine Gedanken schweifen zu einem Moment in Prag, da ich neben Andie auf dem Hotelbett lag und ebenfalls alles wie von selbst ging: Worte kamen aus meinem Mund, Worte formten sich zu einer Geschichte, zu einer puren Phantasie und Andie fragte verwundert, ob ich mir den Inhalt gerade ausgedacht habe. Jetzt aber höre ich Andie sprechen und verfolge die Geschichte eines Drogenfahnders, der sich im letzten Jahr den Jugendlichen auf der Parkwiese vorgestellt hat. Er verriet ihnen, dass er sich in den Busch setzen und sie beobachten würde. Trotzdem vergaßen sie ihn nach einer Weile und nach dem ersten angezündeten Joint sprang er aus seinem Versteck hervor. Das Geschehen amüsiert Andie so sehr, dass ich denke, er hätte Spaß daran, es wieder und wieder zu erzählen. Mein Blick fällt auf einen schwarzhaarigen dünnen Mann, der nicht weit entfernt von uns herumstolpert. Seine Augen sind verdreht, er wirkt entrückt und ein seltsam fremdes Gefühl überkommt mich.

Auf dem Weg zum Auto stecke ich in Andies hellbrauner Lederjacke und bin das erste Mal stolz einen Freund zu haben. Andie nennt sie „Überlebensjacke“, da sie im Sommer kühlt und im Winter warmhält. Danach schaut er auf meine Fingernägel, bemerkt, dass sie sehr kurz sind, dass ich sie mir nicht wie andere Frauen feile und lackiere.

Wir fahren zu Freunden von Andie, wenige Autominuten, Bruder und Schwester, die von ihren Eltern ein Reihenhaus geschenkt bekommen haben. Mit Abstand die Jüngste, fühle ich mich eingeschüchtert und denke an den Moment Ende April zurück, in dem Andie und ich uns erstmalig nähergekommen sind. Zufällig trafen wir im Klassenraum aufeinander und bemerkten, dass wir beide Gitarre spielten, wenngleich ich noch in den Anfängen steckte. Andie fragte, ob ich meine Gitarre mit auf die Klassenfahrt nach Prag nehmen könne und so kam es, dass er sie spielte, währenddessen ich neben ihm sang. Zuvor hatte ich ihn lediglich aus der Ferne beobachtet, denn drei Jahre älter als ich, Stufensprecher und täglich die Zeitung auf seinem Tisch liegend, kam er mir unerreichbar vor.

Ein paar Tage später werde ich Andie erzählen, dass die Reihenhausanlage seiner Freunde direkt gegenüber von Patricks Grab liegt und dass es mich während eines Besuches gestört hat, die lauten Stimmen der Menschen in ihren Gärten zu hören.

Freitag, der 12. Mai

Eine ungewöhnliche Maihitze zeichnet sich ab und ich schaue auf meine flachen, violetten Sandalen herunter, die sich von den dunklen Pflastersteinen abheben. Andie bezweifelt ein Leben nach dem Tod und ich sage, dass es doch so sein könnte, dass jeden Menschen nach seinem Tode das erwartet, was er sich zuvor in seinem Leben vorgestellt hat. Andie findet meinen Gedankengang gut und ich denke an Patrick und daran, wie wir um die Auferstehung stritten. Mein Bruder sagte, dass kein Mensch sich so wichtig nehmen sollte. Auch konnte er es nicht leiden, wenn Tote betrauert wurden. Einem Kreuz am Straßenrand oder Blumen auf dem Friedhof sah er mit Argwohn entgegen.

Vor dem Römerberg erzähle ich Andie von der Todesanzeige in der Frankfurter Wochenschau. Er meint, sie gesehen zu haben, doch es stellt sich heraus, dass er die Anzeige eines anderen Toten, eines Patrick Ahrendt ohne ’t’, gelesen hat. Die Mutter des anderen hat bereits bei uns angerufen - ihr Patrick, zwei Jahre älter als unserer, ist an Krebs gestorben.

Am Abend haben meine Mutter und ich einen Termin mit unserem Gemeindereferenten. Der gleiche, der Patrick und mich vor wenigen Jahren auf unsere Firmung vorbereitet hat, spricht nun in unserem Wohnzimmer die Totenmesse meines Bruders mit uns durch. Er ist traurig, betroffen, sucht nach tröstenden Worten und meine Mutter und ich schätzen seine Anwesenheit, wissen, dass ‘Selbstmörder‘ kein Recht auf eine Messe haben.

Ich kann nicht schlafen und mir kommt ein Buch meiner Kindheit, Johanna Spyri, ’Gritlis Kinder’, zurück. Ich erinnere Fani, den außer seinen großen glänzenden Augen und seinem dunklen Haar eine künstlerische Begabung auszeichnet und seine Schwester Elsli, die eher bleich und unauffällig wirkt. Da ihre Mutter Gritli frühzeitig verstorben ist, leben die Kinder bei einer Frau am Rhein, die sich insbesondere um Fani kümmert. Oft sitzt der Junge im großen Garten am Fluss und malt zum Gefallen der Hausherrin. Elsli leidet nicht darunter, weniger Aufmerksamkeit zu erhalten, da sie ihrerseits ihrem Bruder in Bewunderung und Liebe verbunden ist. Eines Tages aber stirbt Fani und Elsli wird schmaler als zuvor. Selbst kränklich, kümmert sie sich um eine alte Frau in einem Rollstuhl, die in einer armseligen Hütte lebt. Letztlich stirbt auch Elsli, aus Erschöpfung, aber auch aus Trauer um ihren verstorbenen Bruder. Ebenfalls in dem Buch: ein Mädchen, das an einen Rollstuhl gebunden ist. Zunächst dachte ich an ’Heidis’ Klara, doch das Mädchen in meinem Buch unterscheidet sich von ihr, da sie um ihren baldigen Tod weiß. Diesen möchte die Mutter nicht annehmen, doch es ist die Kinderfrau, die dem Mädchen das Gehen leichter macht und über den immer gleichen Vers Hoffnung verspricht: “Die kennen keine Tränen mehr, Die kennen lauter Freude.“ Ich frage mich, ob der Vers nun auch mir Hoffnung schenkt… Um die Zeilen vom alten Lied vom Paradies noch einmal vor Augen zu haben, nehme ich Gritlis Kinder erneut zur Hand, bin aber verwundert, als ich bemerke, dass manches ganz anders ist, als ich es erinnere. Beispielsweise sitzt die kranke Nora nicht im Rollstuhl. Überhaupt stellt ihr Tod erst den Schlüssel für den Umzug von Fani und Elsli in das Haus am Rhein dar. Oder gibt es keine alte Frau, um die sich Elsli kümmert, sondern eine gesamte Familie. Viel entscheidender jedoch, ist es nicht der von allen geliebte, talentierte und leichtlebige Fani, der verstirbt, sondern dessen schwermütige Schwester Elsli, die bereits bei ihrer Einführung als kränklich beschrieben wird. Entsetzt lege ich das Buch wieder zur Seite und verfolge nun einen ganz anderen Gedankengang: „Wie konnte es passieren, dass meine Geschichte mit dem falschen Ende schließt? Wie konnte es passieren, dass ich übriggeblieben bin und nicht mein von früher Kindheit an so hübscher, pfiffiger und Herzen im Fluge erobernder Bruder?“

Sonntag, der 14. Mai

Geburtstag Andie, Garten, Gitarre und eine geschenkte Unterhose, die für alle Tage, außer Sonntag, ein farbiges Kondom bereithält. Gleichzeitig meine Scham über die von mir mit Liebe ausgesuchte Übersetzung eines Gedichtbands von W.B. Yeats, dessen romantische Beschreibungen mich im Buchladen sofort berührt haben. Kathrin, die Ex, ruft an und ich höre Andies charmante Stimme am Telefon. Ich schaue auf Miriam, seine erste große Liebe, auf ihr langes helles Haar im Kontrast zu ihrem braunen und schmalen Körper und mir kommt in den Sinn, wie Andie erzählte, dass seine Ex oft eifersüchtig auf sie war. Einmal verließ sie nachts sogar das gemeinsame Bett und auch ich wäre vom ersten Moment an, da Andie mir von ihr erzählte, eifersüchtig gewesen, hätte ich denn gewusst eine Chance bei ihm zu haben.

Dienstag, der 16. Mai

Beerdigung Friedhof West. Petra, eine meiner engsten Freundinnen, setzt auf der Arbeit durch, dass sie mich begleiten kann. Marlene ist nicht da. Sie sagt, dass sie es heuchlerisch findet, da sie zuvor für Patrick nichts getan hat. Najib, mein bester Freund, empfindet ähnlich und bat Unterstützung für den Fall an, dass ich ihn wirklich brauche. Patrick ist aufgebahrt. Mehrmals zuvor habe ich ihn so mit Marius und meiner Mutter gesehen. Es waren heiße Maitage und auch heute ist es heiß. Marco, Lottas Bruder, verweilt lange bei meinem toten Bruder. Die Trauerfeier fühlt sich ehrlich, nahe an der Geschichte eines Jugendlichen an, der sich das Leben genommen hat. Mutti wird auf dem langen Weg zu Patricks letzten Stätte von ihrem Bruder gestützt, meine Tante Mirella hakt sich bei mir ein. Ich wehre sie nicht ab, fühle mich aber stark und stolz in meinem in Berlin erstandenen, knielangen schwarzen Kleid. Dieter, der Mann meiner Tante, Marius und Lukas schauen lange dem in die Erde herunter gelassenen Sarg hinterher. Später treffen wir uns bei Oma und Opa, dem Ort, an dem meine Mutter und ihre Geschwister aufgewachsen sind und der nicht weit entfernt ist. Papa, der der Beerdigung beigewohnt hat, ist nicht mitgekommen. Ich spüre die Hitze auf der Veranda und habe Lust barfuss Federball zu spielen, doch Petra sagt, dass dies pietätlos wirken könne. Lukas, der neben mir steht, scherzt und nimmt mich in den Arm.

Colleen Mc Coullough, ‘Dornenvögel‘ und ich ziehe Parallelen zu meiner Familie. Meine Mutter Marie sehe ich in der Rolle der schönen Maggie, aus deren Verbindung zu ihrer großen Liebe Pater Ralph ein Sohn, Dane, hervorgeht, der ihr, kaum erwachsen, weggenommen wird. Übrig bleibt ihre Tochter Justine, hervorgegangen aus der Ehe mit dem Schafscherer Luke, der es einst nur auf das Geld von Maggie abgesehen hat und den auch Maggie nicht liebte. Nach dem Tod von Dane wird es dauern, bis Mutter und Tochter einen Weg zueinander finden. Dafür hält Justine sich an ihre Großmutter und meine Gedanken wandern über zu meiner, feststellend, dass auch sie einen besonderen Blick auf mich gehabt hat - dabei war, als ich schwimmen lernte, meine Fähigkeit erkannte innerhalb kürzester Zeit Gedichte auswendig zu lernen. Ich sehe sie vor mir, langes schwarzes Haar bis über die Schultern, meines zu zwei Zöpfen flechtend, um mir danach von ihrer Terrasse aus zuzuschauen, wie ich mit einem Fußball an den älteren und kräftigeren Jungs der Siedlung vorbeiziehe... In den Sinn kommen mir aber auch die Unterschiede zu dem von mir bereits mit 14 Jahren geliebtem Drama. Hauptsächlich die um meinen Vater Walther - der Mann, der meine Mutter vom ersten Augenblick an geliebt hat und ihren kleinen Sohn, meinen Bruder, anerkannte, adoptierte und aufwachsen ließ wie einen eigenen Sohn.

Mittwoch, der 17. Mai

„Den Tod zu verstehen ist nicht einfach, wenn man bedenkt, dass die meisten ihr Leben schon nicht begreifen. Und dennoch können Dinge, die man nicht zu begreifen vermag, schöner sein als Fassbares, Begreifbares. Es steckt eine Mystik im Tod, ein Zauber, der für Lebende nicht zu erreichen ist. Der Eintritt für das neue Reich ist der tote Körper - nun, ich habe gesehen, Du hast bezahlt. Ich hoffe, sie mögen Dich hineinlassen, das Tor zur Ewigkeit öffnen, Dich aufnehmen, so wie Du bist. Du hast es verdient - verdient, Deinen Frieden zu finden. Eines Tages werde ich Dir dann folgen und nicht nur ich, sondern unsere gesamte Familie wird sich wiedersehen. In keiner Dimension, in keiner der biblisch geschilderten Welten, sondern einfach in einer Vollkommenheit, die auf Erden nicht existiert. Glücklich mit diesem Wissen, glücklich darüber, dass diese Stunde näher rückt, werde ich versuchen weiterzuleben, auszuharren, egal welche Stunden auf mich warten mögen, bis zu dem Moment, da ich Dir erneut begegnen werde.“ Mit diesen Zeilen beginne ich das Buch, das ich Patrick gewidmet habe. In den nächsten Jahren, insbesondere an seinen Geburts- und Todestagen, werde ich auf diese Weise meine Gedanken an ihn richten, ihn ansprechen und dabei häufig so wie heute am Grab sitzen, das Unkraut an seinen Rändern betrachten und erinnern, dass mein Bruder einst zu mir gesagt hat, dass Energie nicht verloren geht.

Außerdem schieße ich ein Foto von Patricks Grabeskreuz mit all den bunten Blumen vom Tag seiner Beerdigung. Demgegenüber halte ich weitere in Gedanken: Patrick auf seiner letzten Klassenfahrt, mit Dauerwelle und orangem Bad Boy Shirt, sein Gesicht bleich wie auf der Bahre, die Augen stechend blau. Patrick im Arm meines Opas auf der Terrasse, Opa mit Baskenmütze und Zigarre, beide lächelnd und auf Opas Gesicht Anrührung und Stolz über seine Nachkommenschaft, insbesondere den Erstgeborenen, der mittlerweile jugendlich ist.

Freitag, der 19. Mai

Am frühen Morgen treffen Andie und ich uns auf dem Weg zur Schule. Ich steige in sein Auto und er parkt weit entfernt vom Schulgebäude. Wir durchlaufen das Frankfurter Dichterviertel und Andie träumt davon eines Tages mit mir in einem der herrschaftlichen Häuser zu leben. Eine ganze Weile lang läuft er mit mir Arm in Arm, vor der Schule lässt er dann los. Andie wollte von Anfang an unsere Beziehung vor den anderen verheimlichen und er hält es durch.

Mittags küsst er mich überraschend vor dem Schultor und glücklich beschwingt beschließe ich meine Großeltern zu besuchen, die in Nähe der Schule, im gleichen Stadtteil, leben und bei denen ich öfters spontan vorbeischaue. An diesen Nachmittagen gehe ich dann mit Oma spazieren, erzähle von der Schule oder anderen Erlebnissen und höre ihr zu, wenn sie mir von ihren frühen Ballettauftritten vor dem Krieg vorschwärmt oder dem letzten Opernbesuch mit ihrer Freundin. Oft sagt sie, dass sie in mir einen Teil von sich sieht und ich mag den stolzen Ausdruck in ihren braungrünen Augen, dem noch immer jungen Gesicht, der ihre Worte in diesen Momenten begleitet. Auch mag ich es, wenn Opa mir danach im Wohnzimmer politische oder auf Natur und Tiere gezielte Fragen stellt - ein Quizspiel, das er liebt und das ihm die Möglichkeit gibt, sein Allgemeinwissen, insbesondere seine Vertiefung in die Tierwelt, zu veranschaulichen. Opa liebt es in diesen Situationen zudem, mir zu sagen, dass ich ein hübsches und kluges Mädchen bin, jedoch noch einiges lernen muss... Aus seiner Stimme spricht nun Liebe und Anerkennung - Aufmerksamkeit, die ich genieße, die er mir als kleines Mädchen aber nicht gegeben hat.

Samstag, der 20. Mai

Auf der Eschersheimer Landstraße mit einer grünen Welle bei 60 Km/h. Andie und ich parken auf der Verkehrsinsel in Nähe der Batschkapp und tanzen später zu ’Why can’t I be you’ von The Cure. In der Nacht fährt er mich dann nach Hause und von der Seite her sehe ich auf seine sinnlich geschwungenen Lippen und träume noch immer davon, wie er zu sein. Er überlässt mir das Lenkrad seines Autos und ich freue mich auf dem Moment vor meinem Haus, da er die Sitze herunterschrauben und mich küssen wird. Dabei bedaure ich es, dass ich weder die Erfahrung noch die Möglichkeit besitze, ihn mit mir nach oben zu nehmen - so wie er mir erzählt hat, dass andere Frauen es tun.

Sonntag, der 21.Mai