Otto nimmt Abschied - Harald Seredzun - E-Book

Otto nimmt Abschied E-Book

Harald Seredzun

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Beschreibung

Es geht um das A und das O des Lebens. Otto denkt mit dem ersten Augenblick seines Daseins an das Ende. Menschen, denen er begegnet, haben allesamt Namen, die mit A beginnen, sie stecken im Anfang fest. Otto genießt das Leben in vollen Zügen, weil er den Abschied in sich trägt. Mandelblüten erfreuen ihn ebenso wie volle Ähren und bunte Blätter. Im Schmetterling erkennt er das Symbol der Wandlung in neues Leben. Wer Hoffnung wider aller Hoffnung sucht, hat hier die richtige Storry gefunden.

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Seitenzahl: 16

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Harald Seredzun

OTTO NIMMT ABSCHIED

Eine Story zu Ostern

Otto schreit nicht

„Er schreit nicht, er schreit nicht.“ Hebamme Agnes sah vollschlank und hilfesuchend ins Gesicht des gewichtigen Geburtshelfers Achim, sah zwischen Falten eingelagerte Äugelein blinzeln, klopfte mit sanftem Klaps auf den Rücken des Neugeborenen. „Er schreit nicht, er schreit einfach nicht.“

Hätte Otto schon sprechen können, hätte er nur ‚halt die Klappe‘ gesagt, er hatte keine Lust zu schreien, viel zu sehr war er mit dem Gedanken beschäftigt: hier kann ich nicht bleiben, hier habe ich nur eine Gastrolle, alles ist auf Abschied gestellt, von Anfang an, ich komme, um zu gehen, das müssten sie doch wissen, für sie gilt schließlich das gleiche, also sollten sie es auch wissen, meine Mutter, schwer gestresst von meinem Kampf mit ihrem Becken, die vollschlank hilfesuchende Hebamme, der gewichtige Geburtshelfer, wenn ich reden könnte, würde ich sie zur Räson bringen, aber reden kann ich noch nicht, und zum Schreien habe ich keine Lust, ich hätte höchstens Lust hinauszuschreien: ihr armseligen Sterblichen, ihr wisst es doch alle: Gastrolle!

Noch einmal klopfte Agnes sanft auf Ottos Rücken. „Er schreit nicht.“ – „Aber er atmet tüchtig, ist doch alles in Ordnung“, murmelte Achim, altmodisches Weib, dachte er, klopft den Winzlingen noch immer auf den Buckel, macht man doch nicht mehr. Agnes schüttelte den Kopf, pflichtete aber bei: „Ja, er atmet, er atmet gut“, und sie legte Otto seiner Mutter Anna in die Arme, die Arme war noch völlig von Kräften, es reichte nicht einmal für ein Lächeln.