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"Zwei auf dem Hügel" blicken auf Lebensläufe, die schicksalhaft sind und immer die Frage nach der großen Liebe aufwerfen. Die beiden leben jeweils in einer geglückten Beziehung, doch die Sehnsucht nach der großen Liebe bleibt, und sie bleibt unerfüllt.
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Seitenzahl: 22
Veröffentlichungsjahr: 2020
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Harald Seredzun
Zwei auf dem Hügel
Skizze einer Beziehung
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
ZWEI AUF DEM HÜGEL
Impressum neobooks
Skizze einer Beziehung
Der Hügel hieß Hubertsberg, erhob sich über Höfe und Häuser des kleinen Ortes, höchste Erhebung im Land ringsum. Einst trug er eine Hubertuskapelle, sie hinterließ ihm den Namen.
Zwei standen oben, Lebensläufe lagen unten. Sie blickten umfangen von warmen Strahlen über knospende Reben. Weiße Wolken zogen ins Weite. Zwei standen ohne Berührung, schauten, schwiegen.
Mirjam
Sie war ein hübsches Mädchen, kleine Gestalt, schlank, wissbegierige Augen, begehrende Brüste, helle Hände, schlichte Ringe. Nachmittags fuhr sie ihren Bruder Fidelis im Rollstuhl aus. Fidelis war von Geburt an gehbehindert, klar im Kopf, eins mit seinem Schicksal. Am Fuß des Hubertsberges standen auf einem kleinen Platz Bäume und Sitzbänke, Treffpunkt junger Leute.
Der Bruder merkte es früher als sie selbst:
„Hast du es gesehen?“ fragte er die Schwester.
„Was soll ich gesehen haben?“
„Wie Hernando dich ansieht.“
„Wie sieht er mich denn an?“
„Verliebt.“
„Quatsch.“
„Nix Quatsch. Der will was von dir.“
„Was du siehst…“
„…das sehe ich.“
Auch wenn Mirjam ihren Bruder abwimmelte, sie wusste, was er sah und was er sagte, war verlässlich.
Hernando war Kind spanischer Gastarbeiter, lebte bei der Mutter. Sie schuftete den ganzen Tag in der Fabrik. Der Vater pendelte, hielt sich mehr in Galicien auf als in Deutschland. In Galicien passierte es. Eine gefährliche Kurve, er verlor die Kontrolle über das Auto, stürzte in den Abhang. Das Unglück geschah vor vier Jahren. Großeltern drängten Mutter und Kind zur Heimkehr. Sie sagte: noch nicht.
Mirjam wartete fast ungeduldig, ob Hernando sie ansprechen würde. Sie dachte schon daran, die Initiative zu ergreifen, doch dann kam er ihr zuvor. Hernando war sanguinisch. Mirjam bewegte sein Blut, sie erlag seinem Blick. Begehren überfiel beide.
Vier Jahre voller Leidenschaft. Sie wollten heiraten. Mirjam wurde schwanger. Natalie war für sie ein Wunschkind. Hernando verschwand noch vor der Geburt nach Galicien, kam nie wieder. Seine Mutter war fassungslos, verstand sein Verschwinden nicht. Sie wechselte den Wohnort, heiratete wieder, blieb in Deutschland.
Mirjam kam schneller über Hernandos Verschwinden hinweg, als sie dachte. Sie lernte Walter kennen, lernte ihn lieben, sie heirateten. Walter war Installateur, verdiente gut, sein Geschäft blühte. Er adoptierte Natalie. Die Familie wuchs schnell. Mirjam und Walter bekamen noch drei Kinder, Jonas, Kathrin, Ingo.
Mirjam und Walter führten ein geordnetes Familienleben, kauften ein Fachwerkhaus, entkerntes es, erneuerten es innen und außen. Besucher gaben sich die Tür in die Hand, verabschiedeten sich mit Komplimenten. Es erfüllte die Familie mit Stolz.
