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In "Papa Monica" erzählt Maaike Sips die Geschichte ihres Vaters, der mit über 60 beschloss, kein Mann mehr sein zu wollen. Nachdem Maaike Sips' Vater in Rente ist, verkündet er, sich "umoperieren" zu lassen und fortan als Frau durchs Lebens gehen zu wollen. Mit einem Mal fehlt Maaike nun der Vater, den sie immer hatte – auch wenn er ein unverbesserlicher Macho war. Dafür ist da nun Monica, die einen bisher ungekannten Familiensinn an den Tag legt und sich mit der Tochter gerne über Schuhe unterhalten möchte. Maaike Sips versucht, cool zu bleiben – und macht sich auf die abenteuerliche Reise in die Vergangenheit des Vaters, um zu ergründen, wie viel von dieser ungeahnten Seite heimlich schon immer in ihm schlummerte.
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Seitenzahl: 380
Veröffentlichungsjahr: 2016
Maaike Sips
Als mein Vater plötzlich kein Mann mehr sein wollte und ich versuchte, cool zu bleiben
Aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf
Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG.
Nachdem Maaike Sips’ Vater in Rente ist, verkündet er, sich umoperieren zu lassen und fortan als Frau durchs Lebens gehen zu wollen. Mit einem Mal fehlt Maaike nun der Vater, den sie immer hatte – auch wenn er ein unverbesserlicher Macho war. Dafür ist da nun Monica, die einen bisher ungekannten Familiensinn an den Tag legt und sich mit der Tochter gerne über Schuhe unterhalten möchte. Maaike Sips versucht, cool zu bleiben – und macht sich auf die abenteuerliche Reise in die Vergangenheit des Vaters, um zu ergründen, wie viel von dieser ungeahnten Seite heimlich schon immer in ihm schlummerte.
Widmung
Motto
Prolog
1. Kapitel
2. Kapitel
3. Kapitel
4. Kapitel
5. Kapitel
6. Kapitel
7. Kapitel
8. Kapitel
9. Kapitel
10. Kapitel
11. Kapitel
12. Kapitel
13. Kapitel
14. Kapitel
15. Kapitel
16. Kapitel
17. Kapitel
18. Kapitel
19. Kapitel
20. Kapitel
21. Kapitel
22. Kapitel
23. Kapitel
24. Kapitel
25. Kapitel
26. Kapitel
27. Kapitel
28. Kapitel
29. Kapitel
30. Kapitel
31. Kapitel
32. Kapitel
33. Kapitel
34. Kapitel
35. Kapitel
36. Kapitel
37. Kapitel
38. Kapitel
39. Kapitel
40. Kapitel
41. Kapitel
42. Kapitel
43. Kapitel
44. Kapitel
45. Kapitel
46. Kapitel
47. Kapitel
48. Kapitel
49. Kapitel
50. Kapitel
51. Kapitel
52. Kapitel
53. Kapitel
54. Kapitel
55. Kapitel
56. Kapitel
57. Kapitel
58. Kapitel
59. Kapitel
60. Kapitel
61. Kapitel
62. Kapitel
63. Kapitel
64. Kapitel
Quellenangaben und Dankeswort
Quellen
Interviews
Weiterführende deutschsprachige Literatur
Einige Websites
Für Bas
Schühchen
Ich sehne mich so nach der anderen Seite von mir,
meiner Innenseite aus dunkler Seide, die ich noch niemandem zeigen will: Mein langes Haar, eine Robe aus Satin und erstaunte Wimpern über großen, braunen Augen. Und rote Schuh, Ja, ich sehe … es müssen rote Schühchen sein, mit denen ich dereinst in die Stadt gehe.
Sisca
Tagebuchfragment Cees Sips, Juni 1968
Können wir?«, simst mein Vater. Er wartet unten vor dem Krankenhauseingang, bis meine Mutter fort ist. Ich trete in das Zimmer, in dem mein anderthalbjähriger kleiner Sohn liegt. In der vergangenen Stunde haben meine Mutter und ihr Mann ihm Gesellschaft geleistet, und ich konnte im Elternzimmer arbeiten. Er ist inzwischen wach, man hört ihr Lachen auf dem Flur.
»Mama!«, ruft Bas froh, als ich ins Zimmer komme. Er stempelt rosa Herzchen auf einen Zeichenblock, den meine Mutter ihm mitgebracht hat. Zwei große Klebestreifen auf den Wangen halten einen Schlauch in seiner Nase an der richtigen Stelle, und von Brust und Bauch verlaufen Kabel zu einem Monitor. Die größte Attraktion klebt mit einem Pflaster an seinem Zeh: Ein rotes Lämpchen, das den Sauerstoffgehalt in seinem Blut misst. In den letzten Tagen haben wir vor allem diese Werte beobachtet; erst wenn Bas eine Nacht ohne zusätzlichen Sauerstoff auskommt, darf er nach Hause.
»Sie kommen!«, sage ich.
Meine Mutter springt von ihrem Stuhl auf und nimmt ihren Mantel. »Brauchst du noch etwas? Sollen wir für dich einkaufen gehen?«
Nein, ich brauche nichts. Lieber laufe ich nachher rasch selbst zum Supermarkt. Die Krankenhausluft macht mich träge und schwer, und die einzige Bewegung, die ich heute gehabt habe, sind die paar Schritte zwischen Bas’ Zimmer, dem Elternzimmer und der Toilette. Auf der anderen Seite der Kinderabteilung, den Flur entlang und durch die Klapptüren, gibt es einen Spielraum für die kleinen Patienten, aber für uns ist das verbotenes Terrain. Bas darf sein Zimmer nicht verlassen, weil die Ärzte meinen, ein ansteckendes Virus könnte für seinen Zustand verantwortlich sein.
Meine Mutter und ihr Mann hasten mit ihren Mänteln unterm Arm auf den Flur hinaus. Ich zögere. Soll ich sie instruieren, in welche Richtung sie am besten gehen? Ich habe selbst keine Ahnung, vor welchem Eingang mein Vater und seine Frau stehen. Vielleicht sind sie schon unterwegs zu den Aufzügen; denselben, mit denen meine Mutter und ihr Mann nach unten fahren. Sobald sie außer Hörweite sind, rufe ich meinen Vater an. »Sie kommen jetzt runter. Wenn du noch fünf Minuten wartest, begegnest du ihnen wahrscheinlich nicht mehr.«
Meine Eltern sind schon fast dreißig Jahre geschieden und haben sich in dieser Zeit nur zwei Mal gesehen. Das erste Mal vor einigen Jahren bei einem Festival für klassische Musik, das ich mitorganisiert hatte. Danach noch einmal an Bas’ erstem Geburtstag. Beide Male haben sie auf das Glück ihrer Töchter angestoßen, und es ging unerwartet nett und gemütlich zu.
Damals trug mein Vater noch ganz normal Hosen. Jetzt wartet er unten in einem Kleid und möchte die Konfrontation mit meiner Mutter vermeiden. Sie sind sich nicht begegnet, seit mein Vater als Monica durchs Leben geht.
Vor einigen Monaten war sie auf einmal da. »Ich werde mich umoperieren lassen«, sagte mein Vater an einem Sonntagnachmittag im Januar. Da lag sein Abschied als Beigeordneter der Gelderländer Gemeinde, in der er wohnte, gerade hinter ihm. Eigentlich hatte er schon einige Male vorher in Rente gehen wollen, aber immer wieder hielt ihn etwas davon ab, es endlich einmal ruhiger angehen zu lassen. Jetzt behauptete er, diesmal werde er wirklich aufhören; das Kapitel Arbeit sei für ihn abgeschlossen. Künftig werde er nur noch Bücher lesen und im Garten werkeln.
»Gibt es denn gar nichts, was du noch gerne tun würdest?«, hatte ich gefragt.
Mein Vater schaute zögernd zu seiner Frau Meintje. »Was meinst du: Sollen wir es ihr erzählen?«
Erst war ich erleichtert; dieser Macho-Vater, mit dem ich mich manchmal so schwertat, war demnach ein Fake, eine ungeschickte Improvisation nach der klassischen Männerrolle. Später nagte es dann aber doch an mir. Er war zwar nicht tot, aber ich würde meinen Vater nie mehr wiedersehen, jedenfalls nicht als die Person, die ich seit jeher kannte. Zeit zum Abschiednehmen gab es nicht. »Cees Sips« meldete das Telefon, wenn mein Vater anrief, aber dann war Monica am Apparat.
Ich wusste, dass es Cees noch irgendwo geben musste, denn noch waren nicht alle eingeweiht; aber jeder, der Bescheid wusste, bekam nur noch Monica zu sehen. Nachdem sie die Bühne einmal betreten hatte, ließ sie sich nicht einfach wegschicken, so sehr es sie auch in Spannung versetzte, immer wieder zum ersten Mal in dieser neuen Gestalt ihr Entree zu machen.
Meine Mutter konnte es noch nicht ganz glauben. Ausgerechnet Cees? Dieser Macho, der ein notorischer Fremdgeher gewesen war und Frauen eher als Objekte zu betrachten schien?
»Schau mal, wer da ist«, sage ich zu Bas. Er guckt kurz von seinem Zeichenblock hoch und beschäftigt sich gleich wieder mit seinen Stempeln. Über das ganze Bett sind Verschlusskappen verstreut, an den Fingern hat er gleich drei Farben Tinte. »Oma Monica und Oma Meintje!«
»Hallo Bas!« Monica stellt sich neben ihn und lehnt sich mit dem Ellbogen auf das hohe Bett. »Das sind aber schöne Herzen!« Er scheint es nicht zu hören. Monica nimmt einen blauen Stempel aus der Schachtel. »Und was ist das hier? Eine Blume!«
Jetzt hat sie seine Aufmerksamkeit. Bas übernimmt das Ding von ihr und drückt den Stempel aufs Papier. »Wumm!«
Er wird sich nie an Cees erinnern können, wahrscheinlich hat er seinen Großvater schon jetzt vergessen. Später, beim Durchblättern seines Babyalbums, wird er sich fragen, wer dieser Mann ist, der ihn als Neugeborenen auf dem Arm hält. Er trägt ein teures Jackett über einer dunklen Jeans und hat sein graues Haar säuberlich gescheitelt. Mit einem unbestimmten Lächeln schaut er auf das zarte Babybündel in seinen Armen. Allem Anschein nach stolz, obwohl sein Blick schwer zu ergründen ist. Das Baby hat die Augen geschlossen und streckt sein Fäustchen aus dem weißen Handtuch, in das es gewickelt ist. Die Fingerchen sind runzlig von seinem allerersten Bad.
Ich finde, es ist früh genug, wenn wir es Bas erst dann irgendwann erklären, wie sich unser Stammbaum zusammensetzt. Aber Monica zweifelt. Müsste man ihm nicht besser jetzt schon etwas mit auf den Weg geben? »Vielleicht sollte Bas mich einfach weiter Opa nennen«, überlegt sie manchmal. Opa Monica.
Monica gibt Bas einen neuen Stempel und drückt die Verschlusskappe wieder auf die blaue Blüte. Sie gibt sich mehr Mühe als Cees, ihren Enkel kennenzulernen. Der kam meistens erst dann aus sich heraus, wenn der Wein eingeschenkt war und wir Bas in seiner Babyliege vor den Teletubbies geparkt hatten. Er fand kleine Kinder lästig und wusste nicht recht, wie er mit ihnen umgehen sollte. Lange dachte ich, darin läge der Kern unserer steinigen Beziehung. »Gerade als ihr in ein interessantes Alter kamt, seid ihr weggegangen«, sagte mein Vater immer.
Erst in den letzten Jahren lief es wieder etwas besser zwischen uns. Die groben Seiten schienen sich abzuschleifen, je älter mein Vater wurde. Er zeigte mehr Interesse und ergriff öfter die Initiative zu einer Verabredung. Vor dieser Zeit hörten wir nie etwas von ihm, wenn wir nicht selbst anriefen. Meine Schwester hatte ihn nach der Scheidung sogar eine Weile überhaupt nicht mehr sehen wollen.
»Hm-ma!«, ruft Bas. Oma, bedeutet das. Er ist bereit für den nächsten Stempel und zeigt auf die Schachtel. Monica drückt auf seine Nase: »Tuuut!« Ein schallendes Lachen ist die Antwort.
Ich bin immer davon ausgegangen, das Alter hätte meinen Vater milder gemacht. Jetzt frage ich mich, ob das etwas mit Monica zu tun hat. Es scheint, als würde ich meinen Vater erst wirklich kennenlernen, seit sie da ist.
Wie lange weißt du das schon?«, war die erste Frage, die ich meinem Vater stellte, nachdem er die Bombe hatte platzen lassen. Im Nachhinein gesehen eher lächerlich. Je mehr ich über andere Transgender las, desto bewusster wurde mir das. Gender-Dysphorie – der offizielle medizinische Begriff für das Gefühl des Unbehagens aufgrund des eigenen biologischen Geschlechts – ist keine Entscheidung. Man wird damit geboren.
Die persönlichen Geschichten anderer hatten eines gemeinsam: Allen war schon in jungem Alter bewusst geworden, dass sie bei ihrer Geburt den falschen Körper mitbekommen hatten. Auch wer das nicht so explizit für sich formulieren konnte, dem war zumindest schon früh klar, dass etwas nicht stimmte.
»Mein ganzes Leben«, hatte mein Vater geantwortet. Was sollte ich damit? Wenn man eine solche Neuigkeit zu hören bekommt, will man den Zeitpunkt benennen können, an dem sich die schockierende Entdeckung dem oder der Betroffenen aufgedrängt hat, so wie bei einer ernsten Krankheit oder einem anderen Ereignis, das den Lebenslauf drastisch verändert. Die Antwort »mein ganzes Leben« umfasste so viel, dass ich gar nicht wusste, wo anfangen.
Also fragte ich halt, wie der Weg zu einer solchen Geschlechtsangleichung aussah, und mein Vater erzählte, was er mittlerweile darüber wusste. Dass er erst nach einer einjährigen Hormonkur operiert werden könne, dass er die Hormone nur mit der Zustimmung eines Psychologen bekomme und dass es lange Wartelisten für die Operation gebe. Im Vorfeld der medizinischen Behandlung würde mein Vater dauerhaft als Frau leben, und zwar sobald alle in seiner Umgebung Bescheid wussten. Der gesamte Prozess konnte leicht drei Jahre in Anspruch nehmen.
»Was für ein Glück, dass heute so vieles möglich ist«, sagte ich, als mein Vater zu Ende erzählt hatte. Ich schließe nicht aus, dass ich damit auch meine eigene Liberalität betonen wollte. »Stell dir vor, du wärst hundert Jahre früher zur Welt gekommen.«
»Ja«, sagte mein Vater lakonisch, »oder anno 1945.« Darauf wusste ich nichts zu antworten. »Möchtest du ein Foto sehen?« Mein Vater zückte sein Blackberry und zeigte mir einige unscharfe Bilder von einer Frau, die ich nicht kannte.
»Wow.« Ich suchte nach einem Kompliment. »Eine schöne Frau!«
Mein Vater strahlte. »Ja, es gibt auch Männer vom Typ Fernfahrer, die sich in Frauenkleidung werfen. Im Vergleich zu denen habe ich es gut getroffen.« Das stimmte, für ihn war seine kleine Statur ein Vorteil. Keine Schuhgröße 45 oder Hände wie Kohlenschaufeln. Trotzdem konnte ich ihn mir nur schwer in einem Kleid vorstellen.
»Kommt ihr Monica bald mal besuchen?«, fragte mein Vater beim Abschied. »Sie würde sich freuen, euch zu sehen.« Das versprachen wir.
Die ersten Monate kam Monica regelmäßig vorbei. Als hoffte sie, die Erinnerung an Cees würde von selbst verblassen, wenn sie sich nur oft genug vor ihn ins Bild schob. »Sind die beiden etwa schon wieder da?«, witzelten mein Freund und ich manchmal. So viel Interesse waren wir nicht gewohnt. Monica forderte den Platz in unserem Leben ein, auf den unser Vater früher nie sonderlich viel Wert gelegt hatte. Dabei beanspruchte sie allerdings auch sein Erbe. »Es ist ja bloß die Verpackung«, sagte sie oft. »Ich bleibe einfach euer Vater.«
Für mich war das doch eine sehr simple Darstellung, denn dieser Vater ähnelte dem Mann, mit dem ich aufgewachsen war, in vielfacher Hinsicht überhaupt nicht. Monica war lieber, ausgeglichener, teilnahmsvoller. Sie machte Dinge, die Cees nie getan hatte. Sie rief einfach so an, um mich mal zu hören. Meistens ging es um gar nichts. Irgendwas Neues aus dem Dorf, den Apfelkuchen, den sie gebacken hatte, oder ein neues Kleid. Wir plauderten und klatschten miteinander, wie ich es mir bei durchschnittlichen Müttern und Töchtern fortgeschrittenen Alters vorstellte, obwohl ich damit selbst keine Erfahrung hatte.
Meine Schwester Sietske und ich waren uns einig: Monica war ein netterer Mensch und in dieser Hinsicht ein Gewinn, aber Cees würde uns fehlen. Er war mit einem Schlag verschwunden, und Monica war wie besessen dabei, sämtliche Spuren von ihm auszulöschen. Fotos von früher gab sie uns mit (»Ihr habt sicher mehr davon«), und mitunter äußerte sie sich auch abfällig über ihr früheres Ich. Na, na, dachte ich, er ist immerhin mein Vater! Etwas, das ich früher öfter zu seiner Verteidigung gesagt hatte.
Eines Tages hielt sie mir eine hölzerne Kindersandalette hin. Das Fußbett sah unbequem aus, und das rote Leder an der Oberseite war stumpf. »Erkennst du die wieder?«
Natürlich erkannte ich die Sandalette. Den verschlissenen Stellen nach zu urteilen hatte ich die Dinger oft getragen. Als ich Schuhgröße 24 hatte, war ich etwa drei Jahre alt, also konnte ich mich nicht erinnern, wie sie sich damals an meinen Füßen anfühlten oder welches Geräusch ich damit beim Laufen auf der Straße gemacht habe. Dass dies mein Schuhwerk gewesen war, wusste ich von Fotos und von all den Malen, an denen mein Vater diese linke Sandalette in die Hand genommen und mir erzählt hatte, die hätte ich als kleines Mädchen getragen. Solange ich mich erinnern konnte, hatte die Sandalette auf seinem Schreibtisch gestanden.
»Hier, nimm sie mit.« Mit einer entschiedenen Geste schob mir Monica das Ding über den Tisch zu. Es wog nichts und war leicht angestaubt. Es wurmte mich, dass sie es nicht selbst behalten wollte. Wollte sie nicht an unsere gemeinsame Zeit erinnert werden? War die Vaterschaft ihr denn so schwergefallen?
Später wurde mir klar, dass die rote Mädchensandalette vermutlich die ganze Zeit über eine Art Talisman gewesen war, den Monica nun nicht länger brauchte.
Erst als ich mich ein wenig an die neue Situation zu gewöhnen begann, kamen die wirklich wichtigen Fragen. Wenn mein Vater schon sein ganzes Leben lang eine Frau hatte sein wollen, warum wartete er dann fast siebzig Jahre, bevor er sich Hilfe suchte? Er war nicht dumm und hatte seine Angelegenheiten immer gut geregelt. Wie hatte er ein normales Leben führen können, ohne völlig daran zugrunde zu gehen? Letzteres war ein ständig wiederkehrendes Element in den Erzählungen anderer: Transgender waren in der Rolle, in der sie notgedrungen lebten, oft so unglücklich, dass sie depressiv wurden und manchmal sogar an Selbstmord dachten. Ich erkannte meinen Vater darin nicht. Cees war ein selbstsicherer Mann, der oft in den Vordergrund trat und stolz auf die Dinge war, die er im Leben erreicht hatte. Falls er tatsächlich unter schweren Depressionen gelitten hatte, dann war das gut verborgen geblieben.
Was wusste ich eigentlich von meinem Vater? Die Erzählungen von früher und meine eigenen Jugenderinnerungen wackelten plötzlich. Vielleicht war das Bild, das ich von meinem Vater hatte, lediglich ein Vorhang gewesen, hinter dem sich Monica versteckt hielt.
Ich begann, den Prozess von Monicas Verwandlung festzuhalten; meiner Meinung nach eine gute Möglichkeit, mich damit zu beschäftigen. Es war auch eine angenehme Ausrede, meinen Vater alles zu fragen, was ich schon immer hatte wissen wollen. Ich schlüpfte in meine Journalistinnenrolle und stellte die Fragen, von denen ich glaubte, dass Außenstehende sie beantwortet haben wollten.
Es ging viel um Verfahrensweisen und Wartelisten. Monicas Zweifel, ob auch alles gut werden würde, die Unklarheit bezüglich bestimmter Regeln und die Probleme, die sie hatte, an die richtigen Informationen zu kommen. Wir schauten hauptsächlich nach vorn und redeten kaum über früher.
Aber für mich war es noch nicht schlüssig. Wenn es stimmte, dass mein Vater nach wie vor derselbe war, dann musste Monica die ganze Zeit irgendwo gewesen sein. »Mein ganzes Leben schon«, hatte mein Vater gesagt. Was bedeutete das? Ich bekam immer mehr das Bedürfnis, Monica einen Platz in der Vergangenheit zu geben, unserer Vergangenheit. Vielleicht gelang es mir dann zu begreifen, weshalb sie erst so spät zum Vorschein gekommen und wie sie die ganze Zeit imstande gewesen war, ihre Männerrolle zu erfüllen.
Als mein Vater noch Cees war, erzählte er natürlich bisweilen von früher. Uns interessierten dabei besonders die Unterschiede zu der Zeit, in der wir selbst aufwuchsen. Dass alle Mütter Hausfrauen waren und die Väter autoritär. Dass Lehrer in der Klasse rauchten und ihr Lineal zum Schlagen benutzten. Die warme Mahlzeit kam mittags auf den Tisch, die Wohnung wurde mit einem Kohleofen beheizt, Süßigkeiten kaufte man lose in einer spitzen Papiertüte beim Gemischtwarenhändler, und Gott sah alles.
Es war eine 1950er-Jahre-Jugend, in der mein Vater und sein Bruder Theo hauptsächlich draußen im Freien spielten, meist nicht miteinander. Sie amüsierten sich mit Schulfreunden und Nachbarskindern ihres Alters. Sie spielten auf Grünflächen Fußball oder vertrieben sich die Zeit auf dem Markt gegenüber von ihrem Haus. In diesen Geschichten war Cees ein erfinderischer und eigensinniger kleiner Kerl, der oft etwas ausfraß und bei den Jungs aus seiner Klasse beliebt war. Mein Vater unterstrich das gern mit Anekdoten, die von einem gewissen Schneid zeugten. Er erzählte von dem heimlichen Zigarettenhandel, den er mit dreizehn betrieb, oder davon, wie er mehrmals Taschen voll Murmeln gewann, weil er mehr aufs Spiel zu setzen wagte als seine Klassenkameraden. Zu Hause spielte er den Chef über seinen anderthalb Jahre jüngeren Bruder, der regelmäßig in Tränen ausbrach.
Jetzt fragte ich Monica wieder nach dem kleinen Cees, ganz vorsichtig, aus Furcht, sie könnte das Thema zu schwierig finden. Sie hatte uns ja nicht umsonst die Fotos aus unserer Jugend zurückgegeben. Aber offenbar empfand sie keinerlei Scheu, darüber zu reden, und zog auch gleich ihre eigenen Jugendfotos aus der Schublade. Cees, ungefähr sieben Jahre alt, lachend neben seinem Bruder in einer Schulbank. Beide trugen das gleiche karierte Hemd. Cees in kurzen Hosen und mit langen Kniestrümpfen vor dem Zaun ihres Hauses. Ein Foto, auf dem er zusammen mit Theo auf dem Motorroller meines Großvaters saß.
Sofort kamen neue Details hinzu. Dass die Nachbarskinder, mit denen Cees gespielt hatte, hauptsächlich Mädchen waren. Und dass er am liebsten Hüpfkasten oder mit Murmeln spielte und eine Vorliebe für Ballspiele wie Völkerball hatte. Typische Mädchenspiele, laut Monica, obwohl sich niemand gewundert hatte, dass ein Junge sich begeistert daran beteiligte. Monica beschrieb Cees als ein schwieriges Kerlchen, das bei Altersgenossen nur schwer Anschluss fand.
Wir redeten weiter. Wenn Monica sich an etwas nicht erinnern konnte, schaute ich es falls möglich nach oder befragte andere. Ich wollte und musste diesen Jungen, der mein Vater war – oder das Mädchen, das offenbar schon immer in ihm gesteckt hatte –, kennenlernen. Ich wollte wissen, was er getan, gesagt, gedacht hatte. Ich wollte alles zurückspulen und noch einmal betrachten.
Ich bin genau wie mein Vater in Hilversum aufgewachsen, und so war es nicht schwer, mit Hilfe von Fotos aus dem Heimatarchiv der Gooi- und Vecht-Region zu rekonstruieren, wie das Dorf in den 50er-Jahren ungefähr ausgesehen hat.
An der Stelle des großen Altenheimkomplexes, der sich jetzt gegenüber dem Elternhaus meines Vaters befindet, musste ich mir einen Gemischtwarenladen und einen Bauernhof vorstellen, neben einer Reihe von Arbeiterhäusern. Für den Neubau des Konzertsaals »De Vorstin« an der Kreuzung hatte man ein hohes Schulgebäude abgerissen, die Grundschule meines Vaters. Ich selbst kannte den Bau als Bühne namens »De Tagrijn«, wo ich in den 80er-Jahren Konzerte von Herman Brood und De Dijk besucht und bis spät in die Nacht zu Musik getanzt habe, die damals als alternativ galt.
Das Haus, in dem mein Vater aufwuchs, gibt es noch. Ich kann mich gut daran erinnern, wie es drinnen aussah. Als Kind war ich regelmäßig dort, meine Großeltern bewohnten es bis zu meinem neunten oder zehnten Lebensjahr. Es war eines aus einer Reihe von Arbeiterbehausungen, die zu dem schlechteren Teil des Koninginneweg gezählt wurden. Da es an den Bahngleisen lag, waren Eisenbahnlärm und das Bimmeln der Bahnschranken fast ständig zu hören.
In der hinteren Stube stand ein kleiner Esstisch, an dem Sietske und ich spielten oder malten, während die Erwachsenen ihre Neuigkeiten austauschten. Die Blickfänger auf dem Büfett, ein Modellflugzeug aus Messing und ein exotisches Brustbildnis aus Holz, musste es bereits in der Jugend meines Vaters an derselben Stelle gegeben haben. Anfang Dezember fanden wir dort immer vier Spekulatiuspuppen, die der Nikolaus für uns Enkelkinder mitgebracht hatte. Die hintere Stube grenzte an eine einfache Küche mit einer Arbeitsplatte aus Granit und einem Spülstein, über dem sich zu Kinderzeiten meines Vaters der einzige Wasserhahn des Hauses befand. Später kam oben auf dem Flur ein Waschbecken hinzu; ein nie dagewesener Luxus. Als meine Großeltern auszogen, gab es immer noch keine Dusche. Von der Küche ging es nach draußen auf einen eingezäunten kleinen Innenhof. Dahinter verlief parallel zur Eisenbahn eine schmale, gepflasterte Gasse, die mit einer Kurve in die Straße mündete.
Dort stellte ich mir Cees als Elfjährigen vor, wie er sich gerade seine Rollschuhe unterbindet. Er zog den Riemen über dem Spann seines Fußes stramm und drückte den Metallstift in eines der letzten Löcher. Zur Kontrolle, ob der Lederriemen auch festsaß, hob er kurz den Absatz. Dann drehte er mit dem Rollschuhschlüssel die Klammern an der Vorderseite um seine Schuhspitzen fest. Den Ledersenkel mit dem Schlüssel hängte er sich um den Hals. Er stieß sich am Tor ab und ließ sich durch die Gasse in Richtung Straße rollen. Die Eisenräder klapperten über die Fugen der Straßenziegel. Nach der Kurve wurde der Weg sandig, und mit schweren Rollschuhschritten ging er zu den Betonplatten des Koninginneweg. Jetzt hieß es aufpassen und die richtige Geschwindigkeit suchen, mit der die Räder wie von selbst über die Spalten zwischen dem Beton glitten. Er fuhr an seinem Haus vorbei und überquerte ohne anzuhalten die Kreuzung mit der Schoolstraat. Der Signalwärter war gerade aus seinem hohen Posten geklettert und dabei, die Bahnschranken herunterzukurbeln. Es war, als ob der Mann eigens für ihn den Verkehr stilllegte.
Cees winkte der Gruppe von Freundinnen auf der anderen Bahnseite zu, aber sie sahen ihn noch nicht. Hastig fuhr er hinter der hölzernen Polizeiwache vorbei zum Fußgängertunnel. Er musste sich ordentlich abstoßen, um auf dem holprigen Pflaster die scharfe Rechtskurve zu nehmen. Erst bergab bekam er wieder richtig gut Fahrt.
Die vielbefahrene Bahnlinie schnitt das Dorf in zwei Teile. Auf der Seite, an der Cees wohnte, befanden sich der alte Dorfkern und der Markt, das alte Rathaus und der Anfang der gooiländischen Villenviertel. Das Gebiet auf der anderen Seite mit seinen billigen Wohnungen und Fabriken war noch relativ unentwickelt. Immer mehr Hilversumer arbeiteten »jenseits der Bahn«, wurden in ihrer Freizeit aber nicht gern dort gesehen. Cees wohnte gerade noch so auf der »guten« Seite, die Züge rasten quasi durch den Garten hinter dem Haus.
Auf der anderen Bahnseite führten zwei steile Böschungen vom Tunnel zur Straße hinauf. Cees nahm die rechte und kletterte mit quergestellten Füßen den Weg hinauf. Bettie fuhr mit den Diets-Schwestern auf dem glatten Asphalt vor ihrem Haus hin und her. Ein Stück weiter fuhren noch einige andere. Er überquerte die Kreuzung und spurtete mit ein paar schnellen Rollschuhschritten zu den Mädchen.
»He, Cees!«, rief Bettie. Sie hatte heute hellblaue Bänder in ihren kurzen Zöpfen. Immer Zöpfe, nie ein Pferdeschwanz oder ein Haarband, wie es andere Mädchen manchmal trugen. Genau wie Cees war sie klein für ihr Alter. »Wer am höchsten kommt!«
Sie hatten auf ihn gewartet. Ein Wettlauf am Tunnel war erst dann lustig, wenn mindestens sechs Kinder mitmachten. Ihre Mütter hatten es verboten, aus Angst vor Unfällen, falls unerwartet ein Fußgänger oder Radfahrer daherkäme.
Cees nahm Anlauf und rollte die Böschung hinunter. Mit gebeugten Knien und vorgelehntem Oberkörper versuchte er, möglichst viel Schwung zu bekommen. Unten – am gefährlichsten Punkt – musste er seine Höchstgeschwindigkeit erreichen, damit er ohne zusätzliches Treten die gegenüberliegende Böschung nach oben nehmen konnte. Ihm war es gleich, ob irgendetwas vielleicht seinen Weg kreuzte; seine Verwegenheit brachte ihm meistens einen Vorsprung gegenüber anderen ein, die unten doch kurz abbremsten. Der Wind sauste ihm um die Ohren.
Er kam bis zur Hälfte der Böschung. Schnell stellte er seine Rollschuhfüße quer auf den Weg und kratzte mit einem Stein einen Strich an die Mauer. Enttäuscht betrachtete er die Markierung von Lies Kamsteeg ein paar Zentimeter höher. Oben gab er Bettie den Stein. Beim Hinunterfahren bauschte sich ihr Kleid triumphierend auf.
Wie immer kam sie nicht weit. Cees sah, dass sie ihren Strich ein ganzes Stück unter seinen setzen musste. Trotzdem bewunderte er Bettie; er fand sie stark. Sie hatte nie Angst und machte immer das, was ihr in den Sinn kam. Gestern noch, als sie auf dem Brachgelände hinter Betties Haus eine Schnitzeljagd veranstaltet hatten. Die Spur aus Bändern führte an ein paar alten Bauwagen vorbei, in denen in ihrer Phantasie Obdachlose schliefen. Ging man weiter in Richtung Geuzenweg und kroch anschließend durchs Gebüsch, kam man bei einer chemischen Reinigung heraus, wo sie eigentlich nicht hindurften, weil es dort irgendwann einen Großbrand gegeben hatte.
Bettie hatte schon öfter gesagt, sie müsste mal, aber nicht angehalten, als sie an ihrem Haus vorbeikamen. Bei der Reinigung konnte sie es nicht länger aufhalten und war einfach so ins Gebüsch gesprungen. Cees hatte zwischen den Blättern hindurchgeschaut und gesehen, wie sie sich mit hochgehobenem Rock hinhockte. Er konnte sich das Bild noch immer nicht aus dem Kopf schlagen.
Sie waren einige Runden gefahren, bis Bettie von ihrer Mutter hereingerufen wurde. Frau van Laar stand mit einem Besen in der Hand auf dem Gehweg vor ihrem Haus und winkte ungeduldig in Richtung Tunnel. Sie trug genauso eine Kittelschürze wie Cees’ Mutter, um die Haare hatte sie sich ein Tuch gebunden. »Sofort!«, schrie sie. Sie war die einzige Mutter, die ihr Spiel am Tunnel von zu Hause aus im Blick hatte, und auch Bettie war es verboten, sich daran zu beteiligen.
»Auweia«, flüsterte Bettie, während sie große Augen machte und den Mund zu einer Grimasse verzog, »das gibt eine Standpauke.« Cees lachte und wollte noch etwas sagen, aber ehe er sichs versah, drehte sie sich um und fuhr zurück nach Hause.
»Bis morgen!«, rief er ihr nach.
Sie setzten das Wettrennen nicht weiter fort, aus Angst, Frau van Laar käme wieder nach draußen und würde auch ihnen eine Gardinenpredigt halten. Cees fuhr noch ein paarmal die Straße rauf und runter und anschließend nach Hause.
Seine Mutter saß an der Nähmaschine, als er durch die Küche ins Hinterzimmer trat. Mit einem halb zugekniffenen Auge versuchte sie, einen Faden in die Nadel zu fädeln; um sie herum lagen Schnittmuster und Stofflappen ausgebreitet. Sie grüßte, ohne den Kopf zu heben. Cees fand es angenehm, dass sie nie fragte, was er gemacht hatte oder woher er kam. Solange er sich nach der Schule erst zu Hause meldete und vom Spielen rechtzeitig zum Essen wiederkam, war alles gut.
Er setzte sich ihr gegenüber an den Tisch und nahm eine Burda von dem Zeitschriftenstapel. Seine Mutter schneiderte ihre gesamte Kleidung selbst. Außer der Unterwäsche, die kaufte sie auf dem Markt. In ihrer Verlobungszeit hatte sie für die schicken Hilversumer Kreise als Näherin gearbeitet.
Cees suchte zwischen den Resten von Schnittmusterpapier nach einem brauchbaren Stück. Dann legte er das durchsichtige Papier auf die Abbildung eines Models in einem langen Mantel. Ein breiter Gürtel akzentuierte die Taille, und die gefältelten Mantelschöße schienen um ihre Schenkel zu schwingen. Mit einem Bleistift zog er alle Linien sorgfältig nach.
»Hallo!« Es war Theo. Cees schaute kaum hoch. Sein Bruder ging zum Küchentresen und trank das dort bereitstehende Glas Limonade in einem Zug leer. »Ich spiele noch ein bisschen Fußball im Durchgang.« Mit einem Schlag fiel die Außentür wieder hinter ihm zu.
Seine Mutter fegte die Muster zusammen und faltete die Stoffe klein. »Mach mal Platz, Cees!«
»Gleich«, sagte er, immer noch seiner Bleistiftspitze folgend. »Nur noch diese eine Linie –«
»Von wegen«, unterbrach ihn seine Mutter. »Na los, runter vom Tisch!« Sie hob die Nähmaschine in den Koffer und stellte sie in den Schrank. Dann begann sie den Tisch zu decken. Mit einem Seufzer klappte Cees die Burda zu, das Papier ließ er zwischen den Seiten stecken. Kaum nahm er die Zeitschrift in die Hand, schob seine Mutter einen Teller auf die frei gewordene Stelle. Sie verschwand in die Küche, um Milch und Sülze aus dem Keller zu holen.
Cees starrte vor sich hin und wartete auf das Torgeräusch draußen. Der Vater konnte jeden Moment sein Fahrrad auf den Innenhof schieben.
Abends aßen sie Brot. Schweigend saßen sie um den kleinen Esstisch im Hinterzimmer. Cees’ Vater mochte kein Geschwätz und aß am liebsten in aller Ruhe. Hinter dem Zaun puffte ein Zug über die letzten Schienenmeter zum Bahnhof.
Nach dem Essen zog sich sein Vater in den Schuppen zurück. Den ganzen Tag stand er in einer Fabrik an der Werkbank, in der Radios und Sender hergestellt wurden, und zu Hause konnte er es kaum erwarten, sich wieder mit den Händen zu betätigen. Er war jetzt schon seit Wochen mit einem Flugzeug beschäftigt, einer Lockheed Constellation. Rumpf und Flügel hatte er aus einem einzigen Stück Messing gefräst. Auch die winzigen Räder und die Propeller machte er selbst. Er hatte das Modell mit großer Präzision entworfen und ausgemessen.
Die kleine Drehbank im Schuppen war sein ganzer Stolz. Jedes Werkzeug hatte einen festen Platz, und das Material war bis auf den letzten Nagel sortiert. Er hatte sich das alles von dem kleinen bisschen Geld zusammengespart, das er jede Woche von seinem Lohn beiseitelegte.
Gegenüber der Drehbank hing ein Foto seiner Frau. Mit einem schüchternen Lächeln schaute sie an einem vorbei aus dem Bild. Ihr dunkelblondes Haar war hochgesteckt und wellte sich leicht auf ihrem Kopf. Anfang zwanzig war sie auf diesem Bild. Damals musste sie sich noch nicht mit ihrer Frisur herumschlagen und Sorge haben, ihr Schädel könnte durch das dünne Haar hindurchschimmern. Jetzt war sie immer mit Maulbeerwasser zugange, das den Haarwuchs zu fördern versprach. Zu der Zeit, als sie Enkelkinder bekam, trug sie eine Perücke und war damit eine Oma, die niemals ergraute.
Der Schuppen war für Cees und seinen Bruder verbotenes Gebiet. Sie kamen nur her, wenn sie von ihrer Mutter geschickt wurden, um den Vater zu holen. Und selbst dann konnten sie nicht einfach hineingehen. Cees öffnete die Tür immer ganz vorsichtig nur einen Spaltbreit, in Erwartung eines Anraunzers. Erst wenn es still blieb, wagte er den Kopf um die Ecke zu stecken und die Botschaft seiner Mutter zu übermitteln. Später wurde ihm klar, dass sein Vater manchmal sehr gute Gründe gehabt hatte, ihn aus dem Schuppen wegzuschicken. Das war, wenn er das Holzspielzeug anfertigte, das die Jungs zu Nikolaus bekamen.
Cees interessierte sich nicht für Technik und hatte auch keine Geduld dafür. Selbst das Flicken eines platten Fahrradreifens musste er seinem jüngeren Bruder überlassen. Theo war nach ihrem Vater benannt und mit »zwei rechten Händen« gesegnet. Zur Freude von Theo senior hatte er großen Respekt vor technischem Handwerk und war immer neugierig darauf, wie Dinge gemacht wurden. Er würde es sicher zu etwas bringen.
Die Leidenschaft seines Vaters für das gehobene Handwerk schlug sich zu Cees’ Frustration immer in den Geschenken nieder, die er seinen Söhnen machte. Bauklötze, ein Meccano-Metallbaukasten, ein Radiobausatz von Pionier, das sagte ihm alles überhaupt nichts. Lieber hätte er ein Puppenhaus gehabt, so eins wie das im Wohnzimmer einer Freundin seiner Mutter. Wenn er im Auftrag seiner Mutter zu Frau Freriks ging, um die Libelle gegen die Burda einzutauschen, blieb er immer etwas länger, um damit zu spielen.
An seinem Geburtstag bekam er einmal ein rotes Auto von Schuco, das man aufziehen und über ein dünnes Kabel fernsteuern konnte. Es war ein sportliches Mercedes-Modell. Ein offener Zweisitzer, komplett mit Lenkradschaltung und Rückspiegel. Sein Vater und Theo waren genüsslich alle Details in der Gebrauchsanweisung durchgegangen. »Ein Wunder der Technik« hatten sie es genannt. Sobald er das Auto aus der Schachtel geholt hatte, nahm sein Vater es ihm aus der Hand für eine ausführliche Demonstration, die Cees schon bald langweilte.
Als er den Mercedes viel später selbst in die Finger bekam, ging er mit ihm – trotz des strikten Verbots seines Vaters – nach draußen. Dort ließ er das Ding gegen jedes Hindernis knallen und besonders schön schnell an die Wand fahren. Um den Effekt noch zu steigern und damit sich das Auto tatsächlich überschlug, versetzte er ihm dabei immer einen zusätzlichen Schlag auf die Hinterseite. Zuletzt war das Spielzeug ein Totalschaden. Sein Vater war wütend gewesen und hatte ihm zwei Wochen das Taschengeld gesperrt.
Er verbrachte den Abend auf seinem Zimmer. Ein paar Quadratmeter, abgegrenzt durch solide Wände, die sein Vater gezimmert hatte. Sein Bruder schlief in der anderen Hälfte des aufgeteilten Zimmers. Cees hatte sein Bett heruntergeklappt und las mit dem Kopfkissen im Rücken ein Abenteuer von Pim Pandoer. Der Held war hinter ein paar Juwelendieben her, und die Spur hatte ihn mittlerweile bis nach Paris geführt. Cees war da noch nie gewesen.
Ab und zu schweiften seine Gedanken ab zu Bettie und dem, was er gesehen hatte. Vielleicht konnte er sie mit einem Tütchen Salmiakpulver oder ein paar Murmeln überreden, es noch einmal zu tun. Morgen musste er versuchen, sie allein zu sprechen. Er konnte sie hinter die Mauer der Reinigung oder einen der Bauwagen mitnehmen.
Er hörte seinen Vater die Treppe hochpoltern, und nicht lange danach erlosch das Licht in seinem Zimmer. Der Schalter draußen auf dem Flur war eine neue Erfindung seines Vaters. »Jetzt wird geschlafen!«, bellte er, bevor er wieder nach unten ging.
Cees wartete, bis er die Wohnzimmertür zuschlagen hörte, und holte dann die Lampe hervor, die er tagsüber hinten in seinem Schrank versteckt hielt. Bis tief in die Nacht las er unter der Bettdecke weiter. Es war eine improvisierte Taschenlampe, die er sich selbst aus einer Flachbatterie, einer Fahrradlampe und ein paar Kupferdrähten zusammengebastelt hatte.
Wenn man von meinem Wohnort aus den Zug nach Hilversum nimmt – einen Bummelzug, der überall hält, von der Bahn jedoch beschönigend als »Sprinter« bezeichnet wird –, fährt man hinter dem Elternhaus meines Vaters vorbei. Die Räder des Zugs beginnen auf diesem Stück meistens zu quietschen; ein hohes, scheuerndes Schleifgeräusch und ein Hinweis darauf, dass der Lokführer die Geschwindigkeit drosselt. Es sind dann nur noch einige hundert Meter bis zum Bahnhof.
Heutzutage ist es schwer auszumachen, welches der Häuser hinter der hohen, mit Graffiti beschmierten Lärmschutzwand es genau gewesen ist. Vor zwanzig, dreißig Jahren, als es das Ding noch nicht gab, war der Innenhof des Hauses gut zu erkennen. Wenn ich als Kind mit dem Nahverkehrszug vorbeifuhr, winkte ich immer für den Fall, dass meine Oma vielleicht gerade aus dem Fenster schaute.
Vor dem Fenster zur anderen Seite führt der Noorderweg vorbei; heute eine sehr befahrene Straße. Der kleine Tunnel, der früher unter den Gleisen hindurchführte, ist zugeschüttet, und Betties Haus ist einem phantasielosen Bürogebäude gewichen. Ein Stück weiter befindet sich der Eingang zu einem kleinen Firmengelände. Das ist die Stelle, wo mein Vater zwischen den verlassenen Bauwagen mit Bettie gespielt hat. Wo alles begann.
Ich weiß noch nicht mal sicher, ob es wirklich Bauwagen waren. Fast wie besessen habe ich in den letzten Wochen herauszufinden versucht, was für Vehikel es genau gewesen sind. In Monicas Erzählungen waren es einmal Notbehausungen aus der Nachkriegszeit, und ein andermal meinte sie, es seien vielleicht Zirkuswagen gewesen. Die Theorie hinter dieser Vermutung wäre eine eigene Geschichte, aber auszuschließen ist es tatsächlich nicht.
Wie auch immer, ihr Aussehen muss in etwa wie folgt gewesen sein: Wände aus Holzbrettern, das Dach oben rund, dazu ein kleines Fenster und eine Tür, und das Ganze sehr wahrscheinlich auf einem Fahrgestell mit Rädern. Zwar standen sie die meiste Zeit leer, aber es gab immer eine gewisse Möglichkeit, dass plötzlich jemand daraus auftauchte. Besonders das machte diesen Ort zu einem spannenden Niemandsland, und das auch noch auf der falschen Bahnseite. Die perfekte Kulisse für die Ereignisse, bei denen dem kleinen Cees erstmals etwas dämmerte. Ein unbestimmtes Gefühl, dass irgendwas nicht ganz stimmte.
Der Zug läuft auf Gleis drei ein. Draußen muss ich nur noch am Taxistand vorbei, dann bin ich an der Ecke des Koninginneweg, wo ich mit meinem Vater und Meintje verabredet bin. Ich sehe sie ein Stückchen weiter schon dastehen, Monica in einem langen, beigefarbenen Regenmantel, Meintje in ihrer roten Lederjacke. Meintje hat ihre »Räder« mitgenommen, so nennt sie die rollende Gehhilfe, die sie immer dann benutzt, wenn ihre Beine dem Spaziergang nicht gewachsen sind. Monica trägt hohe braune Stiefel mit flachen Absätzen. In Gedanken gratuliere ich ihr zu dieser vernünftigen Entscheidung. Sie brüstet sich oft damit, dass sie besser auf Pfennigabsätzen laufen kann als manche andere Frau, aber offenbar sieht auch sie ein, dass Pumps mit zwölf Zentimeter hohen Absätzen sich nicht mit dem Klinkerpflaster auf dem Markt vertragen.
Es war Monicas Idee, zusammen die Gegend aufzusuchen, in der sie aufgewachsen ist. An einem Mittwoch, damit wir über den Markt gegenüber von ihrem Elternhaus streunen können; einen Ort, an dem sie sich als Junge viele Nachmittage lang die Zeit vertrieben hat. Die Exkursion erscheint ein wenig unsinnig, weil ich Hilversum selbst sehr gut kenne und das Hilversum aus meiner Erinnerung dem aus Monicas Jugend näher ist als das Paradies für Projektentwickler, als das sich das Dorf gegenwärtig präsentiert. Wir sind beide vor mehr als zwanzig Jahren von hier weggezogen.
Bei der ersten Runde sehen wir hauptsächlich die Dinge, die verschwunden sind. Die große Wasserpumpe und das Büro des Marktmeisters, die Möbel- und Antiquitätenverkäufer. Anstelle von Lastenfahrrädern stehen Lieferwagen entlang der Stände, und auch die Häuserreihe am Rand des Marktes ist weg. Dahinter war früher der Paardenplein, der Pferdeplatz, an dessen Stelle jetzt eine riesige Baugrube getreten ist.
Den Durchgang, der den alten Paardenplein mit der Straße meines Vaters verbindet, gibt es allerdings noch. Ein schmaler Ziegelweg mit einem runden Tor, integriert in den Häuserblock am Koninginneweg. Es ist einer dieser Schleichwege, den nur Ortskundige kennen und der einem zufälligen Passanten nicht auffallen würde. Geparkte Autos blockieren die ohnehin schon schmale Straße.
»Hier waren kleine Handwerksbetriebe.« Monica zeigt auf eine Reihe von Garagen am Rand der Baugrube. »Ein Mann goss Türklinken aus heißem Metall in einer Gießform. Er wurde rasend, wenn wir auf das Dach seiner Werkstatt sprangen.« Ich folge Monicas Finger zu dem Durchgang zwischen zwei Garagen. »Hinten konnte man über ein niedriges Dach raufklettern, und dann sprangen wir hier von der einen Seite des Gangs auf die andere.« Der Durchgang ist so schmal, dass wohl selbst ein Kind die Entfernung mühelos überbrücken konnte.
Wir gehen an der Baugrube vorbei wieder zum Markt. Plötzlich ist es kein gewöhnlicher Markt mehr, sondern ein abenteuerlicher Ort, an dem Kinder unbemerkt treiben konnten, was sie wollten.
Cees fand, dass der Markt anders aussah. Die vertrauten schmalen Wege und die Markthändler mit ihren Waren, sie hatten alle etwas Neues. Er achtete darauf, sich nichts anmerken zu lassen. Ruhig ging er zwischen den Menschen hindurch und dachte an die Dinge, die er normalerweise auf dem Markt tat. Einkaufen mit seiner Mutter, die Tasche mit den Kartoffeln zwischen ihnen. Mit Freunden beim Fischmann Aal stibitzen oder ein kleiner Wettkampf mit sich selbst, wobei er ohne mit jemandem zusammenzustoßen so schnell wie möglich von der einen Seite zur anderen laufen musste.
Er war gern auf dem Markt. Wenn man vor seinem Haus die Straße überquerte, stand man sofort mitten im Gewühl. Von dieser Seite aus kam man erst an den Blumenständen vorbei. Der Duft von Dahlien, Lilien, Rosen, vermischt zu einem neuen Aroma, war für ihn der typische Marktgeruch. Gleich danach, an der Rückseite des Stadtbauernhofs, standen die Marktschreier, mittwochs meistens zwanzig oder mehr. Die hätten mit ihren Salben, Putzmitteln, Werkzeugen und Gerätschaften direkt ins Theater gekonnt.
In den letzten Wochen hatte er seinen Plan sorgfältig vorbereitet, er wusste genau, wohin er musste. Jetzt hieß es, geduldig den richtigen Moment abzuwarten und nichts zu tun, was ihn verraten könnte. Er mischte sich unter die Menge um einen Verkäufer, der gerade die Stoßstange eines Chevrolets blank polierte. Umständlich ließ der Mann ein Reinigungsmittel aus einer kleinen Flasche auf sein Tuch tropfen (wobei er eine Frau aus dem Publikum kontrollieren ließ, dass es sich lediglich um ein kleines Tröpfchen handelte) und polierte damit eine stumpfe Stelle wieder glänzend. Auf dem Boden lagen alte Fahrradfelgen bereit, um bei der nächsten Vorführung zum Einsatz zu kommen. Normalerweise konnte Cees dem Spiel, das die Marktschreier mit ihrem Publikum veranstalteten, stundenlang zuschauen, aber heute ließ ihn das alles kalt. Trotzdem blieb er stehen, rückte sogar noch etwas weiter nach vorn. Er spürte, wie ihm der Schweiß unter dem Rollkragen seines Wollpullovers brannte. Es war kein Pulloverwetter und erst recht keins für die dicke Jacke, die er noch darüber angezogen hatte.
Nach vier Stunden hatte er lange genug gewartet, er konnte jetzt ruhig nach Hause, ohne dass seine Mutter ihn wieder nach draußen schicken würde. Er löste sich aus der Zuschauergruppe und zickzackte sich einen Weg vorbei an Einkaufstaschen und anonymen Rücken. Von den Marktschreiern lief er an den Käfigen mit Kanarienvögeln und Kaninchen entlang und vorbei an der Wasserpumpe in Richtung der Gemüsestände. Ein Umweg, um alles zu sondieren. Ein letztes Mal ging er alle Möglichkeiten durch und vergewisserte sich, dass die Polizisten, die immer zu zweit ihre Runde machten, nicht in der Nähe waren.
Die Stände mit Nacht- und Unterwäsche standen am Rand des Markts. Bei einem von ihnen war ein Händler dabei, Korsetts vor einer Kundin auszubreiten. Er holte verschiedene Modelle aus seinem Lastenrad (weiß, schwarz, rosa, mit oder ohne Spitze und alle mit Schnürung und komplizierten Häkchen). Der halbe Stand war damit bedeckt. Darunter, wusste Cees, lagen die Mädchenunterhosen aus Baumwolle, die Bettie trug.
Bettie war zu seiner Verwunderung einverstanden gewesen. Unter der Bedingung, dass sie ihre Unterhose anbehalten und dass sie ihn auch pinkeln sehen durfte. Hinter einem Mäuerchen bei der Reinigung hatte sie ihn eingeweiht.
Es war eines der wundersamsten Dinge, die er je gesehen hatte. Bettie hockte breitbeinig und ihm zugewandt da. Der schwarze Stoff zwischen ihren Beinen wurde langsam dunkler von der Nässe, und ein dünner Strahl rann ihr Bein entlang. Es war wundersam, und gleichzeitig fand er es ganz selbstverständlich. Diese Art des Wasserlassens erschien ihm viel logischer und angenehmer als dieses Getue mit einem Schniedel und einem geknöpften Hosenschlitz, wozu er verurteilt war. Ob Bettie das auch so sah, konnte er ihrer Reaktion auf seine eigene Vorführung nicht entnehmen.
Ein Mal Zugucken reichte nicht, um seine Neugierde zu befriedigen. Das heimliche Pinkeln schlich sich als wiederkehrendes Ritual in ihr Spiel, und langsam wuchs in Cees der Wunsch, es selbst auch einmal auf Betties Art zu versuchen. Wenn er seinen Schniedel ganz nach hinten drückte, dann musste es gehen.
Er hatte lange über die Frage der richtigen Unterhose nachgedacht und wie er an eine herankommen konnte. Erst hatte er überlegt, seine eigene Unterhose umzudrehen, mit dem Schlitz nach hinten. Aber schon bald verwarf er diese Idee. Ein paar Schlüpfer seiner Mutter aus der Wäsche zu holen widerstrebte ihm ebenfalls, und eine zu kaufen war erst recht unmöglich. Die Lösung fand er schließlich auf dem Markt.
Er hatte noch nie etwas gestohlen. Zwar stibitzte er manchmal ein paar Kirschen am Obststand, aber das konnte man nicht als Diebstahl bezeichnen, es war eher ein Scherz: Man hängte sich zwei über die Ohren und rannte lachend davon. Der Händler musste vielleicht noch am lautesten darüber lachen. Trotzdem rechnete sich Cees ganz ruhig seine Chancen aus, als hätte er das hier schon hundertmal getan. Seine Angst vor der Polizei war groß, machte ihn jedoch nicht nervös. Es war, als ob er mehr sah, hörte und roch als sonst.
Den Fluchtweg hatte er sich sehr genau überlegt. Nicht geradewegs nach Hause, sondern mit einem irreführenden Umweg über den Paardenplein. Vom Markt aus konnte man nur durch eine kleine Gasse dorthin kommen, die mit einem niedrigen Gatter verschlossen war. Über die mögliche Strafe Gottes hatte er auch nachgedacht. Gott sah alles und ließ sich nicht hinters Licht führen, Cees würde es also schnellstmöglich beichten und Buße tun.
Neben dem Stand, den er ausgesucht hatte, war ein schmaler Durchgang. Cees stand jetzt an dieser Seite des Standes, etwas versteckt zwischen den Nachthemden, die dort hingen, und versuchte interessiert zu wirken an dem, was um ihn herum geschah. Mittlerweile schlug ihm das Herz bis zum Hals. Er durfte jetzt nicht aufgeben, alles verlief genau nach Plan.
