Perfect Touch - Untrennbar - Jessica Clare - E-Book

Perfect Touch - Untrennbar E-Book

Jessica Clare

4,6
8,99 €

Beschreibung

Diese Liebesgeschichte beginnt nicht mit einem One-Night-Stand, sondern mit einem One-Night-Flop ...

So ein Arsch! Anders kann Greer es nicht ausdrücken. Jahrelang hat sie zu Milliardär Asher gehalten, hat ihn verteidigt, hat sein schlechtes Verhalten entschuldigt, nachdem er von seiner Frau betrogen wurde. Hat gehofft, dass endlich mehr als Freunde aus ihnen werden könnten. Und dann das! Greer hat vielleicht keine Erfahrung, aber was der betrunkene Asher da mit ihr angestellt hat, muss das unbefriedigendste erste Mal aller Zeiten gewesen sein. Zu dumm, dass man auch von schlechtem Sex schwanger werden kann!

Diese Liebesgeschichte beginnt nicht mit einem One-Night-Stand, sondern mit einem One-Night-Flop. Und sie geht weiter mit einem Milliardär, der zu Kreuze kriechen und beweisen muss, dass er es besser kann ...

Romantisch, frech und sexy - Band 4 der Perfect Touch-Reihe von Spiegel-, New-York-Times- und USA-Today-Bestseller-Autorin Jessica Clare


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Seitenzahl: 427

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Inhalt

Cover

Über die Autorin

Titel

Impressum

1

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Epilog

Über die Autorin

Jessica Clare lebt mit ihrem Mann in Texas. Ihre freie Zeit verbringt sie mit Schreiben, Lesen, Schreiben, Videospielen und noch mehr Schreiben. Sie veröffentlicht Bücher in den unterschiedlichsten Genres unter drei verschiedenen Namen. Als Jessica Clare schreibt sie erotische Liebesgeschichten. Ihre Serie PERFECT PASSION erschien auf den Bestseller-Listen der NEW YORK TIMES, der USA TODAY und des SPIEGELS.

Mehr Information unter: www.jillmyles.com

Jessica Clare

PERFECTTOUCH

UNTRENNBAR

Roman

Aus dem amerikanischen Englischvon Kerstin Fricke

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabe

des in der Bastei Lübbe AG erschienenen Werkes

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

Deutsche Erstausgabe

Für die Originalausgabe:Copyright © 2016 by Jessica ClareTitel der amerikanischen Originalausgabe:»The Billionaire’s Favorite Mistake«Originalverlag: InterMix Books, New YorkPublished in Agreement with the author,c/o Baror International, Inc., Armonk, New York, USA

Für die deutschsprachige Ausgabe:Copyright © 2017 by Bastei Lübbe AG, KölnTextredaktion: Mona Gabriel, LeipzigTitelillustration: FAVORITBUERO, München, unter Verwendungeines Motivs von © shutterstock/VikpitUmschlaggestaltung: FAVORITBUERO, München

eBook-Erstellung: Urban SatzKonzept, Düsseldorf

ISBN 978-3-7325-4024-2

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

1

Greer musterte ihr knappes Kostüm im Stil der 20er-Jahre und beschloss, dass heute der Abend werden würde, an dem Asher Sutton sie endlich bemerkte.

Natürlich war sie nervös. Unglaublich nervös sogar. Normalerweise trug sie eher Strickjacken und flache Schuhe. Sie neigte dazu, mit dem Hintergrund zu verschmelzen. Und sie war diejenige, die immer als Fahrerin auserkoren wurde, diejenige, die die für Prüfungen benötigten Notizen parat hatte, diejenige, auf die sich jeder verließ. Die fleißige, verlässliche Greer.

Und was hatte sie davon? Rein gar nichts! Daher wollte Greer Chadha-Janssen an diesem Abend endlich mal in eine andere Haut schlüpfen.

Sie sah in den Spiegel und beugte sich so weit vor, dass ihr Atem darauf kondensierte. Das musste sie auch, um überhaupt etwas sehen zu können. Denn sie hatte nicht vor, an diesem Abend ihre Nerd-Brille aufzusetzen. Nicht wenn sie sexy aussehen wollte. Sie hatte sich von einem Profi per Airbrush schminken lassen. Es fühlte sich ungewohnt an, diese dicke Schicht im Gesicht zu haben, aber in dem kurzen Moment, den sie doch durch ihre Brille geschaut hatte, war es ein wirklich toller Anblick gewesen. Die Wimpernverlängerung allerdings war lästig, da sie ständig etwas im Augenwinkel zu sehen glaubte, sich umdrehte und dann doch nur feststellte, dass es eine Wimper gewesen war. Doch sie hatte nur die Wahl zwischen dieser Option und falschen Wimpern gehabt, und Letztere fielen irgendwie immer ab.

Die von Greer beauftragte Stylistin hatte für sie ein Kleid im 20er-Jahre-Stil ausgesucht, weil Greer so klein war. Die Frau hatte sie allerdings als »petite« und »ätherisch« bezeichnet. Greer war sich ziemlich sicher, dass sie mit diesen Worten eher »flachbrüstig« und »dürr« gemeint hatte. Das Kleid war außerdem sehr knapp – der Rocksaum reichte ihr gerade mal bis auf die Mitte der Oberschenkel, und das Top wurde von zwei Spaghettiträgern gehalten. Es hatte einen sehr tiefen Ausschnitt, aber die Stylistin hatte recht: Darin sah Greer nicht mehr langweilig, sondern niedlich aus. Und so trug sie es an diesem Abend. Ihr schwarzes Haar fiel in unzähligen kleinen Löckchen herunter und wurde von einem glänzenden, mit Strass besetzten Stirnband festgehalten, und sie trug hochhackige Stilettos. Alles in allem fühlte sich Greer wie ein völlig neuer Mensch. Wie eine selbstbewusste Frau. Eine sehr attraktive Frau.

Und heute Abend würde sie sich ihren Mann schnappen!

Sie setzte die Brille wieder auf, ging hinaus zur wartenden Limousine und ignorierte den überraschten Blick des Fahrers. Es ging niemanden etwas an, wenn sie sich untypisch kleiden wollte. Sie war eine Frau mit einer Mission, und diese Mission lautete, Asher dazu zu bringen, sie endlich zu bemerken.

Während die Limousine ihrem Ziel entgegenfuhr, schaute Greer aus dem Fenster und dachte an Asher. An sein Lächeln. An seinen kecken Blick, wenn er etwas im Schilde führte. An sein freches Grinsen, wenn man ihn dabei ertappte.

Und auch daran, wie kalt und tot seine Augen seit zwei Jahren aussahen – seitdem seine Verlobte Donna ihn betrogen und beinahe dafür gesorgt hatte, dass sein Unternehmen bankrottging. Seine Exverlobte, rief sie sich ins Gedächtnis.

Jetzt war er single, zum ersten Mal überhaupt. Er war seit der Highschool mit Donna zusammen gewesen, noch bevor Greer ihn überhaupt kennengelernt hatte. Direkt nach der Trennung von Donna wäre etwas Neues viel zu überstürzt gewesen. Damals war es Asher wirklich nicht gut gegangen, daher hatte Greer vorerst nichts unternommen. Sie gingen wie jeden Montag zusammen Mittag essen, und Greer baute ihn wieder auf, war freundlich und schnitt unangenehme Themen gar nicht erst an. Sie war die beste Freundin, die sie nur sein konnte.

Dennoch nahm er sie nie richtig zur Kenntnis. Die Monate vergingen, und sie gingen weiterhin essen und blieben Freunde. Nach und nach begann sie, Lippenstift aufzutragen und Blusen mit tieferem Ausschnitt anzuziehen, und sie deutete mehrmals an, dass es momentan gerade keinen Mann in ihrem Leben gab.

Ohne Erfolg.

Vor einigen Wochen, als Gretchen die ganze Hochzeitsgesellschaft zum Abendessen eingeladen hatte, war Greer noch mutiger geworden. Sie hatte ihre Brille weggelassen, sich geschminkt und sexy angezogen. Und was hatte es ihr gebracht?

Ein Lächeln und eine kurze Umarmung, mehr nicht.

Okay, sie musste sich also mehr ins Zeug legen. Heute Abend würde er sie endlich bemerken. Heute Abend würden die Karten neu gemischt werden.

Als der Wagen auf die Auffahrt fuhr, spürte sie ein nervöses Flattern im Bauch. Vor dem Haus standen zahlreiche Autos, aus denen Leute ausstiegen. Das große Herrenhaus war festlich beleuchtet, und wo sie auch hinschaute, liefen Pärchen Arm in Arm herum. Und sie war natürlich solo.

Aber sie sagte sich, dass das nicht mehr lange so sein würde – hoffentlich.

Sie nahm ihren ganzen Mut zusammen, ging zur Eingangstür und meldete sich bei dem Mann, der die Gästeliste überprüfte. Als sie das Haus betrat, stellte sie fest, dass die Party bereits in vollem Gange war und niemand ihre Ankunft bemerkte. Sie setzte die Brille ab und steckte sie in ihre Abendhandtasche, schließlich wollte sie so gut wie möglich aussehen, wenn sie Asher begegnete.

Dabei gab es allerdings ein kleines Problem: Ohne Brille konnte sie Asher überhaupt nicht sehen. Sie starrte die Menge aus verschwommenen Gesichtern mit gerunzelter Stirn an und lief einfach irgendjemandem hinterher, der den Eindruck erweckte, er wüsste, wo er hinging. Im Buchanan-Herrenhaus kannte sie sich ein bisschen aus, immerhin war sie während der letzten Wochen häufiger hier gewesen, um Gretchen bei der Hochzeitsplanung zu helfen, aber an diesem Abend schien um sie herum nur ein Mischmasch aus Farben und Menschen zu existieren. Allerdings war sie ohne Brille auch nicht mehr so schüchtern. Wenn sie nicht sehen konnte, wie andere Menschen sie abschätzig musterten, konnte sie das auch nicht unangenehm finden und deshalb nervös werden.

Vielleicht konnte Greer ja die Partyplanerin aufspüren, die sie für diesen Abend angeheuert hatte. Da Greer für die Planung der Hochzeit verantwortlich war, hatte sie theoretisch bei allen Aktivitäten, die damit zu tun hatten, das Sagen. An diesem Abend wollte sie allerdings … mit anderen Dingen beschäftigt sein. Sie hatte von ihrem eigenen Geld jemanden für die Organisation dieser Party angeheuert, damit sie sich um ihr eigentliches Ziel kümmern konnte: Sie wollte Asher verführen.

Die Person, der sie folgte, ging in die Küche. Mist. Sie war einem Kellner hinterhergelaufen. Greer runzelte die Stirn, schob sich die schwarzen Locken aus dem Gesicht und drehte sich um.

»Hallo«, sagte eine ihr nicht bekannte Männerstimme neben ihr.

»Hi«, erwiderte sie geistesabwesend und versuchte, um den Mann herumzuschauen.

»Sind Sie allein hier? Darf ich Ihnen einen Drink besorgen?«

Oh. Baggerte er sie etwa an? Sie sah ihn mit zusammengekniffenen Augen an, aber das machte die Sache auch nicht besser. Er war nur ein Klecks mit sehr dunklem Haar und Brille, was wiederum bedeutete, dass es nicht Asher sein konnte. »Eigentlich bin ich auf der Suche nach einem Freund.«

»Wenn Sie ihn leid sind und feiern wollen, sagen Sie mir Bescheid.«

»Das werde ich tun.« Sie entfernte sich von dem schwarz gekleideten Fleck inmitten der sich tummelnden Menschen und versuchte, nicht weiter darüber nachzudenken, dass ein Mann sie gerade angesprochen hatte. So etwas passierte ihr sonst nie. Offenbar sah sie heute Abend wirklich heiß aus. Na, das war doch toll!

»Greer?« Eine Person in dunkler Kleidung und mit einem bunten Schal trat aus der Menge auf sie zu. »Wow, ich hätte dich beinahe nicht erkannt!«

Damit wären sie schon zwei. Sie kniff erneut die Augen zusammen, beugte sich vor und starrte ihr Gegenüber an. Die Frau hatte zu Zöpfen geflochtene dunkelblonde Haare, und Greer konnte ihre Kleidung nicht erkennen. Die Stimme hatte sie allerdings schon mal irgendwo gehört. »Taylor?«

»Ja, ich bin’s! Gefällt dir mein Kostüm?« Taylor wirbelte herum, was natürlich nicht hilfreich war, und prallte dabei fast gegen jemanden, der gerade an ihnen vorbeiging. »Entschuldigung«, murmelte Taylor und trat wieder auf Greer zu.

»Ähm, mir ist irgendwie nicht ganz klar, was du darstellst.«

»Oh. Na ja, ich bin eine Hogwarts-Schülerin. Gryffindor, um genau zu sein. Ursprünglich hatte ich ja Hufflepuff im Sinn, aber die Kostüme waren alle schon verliehen.« Sie tätschelte ihren Schal. »Zu welchem Haus gehörst du?«

»Keine Ahnung, ich habe Harry Potter noch nie gesehen. Sag mal, ist dir Asher heute schon über den Weg gelaufen?«

Taylor keuchte schockiert auf. »Was, du hast Harry Potter noch nie gesehen? Und die Bücher hast du auch nicht gelesen? Wie kann es denn sein, dass du nicht wenigstens die Bücher kennst?«

»Keine Ahnung …« Musste Taylor so laut reden? Aber wenigstens war sie da und konnte Greer durch den Raum steuern, denn das war ohne Brille doch weitaus schwerer, als sie gedacht hatte. Greer legte eine Hand auf Taylors Arm. »Kannst du mir vielleicht helfen? Ich kann auf dieser Party irgendwie niemanden finden.«

»Es ist auch wirklich voll hier«, meinte Taylor mitfühlend. »Ich wäre ja lieber zu Hause und würde Warcraft oder Excelsior spielen, aber was soll man machen?« Sie hakte sich bei Greer unter. »Ohne Brille siehst du richtig gut aus.«

»Danke.« Okay, sie war fast blind, aber was tat man nicht alles für die Schönheit?

»Möchtest du Gretchen und Hunter begrüßen? Die beiden sehen heute Abend so niedlich aus, und das Knistern zwischen ihnen ist heißer als zwischen Mulder und Scully aus Akte X.«

»Ach, nein. Eigentlich suche ich jemand anders.« Es war zwar wirklich nicht nett, der Braut auf der Verlobungsfeier aus dem Weg zu gehen, aber Gretchen sagte immer, was sie dachte, und sie würde Greer wegen ihres übertrieben offenherzigen Outfits bestimmt zur Rede stellen. Außerdem wollte Greer Asher finden, bevor sie noch versehentlich ihr Augen-Make-up verschmierte, einen Drink über ihr Kleid schüttete oder etwas ähnlich Dummes geschah.

»Wen suchst du doch gleich noch mal?«, wollte Taylor wissen und führte sie durch die Menge.

»Asher. Hast du ihn schon gesehen?«

»Nur ganz kurz«, erwiderte Taylor und klang nicht gerade begeistert. »Möchtest du nicht lieber nach Chelsea oder Sebastian schauen? Ich habe die beiden da drüben irgendwo gesehen.«

»Nein, ich muss zu Asher«, sagte Greer entschieden. »Wo steckt er denn?«

Taylor seufzte. »Na ja … Er ist betrunken und benimmt sich ziemlich dämlich. Er hat sich über mein Kostüm lustig gemacht.«

»Weil du ein Hogwart bist?«

»Du liebe Güte, du hast wirklich keine Ahnung von Harry Potter, was?« Sie seufzte. »Muggel. Immer diese verdammten Muggel.«

So langsam fragte sich Greer, ob Asher vielleicht nicht der Einzige war, der schon zu viel getrunken hatte. Dann bog Taylor mit ihr in einen Flur ein und führte sie in einen anderen Bereich des Hauses. Das ließ doch hoffen. Greer widerstand der Versuchung, ihren Lippenstift und ihre Frisur zu überprüfen. Als sie das letzte Mal in den Spiegel gesehen hatte, war alles in Ordnung gewesen. Sie war nur nervös, das war alles. »Asher ist also betrunken?«

»Ja, er hat sich mit einigen Freunden in eine Ecke verkrochen, zur Verbrüderung oder wie immer man das eben so nennt, wenn sich Männer auf einer Party völlig danebenbenehmen.« Taylor bog in einen anderen Flur ein. »Aber behaupte hinterher nicht, ich hätte dich nicht gewarnt.«

»Bestimmt nicht.« Asher war heute Abend alles, worauf es ihr ankam. Nichts anderes war von Bedeutung. Sie würde sich auch in diesem knappen Kostüm vor einem Dutzend betrunkener Männer zur Schau stellen, solange Asher sie dann ebenfalls zur Kenntnis nahm. Seinetwegen würde sie eine ganze Menge tun.

Sie gingen um eine Ecke, und da war er auch schon. Gut, sie erkannte nur einen verschwommenen Fleck, aber die Art, wie er den Kopf in den Nacken legte und lachte, verriet ihr, dass es definitiv Asher war. Sie kannte diese Lache. Sie wusste alles über diesen Mann, angefangen von seiner Leibspeise über seine Lieblingsmusik bis hin zu der Tatsache, dass ihm seine Ex Donna mal Unterwäsche zu Weihnachten geschenkt hatte. Einige Menschen waren besessen von der Wissenschaft oder spielsüchtig, aber für Greer drehte sich immer alles nur um Asher Sutton.

Und das schon seit dem ersten Collegejahr. Sie war nach New York gezogen, um hier an die Uni zu gehen, aber ihr Vater hatte nicht gewollt, dass sie in einem Studentenwohnheim lebte. Daher hatte sie sich in Campusnähe eine Wohnung genommen, was zwar schön war, doch sie fühlte sich dort auch einsam. Greer fand nicht so schnell Freunde, und die Kurse waren so groß, dass sie sich nie traute, etwas zu sagen. So gab sie eine Anzeige auf und suchte nach Mitbewohnern. Das Geld brauchte sie zwar nicht, da sie dank ihres Treuhandfonds gut versorgt war, aber sie sehnte sich nach Gesellschaft.

Gretchen hatte als Erste auf ihre Anzeige geantwortet, Chelsea kurz darauf. Die beiden waren so gesprächig und lustig, dass das Leben in New York auf einmal gar nicht mehr so freudlos und leer war. Greer hatte jetzt Gesellschaft. Etwas später war auch noch Taylor zu ihnen gestoßen, und mit dem enthusiastischen Computernerd war die Wohnung voll gewesen. Sie hatten zwar noch ein freies Schlafzimmer, wollten das jedoch lieber als Abstellkammer oder Gästezimmer nutzen … bis Asher eines Tages an die Tür geklopft hatte.

Die gerade mal achtzehnjährige Greer hatte einen einzigen Blick auf ihn geworfen und war verliebt. Er war attraktiv, witzig, intelligent und unterhielt sich mit ihr, als wäre sie ein richtiger Mensch. Irgendwie passierte es dann, dass sie ihm das freie Zimmer anbot, ohne vorher mit ihren Mitbewohnerinnen darüber zu sprechen. Sie wusste vom ersten Augenblick an, dass dies der Mann war, den sie später mal heiraten würde.

Erst nach seinem Einzug erfuhr sie von seiner Jugendliebe Donna. Sie war am Boden zerstört, aber auch entschlossen, sich dann eben mit einer unerwiderten Liebe zufriedenzugeben. Es war offensichtlich, dass Asher sehr an Donna hing, und was sollte sie schon gegen einen Mann sagen, der seit seinem fünfzehnten Lebensjahr mit derselben Frau zusammen war? Er war treu und hingebungsvoll. Obwohl Donna nicht besonders zuverlässig zu sein schien, musste sie etwas Besonderes an sich haben, denn Asher liebte sie, und Greer beschloss, sie ebenfalls zu mögen.

Bis vor zwei Jahren.

Als Männerlachen durch die Luft hallte, zuckte Taylor zusammen, und die Pailletten an Greers Kleid klirrten. »Da drüben in der Ecke«, sagte Taylor und blieb wie angewurzelt stehen, um ihren Arm aus Greers zu ziehen. »Du musst nur dem Geruch nach Bier und Testosteron folgen.«

»Danke, Taylor.«

»Viel Glück.« Taylor klang nicht gerade optimistisch. Oje. Aber sie war schon immer scheu und unsicher gewesen, wohingegen man Greer vor allem als … unauffällig bezeichnen konnte.

Sie trat vor und ging direkt auf den dunkel gekleideten Fleck zu, bei dem es sich um Asher handeln musste. Er unterhielt sich gerade gestenreich mit jemandem, und einen Augenblick später lachten alle Umstehenden wieder. Sie amüsierten sich bloß. Das war alles. Taylor hatte einfach übertrieben. Greer lächelte und trat näher, wobei sie die Arme seitlich herunterhängen ließ, damit man den tollen tiefen Ausschnitt ihres Kleides gut sehen konnte. Wenn sie eines über Männer wusste, dann dass man sie mit schönen Brüsten von so gut wie allem ablenken konnte.

Als wollte er ihre Theorie bestätigen, brach Asher mitten im Satz ab und trat ihr in den Weg. »Greer?«

»Hi, Asher.« Sie war vor lauter Aufregung ganz außer Atem. Er war hier. Er stand direkt vor ihr und bemerkte sie. Eigentlich war sie sich sogar sicher, dass er sie anstarrte.

»Du siehst … anders aus.« Seine tiefe Stimme klang so sexy.

Ja! Er bemerkte es! Ach, verdammt, was sollte sie nur sagen, um ihn von den anderen wegzulocken? Er hielt in einer Hand eine Maske und in der anderen ein Glas. »Als was hast du dich verkleidet?«

»Als Zuhälter«, rief einer der Männer, und alle lachten schallend.

Asher wandte sich von Greer ab und knuffte einen der Umstehenden gegen die Schulter. »Hört auf damit, Leute. Das ist Greer. Sie ist für mich wie eine kleine Schwester.«

Ihre Nasenflügel bebten vor Entrüstung. Kleine Schwester? Wirklich? Konnte er denn nicht sehen, dass ihre Brüste praktisch aus diesem verdammt knappen Kleid heraushingen? Doch dann lachten die Männer wieder und sprachen alle auf einmal, und sie hätte vor Frustration beinahe laut geschrien. Sie musste ihn von dieser Gruppe ehemaliger Studienkollegen wegbekommen, wenn sie sich in Ruhe mit ihm unterhalten wollte. Also musste sie sich was einfallen lassen.

Als sich Asher wieder umdrehte, um einem der Männer eine Geschichte zu erzählen, beugte sich Greer vor und drückte die Brüste gegen Ashers Arm. Damit erregte sie seine Aufmerksamkeit. Er blickte auf sie herab, und da sie so klein war, konnte er ihr perfekt in den Ausschnitt gucken. Sie stellte erfreut fest, dass sein Blick dort zu verharren schien, er seinen Drink hinunterstürzte und seinen plappernden Freund ignoriere.

»Können wir nicht irgendwo hingehen, wo wir uns ungestört unterhalten können, Asher?« Gut, sie hatten sich erst letzte Woche zum Mittagessen getroffen, aber es gab doch bestimmt irgendetwas, das seitdem passiert war, oder nicht?

Er nickte, starrte ihr noch immer in den Ausschnitt und stellte sein leeres Glas auf das Tablett eines vorbeieilenden Kellners, um sich gleichzeitig ein volles zu nehmen. »Geh einfach voraus.«

Perfekt. Sie nahm seine Hand – die so wundervoll groß und warm war! – und zog ihn durch den Raum. Einige Männer johlten und riefen ihnen dumme Bemerkungen hinterher, aber sie ignorierte sie. Solange sie bekam, was sie wollte, war ihr alles andere egal. Doch je weiter sie Asher in das Getümmel hineinzog, desto dringender brauchte sie ihre Brille. Ach, Mist.

Sie blieb stehen, und er prallte von hinten gegen sie.

»Hoppala«, murmelte Asher und zog sie an sich.

Oh … Großer Gott! Drückte er da etwa seinen Penis gegen ihren Rücken? Greer war schockiert … und unglaublich aufgeregt. Er war ihretwegen erregt? Das war ja großartig!

»Du solltest nicht einfach so stehen bleiben, wenn du nicht willst, dass ich dir für den Rest des Abends meinen Schwanz gegen den Hintern drücke.« Er schenkte ihr ein schiefes Grinsen, als wollte er seine Bemerkung dadurch ein wenig entschärfen. Nuschelte er etwa ein wenig? Vielleicht, aber seine Augen wirkten klar, und er schaute auf sie herab, als wäre sie die heißeste Frau auf dieser Party. Daher beschloss Greer, das Risiko einzugehen.

Lächelnd machte sie zwei Schritte, blieb dann absichtlich erneut stehen und warf ihm über die Schulter einen Blick zu.

»Du bist heute Abend ganz schön übermütig, weißt du das?« Asher legte die Hände auf ihre nackten Arme und rieb sie, presste sich dabei erneut an sie und ließ sie seine Erektion spüren. »Hast du aus diesem Grund das Fick-mich-Kostüm an?«

Dann war es ihm also aufgefallen? Perfekt. »Natürlich nicht. Ich bin deine kleine Schwester, hast du das nicht eben selbst gesagt?« Sie machte noch einen Schritt und wiegte dabei ein wenig die Hüften. Dieses Verhalten passte eigentlich gar nicht zu ihr, aber sie musste sich auch eingestehen, dass sie mit ihrem üblichen Benehmen absolut nichts erreicht hatte. Sie gingen jetzt schon seit Jahren einmal die Woche Mittag essen, und er sah in ihr noch immer die »kleine Schwester«.

»Nein, heute Abend bist du das nicht«, erwiderte er kichernd. Er legte ihr eine Hand an die Taille und zog sie an sich. »Wo führt mich die scharfe Greer denn hin?«

Das wusste sie selbst nicht, da sie keinen Meter weit gucken konnte. Hoffentlich steuerte sie nicht gerade auf die Küche zu. Oder die Toilette. Oder einen Wandschrank. »Das kommt ganz darauf an«, neckte sie ihn. »Wo möchtest du denn, dass ich dich hinführe?«

»Im Augenblick würde ich überall mit dir hingehen.«

Ihr Herz klopfte schneller. Himmel, wie lange hatte sie darauf gewartet, diese Worte aus seinem Mund zu hören? »Warum gehst du dann nicht voraus?«

»Das werde ich, aber nur, wenn du mich vorher küsst.«

Sie riss die Augen auf. »Du möchtest mich küssen?«

Er nickte und spielte mit einer Hand an einem der glitzernden, schmalen Träger ihres Kleides herum. »Ich weiß nicht, ob dir das schon jemand gesagt hat, aber du siehst heute einfach umwerfend aus, Greer.«

Wow, das war ziemlich direkt, selbst für Asher. Vielleicht hatte er doch mehr getrunken, als sie dachte. Aber war das nicht genau das, was sie wollte? Sie sehnte sich danach, dass er nur noch Augen für sie hatte, und dieser Wunsch war ihr erfüllt worden. »Na gut, ein Kuss«, gab sie nach. »Und dann sehen wir weiter.«

»Das klingt doch nach einem guten Plan.« Er beugte sich vor, und sie hob automatisch die Arme, um sie um seinen Hals zu schlingen. Greer war nur etwas über einen Meter fünfzig groß, Asher jedoch über eins achtzig, was schon einen beachtlichen Größenunterschied ausmachte, doch das war ihr egal. Er sollte sich gefälligst herunterbeugen, wenn er sie küssen wollte, verdammt noch mal.

Einen Augenblick später drückte er die Lippen auf ihre und schob ihr die Zunge in den Mund. Oh, wow! Okay. Das war ein sehr … aggressiver Kuss. Ein sehr intensiver. Sie versuchte, seinen Kuss zu erwidern, aber da sie die meiste Zeit ihres Lebens Greer das Mauerblümchen gewesen war, hatte sie nicht besonders viel Erfahrung. Vielleicht war ja auch sie diejenige, die nicht gut küsste … Denn er schob ihr seine Zunge weit in den Mund und schien jeden ihrer Backenzähne erkunden zu wollen. Sie drückte sich an ihn, und er legte ihr eine Hand an den Hintern.

Als sie es nicht mehr länger aushielt, löste sich Greer von ihm und schnappte nach Luft. »Da hast du deinen Kuss.«

Er knurrte tief und kehlig, zog sie erneut an sich, umklammerte ihre Pobacken und zwang sie, sich an seine Brust zu drücken. »Lass uns irgendwo hingehen, wo wir beide ungestört sind.«

»Genau das hatte ich vor«, gestand sie ihm. Wenn sie ihn endlich für sich allein hatte, konnten sie sich unterhalten, und sie bekäme die Gelegenheit, ihm ihre Gefühle zu gestehen. Ihm zu sagen, dass er endlich über Donna hinwegkommen und nach vorn blicken musste. Dass sie immer seine Freundin gewesen war, jetzt jedoch mehr wollte.

Asher küsste sie erneut wild, und Greer hörte, wie um sie herum gekichert wurde. Aber das war ihr egal. Immerhin war das hier Asher, und er bemerkte zum ersten Mal in ihrem Leben, dass sie weitaus mehr war als nur seine »kleine Schwester«. Alles andere interessierte sie nicht. Er war heute Abend vielleicht ein wenig außer Rand und Band, aber es war ja schließlich nur ein Abend – wohingegen sie ihn schon seit einer Ewigkeit kannte und wusste, wie er die letzten beiden Jahre gelitten hatte. Da durfte er auch mal ein bisschen über die Stränge schlagen. Normalerweise benahm er sich ganz anders.

»Komm mit«, raunte Asher ihr ins Ohr und knabberte an ihrem Ohrläppchen.

Ihr liefen lustvolle Schauer über den Körper, und als er ihr eine Hand in den Rücken legte und sie zwischen den anderen Gästen hindurch auf die Terrasse führte, hatte sie nicht die geringsten Einwände. Draußen war es sehr viel ruhiger, und hier hielten sich deutlich weniger Menschen auf, sodass sie sich besser unterhalten konnten.

Die Nachtluft war kühl, und sie erschauerte.

»Ist dir kalt?« Er zog sie enger an sich.

»Nein, alles gut.« Sie wollte nicht wieder reingehen, nicht jetzt, wo sie endlich allein waren. »Schön, dass du mitgekommen bist.«

»Das sehe ich auch so«, erwiderte er mit tiefer, sinnlicher Stimme. Zu ihrer Überraschung ließ er sich nicht mit ihr auf einer der Steinbänke auf der großen Terrasse nieder, sondern führte sie über die breite Treppe nach unten und in den riesigen, verwinkelten Garten des Herrenhauses.

»Wo gehen wir denn hin?«

»Hier haben wir unsere Ruhe«, antwortete er, und seine Stimme klang wie die reinste Verführung.

Greer erschauerte erneut. Das … klang eigentlich gar nicht so schlimm, zumindest nicht, wenn er so mit ihr sprach. Daher ignorierte sie die Tatsache, dass ihre teuren hochhackigen Schuhe im Boden einsanken, und versuchte, mit ihm Schritt zu halten. Asher hatte einen Plan. Hatte er das nicht immer? Aus diesem Grund war er auch in so jungen Jahren schon so erfolgreich. Er war noch nicht einmal fünfundzwanzig Jahre alt gewesen, als er bereits seine erste Milliarde verdient hatte. Und obwohl er dieses Vermögen vor zwei Jahren fast verloren hätte, wusste Greer doch, dass es ihm jetzt besser ging als jemals zuvor. Dafür hatte sie gesorgt.

»Wo gehen wir hin?« Auch wenn sie ihm vertraute, musste sie die Frage einfach noch einmal stellen. Da sie ihre Brille nicht aufhatte und die Lichter des Hauses sich in ihrem Rücken befanden, war vor ihnen alles dunkel. Sie umklammerte seine Hand etwas fester.

»Da vorn ist ein Heckenlabyrinth«, teilte ihr Asher mit. »Da drin haben wir unsere Ruhe.«

»Oh. Okay.« Noch mehr Ruhe. Das konnte eigentlich nur gut sein, da es sich bei den Dingen, über die sie mit ihm sprechen wollte, um etwas sehr Persönliches handelte. Außerdem hatten sie dann Zeit, sich noch mehr zu küssen. Das war durchaus in ihrem Interesse. Ihre Lippen waren vom letzten Kuss noch leicht geschwollen, und sie unterdrückte den Drang, sie vorsichtig zu betasten.

Sie gingen einige Minuten schweigend weiter, und mit einem Mal wusste Greer, dass sie sich bereits im Labyrinth befanden, weil am Wegrand kleine Laternen hingen. Es wurde zwar nicht wirklich hell, aber sie spendeten genug Licht, um Menschen wie ihnen, die nachts das Labyrinth erkunden wollten, den Weg zu leiten.

»Das muss reichen«, meinte Asher, nachdem sie ein paar Mal abgebogen waren, und führte sie zu einer Bank.

Greer setzte sich und war froh, dass sie auf ihren hohen, mit Strasssteinen besetzten Schuhen nicht länger herumlaufen musste. Für eine Party waren diese Highheels perfekt, aber für das Laufen über eine Wiese eigneten sie sich eher weniger. »Schön, dass wir jetzt endlich die Gelegenheit haben, uns in Ruhe zu unterhalten«, begann sie. »Ich wollte dir schon lange einiges sagen …«

»Sch«, murmelte Asher und nahm neben ihr Platz. Er legte ihr einen Finger an die Lippen. »Lass uns einfach die wundervolle Nacht genießen, okay?«

»Aber …«

Er legte die Arme um sie und küsste sie erneut. Seine tiefen, wilden Küsse waren irgendwie nicht wirklich angenehm, sondern glichen eher einem Kampf gegen seine aggressive Zunge. Greer wartete geduldig, bis er fertig war, und bemerkte dabei, dass er nach Whiskey schmeckte. Sehr stark nach Whiskey. Er hatte auf jeden Fall deutlich mehr getrunken, als sie anfangs angenommen hatte. Na ja, sie würde seine Küsse eben über sich ergehen lassen, und wenn er damit fertig war, konnten sie sich unterhalten.

»Greer«, stieß er stöhnend aus, nachdem er sich von ihr gelöst hatte. Er schob eine Hand in ihr Haar, packte sie und zog ihren Kopf nach hinten, um ihren Hals zu entblößen. »Du siehst heute so unglaublich sexy aus. Wie schaffst du das nur?«

Bei seinen Worten erschauerte sie lustvoll. »Ich habe das nur für dich angezogen.«

»Wirklich? Das ist echt … sexy.«

Beinahe hätte sie bei seiner Wortwahl gekichert. Fand er heute etwa alles sexy? Die Hecke neben ihnen vielleicht auch? Und die Bank, auf der sie saßen? Doch dann wanderten seine Lippen über ihren Hals, und er drückte sanfte Küsse darauf; Küsse, die sich so sehr von seinen aggressiven Zungenküssen unterschieden, dass sie nur staunen konnte. Sie wurde immer erregter, und als sein Mund über ihre Haut fuhr, spürte sie ihren pochenden Puls zwischen ihren Beinen und empfand eine Begierde, wie sie sie noch bei keinem anderen Mann gespürt hatte.

Jetzt machten sie langsam Fortschritte.

Sie blieb ganz still sitzen, als seine Lippen über ihren Hals und ihr Schlüsselbein glitten. Mit einer Hand schob er einen Träger ihres Kleides herunter, und es fühlte sich so an, als ob die Hälfte des Stoffes gleich mit nach unten rutschte. Greer keuchte auf, als die Nachtluft ihre rechte Brust berührte, und verkrampfte sich. Das hier ging weiter, als das Mauerblümchen Greer jemals mit einem anderen Mann gegangen war.

Aber sie war bei Asher. Sie hatte schon immer die Seine sein wollen. Schon immer.

»Verdammt«, hauchte Asher und strich mit einer Hand über ihre Brustwarze. »Mir war gar nicht klar, dass du so schöne Titten hast.«

Hatte sie das? Ihre Brüste waren klein, und die Brustwarzen sahen auf ihrer bronzefarbenen Haut aus wie dunkle Kreise. Seine Ex Donna war blass und rothaarig, wohingegen Greer überall dunkel war. Doch die Tatsache, dass er den Anblick ihrer Brüste mochte, freute Greer sehr, und ihr war, als hätte sie etwas erreicht. Daher bog sie den Rücken ein wenig durch. »An mir gibt es noch so vieles, was dir bisher entgangen ist.«

»Das kannst du laut sagen.« Er drückte sie nach hinten auf die harte Betonbank und legte die Lippen um ihre Brustwarze.

Wieder keuchte Greer auf, weil sich das einfach unglaublich anfühlte – etwa eine Sekunde lang. Dann biss er sie. Sie zuckte zusammen und schob ihn von sich weg. »Au!«

»Hat das wehgetan?« Er grinste sie frech an. »Aber sie sehen so lecker aus.«

Sie wollte nicht, dass er aufhörte, aber … das hier wollte sie auch nicht mehr. »Ich … Ich mag es nicht, wenn man mich beißt.«

Er küsste sie erneut auf den Mund. »Dann mache ich eben Dinge, die dir besser gefallen.«

Sie drehte den Kopf zur Seite, und er liebkoste erneut ihren Hals. Sofort entspannte sich Greer wieder. Das war zehnmal besser, als wenn er sie auf den Mund küsste. Sie lag gefügig da, während seine Lippen über ihre Kehle glitten und er mit einer Hand ihre entblößte Brust streichelte. Das war … schon besser. Sie kam sich zwar noch immer komisch vor, aber manchmal, wenn er es richtig machte, spürte sie ein Kribbeln tief in ihrem Inneren.

Kurz darauf schob er ihr eine Hand unter den Rock und presste sie in ihren Schritt. »Du bist nicht sehr feucht, Baby.«

»Bin ich nicht?« Es wäre unhöflich gewesen, ihn darauf hinzuweisen, dass er nicht gut küssen konnte. Aber das hier war ihr Asher. Seine Unfähigkeit beim Küssen änderte nichts an der Tatsache, dass sie ihn liebte. Wenn sie einander erst einmal besser kannten, würden sie in dieser Hinsicht bestimmt auch Fortschritte machen.

»Wahrscheinlich muss ich dich mehr ermutigen.« Er strich mit dem Daumen über ihre Schamlippen, die sich unter ihrem Seidenhöschen abzeichneten.

Das weckte völlig neue Empfindungen in Greer. Sie krallte sich in seinen Smoking. Oh. Das war weitaus besser, als sich zu küssen.

»Gefällt dir das?«, flüsterte er.

Sie nickte.

»Spreiz die Beine weiter für mich, Greer. Ich werde dir jetzt das Höschen ausziehen.«

Allein bei dieser Vorstellung fingen ihre Beine an zu zittern. »Und was ist, wenn jemand vorbeikommt?«

»Keine Sorge, wir sind hier ganz allein.« Er drückte mit dem Daumen etwas fester zu, als würde er versuchen, durch den Stoff in sie einzudringen, und sie verspürte den seltsamen Drang, sich dagegenzudrücken. Ein leises Stöhnen entrang sich ihrer Kehle, und sie spreizte für ihn die Beine.

Im nächsten Augenblick hatte er beide Hände unter ihrem Rock und zog ihr das Höschen herunter. Es blieb an ihrem linken Fußknöchel hängen, und er ließ es dort, als würde es ihn nicht weiter interessieren. Jetzt fühlte sie sich völlig exponiert und schutzlos.

Und, okay, irgendwie hoffte sie auch, dass er den Mund dort unten hinpresste und das beendete, was er mit seinen Fingern angefangen hatte.

Stattdessen legte er ihr eine Hand auf die Scham. Er schob einen Finger zwischen ihre Schamlippen und küsste derweil ihren Hals, während er sie streichelte. Das war ja ganz nett, aber irgendwie ließ er die wichtigste Stelle unbeachtet: ihre Klitoris. Das war anscheinend noch einer der Punkte, bei denen sie ihren Mut zusammennehmen und ihm etwas beibringen musste.

Ihr kam ein furchtbarer Gedanke: Kein Wunder, dass Donna ihn verlassen hat. Wenn er beim Küssen und beim Sex immer so war, hatte sie sich vielleicht jemanden gesucht, der das besser konnte. Ihr armer Asher. Sie würde mit ihm üben müssen. Doch das war schon in Ordnung. Sie drückte ihn an sich und liebte ihn noch immer.

Er streichelte sie weiter und drang mit einem Finger in sie ein. »Bist du bereit für mich?«

Bereit? Bereit für was? Doch bestimmt nicht dazu, mit ihm zu schlafen, oder? Hier draußen? Auf einer Party, wo jeden Moment jemand vorbeikommen konnte? »Asher …«

»Sch«, flüsterte er wieder, und sie hörte, wie er seinen Reißverschluss herunterzog. »Vertraust du mir, Greer?«

Ja, natürlich vertraute sie ihm. Auch wenn ihr jeder Instinkt sagte, dass das hier keine gute Idee war, schlang sie die Arme um seinen Hals, als er sich auf sie legte. »Natürlich vertraue ich dir«, sagte sie leise. »Ich liebe dich, Asher. Ich habe dich immer geliebt. Ich habe nur darauf gewartet, dass du mich zur Kenntnis nimmst.«

»Das ist heute Abend passiert«, erwiderte er und positionierte sich zwischen ihren Beinen.

Dann drang er in sie ein. Sie erstarrte. Er ging direkt aufs Ganze? Ohne weiteres Vorspiel? Ohne sie noch mal zu streicheln und zu küssen? Sie hatte wenigstens erwartet … na ja, zumindest mehr als das. Greer biss sich auf die Unterlippe, als er sich erneut in sie hineinstieß.

»Hmmm. Du bist so wunderschön, Greer.« Wieder pumpte er sich in sie hinein, und schon sackte er stöhnend auf sie. Sein Penis rutschte aus ihr heraus, und sie spürte etwas Klebriges und Feuchtes an ihren Oberschenkeln und in ihrem Schritt.

Augenblick mal.

Das war alles?

Mehr hatte er nicht drauf?

»Asher?«

Er stöhnte wieder, bewegte sich jedoch nicht.

Das konnte doch nicht sein Ernst sein!

Nachdem sie sich jahrelang nach diesem Mann gesehnt hatte, nachdem sie immer an seiner Seite gestanden hatte, nachdem sie nach der Trennung von Donna für ihn da gewesen war, nachdem sie sich stundenlang den Kopf über ihr heutiges Outfit zerbrochen hatte, damit er ihr auch ja nicht widerstehen konnte, drang er kurz in sie ein, und das auch noch ohne Kondom? Sie hatte den schlechtesten Sex aller Zeiten, noch dazu auf einer Bank im Garten?

Zwei Stöße, und das war’s?

Greer stemmte sich gegen seine Brust. Alle Gedanken an ihre Liebe zu Asher und ihre Nachsicht mit seinem Verhalten waren vergessen. Nun empfand sie nichts weiter als Zorn und Scham. »Runter von mir!«

Er richtete sich unter Stöhnen auf und verstaute seinen Penis wieder in der Hose. Greer rutschte zur Seite und stolperte beinahe über das Höschen, das noch immer an ihrem Fußknöchel hing. Du liebe Güte, was hatte sie da gerade getan? »Was soll der Scheiß, Asher?«

»Keine Sorge, ich bin sauber.« Er rieb sich mit einer Hand das Gesicht, betastete dann seine Jackentasche und zog einen Flachmann heraus.

»Du bist betrunken!« Und sie war eine Idiotin.

»Ja, das bin ich.« Er nahm einen Schluck.

»Du bist in mir gekommen! Ohne Kondom!« Sie konnte nicht verhindern, dass man ihr anhörte, wie verletzt sie war, und die Worte kamen ihr kaum über die Lippen, weil es ihr beinahe die Kehle zuschnürte. »Wie konntest du das nur tun, Asher?«

Er sagte nichts und starrte nur den Flachmann in seiner Hand an. Greer stiegen Tränen in die Augen. Sie hatte geglaubt, Asher an diesem Abend für sich gewinnen zu können. Ihm die Augen zu öffnen, ihn erkennen zu lassen, dass sie schon die ganze Zeit direkt vor seiner Nase gewesen war und auf ihn gewartet hatte.

Himmel, sie war wirklich eine gottverdammte Idiotin, nicht wahr?

Sie kniff sich in den Nasenrücken und zwang sich, nicht zu weinen. Das würde sie jetzt nicht tun. Auf gar keinen Fall. Sie war nur eine naive Idiotin, und anstatt Asher ihre Liebe zu gestehen, hätte sie ihn lieber zum Teufel jagen sollen.

Er war ein egoistisches Arschloch. Warum hatte sie nur so viele Jahre damit vergeudet, ihn anzuhimmeln?

Greer zog sich das Höschen wieder an und zuckte zusammen, als etwas an ihrem nackten Oberschenkel herunterlief. Mann. Dieser Abend war der absolute Reinfall. Sie musterte ihn und überlegte, ihn zu fragen, ob er ein Taschentuch dabeihatte. Dann fiel ihr auf … Er hatte sie nicht das Geringste gefragt. Er hatte nicht wissen wollen, ob es ihr gefiel oder ob sie wollte, dass er ein Kondom benutzte. Warum sollte sie ihn da besser behandeln, als er es mit ihr gemacht hatte? Innerlich schäumend vor Wut erspähte sie an seinem Smoking etwas Helles und zog es heraus.

»Was machst du denn da?«

»Das geht dich nichts an!« Als ob sie ihm jetzt auch noch erzählen würde, dass sie sich abwischen wollte. War das Ganze hier denn nicht auch so schon peinlich genug?

Asher verdrehte die Augen, trank noch einen Schluck und drehte sich zum Haus um. Greer nutzte die Zeit, um sich, so gut es ging, zu reinigen, und beschloss, diese Party zu verlassen, sobald sie sich aus dieser schrecklichen Situation befreit hatte.

»Ich fasse es nicht!«, fauchte sie und schob sein Taschentuch in eine Hecke, um es loszuwerden. »Ich fasse es nicht, dass du das eben wirklich gemacht hast.«

Sie hatte mit ihm schlafen wollen, aber das eben war weit von dem entfernt, was sie sich darunter vorstellte.

»Hey, du hast nicht Nein gesagt«, nuschelte er.

Sie starrte ihn angewidert an. Das hier war ihr Freund. Der Mann, den sie liebte. »Was ist aus dem Asher geworden, den ich früher gekannt habe? Aus dem Mann, der immer gelacht hat? Aus dem klugen, loyalen, vertrauenswürdigen Mann?« Aus dem Mann, den ich immer heiraten wollte?

»Er ist tot«, antwortete Asher mit eisiger Stimme. »Er ist verdammt noch mal gestorben, und du wirst ihn nie wiedersehen.«

»Das ist schade.« Das war es wirklich, denn den neuen Asher konnte sie nicht ausstehen. Greer rückte ihr Kleid zurecht, öffnete ihre Handtasche, die sie zuvor auf den Boden gelegt hatte, und setzte ihre Brille auf. Jetzt war es ihr völlig egal, ob er fand, dass sie wie ein Nerd aussah. Es interessierte sie nicht mehr, was er von ihr dachte.

Zum ersten Mal, seitdem sie Asher Sutton kannte, hatte sie genug von ihm. Es war völlig unwichtig, dass er etwas murmelte, das wie eine trunkene Entschuldigung klang, oder dass er ihr einen Arm um die Schultern legte und sie an sich drückte, während sie zurück zum Haus gingen. Denn keine zwei Minuten später begegneten sie Magnus und Edie, die ebenfalls zur Hochzeitsgesellschaft gehörten. Und Asher schlug ihr auf den Hintern, was die beiden ganz genau sehen konnten. Greer war fast schon froh, als Magnus und Asher einen Streit anfingen und Asher einen Schlag ins Gesicht bekam.

Mit einer Sache hatte er recht gehabt: Der alte Asher war tot.

Und Greer hasste den Mann, zu dem er geworden war.

2

Als Asher am nächsten Morgen aufwachte, war er ganz benommen und hatte höllische Kopfschmerzen. Durch ein Fenster in der Nähe drang Licht herein, und er drehte sich davon weg …

Und rollte prompt von der Couch hinunter und stürzte mit dem Gesicht voran auf den Boden.

Jetzt war er hellwach.

Er hielt sich die pochende, blutende Nase und sah sich um. Wo zum Teufel war er eigentlich? Der Raum, in dem er sich befand, sah aus wie von einer Großmutter eingerichtet. Antike Plüschsessel mit Blumenmuster standen vor einem Kamin, und auf einem Regal an der gegenüberliegenden Wand lagen geschickt arrangiert alte Bücher und Dekoobjekte. Dieser Anblick war ebenso grausam wie der des dicken Perserteppichs, auf dem er gelandet war.

Wie viel hatte er letzte Nacht getrunken? Und wo war sein verdammtes Einstecktuch? Er konnte es nicht finden, obwohl er die Vorderseite seines zerknitterten, ruinierten Smokings abtastete. Daher zog er den Smoking aus und wischte sich mit einem Ärmel die Nase ab, um die Blutung zu stoppen.

»Wach auf, du Schlafmütze«, rief Gretchen, die mit einem Tablett in den Händen hereinkam.

Er zuckte zusammen und presste sich die Hände gegen die pochenden Schläfen. »Bin ich in der Hölle? Denn so fühlt es sich an.«

»Sehr witzig«, trällerte Gretchen. Es war offensichtlich, dass sie entweder nicht leise sprechen konnte oder keine Lust hatte, auf seinen Kater Rücksicht zu nehmen. »Du bist in Hunters Haus, weil du letzte Nacht sturzbesoffen warst und ich nicht wollte, dass du noch nach Hause fährst. Dein Aston Martin steht in der Garage, ich habe hier Kaffee und Toast für dich, und jetzt kannst du langsam wieder anfangen, dich wie ein Mensch zu benehmen.« Sie schenkte ihm ein strahlendes Lächeln.

Er rieb sich mit einer Hand das Gesicht. Verdammt, er hatte sich gleich zu Beginn der Party ordentlich betrunken. Dabei war er kein Alkoholiker – noch nicht zumindest, witzelte seine Leber –, aber irgendetwas an diesen ganzen Hochzeitsfeierlichkeiten ging ihm mächtig auf die Nerven. Möglicherweise lag es daran, dass er immer Donna vor Augen hatte, wenn er Gretchen sah.

Donna, seine Highschoolfreundin und die Erste, mit der er geschlafen hatte.

Donna mit dem roten Haar, dem strahlenden Lächeln und dieser süßen Art, ihn anzusehen, bei der er sich immer wie der Größte vorkam.

Donna, die einem Konkurrenzunternehmen vertrauliche Informationen aus seiner Firma weitergegeben hatte, und das in der Nacht, bevor sie an die Börse gingen, und die ihn auf diese Weise beinahe ruiniert hätte. Als er sie deswegen zur Rede gestellt hatte, war sie noch so dreist gewesen, ihm zu gestehen, dass sie ihn betrogen hatte. Sie hatte ihn verlassen und war zu einem Mann gezogen, der schon über fünfzig war.

Daher ging ihm dieser ganze Hochzeitsscheiß mächtig auf den Zeiger. So etwas wie ein Happy End gab es nicht. Aber … Gretchen war nun einmal eine enge Freundin, und als sie ihn gebeten hatte, Trauzeuge zu sein, hatte er es nicht übers Herz gebracht, Nein zu sagen. Gut, er hatte es versucht, aber Gretchen bekam immer, was sie wollte.

So war er jetzt hier, ein verkatertes, miesepetriges Arschloch, das mit blutender Nase auf ihrem Teppich lag.

»Du siehst scheiße aus«, merkte Gretchen an, ließ sich in einen der hässlichen Sessel sinken und schenkte sich eine Tasse Kaffee ein.

»Na, vielen Dank auch«, krächzte Asher.

»Hat Greer dir die Nase eingeschlagen?« Sie tat einen Löffel Zucker in ihre Tasse und rührte dann so geräuschvoll um, dass es klang, als würde sie eine Glocke läuten, um zum Essen zu rufen.

Asher zuckte jedes Mal zusammen, wenn sie mit dem Löffel gegen das Porzellan schlug, und fragte sich, ob sie mit Absicht so gemein zu ihm war. »Warum sollte Greer mich schlagen?« Er kannte Greer. Sie war immer so süß, ein bisschen zurückhaltend und ruhig. Vermutlich wusste sie nicht einmal, wie sie ihre Fäuste benutzen musste.

Gretchen schnaubte und hob die Tasse an die Lippen. »Sag du’s mir. Du warst doch derjenige, der sie gestern förmlich aufgefressen hat.«

»Hab ich das?« Er setzte sich auf und runzelte die Stirn. Daran konnte er sich nicht erinnern.

»Weißt du das nicht mehr?«

»Ich habe eine dunkle Erinnerung daran, dass ich Whiskey unter diesen widerlichen Punsch gemischt habe, den ihr ausgeschenkt habt.« An dem hatte er sich bedient, sobald die ersten Gäste eingetroffen waren, daher wusste er so gut wie nichts mehr von der Party.

Aber als er sich den Kopf zermarterte, hatte er auf einmal ein Bild vor Augen: große dunkle Augen und lockiges dunkles Haar. Pailletten über kleinen braunen Brüsten. Greers Mund, auf den er seine Lippen drückte. Auf einmal fiel ihm auch wieder ein, dass er sich sehr hatte bücken müssen, um sie zu küssen.

Ach, verdammt. Er hatte Greer geküsst. Dann flackerten weitere Erinnerungen auf. Sie beide im Heckenlabyrinth. Wie er auf ihr gelegen hatte, während sie ihn streichelte.

Er hatte auf ihr gelegen!

Scheiße!

Seine Nasenflügel bebten. »Ich glaube, ich habe letzte Nacht großen Mist gebaut.«

»Ach was.« Gretchen hielt die Tasse mit ausgestrecktem kleinen Finger, während sie an ihrem Kaffee nippte, und zog die Augenbrauen hoch, als sie ihn ansah.

Inzwischen war er sich ziemlich sicher, dass er Greer im Garten gevögelt hatte. Aber das erzählte er Gretchen natürlich nicht. Was sollte er auch schon sagen? Ich war sturzbetrunken und habe das erstbeste hübsche Mädchen flachgelegt, und das war zufälligerweise unsere ehemalige Mitbewohnerin, mit der ich jede Woche regelmäßig Mittagessen gehe?

Das klang ja, als wäre er ein Riesenarschloch. Und als wäre Greer austauschbar. Doch das war sie ganz bestimmt nicht.

Greer war ein Schatz und immer ruhig und gelassen. Er erinnerte sich noch genau daran, wie sie ihn mit großen Augen angehimmelt hatte, als sie noch zusammengewohnt hatten. Wie sie stets ein freundliches Lächeln und ein nettes Wort für ihn übrig hatte, selbst wenn es ihm richtig dreckig ging. Wie sie nie einen Aufstand gemacht hatte, wenn er mit den Mietzahlungen im Rückstand war – was während der Collegezeit häufig der Fall gewesen war.

Sie hatten den Übergang von Mitbewohnern zu Freunden geschafft, und für eine Weile waren sie alle jeden Montag zusammen essen gegangen und hatten sich auf den neuesten Stand gebracht. Aber mit der Zeit waren immer mehr von ihnen abgesprungen. Taylor konnte aufgrund ihres Jobs keine lange Mittagspause machen, Gretchen hatte als Ghostwriterin zu viel zu tun, und irgendwann war Chelsea einfach nicht mehr aufgetaucht. Aber Greer, Greer hatte immer Zeit. Sie trafen sich jede Woche im selben Restaurant und aßen am gleichen Tisch zu Mittag. Die Unterhaltungen verliefen immer locker und entspannt. Greer erzählte ein wenig über die Kunden, mit denen sie in ihrem Job als Hochzeitsplanerin zu tun hatte, und hatte witzige Anekdoten über Brautmonster oder ungewöhnliche Wünsche auf Lager. Er hingegen berichtete von seinem Unternehmen, und sie hatte hilfreiche Tipps oder auch nur ein offenes Ohr.

Greer fand immer Zeit für ihn. Sie war eine gute, wenn auch bescheidene Freundin. Dabei war sie weder aufdringlich noch fordernd. Sie war einfach … angenehm. Sie war immer da und bereit zu helfen. Sie drängte ihn nie und stritt sich nicht mit ihm.

Sie hatte so viel mehr verdient als einen Quickie unter Alkoholeinfluss auf einer Party.

Asher zwang sich, vom Boden aufzustehen, und betastete seine Nase, um sich zu vergewissern, dass sie nicht mehr blutete. Dann taumelte er zum Tisch und goss sich einen Kaffee ein. »Da gibt es nichts zu erzählen, Gretchen. Ich muss einfach nur mit Greer reden. Ist sie hier?«

»Nein. Du bist der Einzige, der noch hier ist. Ich habe Greer gestern Abend nicht mal zu Gesicht bekommen.« Gretchen starrte mit finsterem Gesicht in ihre Tasse. »Als was hatte sie sich verkleidet?«

Er überlegte krampfhaft, wie sie ausgesehen hatte. Dunkel erinnerte er sich an etwas Glitzerndes und daran, dass ihr verlockender, wundervoller Körper aufgrund des tiefen Ausschnitts sehr gut zu erkennen gewesen war. Er wusste noch, dass er ihre kleinen braunen Brustwarzen hatte sehen können, wenn sie sich vorbeugte … Verdammt. Verdammt, verdammt, verdammt! »Als Stripperin.«

»Was?«

»Entschuldige, als Flapper. Sie hatte so ein 20er-Jahre-Kleid an.« Himmel, er brauchte dringend mehr Kaffee. »Sie sah sehr niedlich aus.« Niedlich traf es nicht einmal ansatzweise. Wenn ihn seine Erinnerung an letzte Nacht nicht trog, hatte Greer sehr viel heißer ausgesehen, als sie es normalerweise tat. Aber er durfte auch nicht vergessen, dass er sturzbetrunken gewesen war. Selbst wenn sie als Grobi aus der Sesamstraße verkleidet gewesen wäre, hätte er vermutlich mit ihr geschlafen.

Er wurde Zeit, dass er den Mist, den er gebaut hatte, wieder in Ordnung brachte. »Ich glaube, ich bin nicht nett zu ihr gewesen«, flunkerte Asher. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich sie in eurem Garten gebumst habe. »Wahrscheinlich wäre es das Beste, wenn ich sie anrufe und mich entschuldige.«

Gretchen tippte auf das Tablett. »Trink zuerst einen Kaffee. Du musst einen klaren Kopf bekommen.«

Sie hatte recht. Er ließ sich in den Sessel neben ihrem fallen, rieb sich das Gesicht und griff nach einer Kaffeetasse. »Danke, dass du letzte Nacht auf mich aufgepasst hast.«

»Ach, das hier macht viel größeren Spaß, als dich einfach nach Hause zu schicken.« Der Blick, den sie ihm zuwarf, ließ sich nur als teuflisch bezeichnen. »Darf ich zuhören, wenn du Greer anrufst?«

»Du bist wirklich neugierig.«

»Aber sicher. Ihr seid beide meine Freunde, und sie schwärmt schon seit einer Ewigkeit für dich.«

Er verschluckte sich an seinem Kaffee. »Oh Gott, sag doch nicht so was.« Denn jetzt konnte er nur noch daran denken, wie sie ihn mit ihren großen Augen angesehen hatte, wie er ihr in den Ausschnitt geglotzt hatte … Er war so ein Arschloch. Wie sollte er ihr je wieder in die Augen schauen?

»Es ist aber so. Okay, vielleicht keine Ewigkeit, aber sie ist auf jeden Fall verliebt in dich.« Gretchen klimperte mit den Wimpern. »Du bist ihr Märchenprinz. Es überrascht mich, dass du das bisher noch nicht gemerkt hast.«

Das hatte er wirklich nicht. Greer war einfach immer so … süß. Er war davon ausgegangen, dass sie sich jedem gegenüber so benahm. Auf einmal machte ihn das alles sehr nervös, und er stürzte seinen Kaffee hinunter. Gretchens Worte hatten ihn mehr ernüchtert, als es Unmengen an Koffein vermocht hätten. »Weißt du zufällig, wo mein Handy ist?«

»Aber sicher, du Märchenprinz.« Sie schwenkte es in der Luft herum. Diese ganze Sache machte Gretchen definitiv viel zu viel Spaß.

Einige Zeit später, als sich sein Kopf nicht mehr ganz so schlimm anfühlte, rief er Greer an. Da sie nicht ranging, schickte er ihr eine SMS, anstatt auf ihre Mailbox zu sprechen.

Asher: Hey. Hat mich gefreut, dich auf der Party zu sehen.

Zu seiner Überraschung bekam er beinahe umgehend eine Antwort.

Greer: OK.

Asher: Ich wollte dir nur sagen, dass ich sehr betrunken war und mich an so gut wie gar nichts mehr erinnere.

Greer: OK.

Asher: Ich hatte nicht vor, äh, die Situation auszunutzen, und hoffe, wir sind noch Freunde.

Greer: Klar.

Asher: Du solltest wissen, dass mir deine Freundschaft sehr wichtig ist.

Greer: OK.

Asher: Normalerweise würde ich so was nie auf einer Party machen, aber ich war einfach schlecht drauf.

Greer: OK.

Asher: Wir können doch noch Freunde sein, oder? Ich würde die ganze Sache gern hinter uns lassen.

Greer: Schon vergessen.

Asher: Super. Danke.

Asher: Ich weiß, dass man eine Freundschaft mit Sex ruinieren kann, aber mir wäre es lieber, dass wir Freunde bleiben.

Greer: Klar. Freunde.

Asher starrte sein Handy an. Die Unterhaltung schien ganz gut zu laufen, aber er wurde das Gefühl nicht los, dass irgendwas nicht stimmte. Greer war nicht sehr … gesprächig. Hieß es nicht, dass Frauen immer sehr lange SMS schrieben? Bei ihrem wöchentlichen Mittagessen hatte sie zumindest immer viel zu erzählen. Aber er hatte eigentlich noch nie zuvor mit ihr SMS geschrieben, und vielleicht war sie dabei immer so kurz angebunden. Einige Leute schrieben nun mal nicht gern SMS. Er las sich alles noch einmal durch und fügte dann hinzu:

Asher: Wir gehen doch Montag wieder essen?

Greer: Tut mir leid, ich bin nicht in der Stadt. Vielleicht nächste Woche?

Asher: Gut, dann nächste Woche.