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Emilio Salgaris "Pharaonentöchter" ist ein fesselnder historischer Abenteuerroman, der den Leser in die faszinierende Welt des alten Ägypten entführt. Mit einem lebendigen Erzählstil und einer detailreichen, atmosphärischen Sprache gelingt es Salgari, die prächtigen Kulissen und intriganten Machenschaften der damaligen Zeit lebendig werden zu lassen. Inmitten von Pyramiden und der mystischen Aura des Nils entfaltet sich eine Geschichte voller Machtspiele, Liebe und Loyalität, die im Kontext der wechselvollen Geschichte Ägyptens spielt und die Leser in seinen Bann zieht. Emilio Salgari, ein italienischer Schriftsteller des 19. Jahrhunderts, war bekannt für seine Abenteuergeschichten und seinen außergewöhnlichen Umgang mit exotischen Schauplätzen. Die Faszination für andere Kulturen und historische Epochen, gepaart mit seiner eigenen, bewegten Lebensgeschichte, führte ihn dazu, epische Werke zu schaffen, die Abenteuer, Romantik und Tiefe vermitteln. Sein Interesse an Geschichte und Mythologie inspirierte ihn, die zeitlosen Themen von Macht und Verrat in "Pharaonentöchter" zu erforschen. Dieses Buch empfehle ich jedem, der nach packenden Abenteuern und tiefgründigen Charakteren sucht, die über das bloße Abenteuer hinausgehen. Salgaris Fähigkeit, spannende Handlungen mit historischen Fakten zu verweben, macht "Pharaonentöchter" zu einem unverzichtbaren Leseerlebnis für Liebhaber klassischer Literatur und исторischer романтики. In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen: - Eine prägnante Einführung verortet die zeitlose Anziehungskraft und Themen des Werkes. - Die Synopsis skizziert die Haupthandlung und hebt wichtige Entwicklungen hervor, ohne entscheidende Wendungen zu verraten. - Ein ausführlicher historischer Kontext versetzt Sie in die Ereignisse und Einflüsse der Epoche, die das Schreiben geprägt haben. - Eine gründliche Analyse seziert Symbole, Motive und Charakterentwicklungen, um tiefere Bedeutungen offenzulegen. - Reflexionsfragen laden Sie dazu ein, sich persönlich mit den Botschaften des Werkes auseinanderzusetzen und sie mit dem modernen Leben in Verbindung zu bringen. - Sorgfältig ausgewählte unvergessliche Zitate heben Momente literarischer Brillanz hervor. - Interaktive Fußnoten erklären ungewöhnliche Referenzen, historische Anspielungen und veraltete Ausdrücke für eine mühelose, besser informierte Lektüre.
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Veröffentlichungsjahr: 2024
Zwischen dem unerbittlichen Fluss der Geschichte und den wechselnden Strömungen persönlicher Leidenschaften entfaltet sich in Pharaonentöchter die Spannung eines Zeitalters, in dem Krone, Klinge und Kult aufeinanderprallen, während der Nil als schweigender Zeuge das Ringen um Macht, Freiheit und Zugehörigkeit begleitet und die Wege von Herrschenden und Herausgeforderten kreuzen, sodass jedes Bündnis ein Wagnis, jeder Schritt ein Bekenntnis und jede Geste ein möglicher Funke ist, der das prachtvolle, gefährdete Gefüge des alten Ägypten erhellt und zugleich das Dunkel seiner Intrigen dichter, näher, unentrinnbarer macht und die Sehnsucht nach Gerechtigkeit im Echo der Trommeln, Riten und Märsche zu einer schicksalhaften Entscheidung ruft.
Pharaonentöchter ist ein historischer Abenteuerroman des italienischen Autors Emilio Salgari, verfasst im frühen 20. Jahrhundert und angesiedelt im Alten Ägypten entlang des Nil und seiner Tempelstädte. Salgari, berühmt für packende Exotik und temporeiches Erzählen, verbindet hier höfische Kulisse, gefährliche Expeditionen und politische Ränkespiele. Das Buch schöpft aus der Faszination für vergangene Reiche, ohne dokumentarisch sein zu wollen, und entfaltet vor allem dramatische Wirkung. Leserinnen und Leser treffen auf eine Welt der Zeremonien, Grenzkonflikte und Machtzeichen, in der Status, Ehre und Loyalität sichtbar verhandelt werden und die Naturkräfte der Wüste ebenso bedrohlich wie verführerisch erscheinen.
Zu Beginn zeichnet der Roman die Spannungen eines Hofes, dessen Entscheidungen weit über Palastmauern hinausreichen, und leitet eine Verkettung von Ereignissen ein, in deren Mittelpunkt Frauen aus königlicher Linie stehen. Ihre Stellung macht sie zu Symbolen, Pfändern und Akteurinnen zugleich, während militärische Vorstöße, religiöse Autoritäten und ehrgeizige Offiziere um Deutungshoheit ringen. Eine Reise über den Strom, Warten im Schatten monumentaler Bauwerke und das Dröhnen von Trommeln rahmen die ersten Schritte in ein Abenteuer, das persönliche Motive mit Staatsräson verknüpft, ohne den Figuren die Würde ihrer eigenen Ziele zu nehmen vermag.
Die Erzählstimme ist energisch und bildhaft, getragen von schnellem Rhythmus, klaren Kontrasten und szenischer Verdichtung. Salgari setzt auf dynamische Wechsel zwischen Ruhe und Aktion, auf überraschende Wendungen am Kapitelende und auf eine Sprache, die Spektakel und Nähe zugleich herstellt. Farben, Geräusche und Bewegungen werden so verdichtet, dass Leserinnen und Leser sich in Marschordnungen, Bootsfahrten und nächtlichen Ausfällen wiederfinden, ohne den Überblick zu verlieren. Der Ton bleibt ernst, mit einer romantischen Ader für Mutproben und Loyalitäten, und er erlaubt Momente zarter Empfindsamkeit, bevor erneut der Sog von Gefahr, Aufgabe und Entscheidung anhebt.
Zu den zentralen Themen zählen Macht und Verantwortung, Pflichtgefühl und persönliches Begehren, Loyalität und Verrat. Die Figuren agieren im Spannungsfeld von göttlicher Ordnung und menschlichem Kalkül, was dem Geschehen zugleich Weihe und Brisanz verleiht. Herkunft, Stand und Rolle werden zur Verhandlungsmasse, doch gerade die scheinbar Schwächsten zeigen Entschlossenheit, Weitblick und taktische Klugheit. Der Roman interessiert sich dafür, wie Rituale Zugehörigkeit stiften oder ausgrenzen, wie Landschaften Wege erzwingen und wie Erzählungen Herrschaft legitimieren. So entsteht ein Panorama, in dem individuelle Entscheidungen das große Räderwerk nicht aufhalten, ihm aber neue Richtung geben können.
Für heutige Leserinnen und Leser bleibt Pharaonentöchter relevant, weil es Abenteuerlust mit Fragen nach Autorität, Mitgefühl und Handlungsfreiheit verbindet. Das Buch bietet Eskapismus, ohne Konflikte zu verharmlosen, und lädt dazu ein, Darstellungsweisen historischer Fremde kritisch mitzudenken. Aus der Perspektive seiner Entstehungszeit blickt es auf Ägypten als Bühne für Mut, Ehrgeiz und Ritual – ein Blick, der heute produktiv hinterfragt werden kann. Gerade diese Spannung zwischen Ergriffenheit und Reflexion eröffnet eine doppelte Lektüre: als mitreißende Geschichte voller Bewegung und als Anlass, Narrative von Macht, Geschlecht und Kulturkontakt bewusst wahrzunehmen und ins eigene Leseethos zu übersetzen.
Wer dieses Buch aufschlägt, betritt eine Bühne aus Sand, Stein und Wasser, auf der das Tempo der Handlung das Staunen nicht verschluckt. Salgari entfaltet große Szenen mit klaren Linien, legt Fährten, die weiterführen, und vertraut darauf, dass Ambivalenzen ebenso fesseln wie Siegen. So verspricht Pharaonentöchter eine Reise, die den Atem der Vergangenheit spürbar macht und zugleich Fragen stellt, die in jede Gegenwart reichen: Wie weit darf Pflicht gehen, was schulden Menschen einander, und welche Wahrheit gewinnt im Lärm der Welt? Das Ergebnis ist Unterhaltung mit Haltung, klangvoll, geradlinig und anhaltend suggestiv.
Pharaonentöchter ist ein historischer Abenteuerroman des italienischen Schriftstellers Emilio Salgari. Vor dem Panorama des alten Ägypten entfaltet das Buch eine Handlung, in der höfische Politik, Grenzkonflikte am Nil und persönliche Leidenschaften ineinandergreifen. Im Zentrum stehen die Töchter des Pharaos, deren Schicksale zum Prüfstein rivalisierender Mächte und zur Triebfeder einer riskanten Folge von Entscheidungen werden. Ein tapferer Hauptakteur, eng mit der Krone verbunden, gerät nach einem Zwischenfall auf dem Fluss in Ereignisse, die ihn von den Tempeln der Hauptstadt bis an die südlichen Grenzen führen. Bereits hier etabliert Salgari Tempo, Lokalkolorit und das Spannungsfeld zwischen Pflicht und Gefühl.
Ein erster Wendepunkt zeichnet sich ab, als eine diplomatische Mission am Nil in eine feindselige Begegnung umschlägt. Aus einem verhandelten Austausch wird eine Verfolgung, die Salgari nutzt, um Flusspassagen, Schilfgürtel und gefährliche Stromschnellen zur Bühne zu machen. Die Sicherheit der Pharaonentöchter hängt plötzlich von improvisierter Klugheit ab, und der Protagonist muss zwischen der strengen Logik der Staatsräson und der Rettung Einzelner abwägen. Aus kleinen, scheinbar zufälligen Entscheidungen erwächst eine Kette von Verpflichtungen, die ihn tiefer in das Grenzland zu Völkern führt, deren Loyalitäten wechselhaft sind. Die Handlung wechselt damit von höfischer Ruhe in dynamische, bewegte Räume.
Parallel dazu verdichtet sich in der Hauptstadt ein Netz aus Intrigen. Priesterkollegien, Generäle und Ratgeber verfolgen jeweils eigene Pläne, in denen Heiratsbündnisse, Rangfragen und Kultvorschriften zentrale Rollen spielen. Die Pharaonentöchter stehen dabei nicht nur als Symbole, sondern agieren mit begrenzten, doch wirksamen Mitteln innerhalb rigider Normen. Salgari zeichnet die Reibung zwischen religiöser Autorität und militärischer Macht als dauernde Versuchsanordnung: Wer kontrolliert die Deutung der Zeichen und die Entscheidung über Krieg oder Frieden? Ein weiterer Wendepunkt entsteht, als Hinweise auf Verrat auftauchen und der Kreis der Vertrauten schrumpft. Misstrauen zwingt die Handelnden zu riskanten, verdeckten Manövern.
Die Handlung weitet sich zu einer Reiseerzählung, die von befestigten Städten in die Wildnis führt. Bootskonvois, Wüstenkanten und steinige Uferkanäle bilden die Kulisse für Überfälle, Verhandlungen und fragile Waffenruhen. Begegnungen mit Grenzvölkern und Mittelsmännern öffnen Einblicke in Sitten, Handel und Rituale entlang des Nils, ohne den Abenteuerpuls zu dämpfen. Ein moralischer Einschnitt erfolgt, als ein vermeintlicher Gegner unerwartete Hilfe gewährt und die starre Feindbildlogik aufweicht. Daraus erwächst ein Zweckbündnis, das neue Wege eröffnet, aber auch neue Gefahren anzieht, denn Loyalität wird fortan weniger durch Herkunft als durch gemeinsame Ziele und Versprechen definiert.
Mit der Annäherung an das südliche Grenzgebiet spitzt sich der Großkonflikt zu. Aufklärer melden Truppenbewegungen, Spione verteilen Gerüchte, und ein gefährliches Spiel aus Täuschung und Gegenmanöver beginnt. Gleichzeitig verändern persönliche Beziehungen die strategische Lage: Die Zukunft der Pharaonentöchter wird Verhandlungsmasse und Hebel in drohenden Friedensgesprächen. Salgari hält das Tempo hoch, indem er taktische Episoden – nächtliche Ausbrüche, Verstecke in Tempelanlagen, botengetragene Ultimaten – mit Momenten stiller Überlegung kontrastiert. Der nächste Wendepunkt setzt ein, als ein geheimer Plan zur Befreiung einer Schlüsselfigur an Fahrt gewinnt und eine Konfrontation unvermeidlich macht, deren Ausgang mehrere Reiche betreffen könnte.
Im Höhepunkt kreuzen sich religiöse Feiertage, politisches Kalkül und persönliche Loyalitäten. Die Beteiligten nutzen die Menschenmenge und rituelle Abläufe, um riskante Schritte zu verbergen, während am Rand des Geschehens die Entscheidung über Krieg und Frieden fällt. Ein waghalsiges Täuschungsmanöver eröffnet ein enges Zeitfenster, in dem Mut, Disziplin und Vertrauen zählen. Salgari steigert die Spannung, ohne die abschließenden Konsequenzen vorwegzunehmen: Eine zentrale Figur nimmt eine Bürde auf sich, damit andere Handlungsspielraum gewinnen. Die unmittelbare Gefahr scheint zu weichen, doch die neue Ordnung bleibt fragil und hängt daran, ob gegebene Versprechen jenseits der Stunde der Not Bestand haben.
Pharaonentöchter verbindet atemloses Abenteuer mit einer Reflexion über Macht und Bindung im Spiegel einer antiken Welt. Leitend sind Fragen nach der Rolle von Herkunft, Religion und Geschlecht in politischen Entscheidungen sowie nach der Möglichkeit, persönliche Treue über starre Pflicht zu stellen. Salgaris Erzählweise setzt auf Schauwerte, rasches Voranschreiten und klare Konfliktlinien, zeigt jedoch wiederholt Grauzonen, in denen Feinde zu Helfern werden und Autorität auf Widerstand trifft. Nachhaltig wirkt das Bild eines Nilreichs, dessen Größe zugleich Stärke und Verwundbarkeit bedeutet. Der Roman hinterlässt den Eindruck, dass Mut und Maßhalten in Zeiten der Erschütterung gleichermaßen gefragt sind.
Pharaonentöchter spielt in einer Vergangenheit, die die Pharaonenzeit Ägyptens evoziert, wie sie vor allem im Neuen Reich (ca. 1550–1069 v. Chr.) ausgeprägt war. Ort des Geschehens ist der Nilraum mit Machtzentren wie Theben und Memphis. Prägende Institutionen waren die gottgleiche Königsherrschaft, eine hierarchische Beamtenschaft unter dem Wesir, die in Gaue (Nome) gegliederte Verwaltung sowie mächtige Tempelwirtschaften, etwa am Karnak-Heiligtum des Amun. Ein stehendes Heer mit Streitwagen, ein ausgeprägtes Rechtssystem und die Leitidee der Maat – kosmische Ordnung und Gerechtigkeit – bildeten den normativen Rahmen, den historische Quellen in Inschriften, Papyri und Reliefs vielfach belegen.
Die im Roman anklingenden politischen Spannungen spiegeln die internationale Lage des Neuen Reiches. Ägypten konkurrierte in Syrien-Palästina mit den Hethitern; die Schlacht bei Qadeš (ca. 1274 v. Chr.) und der spätere ägyptisch-hethitische Friedensvertrag (ca. 1259 v. Chr.) sind gut bezeugt. Gegen Süden sicherte Ägypten Nubien mit Festungen und Statthaltern und integrierte das Gebiet wirtschaftlich. Diplomatische Heiraten, Tributabgaben und das System der Gesandtschaften, belegt u. a. durch die Amarna-Briefe (14. Jh. v. Chr.), strukturierten Außenbeziehungen. Militärisch prägten Bogenschützen und zweirädrige Streitwagen die Kriegsführung; logistisch dominierten Niltransporte und Wüstenrouten zu Oasen und Minen.
Die ökonomische Basis war die jährliche Nilflut, die Bewässerungslandwirtschaft mit Getreide, Flachs und Gemüse ermöglichte. Der Staat erhob Abgaben in Naturalien und organisierte Arbeitsleistungen für Bau- und Kultprojekte. Handwerk – von Goldschmiedekunst bis Schiffbau – florierte in urbanen Zentren. Fernkontakte sind für das Neue Reich reich belegt: Expeditionen nach Punt (Weihrauch, Myrrhe, Ebenholz) sind durch die Reliefs der Hatschepsut in Deir el-Bahari dokumentiert; im Sinai wurden Kupfer und Türkis gewonnen, in Wadi Hammamat begehrte Gesteine gebrochen. Der Nil war Verkehrsachse, ergänzt durch Kanäle und Wüstenstraßen. Solche Netzwerke rahmen Handels- und Reiseerfahrungen, wie sie Abenteuergeschichten häufig nutzen.
Religion und Ritual bestimmten den öffentlichen Raum. Der Amun-Kult in Theben, der Sonnengott Re und der Osiris-Glaube an Jenseitsgericht und Auferstehung prägten Weltbild und Legitimation der Herrschaft. Opet- und Talfest verbanden Tempel, Hof und Stadtbevölkerung; Priesterschaften verwalteten große Ländereien. Mumifizierung, Totenbücher und Grabbeigaben sind archäologisch umfassend belegt. Spannungen zwischen König und Klerus sind historisch nachweisbar, etwa in der Amarna-Zeit des Echnaton (14. Jh. v. Chr.), die den Aton-Kult bevorzugte, sowie im wachsenden Einfluss der Amun-Priester in der Dritten Zwischenzeit. Diese Konstellationen liefern einen verlässlichen Hintergrund für Erzählmotive um Sakralmacht, Loyalität und dynastische Legitimität.
Königstöchter und königliche Frauen nahmen in Ägypten wichtige politische und rituelle Positionen ein. Titel wie „Königstochter“ oder „Große königliche Gemahlin“ sind epigraphisch vielfach belegt. Hatschepsut regierte selbst als König (15. Jh. v. Chr.), Nefertari ist als hochverehrte Gemahlin Ramses’ II. archäologisch greifbar (ihr Grab in Theben-West wurde 1904 von Ernesto Schiaparelli entdeckt). Die Würde einer „Gottesgemahlin des Amun“ verlieh Frauen religiös-politisches Gewicht, besonders in der späten Bronze- und frühen Eisenzeit. Eheallianzen mit fremden Höfen sicherten Verträge. Zugleich gewährte das ägyptische Recht Frauen Eigentums- und Erbrechte. Solche belegten Rollen rahmen Hofintrigen, Erbfragen und rituelle Verpflichtungen.
Städte wie Theben verbanden Paläste, Tempelachsen und Handwerkerviertel. Die Arbeitersiedlung Deir el-Medina dokumentiert Organisation, Löhne und Alltagskultur der Kunsthandwerker, die königliche Gräber schufen. Schriftlichkeit war zentral: Hieroglyphen und die kursive Hieratik sind durch Inschriften und Papyri, etwa Verwaltungs- und Gerichtsakten, reich belegt. Eliten pflegten repräsentative Selbstdarstellung in Kunst, Schminke, Parfüm und Schmuck; Militäreliten nutzten Streitwagen und Kompositbögen. Straf- und Disziplinarfälle, Grenzschutz und Flusspatrouillen sind in Quellen greifbar. Diese materiellen und sozialen Strukturen bilden das konkrete Setting, aus dem Abenteuermotive – Verfolgungen, Grenzübergänge, geheime Passagen und Kultschätze – historisch plausibel ihren Reiz beziehen.
Die Entstehungszeit des Romans fällt in Europas Ägyptomanie des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Die Expedition Napoleons (1798–1801) und Champollions Entzifferung der Hieroglyphen (1822) eröffneten die wissenschaftliche Erforschung. Auguste Mariette begründete den Antikendienst; 1902 wurde in Kairo das Ägyptische Museum eröffnet. Flinders Petrie etablierte stratigrafische Methoden; der Italiener Ernesto Schiaparelli leitete Ausgrabungen und das Museo Egizio in Turin. Zugleich förderten Suez-Kanal (1869), britische Besetzung (ab 1882) und Tourismus, etwa durch Thomas Cook, die Popularisierung. Opern wie Verdis Aida (1871) prägten Bilder der Pharaonenzeit. Diese Rahmenbedingungen speisten das zeitgenössische Leseinteresse.
Emilio Salgari (1862–1911) schrieb als Erfolgsautor populärer Abenteuerromane für ein Massenpublikum. Pharaonentöchter nutzt – wie zeitgenössische historische Unterhaltung – gesicherte Elemente altägyptischer Politik, Religion und Alltagswelt als Kulisse, verdichtet sie aber dramaturgisch. Damit spiegelt das Buch die Verbindung aus Archäologiebegeisterung, Feuilleton-Kultur und kolonialzeitlicher Blickordnung, die um 1900 weite Teile der europäischen Literatur prägte. Für Leserinnen und Leser fungierte es als anschauliche Vermittlung des damals Bekannten über das Alte Ägypten. Als Kommentar seiner Epoche dokumentiert es, wie Wissenschaft, Reiseverkehr und populäre Medien gemeinsam ein einflussreiches, zugleich vereinfachendes Bild der Pharaonenzeit erzeugten.
Inhaltsverzeichnis
Tiefes Schweigen herrschte an den Ufern des majestätischen Flusses[1q]. Hinter den hohen Wipfeln der Fächerpalmen ging soeben die Sonne in einem Feuermeer unter. Bronzefarbig erschienen die Fluten. Im Osten kündigte ein immer dichter werdender Dunst die Abenddämmerung an.
Am Strand stand ein junger Ägypter. Sein Blick schweifte träumerisch über das Wasser, das murmelnd zwischen den Papyrus StaudenPapyrus In alten Zeiten muß beinahe der ganze Nillauf mit Papyrus, einer heute fast verschwundenen Pflanze, bedeckt gewesen sein. Die Schiffahrt erlitt durch sie bedeutende Stockungen. Die Pflanzen verbreiteten sich so schnell, daß die ägyptische Regierung von Zeit zu Zeit die Fahrrinnen durch Tausende von Arbeitern davon befreien lassen mußte. Man gewann aber auch viele nützliche Dinge aus der Papyruspflanze: Der bei der Wurzel abgeschnittene untere Teil diente der armen Bevölkerung als Nahrung. Aus den Blättern fertigte man Körbe, Fächer u. a., aus den Fasern Papier und aus den schichtweise übereinandergelegten Häutchen Sandalen. Aus den zusammengefügten, biegsamen Stämmen machte man leichte Kanus, die den Nil befahren konnten. zerrann. Er mochte wohl neunzehn Jahre zählen, hatte breite Schultern und nervige Arme mit langen, schlanken Händen und schöne, regelmäßige Gesichtszüge.
Sein Gewand bestand aus einem faltenreichen Hemd, das an den Hüften durch eine weiß- und blaugestreifte Leinenbinde zusammengehalten wurde. Als Kopfbedeckung trug er ein dreieckiges Tuch mit buntem Besatz, das bis auf die Schultern herabfiel. Ein schmaler Pelzrand umschloß die Stirn.
Der Jüngling beachtete nicht, daß sich bereits die Schatten der Nacht herabsenkten und so den Aufenthalt am Ufer gefährlich machten. Seine dunklen Augen schienen ein in der Ferne entschwundenes Idol zu suchen. Er seufzte: »Sie wird nie mehr wiederkehren! Sind es doch nur die Pharaonen,Pharao Die ägyptischen Herrscher wurden als Pharaonen bezeichnet; ihre Machtfülle war groß. Papyrusblätter erzählen, daß das ganze Gebiet zwischen dem Roten Meer im Osten und der libyschen Wüste im Westen vor Jahrtausenden von einem Gott bewohnt gewesen sei, der einigen zufolge Osiris, andern zufolge Horus hieß, und daß diese Gottheit, eines Tages müde geworden, ihre Macht in die Hände eines menschlichen Wesens namens Menes gelegt habe. Menes wurde so der erste Pharao. Aus dieser Legende leitet sich auch der Name »Sonnensöhne« für die Pharaonen her. die von den Göttern begünstigt werden, wir Sterbliche nicht!«
Die Purpurröte am Himmel war im Nu verschwunden. Schon blitzten die Sterne auf.
Als der Jüngling sich heimwandte, sah er zwischen dem Gras und den trockenen Blättern am Boden einen glänzenden Gegenstand liegen. Es war ein goldenes, bunt emailliertes Schmuckstück in Form einer kleinen, hochaufgerichteten Schlange mit Geierkopf. Erstaunt hob er das Kleinod auf.
»Ein Uräus[1]? Das Symbol der Macht über Leben und Tod?« murmelte er sinnend. »Nur Pharaonen dürfen den Schmuck tragen. Sah ich ihn nicht auch an der SphinxSphinx Ein Mischwesen mit Löwenkörper und Menschenkopf. Bei den Ägyptern verkörperte es die Königsmacht; zugleich wurden aber auch Götter als Sphinxe dargestellt. in unserer Felsenhöhle an der Stirn des göttlichen Osiris?«
Grübelnd, mit gesenktem Haupt, schritt er weiter. Seine Gedanken schweiften zu dem Tag zurück, an dem er Gelegenheit hatte, ein junges Mädchen aus dem Rachen eines Krokodils zu retten. Er hatte sie für eine Nilgöttin gehalten, die plötzlich aufgetaucht war. Nun kam ihm die Erinnerung, daß es ja gerade dieser Schmuck war, der in ihren Haaren geglänzt hatte ...
Angstschweiß bedeckte seine Stirn bei dem Gedanken.
Unterdessen war es völlig finster geworden. Der Jüngling ging wie ein Nachtwandler, der weder Auge noch Ohr für seine Umgebung hat. Die Grillen zirpten, und die Wasser gurgelten unter den Papyrusstauden und Lotosblumen.
Schon hatte er den Waldsaum erreicht, als ihn eine Stimme aus seinen Träumen weckte: »Mirinri! Siehst du denn nicht, daß die Sonne schon lange untergegangen ist? Hörst du nicht das Geheul der Hyänen? Du vergißt, daß wir mitten in der Wüste leben.«
Ein alter Mann von priesterlichem Aussehen mit langem, weißem Bart war unter einer Akaziengruppe hervorgetreten. Seine stattliche Gestalt umschloß ein langes Leinenhemd. Die leicht gebräunte Haut war durch das Alter pergamentähnlich geworden, aber seine Augen glänzten noch lebhaft.
»Seit einer Stunde suche ich dich, mein Sohn«, sagte er mit sanftem Vorwurf. »Warum kommst du jetzt alle Tage so spät heim? Du weißt, daß die Nilufer gefährlich sind, daß die Krokodile sich nicht nur auf weidende Stiere, sondern auch auf Menschen stürzen und sie in die Fluten ziehen!«
»Die fürchte ich nicht«, entgegnete der junge Mann lächelnd.
»Aber du hast dich um mich gesorgt, Unis. Verzeih.«
Der Alte erhob die Hand zum Himmel. »Siehst du den Stern dort oben im Osten glänzen? Deine Augen können besser als meine unterscheiden ...«
Der Jüngling folgte der Weisung. »Es ist ein Komet, ein Stern mit einem Schweif!« rief er.
»Er ist es«, sprach der Greis. »Ich habe ihn heute nacht erwartet! Er bezeichnet die Stunde, wo ich dir eine Weissagung offenbaren soll. Dein Schicksal ist an diesen Stern gebunden!«
Damit neigte er sich vor dem Jüngling und küßte den Saum seines Gewandes.
»Was tust du, Unis?« fragte dieser überrascht und trat einen Schritt zurück.
»Ich grüße den künftigen Herrn von Ägypten.«
Mirinri schaute den Priester sprachlos an.
Plötzlich schoß es wie ein Blitz durch seine Seele. »Dann brauche ich mich ja nicht mehr vor dem Symbol der Macht über Leben und Tod zu fürchten! Aber – wie sollte ich dir Glauben schenken?« fragte er.
Unis nahm seinen Zögling bei der Hand und führte ihn heimwärts über eine sandige Steppe, auf der nur hier und dort dürre Sträucher und halb vertrocknete Palmen standen. Beide schwiegen, in Gedanken versunken, während der Stern über ihnen leuchtete.
So gelangten sie zu einem steilen, vegetationslosen Felsen. Er erhob sich in Pyramidenform und trug einige gespenstisch aufragende Kolossalstatuen.
Mirinri ließ sich widerstandslos leiten.
Ein in den Hügel eingelassener Pfad führte in eine tiefe Höhle, die von einer kleinen Lampe erleuchtet wurde. Letztere war aus Ton und hatte die Gestalt des Ibis, des heiligen Vogels.Ibis Bei den alten Ägyptern waren die Ibisse heilige Tiere. Die Dienste, die der kleine Vogel verrichtete, wurden von den Pharaonen sehr geschätzt, um so mehr, als sein Erscheinen die wohltätige Periode der Nilüberschwemmung ankündigte. Der Gott der Weisheit, Thot, wurde mit einem Ibiskopf dargestellt. Heute findet man den Vogel nur noch in Oberägypten. Es gibt keine religiöse Verehrung des Ibis mehr. Die Einrichtung der Höhle bestand aus Büffel- und Hyänenfellen, die als Betten dienten, einem niedrigen Tisch und etlichen am Boden stehenden Amphoren. Einige kurze Schwerter und Schilde lehnten an den Wänden. In einer Ecke brodelte in einem hängenden Gefäß eine appetitlich duftende Suppe auf einem aus Steinen hergerichteten Herd.
Nach seinem Eintritt ließ sich der Jüngling auf ein Fell nieder und bat den Alten inständig, ihm mehr von der seltsamen Weissagung zu erzählen.
Dieser begann, während seine Augen zärtlich an Mirinri hingen: »Ich habe dich meinen Sohn genannt, und, wie du weißt, dir mein ganzes Leben gewidmet. Du bist aber nicht eines Priesters Sproß, sondern ein Königssohn.«
Der Jüngling sprang erregt auf. »Sprichst du die Wahrheit? Noch kann ich deinen Worten nicht trauen!«
»Ich spreche die Wahrheit!«
»Wohl fühle ich in meinen Adern Kriegerblut rollen! Ich träumte oft, daß ich im Heer kommandierte und Länder eroberte ... Oh, sollten denn meine Träume von Ruhm und Größe, die mich jahrelang verfolgten, einst verwirklicht werden?«
Der Alte nickte ihm lächelnd zu.
»Vor allem sag mir: Wie kommt es, daß ich dann hier am Rande der Wüste wie der Sohn eines armseligen Hirten aufgewachsen bin, fern von dem Glanz und der Pracht der Hauptstadt?«
»Setz dich wieder und höre mir zu«, sagte Unis ruhig. »Deine Frage ist berechtigt. Aber hätte man dich unten in Memphis gelassen, so lebtest du zu dieser Stunde nicht mehr.«
»Erkläre mir das!«
»Weil ein Elender den Thron deines Vaters einnimmt! Schon seit siebzehn Jahren regiert König Teti, den das Volk ›Den Großen‹ nannte, nicht mehr ...«
»Und ich sollte der Sohn Tetis sein?« fiel ihm der Jüngling ins Wort. »Du treibst deinen Spott mit mir! Gib mir Beweise!«
»Die sollst du haben. Morgen noch vor Sonnenaufgang werden wir die Memnonsäule und die Blume des Osiris befragen. Wenn der Stein tönt und die Wunderblume sich wieder belebt, werden dies Zeichen sein, daß du ein Königssohn bist. Willst du mit mir kommen?«
»Ja!« rief Mirinri, dem Schweißtropfen auf der Stirn perlten. »Erst nach diesen beiden Proben werde ich dir glauben!«
»Gut, so vernimm jetzt deine und deines Vaters Geschichte.«
Gerade als der Greis beginnen wollte, fiel sein Blick auf das goldene Schmuckstück, das Symbol der Macht über Leben und Tod, das der Jüngling an seinem Gewand angebracht hatte.
»Ein Uräus!« rief er erschrocken aus. »Woher hast du ihn?«
Nach einigem Zögern antwortete Mirinri: »Ich fand ihn am Nilufer.«
»Weh mir, nun wird all mein Mühen, dich zu verbergen, all meine Vorsicht umsonst sein! Sie werden deinen Aufenthalt entdeckt haben. Sie sind sicher auf deiner Spur! Du weißt wohl nicht, daß nur ein König dies Symbol tragen darf.«
»Oder – eine Königstochter«, sagte Mirinri lächelnd und betrachtete zärtlich den Schmuck.
»Was heißt das?« rief der Priester jetzt zornig. »Warum verheimlichst du mir etwas? Womöglich ein Erlebnis, das dich den Kopf kosten kann! Du hast mir von einer Göttin gesprochen ... Wo hast du sie gesehen?«
»Am Nilufer. Sie kam in einer großen, goldglänzenden, mit prächtig gekleideten Negern bemannten Barke. Es war ein wunderschönes Mädchen.«
»Und in ihren Haaren glänzte dieser Schmuck?«
»So ist es. Sie wird ihn am Ufer verloren haben.«
Unis ging in furchtbarer Erregung auf und nieder.
»Und seitdem ich das Mädchen gesehen, ist mein Friede, mein Frohsinn dahin«, fuhr der Jüngling fort. »Sie hat mir ein Stück meines Herzens genommen. Schließe ich die Augen, sehe ich nur sie. Schlafe ich, so träume ich nur von ihr. Säuselt der Wind durch die Palmen längst des Nilufers, so glaube ich ihre Stimme zu hören. Raube mir nicht die Vision – es war eine Göttin.«
»Erzähle, was geschah!«
»Als sie sich über den Rand der Barke neigte, hinter ihr die hohen, mit Straußenfedern besetzten Fächer, die ihre Diener hielten, kam seitlich ein Krokodil heran und packte sie mit seinen Zähnen. Noch höre ich ihren Aufschrei, noch fühle ich den Schauer, der mich durchrieselte, als ich hinzusprang und sie befreite, sie in meine Arme nahm und ans Ufer trug. Dort legte ich sie ins Gras nieder ... und so wird der Haarschmuck ihr entfallen sein.«
»Unglücklicher!« Der Alte stand vor ihm mit flammenden Augen.
»Nun, wenn es wahr ist, daß ich ein Königssohn bin, warum sollte ich dann nicht eine Jungfrau aus königlichem Geschlecht lieben?« fragte Mirinri keck.
»Weil du jenes Geschlecht, dem sie angehört, hassen sollst! Du kennst noch nicht die Geschichte deines Vaters, kennst nicht all die Leiden, die er ertragen mußte ...«
»Erzähle«, bat Mirinri bekümmert. »In deinen Worten soll mein Schicksal liegen.«
»So höre!«
