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Unzählig sind die Bücher, die über die Biographie des Propheten Muhammad sprechen. Der erste Gedanke für jemanden, der ein neues Buch über die Biographie des Propheten schreiben will lautet: Wieso eine neue Biographie? Was kann diese den bereits Vorhandenen neu hinzufügen? Diese Frage beantwortet Prof. Hussein Ghubash in seinem Buch, was als eine neue und moderne Betrachtung der Biographie des Propheten Muhammad verstanden wird. Das Buch ist bis jetzt in fünf Sprachen vorhanden und soll eine wichtige Rolle für Imame, Theologen und Orientalisten im deutschsprachigen Raum spielen.
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Seitenzahl: 184
Veröffentlichungsjahr: 2020
Hussein GHUBASH
Prophet der Barmherzigkeit und des Friedens
Eine moderne Lesung der Biografie desPropheten Muhammad
© 2020 Hussein GHUBASH
Verlag & Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg
ISBN
Paperback:
978-3-347-14118-6
Hardcover:
978-3-347-14119-3
e-Book:
978-3-347-14120-9
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Inhaltsverzeichnis
Danksagung
Die Einleitung / Vorwort
Historischer Überblick zur arabischen Halbinsel
Die kulturelle und soziale Lage
Das heilige Mekka
Banu Hashim
Die frohen Ankündigungen
1. Kapitel: Das heilige Mekka: Die Wiege der Offenbarung
Die Höhle Hira: Geburt der Prophetentum
Die mohammadenische Morgendämmerung
Die Schule der Weisheit und der Charakterreinigung
2. Kapitel: Kampf zwischen Gut und Böse
Die Verlegenheit Quraishs
Wenn sie mir die Sonne in meine rechte legen
Der Glaube der Armen
Ich kann nicht denjenigen verlassen, der mein Herz beleuchtet
3. Kapitel: Wendepunkt und Verbreitung des Islams
Die Lichtquelle
Die Gespräche mit den „Ansar“: die Eroberung Medinas durch den Koran
Die Auswanderung nach Abessinien
Du bist wie dein Herr dich nannte, barmherzig und mild
Gepriesen sei, der seinen Knecht nachts reisen ließ (Koran 17: 1)
Die blühende Phase
Die Einwanderung zu Gott
4. Kapitel: Die Medina des Propheten
Yathrib; Ein Historischer Überblick
Der Anfang des Friedens und der Brüderlichkeit
Die Medina – die Idealstadt
Die offene prophetische Schule
Al-Muaakha – Die Geschwisterlichkeit
5. Kapitel: Die Kriege gegen die Muslime
Die Schlacht von Badr
Führe uns mit Gottes Segen
Die Gefangenen: die Ausbildung dagegen Freiheit
Der Feldzug Uhuds
Die Verteidigung des Propheten
Die innere Front
6. Kapitel: Die Schlacht vom Khandaq (dt. dem Graben) und ein Wendepunkt der Geschichte
Die Rolle des diplomatischen Weges
Die Demut des Propheten
7. Kapitel: Die kleine Pilgerfahrt
8. Kapitel: Mekka: „Gewiß, Wir haben dir einen deutlichen Sieg verliehen.“ (Koran 48: 1)
Abschiedspredigt: Gott sei mein Zeuge!
Danksagung
Zu Beginn möchte ich einen großen Dank und meine Anerkennung für den großen verstorbenen Sheikh Ahmad Keftaro1 aussprechen, der mich in das islamische muhammadenische Milieu hineingebracht hat. Es ist ein Milieu, von dem ich in den zeitgenössischen, religiösen Diskursen nichts gehört habe. Der Islam ist ein eine Religion der Charakterreinigung, der Weisheit, der Liebe und der Toleranz. Sheikh Ahmad Keftaro hat den Glauben in meinem Herzen vertieft und meine Liebe zu dem Gesandten verstärkt. Er inspirierte mich durch seine Pionierdenkweise diese Biographie des Propheten in einer modernen und einfachen Sprache zu formulieren. Das war auch sein Wunsch, bevor er unsere Welt verließ. Möge Gott ihn für alles, was er für mich getan und was er mir gelehrt hat reichlich belohnen.
Ich danke auch meinem lieben Freund, Sheikh Dr. Nazim Abd al-Malik, der mit seinem genauen und ausführlichen Wissen über die Biographie des Gesandten und mit seinen koranischen Kenntnissen mein Wissen über das Leben des Propheten bereicherte. Das hat mir ermöglicht, die Ereignisse genau zu behandeln und sie nach bestem Wissen und Gewissen zu beschreiben. Ich danke auch dem lieben Freund Sheikh Ali Awad für seine Anmerkungen und seine dauerhafte Unterstützung.
Ein besonderer Dank gebührt den Lieben, die mich ständig seelisch unterstützen und mich mit ihren Bittgebeten und ihrer positiven Energie begleiten. Zu ihnen zählen die werte, gläubige Shakraa bint Saleh (Um Fahd), Frau Dr. Mariam Sultan, Frau Dr. Mosah Ghabbash, Frau Dr. Rukayyah Ghabbash. Auch vergesse ich die Bemühungen der lieben Kollegin Layla Said nicht, die die Aufgabe übernommen hat, Korrekturen durchzusetzen, Literatur zu überprüfen und die Vorbereitungen zur Veröffentlichung des Buches durchzuführen.
Zu guter Letzt gebührt der Dank meiner lieben Ehefrau Dr. Muna al-Rakhimi für ihre permanente Unterstützung, die mir das Schwere auf diesem Weg erleichtert hat und mir dabei geholfen hat, diese Arbeit ans Licht zu bringen.
Möge Allah sie alle mit dem Besten belohnen.
1 Der ehemalige Großmufti Syriens.
Die Einleitung / Vorwort
Unzählig sind die Bücher, die über die Biographie des Propheten sprechen und das in allen Sprachen der Welt. Einige davon sind realitätsnah und andere weit entfernt von der Realität und der Wahrheit über sein Leben. Der erste Gedanke für jemanden, der ein neues Buch über die Biographie des Propheten schreiben will, ist die legitime Frage, wieso eine neue Biographie? Was kann diese den bereits Vorhandenen neu hinzufügen? Diese Frage versuche ich, in meiner Arbeit zu beantworten.
Zu den berühmtesten Sira-Büchern ist als erstes die Sira von Ibn Ishaq zu nennen, die früher die wichtigste historische Buchquelle über die Biographie des Propheten war. Diese Sira wurde etwa 100 Jahre nach dem Tod des Gesandten2 verfasst. Ibn Ishaq selbst ist im Jahr 151 nach der Hidschra verstorben. Trotz ihrer Wichtigkeit als eine zeitlich sehr früh verfasste Sira muss sie mit Vorsicht gelesen werden, da einige Informationen darin nicht sachlich und ungenau sind.
Nach ihr entstand die Sira von Ibn Hischam, verstorben im Jahr 280 nach der Hidschra, die in der Tat eine Bearbeitung der Sira von Ibn Ishaq ist. Mit der Zeit nahm die Sira von Ibn Hischam die Stelle ihrer Vorgängerin ein und wurde als Hauptquelle für alle Sira-Bücher herangezogen. Sie hat zweifelsohne eine bessere Einordnung der Geschehnisse und ist näher zur Realität. Sie bleibt jedoch eine Aufzählung von Ereignissen mit vielen Details, die nicht mehr relevant für Studierende und Interessenten an die Sira des Propheten sind.
Zur Natur der biographischen Erzählung gehört, dass sie keine tiefgründige Lesung für die Ereignisse bietet und demzufolge, wenige imanischen und spirituellen Lektionen, besonders über Charakterreinigung und Weisheit liefern kann. Genau das ist aber der Kern der Sira. Zweifelsohne sind beide Biographien (von Ibn Ishaq und von Ibn Hisham) für Fachleute und WissenschaftlerInnen, aber nicht mehr für die heutigen LeserInnen, relevant. Ich berufe mich in meiner Arbeit auf die Sira von Ibn Hisham als Hauptquelle aber verwende auch weitere Quellen wie al-Sira al-Halabya von Nur al-Din al-Halaby, Suwar min hayat al-Rasul von Amin Duidar, Zaad al-Miaad von Ibn al-Qayim al-Gawzy und al-Maghazi von al-Waqidi.
Die traditionelle und die historisch erzählerische Sprache ist für viele Leser der heutigen Zeit nicht mehr interessant, weil sie das Licht der prophetischen Lektionen und Lehren auf unser heutiges Leben nicht genügend projeziert. Deshalb möchte ich die Sira in einer einfachen Sprache, die leicht verständlich ist, darstellen, ohne dabei auf etwas Essentielles zu verzichten. Ich bemühe mich darum, dass die Sira dem heutigen Leser näher kommt, auf der Hoffnung, dass die Menschen von der muhammadenischen Spiritualität und ihren Lichtern profitieren.. Es braucht eine Zusammenfassung der Sira, ohne dass der Kern der Sira und die Inhalte der Sira und des Prophetentums verändert werden. Hoffen wir, dass wir dadurch aus den historischen Büchern der Sira des Propheten eine zeitgemäße Lösung liefern und sie in einer zeitgemäßen Sprache repräsentieren können.
Das Schreiben der Sira des Gesandten ist nicht irgendein Schreiben. Sie ist in rein imanischer Akt3. Das Nachdenken über und Betrachten des Lebens des Propheten ist eine Beobachtung in den muhammadenischen, spirituellen, mystischen Islam. Diesen Islam verkörperte der Prophet in seinem Leben mit seinen Taten und Aussagen, so dass sein Leben und seine Aussagen die strahlenden Lichter des geschriebenen Korans waren.
Die Rückkehr zum Ursprung und die Gründungsphase des Islams stärkt unser Glaubensbewusstsein und liefert uns ein umfassendes Bild über den Islam. Diese Phase hat die muslimische Persönlichkeit in verschiedenen Bereichen, wie etwa in ihren Werten, ihrer Erkenntnis und in ihrem Wissen gegründet und geprägt.
Der werte Prophet hat uns all das in seiner Sira verkörpert. Deswegen ist das Lesen und Befolgen der Sira eine imanische Voraussetzung. Allah sagt:
„Ihr habt ja im Gesandten Gottes ein schönes
Vorbild für den, der Gott und den Jüngsten Tag erwartet
und der Gottes oft gedenkt.“ (Koran 33: 21)
Daher kann ein Muslim kein gläubiger, weiser Mensch sein, der mit Stolz und Gabe gefüllt ist, solange er das Leben des Propheten nicht kennt. Man kann nicht behaupten den Propheten als ein Vorbild zu sehen, wenn man nicht mal seine Lebensgeschichte gelesen und aus ihren Geschichten gelernt hat. Er ist unser größtes Vorbild, das uns zu unserem Schöpfer recht leitet. Die Unwissenheit vieler Muslime über das Leben des Propheten hat zweifelsfrei dazu geführt, dass dem Islam die erzieherische, moralische und spirituelle Bedeutung entzogen wurde. Der Islam ist wie ein Körper ohne Seele geworden, der zu seinem Schöpfer emporsteigt.
So verwandelte sich der Islam für viele zu Gottesdiensten und Ritualen ohne spirituelle Bedeutung, befreit von Weisheit und Spiritualität. Das führte zur Zerstreuung, Spaltung und zum Niedergang in der islamischen Welt.
Für die Religion gibt es zwei Quellen: Koran und Sunna. Wenn die Religion ein Teil des Lebens ist- nein, sie ist das Leben – so ist die prophetische Sira die Seele dieses Lebens. Die Sira inkludiert die Aussagen und die Taten des Propheten, die Gottesdienste, die Spiritualität und die guten und noblen Charaktereigenschaften des Propheten. Allah der Erhabene beschreibt ihn wie folgt:
„Du bist fürwahr von großer Tugend.“(Koran 68: 4)
Der großartige Charakter besteht aus einer ganzen Institution aus noblen Werten, wie die Vergebung, das Vollziehen guter Werke, die Barmherzigkeit, die Bescheidenheit des Herzens, die Großzügigkeit, die Nächstenliebe - und all das ist von der Weisheit durchzogen. Es ist eine Institution der spirituellen Kraft für den Menschen und ein Ausdruck der seelischen Reinheit. Das ist ein ganzheitliches moralisches, spirituelles System, das der Prophet festgelegt hat, damit wir daraus lernen und dieses so gut wie möglich befolgen. Der Prophet sagt: „Ich bin gekommen, um die guten Charakterzüge zu vervollständigen“. Die guten Charakterzüge sind von der Sunna und für einen Glauben essentiell. Wie viele der prophetischen Charakterzüge verfolgen wir also?
Deswegen müssen wir, wenn wir Gottes Liebe und Wohlgefallen erlangen wollen, diese großartige Sira samt ihren Lehren und Weisheiten verstehen und sie nicht vernachlässigen, sondern als Quelle zur Wahrheit über die Religion, den Werten und das moralische System, nehmen.
Die Persönlichkeit des Propheten Gottes ist nicht wie jede Persönlichkeit, die mit dem Ende ihrer Rolle auf der Erde selbst ein Ende nimmt. Er ist ein Licht, das immer noch strahlt und solange strahlen wird, bis Gott die Welt und alles was darauf ist, einnimmt. Wir werden die wahre Bedeutung des Prophetenlebens erst dann verstehen, wenn wir es als Lichtquelle für die Menschheit sehen.
Gott hat jeden Propheten mit einer speziellen Eigenschaft als Ehrung ausgezeichnet. Abraham ist als „Khalil Allah“ (Freund Gottes), Musa als „Kalim Allah“ (unmittelbarer Sprecher mit Gott) und Jesus als „Ruh Allah“ (Gottes Wort) bekannt. Er hat Muhammad mit all diesen Eigenschaften ausgezeichnet und zusätzlich einer ganz für ihn speziellen: „Habib Allah“ (Gottes Liebling). Allah hat seinen Propheten mit der Liebe verknüpft und die Liebe ist die Basis der Existenz und die höchste Emotion.
Der Prophet sagt: „Keiner von euch ist gläubig, bis er mich mehr liebt als seine Eltern, seine Kinder und alle Menschen.“ Er hat also die Liebe Gottes zum Menschen mit der Gehorsamkeit des Menschen und seine Liebe zum Propheten verbunden. Der Prophet hat den Glauben mit der Liebe verknüpft, es gibt also keinen Glauben für jenen, der nicht liebt. Die Liebe zum Propheten ist erst dann wahr, wenn ihm auch gefolgt wird.
So zeigt sich uns, dass die Liebe die Seele des Glaubens ist und zum Glauben gehört die Liebe zu Gott, seinen Propheten und Seiner gesamten Schöpfung. Allah der Erhabene sagt:
„Wer dem Gesandten gehorcht, gehorcht auchGott.“ (Koran 4: 80)
Also gehört der Gehorsam zum Propheten zum Gehorsam Gottes und ist ein Ausdruck, dass Gott den Menschen liebt. Die Segenswünsche an den Propheten sind ein imanischer Ausdruck der Verbundenheit des Muslims mit seinem Herrn.
Jedes Geschehen auf der Welt ist ein Ausdruck von Gottes Willenskraft. Zur Schönheit des Nachdenkens über die Sira und ihre Geschehnisse gehört es diese Anwesenheit des Schöpfers im Verlauf der Sira zu spüren. Hierbei verinnerlicht der Gläubige die Aussage Allahs:
„Er ist es, der im Himmel Gott ist und der auf
Erden Gott ist. Er ist der Weise, der Wissende.“
(Koran 43: 84)
Die meisten Taten des Propheten waren von Gott offenbart und von Ihm geplant.
Während wir die Sira des Propheten lesen, werden wir merken, wie die Verse und Suren vor, während oder nach jedem Ereignis offenbart wurden.
Lesen wir die Sira mit diesem imanisch-spirituellen Bewusstsein und betrachte wir alles was war und ist als von Gott gewollt, nur dann können wir die Biographie des Propheten als ein schönes Gemälde von der Hand Gottes wahrnehmen.
Allah bezeichnet seinen Gesandten als Prophet der Barmherzigkeit. Er ist wie der Regen, der die Erde ernährt, pflanzt und belebt. So hat der Prophet die Erde mit dem Himmel verbunden und er ist so barmherzig wie es der Regen mit der Erde ist.
„O ihr, die ihr glaubt! Schenkt Gott und seinem
Gesandten Gehör, wenn er euch zu etwas aufruft,
was euch Leben spendet!“ (Koran 8: 24)
Der Prophet hat durch sein Licht und zahlreichen Bemühungen viele tote Herzen widerbelebt. Das prophetische Licht bewirke in vielen Herzen einen Moment der Wachsamkeit und schenke vielen ein „neues“ Leben. Im Koran heißt es:
„Ist denn jemand, der tot war und den wir wieder
lebendig machten und dem wir ein Licht machten,
mit dem er unter Menschen wandelt, ist der
wie jemand, der in Finsternissen ist, aus denen er
nicht herauskommt? So erscheint den Ungläubigen
in bestem Licht, was sie je taten.“ (Koran 6: 122)
Der Mensch wurde widerbelebet, so dass die Herzen wachsam wurden und die menschliche Seele die göttlichen Lichter erblicken konnte. Dieses Licht kann nur von Gott sein.
„Und wem Gott kein Licht macht, der hat kein
Licht.“ (Koran 24: 40)
Wer kein Licht hat, dessen Herzen sind in Finsternis, Rückständigkeit und Unwissenheit versunken. Der Prophet hat den Verstand mit der Religion verknüpft, in dem er in einem Hadith (dt. Überlieferung) sagte: „Wer keinen Verstand hat, hat keinen Glauben. Wer keinen Glauben hat, hat keinen Verstand. Der Glaube ist lediglich der Verstand.“
Somit ist der islamische Glaube ein Glaube mit Verstand. Bei vielen Gottesdiensten wird vorausgesetzt, dass man „Aqil“ ist – das heißt eine ausreichende Reife und einen Verstand hat. In einem weiteren Hadith sagte der Prophet: „Eine Stunde nachzudenken ist besser als ein Jahr lang Gottesdienste zu verrichten.“
Das bestätigt, wie essenziell unser Verstand für unseren Glauben ist. Gott möchte, dass die Menschen ihren Verstand verwenden und anwenden, um den Koran zu verstehen.
„Wollen sie denn den Koran nicht genau bedenken?Oder sind ihre Herzen verriegelt?“ (Koran 47: 24)
Die Weisheit und Scharfsinnigkeit sind im Islam ein hohes Gut, das jeder Mensch als eine wertvolle Gabe Gottes verstehen sollte.
„Er gibt Weisheit, wem er will, und wem Weisheitgegeben wird, dem wird viel Gutes gegeben.
Doch nur die Einsichtsvollen lassen sich ermahnen.“(Koran 2: 269)
Die Weisheit ist die höchste Stufe des Verstandes, und wird als das beste Gut betrachtet.
Mit der Offenbarung des ersten Wortes „Iqraa“ wurde ein Tor für eine neue Epoche des Wissens durch den Islam und durch die Botschaft Muhammads eröffnet. Deshalb richtet sich der Koran an verschiedenen Stellen an die Menschen und fragt: Denkt ihr nicht nach? Habt ihr keinen Verstand? Der Koran fordert die Menschen dazu auf nachzudenken, zu reflektieren und kritisch zu sein.
„Kein Zwang ist in der Religion.“
(Koran 2: 256)
Ist das nicht eine eindeutige Akzentuierung des menschlichen Verstands und die Notwendigkeit seiner Anwendung? Dass es im Glauben keinen Zwang gibt, ist ein Grundwert und ein wichtiger Aspekt für das islamische Verständnis der Glaubensfreiheit.
Mit diesem koranischen Prinzip und diesem Verständnis geht es nicht nur um eine Verwurzelung von Freiheit im Islam oder um islamische Friedensbildung, sondern auch um die Anerkennung, dass das Glauben eine Herzensangelegenheit ist, die nur von Herzen kommen kann. Unser Glauben ist eine persönliche Entscheidung, die nur durch die eigene Überzeugung durchgeführt und gelebt werden kann. Der Islam versteht sich als Religion der „Fitra“ - eine Religion, die mit der menschlichen Natur und dem Verstand kompatibel ist.
Weiters heißt es im Koran:
„Willst du die Menschen etwa zwingen, dass siegläubig werden?“ (Koran 10: 99)
Eine Mahnung an den Gesandten und an jeden Menschen, der denkt oder es sich erlaubt andere Menschen zu einem Glauben - auch wenn es der eigene ist - zu zwingen. Das widerspricht dem Koran und den Lehren des Gesandten.
Der Koran fördert den Dialog zwischen den Religionen.
„Und streitet nicht mit dem Volk der Schrift; es
sei denn auf die beste Art und Weise.“
(Koran 29: 46)
Was unseren Glauben betrifft, wird dies in Sure 18 näher beleuchtet.
Alle Glaubensstätte (Kirchen, Synagogen, Tempeln uvw.) sind im Islam genauso heilig, wie die Moscheen und gehören respektiert und beschützt.
Bekanntlich bringt jeder Prophet und Gesandter Gottes ein Wunder mit sich, als Beweis für die Menschen und damit sie an ihn glauben. Diese Wunder waren und blieben effektiv, überschaubar und spürbar für die Menschen.
Die Wunder, die der Prophet mitgebracht sind zwei:
1. Der Koran: Dieses wunderbare Buch, wird von Muslimen ihr Leben lang gelesen, ohne dabei beim Lesen oder Anhören Langeweile zu spüren und jedes Mal entdeckt der Mensch neue Bedeutungen. Der Koran ist immer aktuell auch wenn er vor über 1400 Jahren offenbart wurde. Das zeigt wie lebendig die Wörter Gottes sind.
2. Der Prophet konnte aus dem beduinischen, rückständigen Milieu eine Zivilisation etablieren und vorantreiben, von der die gesamte Menschheit im Laufe der Zeit profitiert hat. In 20 Jahren wurde eine Kultur und Zivilisation gegründet, die zur damaligen Zeit in der Frage der Menschenrechte und Menschenwürde eine Vorreiterrolle hatte.
Der Islam ist eine Religion sowie eine humanistische Zivilisation, in der die seelischen und moralischen Werte im Vordergrund stehen. Toleranz und Liebe sind zwei Grundpfeiler und sind in jeder Angelegenheit übergeordnet. Alles was der Islam versuchte, erzielte und brachte ist ein besseres Zusammenleben der Menschen und eine erlebbare Gerechtigkeit auf der Erde. Über die Botschaft Muhammads sagt Gott in seinem Buch:
„Und wir sandten dich nur aus Barmherzigkeit
zu den Weltbewohnern.“ (Koran 21: 107)
Ich bin zuversichtlich, dass die Muslime bewusster werden, wenn sie die Biographie des Propheten verstehen und Lehren daraus ziehen können. Dieses Buch leistet einen wichtigen Beitrag, um den Islam selbst nach dem Vorbild Muhammads erlebbar zu machen.
Erwähnenswert an dieser Stelle ist, dass ich kein eigenes Kapitel für die Achlaq (dt. Charakterzüge/Verhaltensweisen) des Propheten verfasst haben. Es reicht uns, dass der Himmel ihn gelobt hat.
„Du bist fürwahr von großer Tugend.“
(Koran 68: 4)
Allerdings möcht ich hier einige DenkerInnen und KünstlerInnen nennen, die weder muslimisch noch arabisch sind und ihre Meinung über den Gesandten äußerten. Die bekanntesten unter ihnen sind: Goethe, Lamartine und Tolstoy. Abschließend möchte ich eine Reise durch das Leben des Propheten mit euch machen. Ich freue mich, dich lieber Leser und dich liebe Leserin in den nächsten Seiten durch das Leben des Propheten zu führen.
2 Todesdatum nach Sonnendatum
3 Für den muslimischen Verfasser.
Historischer Überblick zur arabischen Halbinsel
Die kulturelle und soziale Lage
Wir finden in dieser kurzen Zusammenfassung eine genauere Beschreibung für die Lage der Araber vor dem Islam. Die Zusammenfassung zeigt uns religiöse und ethische Werte, die mit dem Aufkommen des Islam herangetreten sind. Jafar und seine Freunde sind unter den Ersten, die die prophetische Schule absolviert haben und somit auch ein lebendiges Beispiel für eine/-n MuslimIn zeigen. Es handelt sich hierbei um eine Gruppe von MuslimInnen, die nach Medina vor der Verfolgung Quraishs flüchteten.
Um ein vollständiges Bild zu schaffen, ist es notwendig in Kürze auf die kulturelle Seite und die Werte des vorislamischen Lebens einzugehen, über die Jafar in diesem Kontext nicht gesprochen hat. Vielleicht war es unpassend eine lange Darstellung über den Najashi zu präsentieren.
Es genügt einen Überblick über die allgemeinen Eigenschaften der arabischen Persönlichkeiten vor dem Islam zu haben. Hierbei geht es nicht um Ausnahmen, sondern um das allgemeine Bild. Trotz des sozialen Rückstandes und der Kriege, die unter den verschiedenen Sippen entstanden sind, hatten die arabischen Gesellschaften ethische und noble Charakterzüge, wie zum Beispiel Mut, Tapferkeit, Ehrlichkeit, Großzügigkeit, Hilfsbereitschaft uvm.
Viele OrientalistInnen können bestätigen, dass es eine Ehre war, Hilfsbereitschaft zu zeigen. Hilfsbereitschaft und das Gewähren von Schutz waren beispielsweise wertvolle und religionsneutrale Werte, die bereits vor dem Islam existierten.
Wenn eine Person Schutz vor Angriffe, zum Beispiel von den Beduinen suchte, dann musste ihr dies auch gewährt werden, unabhängig davon, welche Gefahren damit verbunden sein könnten. Das wird von vielen OrientalistInnen und Büchern bestätigt. Bereits vor dem Islam strebten die Araber nach Freiheit, was ein wichtiger spiritueller und ethischer Wert war. Die Freiheit ist eine menschliche Besonderheit und ein Grundbaustein für die menschliche Existenz, denn sie gehört zur Natur des Menschen. Der Mensch trägt in sich eine Würde und möchte über sich frei entscheiden. Der Mensch lehnt von Natur aus, jegliche Unterdrückung und Unterwerfung. Araber hatten bereits in der vorislamischen Zeit alle Arten der Tyrannei und Unterdrückung abgelehnt und sehnten sich nach Gerechtigkeit, Gleichheit und Freiheit.
Es gibt einen Zusammenhang zwischen der Schönheit und der Freiheit der Seele. Die Sprache ist das Mittel, wodurch sich der Mensch in seinem Inneren äußern kann. Aus diesem Grund waren die Araber auch sehr stolz auf ihre Sprache und derer Bemächtigung. Sie schätzten den Wert des Wortes, das mit den Werten der Schönheit und der Freiheit verknüpft war. Sie pflegten als Tradition einen Sprachwettbewerb zu den schönsten Worten und Gedichten zu veranstalten. Die Gewinner des Wettbewerbes hängten ihre schönen Worte an die Kaaba. Diese waren wie heilige Worte und nette Gesten, als eine Art von Unterstützung für die Kunst und die Schönheit.
Zählt nicht der hohe Respekt der Araber für die Sprache, Kunst und Dichtung seit der vorislamischen Zeit als ein wichtiges kulturelles Zeichen und als einen hohen Zivilisationswert?
Ist das nicht ein Zeichen des Strebens nach Würde und Freiheit? Wir werden in den folgenden Seiten mehr über diese wunderbaren humanistischen Werte und Eigenschaften erfahren, über die die Welt staunte. Durch ihnen und durch den Islam etablierten die Araber eine Kultur und eine Zivilisation für die Menschen, die ebenso die Welt faszinierte – alles durch den Glauben.
Das heilige Mekka
