Raintaler ermittelt - Michael Gerwien - E-Book

Raintaler ermittelt E-Book

Michael Gerwien

4,0

Beschreibung

Ob auf dem Land oder in der Landeshauptstadt, ob im Bayerischen Wald oder in den Alpen. Im weiß-blauen Urlaubsland wird gemordet, gestohlen und betrogen. Gott sei Dank nimmt sich der gewiefte Exkommissar Max Raintaler aus München der Sache an. Blicken Sie ihm bei seiner spannenden Arbeit über die Schulter. Werden Sie Augenzeuge von 30 verzwickten Kriminalfällen vom Alpenkamm bis zum Arber. Finden Sie gemeinsam mit Max Raintaler heraus, wer der Täter ist!

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Michael Gerwien

Raintaler ermittelt

30 Rätsel-Krimis

Impressum

Personen und Handlung sind frei erfunden.

Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen

sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Besuchen Sie uns im Internet:

www.gmeiner-verlag.de

© 2013 – Gmeiner-Verlag GmbH

Im Ehnried 5, 88605 Meßkirch

Telefon 0 75 75 / 20 95 - 0

[email protected]

Alle Rechte vorbehalten

Lektorat: Sven Lang

Herstellung: Julia Franze

E-Book: Mirjam Hecht

Umschlaggestaltung: U.O.R.G. Lutz Eberle, Stuttgart

unter Verwendung eines Fotos von: © robert6666 – Fotolia.com

ISBN 978-3-8392-4214-8

Isarcowboys

»Was ist denn passiert?«, fragte der blonde Münchner Exkommissar und jetzige Privatdetektiv Max Raintaler. Die Bewohner der Westernstadt im Süden von München standen aufgeregt schwatzend und gestikulierend im Kreis vor dem Eingang zu ihrem Cowboyklub. Er blickte sie neugierig an.

»Da!« Eine Frau in einem hellbraunen, mit Perlen verzierten Hirschlederkleid, der traditionellen Tracht der Prärie-Indianer, deutete auf den Boden seitlich von ihr.

»Wo?« Max konnte nichts entdecken. Er stieg von seinem Fahrrad, mit dem er gerade auf seiner morgendlichen Trainingsrunde unterwegs war, und stellte es an der kleinen Birke hinter sich ab.

»Na hier.« Ein übergewichtiger, aggressiv dreinschauender Mann mit langem schwarzem Vollbart und einem immens großen Cowboyhut auf dem Kopf trat beiseite. Er gab dabei den Blick auf einen am Boden liegenden jungen Burschen in Jeans und T-Shirt frei. Aus einer Wunde in seiner rechten Schläfe, circa daumenlang, rann dunkles Blut auf den Kiesboden.

»Ein Radlunfall?« Max’ stahlblaue Augen blickten fragend in die Runde.

»Schaut ganz so aus«, meinte der Bärtige, der sich ihm als Josef Bruckstätter vorstellte, und reichte ihm die Hand. »Der Bursche war schon ein paar Mal hier bei uns. Keiner hat ihn so recht gemocht, weil er alle Frauen angemacht hat. Sogar meine Maria.« Er zeigte auf die große gut aussehende Frau im Kostüm eines Saloon-Girls neben sich. »Sein Rad liegt da drüben im Gebüsch. Verflixt, und das genau an unserem Tag der offenen Tür. Heute sollte ein großes Fest stattfinden. Da traut sich doch jetzt niemand in unsere kleine Westernstadt hinein.« Er schüttelte ärgerlich den Kopf.

»Hat jemand schon einen Rettungswagen und die Polizei gerufen?«, wollte Max wissen, der sich neben den Verletzten gekniet hatte und gerade versuchte, dessen Puls zu ertasten. Nichts.

»Rudi hat dort angerufen.« Irmi, die Frau im Indianerkostüm, zeigte neben sich auf den muskulösen langhaarigen Mann in der Tracht vom Stamm der Sioux. Die Adlerfeder auf seinem Kopf schien seit einigen Jahren in Gebrauch zu sein, so zerzaust wie sie war. »Die müssten jeden Moment da sein.«

»Und Ferdl hat den Burschen gefunden.« Rudi zeigte auf einen kleinen drahtigen Sheriff am rechten äußeren Rand der Gruppe.

Er hatte seinen Arm um eine junge Frau in einem Blumenmusterkleid gelegt, war unrasiert, trug ein verschwitztes Hemd und einen abgerissenen verbeulten Hut. Seine Hosen hingen ihm in den Kniekehlen. Der Revolver an seiner linken Seite sah täuschend echt aus. Wahrscheinlich ist er sogar echt, dachte Max.

»Dann tun Sie uns allen jetzt bitte erst mal einen Gefallen und gehen Sie in Ihr kleines Westerndorf. Sie verwischen hier sonst noch sämtliche Spuren.« Max begann mit Wiederbelebungsversuchen am Opfer. Vergebens, der Körper des jungen Mannes regte sich nicht. Kein Atem, auch kein Puls.

Als der Notarzt und die Streife eintrafen, gab er ihnen einen kurzen Bericht über das, was er wusste. Dann entfernte er sich ebenfalls ein Stück weit von dem Toten, um den Tatort nicht noch mehr mit seinen Spuren zu verunreinigen.

Kurze Zeit später kamen die Männer von der Forensik und Max’ Exkollege bei der Kripo, Franz Wurmdobler, mit Blaulicht angesaust.

Hatten die Uniformierten ihnen Bescheid gesagt? Also doch ein Mord? Max begrüßte Franz und ging mit ihm zusammen zur Leiche.

»Was haben Sie für mich, Doktor?«, wandte sich Franz an den Mann in der Notarztjacke.

»Schädelbruch«, erwiderte er. »Der Mann muss einen kräftigen Schlag auf seine Schläfe abbekommen haben.«

»Kein Sturz mit dem Fahrrad?«, erkundigte sich Max.

»Eher nicht. Ich kann auch keinen größeren Stein in der Nähe entdecken. Der Art der Wunde nach müsste der Schlag von vorn erfolgt sein. Mit einem Hammer oder etwas in der Art. Das Ganze dürfte vor circa einer Stunde passiert sein.«

»Irgendwelche Hinweise auf den Täter?«

»Leider nicht. Außer den kleinen Federn die überall um den Toten herumliegen. Sie könnten von einem Adler stammen.«

»Da war vorhin so ein kräftiger Bursche im Indianerkostüm«, erinnerte sich Max. »Rudi heißt er. Die Federn könnten von seinem Kopfschmuck stammen, der sah reichlich gerupft aus.«

»Na also, da haben wir doch schon unseren Täter«, stieß Franz erfreut hervor. »Das Opfer und er haben gerauft und dabei hat er Federn gelassen. Klare Sache. Bestimmt hat er auch so ein Kriegsbeil, wie es die Indianer immer bei sich haben. Nichts wie hin und verhaften, den Burschen.«

»Langsam, Franzi. Ich glaube nicht, dass er es war. Ich habe da einen ganz anderen Verdacht.« Max kratzte sich nachdenklich am Hinterkopf. »Die haben hier so einen kleinen unrasierten Dorfsheriff. Wenn du mich fragst, war es der.«

»Wie kommst du denn darauf?« Franz staunte nicht schlecht. Selbst wenn der Fall bereits entschieden zu sein schien, Max hatte immer noch ein kleines Ass im Ärmel. Das hatte ihn schon zu gemeinsamen Kripozeiten ausgezeichnet.

Wie kam Max darauf, dass es der Sheriff war?

Lösung

Die Wunde des Toten war an seiner rechten Schläfe. Also musste ihn ein Linkshänder geschlagen haben, wenn der Schlag so, wie der Notarzt es gesagt hatte, von vorn ausgeführt wurde. Der Sheriff trägt seinen Revolver auf der linken Seite und ist somit sicher Linkshänder.

Dicker Fisch im Walchensee

»Schau mal da vorn, Max. Da liegt doch einer. Oder nicht?« Josef zeigte auf den reglosen Körper, der gute 20 Meter von ihnen entfernt im Wasser vor einem kleinen Gebüsch am Ufer lag. Es sah ganz so aus, als wäre er hier angetrieben worden.

Den langen blonden Haaren und dem Körperbau nach musste es sich um eine Frau handeln. Max ruderte so schnell er konnte auf sie zu.

Eigentlich war Max mit seinem alten Freund und Mannschaftskollegen vom FC Kneipenluft zum Angeln hergekommen. Seeforelle, Saibling und Renke vom Boot aus. Bereits um halb fünf waren sie mit ihrem Angelzeug und einem Kasten Bier zu Hause losgefahren, frei nach dem Motto ›der frühe Münchner fängt den Fisch‹. Dass ihnen dabei ein derart dicker Fang ins Netz gehen würde, hatten sie natürlich nicht erwartet.

Als sie neben der leblosen Gestalt ans Ufer stiegen, schoben sie zuerst mit vereinten Kräften ihr Boot ein Stück weit aus dem Wasser hinaus, damit es sich bei dem starken Föhn, der laut Wetterbericht den ganzen Tag anhalten sollte, nicht Richtung Kochelsee selbstständig machen konnte. Dann ging Max auf sie zu, zog sie aus dem Wasser und drehte sie vorsichtig auf den Rücken. Tatsächlich, es war eine Frau. Um ganz genau zu sein, eine mausetote Frau. Ihrem nahezu intakten Äußeren nach konnte sie noch nicht sehr lange hier im Wasser liegen. Aber offenbar lange genug, um nicht mehr wiederbelebt werden zu können, wie er nach zehn Minuten Herzmassage und Beatmung erschöpft und frustriert feststellen musste.

Josef hatte in der Zwischenzeit einen Krankenwagen und die Kollegen von der örtlichen Polizei angerufen und sie in Max’ Auftrag gebeten, neben einem Notarzt auch die Spurensicherung aus Garmisch mitzubringen, weil es sich vielleicht um ein Verbrechen handeln könnte. Für diese Vermutung gab es zwar keinen unmittelbaren Anlass, wie zum Beispiel eine sichtbare Verletzung. Aber wer in drei Teufels Namen ging denn in aller Herrgottsfrühe mit Jeans, Sweatshirt und Turnschuhen bekleidet in 15 Grad kaltem Wasser schwimmen? Da müsste es sich schon um eine äußerst exzentrische Persönlichkeit handeln.

Noch bevor die Polizei eintraf, kam eine Gruppe Urlauber aus der Richtung des Campingplatzes, der einige hundert Meter südlich von ihnen lag, auf Max und Josef zu.

»Was ist denn passiert?«, wollte eine kleine Rothaarige mit einem Wanderrucksack wissen.

»Eine Frau, wahrscheinlich ertrunken«, erwiderte Max, der den bunt zusammengewürfelten Haufen abhalten wollte, sich der Fundstelle zu nähern. »Nichts, was sich für Sie zu sehen lohnen würde.«

»Eine Frau? Ertrunken?« Ein Mann, der seinem Akzent nach aus der Hamburger Gegend kommen musste, riss erschrocken die Augen auf. »Ist sie blond?«

»Ja, ist sie. Vermissen Sie denn jemanden?« Max sah ihn neugierig an.

»Ja, Rebekka, meine Freundin. Als ich heute Morgen in unserem Zelt aufwachte, war sie verschwunden. Ich dachte die ganze Zeit über, sie wäre beim Brötchen holen. Sie kann nicht schwimmen.« Der Mann schluckte aufgeregt. »Darf ich sie sehen? Ich meine, wenn es wirklich Rebekka ist …« Er griff sich nervös an den Hals, während er Max mit einem bangen Blick bedachte.

»Na gut, von mir aus. Aber die anderen bleiben hier.« Max führte ihn zur Fundstelle der Leiche, wo sich Josef inzwischen in den Kies gesetzt hatte und nachdenklich aufs Wasser hinaus starrte. »Wie heißen Sie eigentlich?«

»Rainer. Rainer Steinbeck.« Er schaute auf die Tote hinunter. »Das … ist sie. Das ist meine Rebekka. Ist sie wirklich tot? Bitte nicht. Sagen Sie, dass das nicht stimmt.« Der lange Blonde aus dem hohen Norden wurde kreidebleich. Er begann zu zittern. Dennoch machte er einen relativ gefassten Eindruck auf Max.

Typisch Hamburger, dachte der. Die sind ja bekanntermaßen alle so steif. Können wohl generell keine Gefühle zeigen, die Pfeffersäcke. »Ja, leider«, brummte er dann. »Wann genau sie das Zelt verlassen hat, wissen Sie nicht?«

»Nein. Oh Gott, meine Rebekka. Haben Sie einen Arzt gerufen? Vielleicht kann man ihr noch helfen.« Die gerade noch so glatt poliert wirkende Fassade des Blonden bekam deutliche Risse. Er ließ sich kraftlos auf den Boden sinken und weinte hemmungslos.

»Der Arzt müsste jeden Moment da sein. Genau wie die Polizei.« Max packte seinen Arm und half ihm wieder hoch. »Kommen Sie. Wir gehen zu den anderen. Das hier ist kein schöner Anblick.« Er begleitete ihn zu seiner Gruppe zurück.

»Was ist los, Rainer?«, erkundigte sich ein nahezu glatzköpfiger älterer Herr mit einem Fernglas um den Hals, als sie bei ihnen ankamen. »Ist es Rebekka?«

»Ja, Vater. Sie ist es. Sieht so aus, als wäre sie wirklich ertrunken und dieser Herr hier hat sie zusammen mit seinem Freund gefunden.« Rainer nickte Max mit Tränen in den Augen zu.

»Aber wie kann sie denn ertrinken? Bei diesen Temperaturen geht man doch nicht ins Wasser.« Die kleine Rothaarige schüttelte den Kopf. »Ja, um Himmels willen!«

»Wahrscheinlich ist sie reingefallen«, meinte eine junge Brünette, die mitfühlend den Arm um Rainers Schulter gelegt hatte. »Sie war nördlich von hier beim Joggen. Dabei muss sie direkt vom Ufer abgerutscht sein. Dort oben geht es ziemlich steil rein. Das ist nicht ungefährlich.«

»Mein Gott, die arme Rebekka. Sie war doch noch so jung.« Rainers Vater schaute fassungslos auf das Wasser hinaus.

»Gut, ich war nicht gerade ihre beste Freundin«, meldete sich eine pummelige Blondine an seiner Seite zu Wort, die Rainers Mutter sein musste. »Gerade weil sie letzten Herbst das Techtelmechtel mit Harald von nebenan hatte.« Sie sah Rainer mitfühlend an. »Tut mir leid, dass ich das jetzt doch sagen muss, mein Junge. Aber dass sie stirbt, hätte ich ihr niemals gewünscht. Niemals.« Sie zückte ein Papiertaschentuch und schnäuzte sich.

»Mir geht es genauso«, meinte die kleine Rothaarige. »Rebekka hat ja auch mal meinen Gotthold angebaggert. Aber deswegen wünscht man doch niemandem den Tod.«

»Ich möchte Sie nun alle bitten, zum Campingplatz zurückzugehen.« Max setzte ein entschlossenes Gesicht auf. »Und Sie, junge Frau, bleiben bitte bei mir und warten mit mir gemeinsam auf die Polizei. Ich bin mir sicher, dass Sie Rebekka umgebracht haben.« Er zeigte auf die junge Brünette, die neben Rainer stand.

Wie kam Max darauf, dass es die junge Brünette war?

Lösung

Zum einen war die Brünette sehr bemüht um Rainer, legte den Arm um ihn, was den Verdacht nahe legt, dass er ihr mehr bedeutet. Dann hat sie gesagt, Rebekka wäre nördlich vom momentanen Standpunkt und Fundort der Leiche beim Joggen gewesen. Wäre Rebekka aber wirklich am steilen Nordufer in den See gerutscht, hätte ihr Körper aufgrund des starken Föhns niemals die südliche Uferseite erreicht, denn der weht bekanntlich aus dem Süden.

Randale in Untergiesing

»Servus, Leute. Wer von euch war das mit den Aufklebern an dem Laden ums Eck? Jetzt sagt es schon. Wisst ihr eigentlich, was für eine Mühe es ist, das ganze Zeug wieder herunterkratzen zu lassen? Das kostet richtig Geld.« Exkommissar Max Raintaler stand vor einer singenden, trinkenden und krakeelenden Horde von jungen und alten Männern auf dem neu gestalteten Hans-Mielich-Platz.

Den Schals nach, die ein paar von ihnen um den Hals trugen, handelte es sich ganz eindeutig um auswärtige Fußballfans. Wie kommen diese Hamburger bloß hierher nach Untergiesing?, fragte er sich. Die Allianzarena ist doch am anderen Ende der Stadt.

Seine alte Freundin Hanni Wachtmeier hatte ihn gerade auf dem Handy angerufen, weil sie sich nicht mehr zu helfen gewusst hatte. Max war natürlich sofort von seinem halb leeren Bier beim Griechen hinter dem Bahndamm aufgestanden und zu ihr herübergeeilt, um sich die Bescherung genauer anzusehen. Das gesamte Schaufenster ihrer Untergiesinger Metzgerei gleich ums Eck vom Hans-Mielich-Platz war von viereckigen Aufklebern mit der Aufschrift ›Fleisch macht dumm‹ übersät. Sie meinte von ihrer Wohnung im zweiten Stock aus ein Mitglied der lautstarken Gruppe dabei beobachtet zu haben, wie er sie vor einer halben Stunde dorthin geklebt hatte. Aber sicher war sie sich nicht. Schließlich war es halb zehn und fast dunkel.

»Keiner war’s. Das hat die blöde Schlampe schon selbst gemacht«, plärrte ein stark angetrunkener, kurzgeschorener Mann, während er auf Max zuwankte.

»Hey, einen anständigen Ton, bitte. Sonst geht es hier gleich ganz anders weiter. Das verspreche ich euch.« Max baute sich zu voller Größe auf.

»Wer sagt das?«, erkundigte sich ein Riese mit volltätowierten Armen.

»Ich.« Max machte sich noch ein Stück größer.

»Und wer bist du? Der Terminator?« Der Tätowierte blickte verduzt über so viel Chuzpe eines Einzelnen gegenüber einer Truppe von Schwergewichten drein.

»Wer bist du denn?«

»Ich bin Paul Berger aus Hamburg.« Er trat einen Schritt näher.

»Angenehm, Paul. Max Raintaler aus Thalkirchen.« Max reichte ihm die Hand.

»Hey Leute, unser Mäxchen hier meint, dass einer von uns irgendwelche Aufkleber irgendwohin geklebt hat.« Paul drehte sich zu den anderen um.

»Blödsinn!«, kam es zurück.

»Totaler Quatsch!«

»Was für Aufkleber denn? Wir haben doch gar keine.«

»Jemand hat massenhaft Aufkleber mit ›Fleisch macht dumm‹ auf das Schaufenster der Metzgerei ums Eck geklebt.« Max machte ein ernstes Gesicht.

»Echt?« Ein langbeiniger blonder Jüngling mit dem Ho-Chi-Minh-Bärtchen rechts von Paul schaute Max ungläubig an. »Wieso sollten wir das tun? Ich zum Beispiel liebe Fleisch.«

»Ich auch«, meldete sich ein langhaariger Mann in den mittleren Jahren zu Wort, der einen beträchtlichen Bauch vor sich herschob. »Das sieht man doch.«

»Trotzdem. Die Besitzerin des Ladens meint, einen von euch dabei beobachtet zu haben.« Max sah forschend in die Runde.

Das Grölen und Singen hatte aufgehört. Alle Anwesenden lauschten, was hier wohl gerade passierte.

»Vielleicht war sie es ja wirklich selbst und sucht nur einen Schuldigen«, meinte ein dunkelhaariger Don-Juan-Typ. »Ich zum Beispiel esse kein Fleisch, aber deswegen würde ich nie irgendwelche Aufkleber an Läden kleben.«

»Genau. Sie sucht sicher bloß einen Schuldigen«, schloss sich ein sichtlich betrunkener Glatzkopf der Meinung seines Vorredners an. »Und wir HSV-Fans müssen wieder dran glauben. Wie immer, wenn in München nach dem Spiel etwas passiert.«

»Was hätte das denn für einen Sinn, wenn sie solche Aufkleber an ihr eigenes Schaufenster klebt?« Max tippte sich an die Stirn.

»Versicherung?« Der Blonde mit dem Ho-Chi-Minh-Bärtchen zuckte mit den Achseln.

»Geh, so ein Schmarrn.« Max schüttelte nur den Kopf.

»Kann gar nicht sein, dass das einer von uns war«, mischte sich ein grauhaariger älterer Herr mit Jeansjacke ins Gespräch. »Von uns hat keiner solche Aufkleber. Wenn überhaupt, haben wir nur unsere HSV-Aufkleber. Aber die kleben wir nicht an Schaufenster, sondern dorthin, wo sie nicht stören.«

»Natürlich tut ihr das. Ich glaube jedes einzelne Wort.« Max grinste höhnisch. »Aber Spaß beiseite. Das ist wirklich ein beträchtlicher Schaden, den einer von euch hier verursacht hat. Und ich weiß sogar, wer es war.«

Wissen Sie es auch?

Lösung

Es kann nur der stark angetrunkene Mann vom Anfang gewesen sein. Er sagte: »Keiner war’s. Das hat die blöde Schlampe schon selbst gemacht.« Woher konnte er zu dem Zeitpunkt wissen, dass die Besitzerin der Metzgerei eine Frau war? Es war Abend und der Laden war längst geschlossen. Er war also offenbar der Einzige der Gruppe, der sie kannte.

Gespenster im Bayerischen Wald