Realitätsverschiebung Zwischen den Welten - Michael Kanitz - E-Book

Realitätsverschiebung Zwischen den Welten E-Book

Michael Kanitz

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Beschreibung

Was bleibt, wenn die Realität zerbricht? Der Autor erzählt schonungslos offen von seinem Weg durch Depression, Sucht, Trauma und Psychose. Seine Geschichte führt mitten hinein in einen Strudel aus Stimmen, Wahn und Dunkelheit - und wieder hinaus, Schritt für Schritt, auf der Suche nach Normalität und einem Neuanfang Eine Reise durch Abgründe und Brüche, aber auch ein Zeugnis von Mut und der leisen Kraft, neu zu beginnen.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 46

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Contents

cover

Texte:

© Copyright by Michael Kanitz

Umschlaggestaltung:

© Copyright by Michael Kanitz

Herstellung: epubli – ein Service der neopubli GmbH,

Köpenicker Straße 154a, 10997 Berlin

Kontaktadresse nach EU-Produktsicherheitsverordnung: 

[email protected]

Realitätsverschiebung

Zwischen den Welten

von

Michael Kanitz

Triggerwarnung

Dieses Buch enthält sehr persönliche Schilderungen von psychischen Krisen. Dazu gehören Themen wie Depression, Angst, Alkoholmissbrauch, Selbstverletzung, Suizidgedanken, Psychosen und die Erinnerung an traumatische Erfahrungen.

Die Beschreibungen sind bewusst direkt und emotional gehalten, um spürbar zu machen, wie es sich anfühlt, in solchen Zuständen zu leben. Für manche Leser*innen können diese Inhalte belastend oder triggernd wirken.

Bitte achte gut auf dich, während du liest. Wenn du merkst, dass dich bestimmte Passagen zu stark berühren oder überfordern, gönn dir Pausen oder überspringe Abschnitte.

Falls du selbst gerade in einer akuten Krise bist, dich mit Suizidgedanken trägst oder dich überwältigt fühlst: Bitte zögere nicht, dir Unterstützung zu holen. Sprich mit vertrauten Menschen, wende dich an Fachpersonal oder an telefonische Hilfsangebote in deinem Land (z. B. in Deutschland: Telefonseelsorge 0800–1110111 oder 0800–1110222).

Kapitel 1

-Heile Welt-

Manche Menschen sagen, nach dem Klinikaufenthalt fängt das „richtige Leben“ an.

Ich glaubte das auch.

Oder besser gesagt:

Ich wollte es glauben.

Ich war draußen, angeblich stabil, angeblich bereit für alles, was das Leben bereithielt.

Und ich hatte sogar einen Plan:

Ausbildung anfangen. Nicht weiter auffallen. Mitziehen. Und endlich irgendwo dazugehören.

Einfach mal normal sein.

Das war mein Ziel.

Klingt simpel. War es aber nicht.

Die ersten Monate liefen erstaunlich gut.

Ich stand morgens auf, meistens sogar pünktlich.

Ich ging arbeiten, saß zwischen anderen,

trank meinen Kaffee, lächelte, wenn jemand flach witzelte.

2 ½ Jahre lang funktionierte ich -

jedenfalls nach außen.

Keiner sah, wie viel Kraft das alles kostete.

Ich war dabei, ja.

Aber immer so, als würde ich durch eine Glasscheibe zusehen.

Ich machte mit, aber innerlich war ich nie wirklich angekommen.

Dann kam er - leise, aber zäh:

der Einbruch.

Nicht als Knall, nicht als großes Drama.

Es war ein ständiges Tropfen.

Ein Tropfen Müdigkeit.

Ein Tropfen Erschöpfung.

Ein Tropfen innerer Widerstand gegen alles.

Irgendwann war das Glas voll.

Zuerst waren es nur ein paar Fehltage.

Dann Krankschreibungen im Wochenrhythmus.

Die Diagnose war ein sich wandelnder Etikettenwechsel:

„Erschöpfungssymptome“,

„depressive Episode“,

„Unfähigkeit zur sozialen Teilhabe“.

Ich sammelte diese Begriffe wie alte Rechnungen - man weiß, man müsste sie irgendwann

wegwerfen, aber sie stapeln sich trotzdem weiter.

Ich schämte mich.

Fürs Versagen.

Für die Lücken im Lebenslauf.

Ich fing an, Termine zu vermeiden.

Gespräche aus dem Weg zu gehen.

Ich ging nicht mehr raus, weil ich irgendwann einfach nicht mehr wusste, wie man das macht

- unter Menschen sein.

Die Wohnung wurde zum Rückzugsort.

Und zur Falle.

Der Tag bestand aus Bett, Sofa, Küche, wieder Bett.

Der Wochentag war irrelevant.

Es gab nur noch hell und dunkel.

Ich schob die Rollläden oft runter, damit man draußen nicht sehen konnte, dass ich auch um 14 Uhr noch nicht wirklich wach war.

„Ich erhole mich nur kurz“, sagte ich mir.

Aber aus Tagen wurden Wochen.

Und aus Wochen ein Zustand.

Am Ende stand der Abbruch.

Meine Ausbildung?

Offiziell beendet.

Inoffiziell: gescheitert.

Das Leben?

Unentschlossen, ob es mir noch eine Chance geben wollte.

Ich sagte, ich brauche Luftveränderung.

Ich sagte, München sei zu groß, zu laut, zu viel.

Ich sagte, Magdeburg sei „Heimat“.

Was ich nicht sagte:

Ich floh.

Ich wollte verschwinden.

Ich wollte, dass mich niemand mehr sieht.

Zurück in Magdeburg.

Gleiche Stadt, gleiches Grau, aber ein anderes Ich.

Nichts fühlte sich vertraut an.

Und alles fühlte sich falsch an.

Ich kannte niemanden mehr, und niemand kannte mich.

Vielleicht war das sogar gut so.

Aber der Neuanfang war eine Lüge.

Ich war nicht bereit, irgendetwas neu zu beginnen.

Ich wollte einfach nur: dass es aufhört.

Ich schaffte es noch, eine kleine Wohnung zu beziehen - irgendwo am Rand der Stadt.

Ein Bett, ein Tisch, ein Kühlschrank, ein Fernseher, den ich kaum anschaltete.

Der erste Einkauf war voller guter Vorsätze: Nudeln, Tomatensoße, ein Joghurt.

Ein paar Wochen später bestand mein Einkaufszettel fast nur noch aus:

Wodka. Orangensaft. Noch eine Flasche.

Irgendein billiger Scheiß.

Der Wodka war das Einzige, was irgendwann noch funktionierte.

Er war planbar.

Berechenbar.

Und er redete nicht zurück.

Zwei Gläser - und der innere Lärm wurde leiser.

Vier Gläser - und ich schlief irgendwann einfach weg.

Acht Gläser - und es war mir egal, ob ich wieder aufwache.

Ich begann, mich selbst zu verletzen.

Nicht dramatisch.

Nicht auffällig.

Schnitte, die man unter langen Ärmeln verstecken konnte.

Keine Botschaft an die Welt.

Kein Hilfeschrei.

Nur ein Moment, in dem ich wusste, dass ich noch einen Körper hatte.

Irgendetwas, das noch reagierte.

Und irgendwann lag ich nachts da, mit dem vertrauten Brennen auf der Haut, dem Wodka im Blut und diesem Wunsch:

Nicht mehr aufzuwachen.

Nicht morgen. Nicht übermorgen.

Nie wieder.

Ich sprach es nie laut aus.

Aber es war da.

Dieser Satz in meinem Kopf:

„Wenn ich einfach einschlafe und nicht mehr

aufwache… dann wäre das okay.“

Ich habe mich nicht umgebracht.

Ich weiß nicht, ob ich es nicht konnte oder

nicht wollte.

Vielleicht war es beides.

Vielleicht war da irgendwo noch ein Rest von mir, der ganz leise flüsterte:

„So kann es nicht weitergehen…

Kapitel 2

-Die Schwelle-

Ich weiß nicht mehr, welcher Tag es war.

Oder ob überhaupt ein Tag war.

Die Zeit hatte sich sowieso längst aufgelöst -

sie bestand nur noch aus Zuständen.

Aus „noch betrunken“,

„noch nicht betrunken genug“,

„kann nicht schlafen“,

„will nicht aufstehen“.

Aber irgendwann, mitten in diesem zähen Dämmerzustand, kam dieser Gedanke:

„So geht es nicht mehr.“

Nicht als Erkenntnis.

Mehr als Schlag.

Wie wenn man im Halbschlaf von etwas fällt, das man nicht sehen kann.