Rein wie ein Kristall - Lotte Matyssek - E-Book

Rein wie ein Kristall E-Book

Lotte Matyssek

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Beschreibung

Lotte Matyssek findet als junge Frau während der Kriegswirren der 1940er-Jahre ihre große Liebe. Aus dem heimatlichen Ruhrgebiet zieht sie in das damals noch von Deutschen besiedelte Schlesien. Doch sie ahnt nichts von den geheimnisvollen Verwicklungen, in die ihr Gatte verwickelt ist. "Rein wie ein Kristall" erzählt von einer Liebe, die stärker ist als der Krieg, stärker als Gefahr und schlussendlich auch stärker als der vermeintlich gesunde Menschenverstand sein mag. Ihre Erinnerungen leben von spannenden Erzählungen, von den Schilderungen der fast überirdisch anmutenden Liebe zu ihrem Ehemann. Mit berührender Ehrlichkeit berichtet sie von freudigen, aber auch leidvollen Jahren, schildert dramatische Begebenheiten, die viele nur aus den Geschichtsbüchern kennen, aus ihrer eigenen Sicht und zieht den Leser so in ihre eigene Lebenswelt.

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Seitenzahl: 56

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Lotte Matyssek

Rein wie ein

Kristall

Scholastika Verlag

Erschienen im Scholastika Verlag

Schulstraße 7a

83119 Obing

Tel: 0 86 24 / 87 97 01

www.scholastika-verlag.de

E-Mail: [email protected]

Zu beziehen in allen Buchhandlungen, im Scholastika Verlag und im Internet

1. Auflage Dezember 2014

ISBN 978-3-9815500-8-5

© bei Scholastika Verlag, C. Dannhoff

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fernsehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger jeder Art, auszugsweisen Nachdruck oder Einspeicherung und Rückgewinnung in Datenverarbeitungsanlagen aller Art, sind vorbehalten.

Gesamtherstellung: Rund ums Buch – Rudi Kern, Kirchheim/Teck

eBook-Erstellung: by windholz design, [email protected]

Vertrieb im In- und Ausland nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlegers.

Vorwort des Verlags

Wir sind der festen Überzeugung, dass es die Pflicht einer funktionierenden und fortschrittlichen Gesellschaft ist, stets auch die Vergangenheit im Sinn zu behalten. Nur wenn wir unsere Vergangenheit kennen, wenn wir aus den Fehlern von einst lernen und dennoch Hoffnung daraus ziehen, dass der Mensch alle Widrigkeiten überstehen kann, können wir tatsächlich nach vorne blicken.

Leider neigen wir als Gesellschaft ebenso dazu, den kleinen Mann aus dem Blick zu verlieren und uns stattdessen auf das große Ganze alleine zu fokussieren. Als junger Verlag haben ich und meine Mitarbeiter es uns genau deshalb zur Aufgabe gemacht, jene Einzelschicksale nach unseren Möglichkeiten für die Nachwelt zu bewahren. Wir versuchen, unbekannten Autoren ein Medium zu bieten, über das sie ihre bewegenden Lebensgeschichten für sich, aber vor allen Dingen auch für die Gemeinschaft aufzeichnen können.

Eine jener Geschichten möchten wir Ihnen besonders ans Herz legen.

Sie handelt von einer jungen Frau, die während der Kriegswirren der 1940er-Jahre ihre große Liebe findet. Aus dem heimatlichen Ruhrgebiet zieht Lotte Mattysek in das damals noch von Deutschen besiedelte Schlesien, wo ihr geliebter Ernst trotz der Entbehrungen des Krieges gut für seine junge Ehefrau sorgen kann. Doch Lotte ahnt nichts von den geheimnisvollen Verwicklungen im Untergrund, in die ihr Gatte verwickelt ist.

„Rein wie ein Kristall“ erzählt von einer Liebe, die stärker als der Krieg, stärker als Gefahr und schlussendlich auch stärker als der vermeintlich gesunde Menschenverstand sein mag. Es erzählt von einer Familie, die entgegen der allgemeinen Entwicklungen den Schritt gewagt hatte, nach dem Krieg als deutsche Familie nach Polen überzusiedeln. Und es erzählt von einer Familie, die regelrecht im Feuer geläutert und gestärkt wird, als Ernsts Taten während des Krieges ihn einzuholen drohen.

Unsere Autorin Lotte Mattysek hat nach vielen Jahrzehnten und wiederholtem Drängen ihrer Familie den Schritt gewagt, ihre Geschichte mit unserer Hilfe so akkurat und umfassend wie möglich zu Papier zu bringen. Ihre Erinnerungen leben von spannenden Erzählungen, von den Schilderungen der fast überirdisch anmutenden Liebe zu ihrem Ehemann. Mit berührender Ehrlichkeit berichtet sie von freudigen, aber auch leidvollen Jahren, schildert dramatische Begebenheiten, die viele nur aus den Geschichtsbüchern kennen, aus ihrer eigenen Sicht und zieht den Leser so in ihre eigene Lebenswelt. Und obwohl sie viel Traumatisches erleben und durchleben musste, bleibt das Motiv ihres Daseins doch folgendes: Die echte, aufrichtige Liebe – sei es zum Lebenspartner, zu den eigenen Kindern, zu Eltern oder zu Freunden – kann alle Widrigkeiten überstehen.

Prolog

Heute ist mein 90. Geburtstag – was für eine Zahl! Meine Kinder Ulla und Gisela haben schon Tage zuvor alles organisiert und vorbereitet, so dass ich meinen Ehrentag relativ entspannt verbringen konnte. Viel hätte ich aber ohnehin nicht machen können, bin ich doch nach einem Sturz erst vor wenigen Tagen aus der Reha wieder nach Hause gekommen. Davor hatte ich einige Wochen im Krankenhaus gelegen: Wie es bei alten Menschen leider oft kommt, musste ich nach meinem Sturz operiert werden. Nach dieser langen Genesungszeit bin ich nun aber wieder in meinen vier Wänden. Gott sei Dank!

Meine Enkelkinder sind ebenfalls anwesend. Nina und Nora bewirten fleißig die Gäste und Fabian mit seiner Freundin hat den Weg von der Schweiz hierher an den Bodensee auf sich genommen. Einzig meine Enkeltochter Laura kann heute nicht hier sein. Sie ging nach dem Studium für ein Jahr nach Amerika und kommt erst in einigen Monaten wieder zurück.

Freunde, Nachbarn und Bekannte gratulieren mir heute schon seit dem frühen Morgen. Das Telefon möchte kaum still stehen, und umso froher bin ich, dass ich mich auch hier immer auf meine Kinder und Enkelkinder verlassen kann.

Heiß ist es, was für einen sonnigen Tag Ende Mai nichts Ungewöhnliches ist, und dennoch kommen auch heute wieder so viele neugierige Fragen zu meiner Vergangenheit. Nina und Nora liegen mir schon lange in den Ohren, dass ich meine Lebensgeschichte niederschreiben sollte, und ich weiß nie so recht, wie ich darauf reagieren soll.

„Es wäre so schade, wenn du das nicht tust, Oma“, bekomme ich da häufig zu hören, und auch meine Kinder meinen, dass gerade die Menschen meiner Generation ihre Erlebnisse und Geschichten aufschreiben müssten. „Und deine ist ja wirklich mehr als interessant!“

Aber will ich das? Will ich wirklich nochmals zurückgehen, zurückblicken durch diese vielen Jahrzehnte, und alles erneut durchleben? Die Jugendzeit unter dem Nationalsozialismus, der entsetzliche Krieg, die Not und die Ängste um Leib und Leben?

Das Bangen um geliebte Menschen? Und nicht zuletzt die schwere Zeit nach dem Krieg?

Mag sein, dass meine Enkeltöchter Recht haben und solche Erlebnisse nicht verloren gehen dürfen, doch wie schwer es für mich ist, mich meinen Erinnerungen zum x-ten Mal zu stellen und lange verdrängte Gedanken wieder lebendig werden zu lassen, weiß nur jemand, dem es ähnlich erging.

Soll ich, oder soll ich nicht?

Ich glaube, ich fange ganz vorsichtig mal damit an, die ersten Gedanken niederzuschreiben. Und dann schauen wir, wie es mir dabei geht …

Kapitel 1

Am 26. Mai 1921 erblickte ich als erstes und einziges Kind meiner Eltern in Gevelsberg im südlichen Ruhrgebiet das Licht der Welt. Warum ich keine Geschwister hatte, habe ich niemals erfahren – über so etwas wurde damals ja auch nicht geredet!

Das Ruhrgebiet war in den zwanziger Jahren noch ganz anders als heute. In den Jahren vor und während des Weltkrieges hatte es sich den Ruf als „Waffenschmiede Deutschlands“ verdient. Besonders die Eisen- und Stahlindustrie war aufgeblüht, und welche Auswirkungen dies zusammen mit dem Kohlebergbau auf die Umwelt hatte, können Sie sich sicherlich vorstellen. Die Luft war vom Kohlestaub und den Industrieabgasen wirklich zum Schneiden und meine Mutter hat mir oft von Tagen erzählt, an denen sie keine Wäsche zum Trocknen ins Freie hatte hängen können. Hatte sie es doch manchmal gewagt, war schon bald alles so schwarz vom Ruß, dass die Wäsche nochmals gewaschen werden musste. Die Nachkriegszeit und die harten Forderungen des Versailler Vertrages hatten daran übrigens nichts geändert – ganz im Gegenteil, um die harten Reparationen überhaupt stemmen zu können, wurde das Ruhrgebiet besonders schnell wieder aufgebaut.

Gut ging es den Menschen in meiner Heimat dennoch nicht. Der Lebensraum war begrenzt, die Löhne niedrig und der Hunger in kinderreichen Familien noch groß. Erschwerend kam noch hinzu, dass Deutschland in diesen Jahren politisch alles andere als stabil war. Um Haaresbreite war dieses Nachkriegsdeutschland keine kommunistische, sondern eine demokratische Republik geworden, doch war das Volk viel zu abrupt, viel zu unvorbereitet und viel zu vorbelastet in diese Demokratie hineingezwängt worden. Die Weimarer Republik war jung und von den Folgen des verlorenen Krieges tief gespalten in unterschiedliche politische Lager, die nur selten kompromissbereit waren. Wenig verwunderlich ist es da natürlich nicht, dass Regierungen häufig auseinanderbrachen und ständige Neuwahlen anstanden – gerade diese Wankelmütigkeit sollte dem Deutschland der 20er Jahre später auch zum Verhängnis werden.