Ritter in Leder - U.H. Wilken - E-Book

Ritter in Leder E-Book

U. H. Wilken

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Beschreibung

Der Autor steht für einen unverwechselbaren Schreibstil. Er versteht es besonders plastisch spannende Revolverduelle zu schildern und den ewigen Kampf zwischen einem gesetzestreuen Sheriff und einem Outlaw zu gestalten. Er scheut sich nicht detailliert zu berichten, wenn das Blut fließt und die Fehde um Recht und Gesetz eskaliert. Diese Reihe präsentiert den perfekten Westernmix! Vom Bau der Eisenbahn über Siedlertrecks, die aufbrechen, um das Land für sich zu erobern, bis zu Revolverduellen - hier findet jeder Westernfan die richtige Mischung. Lust auf Prärieluft? Dann laden Sie noch heute die neueste Story herunter (und es kann losgehen). »Keine Gnade, Männer! Gefangene werden nicht gemacht!« Sie kamen vor Morgengrauen. Schattenreiter, die sich lautlos zum Angriff formierten. US-Kavalleristen in ausgeblichenen blauen Uniformen rückten im Schutze der Dunstfelder vor. Nicht ein einziger Säbel klapperte. Dumpf schlugen die mit Leder umwickelten Hufe durch das Flusstal. Hinter einer Nebelbank lachten, kreischten und lallten betrunkene Indianer. Sie gehörten zum Stamm der Schlangenindianer … Snakes! Mit angeschlagenen Gewehren ritten die Soldaten auf die Lagerfeuer zu, die wie rote Augen am nebligen Ufer glühten. Laubbäume traten dunkel und massig aus dem Dunst hervor. Die Soldaten schwärmten aus. Sie bildeten einen weiten Halbkreis, der zum Fluss hin offen war. Die Snakes tanzten torkelnd um die Feuer. Zum Angriff bereit, verhielten die Kavalleristen. Schemenhaft zeichneten sich die Umrisse eines Planwagens abseits vom Jagdlager der Schlangenindianer ab. Von dort her näherten sich plötzlich geduckt vier Männer. Sie trugen keine Uniformen. Schnell gingen sie zu dem Lieutenant, der die Kavalleristen befehligte. »Alles vorbereitet, Sir«

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Seitenzahl: 126

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Die großen Western – 440 –Ritter in Leder

U.H. Wilken

»Keine Gnade, Männer! Gefangene werden nicht gemacht!«

Sie kamen vor Morgengrauen.

Schattenreiter, die sich lautlos zum Angriff formierten.

US-Kavalleristen in ausgeblichenen blauen Uniformen rückten im Schutze der Dunstfelder vor.

Nicht ein einziger Säbel klapperte. Dumpf schlugen die mit Leder umwickelten Hufe durch das Flusstal. Hinter einer Nebelbank lachten, kreischten und lallten betrunkene Indianer.

Sie gehörten zum Stamm der Schlangenindianer … Snakes!

Mit angeschlagenen Gewehren ritten die Soldaten auf die Lagerfeuer zu, die wie rote Augen am nebligen Ufer glühten. Laubbäume traten dunkel und massig aus dem Dunst hervor.

Die Soldaten schwärmten aus. Sie bildeten einen weiten Halbkreis, der zum Fluss hin offen war.

Die Snakes tanzten torkelnd um die Feuer.

Zum Angriff bereit, verhielten die Kavalleristen.

Schemenhaft zeichneten sich die Umrisse eines Planwagens abseits vom Jagdlager der Schlangenindianer ab.

Von dort her näherten sich plötzlich geduckt vier Männer. Sie trugen keine Uniformen. Schnell gingen sie zu dem Lieutenant, der die Kavalleristen befehligte.

»Alles vorbereitet, Sir«, meldete einer der Männer. »Die Snakes sind stinkbesoffen.«

»Wie viele sind es?«, fragte der Offizier.

»An die vierzig, Sir. Sie haben Gewehre. Ballards, Remingtons, Spencers, Lee-Enfield, Hawken und sogar Sharps.«

»Und was haben sie vor?«

»Sie wollen auf Jagd gehen. Die Büffel nähern sich, Sir. Im Lager sind darum auch nur Männer.«

»Gut«, drang die Stimme des Lieutenants leise durch die Dämmerung. »Gut, dass sie betrunken sind. Nüchtern wären sie gefährliche Gegner … Ziehen Sie sich mit Ihrem Trupp zurück, Corporal. Wenn die Sache erledigt ist, verschwinden Sie mit dem Wagen.«

Der Corporal nickte und gab seinen drei Begleitern einen Wink. Langsam gingen sie davon.

Der Morgen graute.

Auf ihren reglosen Pferden warteten die Soldaten im Frühlicht.

Die Snakes tranken noch immer. Viele konnten sich nicht mehr auf den Beinen halten und leerten die Flaschen im Liegen.

Der Lieutenant ließ kein Hornsignal geben. Den Blick auf die Indianerfeuer gerichtet, zog er den Army Colt und stieß die Faust mit der Waffe dreimal hoch. Attacke!

Die Kavalleristen jagten auf die Feuer zu. Hufe polterten durch die Flussniederung. Mähnen flatterten im Reitwind. Die Soldaten zogen die Säbel aus den Scheiden, die Waffen schimmerten im matten Frühlicht. Gewehre richteten sich auf die torkelnd umhertanzenden Snakes.

Der Lieutenant eröffnete das Feuer mit einem Schuss aus seinem Colt, und dann peitschten Gewehrsalven auf die Snakes zu.

Gurgelnde Schreie waren zu hören.

Zuckende Körper stürzten in die Feuer, Funken tanzten wirbelnd hoch, Holzasche puffte nach allen Seiten weg.

Blei aus Gewehren und Colts traf die überrumpelten Indianer. Körper fielen klatschend in den Fluss. Kugeln stießen Fontänen hoch und sirrten dicht über die Wasseroberfläche hinweg.

Einige Snakes flüchteten in die Sumpflöcher am Ufer. Schmatzend umfasste der Schlamm die Beine bis zu den Knien. Die Snakes entkamen den Kugeln nicht, sie sanken in den Morast ein. Viel zu spät griffen einige Krieger nach ihren Gewehren und schossen. Nur wenigen gelang es abzudrücken.

Ihre Schüsse hoben ein paar Soldaten aus den Sätteln, und die reiterlosen Pferde galoppierten auf den Fluss zu.

Salven streckten die Krieger nieder.

Einige Snakes sprangen ins Wasser. Sie tauchten sofort und schoben sich am sumpfigen Grund entlang – doch als ihnen fast die Lungen platzten, mussten sie auftauchen. Am Ufer verhielten etliche Kavalleristen und feuerten sofort. Schlaffe Körper trieben langsam ab und verschwanden in den Flussnebeln.

Am Ufer schlugen zahlreiche Hufe.

Die Eisen stießen gegen zerbrochene Flaschen. Pfeile, Köcher und Lanzen zerbrachen. Zeltstangen zersplitterten. Die Feuer qualmten. Pulverrauch zog in Schwaden in die Nebel, die sich im aufkommenden Morgenwind langsam hoben.

Verstummt waren die Schreie. Verhallt die Schüsse.

Langsam ritt der Lieutenant durch das kleine Lager und lenkte sein Pferd um die auf dem zerstampften Boden liegenden Körper.

Ein paar Kavalleristen bargen die Gefallenen und hoben sie auf die leeren Sättel, schnürten sie fest und führten die Pferde zusammen.

Leise Stimmen waren zu hören. Immer wieder kamen Reiter aus dem Dunst hervor, um dann wieder darin unterzutauchen.

Sie suchten nach Snakes, die noch lebten.

Knarrend drehten sich die Räder des Planwagens. Schaukelnd rollte das Gefährt davon.

Der Hornist gab das Signal zum Sammeln.

Dann ritten die Kavalleristen im klirrenden Trab davon. Blutige Säbel rasselten in den Scheiden. Männer husteten, Pferde schnaubten.

Die Geräusche entfernten sich.

Es wurde totenstill am Fluss.

Nur das rastlose Plätschern des Wassers war noch zu hören.

Klagend rief ein Kauz abseits des Indianerlagers.

Weitab wechselte Wild in dieser frühen Morgenstunde die Flussseite.

Aus den Tiefen der Wälder stieg der Morgendunst empor und hüllte die Wipfel ein.

Ein Elch röhrte am bewaldeten Berghang und bahnte sich mit dem Schaufelgeweih einen Pfad durch das Dickicht der Beerensträucher.

Die ersten Sonnenstrahlen streiften die Baumwipfel. Am Ufer stand reglos ein Rudel Antilopen, witterte in den schwachen Wind und stob dann jäh auseinander.

Die Hufe eines einzelnen Pferdes schlugen langsam näher.

Ein großer sehniger Mann in alter Lederkleidung ritt gemächlich heran.

Der aschblonde Reiter roch den Rauch der Feuer und verhielt. Mit verkniffenen braunen Augen blickte er umher. Kein Muskel zuckte in seinem sonnengebeizten Gesicht.

Seine Ruhe war unerschütterlich, sehr langsam griff er nach der Winchester 66, zog den Brass Boy geräuschlos aus dem Scabbard und horchte dann erst einmal, bevor er durchlud, das metallische Klirren drang in die Stille.

Es blieb ruhig am Fluss.

Erst jetzt ritt der Mann weiter, er schien im Sattel zu schrumpfen, wurde dabei fast eins mit seinem Falben, der ihn am Ufer entlangtrug.

Beißender Rauch strich über den zerwühlten, feuchten Boden – und selbst jetzt noch war die Ausdünstung des Whiskys wahrzunehmen, der in den Boden eingedrungen war.

Tastend setzte der Falbe die Hufe neben die Leichen am Boden. Langsam trottete das Pferd zwischen zwei schwelenden Aschenhaufen hindurch. Eine abgeknickte Zeltstange streifte den Stetson des Reiters.

Der Mann blickte mit steinernem Gesicht umher.

Sechsundzwanzig tote Snakes zählte er – sie lagen zwischen Feuerstellen und niedergemachten Zelten am Ufer, im seichten Wasser und in Sumpflöchern, zwischen Weidensträuchern und unter Bäumen.

Viele Spuren führten wild durcheinander.

Gut zu erkennen waren die Abdrücke von Wagenrädern.

Der Mann kreuzte sie, ritt einen weiten Bogen und betrachtete im Schein der Morgensonne eingehend den Boden.

Im Morgenwind rauschten die Wälder an den Flanken der Bergzüge. Das Wasser gleißte und warf grelle Reflexe über den sanft ansteigenden Uferrücken hinweg.

Noch einmal ritt der schlanke Mann durch das einstige Jagdlager der Schlangenindianer. Er erkannte am Federschmuck den Jagdhäuptling und wusste, dass die Snakes auf Büffeljagd hatten gehen wollen. Um die Könige der Prärie zu erlegen, waren sie anscheinend weither gekommen, sie mussten sich schon eine Zeit lang in diesem Gebiet aufgehalten haben.

Langsam stieg der Mann vom Pferd und hob eine der Flaschen hoch, roch daran und warf sie in die Asche einer Feuerstelle.

Zu Fuß durchquerte er das Lager. Der Falbe folgte mit hängenden Zügeln.

Dann schob der Mann die Winchester in den Scabbard zurück, saß auf und ritt davon.

Enoch Parrish hatte ein Ziel.

Er folgte der Wagenspur – und sie führte ihn weg vom Fluss, zwischen die dichtbewaldeten Höhenzüge.

Manche Laubbäume hatten sich schon leicht verfärbt. Der Indianersommer zog kaum merklich in dieses Land der Berge, Wälder und weiten Prärien ein.

Bei den Weißen hieß diese Jahreszeit Altweibersommer. Die Tage waren heiß, und abends wurde es neblig.

Parrish lenkte seinen Falben in die Schatten der massigen Douglasfichten und folgte einem Pfad, den Antilopen und Bighorn-Schafe gebahnt hatten.

Unten im lang gestreckten Tal war die Wagenspur im hohen Gras deutlich zu erkennen – doch bald änderte sich das Landschaftsbild: Bizarre Felsen stießen aus dem Grün der Bäume hervor, breite Felswände waren im grellen Sonnenschein zu erkennen, und der Boden wurde steinig.

Der Wagen, dem Parrish folgte, war nicht beladen. So hatten die Maultiere nicht allzu viel Mühe, das Gefährt durch das unwegsame Gelände am Fluss zu ziehen.

Der Corporal und seine drei Mann ahnten nichts von ihrem Verfolger. Sie fühlten sich sicher. Sie hatten ihren Auftrag fast erledigt, und als sie dann mit dem Wagen die Schlucht erreichten, führten sie den letzten Befehl des Lieutenants entschlossen aus und wandten sich ab. Grinsten und machten sich davon.

Parrish näherte sich der Schlucht. Die Wildnis atmete.

Kalter Zorn erfüllte den in Leder gekleideten Mann.

Er dachte an die Toten.

Enoch Parrish wusste, was geschehen würde. Sechsundzwanzig Snakes waren erschossen oder erschlagen worden, und ihre Stammesgenossen würden schon bald mit gleicher Grausamkeit zurückschlagen.

Was Parrish zornig machte, war die Hinterlist, mit der die Snakes kampfunfähig gemacht worden waren. Betrunkene Indianer waren keine gefährlichen Gegner mehr.

Für Parrish war das Gemetzel am Fluss nichts anderes als geplanter Mord.

Dem Gelage musste eine Friedenszeremonie vorausgegangen sein. Parrish fragte sich, wer den Büffeljägern den hochprozentigen Whisky geliefert hatte.

Wenig später erreichte er die Schlucht.

Die vier Männer waren längst auf ihren Sattelpferden verschwunden.

Tief unten in der Schlucht lag der Wagen.

Verendet hingen die Maultiere im Geschirr. Alles sah nach einem Unglück aus.

Bevor der Wagen in die Schlucht gestoßen wurde, war die Plane in Brand gesetzt worden. Das Feuer hatte die Maultiere in Panik versetzt. Gleichzeitig sollten die Flammen die Plane vernichten.

Qualm stieg auf. Ein glimmender Fetzen der Segeltuchplane bewegte sich im schwachen Wind.

Parrish konnte auf diesem Fetzen ein großes R erkennen. Dieses R hatte zu einer Aufschrift gehört und die konnte durchaus »US ARMY« gelautet haben.

Parrish brauchte am Rand der Schlucht nicht lange zu suchen. Die Hufeindrücke von vier Pferden führten in nordöstlicher Richtung davon.

»Los!«, trieb er den Falben an.

*

»He, Mister Filbie – bring uns noch ’ne Flasche!«, brüllte ein vierschrötiger Mann in zerschlissener Kleidung durch den Schankraum, hieb mit der Faust auf den Tisch und stemmte sich dann langsam von der Sitzbank hoch. »Aber greif nicht ins falsche Regal! Wir wollen guten Brandy, kein Mondschein-Gesöff.«

Mit schweren Schritten stapfte er an die Tür, lehnte sich an den Rahmen und blickte hinaus auf den Platz.

Staub wurde durch den alten Stangenkorral und am Lagerschuppen vorbeigetrieben. Herdrauch stieg aus dem kurzen Schornstein des langen Blockhauses auf, in dem sich der Frontier’s Saloon und der Store befanden.

Filbie kam aus dem Store und stellte seinen drei Gästen eine Flasche auf den Tisch.

»Das ist guter Brandy, Jungs – kein Teufelszeug, das euch stinkbesoffen und schwachsinnig macht.«

Die drei Soldaten in Zivil grinsten. Einer trank und knallte dann die Flasche auf den Tisch. Sein Nebenmann griff danach und nahm dann auch zwei, drei große Schlucke. Schnaufend wischte er mit dem Handrücken über die Lippen.

»Ja, der ist wirklich gut, Mister Filbie!«, lobt er. »Viel zu schade für die dreckigen Indianerkehlen.«

»Die Rothäute bekommen den Mondschein-Whisky«, versicherte Filbie gelassen. »Gepanschtes Zeug, das die Indsmen saufen wie Wasser. Na, ich nehme an, dass ihr wisst, was ich meine.«

Filbie gab sich väterlich. Er war als Vermittler eingesetzt zwischen Weißen und Roten, ein »Agent für indianische Angelegenheiten«. Nebenbei betrieb er einen schwunghaften Handel: Er drehte den Indianern lebensgefährlichen Whisky, billigen Plunder und wertlosen Glasschmuck an. Dafür bekam er die schönsten Felle.

An diesem heißen Tag hatte er vier Gäste – und wusste, dass sich unter den verschmutzten und zerschlissenen Kleidungsstücken Soldaten verbargen.

»Viel Spaß noch, Jungs«, sagte er jetzt und wandte sich ab. »Ich hab noch was zu tun.«

Er verließ den Schankraum.

»Corporal«, rief einer der Männer am Tisch, »die Flasche ist da.«

Der vierschrötige Mann an der Tür bewegte abweisend die linke Hand und sorgte damit für Ruhe am Tisch.

Unablässig blickte er über den Platz, auf dem der halbverwitterte Flaggenmast stand – hinaus auf das sonnenüberflutete Tal.

»Wir kriegen Besuch«, sagte er lauernd.

Sofort erhoben sich die drei Soldaten und gingen geduckt zu ihrem Corporal. Der Anblick des Reiters ließ sie schwer atmen.

»Er folgt unserer Spur, Corporal.«

»Wenn er Schwierigkeiten machen will, legen wir ihn um.«

Reglos standen sie an der Tür und beobachteten den einsamen Reiter.

»Wir sollten uns eigentlich darüber freuen, einen Weißen zu sehen«, murmelte der Corporal, »aber was mich betrifft: Ich freue mich überhaupt nicht! Du hast recht, er folgt unserer Spur und kommt genau auf uns zu.«

»Vielleicht ist das ein Zufall?«

»Ich glaube nicht an Zufälle!«, versetzte der Corporal rau. »Der Kerl folgt uns. Er hat alles gesehen und will nun wissen, wer wir sind!«

»Woher weißt du das, Corporal?«

»Ich rechne mit dem Schlimmsten. Wenn sich nachher herausstellt, dass er harmlos ist, dann ist ja alles in Ordnung …«

»Wie willst du das herausbekommen? Das wird nicht leicht sein.«

Der Corporal knurrte grimmig und antwortete dann: »Harmlos ist für mich nur derjenige, der nicht mehr denken und nicht mehr handeln kann.«

»Du sprichst von einem Toten, Corporal?«

»Du hast offensichtlich einen hellen Moment.«

Der Corporal grinste. »Und was ist mit Filbie?«

»Filbie kann das ruhig mit ansehen, er wird schweigen. Schließlich hat er uns den Whisky geliefert – im Auftrag der Army.«

Der Corporal fluchte und wetterte dann: »Zum Teufel mit uns, wenn wir nicht dafür sorgen, dass alles geheim bleibt! Selbst Filbie weiß nicht, was mit dem Whisky geschehen ist. Wenn dieser Fremde dort dumme Fragen stellt, wird er umgelegt, ist das klar?«

Sie nickten.

»Gut«, sagte der Corporal. »Wir tun nur unsere Pflicht. Die Indianer sind verdammt unruhig geworden. Sie müssen vernichtet werden, sonst vernichten sie uns!«

Die Äußerung des Corporals ging an der Wirklichkeit vorbei. Im Friedensvertrag von 1855 war den Indianern dieses riesige Land als Jagdgebiet für ewige Zeiten zugesprochen worden, und zehn Jahre lang sollten sie jährlich mit zwanzigtausend Dollar entschädigt werden. Bekommen hatten sie bisher nur fünfzigtausend Dollar und etliche Schulen, Missionen, außerdem Ackerbaugerät.

Für die Indianer war all das nutzlos. Sie wollten nicht bekehrt werden. Und das Saatgut verfütterten sie an ihre Ponys. Sie hatten begriffen, dass die Welt der Weißen egoistisch war.

In dem riesigen Land gärte es.

Der große Stamm der Blackfeet war in Unruhe. Die Bloods im Norden und die Piegans hier – hinzu kamen die Gros Ventres, die Crows, Snakes, Shoshonen und die Nez Perce.

Schweigend warteten die vier Männer auf die Ankunft des Reiters. Nur ihre Atemzüge waren zu hören. Hinter ihnen im Frontier’s Saloon und nebenan im Store war es still. Filbie saß über seinen Büchern und wusste noch nicht, dass sich ein Reiter der Agentur näherte.

»Zwei Mann an den Tisch«, befahl der Corporal jetzt, »einer nach nebenan ich stelle mich an die Theke. Wir lassen ihn reinkommen. Wenn er mir ans Zeug will, dann schießt ihn über den Haufen, ist das klar?«

»Geht in Ordnung, Corporal.«

Sie zogen sich zurück – nur der Corporal blieb an der Tür stehen und beobachtete Enoch Parrish.

Als einer der Soldaten in den Store kam, blickte Filbie auf.

»Willst du etwas kaufen?«, fragte er verwundert. »Oder ist die Flasche schon wieder leer?«

»Mister Filbie«, sagte der junge Soldat im belehrenden Ton, »gleich kommt ein Reiter. Wir kennen ihn nicht, aber es kann sein, dass es Ärger gibt. Am besten, du hältst dich aus der Sache raus.«

»Ein einzelner Reiter?« Filbie erhob sich hinter dem schmutzigen Arbeitstisch. »Seid nicht so voreilig, Jungs! Das ist vielleicht ein Scout der Armee! Ich hab vor Tagen, eine Nachricht aus Fort Ellis bekommen: Ein Scout ist unterwegs zur Agentur. Das kann dieser Fremde sein! Knallt ihn nicht gleich ab, Jungs!«

Filbies Gegenüber grinste.

»Wir sind doch Soldaten – das weißt du längst, Mister Filbie! Und Soldaten und Scouts gehören zu einer großen Familie.«