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Victoria Charles

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Beschreibung

Das Wort Rokoko leitet sich wahrscheinlich von dem vermutlich in französischen Emigrantenkreisen aufgekommenen Wort ""rocaille"" (Muschel) ab. Diese Kunstrichtung entwickelte sich zu Beginn des 18. Jahrhunderts und breitete sich schnell in ganz Europa aus. Ihre verspielten und extravaganten Charakteristika standen im Einklang mit dem feinsinnigen Lebensgefühl der Aristokratie zu jener Zeit. In vielerlei Hinsicht gilt das Barock als Vorläufer dieser oft auch als Spätbarock bezeichneten Kunstrichtung. Während die Werke Tiepolos, Bouchers und Reynolds die Höhepunkte der Rokoko-Kunst darstellen, wurde die Strömung gelegentlich wegen ihrer vermeintlichen Oberflächlichkeit verurteilt. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts verschwand das Rokoko allmählich und machte dem Neoklassizismus Platz. Erst ungefähr ein Jahrhundert später entdeckten Kunsthistoriker den Glanz dieses von Klaus H. Carl und Victoria Charles näher untersuchten goldenen Zeitalters wieder.

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Seitenzahl: 168

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Text: Victoria Charles und Klaus H. Carl

Redaktion der deutschen Ausgabe: Klaus H. Carl

Layout:

Baseline Co. Ltd

61A-63A Vo Van Tan Street

4. Etage

Distrikt 3, Ho Chi Minh City

Vietnam

© Parkstone Press International, New York, USA

© Confidential Concepts, Worldwide, USA

Weltweit alle Rechte vorbehalten.

Soweit nicht anders vermerkt, gehört das Copyright der Arbeiten den jeweiligen Fotografen.

Trotz intensiver Nachforschungen war es aber nicht in jedem Fall möglich, die Eigentumsrechte festzustellen. Gegebenenfalls bitten wir um Benachrichtigung.

Victoria Charles und Klaus H. Carl

Das Rokoko

Inhalt

Zeitgeschichte

Die Kriege

Die Musik

Die Erfindungen

Die Kunst

I. Das Rokoko in Frankreich

Die Mode

Die Architektur

Die Architekten

Die Malerei

Antoine Watteau und seine Nachfolger

François Boucher

Jean-Honoré Fragonard

Die Nachfolger

Die Bildhauerei

Die Goldschmiede

II. Das Rokoko in Italien

Die Architektur

Die dekorative Kunst

Die Malerei

Die Bildhauerei

III. Das Rokoko in Deutschland

Die Architektur

Die Malerei

Die Bildhauerei

Österreich und Tschechien

IV. Das Jahrhundert in England

Die Architektur

Die Malerei

Die Bildhauerei

V. Das Jahrhundert in Spanien

Die Architektur

Die Malerei

VI. Der Übergang zum 19. Jahrhundert

François Boucher, Toilette der Venus, 1751.

Öl auf Leinwand, 108,3x85,1cm.

The Metropolitan Museum of Art, New York.

Zeitgeschichte

Im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts beginnt in einem unmerklichen Übergang vom Barock das auch Spätbarock genannte Rokoko. Der mit der Reformation und der Renaissance begonnene und nicht mehr aufzuhaltende Siegeszug der Aufklärung setzt am Ende des 17. Jahrhunderts von England aus seinen Weg unbeirrt fort, strebt allmählich seinem Höhepunkt entgegen und bestimmt während des gesamten 18. Jahrhunderts in ganz Europa das geistige und kulturelle Leben. Damit setzte die bisher weitgehend dem Adel und den Höfen überlassene Diskussion über Kunstwerke auch im gebildeten und wohlhabenden Bürgertum ein. Wenn bis dahin die Aufträge für Bauwerke oder Gemälde überwiegend von der Kirche und in geringerem Umfang vom Adel erteilt und die Künstler eher als in Zünften organisierte Handwerker angesehen wurden, werden sie jetzt zu Individuen mit einem eigenständigen Beruf. Damit entfällt für die Maler auch die Verpflichtung, nach immer wieder gleichen, vorgegebenen Themen und Aufgabenstellungen Werke mit mythologischer Basis oder Portraits zu schaffen.

Das wichtigste Instrument der Aufklärung war die Prosa, der man in Briefen, Flugschriften Abhandlungen und Geschichtswerken eine witzige, anregende, unterhaltende und gemeinverständliche Form gab, da nur sie die breite Masse der Bevölkerung erreichen konnte. In Frankreich erscheint zwischen 1751 und 1775 in 29 Bänden die gemeinsam von Denis Diderot (1713 bis 1784), Jean Jacques Rousseau (1712 bis 1778), Jean-Baptiste le Rond, der sich d’Alembert (1717 bis 1783) und François Marie Arouet, der sich Voltaire (1694 bis 1778) nannte, herausgegebene Encyclopédie.

Jacopo Amigoni, Zephyr und Flora, 1748.

Öl auf Leinwand, 213,4x147,3cm.

The Metropolitan Museum of Art, New York.

Hubert Robert,Abbruch der Häuser auf der Pont Notre-Dame, 1786.

Öl auf Leinwand, 73x140cm.

Musée du Louvre, Paris.

Der Absolutismus war eine Zeit, in der der jeweilige Herrscher in seinem Herrschaftsgebiet die uneingeschränkte Macht besaß und unkontrolliert und ohne jegliche Bindung regieren konnte. Die ihm dafür zur Verfügung stehenden Instrumente waren in erster Linie das Heer, die Gesetzgebung mit den ihm zu unbedingtem Gehorsam verpflichteten Beamten, die Kirche und schließlich noch das merkantilistische Wirtschaftssystem. Diese Zeit endete in Frankreich etwa mit dem Tod Ludwig XIV. (1715).

Die Kriege

Andere bedeutende Ereignisse dieser absolutistischen Jahre waren in der ersten Hälfte des unruhigen 18. Jahrhunderts der Sieg (1717) des in österreichischen Diensten stehenden Prinzen Eugen von Savoyen über die Osmanen, die das damals zu Österreich gehörende Belgrad belagerten – was Carl Loewe (1796 bis 1869) zur Komposition des berühmten Liedes: „Prinz Eugen, der edle Ritter, hei, das klingt wie Ungewitter…” veranlasste. Im gleichen Jahr wurde die Habsburgerin Maria Theresia (1717 bis 1780), die spätere Erzherzogin und Königin von Ungarn, geboren, in deren umfangreicher Titelsammlung auch der Titel einer Römischen Kaiserin zu finden ist. In Russland regierte noch Zar Peter der Große (1672 bis 1725) und im italienischen Florenz herrschte mit Cosimo III. (1642 bis 1723) weiterhin das Geschlecht der Medici. England führte zwischen 1718 und 1729 und dann noch einmal von 1739 bis 1748 seine Kriege gegen Spanien, und die mit Russland verbündeten Österreicher kämpften in den 1730er Jahren wieder einmal gegen die Türken. Von 1740 bis 1748 tobte mit dem Ersten und Zweiten Schlesischen Krieg der Österreichische Erbfolgekrieg, in den die europäischen Mächte wie Bayern, Frankreich, Preußen, die Niederlande und natürlich Österreich verwickelt waren.

Antonio Canal, genannt Canaletto,Die Alte Walton-Brücke, 1754.

Öl auf Leinwand, 48,8x76,7cm.

Dulwich Picture Gallery, London.

Auch die zweite Hälfte dieses Jahrhunderts war nicht wesentlich friedlicher. Sie beginnt 1756 mit dem alle europäischen Großmächte einbindenden Siebenjährigen Krieg Friedrichs II., des Großen (1712 bis 1786), von Preußen, der schon mit den beiden Schlesischen Kriegen sein Land an den Rand des Ruins gebracht hatte, gegen Österreichs Kaiserin Maria Theresia. Die jeweiligen Verbündeten waren zwar auf drei anderen Kontinenten intensiv mit ihren Kolonialkriegen beschäftigt, standen aber 1754 auch vor einem Krieg gegeneinander und schlossen erst 1756 einen Nichtangriffspakt.

Andreas Schlüter,Denkmal des Großen Kurfürsten, 1689-1703.

Bronze auf Steinsockel, H.: 290cm.

Schloss Charlottenburg, Berlin.

Die Musik

Die in Frankreich bis dahin von Ludwig XIV. (1638 bis 1715) bestimmte Art und Form der Musik steht insbesondere auf dem Gebiet der Oper in heftiger Konkurrenz zur italienischen Musik, die letztendlich 1752/1754 in dem durch Giovanni Battista Pergolesi (1710 bis 1736) mit seinem La serva padrona ausgelösten Buffonistenstreit gipfelte. Jean-Philippe Rameau (1683 bis 1764) greift schließlich in die Auseinandersetzung mit seiner neuen Harmonielehre Traité de l’harmonie réduite à ses principes naturels ein, die ihn in ganz Europa berühmt werden lässt. In den Ballsälen und bei allen Festen herrscht das graziöse Menuett.

Im kleingeteilten Deutschland ist der mit Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750) und Georg Friedrich Händel (1685 bis 1759) gut befreundete Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767) mit seinen Kantaten und Oratorien einer der ganz Großen, in England schreibt Händel noch überwiegend die Musik des Barock und in Italien beherrscht Antonio Vivaldi (1678 bis 1741) mit seinen Sonaten und Violinkonzerten die Musikszene.

In dieser unruhigen Zeit schreibt in Deutschland der erst fast 100 Jahre danach richtig anerkannte Johann Sebastian Bach sein unglaublich umfassendes Werk an Konzerten und Kammermusiken. Seine bereits zur Frühklassik zählenden Söhne führen die Musik hin zu Sinfonien und Sonaten, deren einer Großmeister etwas später Ludwig van Beethoven (1770 bis 1827) mit seinen Konzerten, Sinfonien, Sonaten, Kammermusik und Orchesterwerken werden soll. Er beschloss das langsam ausgehende Jahrhundert mit seiner Wut über den verlorenen Groschen. Der andere Großmeister war natürlich der geniale Wolfgang Amadé Mozart (1756 bis 1791) mit seinen Opern, Konzerten, Sinfonien, Sonaten und Orchesterwerken. Eines seiner vielen Glanzwerke, der 1787 in Prag uraufgeführte Don Giovanni, wurde mit der Ouvertüre erst an Ort und Stelle und nach einem prächtigen Festmahl, an dem sich sechs oder sieben Gleichgesinnte beteiligten, mit reichlich Leckereien und Champagner fertig gestellt. Der dritte im Bunde dieser Großmeister war der mit Mozart befreundete und der gleichen Freimaurerloge angehörende Joseph Haydn (1732 bis 1809), der als der eigentliche Erfinder der Sinfonie und des Streichquartetts gilt und einen Großteil seines Lebens weitab vom musikalischen Geschehen auf dem Landsitz der Familie Esterházy verbrachte.

Die Erfindungen

Auf dem Gebiet der Erfindungen, die den Menschen Arbeiten erleichtern sollten, taten sich vor allem die Engländer hervor. So beginnt zwei Jahre nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges mit der später von James Watt (1736 bis 1819) verbesserten ersten funktionierenden Dampfmaschine das Zeitalter der Mechanisierung. Die Spinning Jenny, eine Spinnmaschine, wurde 1764 vermutlich von James Hargreaves (1720 bis 1778) entwickelt, Henry Cavendish (1731 bis 1810) und Joseph Priestley (1733 bis 1804) kümmerten sich um die Physik im Allgemeinen, die Elektrizität und die Chemie im Besonderen. Gerade Priestley gilt nicht nur (fälschlicherweise) als Erfinder des Radiergummis, sondern isolierte 1774 als Erster das Element Sauerstoff.

Étienne-Maurice Falconet,Reiterstandbild von Peter dem Großen, 1767-1778.

Bronze. Senatsplatz, Sankt Petersburg.

Jean-Marc Nattier,Schlacht von Lesnaya, 1717.

Öl auf Leinwand, 90x112cm.

Puschkin-Museum, Moskau.

Antoine Watteau,Einschiffung nach Kythera, 1717.

Öl auf Leinwand, 129x194cm.

Musée du Louvre, Paris.

Charles André van Loo, genannt Carle van Loo,Spanisches Konzert, 1754.

Öl auf Leinwand, 164x129cm.

Eremitage, Sankt Petersburg.

Auf medizinischem Gebiet schaffte John Hunter (1728 bis 1793) einen entscheidenden Durchbruch in der Behandlung von Schusswunden, so dass betroffene Körperteile nicht mehr gleich und recht schmerzhaft amputiert werden mussten. Der Patient wurde zwar bei der Behandlung immer noch von einer Reihe kräftiger Männer festgehalten und mit reichlich Alkohol versehen, aber die Zahl der auf Renten, Spenden oder Almosen angewiesenen Verletzten sank dadurch beträchtlich.

Das, wovon schon Ikarus geträumt hatte, erfüllte sich zum ersten Mal 1783 mit dem aus einer ausgekleideten Leinenhülle gefertigten Heißluftballon der Brüder Joseph Michel (1740 bis 1810) und Jaques Étienne Montgolfière (1745 bis 1799), der in etwa 2000 m Höhe immerhin über zwei Kilometer weit flog und dann auf einem Acker landete. Fast zeitgleich entwickelte Jaques Alexandre Charles (1746 bis 1823) seinen Gasballon, der von den bei Paris gelegenen Champs de Mars aus startete und auf einem Feld in der Nähe des heutigen Flughafens Charles de Gaulle landete, wo die dort arbeitenden, völlig verdatterten Bauern mit Mistgabeln auf ihn losgingen.

Es war also ein ziemlich normales Jahrhundert, das, wie immer, von Genies, Kriegen und Erfindungen bestimmt war.

Die Kunst

Im Hinblick auf die Werke der Baukunst und der Bildhauerei sind zur Erleichterung für die historische Betrachtung der Kunst der Jahre von 1600 bis 1720 die Begriffe des Barock- und ungefähr ab 1720 bis etwa 1780 des Rokokostils eingeführt worden, dessen Bezeichnung Rokoko vielleicht von dem vermutlich in französischen Emigrantenkreisen aufgekommenen Wort „rocaille” (Muschel) abstammt. Dem folgte dann in einer Übergangszeit ab etwa dem Ende des 18. Jahrhunderts als eine Art Gegenbewegung zum Einfachen hin der Stil des Klassizismus.

Allerdings ist diese Einteilung nicht ganz korrekt, denn im gesamten 17. Jahrhundert hat es vor allem in der Architektur bereits eine Hinwendung zum Klassizismus gegeben. Die Unterscheidungen sind daher, ähnlich wie die Anwendung des Begriffs Renaissance auf die nordeuropäische Malerei des 15. und der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, nicht immer stichhaltig und deswegen nicht allgemein gültig. So gab es in Italien keinen Barockstil und in den Niederlanden keinen Rokokostil.

Gerade in den Niederlanden stand die Malerei im absoluten Widerspruch zu dem, was die Erfinder des Namens Barockstil

Pietro Longhi, Das Rhinozeros, 1751.

Öl auf Leinwand, 62x50cm.

Ca’Rezzonico, Venedig.

Die zur Charakteristik dieser Kunst erfundene Bezeichnung Barock enthielt zugleich eine abfällige Kritik der künstlerischen Bestrebungen des ganzen 17. Jahrhunderts, und lange Zeit war dieser Begriff in der Kunst auch der Inbegriff alles Verächtlichen und Verwerflichen. Was der Kunst jener Tage fehlte, war die Verwurzelung in der breiten Bevölkerung. Sie blieb somit nur eine höfische, nur dem Adel und nur den Vornehmen der Gesellschaft zugängliche Kunst. Es lag also in der Logik der Zeit, dass diese Kunst am Ende des 18. Jahrhunderts zusammenbrach und von den revolutionären Stürmen hinweg gefegt wurde.

Erst viel später, etwa mit dem Ende des 19. Jahrhunderts, ist die Begriffsverwirrung des 17. Jahrhunderts durch eine gemäßigte Beurteilung der geschichtlichen Entwicklung und durch eine bessere Übersicht über die politisch-sozialen Verhältnisse korrigiert worden. Übertreibungen bis hin zu Geschmacklosigkeiten hat es schon vorher und zu allen Zeiten und somit auch im 17. Jahrhundert gegeben, aber eben nicht mehr als in früheren Perioden der Weltgeschichte. Im Allgemeinen hat die so genannte Barockkunst in allen Bereichen nur den Geist der Zeit widergespiegelt.

Die Zeit des Barock deckt sich im Großen und Ganzen mit der Regierungszeit Ludwigs XIV. Danach, in der Regentschaft (Régènce) und der ersten Hälfte der Regierungszeit Ludwigs XV. (1710 bis 1774), verändern sich die bis dahin festen, kräftigen Formen in leichte, verspielte und zierlich gewundene Linien, das Verschnörkelte und Muschelartige herrscht vor. Die Asymmetrie wird zum Gesetz erhoben. Bei der Innendekoration werden alle tiefen Schatten und kräftigen Töne vermieden, neben viel Goldton werden lichte Farben eingesetzt.

Erst die Rückkehr zum Geradlinigen, die zugleich mit einer stärkeren Anlehnung an antikisierende Formen und an die Natur verbunden ist, führt die Kunst in dem ernüchterten Zeitalter seit den Tagen der Marquise de Pompadour (1721 bis 1764), die zunächst und von Geburt her nur ein beliebiges, in der dritten Person angeredetes Fräulein namens Poisson (Fisch) war, und der Regierungszeit Ludwigs XVI. (1754 bis 1793; Louis Seize) zum auch „Zopfstil” genannten Frühklassizismus.

Es hat sich durchaus eingebürgert, diese Kunstausdrücke auf das rein Dekorative zu begrenzen. Die charakteristischen Merkmale des Ornaments finden sich in der Architektur nicht wieder. Obwohl die Malerei und die dekorative Kunst in ihren Wurzeln kulturgeschichtlich zusammen hängen, haben beide, vom künstlerischen Standpunkt aus betrachtet, doch einen ganz anderen Ursprung. Insbesondere die Architektur entwickelt sich in den einzelnen Ländern durchaus unterschiedlich, so dass sich hier die Bezeichnung Rokoko weder räumlich noch zeitlich oder stilistisch mit dem Kunstleben der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts deckt.

Jean-Baptiste Greuze,Die Dorfbraut, 1761.

Öl auf Leinwand, 92x117cm.

Musée du Louvre, Paris.

Jean-Honoré Fragonard,Der Dichter, um 1769.

Öl auf Leinwand, 80x64cm.

Musée du Louvre, Paris.

Jean Siméon Chardin,Der Knabe mit dem Kreisel, 1738.

Öl auf Leinwand, 67x76cm.

Musée du Louvre, Paris.

Jean-Marc Nattier,Portrait der Königin Maria Leszczinska, 1748.

Öl auf Leinwand, 104x112cm.

Musée national du château de Versailles, Versailles.

Jean Siméon Chardin, Das Buffet, 1728.

Öl auf Leinwand, 194x129cm.

Musée du Louvre, Paris.

Im Bereich der Malerei setzte sich die Pastellmalerei durch, die sich als ganz besonders wirkungsvoll bei der Wiedergabe der flüchtig skizzierten zierlichen Reize der Rokokodamen erwies. Darüber hinaus ändert sich aber in der Wiedergabe von Kunstwerken auch die Technik. Der bis dahin viel verwendete Holzschnitt verschwindet allmählich, der Kupferstich und die Radierung werden von den geschabten Blättern, der „Schwarzkunst”, ergänzt. Diese bereits um 1640 von Ludwig von Siegen (1609 bis 1680), einem hessischen Offizier, erfundene Technik war ein Verfahren, mit dem aus dem aufgerauten Kupferuntergrund durch Schaben die Lichtstellen herausgearbeitet werden konnten. Diese Technik wurde dann im 18. Jahrhundert von den Engländern aufgegriffen und weiter verbreitet.

Aber auch die Graphik erlebte einen nicht erwarteten Aufschwung, schließlich konnten sich nur wenige am Leben der Reichen beteiligen, aber manch einer wollte sich –damals wie heute – wenigstens ein Bild vom Leben der Reichen und Schönen machen, und das ging vor allem mit dem Kupferstich. Der Handel mit Kupferstichen nahm nahezu kapitalistische Züge an. Und wenn anfangs jeder Kupferstecher auch sein eigener Händler war, so nahmen bald spezielle Verleger die Zügel in die Hand und rissen den gesamten Verkauf mit glänzendem Erfolg an sich. Die Methoden kommen jedem bekannt vor: wenig an den Künstler zahlen, aber dafür mit hohem Profit weiterverkaufen. Einer dieser Verleger, Michel Odieuvre (1687 bis 1756), war, so berichtet die Legende, derjenige, der sich wie schmerzgeplagt krümmte, wenn er einem Kupferstecher sein wohl verdientes Geld auszahlen sollte.

Von eminenter Bedeutung ist aber auch das Aufkommen des Porzellans, das durch die niederländischen Handelsschiffe jetzt in größeren Mengen von China aus auf die europäischen Märkte gelangte. Aufgrund der verlangten Preise waren aber bald Bestrebungen zu verzeichnen, solches Porzellan selbst herzustellen. Berühmt sind die Fayencen von Delft, wo bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts mehrere Fabriken errichtet wurden, die in ihrer Fabrikation bald von den blauen Tönen zu polychromer Ausschmückung übergingen und sich mit Blumen- und Pflanzenornamenten den Vorbildern annäherten.

In Deutschland war es durch Friedrich Böttger (1682 bis 1719) in Meißen, der als tüchtiger Alchemist eigentlich Gold herstellen wollte, zu einer ähnlichen Entwicklung gekommen. Böttger entwickelte mit zwei Kollegen 1707 erstmals ein Gefäß aus Hartporzellan. Mit der energischen Unterstützung seines Kurfürsten August I., der Starke, (1670 bis 1733) wurde die Porzellanmanufaktur Meißen aufgebaut, die dem Meißener Porzellan etwa ab 1740 zur höchsten Blüte verhalf. Der Sprung von der Gefäßfabrikation mit malerischem Dekor zur Darstellung von Figuren wurde besonders durch Johann Joachim Kändler (1706 bis 1775) vorangetrieben. Es sind nicht allein die zierlichen Schäferinnen, die Miniaturkavaliere und die feinen, kleinen Damen, die in die Welt des Rokoko führen, auch die Zierformen tragen das Gepräge des Rokokostils.

Luis Eugenio Meléndez,Stillleben mit einer Schachtel Süßigkeiten und Brot, 1770.

Öl auf Leinwand, 49,5x37cm.

Museo Nacional del Prado, Madrid.

Élisabeth Vigée-Le Brun,Portrait von Stanislaw August Poniatowski, 1797.

Öl auf Leinwand, 101,5x86,5cm.

Kiev Museum of Western and Oriental Art, Kiew.

Thomas Gainsborough,Portrait der Mrs. Sarah Siddons, 1785.

Öl auf Leinwand, 126x99,5cm.

The National Gallery, London.

Joshua Reynolds, Lavinia Bingham, 1785-1786.

Öl auf Leinwand, 62x75cm.

Sammlung von Earl Spencer, Althorp House,

Northampton.

Thomas Gainsborough,Portrait der Gräfin Howe, um 1760.

Öl auf Leinwand, 244x152,4cm.

Kenwood House, London.

Im Wetteifer der Höfe entstanden eine ganze Reihe von Porzellanmanufakturen, so etwa in Wien, Berlin und Ludwigsburg, im englischen Chelsea und im italienischen Capo di Monte bei Neapel. In Frankreich übernimmt ab 1756 Sèvres die führende Rolle. Dort änderte man aber die technischen Grundlagen und fabrizierte ein glasartigeres, durchsichtigeres Porzellan, das bleihaltig und wegen des leichteren Brandes eine größere Farbenauswahl als Hartporzellan gestattet. Es wurde weniger als Essgeschirr als viel mehr zur Herstellung von Prachtgefäßen verwendet. Dieser Zuweisung ist es zuzuschreiben, dass sich in Sèvres die Barockformen deutlich länger hielten als bei den anderen Manufakturen.

Wie das Porzellan sich den Formen der Rokokodekoration anpasst, weist es durch seine jeweilige Bestimmung auf den Wechsel in den Kunstsitten hin: Es war für den Gebrauch in den inneren Räumen der Höfe und Häuser bestimmt, und sollte es diese in der richtigen Art und Weise schmücken, musste die architektonische Dekoration damit übereinstimmen.