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Dieses Buch ist das Ergebnis unserer Maturaarbeit. Seit Jahren arbeiten wir in unseren Ferien im Alterszentrum am Etzel und haben von den Bewohnern immer wieder spannende und bewegende Geschichten aufgeschnappt. Viele der Geschichten haben uns auch noch nach Arbeitsschluss beschäftigt und so haben wir den Entschluss gefasst, unsere Maturaarbeit über eine andere Generation zu machen, die uns so viel voraus hat, von der wir so viel lernen können und die uns doch manchmal so fremd scheint. Da wir beide sehr ähnliche Ideen hatten, stand schnell fest, dass wir dieses Projekt gemeinsam angehen würden. Es war schön zu sehen, wie offen wir von allen empfangen wurden und wie sie uns während des Gesprächs immer mehr anvertrauten: Ihre Lebensgeschichten. Aus den Interviews entstand dann dieses Buch, eine Sammlung verschiedenster Geschichten, Erinnerungen, Träumen, aber auch traurigen Momenten und Schicksalsschlägen.
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Seitenzahl: 58
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Für unsere Familien und Freunde, ohne die wir nicht die wären, die wir sind
Vorwort
Hilde Schurter
Bianca Mosimann
Die Zwillinge Elsbeth und Gertrud
Alfred Fröhlich
Margrit Tschudi
Elvira Wagner
Helen Späni
Das Ehepaar Bernarda und Karl Bürgi
Nachwort
Dieses Buch ist das Ergebnis unserer Maturaarbeit.
Seit Jahren arbeiten wir in unseren Ferien im Alterszentrum am Etzel und haben von den Bewohnern immer wieder spannende und bewegende Geschichten aufgeschnappt. Viele der Geschichten haben uns auch noch nach Arbeitsschluss beschäftigt und so haben wir den Entschluss gefasst, unsere Maturaarbeit über eine andere Generation zu machen, die uns so viel voraus hat, von der wir so viel lernen können und die uns doch manchmal so fremd scheint. Da wir beide sehr ähnliche Ideen hatten, stand schnell fest, dass wir dieses Projekt gemeinsam angehen würden.
Es war schön zu sehen, wie offen wir von allen empfangen wurden und wie sie uns während des Gesprächs immer mehr anvertrauten: Ihre Lebensgeschichten.
Aus den Interviews entstand dann dieses Buch, eine Sammlung verschiedenster Geschichten, Erinnerungen, Träumen, aber auch traurigen Momenten und Schicksalsschlägen.
„Wer im Leben nicht locker lässt der gewinnt, denn man bekommt nichts geschenkt. Es braucht persönlichen Einsatz.“
Persönlichen Einsatz, etwas, an dem es der 85-jährigen sicher nicht fehlt. Geboren wurde sie in Herrliberg, wo sie als Älteste zusammen mit zwei Schwestern und einem Bruder aufwuchs. Später heiratete sie auch dort. Sie und ihr Mann lernten sich während einer Schulwanderung kennen. Obwohl er nicht mehr die Schule besuchte, durfte er, da er in der Gemeinde wohnte mitkommen. 1951 war es dann soweit und die Hochzeitsglocken läuteten. „Früher hat man keinen Kontakt zwischen Mann und Frau geduldet“, sagt sie. Das sei auch der Grund, weshalb sie so früh geheiratet hätten.
Noch im selben Jahr kam ihre erste Tochter in Herrliberg zur Welt. „Das war eben damals so. Man war nicht braver als heute, man musste eben mit den Konsequenzen umgehen“, erzählt die rüstige Rentnerin lächelnd. Drei Jahre später folgte eine kleine Schwester. Doch die Hochzeit in einem solch jungen Alter schien unter keinem guten Stern zu stehen. Da ihr Mann zunehmend Schwierigkeiten im Umgang mit Geld hatte, führte das häufig zu Streitigkeiten. Bereits nach sechs Jahren kam es zur Trennung, was gleichzeitig für sie hiess, dass sie das Haus verlassen musste, da dieses ihrem Mann gehörte.
Nun stand sie mit 26 Jahren und zwei kleinen Kindern ganz alleine da und musste sich aus dem Nichts eine neue Existenz aufbauen. Sie entschied sich, dass es Zeit war, Herrliberg zu verlassen und in Mönchaltdorf einen Neuanfang zu wagen. Als alleinerziehende Mutter begann Frau Schurter dann als Verkäuferin zu arbeiten. Von Seiten ihres Mannes konnte sie keine finanzielle Unterstützung erwarten. Nachdem er in Konkurs gegangen war, zog er sich ins Tessin zurück und konnte keine Alimente für seine Familie bezahlen. Bei Frau Schurter und ihren Kindern war das Geld darum knapp. „Ich hatte einen Lohn von 600 Franken im Monat. Dazu kam die Miete, Krankenkassenbeiträge und obendrauf galt es eine Tagesmutter zu finden und zu bezahlen... dort ging ein weiterer grosser Happen verloren“.
Um genügend Geld zu verdienen, konnte sie sich auch in den Sommerferien keine Pause gönnen. Ihre Kinder hatten zwar die Möglichkeit einen Hort zu besuchen, aber in den Ferien, war dieser jeweils geschlossen. Obgleich ihr Ex-Mann ihr finanziell nicht helfen konnte, so war er doch bereit, die Kinder während den Sommerferien bei sich aufzunehmen und zu verwöhnen. Ein leichtes Lächeln taucht auf Frau Schurters Gesicht auf: „Das mochten sie natürlich immer“.
Während die Kinder also beim Vater waren, tat sie alles, um mehr Geld nach Hause zu bringen. Sie lernte, nahm Kurse und absolvierte schlussendlich sogar eine KV-Ausbildung, für sie ein grosser Schritt: Denn nun war sie nicht nur eine Frau mit einem Abschluss, sondern hatte dazu noch eine Lehre gemacht. Das war damals viel Wert.
Fünf Jahre später arbeitete sie für Turicaphon, der einzigen Schallplattenfirma in der Schweiz. Dort lernte Hilde Schurter ihren Chef Herrn Schmidt kennen und die beiden verliebten sich ineinander. Obgleich sie sich verlobten und zusammen eine Wohnung hatten, konnte sich die jüngere Tochter nicht mit dem Gedanken anfreunden einen neuen Vater zu bekommen. „Sie sagte zu mir, dass sie zu meinem Ex-Mann ziehen würde, falls ich ihn heirate.“ Da Hilde Schurter das alleinige Sorgerecht hatte, musste sie sich entscheiden und für sie war klar, dass ihre Töchter immer Vorrang haben würden. Die Beziehung zu Herrn Schmidt hielt noch lange in Form einer Freundschaft an, auch nachdem er später zurück nach Deutschland zog. Nachträglich hatten auch ihre beiden Kinder einen sehr guten Kontakt mit ihm. Frau Schurter glaubt, dass ihre Töchter damals das Gefühl hatten, jemand wolle ihnen ihre Mutter wegnehmen und als ihr klar wurde, wie sehr ihre Kinder sie noch brauchten, fiel ihr die Entscheidung auch nicht schwer. Nach dem Abschluss der KV-Lehre zog Hilde nach Zürich und begann bei einer Bank zu arbeiten, bei der sie zum ersten Mal einen richtigen Lohn erhielt. Ihre Töchter wurden älter und die Ausgaben wurden mit den steigenden Ansprüchen grösser. Ihre Kinder wollten zum Beispiel wie alle anderen Schulkameraden auch mit in Lager. Der neue Job gab Frau Schurter die Chance, sich finanziell aufzurappeln war ihr mehr Sicherheit gab. Trotzdem, meint sie mit einem fast traurigen Blick, ihre Kinder seien etwas zu kurz gekommen. Sie war sehr oft weg von Ihren Kindern, auch nach dem Abendessen musste sie häufig nochmals putzen gehen. „Natürlich hatten meine Kinder Verständnis dafür, aber ich selber ... ich selber habe Schuldgefühle, weil ich mit der Tagesmutter und allem schlichtweg zu wenig für sie da war.“.
Als sie damals nach Zürich gezogen sei, musste sie ihre jüngste Tochter für zwei Jahre in ein Kinderheim schicken, denn einen Hort gab es nicht und Frau Schurter sah darum keine andere Möglichkeit, wohin ihre Tochter die zwei Jahre, bis sie zur Schule gehen durfte, gehen konnte. Das Kinderheim „Gott hilft“ wurde von Freunden der Familie geführt und jeden Sonntag durfte ihre Tochter nach Hause, damit das Heimweh nicht zu gross wurde. Obwohl beide Kinder Verständnis für ihr Verhalten hatten, so fiel doch ab und zu der Kommentar, dass die ältere Tochter bevorzugt worden sei. Als dann beide Kinder in die Schule gingen, verbesserte sich die Situation. Hilde Schurter absolvierte nachdem ihre beiden Mädchen die Sekundarschule abgeschlossen hatten, eine Lehre bei Dosenbach und wurde dort später sogar Geschäftsführerin. Sie übernahm die Filiale in Brugg und zog, da die Wegstrecke von Zürich aus zu lang war, auch dorthin. Für die Seniorin war dies eine wunderschöne Zeit. Jedes Jahr durfte sie zwei Lehrlinge ausbilden und ihre jüngere Tochter entschied sich eine Ausbildung bei ihr zu machen.
