Sahara knallhart - Claudia Esser - E-Book

Sahara knallhart E-Book

Claudia Esser

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Beschreibung

Kopf aus – Beine an! Dieser Wahlspruch begleitete mich auf dem Weg zum MARATHON DES SABLES, dem härtesten Marathon der Welt. Doch mein Weg bis zum Finish war weit mehr als nur die 250 Kilometer durch die glühende Hitze der Sahara. In SAHARA KNALLHART erzähle ich von den unerbittlichen, teils lebensgefährlichen Etappen, die mich bis an die Grenze meiner Kräfte brachten – und weit darüber hinaus … "Hinter Claudias beeindruckender Ausdauer steckt eine tief bewegende Geschichte. Trotz ihrer Ängste, ausgelöst durch die Frühgeburt ihrer Tochter, hat sie körperliche und mentale Gipfel erklommen, die vielen als Inspiration dienen können. Selbst ich habe von ihr gelernt – Galgenhumor ist ein vollkommen unterschätztes Resilienzmittel! Ich bin gespannt, was wir in den kommenden Jahren noch von ihr hören werden. Dass sie ab jetzt nur noch Luxusurlaube macht, kann ich mir kaum vorstellen!" (Carmen Hirte, Mentaltrainerin und Extremsportlerin, Siegerin unter anderem vom Montane Lapland Arctic Ultra 2024)

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2024

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© 2024 Claudia Esser · juwelier-essen.de

Das Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. 978-3-384-23189-5 (E-Book) Projektkoordination, Satz: Branding-Buch.de Korrektorat: Sarah Hollstein Umschlaggestaltung: GuterPunkt Agentur München

Kontakt zur Autorin E-Mail: [email protected] Instagram: @claudia.esser.salzkotten … oder besuchen Sie mich direkt in Salzkotten. :-)

Inhaltsverzeichnis

Vorwort von Sascha

Aufwärmen

Ein Flugzeugabsturz

Tauchen und Me(h)er

Unser Sohn ist da …

… sowie unsere Tochter!

K4 knallhart

Meine ersten Schritte in der Wüste

Neue Herausforderungen

Wie ich zum Laufen gekommen bin

Mein erster Marathon

Wenn die Mutter mit dem Sohne

Lange Läufe

Corona? Glimpflich!

Der erste Spendenlauf

Half Marathon des Sables 2021

Nach dem Halben ist vor dem Ganzen

Weitreichende Vorbereitungen

Nina und Birgit über mich

Nicht verschont

Der legendäre Sandmarathon

Highway to hell

Auslaufen

Vorwort von Sascha

Stellen Sie sich Claudia als ein kleines resolutes Energiebündel in einem Beduinenzelt in der marokkanischen Sahara vor. Sie verbreitet Chaos – das sie aber im Griff hat. Alles ist beschriftet. Ihre Getränkeflaschen, ihr Rucksack, ihre Tüte mit dem Lunchpaket – sogar die Orange trägt ihren Namen! Mit Beduinenzelt meine ich sechs Sportler, die eng nebeneinander auf einem Teppich auf dem steinigen Untergrund der Wüste unter einer mit einigen Holzpflöcken aufgespannten Stoffbahn eine gute Woche miteinander verbringen. Nach wenigen Augenblicken wissen Sie ihre erfreulich offene, unverstellte und direkte Art zu schätzen. Der Wettkampf Marathon des Sables ist eine extreme Herausforderung, die die über 1.000 Teilnehmer fast eine Woche und etwa zweihundertfünfzig Kilometer durch diese lebensfeindliche Landschaft führt, bei der jeder Einzelne sein Gepäck inklusive Essen komplett selbst tragen muss. Jeder, der hier antritt, weiß, worauf er sich einlässt – aber ob er es sich auch wirklich vorstellen kann, steht auf einem anderen Blatt. In der Wüste und am Tag vor der ersten Etappe habe ich einige der deutschen Teilnehmer interviewt. Ich wollte begreifen, was Menschen dazu bringt, sich diesen Strapazen auszusetzen und was sie von diesem Abenteuer erwarten. Zusammengefasst: Viele der Teilnehmer sind nicht nur mit dem Gepäck am Start, das man in Kilogramm messen kann, sondern treten mit inneren oder äußeren Verletzungen (aus Kriegen und Konflikten) an oder werden von ihren persönlichen Dämonen und Erfahrungen begleitet. In dieser Woche in der Wüste stellt man sich somit nicht nur der lebensfeindlichen Umgebung, sondern seinen eigenen tiefsten Emotionen. Claudia ist mit einem bemerkenswert schweren Rucksack an den Start gegangen. Sie hat in dieser Woche nicht nur die Wüste bezwungen, sondern ist bemerkenswert über sich hinausgewachsen. Sie hat sich ihren Ängsten gestellt und mit einer unvergleichlichen Robustheit jede physische Komfortzone verlassen. Ihre Entscheidungen werden ihr weiteres Leben bestimmen – im Guten. Es ist mehr als Willensstärke und Härte, die Claudia wiederholt in ihrem Leben gezeigt hat, um schwierige Situationen und Umstände zu meistern. Ich habe diesen beeindruckenden Menschen kennenlernen dürfen, der die Überzeugung lebt, sein Leben und die Umstände, mit denen man konfrontiert wird, nicht als Schicksal, sondern als Herausforderung wahrzunehmen und sein Handeln darauf auszurichten. Nicht nur für dieses Werk viel Glück – dein Sascha Nebling

Aufwärmen

Ich liege da, in meinem Bett im Kreißsaal, einem Raum, der mehr an eine kalte, unpersönliche Fabrikhalle als an einen Ort des Lebens erinnert. Sterile Wände umgeben mich, wenig Wärme, kaum Nahbarkeit. Nichts symbolisiert meine eigene Unfreiheit so gut wie ein Toilettenstuhl, der rechts neben meinem Bett steht. Allein darf ich nicht gehen, stehe unter ständiger Beobachtung, fühle mich wie ein Experiment unter dem Mikroskop. Jeder Tropfen Flüssigkeit, der meinen Körper verlässt, wird gemessen und kontrolliert, die Analyse dient der Überwachung der Nieren, die kurz vor dem Versagen stehen. Schläuche durchziehen meinen Körper durch jede Öffnung, und wo keine war, da schuf man eine. Jeder Atemzug gleicht einem Kampf, jeder Herzschlag einem Donnern in der Stille meines Leidens. Mein Körper ist ein Schlachtfeld, gezeichnet von Schmerz und Erschöpfung. Doch in dieser Isolation bin ich nicht allein. Glücklicherweise ist da immer jemand, ein wachsames Auge, eine helfende Hand. Auch jetzt steht jemand rechts neben meinem Bett. Ich fühle mich nicht verlassen. Plötzlich ein lautes Krachen – ein Geräusch, das mich in eine andere Realität katapultiert. Ein Hirsch bricht durch den Wald, sein Atem schwer, seine Präsenz überraschend. Er steht da, atemlos, auf dem Waldweg vor mir. Aus dem Augenwinkel sehe ich seinen Konkurrenten, höre das Echo ihres Kampfes im Wald verschwinden. ›Mein‹ Hirsch und ich, wir teilen einen Moment. Unsere Blicke treffen sich, in seinen großen, braunen Augen finde ich einen Spiegel meiner eigenen Erschöpfung. Dann, mit einer ruhigen Wende, verschwindet er, lässt mich zurück auf meinem Pfad. Ich setze meinen Lauf fort. Ein sanfter Trab, der mich nach Hause führt. Zu Hause angekommen greife ich zum Telefon. Es ist an der Zeit, Hilfe zu suchen. Hilfe, die über das Physische hinausgeht. Ich erkenne, dass ich, egal wie weit oder schnell ich laufe, dieser Angst nicht allein entkommen kann. Flashbacks dieser Art spiegeln über zwanzig Jahre meines Lebens wider, zwanzig Jahre seit der zu frühen Geburt meiner Tochter. Zwanzig Jahre, in denen ich mich mit diesem Trauma herumgeschlagen habe. Es dauerte zwei Jahrzehnte, bis ich begann, den Schmerz, den die Geburt meiner Tochter mit sich brachte, zu verarbeiten. Zwei Jahrzehnte, in denen das Leben meine Angst unterdrückte. Stets gab es etwas, das meine Aufmerksamkeit forderte. Die folgenden Kapitel enthüllen, was in dieser Zeit geschehen ist – und davor. Sie erzählen, warum und wie ich den Wunsch entwickelte, anderen Frühchenmüttern zu helfen und ihnen Mut zu machen. Ich habe viele Herausforderungen gemeistert und stehe nun vor einer neuen, einer sportlichen. Im Jahr 2023 plane ich, am Marathon des Sables teilzunehmen – ein Wüstenlauf, der mich zweihundertfünfzig Kilometer durch die Sahara führt. Ein Lauf, bei dem ich mich auf das Wesentliche beschränken muss, mein Essen und mein Gepäck stets bei mir. Aber bis es so weit ist, werde ich an diesem Buch arbeiten, trainieren und meinem normalen Job nachgehen. Doch bevor ich weitererzähle, sind ein paar Informationen erforderlich …

Ein Flugzeugabsturz

Die erste Tragödie meiner Kindheit ereignete sich, als ich zwei Jahre alt war. Mein Vater starb früh und obwohl ich ihn entsprechend nicht richtig kennenlernen konnte, hallte sein Verlust in meinem Leben nach. Er war voller Träume und Visionen für unsere Zukunft, ein Mann mit einer unerschütterlichen Zielstrebigkeit. In den 1970er-Jahren wagte er als Kfz-Meister den mutigen Schritt in die Selbstständigkeit und führte seine eigene Autowerkstatt. Er erkannte das Potenzial des Paderborner Flughafens, damals nicht mehr als ein einfaches Gelände mit einer unscheinbaren Holzhütte als Luftaussichtsbaracke. Parallel zu seinem unternehmerischen Abenteuer folgte er seiner Leidenschaft fürs Fliegen und begann eine Ausbildung zum Fluglehrer. Sein Traum war es, eine Flugschule an diesem Flughafen zu eröffnen. Doch genau diese Träume wurden ihm zum Verhängnis: Ein Flugzeugabsturz riss ihn aus dem Leben, ein Ende, das irgendwie zu seinem leidenschaftlichen Leben passte. Sein Schicksal prägte meine Kindheit, häufig wurde über den Verlust gesprochen. Wahrscheinlich rührt daher auch meine Angst vor dem Fliegen; ich bevorzuge das Gefühl von sicherem, festem Boden unter den Füßen. Ich weiß nicht, ob ich behaupten würde, dass der frühe Verlust meines Vaters mich definiert hat. Aber sicherlich hat er mich beeinflusst, besonders durch die romantische Vorstellung, ihn eines Tages im Himmel wiederzusehen. Ich stelle mir vor, wie er mich fragen würde: „Mein Mädchen, was hast du aus deinem Leben gemacht?“ Der Gedanke, ihm nicht mehr als „nur Urlaub auf Malle“ berichten zu können, erschreckt mich und treibt mich an, mehr aus meinem Leben zu machen. Ich trage viel von ihm in mir. Meine Sturheit, meinen Willen, Ziele zu erreichen. Wie ein Geseker Betonkopf beiße ich mich fest und gebe nicht auf. Meine Hartnäckigkeit kennt keine Pause, aber ich weiß auch, wann es Zeit ist, innezuhalten. Als Schülerin passte mein Erscheinungsbild nicht zu diesem inneren Feuer – ich war pummelig. Doch aus eigener Motivation heraus änderte ich meine Ernährung und entdeckte meine Liebe zum Sport. Stundenlang fuhr ich Rollschuh, durchstreifte die Felder, Radtouren nach Lippstadt wurden zu meinem Sommerparadies – Stadtrundgänge, Eiscreme, die heitere Heimfahrt. Meine Leidenschaft für das Radfahren wäre fast tragisch geendet. Ein Auto erfasste das Rad, auf dem ich saß. Der Aufprall ist heftig gewesen, mehrere Meter wurde ich durch die Luft geschleudert, prallte mit dem Rücken auf die harte Fahrbahndecke der B1. Die Auffindesituation täuschte über die Schwere des Unfalls hinweg: Keine sichtbaren Verletzungen, ich war bei Bewusstsein, konnte sprechen. Schön eigentlich, doch im Krankenhaus wurde ich deshalb nicht gründlich untersucht. Nach drei Tagen entließ man mich mit Rückenschmerzen und der Diagnose Schleudertrauma. Richtig, aber unvollständig. Die Ärzte übersahen eine Bandscheibenquetschung und einen gebrochenen Wirbel. Es grenzt an ein Wunder, dass ich heute laufen und meine schwere Tauchausrüstung handhaben kann. Ich verdanke es meiner ständigen Bewegung, die mein ›Muskelkorsett‹ im Rücken stärkt und zusammenhält. Nur drei Wochen nach dem Unfall verbannte ich die Halskrause in die Ecke und schnallte mir die Rollschuhe an – typisch stur. Und ein neues Rennrad habe ich mir damals auch gekauft. Nachtschwarz, echter Ledersattel, eine Sonderedition einer deutschen Traditionsfirma. Warum fahre ich heute eigentlich kein Rennrad mehr? Ich sollte darüber nachdenken, glaube ich! Aber erklimmen wir die zweite Säule meines Lebens. Maske auf, Flossen an – seid ihr bereit?