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Warum ist es möglich gewesen, so viel Unkenntnis über die Rolle unserer eigenen Vorfahren in der Zeit des Nationalsozialismus bis heute zu bewahren? Wodurch ist dieses Unwissen entstanden und weshalb kommen erst in den letzten Jahren so viele wichtige historische Details aus dieser Zeit ans Licht? Diese Fragen beschäftigen nicht nur die sogenannten "Nachkriegskinder"oder "Nachkriegsenkel", die Jahrgänge 1950 bis 1970, sondern zunehmend auch die heute jungen Menschen. Durch das Lesen realer Zeit-Dokumente, wie die Briefe eines damals Zwanzigjährigen, gewinnen wir eine neue Sicht auf diese, von Gewalt und Krieg geprägte Zeit in Deutschland. Sich mit den Spuren unserer Kriegsvergangenheit richtig auseinanderzusetzen ist heute, in den Zeiten von Hass und Terror, wichtiger denn je. Die Reise in das Schattenreich der eigenen Herkunftsfamilien birgt unfassbar viele überraschende Erkenntnisse ...
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Seitenzahl: 343
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Vorwort
Kapitel 1 - Die Unwissenheit
Kapitel 1.2 - Verdrängungsstrategien
Kapitel 1.3 - Unbeschwerte Kindheit
Kapitel 1.4 - Die eigene Geschichte
Kapitel 2 - Die mütterliche Familie
Kapitel 2.1 - 40 „glückliche“ Jahre als Ehepaar
Kapitel 2.2 - Die Familienlügen
Kapitel 2.3 - Aufarbeitung von Familiengeheimnissen
Kapitel 2.4 - Der verlorene Sohn Stephan
Kapitel 2.5 - Stephans Verhängnis
Kapitel 2.6 - Das Vermächtnis - die „Baracke“
Kapitel 2.7 - Das neunte Kind -Gabriele
Kapitel 2.8 - Sexuelle Gewalt im und nach dem Zweiten Weltkrieg
Kapitel 3 - 60 Jahre nach Kriegsende
Kapitel 3.1 - Fazit-Perfekte Verschleierungstaktik
Kapitel 4 - Die väterliche Familie
Kapitel 4.1 - Briefe-Lebensbeschreibungen-Stationen eines Lebens
Kapitel 5 - Pflichten - Der Reicharbeitsdienst
Kapitel 5.1 - So viele Briefe aus Neustadt
Kapitel 5.2 - Ausbildung - Studium
Kapitel 5.3 - Landdienst - Erntehilfe
Kapitel 5.4 - Berlin - 1939
Kapitel 6 - Einberufung zum Heeresdienst
Kapitel 6.1 - Truppenübungsplatz Schwiebus
Kapitel 6.2 - Marschbefehl und Fronteinsatz
Kapitel 6.3 - Frankreich - Erste Verwundung
Kapitel 6.4 - Bemühungen und Sorgen der Eltern
Kapitel 6.5 - Zwei weitere Jahre in Berlin- März 1940 bis Dezember 1942
Kapitel 7 - Erneute Einberufung - Russland
Kapitel 7.1 - Erneute Verwundung
Kapitel 7.2 - Lazarettzeit: Saboroshje / Lemberg / Ratibor
Kapitel 7.3 - Malente: Marine-Lazarett
Kapitel 7.4 - Im Jahr 1944 – Wehrmachtsverwaltungstechnische Einsätze
Kapitel 7.5 - 1945 - Kriegsende und persönliche Verluste
Kapitel 8 - Nach 1945 - Alles auf Neuanfang
Kapitel 8.1 - Ein eigenes Leben- Neues Studium
Kapitel 8.2 - Familiengründung
Kapitel 9 - Historisches - Schleswig-Holstein im Nationalsozialismus und Zweitem Weltkrieg
Kapitel 9.1 – Verluste - Der Zweite Weltkrieg in Zahlen und Fakten
Anhang 1 – Orte – Stationen einer Zeitreise
Anhang 2 – Landkarten
Anmerkungen
In den Zeiten von zunehmendem Hass, Terrorismus, Angst und Gewalt, in denen wir alles dafür tun, unsere Unabhängigkeit und Menschlichkeit zu bewahren, kommt die Erinnerung hoch an die unsagbaren Morde, Gewalttaten und den Krieg im Zeichen des Nationalsozialismus hier in unserem Land vor siebzig Jahren. Häufig schon bestand eine Unzufriedenheit damit, zu wenig über die Rolle meiner eigenen Vorfahren im damaligen Unrechtsregime zu wissen. Um mich endlich richtig damit auseinandersetzen zu können, befasse ich mich mit einem schon länger geplanten Projekt, einer familienbezogenen Dokumentation über Ereignisse in der Zeit des Nationalsozialismus, dabei gewinne ich Erkenntnisse, die ich so nicht erwartet hätte, obwohl ich sie eigentlich hätte erwarten können.
Während dieser Arbeit stoße ich auf einige jahrzehntelang bewahrte Familiengeheimnisse, die theoretisch viel früher hätten offenbart werden können, wenn ich nur richtig nachgeschaut hätte, mit offenen Augen. In etlichen Briefen, Unterlagen aus dem Nachlass meiner Mutter, ihre Familie betreffend, sind diese Geschehnisse beschrieben worden, aber ich hatte sie mir nie wirklich genau angesehen. Vielleicht haben andere aus dieser Familie mehr gewusst, aber es besteht eine Hemmschwelle, irgendeinen danach zu fragen, zumal die damals direkt Beteiligten nicht mehr am Leben sind.
Eigentlich wollte ich vorrangig über die Briefe meines Vaters berichten, aber dann entwickelte sich eine Eigendynamik, die dazu führte, dass es notwendig erschien, die Geschichte meiner Mutter-Familie der Vollständigkeit halber mit einzubeziehen.
Bei den Briefen handelt sich um reale Zeit-Dokumente, die von meinem Vater Johannes sowie Angehörigen meiner Mutter in der Zeit vor und während des Zweiten Weltkrieges verfasst wurden und die uns Nachkommen, sowohl denjenigen meiner Generation als auch den jüngeren, ein besseres Bild vermitteln von der Zeit, über die man inzwischen zwar mehr weiß, als ich es mir in meiner Kindheit und Jugend vorstellen konnte, die aber weiterhin entdeckungsfähig bleibt.
Die Namen der involvierten Personen sind durch Initialen abgekürzt bzw. geändert, damit keiner der Nachkommen der betreffenden Familien mit einbezogen wird.
Denn es ist meine Geschichte, mein Anliegen, in der ich natürlich auch meine Sichtweise zum Ausdruck bringen möchte. Die Recherchen begannen, nachdem ich mit großem Interesse die Bücher „Die vergessene Generation - Kriegskinder brechen ihr Schweigen“ und „Kriegsenkel“ von Sabine Bode gelesen habe. Ausschlaggebend für das Projekt ist die Existenz eines Ordners gesammelter Briefe meines Vaters, Jahrgang 1918, die er an seine Familie als junger Mann vor und während des Zweiten Weltkrieges geschrieben hat. Sein Vater hatte alle Briefe aufgehoben und abgeheftet (es ist ein recht dicker Ordner), sowie alle Dokumente, die seinen Sohn betreffen. Alle Briefe durchzulesen und anschließend zu dokumentieren war mein erstes Anliegen, das aber nach zwanzig Seiten Dokumentation einer Pause bedurfte, da ich mit dem Gelesenen teilweise nicht umgehen konnte und folgerichtig den Ordner erst einmal ruhen ließ.
Nach der Lektüre des Buches „Nachkriegskinder“, ebenfalls von Sabine Bode, ist mir einiges klar geworden, so dass ich neuen Mut fasste, um mich wieder mit den Briefen zu beschäftigen. Dabei stellte sich schnell heraus, dass ich ein falsches bzw. eigentlich gar kein Bild von meinem Vater gehabt hatte, denn mit uns wurde nicht über diese Zeit geredet, so dass ich mir meine eigenen Vorstellungen bastelte, in denen meine Vorfahren aller Wahrscheinlichkeit nach nur Opfer des Krieges waren. Nach der Lektüre der ersten zwanzig Briefe hielt ich das Gegenteil für wahr und war komplett überfordert. Nach meinem zweiten Anlauf stellt sich alles viel differenzierter dar und ich bin sehr überrascht, positiv überrascht, dass sich dieser damals junge Mann von zwanzig Jahren so intelligent, gefühlvoll und lebhaft ausdrücken und empfinden konnte.
Meine Vorstellung ist, dass diese Briefe und die Geschichten dahinter, gerade junge Leute, die die damalige Zeit nicht nachempfinden können, sehr interessieren könnten und daher in irgendeiner Art und Weise öffentlich gemacht werden sollten. Diese besonderen Zeit-Dokumente anderen Menschen zugänglich zu machen, ist eine wichtige Möglichkeit zur Erweiterung des zeithistorischen Horizontes. Um alles möglichst zeitlich korrekt wiedergeben zu können, durchforstete ich auch längst vergessene Dokumente aus dem Nachlass meiner Mutter und stieß dabei auf einige Briefe, die die mütterliche Familiengeschichte betreffen. Dabei stellte sich heraus, dass es auch in diesem Ordner einige tiefgreifende Überraschungen und neue Erkenntnisse zu entdecken galt.
Am Anfang stand eine relativ große Unwissenheit, sie gilt es aufzuhellen, und in Wissen, Erkenntnis und eventuell Verzeihen zu verwandeln - mit Hilfe der Erfassung dieser entdeckten Briefe, die jahrelang in einem Bücherregal der Großmutter in einem alten „Holsten-Ordner“ schlummerten und anschließend im Bücherregal meiner Mutter. Sie wurden nach deren Tod allen Nachkommen zur Ansicht zugänglich gemacht und landeten dann bei mir. Ich schaute zuerst nur oberflächlich hinein, aber irgendwann wurde ich mutiger und fing an, richtig zu lesen. Es endete, wie bereits angedeutet, mit einer Art von geschockt sein, weil ich feststellen musste, mit welchem gigantischen Mangel an Kenntnissen über meine eigene Familie ich bisher durchs Leben gegangen war, so dass ich mich fragte, wodurch diese überdimensionale Fehlmenge an Informationen eigentlich entstanden war.
Das Buch „Nachkriegskinder“ half mir sehr dabei, diese Konstellationen seit meiner frühesten Kindheit besser verstehen und interpretieren zu lernen, denn ich habe erst dadurch erfahren, in wie vielen Familien damals, in den 50er und 60er Jahren, das Schweigen vorherrschte. Für diese Kriegsgeschädigten, also die Generation meiner Mutter und meines Vaters, war die Fähigkeit Gefühle zu äußern eine sehr schwierige, manchmal auch unmögliche, Angelegenheit. Ich kann mich nicht erinnern, meinen Vater je weinen gesehen zu haben, meine Mutter habe ich ein Mal mit Tränen erlebt und zwar bei der Beerdigung meines Vaters, sie war zu dem Zeitpunkt sechsundfünfzig Jahre alt.
Auf jeden Fall wollte ich die Unterlagen noch einmal durchsehen, auch weil ich die neuen, vielleicht nicht so angenehmen Tatsachen inzwischen besser einordnen kann. Aus dem ursprünglichen Vorhaben, die Briefe meines Vaters als Zeit-Dokumente durchzuarbeiten und allen, die darüber etwas wissen wollen, zugänglich zu machen, wurde zusätzlich eine Art der Aufarbeitung für mich persönlich und vielleicht auch für andere Menschen, die in den 1950er und 1960er Jahren geboren wurden und aufgewachsen sind. Je mehr ich mich in diese Geschichte hinein vertiefte, desto mehr wurde mir klar, dass es sich nicht um eine Einzelerscheinung handelt, sondern dass es ein Zeitphänomen ist.
Denn in dieser Zeit, zehn Jahre nach dem Krieg, war noch nichts vergessen, aber alles verdrängt. Das Schweigen oder auch die gefühlte Regel, Gefühle nicht zu offen zu zeigen, setzte sich noch lange fort, ich merke es unter anderem daran, dass ich zuerst versucht habe, meine Sätze und Ausführungen möglichst neutral und nicht zu emotional zu formulieren. Persönliche Geschichte bedeutet aber auch, die eigenen Empfindungen zu äußern und verständlich machen zu können.
Ich bin davon überzeugt, dass es einen Unterschied macht, wer sich mit der Deutschen Nazivergangenheit beschäftigt, und zwar im Hinblick auf das Geburtsjahr der betreffenden Person.
Früher habe ich mir tatsächlich nie Gedanken darüber gemacht, dass diejenigen, die zehn Jahre älter waren als ich, am Ende des Zweiten Weltkrieges geboren worden sind, das erschien mir einfach zu weit weg. Es gab die Personen meines Alters, meines Jahrgangs, Freunde, Freundinnen, dann gab es die etwas Älteren, die sogenannte Hippie-Generation, die 68-er, die Studentenrevoluzzer, von denen fühlten wir, also die Leute meines Alters und ich, uns eigentlich doch ziemlich entfernt. Man versuchte vielleicht manchem nachzueifern und beteiligte sich an Demos oder versuchte sich in Unabhängigkeit. Ein geschichtlich eingebundenes Selbstverständnis war jedoch so gut wie nicht vorhanden.
Gerade das Thema „Erinnerungskultur“ ist für Historiker nicht neu. Zitat Hans Günter Hockerts „Zugänge zur Zeitgeschichte: Primärerfahrung, Erinnerungskultur, Geschichtswissenschaft“: „Die wissenschaftlichen Publikationen der Zeithistorie können immer nur relativ kleine Teile der Öffentlichkeit erreichen. Die meisten Bürger begegnen der Zeitgeschichte auf andere Weise.
Jeder speichert im Laufe seines Lebens eigene Geschichtserfahrungen. Dabei nimmt jeder andere Ausschnitte der Wirklichkeit wahr und verknüpft sie auf je eigene Weise mit dem subjektiven Beziehungsnetz seiner Lebenswelt. Franz Kafka notierte am 2. August 1914 in sein Tagebuch: ‚Deutschland hat Russland den Krieg erklärt. - Nachmittags Schwimmschule.‘ So eigentümlich können sich Öffentliches und Privates, Allgemeines und Besonderes vermischen, und im Grunde gibt es so viele Varianten von Primärerfahrung wie es Menschen gibt.
Die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit bildet seit Jahrzehnten - ungeachtet der gebetsmühlenhaft vorgetragenen Verdrängungsvorwürfe - eines der beherrschenden Themen im deutschen politischen Diskurs; so sehr, dass unter ‚Vergangenheit‘, wenn nicht eigens anders vermerkt, nahezu automatisch die NS-Vergangenheit verstanden wird. Diese bildet eine Kontrastfolie, einen Prüfstein und einen Reflexionsfilter für die politische Kultur. Dass dabei über das rechte Maß von Erörterung und Erregung gestritten wird, besonders auch über angemessene, für nachwachsende Generationen einsichtige Formen des Erinnerns und Gedenkens, das ist in einer pluralistischen Gesellschaft ganz unvermeidlich. Die Spannweite reicht von Sedimenten einer bornierten Schlussstrichmentalität bis zu geradezu obsessiven Zügen einer ,Vergessensangst‘, einer ‚kollektiven Angst vor einer Vergessensschuld‘, die sich ‚an immer neuen erinnerungskulturellen Projekten abarbeitet‘.1 In der Mitte der Gesellschaft scheint aber eine bemerkenswert stabile Balance gelungen zu sein, wenn es um die notwendige, doch alles andere als leichte Doppelaufgabe geht, die NS-Epoche als Teil der eigenen Geschichte anzunehmen (also nicht mittels Schlussstrich zum Fremdkörper zu erklären) und sich zugleich von ihr fundamental zu distanzieren.“2
Die Ausführungen der beiden Historiker, Hans Peter Hockerts und Peter Reichel, sind eventuell auch im Zusammenhang mit ihren Geburtsjahren, nämlich 1942 und 1944, zu sehen. „Vergessensangst“, „gebetsmühlenhaft vorgetragene Verdrängungsvorwürfe“ - das wirkt wie: Ich kann es nicht mehr hören. „Die Mitte der Gesellschaft“ ist nicht so genau zu definieren, aber bekommt eine „bemerkenswert stabile Balance“ hin, mit der „Doppelaufgabe“ „die NS-Epoche als Teil der eigenen Geschichte anzunehmen und sich zugleich von ihr fundamental zu distanzieren.“
Das hört sich distanziert an, müssen Wissenschaftler auch sein. Es könnte aber auch durch eigene Erfahrungen unbewusst mit geprägt sein.
Dass wir, die Kinder der Nachkriegszeit, so unwissend aufgewachsen sind, hat etwas damit zu tun, wie unsere Eltern und Großeltern mit uns umgegangen sind und was uns vermittelt wurde. Ich selbst bin 1955 als zweites Mädchen von fünf Kindern geboren, es gab eine ältere Schwester und drei jüngere Brüder. Mein Vater war Arzt, meine Mutter Hausfrau, wir wohnten ziemlich idyllisch in einem Badeort an der Ostsee, die Praxis meines Vaters befand sich auch dort.
Wir haben zuerst in einem Mehrfamilienhaus in Strandnähe gewohnt, im Erdgeschoss lebte unsere Großmutter väterlicherseits, darüber die Praxis und unsere Wohnung. Als unser dritter Bruder, also das fünfte Kind, zur Welt kam, wurde es langsam eng in der Wohnung und wir zogen um in ein Einfamilienhaus, das sich etwas weiter weg vom Strand befand. Dieses Haus mit großem Garten hatte den Großeltern mütterlicherseits gehört, die inzwischen beide verstorben waren.
Uns ging es doch gut, materiell gut, denn sparsam sein war wichtig, genauso wie nach außen und innen die heile Familienwelt zu schätzen und zu wahren. Es gab Ausflüge, Urlaube und Besuche bei Verwandten, den Sommer verbrachten wir im Garten oder am Strand, denn dazu mussten wir nur über die Promenade laufen, später einen kleinen Weg gehen. Unsere Erziehung beinhaltete damals auch körperliche Strafen, das galt aber als völlig normal und notwendig, es wurde Außenstehenden gegenüber nicht erwähnt und war dennoch für uns Kinder demütigend. Anscheinend war es zu der Zeit auch üblich, Kinder in ein Heim zu schicken. Mir wurde als Grund mitgeteilt, ich wäre zu dünn und sollte dort, in dem Kinderheim in St. Peter-Ording, mal ordentlich zulegen, über einen Zeitraum von immerhin nur sechs Wochen. Über die Zustände, die in solch einem Kinderheim herrschten, hat man schon in anderen Publikationen einiges erfahren. Manches davon kommt mir sehr bekannt vor: Der Nachttopf, der mitten im Mehrbettzimmer stand, denn keiner durfte nachts zur Toilette gehen, sondern sollte diesen Topf benutzen. Der Zwang, zu essen, was auf den Tisch kam oder warme Milch mit Haut zu trinken. Andere, bereits erfahrenere Kinder gaben Tipps: Die Haut unauffällig an die Becher-Innenseite kleben! Ich erinnere mich an mein Heimweh, meine Bauchschmerzen und die dazugehörende Strafpredigt der Heim-Leiterin: „Stell dich nicht so an, das bildest du dir nur ein.“ Immerhin war meine Schwester mitgeschickt worden, als Unterstützung, sie durfte aber nicht im selben Raum schlafen wie ich, wir würden zu laut sein, die anderen würden von uns gestört werden.
Der wahre Grund für den Aufenthalt dort wird gewesen sein, dass meine Mutter zu diesem Zeitpunkt im Herbst 1962, ich war sieben Jahre alt, gerade das fünfte Kind bekommen hatte. Sie wird überfordert, vielleicht auch krank gewesen sein und brauchte etwas Entlastung, so dass zwei Kinder weniger zu Hause ihr die mütterlichen Aufgaben wesentlich erleichtert haben werden, so vermute ich es aus heutiger Sicht.
Dezember 1956
Dezember 1960
1962: im Kinderheim
Es gab keine Gespräche über Krieg und Notzeiten, wir hatten so gut wie nichts darüber erfahren, wir sollten in einer Art „heilen Welt“ aufwachsen, die durch möglichst wenig Problematisches erschüttert werden sollte.
Unsere Mutter war absolut perfekt in der ihr eigenen Form der Ablenkung, die ihr so zur Routine geworden war, dass wir uns später darüber lustig gemacht haben. Wenn zum Beispiel irgendeiner von uns ein ihr unangenehmes Thema ansprach oder eine missliebige Sache zur Sprache kam, wendete sie den Kopf zur Seite und blickte aus dem Fenster mit den Worten: „Oh, schaut mal dort, ein ganz großer Vogel landet gerade eben auf dem Komposthaufen!“
Das erstickte alle Fragen im Keim, denn das war ja aufregender als alle anderen unausgesprochenen und komplexen Sachverhalte. Diese Methode wurde ziemlich häufig angewandt, es gab dann keine weiteren Kommentare oder Antworten mehr. Natürlich war auch sie gefangen in ihrer eigenen Geschichte, ihrer eigenen Erziehung, genauso wie unser Vater, beide konnten sich nicht wirklich davon befreien, es war ihnen nicht möglich.
Zu unserer Erziehung gehörte auf jeden Fall nicht die Aufklärung, es gab zwar minimale Ansätze dazu, aber keine Gespräche. Anstelle von Informationen, welche heute völlig selbstverständlich sind, wurde mir ein Buch mit dem Titel „Woher kommen die kleinen Jungen und Mädchen“ in die Hand gedrückt. Da war ich aber bereits im späten Teenie-Alter und hatte mich durch Freundinnen oder auch Artikel in Zeitungen, die zum Beispiel beim Friseur auslagen, informieren können, was natürlich auch nicht komplett umfassend war, aber immerhin aussagekräftiger als die kleine „Aufklärungs-Broschüre“. Man war auf sich selbst angewiesen, auch der Besuch bei einer Frauenärztin erfolgte auf eigene Initiative und vermittelte mir dann weitere notwendige Informationen.
Bei meiner Mutter waren die Aufklärung und auch die Verhütungsmethoden natürlich noch eingeschränkter. Ihre ersten vier Kinder kamen recht dicht nacheinander, so war ich erst anderthalb, als mein erster Bruder geboren wurde, der dazu noch ein Frühchen war, das heißt, er wurde zwei Monate vor dem eigentlichen Geburtstermin geboren. Das muss nicht einfach für meine Mutter gewesen sein, obwohl sie sich nie darüber beklagt hatte. Dennoch hat es auch bei den Kindern Spuren hinterlassen, ich weiß, dass es für mich in dem Alter auch nicht so einfach war, eine nicht ganz existente Mutter zu haben, es bedeutete auch Gefühle von Einsamkeit.
Es hatte allerdings den Vorteil, dass ich früh selbstständig sein wollte und gleichzeitig auch immer Verantwortung für die jüngeren Brüder, die anderthalb, drei und sieben Jahre jünger als ich waren, übernahm. Ich fühlte mich ihnen sehr verbunden, dachte mir viele Spiele und Abenteuer für uns aus, wie zum Beispiel „Verkleiden“, denn das war gelebte Phantasie, zudem spielten wir oft draußen und erkundeten unser Umfeld.
Viel später, als ich schon erwachsen war, hat meine Mutter mal erwähnt, dass es bei ihr eine Fehlgeburt oder Abtreibung gegeben hatte, was sie dann allerdings so umschrieben hat, dass man nicht genau wusste, was es wirklich gewesen war.
Noch später hat sie sich einmal zu ihren eigenen Geburten geäußert, als sie anlässlich der Geburt meiner ersten Tochter mit ins Krankenhaus gekommen war, denn ich wollte sie gerne dabei haben. Sie saß die ganze Zeit auf einem Stuhl im Patientenzimmer und strickte, dann sagte sie plötzlich, dass es ihr früher auch so ergangen sei, als sie mit Wehen in das Krankenhaus XYZ gekommen sei und sie zu sich selbst gesagt hätte: „Nun bist du Idiotin schon wieder hier!“. Das wirkte natürlich ziemlich ernüchternd und traurig und ist mir im Gedächtnis hängen geblieben, denn es hörte sich an wie: „Wenn ich darauf Einfluss gehabt hätte, wären es weniger Kinder geworden!“
Natürlich frage ich mich, inwieweit die familiären Begebenheiten wichtig für das Verständnis der geschichtlichen Zusammenhänge und Auswirkungen sind bzw. ob diese Geschichten und Erinnerungen vielleicht doch zu persönlich sind, um sie aufzuschreiben und offen zu legen. Die Befürchtungen haben etwas damit zu tun, dass wir in einer Atmosphäre des Verschweigens aufgewachsen sind. Wenn von unserer Familie die Rede ist, so gibt es natürlich nicht nur eine, sondern zwei, die sich auch sehr unterschiedlich dargestellt haben. Es wurden zeitweise Familienbande beschworen, die aber, besonders von mir, wahrgenommen wurden als ein aufgesetztes Ritual der Mutter-Familie. Die Vater-Familie umfasste weniger Mitglieder und zeigte weniger Zusammenhalt und Gemeinsamkeiten.
Es gab viele Ungereimtheiten, sporadisch wurden Kriegs-Folgen erwähnt, allerdings nicht in unserer frühen Kindheit, sondern erst in der Schule. Ich erfuhr erst in den 60er und 70er Jahren historische Tatsachen zu dem Thema Zweiter Weltkrieg. Inwieweit das damals auch historisch korrekt war, kann ich nicht mehr beurteilen. Insgesamt zog sich dieses allgemeine Gefühl der Verschwommenheit und Unsicherheit über viele Lebensjahrzehnte hinweg.
Wenn ich mich jetzt damit befassen will, mit Aufarbeitung und Darlegung, werde ich auch meine persönliche Geschichte, das heißt, meine Erfahrungen, meine Sichtweise dieser familiären Besonderheiten meiner direkten Vorfahren und die damit verbundenen Auswirkungen, mit einfließen lassen müssen. Andernfalls könnte es nicht klar verständlich sein, warum ich diese Brief-Story überhaupt aufschreiben möchte.
Ich habe einmal, vor ungefähr zehn Jahren, unter dem Titel „Familienbande“ aufgeschrieben, was ich von den damaligen Familientreffen der zahlreichen Mitglieder der Mutter-Familie hielt. Ich habe es erst vor kurzem wieder gefunden, es trägt ein damals noch nicht aufgelöstes Zeit-Unwohlgefühl in sich und hört sich für mich, aus heutiger Sicht, sogar etwa vorausschauend an. Inzwischen sind etliche Abläufe für mich tatsächlich verständlicher geworden.
Mit meiner persönlichen Darstellung werde ich wohl die direkt betroffenen Personen nicht mehr belasten können, denn alle älteren Familienmitglieder, wie die Geschwister meiner Mutter und die Schwester meines Vaters sind mittlerweile verstorben, meine Eltern ebenfalls, beide im Alter von 65 Jahren, der Vater 1984, die Mutter 1994.
Ich war früher teilweise unglaublich naiv, zu meiner Konfirmation, das muss 1970/71 gewesen sein, wünschte ich mir beispielsweise von meinem Patenonkel, dem Bruder meiner Mutter, ein bestimmtes Buch. Laut meiner Mutter war mein Onkel sehr erstaunt über meinen Wunsch, ich erklärte ihr aber, warum ich dieses unfassbare „Werk“ haben wollte: Es handelte sich nämlich um ein damals herausgekommenes, kommentiertes Exemplar von Hitlers „Mein Kampf“. Ich war zu diesem Zeitpunkt fünfzehn Jahre alt und hatte nun endlich in der Schule etwas über den Zweiten Weltkrieg und seine Schrecken erfahren, was mir alles sehr weit weg zu sein schien. Gleichzeitig hatte ich gelesen/gehört, dass Adolf Hitler in diesem Buch seine rassistische, menschenverachtende und kriegerische Weltanschauung bereits 1933 dargelegt hatte. Hätten alle Menschen, besonders die, die sich nicht dem Nationalsozialismus verschrieben hatten, das Buch damals gelesen, wären sie vielleicht besser vorgewarnt gewesen und hätten später nicht sagen können, das haben wir nicht geahnt. Es hieß weiterhin, dieses Buch sollte sich damals zwar in jedem guten „deutschen“ Haushalt befunden haben, aber wirklich gelesen haben es die Leute nicht. Ich wollte mich nun selbst davon überzeugen, wie sich dieses, für mich abartige Werk, tatsächlich darstellte, deshalb sollte es von mir durchgearbeitet werden. Im Hinterkopf hatte ich zu der Zeit die Vorstellung, dass die Familien meiner Eltern Opfer gewesen waren: Sie hatten schließlich schwere Verluste erlitten, waren ausgebombt worden und hatten jeweils zwei und drei Söhne verloren. Nach dem Krieg ging dann alles wieder auf Neuanfang, das waren die Informationen, die an mich bzw. an uns Kinder weitergegeben wurden.
Also wollte ich auch feststellen, ob durch besseres Wissen von Hitlers frühzeitig veröffentlichten Absichten, irgendetwas hätte verhindert werden können - und auch, ob Hitler überhaupt in der Lage war, zu schreiben, bzw. ob eigentlich schon dieses Buch erkennbar „kriminell“ gewesen war. Diese Erklärungen schienen meinem Onkel zu genügen, ich bekam das Buch und versuchte es durchzuarbeiten, mit Bleistiftnotizen. Ich konnte es aber, trotz der Kommentare, nicht ganz zu Ende lesen, an mein Fazit erinnere ich mich nicht mehr genau, aber ich glaube, es hat mir nicht wirklich weiter geholfen. Ich wusste nach wie vor nicht, wie meine Familie dazu stand, denn eigentlich hatte ich gehofft, dass zumindest meine Mutter sich dazu äußern würde - wäre doch eine gute Gelegenheit gewesen, aber es wurde nichts dazu gesagt, obwohl ich doch die Dringlichkeit des Themas klar dargelegt hatte. So dachte ich weiterhin, sie könnten nicht reden, weil sie Opfer waren - traumatisiert sagt man heute. Inzwischen weiß ich, ja, sie waren traumatisiert, aber aus ganz anderen Gründen, als ich mir damals vorstellen konnte. Eigentlich hatte ich immer noch keine richtigen Vorstellungen von den geschichtlichen und familiären Zusammenhängen während der Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges, es war eine Art von Naivität, die aus dem uns umgebenden Schweigen geboren wurde.
Es gibt einige Gemeinsamkeiten, aber auch etliche große Unterschiede in der jeweiligen Familiengeschichte. Die Geschichte der Mutter-Familie blieb lange recht nebulös, es dauerte sehr lange, bis ich, anlässlich des Brief-Projektes, auch hier endlich etwas mehr Klarheit erlangte, durch Suchen und richtiges Lesen. Die Geschichte der Vater-Familie wird durch das genaue Lesen der Briefe von Johannes, meinem Vater, etwas erklärbarer, verständlicher und deutlicher.
Es ist sogar möglich, anhand der im Ordner gesammelten Dokumente und Briefe, den genauen Lebenslauf meines Vaters zu erstellen, der mir vorher eigentlich weitestgehend unbekannt war. Es wurden zwar manchmal in aller Kürze einige Fetzen davon preisgegeben, wie sich im Verlauf meiner Nachforschungen herausstellte, war aber auf einmal der wahre Hintergrund der mütterlichen Familien-Geschichte gravierend - und leider nicht im positiven Sinn. Daher wird dieser Teil meiner Geschichte nun doch mehr Raum einnehmen müssen, als geplant, denn es ist wichtig, heute endlich hinter die Schleier der Schattenfamilien schauen zu können.
Familienoberhaupt und Vater war Herbert D., geboren 1888 in Frankfurt/Oder. Direkt vor und während des Krieges sei er Bankdirektor gewesen; das wurde uns so erzählt, er genoss angeblich ein sehr hohes Ansehen. Das war ein merkwürdiger beruflicher Aufstieg, der nach seiner vorherigen beruflichen Laufbahn nicht zu erwarten gewesen war. Er war im Ersten Weltkrieg als Leutnant der Reserve im Einsatz und wurde mit nicht ausgeheiltem Lungenschuss in ein Genesungsheim in Garmisch eingewiesen. Er wollte Berufsoffizier werden, wurde aber als „Dienstuntauglich wegen Verwundung“ abgelehnt. Anschließend war er erst „stellungsloser“ Buchhalter, „dem jede nennenswerten Beziehungen zur Förderung eines beruflichen Aufstiegs fehlten“, später, 1916, hatte er dann eine Stellung als „Buchhalter bei der Deutschen Orientbank in Berlin“. 1915, in Garmisch, lernte er dann Annamaria S., die 1888 in London geboren wurde, kennen.
Annamaria, die Tochter eines Pfarrers, war damals eine junge Rote-Kreuz-Schwester. Sie machte in Garmisch einen kurzen Urlaub, hatte von dem Kriegslazarett, in dem sie ehrenamtlich tätig war, eine Freifahrtkarte dritter Klasse erhalten. Angekommen in Garmisch „bestieg sie ohne jedes Training eilenden Fußes den 1700m hohen Berg ‚Wank‘. Noch am gleichen Abend tanzte sie nach dem Abendessen in Garmisch.“ (Zitate aus Herbert‘s „Festrede 40. Hochzeitstag“)
Dabei musste sie Herbert irgendwann über den Weg gelaufen sein und ihn schwer beeindruckt haben. Die Hochzeit mit Annamaria erfolgte 1916 in Potsdam, sie bekamen neun Kinder, sechs Söhne, drei Töchter. Meine Mutter, Gabriele, geboren 1927, war die jüngste.
Im Zweiten Weltkrieg, ab wann genau wird nicht berichtet, ist Herbert dann offenbar zum Bankdirektor aufgestiegen, das wurde uns jedenfalls so übermittelt.
Die Wohnsituationen der Familie wurden uns wie folgt berichtet: Sie lebten erst im Rheinland, dann in Wien und in Berlin jeweils in einer großen Villa; in Berlin in direkter Nachbarschaft zur damals sehr bekannten Schauspielerfamilie Heinrich George, was häufig erwähnt wurde. Nach dem Krieg begab sich Herbert auf Wohnortsuche an die Ostsee, da hatte bei ihm offensichtlich ein nicht unerheblicher Statuswechsel stattgefunden, denn er soll zu dieser Zeit eine Tätigkeit als Vertreter ausgeübt haben. Ich stellte mir die Frage, ob dieser Mann, mein Großvater, sich vielleicht verstecken musste oder wollte. Weiterhin wurde erzählt, dass drei Söhne der Familie im Krieg „gefallen“ waren, Jahrzehnte später stellte sich heraus: Nur zwei der Söhne starben tatsächlich im Krieg.
Anlässlich des Brief-Projektes kam es auch noch einmal zur genaueren Durchsicht alter Unterlagen aus der mütterlichen Familie, dabei erschienen einige Dokumente, die ich teilweise vor längerer Zeit schon einmal gelesen, aber wieder vergessen hatte, teilweise aber auch nicht, denn ich hatte damals eine Scheu davor, alles zu genau anzuschauen. Einige dieser, die mütterliche Familie betreffenden, Besonderheiten müssen ausführlicher dargestellt werden. Es sind Dinge dabei, die ich zum ersten Mal bewusst erfahren habe, wie zum Beispiel etliches über den Großvater Herbert, aber auch über den Erwerb des Grundstückes in dem Ort an der Ostsee, den Bau des Hauses dort, denn das ist immerhin das Haus, in dem ich einen Großteil meiner Kindheit verbracht habe.
Die Hochzeit der Großeltern mütterlicherseits fand 1916 statt, dann kamen die insgesamt neun Kinder, von denen meine Mutter Gabriele die Jüngste war. Es gab also ab 1918 bis 1927 jährlich eine Geburt, so ungefähr. Anlässlich ihres 40. Hochzeitstages, im Oktober 1956, hatten Herbert und Annamaria ihre persönlichen Erinnerungen im Bezug auf ihre Ehe schriftlich formuliert, in einer Art Festrede. Da gibt es erhebliche Unterschiede in der Sichtweise, der Darstellungsart und der Verarbeitung.
Annamaria, meine Großmutter, schreibt in ihrem Rückblick auf vierzig gemeinsame Jahre mit Herbert: „Habicht (Herbert) und Stieglitzin (Annamaria) flogen ins rheinische Land und richteten sich ein Nest in einer Tanne ein. Der Habicht lag nun seinem Beruf des Mäuse- und Häschenfangens ob, und da er geschickt war und anderen Mitinteressenten viel aus den Fängen riss, so war immer etwas zum Knabbern im Nest. Der dumme Stieglitz aber, saß im Nest, guckte nicht rechts und nicht links, legte geduldig jedes Jahr ein Ei und wartete geduldig bis die kleinen Habichtskinder herauskrochen. So ging es neun Jahre lang. Alle kleinen Habichtskinder waren wohlgebildet, gesund und klug. Nun hätte alles okay sein können, aber nein, der hübsche, elegante, von der Arbeit nicht verbildete Habicht entdeckte, dass ihm viele süße, lockere Vögel nachflogen, wohin er wollte. Und so kam es, dass … Na, Moos drüber. Die dumm-harmlose, ich sage fast dämliche Stieglitzin saß ja fest auf ihren Eiern oder im Nest. Sie hätte ihren Schnabel gebrauchen sollen, so glättete sie nur täglich liebevoll die Federn der zerzausten kleinen Habichte damit.“
Herbert hatte anscheinend in fremden Nestern gestöbert, sprich, seine Frau betrogen, die sich nun endlich dafür rächen konnte, indem sie es allen offiziell mitteilte. Es zeigt sich aber auch eine Art von Heiler-Familien-Welt, welche mit dem Ausdruck „Moos drüber“ wieder passend gemacht wird.
Mein Großvater, Herbert, verfasste anlässlich des 40. Hochzeitstages ein etwas längere ‚Festrede‘: „Die frühere Zeit, von der ich zu erzählen begann, liegt lange zurück, so dass ich mich auf die Vorgänge nicht mehr genau besinnen kann, zumal die Tagebücher, Notizen und Briefe von damals im Zweiten Weltkrieg verloren gingen. Aber es mag schon sein, dass die erste bergsteigerische Leistung des jungen Mädchens mich auf sie besonders aufmerksam gemacht hat.
Nur begreife ich heute noch nicht, was sie veranlasste, sobald schon auf meinen Vorschlag einzugehen, uns zu verloben. Nach dem Gesetz der reinen Vernunft bestanden kaum irgendwelche günstigen Voraussetzungen für einen vertretbaren Bund fürs Leben. Das junge Mädchen, das ihr heute als eure Mutter verehrt, war die zweitälteste Tochter einer siebenköpfigen Pfarrer-Familie. Die Verwundung des Verlobten führte nicht nur zur Feststellung seiner völligen Dienstuntauglichkeit, sondern ließ auch gesundheitliche Gefahren für seine Zukunft befürchten. Man entließ ihn zwar mit voller Leutnants-Pension, aber mit seinem Plan, Berufsoffizier mit schneller Beförderung zu werden, war es aus. Außerdem stand es dahin, ob er jemals wieder eine vollwertige Buchhalterstelle mit Entwicklungschancen bekommen und ausfüllen werde. Der Patient erholte sich wieder und fand eine Ausgangsposition bei der Deutschen Orientbank in Berlin Dann begann der Betrieb bei der Orientbank zu veröden. Der Bräutigam (Herbert) setzte alles daran, eine andere Stellung zu bekommen. Es fand sich eine vorteilhafte in Köln. So konnte dann, ein Jahr nach der Verlobung, die Hochzeit in Potsdam im Hotel Einsiedel begangen werden (1916).
Über diesen Tag sind nunmehr vier Jahrzehnte vergangen, eine Zeitspanne wechselvollen Geschicks. Glückliche und erfolgreiche Jahre wurden unterbrochen durch Rückschläge und schweres Leid. Der Zweite Weltkrieg nahm uns unsere drei Söhne Wilfried, Stephan und Harald, auf die wir so große Hoffnungen setzen konnten. Bei Ausgang des Krieges war die ganze Familie auseinander gerissen und jeder einzelne wurde auf den primitivsten Lebensstand zurückgeworfen. Indessen wandte sich auch dieses Geschick. Wir alle haben neue Aufgaben gefunden und uns gegenseitig geholfen. Die drei uns verbliebenen Söhne arbeiten in befriedigenden Stellungen. Unsere drei Töchter haben Schwiegersöhne geheiratet, die genauso wie die uns von Kurt zugeführte Schwiegertochter mehr und mehr mit der Familie verwuchsen.“
Der Großvater könnte sich, seiner Rede nach, nicht mehr genau auf lange zurückliegende Ereignisse besinnen. „Glückliche und erfolgreiche Jahre“, Nationalsozialismus inklusive, wurden „unterbrochen durch Rückschläge und schweres Leid“, es ging alles im Zweiten Weltkrieg verloren.
Das war ein typisches Zeitphänomen der 50er und 60er Jahre, in denen die Erwähnung des Zweiten Weltkrieges nur in Bezug auf den Verlust der Söhne, sowie der mit dem Ausgang des Krieges einhergehende Verlust des gewohnten Lebensstandards stattfanden. Die Söhne hätten „befriedigende Stellungen“ erreicht, natürlich: „Gut“ oder „sehr gut“ konnte es nach dem persönlichen Prestige-Rückgang durch den Krieg nicht mehr sein. Die Töchter hätten bestimmungsgemäß geheiratet, das wären ihre „Stellungen“. Der Sprach-Modus von Herbert ist noch geprägt vom Zweiten Weltkrieg, denn dort gab es „militärische“ Stellungen, z.B. „Die „Hardenberg-Stellung war Teil des deutschen Verteidigungssystems im Endkampf um Berlin ab 16 April 1945.“3
Diese Großeltern Herbert und Annamaria habe ich nicht wirklich kennengelernt, an den Großvater gibt es gar keine Erinnerung, er starb, als ich vier Jahre alt war, da ist kein Bild vor meinen Augen, rein gar nichts. Die anderen Cousinen und Cousins sprachen von „Öpchen“, was sich nett anhört, vielleicht war er oberflächlich nett.
Die Großmutter, sie wurde „Ömchen“ genannt, erinnere ich genauer, obwohl ich erst neun Jahre alt war, als sie starb. Meine Mutter erhielt die Nachricht vom Tod ihrer Mutter am Telefon, aber sie zeigte keinerlei Regung, keine Gefühle von Trauer und weinte auch nicht. Diese Großmutter war vom Grundsatz her eher missgestimmt, es erweckte den Eindruck, dass ihre Enkelkinder ihr auf die Nerven gingen und sie diese nicht unbedingt um sich haben wollte, allerdings gab es wohl ein bis zwei Lieblinge, mit denen sie besser zurecht kam. Durch ihre neun Kinder war wohl ihr Vorrat an Geduld, Mitgefühl und Freude aufgezehrt worden, so erschien es mir, sie hatte anscheinend die Nase voll und wollte mit Babys, Kleinkindern oder auch größeren Kindern, nichts mehr zu tun haben oder besser gesagt, sie nur noch aus der Entfernung wahrnehmen.
Es gab einen Nachmittag im Garten des Hauses an der Ostsee, an dem Fotos gemacht werden sollten von Ömchen mit ihrer Enkelschar, es war gerade ein Neugeborenes dazu gekommen. Diese „Fotosession“ verlief äußerst angespannt, es existieren Fotos der Großmutter, die mit bitterbösem Gesicht ein Enkelkind ermahnt und wegschiebt, so dass nicht von einer liebevolle Atmosphäre die Rede sein konnte, man fühlte sich wieder mal ungezogen und überflüssig.
Bei den Großeltern väterlicherseits habe ich auch keine Erinnerung an den Großvater, die Großmutter hingegen war noch recht lange bei uns, denn sie wohnte zuerst im selben Haus wie wir, nur eine Wohnung unter unserer, sie war die liebe Oma schlechthin, von ihr kam nie ein böses Wort, sie lächelte und freute sich, wenn wir zu ihr kamen.
Es gab in der mütterlichen Familie sechs Söhne, die alle im Zweiten Weltkrieg eingezogen wurden, drei sollen dann „gefallen“ sein: Wilfried, Harald und Stephan, so schreibt es jedenfalls Herbert noch 1956 in seiner Hochzeitsrede. Der älteste Sohn Wilfried wurde im Alter von vierundzwanzig Jahren, im Kriegsjahr 1942, erschossen, er hätte „den Heldentod gefunden“, so nennen es seine Eltern.
In der Todesanzeige für den „gefallenen“ Sohn Wilfried vom September 1942 steht: „Uns traf die tiefschmerzliche Nachricht, dass unser liebevoller Sohn, der Älteste von neun Geschwistern, Gerichtsreferendar, stud. chem. Wilfried D., Leutnant u. Kompanieführer einer Krad-Schützenkompanie, Inh. des EK I und des Panzerkampfabzeichens, bei den schweren Kämpfen in Russland im Alter von 24 Jahren den Heldentod gefunden hat. Bei ausgeprägter Begabung für Kunst und Wissenschaft kennzeichnete ihn vor allem unermüdliche Einsatzfreudigkeit daheim und draußen. Den letzten Winter durchstand er in Lappland unter Bedingungen, deren Schwere uns erst nachträglich bekannt wurde. Seit drei Monaten an der russischen Südfront eingesetzt, schrieb er: ‚Als Kompanieführer verlebe ich trotz des schrecklichen Krieges die glücklichste Zeit meines Lebens, weil ich für alles sorgen muss. Die Herzen meiner Leute sind mir zugetan, wir finden vollste Anerkennung‘. Aufgeschlossenheit und Frohmut in Verbindung mit größter Selbstlosigkeit schufen ihm einen großen Freundeskreis und begründeten die treueste Liebe und Verehrung seiner Geschwister zu ihm. Den Eltern erschien er als Krönung ihres Lebens. In tiefer Trauer, Herbert D., Präsident der Werke des GG in Krakau und Frau Annamaria, Wien“.
Der Sohn hat also den „Heldentod gefunden“, so, als wenn er danach gesucht hätte, auch das angebliche oder wahre Zitat aus dem Brief des Sohnes, welches besagt, er habe „trotz des schrecklichen Krieges die glücklichste Zeit“ seines Lebens „an der russischen Südfront“ verlebt, lässt einen heute erschauern und leicht fassungslos werden. Weiterhin enthält dieser Text eine Information über die berufliche Tätigkeit von Herbert, aber die Bezeichnung „Werke des GG in Krakau“ sagte mir erst einmal nichts, wichtig war, dass mein Großvater Präsident dieser Werke gewesen war.
Krakau - im deutsch besetzten Gebiet Polens, assoziiert Vertreibung, Massenmord, Judenvernichtung. „GG“ steht für „Generalgouvernement, die deutsch besetzten Gebiete in Polen“. Das waren für mich neue Tatsachen, Herbert war zu der Zeit nicht Bankdirektor gewesen, sondern ein im Auftrag der Nationalsozialistischen Machthaber eingesetzter Präsident der Werke des Generalgouvernements in Krakau. Verständlich, dass davon nach dem verlorenen Krieg keiner mehr etwas wissen wollte. Es wurde erforderlich, genauere Informationen über das Generalgouvernement in Krakau einzuholen.
„Das Generalgouvernement entstand am 26. Oktober 1939 in Polen, nach der Invasion durch das nationalsozialistische Deutschland. Die sogenannten Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD verfolgten gezielt die einheimischen Spitzen aus Politik, Wissenschaft, Kultur und Kirche und ermordeten bis Frühjahr 1940 in ganz Polen über 60.000 Menschen. In der Folge entwickelten die Nationalsozialisten zwei Ziele für das besetzte Gebiet: Wirtschaftliche Ausbeutung und die Germanisierung. Während ersteres die Indienstnahme für die eigene Kriegswirtschaft, und die völlige Ausbeutung der Einheimischen bedeutete, lief das zweite auf Vertreibungen und Massenmord hinaus. Opfer der deutschen Rassenpolitik waren insbesondere die Juden. Sie wurden in 342 Ghettos gezwungen, dort unterlagen sie einer Politik gezielter Enteignung und Aushungerung.
In den auf dem Territorium des GG errichteten Konzentrationslagern Belzec, Treblinka, Majdanek und Sobibor, in denen sie etwa 1,8 Millionen der insgesamt 2,2 Millionen jüdischen Opfer des GG ermordeten. Nur wenige der deutschen Verantwortlichen wurden vor Gericht gestellt, einige wenige begingen Selbstmord, die meisten lebten unbestraft in Deutschland. Prominente Ausnahmen sind der Generalgouverneur Hans Frank (1900-1946), der 1946 im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde.“4
Die Rolle, die Herbert D. als Präsident der Werke des GG in Krakau, ausübte, wird nicht mehr klar rekonstruierbar sein. Das Wort „Werke“ hörte sich sehr allgemein an, ich wusste nicht, um was es sich dabei gehandelt hat, das empfand ich als unbefriedigend und fing an, im Internet zu recherchieren. Nach langem Suchen habe ich eine Quelle gefunden, in der der Begriff „Werke des Generalgouvernements“ erläutert wird. Daraus der folgende Auszug: „Der Aspekt der ‚Eindeutschung‘ des Generalgouvernements stand bei der Erfassung polnischen und jüdischen Eigentums zunächst nicht im Fokus der Treuhandstelle. Vielmehr spielte die Weitervermittlung konfiszierter Vermögenswerte im Generalgouvernement insofern eine geringe Rolle, als insbesondere für die größeren und bedeutenderen Unternehmen praktisch nur das Generalgouvernement und seine nationalsozialistische Regierung sowie die von ihr im Oktober 1940 gegründete Holdinggesellschaft ‚Werke des Generalgouvernements‘ selbst als Interessenten in Frage kamen.
Aufgabe der ‚Werke des Generalgouvernements‘ sei es, so Hans Frank, (der Generalgouverneur, „der Schlächter von Juden und Polen“, 1939-1945) der Gefahr vorzubauen, dass für die Gesamtwirtschaft des Generalgouvernements wichtige Unternehmen ‚in die Hände kapitalistischer Großschieber fallen‘.
Wie schon in den eingegliederten Gebieten wurde auch im Generalgouvernement ein weitläufiges System von Treuhändern bereits vor der Bildung einer Treuhandstelle als zentrale Verwaltungsinstanz geschaffen. Diese Treuhänder mussten bis Mitte März 1940 von den Treuhandaußenstellen, die in den Wirtschaftsabteilungen der Distriktschefs gegründet worden waren, bestätigt werden. Im Unterschied jedoch zu den eingegliederten Gebieten konnten im Generalgouvernement auch Polen als Treuhänder über polnische und jüdischen Betriebe und Unternehmen fungieren.
In Ermangelung geeigneter deutscher Kräfte griffen die Behörden des Generalgouvernements in diesem Falle, zumeist bei kleineren und mittelständischen Unternehmen bzw. allgemein an Stellen, die die Deutschen für unwichtig hielten, auch auf Polen zurück. Dass man auch auf Seiten der deutschen Besatzer den Status des Generalgouvernements für problematisch hielt, zeigen die umständlichen Erklärungsversuche, mit denen die völkerrechtswidrigen Eingriffe in die staatlichen sowie die nichtstaatlichen Eigentumsstrukturen der indigenen Bevölkerung rechtfertigen wollte.“5
Die „Werke des Generalgouvernements“ war also eine Holdinggesellschaft der Nationalsozialisten, die dafür sorgen sollte, dass wichtige Unternehmen nicht in die Hände „kapitalistischer Großschieber“ fielen.
Die Tätigkeit eines Präsidenten dieser Gesellschaft kann im Nachhinein nicht wirklich beurteilt werden, jedenfalls nicht von mir.
Es gibt weitere Informationen über die Werke im GG, in einer Dissertation „Führungsverhalten und Handeln reichsdeutscher Unternehmer/Manager und deren Verstrickung in den NS-Terror im Generalgouvernement der besetzten polnischen Gebiete (GG) 1939 bis 1945“ von Dieter Herrmann (2012), aus denen ersichtlich wird, dass die Zielsetzung der GG-Wirtschaftspolitik sowohl in der Ausnutzung vorhandener Industriebetriebe vor Ort, vor allem zu Rüstungszwecken, als auch in der Enteignung von Polen und Juden, der wirtschaftlichen Ausbeutung, sowie Zwangsarbeit, Ghettoisierung und am Ende der Vernichtung von Juden bestand. Daraus folgende Zitate: „Zur Erfassung des nunmehr in das Eigentum des Generalgouvernements übergegangenen Industriebesitzes wurde am 1. Oktober 1940 die ‚Werke des Generalgouvernements Aktiengesellschaft’ gegründet. Sitz der Gesellschaft, deren Aktienkapital sich zu 100 v.H. im Besitze des Generalgouvernements befindet, ist Krakau.
In Führungspositionen im GG - ob in Verwaltung, bei der Polizei, im Handel und in der Industrie - wurden vorrangig überzeugte Nationalsozialisten berufen. Das sollte sicherstellen, dass an den jeweiligen Schaltstellen Verantwortliche saßen, die sich nicht scheuten, bei der Ausbeutung des Landes, der Versklavung der Polen und der - wenn auch nicht sofortigen, so dann doch langfristig geplanten - Ausschaltung der Juden mitzuwirken.“6 In dem gut recherchierten Bericht werden eindeutige Belege dafür genannt, dass die Personen, die im Generalgouvernement in Leitender Funktion tätig waren, Mitglieder der NSDAP gewesen sind und an den dort ausgeübten Verbrechen beteiligt gewesen sind, auch wenn sie „nur“ davon gewusst haben. „Auch auf dem Gebiet der Wirtschaftspolitik folgten die Verantwortlichen in der GG Regierung zunächst den von Hitler vorgegebenen Weisungen, nach denen das GG rücksichtslos ausgeschlachtet werden sollte: Abtransport wichtiger Rohstoffe und Maschinen, umfassender Einsatz polnischer Arbeitskräfte im Reich, Beschränkung der Lebenshaltung auf das notwendigste Minimum. Die materiellen Schäden in Polen (eingegliederte und besetzte Gebiete) – bezogen pro Kopf der Bevölkerung – die höchsten unter den Kriegsgegnern Deutschlands waren.
Luczak geht davon aus, dass die polnische Wirtschaft infolge der totalen Ausbeutung und die durch Kriegseinwirkungen verursachten Schäden materielle Verluste in einer Größenordnung von 49,2 Milliarden Vorkriegsdollar erlitt. Auf heutige Verhältnisse übertragen, entspricht diese Summe der Kaufkraft von 1.300 bis1.500 Milliarden €.“6a
Mein Großvater Herbert, der zur damaligen Zeit stolz auf seinen hohen beruflichen Stand im besetzten Polen war, ist beteiligt gewesen am Unrechtsregime. Er war seit 1937 Mitglied der NSDAP (Mitgliedsnr. 5380081), das ist belegt durch eine Auskunft vom Bundesarchiv vom Februar 2017, nach einer beantragten Recherche bezüglich Zugehörigkeit zur NSDAP. Eine weitere Anfrage bezüglich einer Personalakte Herbert D., die aus dem „NS-Archiv“ des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR (MfS) zuständigkeitshalber an das Historische Institut der Deutschen Bank abgegeben wurde, ergab,
