Schattenwandler - Jacob - Jacquelyn Frank - E-Book

Schattenwandler - Jacob E-Book

Jacquelyn Frank

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8,99 €

Beschreibung

Seit Anbeginn der Zeit gibt es die dämonischen Schattenwandler. Die Liebe zu Sterblichen ist ihnen verboten. Ein Mann wacht darüber, dass dieses Gesetz eingehalten wird: Jacob. Siebenhundert Jahre widerstand er jeglicher Versuchung, richtete zahllose Schattenwandler, die sich bei Vollmond ihren dunklen Trieben hingaben. Doch als er die schöne Isabella rettet, flammt eine Leidenschaft in ihm auf, die er nie zuvor kannte. Und nun ist es Jacob selbst, der das eherne Gesetz der Schattenwandler bricht.

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Seitenzahl: 511

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Inhalt

Titel

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Impressum

JACQUELYN FRANK

SCHATTENWANDLER

Roman

Ins Deutsche übertragen von Karina Schwarz

Für Laura, meine Korrektorin, meine Lektorin, meine Cheerleaderin, meine Kritikerin, die darauf achtet, dass ich mich nicht lächerlich mache,meinen treuesten Fan und eine meiner besten Freundinnen.

Für Tanya,die genauso unerschütterlich an mich geglaubt hat wie Laura.Dem Herrn sei Dank für das Internet.

Und … für Pat,die mir meine allererste Schreibmaschine geschenkt hatund mich im zarten Alter von dreizehn dazu gebracht hat, meinen Worten Taten folgen zu lassen.Ich hab es tatsächlich geschafft!!!

Mein Dank gilt auchKate, Robin, Sulay und Diana.Danke für alles, was ihr für mich getan habt.Und dafür, dass ihr all meine Macken ertragen habt.

Und ein ganz besonderer Dank geht an Lori Foster,die einen äußerst schicksalhaften Wettbewerb veranstaltet hat,und an alle Autoren, die sie dabei unterstützt haben.Er hat mein Leben verändert, und ich konnte werden, was ich immer sein wollte – eine Autorin, deren Romane gedruckt werden.

 

1

Es wäre geradezu lächerlich einfach, ihnen etwas anzutun.

Von hoch oben beobachtete er mit seinen schwarzen Augen, wie die beiden Menschen die spärlich beleuchtete Straße hinuntergingen. Der Mann war so sehr damit beschäftigt, mit der Frau zu flirten, dass er bei einem überraschenden Angriff nicht die geringste Chance hätte, sie zu schützen.

Wobei überraschend in diesem Zusammenhang wohl nicht der richtige Ausdruck war. Auch der Gedanke an Verteidigung war völlig sinnlos. Ein Mensch gegen einen von seiner Art?

Jacob, der Vollstrecker, stieß ein hämisches Lachen aus.

Seiner Meinung nach hatte die rothaarige Frau eine armselige Wahl getroffen. Kein anständiger Mann hätte seine Partnerin dazu überredet, sich in einer so unwirtlichen Nacht wie dieser überhaupt vor die Tür zu wagen. Ganz abgesehen von den Vorboten des Bösen. Die Gegend hatte einen denkbar schlechten Ruf. Voll von drohenden Schatten der Wolken, die vor der bleichen Scheibe des Mondes dahinzogen, und voll von Gefahren, die eines Menschen Sinne nicht erspüren konnten.

Das Paar ging unter ihm entlang und ahnte nichts von seiner Anwesenheit.

Ganz zu schweigen vom Kommen des anderen.

Jacob hob den Kopf. Er spürte genau, wie der andere sich näherte. Auch wenn die von Menschenhand geschaffene Landschaft aus Glas und Beton seine hoch entwickelten Sinne betäubte, fühlte er ganz genau, dass der andere kam. Er war jünger und unerfahren, und er war völlig fixiert auf seine Beute.

Die Menschenfrau.

Jacob spürte den Hunger des anderen wie einen beklemmenden, beißenden Gestank nach ungezügelter Lust. Der jüngere Dämon, sein Name war Kane, materialisierte sich immer wieder flackernd, während er sich über die Dächer der Stadt seinem rothaarigen Opfer näherte. Er ahnte nicht, dass der Vollstrecker ihm gefolgt war und bereits auf ihn wartete.

In einer Staubwolke, die leicht nach Schwefel roch, materialisierte sich Kane kurz darauf unten auf dem Bürgersteig – ein paar Meter hinter dem ahnungslosen Pärchen. Bis auf die Begleiterscheinungen war seine Teleportation völlig unbemerkt verlaufen.

Jacob verharrte, die Nerven zum Zerreißen gespannt. Es fiel ihm schwer, nicht sofort einzugreifen, aber es war seine Pflicht, den anderen Dämon bis zum bitteren Ende gewähren zu lassen. Erst dann hatte er die Berechtigung, dem Gesetz seines Volkes Geltung zu verschaffen. Und er flehte das Schicksal an, Kane möge sich wieder unter Kontrolle bekommen und einfach verschwinden.

Gut getarnt hockte Jacob auf einer Straßenlaterne und beobachtete, wie Kane sich direkt unter ihm hindurch an seine Beute heranpirschte. Mit einem mühelosen Satz überwand der Vollstrecker mehrere Meter bis zur nächsten Laterne. Kein Laut war zu hören, als seine Füße das Metall berührten, kein Rascheln seiner Kleidung, als er sich erneut hinhockte, ohne zu wanken. Der einzige sichtbare Hinweis war das Flackern der Lampe unter ihm. Es kostete ihn nur einen Moment, dieses kleine Problem zu beheben. Zumindest für die anderen unter ihm schien wieder alles völlig normal zu sein. In Wirklichkeit allerdings zuckte das Licht zunehmend in wütendem Protest.

Auch seine Gedanken verbarg Jacob hinter seiner Tarnung. Denn obwohl Kane in diesem Augenblick Sklave seiner niedersten Instinkte war, würde er ihn sofort spüren, wenn er sich nicht vorsah. Und doch flüsterte eine flehende Stimme im Hinterkopf des Vollstreckers, er möge nur einmal, nur dieses eine Mal, einen Fehler machen. Einen kleinen Fehler, wisperte sie, und Kane, der dir so viel bedeutet, wird deine Anwesenheit und deine Gedanken fühlen. Gib ihm die Chance, die du so vielen anderen verweigert hast.

Niemand würde je erfahren, was Jacob schon alles geopfert hatte, um dieses heimtückische Flüstern zu verleugnen. Doch ungeachtet der drängenden Stimme konnte er sich auch diesmal seiner Pflicht nicht entziehen.

Also beobachtete er, wie Kane einen Befehl an das schutzlose Paar sandte. Und im nächsten Moment wandte sich der Mann unvermittelt von seiner Begleiterin ab und entfernte sich, verließ sie ohne jeden ersichtlichen Grund und ohne sich dessen bewusst zu sein. Die rothaarige Frau wandte sich gleichzeitig zu dem Dämon um, der sich ihr näherte. Sie war ziemlich hübsch, bemerkte Jacob, als das Licht der Straßenlaterne auf ihr Gesicht fiel. Sie war groß und hatte eine üppige Figur. Es war nicht zu übersehen, warum Kane sie wollte. Und es war nicht der Vollstrecker in Jacob, der bei ihrem Anblick leise lächeln musste.

Kane war sich seiner Macht über dieses Fleisch vollkommen bewusst. Lässig schlenderte er auf seine Beute zu und streckte die Hand aus, um ihr übers Gesicht zu streichen. In ihren Augen erkannte Jacob, dass Kane sie führte und dass er sie dazu brachte, sanft und nachgiebig zu sein und willig ihre Wange in seine geöffnete Hand zu schmiegen.

Die zärtliche Geste war eine Lüge. Was scheinbar so liebevoll begann, würde ganz anders enden. Es war unvermeidlich und lag in der Natur ihrer Art. Darum hatte er Kane nicht vorwarnen können, wie er es schon Hunderte … nein, Tausende Male zuvor getan hatte.

Jacob hatte genug gesehen.

Mühelos sprang Jacob ab, schraubte sich in die Luft, überschlug sich einmal elegant und landete lautlos hinter der rothaarigen Frau. Er legte seine Tarnung so unvermittelt ab, dass Kane erschrocken die Luft einzog. Der junge Dämon erstarrte mitten in der Bewegung, und Jacob brauchte nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, was Kane gerade dachte.

Der Vollstrecker war gekommen, um ihn zu bestrafen.

Der junge Dämon schluckte sichtbar, die Furcht stand ihm ins Gesicht geschrieben. Er riss seine Hand zurück, als habe er sich an der Wange der Rothaarigen verbrannt, und der Bann, mit dem er sie belegt hatte, löste sich.

Sie blinzelte, als ihr plötzlich bewusst wurde, dass sie zwischen zwei fremden Männern stand und überhaupt keine Ahnung hatte, wie sie dorthin gekommen war.

„Kontrolliere ihr Bewusstsein, Kane. Mach es nicht noch schlimmer für sie, weil sie Angst bekommt.“

Kane gehorchte auf der Stelle. Die hübsche Frau entspannte sich sofort und lächelte sanft, als befinde sie sich in der vertrauten Gesellschaft alter Freunde.

„Jacob, was treibt dich denn in so einer Nacht aus dem Haus?“

Jacob ließ sich weder von Kanes Stichelei beirren noch von dessen Versuch, durch aufgesetzte Ungezwungenheit das Gesicht zu wahren. Der Vollstrecker wusste, der andere Dämon war nicht von Grund auf böse. Er war einfach unerfahren. Und wenn man die Bedingungen betrachtete, die in dieser Nacht herrschten, war es nicht überraschend, dass seine niederen Instinkte ihn in die Irre führten.

Allerdings änderte das nichts an den Tatsachen. Kane war auf frischer Tat ertappt worden. Seine reflexartige Reaktion war ein verständlicher Versuch, sich der drohenden Bestrafung zu entziehen. Er versuchte es zwar zunächst mit Humor, würde aber auch zu jedem anderen ihm zur Verfügung stehenden Mittel greifen, falls es nötig war.

„Du weißt, warum ich hier bin“, sagte der Vollstrecker kalt, um jede Gegenwehr im Keim zu ersticken.

„Vielleicht“, erwiderte Kane und senkte den Blick seiner tiefblauen Augen, während er die Hände tief in die Taschen stieß. „Ich wollte nichts machen. Ich war nur … unruhig.“

„Ich verstehe. Und um deine Unruhe loszuwerden, wolltest du dir diese Frau nehmen?“, fragte Jacob geradeheraus und verschränkte die Arme vor der Brust. Er sah aus wie ein Vater, der seinem missratenen Sohn eine Standpauke hielt. Irgendwie war das ein amüsanter Gedanke, da Kane im Begriff war, das zweite Jahrhundert seines Lebens zu beginnen. Doch die Angelegenheit war einfach viel zu ernst, um zu scherzen.

„Ich wollte ihr nichts antun“, beteuerte Kane.

Jacob bemerkte, dass der junge Dämon tatsächlich dieser Meinung war. „Ach, nein?“, entgegnete er. „Und was wolltest du dann tun? Sie höflich fragen, ob sie nicht Lust hätte, mal mit dem wilden Tier in dir Bekanntschaft zu machen? Wie genau drückt man so was aus?“

Kane schwieg trotzig. Er wusste, dass der Vollstrecker seine Gedanken von dem Moment an gelesen hatte, als er beschlossen hatte, auf Beutezug zu gehen. Es abzustreiten würde die Lage nur verschlimmern. Außerdem stand der Beweis für seine Verfehlung direkt zwischen ihnen.

Für einen kurzen Augenblick waren Kanes Gedanken erfüllt von den Bildern dessen, was eigentlich hätte passieren sollen, auch wenn es noch schlimmer gewesen wäre, wenn man ihn dabei ertappt hätte. Ein sündiges Zittern durchlief seinen Körper, und sein Blick glitt begehrlich über die Frau, die so wunderbar ruhig und heiter vor ihm stand. Wenn Jacob doch nur eine halbe Stunde später gekommen wäre …

„Kane, es sind schwierige Zeiten für unser Volk. Du bist genauso anfällig für diese niederen Bedürfnisse wie jeder andere Dämon“, erklärte der Vollstrecker mit unerbittlicher Entschlossenheit. „Trotzdem bist du in zwei Jahren erwachsen. Ich kann einfach nicht glauben, dass du dich von mir hast erwischen lassen wie ein Anfänger. Überleg nur mal, was ich für einen angenehmen Abend hätte verbringen können, wenn ich nicht hier stehen müsste, um dich vor dir selbst zu schützen.“

Kanes grobes Gesicht wurde knallrot bei diesen gezielten Vorwürfen. Und der Vollstrecker war froh darüber, diese Reaktion zu sehen. Sie sagte ihm, dass Kanes Gewissen wieder funktionierte, dass sein normalerweise feiner Sinn für Moral offenbar wieder arbeitete.

„Es tut mir leid, Jacob. Wirklich“, sagte der junge Dämon schließlich, und diesmal klang es aufrichtig und nicht nach einem weiteren Schachzug, um den Vollstrecker zu beschwichtigen. Jacob konnte erkennen, dass es Kane ernst war, denn er hörte endlich auf, die Rothaarige anzustarren, als werde sie ihm gleich auf dem sprichwörtlichen Silbertablett serviert.

Nachdem die kraftvolle Aura des Vollstreckers Kanes Prinzipien wieder gefestigt hatte, bemerkte der junge Dämon, dass er Jacob in eine unhaltbare Lage gebracht hatte. Vielleicht sogar in einer Weise, die ihr Verhältnis für immer trüben würde. Das schlechte Gewissen, das sich wie ein Messer in seinen Körper bohrte, schnürte Kane die Kehle zu.

Das Gefühl war ebenso überwältigend wie die Furcht, die sich in ihm ausbreitete. Er hatte sich über die Unantastbarkeit ihrer Gesetze hinweggesetzt. Und das stand unter Strafe, einer Strafe, die eine ganze Spezies nach Atem ringen und zurückweichen ließ, sobald sich der Vollstrecker zeigte. Plötzlich spürte Kane die Last von Jacobs Lage, und sein Mitgefühl wurde zu einem körperlichen Schmerz in seiner Brust.

„Du wirst diese Frau unbehelligt nach Hause schicken, indem du sie wieder mit ihrem Begleiter zusammenführst, und dafür sorgen, dass sie sich nicht an dein schlechtes Benehmen erinnert“, befahl Jacob sanft, während er die Gefühlswallungen beobachtete, die sich in Kanes Gesicht abzeichneten. „Dann wirst du nach Hause gehen. Deine Bestrafung erfolgt später.“

„Aber ich habe doch gar nichts getan“, protestierte Kane, als die Angst vor dem Kommenden ihn ergriff.

„Aber du hättest, Kane. Mach es nicht noch schlimmer, indem du dich selbst belügst. Du wirst nur dich selbst davon überzeugen können, dass ich der Schurke bin, für den andere mich gern halten. Und das würde für uns beide nur schmerzvoll enden.“

Schuldbewusst erkannte Kane die Wahrheit. Er seufzte und schloss die Augen, um sich zu konzentrieren. Sekunden später kam der Begleiter der Rothaarigen in einem weiten Bogen über die Straße zurück. Er lächelte und rief nach ihr.

„He! Wo warst du denn? Ich bin um die Ecke gegangen, und plötzlich warst du weg.“

„Tut mir leid, Charlie. Irgendwas hat mich abgelenkt, und ich habe gar nicht gemerkt, dass du nicht mehr bei mir warst.“

Charlie hakte sich bei ihr unter, und ohne von den beiden Dämonen, die nur wenige Zentimeter von ihm entfernt standen, überhaupt Notiz zu nehmen, zog er sie mit sich.

„Gut“, lobte Jacob. Kane hatte es genau richtig gemacht. Der jüngere Dämon wurde immer klüger, je reifer er wurde.

Kane seufzte und klang äußerst betrübt.

„Sie ist so schön. Hast du ihr Lächeln gesehen? Ich konnte nur noch daran denken, wie sie lächeln würde, wenn ich …“ Kane wurde rot, als er den Vollstrecker anblickte. Es war Jacob vollkommen klar, dass ihr Lächeln nicht sein einziger Beweggrund gewesen war. „Ich hätte nie gedacht, dass mir das passieren würde, Jacob. Das musst du mir glauben.“

„Das tue ich.“ Jacob zögerte einen Moment, und zum ersten Mal erkannte Kane, was für ein schrecklicher innerer Kampf es für den Vollstrecker gewesen sein musste, egal, wie er sich äußerlich gegeben hatte. „Mach dir keine Sorgen, Kane. Ich kenne dein wahres Ich. Ich weiß, wie schwer es für uns ist, diesen Fluch zu bekämpfen. Und jetzt“, fuhr er sachlich fort, „geh bitte nach Hause. Abraham wartet dort schon auf dich.“

Dieses Mal wischte Kane die aufkommende Angst einfach beiseite. Er tat es für Jacob. Er wusste, wie schwer dem älteren Dämon das alles fiel, auch wenn dessen Gedanken zu gut geschützt waren, als dass Kane sie hätte lesen können. „Du tust nur deine Pflicht, wie du sie bei jedem anderen auch tun würdest. Das verstehe ich, Jacob.“

Dann nickte Kane ihm brüderlich zu. Nachdem er sich kurz umgesehen hatte, ob auch niemand sie beobachtete, verschwand er in einer explodierenden Schwefelwolke.

Jacob stand noch eine ganze Weile auf dem Bürgersteig, die Sinne aufs Äußerste geschärft, bis er sicher war, dass Kane wirklich nach Hause zurückkehrte. Es war nicht ungewöhnlich, dass ein Dämon flüchtete und sich aus Furcht vor drohender Strafe irgendwo versteckt hielt. Doch Kane war wieder auf dem richtigen Weg – in mehrfacher Hinsicht.

Jacob wandte sich um und sah in die Richtung, in die das Menschenpaar verschwunden war. Es verblüffte ihn immer wieder, wie schwach ausgeprägt die menschlichen Instinkte waren. Ihre kulturellen und technologischen Errungenschaften hatten sie im Laufe der Zeit ihre Intuition gekostet. Diese Frau würde niemals begreifen, wie knapp sie der Gefahr entronnen war. In der Dunkelheit einer verfluchten Nacht wie dieser auf einen unberechenbaren Dämon zu treffen war nichts, wonach ein Sterblicher sich sehnte.

Mit einem Gedanken schüttelte Jacob die Kraft der Erdanziehung ab und erhob sich vom Boden, ohne auch nur einen Lufthauch zu verursachen. Sein langer athletischer Körper durchschnitt die Schwärze der Nacht wie eine herrliche, fein geschliffene Klinge. Er stieg höher als die Wolkenkratzer, hinter deren Fenstern so manches Licht protestierend flackerte, als er vorbeikam, und schoss dann hinauf in den klaren Nachthimmel.

Erst dort hielt Jacob inne. Mit gerunzelter Stirn betrachtete er den wächsernen Mond. Es war immer das gleiche Spiel vor und nach dem Vollmond zu Beltane im Frühling und zu Samhain im Herbst. Diese Feiertage waren allen Dämonen heilig, und doch standen sie auch für den Fluch, der sie geißelte. Die Unruhe in seinem Volk würde in der kommenden Woche noch zunehmen und bei Vollmond ihren Höhepunkt erreichen. Alte wie junge Dämonen gerieten dann auf Irrwege. Und selbst die Ältesten würden Mühe haben, der Versuchung zu widerstehen.

Nicht ohne Grund war gerade Jacob als Vollstrecker auserkoren worden. Er verfügte über eine unermessliche Selbstbeherrschung. Selbst der Herrscher der Dämonen war anfälliger für diesen bevorstehenden Wahnsinn als er, und das wollte etwas heißen. Denn in den vierhundert Jahren als Vollstrecker war Jacob noch niemals genötigt gewesen, Noah, den Dämonenkönig, zur Ordnung zu rufen.

Und dafür war Jacob dankbar. Es lag nicht in seinem Interesse, sich mit Noah zu messen. Der Herrscher hatte seine Stellung nicht in einer Erbfolge angetreten, sondern sie sich durch seine Fähigkeiten als Führer und durch seine unglaublichen Kräfte erkämpft.

Während Jacob weiterflog, gingen ihm Gedanken durch den Kopf, die eher philosophischer Natur waren.

Was war schwieriger? Der Vollstrecker zu sein oder der König, der den Vollstrecker auswählen musste? Denn bei seiner Wahl hatte Noah damit rechnen müssen, dass er Jacob eines Tages selbst Auge in Auge gegenüberstehen würde.

Er war ein tapferer Führer, der immer bemüht war, die beste Entscheidung zu treffen. Auch wenn er sie eines Tages vielleicht bereute.

Noah blickte von seinem Buch auf. Die Energiewirbel, die Jacobs Ankunft vorausgingen, erreichten ihn lange bevor der Vollstrecker selbst in einem Schauer aus Staub durchs Fenster geweht kam und seine athletische Gestalt formte. Der Vollstrecker hätte sein Kommen auch genauso gut bis zu diesem Moment tarnen können, doch bei Noah kündigte er sich immer an. Aus Respekt.

Der Dämonenkönig betrachtete den anderen Ältesten, der jetzt in normaler Gestalt noch einen Augenblick vor ihm über dem Boden schwebte. Dann landete Jacob mit jener fließenden Eleganz, die allen seinen Bewegungen innewohnte.

Noah lehnte sich zurück, und seine mächtige Erscheinung füllte den breiten Stuhl aus Eiche vollkommen aus. Während Jacob sehnig und flink war, wirkte Noah eher breit und muskulös. Das war unter seiner engen braunen Reithose und dem Seidenhemd, das extra für seine breiten Schultern angefertigt worden war, gut zu erkennen. Trotzdem strahlte Noah eine ganz eigene Eleganz aus, wie er lässig die Beine in den schwarzen Stiefeln übereinanderschlug. Einen Augenblick lang saß er schweigend da und musterte den Vollstrecker.

„Ich gehe davon aus, du hast deinen jüngeren Bruder rechtzeitig gefunden, um ihn daran zu hindern, irgendein Chaos anzurichten“, sagte er schließlich.

„Selbstverständlich“, erwiderte Jacob knapp und strich Kane von der Liste der Themen, die er im Moment diskutieren wollte.

Noah verstand und nahm es hin. Er beobachtete Jacob, während der sich etwas zu trinken eingoss, kurz am Inhalt des Glases schnüffelte und Noah dann fragend anblickte.

„Milch“, erklärte Noah.

„Das weiß ich“, erwiderte Jacob ungeduldig. „Von was?“

„Von einer Kuh. Aber aus Kanada importiert, nicht pasteurisiert und naturbelassen.“

„Hm. An deinem Tisch hätte ich etwas Besseres erwartet, Noah.“

„Die Kinder waren hier. Alles Bessere wäre für sie zu viel gewesen. Und du hättest die sechs betrunkenen Unruhestifter meiner Schwester dann wieder einfangen können. Du erinnerst dich doch noch, was sie uns in dem Alter immer für Schwierigkeiten gemacht hat?“, sagte der König. „Und dann stell dir ihre Nachkommen vor.“

Jacob musste grinsen und nippte vorsichtig an der Milch. Nach einem ersten Schluck, den er erfrischend fand, leerte er gleich das halbe Glas. „Deine Schwester Hannah“, erinnerte er sich, „hatte kaum ihren ersten Atemzug getan, als sie schon anfing, Schwierigkeiten zu machen. Darum werde ich deine Verwandten nicht so schnell aus den Augen lassen.“ Lässig prostete er dem König zu. „Natürlich rechne ich Legna nicht zu denen, die deine berüchtigten Gene haben“, fügte Jacob großzügig hinzu.

„Natürlich“, erwiderte Noah trocken.

„Wie geht es den Kindern überhaupt? Deine Schwester muss ja verrückt werden, wenn sie sie unter diesen Umständen alle im Griff behalten will“, meinte Jacob. Er warf einen Blick in Richtung Mond, der aber von hier aus nicht zu sehen war.

„Warum, glaubst du wohl, hat Hannah sie hergebracht? Ich denke, sie hat gehofft, dass die Ahnungen des königlichen Onkels dabei hilfreich sein könnten.“ Noah massierte eine Verspannung in seinem Nacken. „Ich hätte deine Hilfe gebrauchen können. Stell dir mal vor, wie gut sie sich benommen hätten, wenn plötzlich der Vollstrecker hier aufgetaucht wäre.“

Jacob wusste, dass Noah ihn nur aufzog, doch er fand die Bemerkung nicht so wahnsinnig komisch. In der Welt der Dämonen nutzten Mütter den Vollstrecker, um ihre Kinder zu gutem Benehmen anzuhalten. Es war ein notwendiges Übel, wenn man bedachte, welch unglaubliches Unheil junge Dämonen anrichten konnten. Trotzdem hieß das nicht, dass Jacob davon angetan war, denn für ihn bedeutete es ein ziemlich einsames Leben. Diese Dämonenkinder wurden zu Erwachsenen und schließlich zu Ältesten, die ihre Angst vor dem Vollstrecker niemals ganz verloren.

Auf der anderen Seite machte das seine Aufgabe um einiges leichter. Es war ein netter Nebeneffekt, dass er nur aufzutauchen brauchte, damit sich auch dem Stärksten der Magen umdrehte und es gar nicht erst zu großen Kämpfen kam. Er war überrascht, dass es bei seinem Bruder so gut funktioniert hatte. Kane war bekannt dafür, dass er immer behauptete, der Vollstrecker könne ihn überhaupt nicht einschüchtern, da er schließlich mit ihm aufgewachsen sei. Doch das stimmte offensichtlich nicht so ganz, und Jacob war sich nicht sicher, ob ihm das gefiel. War er dankbar, dass er nicht mit seinem kleinen Bruder hatte kämpfen müssen? Natürlich. Aber war er auch glücklich, dass sein Bruder genauso viel Angst vor ihm hatte wie alle anderen? Nein, eigentlich nicht.

„Und stand irgendwas Interessantes drin?“ Jacob deutete auf das große staubige Buch, das halb gelesen auf Noahs Tisch lag.

„Eigentlich nicht.“ Er hielt kurz inne. Seine graugrünen Augen mit der blassen Iris schienen im Licht des Feuers zu glühen. Er musterte Jacob. Offenbar war es Noah nicht entgangen, wie geschickt der Vollstrecker das Thema gewechselt hatte. „Auch wenn wir in unserer Kultur und bei unseren Bräuchen noch so archaisch sein mögen, diese Bücher beweisen doch, wie modern wir eigentlich sind. Es ist, als würde man eine andere Sprache lesen.“

„Sprache lebt. Als Gelehrter müsstest du es eigentlich zu schätzen wissen, dass selbst eine so alte Sprache wie unsere sich im Laufe der Zeit entwickelt.“

„Im Moment hilft mir das allerdings wenig. Wir befinden uns mitten in einer Krise, die sich immer weiter zuspitzt, und ich habe bisher keinen Ausweg gefunden.“

„Dann müssen wir eben einfach so weitermachen, wie wir es immer getan haben“, erwiderte Jacob leise, um den offensichtlich gereizten Noah etwas zu beruhigen. Der Dämonenkönig war zehnmal so berüchtigt für seine Launen wie seine Schwester Hannah, obwohl er sie auch zehnmal besser unter Kontrolle hatte. Noah war der festen Überzeugung, dass niemand jemand anderen führen konnte, wenn er seine eigenen Gefühle nicht beherrschte. „Ich habe schon alles gesehen, was man sich nur vorstellen kann, und ich habe es überstanden, Noah. Niemand wird zu Schaden kommen, und solange ich atme, wird auch niemand die Erlaubnis erhalten, anderen Schaden zuzufügen.“

„Aber es wird immer schwerer, oder nicht?“ Noah sah auf, und ihre Blicke trafen sich. „Du hast jedes Jahr mehr zu tun und wirst immer niedergeschlagener. Jedes Jahr sehe ich, wie die erfahrensten Ältesten die Kontrolle über sich verlieren, als würden sie sich wieder im ersten Jahrhundert ihres Lebens befinden. Sag mir, dass ich mich irre.“

„Das kann ich nicht behaupten“, entgegnete Jacob und seufzte schwer, während er sich mit den langen Fingern durch sein dichtes schwarzbraunes Haar fuhr. „Erst vor zehn Jahren musste ich Gideon disziplinieren. Unter der Handvoll Dämonen, von denen ich geglaubt hatte, sie seien immun gegen diesen Wahnsinn, stand der alte Gideon an erster Stelle. Gideon, Noah!“ Jacob schüttelte beklommen den Kopf bei der Erinnerung an dieses fürchterliche Ereignis.

„Und er leckt immer noch seine Wunden. In den letzten acht Jahren hat Gideon nicht einmal seine Festung verlassen.“

„Das wird er sicher auch nicht tun, solange hier alles nur noch schlimmer wird.“ Jacob runzelte mürrisch die Stirn, während er sich gegenüber von Noah in einen Stuhl sinken ließ. „Sein Platz am Tisch des Rates verstaubt langsam, und wir sind … nicht vollzählig.“

Noah war sich wohl bewusst, wie traurig Jacob darüber war, aber er wollte nicht zulassen, dass er darin versank. „Im Moment ist es am besten so“, sagte er. „Ich glaube kaum, dass du besonders begierig darauf bist, ihn ein zweites Mal in die Schranken zu weisen.“

„Nein. Ganz bestimmt nicht. Aber ich weiß auch, dass es ihm überhaupt nicht hilft, wenn er sich einfach zurückzieht. Dadurch wird es irgendwann nur zu einer weiteren verheerenden Auseinandersetzung zwischen Gideon und mir kommen.“

Die Bitterkeit in Jacobs Stimme entging dem König nicht. Noah hatte noch nie jemanden kennengelernt, der so viel Verantwortungsgefühl, Loyalität und moralischen Anspruch besaß wie der Vollstrecker. Erst im Tod würde Jacob eines Tages von seinem Amt zurücktreten. Dieser Vollstrecker würde niemals freiwillig in den Ruhestand gehen.

Aber seit einer Weile stimmte mit Jacob irgendetwas nicht. Jahr für Jahr war er gezwungen, auch die Ältesten, die er am meisten respektierte, zu maßregeln, wenn der Wahnsinn sie mit einem Mal überkam. Und das belastete Jacob sehr.

Das Schlimmste, vermutete Noah, war sicher die Bestrafung von Gideon gewesen. Davor war Jacob der einzige Dämon gewesen, der von sich behaupten konnte, eine Art Freundschaft zu dem Urältesten zu pflegen. Das hatte so lange gedauert, bis der Vollstrecker gezwungen war, sich zwischen dieser Freundschaft und dem Gesetz zu entscheiden. Eine andere Möglichkeit hatte es nicht gegeben. Jedenfalls nicht für Jacob. Das Gesetz war sein Leben. Ein Vollstrecker mit Jacobs Pflichtgefühl und Hingabe an seinen Auftrag würde, sollte er jemals gegen das Gesetz verstoßen, daran zugrunde gehen.

Noah war sich bewusst, dass es ihm, wenn er während einer dieser heiligen Vollmondnächte den Verstand verlieren würde und Jacob dazu gezwungen wäre, ihn wie ein widerspenstiges Kind zusammenzustauchen, schwerfallen würde, dem Vollstrecker das nicht übel zu nehmen. Natürlich wäre es nur zu seinem Besten, im Sinne der gesamten Gattung der Dämonen und auch der wehrlosen Menschen, mit denen sie zusammenlebten. Aber die Ältesten der Dämonen waren ein ziemlich stolzer Haufen, und Noah bildete da keine Ausnahme. Sich eine Schwäche zu erlauben war schon schlimm genug. Doch wenn Jacob das mitbekam, war es noch schlimmer. Und wenn der Vollstrecker einen brutal bestrafte, wie das Gesetz es verlangte, war das einfach unerträglich.

Noah beneidete Jacob nicht im Geringsten um seine Position.

In diesem Augenblick hob der Vollstrecker den Kopf, sah nach links, und seine ganze Gestalt spannte sich an. Noah spürte, wie sich seine Nackenhaare aufstellten, als die mächtigen Sinne des anderen Dämons den Raum erfüllten. Jeder von ihnen hatte besondere Fähigkeiten, in denen er alle anderen übertraf, und Jacob hatte einen äußerst scharfen Jagdinstinkt.

„Myrrh-Ann kommt“, sagte Jacob, stellte sein Glas auf Noahs Schreibtisch und erhob sich. „Sie ist sehr aufgewühlt.“

Im selben Moment flogen die beiden großen Türen am Ende des Raumes auf. Ein Sturm aus schwarzem Staub fegte herein und kreiselte wie ein Tornado. Es dauerte nur einen Wimpernschlag, und er hatte die beiden Männer erreicht. Vor ihren Augen nahm der Staub die Gestalt einer Frau an. Ihr Haar war so weich und silbrig weiß wie die Wolken, ihre normalerweise blauen Augen wurden fast völlig beherrscht vom Schwarz ihrer riesigen Pupillen, in denen die nackte Angst stand.

„Noah!“, keuchte sie und griff blind nach dem König, während ihre Panik die Luft erzittern ließ und jede Flamme im Raum fast zum Erlöschen brachte. „Er ist entführt worden! Du musst mir helfen! Ich ertrage es nicht, ihn zu verlieren! Er bedeutet mir alles!“

„Ganz ruhig“, sagte Noah sanft und kam um seinen Schreibtisch herum, um sie in die Arme zu nehmen. „Beruhige dich, Myrrh-Ann. Ich vermute, du sprichst von Saul?“

„Es war so schrecklich!“, schluchzte die schöne junge Frau und krallte sich in Noahs Hemd. „Er hat sich direkt zwischen meinen Fingern aufgelöst! Noah, du musst uns helfen!“

Noah und Jacob wurden ganz still, und ihre Blicke trafen sich über Myrrh-Anns Kopf hinweg. Sie brauchten keine Worte, um zu wissen, was der andere dachte. Um zu spüren, wie sie beide schneller atmeten.

„Was meinst du mit ‚er hat sich aufgelöst‘?“, fragte der Vollstrecker behutsam.

„Ich meine, er ist abberufen worden! Versklavt!“, schrie Myrrh-Ann, wirbelte zu Jacob herum und starrte ihn voller Angst und Wut an. „Gerade hatte er mich noch berührt, das ungeborene Kind in mir gestreichelt.“ Sie legte die Hand schützend auf ihren gewölbten Leib, als habe sie Angst, man könne ihr als Nächstes das Baby nehmen. „Und dann hat sich sein Gesicht in unvorstellbarem Schmerz verzogen. Gütiges Schicksal! Er ist einfach verblasst, die Füße zuerst, und hat sich in widerlich stinkenden Rauch aufgelöst.“ Sie wandte sich wieder dem König zu und packte verzweifelt sein Seidenhemd, wobei ihre Nägel den feinen Stoff anritzten. „Er hat geschrien! Oh Noah, er hat so geschrien!“

„Myrrh-Ann, bitte setz dich“, sagte Noah sanft. „Du musst dich beruhigen, sonst verlierst du noch das Kind. Es war richtig, sofort zu uns zu kommen. Jacob und ich werden der Sache auf den Grund gehen.“

„Aber wenn er versklavt worden ist …“ Myrrh-Ann zitterte am ganzen Leib. „Noah, wie ist das nur möglich? Warum? Warum mein Saul?“ Myrrh-Ann hatte die Stimme gesenkt und flüsterte nur noch schnell und rau und voller Panik. Die anderen beiden Dämonen konnten ihren entsetzten Gedanken kaum noch folgen.

War das möglich? Seit fast einem Jahrhundert war kein Dämon mehr abberufen worden. Vielleicht irrte sie sich. Es hatte eine Zeit gegeben, in der die Dämonen durch diesen fürchterlichen Akt der Versklavung beinah ausgerottet worden waren. Es war der Bann eines Nekromanten gewesen. Ein schwarzer Zauber, der seltener geworden war, als das Christentum sich ausbreitete und das technologische Zeitalter begann. Mit dem Niedergang solcher Hexerei war der Friede gekommen.

Die Ausnahmen waren offensichtlich – die unkontrollierbaren Phasen des Wahnsinns, die sie während des Heiligen Mondes heimsuchten und sie zu unbarmherzigen Jägern der Menschen machten. In diesen Zeiten kam es gelegentlich sogar zu Scharmützeln mit anderen Arten von Schattenwandlern.

Solange diese Welt besteht, hat es Schattenwandler gegeben. Jene Wesen der Nacht, denen die kühle Luft am besten schmeckt, die das Mondlicht erfrischt und die die Sonne als ein himmlisches Zeichen dafür sehen, dass sie schlafen gehen sollen. Dämonen, Vampire, Werwölfe sind von dieser Art und haben wohl sogar die gleichen moralischen Ansichten.

Und solange es Schattenwandler gibt, gibt es auch jene, die sie jagen. Menschen voller Unwissenheit und voller Heidentum, die tölpelhaft versuchen, sie zu töten. Diese Menschen, die alles fürchten, was sie nicht verstehen, waren schon immer in fanatischer Weise bemüht, die Welt von diesen Kreaturen zu befreien, die für sie die Verkörperung des Bösen sind. Während normale menschliche Jäger die Dämonen nicht weiter störten, waren menschliche Geisterbeschwörer, bekannt als Nekromanten, eine völlig andere Sache. In ihren Flüchen lag ein Verhängnis, das für jeden Dämon, der davon getroffen wurde, weit schlimmer war als der Tod.

Myrrh-Anns Beschuldigungen konnten eine heftige Störung im Gleichgewicht ihrer Welt bedeuten. Es konnte bedeuten, dass diese höchste magische Bedrohung durch irgendetwas wieder zum Leben erweckt worden war. Einige würden sicher behaupten, dies sei ohnehin unausweichlich, da sich das Interesse der Menschen an Hexerei und schwarzer Magie verstärkt habe. Aber es war nicht gesagt, dass das aktuelle Geschehen damit zusammenhing. Ein menschlicher Nekromant? Nach all dieser Zeit? Myrrh-Anns Geschichte ließ das erschreckend möglich erscheinen.

„Noah, kümmere dich um Myrrh-Ann. Ich suche währenddessen Saul.“

„Nein! Oh, bitte!“, schrie Myrrh-Ann. Sie warf sich auf Jacob, der ihr jedoch elegant auswich und sich langsam in die Luft erhob, um sich seiner dunklen Pflicht zu widmen. Plötzlich spürte er, dass ein Wind aufkam, obwohl es in dem Raum eigentlich keinen geben konnte. Es war Myrrh-Anns Wut. Die Folge ihrer Angst.

„Myrrh-Ann, die Zeit drängt“, sagte Jacob barsch, und seine Stimme wurde von der Decke zurückgeworfen, der er sich immer mehr näherte. Der hysterische Ausbruch erstarrte in ihrer bebenden Brust. Die Luft beruhigte sich wieder, als der Vollstrecker ihre Aufmerksamkeit auf sich lenkte. „Falls ich ihn rechtzeitig finde, kann ich versuchen, ihn zu retten. Gelingt mir das nicht, weißt du, was meine Pflicht ist. Glaub mir, dass ich ihn lieber zurück zu dir und dem Baby bringen würde.“

Mit diesen Worten schoss der Vollstrecker in einem Pfeil aus Staub davon.

„Er wird ihn töten! Er wird meinen Saul umbringen!“, schluchzte Myrrh-Ann.

„Sollte es so weit kommen, Myrrh-Ann“, murmelte Noah beruhigend, „dann bedeutet das, dass der Saul, den wir geliebt haben, schon lange von uns gegangen ist.“

Isabella wandte sich vom Fenster ab, als sie den Schlüssel ihrer Schwester in der Tür hörte.

„He, Corr, hat es Spaß gemacht?“, fragte sie, während sie ihren Blick wieder hinaus zum Sternenhimmel wandte.

„Es war okay“, erwiderte ihre Schwester, warf die Schlüssel auf den Tisch und schälte sich aus ihrer Jacke. „Er ist ein netter Kerl. Vielleicht zu nett.“

Isabella verdrehte die Augen und suchte in den Sternen nach einer Antwort.

„Wie kann ein Mann in der heutigen Zeit ‚zu nett‘ sein?“

„Da spricht die große Männerexpertin“, erwiderte Corinne scharf. Sie konnte sich nicht erinnern, dass Isabella jemals auch nur mit jemandem ausgegangen war. Nicht einmal auf der Highschool. Corinne zuckte die Schultern. Sie verstand nicht, warum ihre Schwester in dieser Hinsicht so gleichgültig war.

Isabella riss ihren Blick von der bleichen Scheibe des Mondes los. „Dann erklär mir doch mal, was ‚zu nett‘ genau bedeutet.“

„Also, mal sehen …“, begann Corinne, trat neben Isabella und sah mit ihr zusammen hinaus in die Oktobernacht. „Er ist sehr nett, sehr höflich und sehr berechenbar. Ich schätze, das ist es, was mich stört. Er ist nett, aber nicht besonders aufregend. Vielleicht solltest du mal mit ihm ausgehen.“

Isabella lachte, und ihre Augen blitzten. „Sollte das gerade eine Beleidigung sein?“

„Nein, absolut nicht.“ Corinne kicherte, legte einen Arm um Isabellas Schultern und drückte sie an sich. „Ich hätte es nur einfach gern, wenn du einen netten Typen kennenlernen würdest. Selbst wenn er ‚zu nett‘ ist. Obwohl ich nicht glaube, dass der damit umgehen könnte, was du so gelegentlich von dir gibst. Oh, und vielleicht sollte ich ihn vorwarnen, dass ich die Schwester mit den roten Haaren bin und du die mit den gefährlichen Launen.“

„Ha! Ich habe Mom während der Pubertät jedenfalls nicht in den Wahnsinn getrieben.“

Corinne lachte. „Und keine von uns beiden hat Daddy so verrückt gemacht mit ihren Launen wie Mom.“

Die Schwestern kicherten mitfühlend. Sie wussten beide, woher sie ihre forsche Art und ihre Dickköpfigkeit hatten, genetisch gesehen.

„Dann vielen Dank, dass du deinen abgelegten Freund an mich weitergeben wolltest“, bemerkte Isabella lächelnd. „Aber ich denke, ich lehne ab.“

„Wie du willst.“ Corinne zuckte die Schultern und ging hinüber in die Küche. Dort warf sie einen Blick in den Kühlschrank.

Isabella wandte sich wieder zum Fenster hin und betrachtete noch eine Weile den Mond. Irgendetwas ließ in solchen Nächten ihr Blut in Wallung geraten. In letzter Zeit war sie rastlos oder voller sexueller Begierde … irgendsoetwas. Sie wusste es nicht genau. Im Haus eingesperrt zu sein machte sie geradezu verrückt. Sie wollte dort draußen sein und herumstreifen. Oder einfach rennen.

Im Geiste schüttelte sie den Kopf. Nach Mitternacht durch die weniger einladenden Gegenden der Bronx laufen? Kein Wunder, dass der Vollmond dafür berüchtigt war, die Menschen verrückt zu machen. Sollte irgendjemand im Moment ihre Gedanken lesen können, würde er die ruhige, gebildete Isabella, die alle kannten und liebten, nicht wiedererkennen. Und zu ihrer eigenen Sicherheit würde man sie wahrscheinlich am Boden festnageln.

Isabella fragte sich immer wieder, ob die Leute, die sie kannten und liebten, überhaupt wussten, wer sie wirklich war. Wie sollten die anderen sie kennen, wenn sie sogar daran zweifelte, ob sie sich selbst kannte?

Sie führte ein angenehmes, ruhiges Leben, fast mitleiderregend stereotyp für eine alleinstehende Bibliothekarin. Sie besaß sogar die typischen zwei Katzen. Sie liebte ihre Bücher. Es gab eine solche Fülle an Informationen, es gab so vieles zu lernen, so viele Geschichten zu erzählen. Ihr Appetit hatte nicht einen Tag nachgelassen, seit sie begonnen hatte zu lesen. Wahrscheinlich hatte sie schon mehr vergessen, als die meisten Leute überhaupt jemals gelesen hatten.

Und obwohl Bücher immer der Schlüssel zu Isabellas Glück gewesen waren, jetzt war sie irgendwie … unzufrieden.

Sie riss das Fenster auf und lehnte sich weit hinaus in die kühle helle Nacht. Alles sah so anders aus. Im Gegensatz zur Sonne mit ihrem goldenen Schein ließ der Mond alles blass und silbrig erscheinen. Die Schatten waren lang und geheimnisvoll, der langweilige schwarze Asphalt wurde zu einem Highway aus strahlendem Grau.

„Wenn du rausfällst und auf den Kopf knallst, geschieht dir das nur recht“, bemerkte Corinne sarkastisch hinter ihr. „Ich dachte, du hättest das Fliegenfenster wieder davorgesetzt.“

„Wolltest du nicht ins Bett gehen?“, fragte Isabella, ohne sich umzudrehen.

Sie hörte, wie ihre Schwester einen verächtlichen Laut ausstieß. Das tat Corr immer, wenn ihr keine schlagfertige Antwort einfiel. „Ja, ich gehe ins Bett. Denk dran, die Tür abzuschließen, bevor du schlafen gehst. Starr nicht so lange in die Sterne. Du hast gesagt, du müsstest morgen früh arbeiten.“

„Ich weiß. Gute Nacht“, erwiderte Isabella und winkte ihrer Schwester zu, ohne sich umzudrehen. Sie sah nicht, wie Corinne die Augen verdrehte, bevor sie den Flur hinunter zu ihrem Schlafzimmer ging.

Isabella lehnte sich weiter aus dem Fenster und stützte sich auf ihre Arme, die sie unter der Brust verschränkt hatte, während sie die fünf Etagen bis zum Bürgersteig hinunterblickte. Ihr Haar glitt wie eine schwarze seidene Schlange langsam über ihre Schultern und über ihre Brust nach vorn, bis es frei in der Nachtluft hing.

Sie ließ ihren Blick schweifen, bis sie einen dunkel gekleideten Mann entdeckte, der würdevoll auf ihr Haus zukam. Seine Schritte waren lang und selbstsicher und nur leise durch die Nacht zu hören. Sie wusste nicht, wieso, aber selbst aus dieser Entfernung spürte sie, dass sein lässiger Gang nur Fassade war. Irgendetwas an dieser geschmeidigen männlichen Gestalt wirkte sehr wachsam und sehr … rücksichtslos.

Sie schätzte, dass er ziemlich groß war. Sein Haar war ungewöhnlich schwarz, trotzdem schimmerte es im Mondlicht. Es war wahrscheinlich schwarz oder dunkelbraun und möglicherweise zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Er trug seinen langen grauen Mantel offen und ohne Gürtel, die Hände lässig in den Taschen. Der Stoff schwang um seine Beine, während er ging, und klaffte hin und wieder auf, wobei er ein graublaues Hemd und schwarze Hosen enthüllte. Teuer, elegant und selbst auf die Entfernung sehr beeindruckend.

Gut gekleidete Männer sah man in dieser Gegend nicht oft, denn sie war alles andere als vornehm.

Isabella hatte den Gedanken kaum zu Ende gedacht, als der Mann abrupt stehen blieb. Im blassen Licht des Mondes sah sie etwas in seinem Gesicht aufblitzen, und sie hatte das seltsame Gefühl, dass er gerade gelächelt hatte. Er sah sich um, offensichtlich suchte er etwas.

Dann hob er den Blick.

Isabella keuchte leise auf, als er sie direkt ansah. Ihr Herz machte einen unerklärlichen Sprung. Diesmal lächelte er unübersehbar, ein weißes Blitzen im sonst dunklen Gesicht. Er trat einen weiteren Schritt vor, sah einmal die Straße hinauf und hinunter. Dann lehnte er sich lässig gegen einen Telefonmast und blickte wieder zu ihr herauf.

„Sie werden hinausfallen.“

Isabella blinzelte, als die wohlklingende Stimme zu ihr heraufdrang und sie einzuhüllen schien. Er hatte seine Stimme nicht einmal erhoben, sie trug mühelos bis zu Isabella in den fünften Stock.

„Sie klingen wie meine Schwester.“

Auch sie wurde nicht lauter. Irgendwie fühlte sie, dass es nicht nötig war. Warum kam ihr das eigentlich nicht seltsam vor? Doch, sie fand es schon komisch. Es störte sie nur nicht.

„Dann sind wir ja schon zwei, die meinen, dass Sie sich nicht so weit aus dem Fenster lehnen sollten.“

„Ich werde mir merken, wie fürsorglich Sie waren“, erwiderte sie trocken.

Er lachte. Die tiefe männliche, einladende Stimme umspielte sie und klang amüsiert. Sie musste lächeln und verschränkte die Arme fester.

„Außerdem“, fuhr sie fort, „haben Sie es gerade nötig. Was treiben Sie mitten in der Nacht in dieser Gegend? Sind Sie lebensmüde?“

„Ich kann schon auf mich aufpassen. Machen Sie sich keine Sorgen.“

„Okay. Aber Sie haben meine erste Frage noch nicht beantwortet.“

„Das werde ich“, entgegnete er, „sobald Sie mir erklären, warum Sie da aus dem Fenster hängen.“

„Ich hänge nicht. Ich lehne mich hinaus. Ich sehe mich einfach ein bisschen um.“

„Sind Sie neugierig?“

„Nein. Wenn Sie es unbedingt wissen wollen, ich habe mir den Mond angesehen.“

Sie beobachtete, wie er einen Blick über die Schulter hinauf zum Himmel warf. Er tat es so lässig, dass sie das Gefühl hatte, er sei nicht besonders beeindruckt von dem, was er sah.

„Während Sie in die Sterne geguckt haben, ist Ihnen da zufällig irgendetwas Ungewöhnliches aufgefallen?“ Er schien die Frage spontan zu stellen, aber irgendetwas sagte Isabella, dass ihm ihre Antwort sehr viel wichtiger war, als er zugeben wollte.

„Alles Ungewöhnliche ist zu dieser Zeit doch ganz gewöhnlich. Wollen Sie auf etwas Bestimmtes hinaus?“

Sie spürte, dass er zögerte, und wusste, dass er mit etwas haderte. Er stieß einmal kurz und tief die Luft aus.

„Schon gut, es tut mir leid, dass ich Sie belästigt habe.“

„Nein, warten Sie!“

Isabella beugte sich schnell vor und streckte eine Hand aus, um ihn aufzuhalten. Die ruckartige Bewegung brachte sie ins Wanken, und plötzlich hatte sie das seltsame Gefühl, als würde ihr Körper sich ohne ihren Willen bewegen. Ihre Füße in den Socken rutschten weg, sie fand auf dem hölzernen Boden keinen Halt mehr. Dann schwangen ihre Beine hoch, während der Schwerpunkt ihres Körpers schon über das Fensterbrett hinausragte. Ein überraschter, halb erstickter Laut kam über ihre Lippen, als sie mit dem Kopf voran in die schwarzsilberne Nacht stürzte. Der Schreck drehte ihr den Magen um, und sie vermutete, dass sie sich wahrscheinlich übergeben hätte, aber nun würde sie ja sowieso sterben.

Doch anstatt auf den gnadenlosen Beton zu prallen, landete sie auf irgendetwas Hartem, das aber nachgab. Ihr Körper wurde abrupt abgebremst und federte durch, während vor ihren Augen, die sie fest zugekniffen hatte, Sterne tanzten.

Isabella rang nach Atem, das Adrenalin schoss durch ihren Körper, während sie sich an allem festklammerte, was sie zu fassen bekam.

„Es ist alles in Ordnung. Sie können Ihre Augen wieder aufmachen.“

Diese Stimme. Diese tiefe männliche, erotische Stimme, die sie offenbar davor bewahrt hatte, auf dem Boden zerschmettert zu werden.

Isabella öffnete ein Auge und starrte auf ihre Hand. Sie hatte sich in den grauen Stoff eines Mantelkragens verkrallt.

„Verdammte Scheiße“, keuchte sie und riss beide Augen auf, während sie in das Gesicht des Mannes starrte, der sie offensichtlich davor bewahrt hatte, sich den Schädel zu spalten. „Verdammte …“ Sie verstummte, denn nun konnte sie ihm besser ins Gesicht sehen und bekam den nächsten Schock.

Er war unglaublich und fast unerträglich schön.

Sie fand einfach keine passenderen Worte dafür. Er war mehr als nur gut aussehend. Gut aussehend war eine gängige Bezeichnung bei Männern, aber die Bedeutung des Wortes war zu eng. Dieser Mann war wahrhaftig schön. Seine Züge waren so ausgesprochen vornehm, dass sie dem Wort edel eine ganz neue Bedeutung verliehen. Dunkle Augenbrauen wölbten sich über dunklen Augen, beides von unbestimmbarer Farbe in der silbernen Nacht. So dramatisch! Aber gleichzeitig auch wieder kindlich durch die dichten langen Wimpern. Seine unglaublichen Augen glommen leicht amüsiert, während sich seine sinnlichen Lippen zu einem Lächeln verzogen, das man nur sündig nennen konnte.

„Wie haben Sie … Aber das ist … Sie konnten doch unmöglich!“, stotterte sie, während sich ihre Hände reflexartig immer wieder um seinen Kragen öffneten und schlossen.

„Ich habe eben. Das ist es nicht. Und offensichtlich konnte ich sehr wohl.“ Sein Lächeln war jetzt breit, und Isabella war sich sicher, dass sie der Grund für seine Erheiterung war. Wütend starrte sie ihn an und vergaß völlig, dass er ihr gerade das Leben gerettet hatte.

„Freut mich sehr, dass Sie das so unterhaltsam finden!“

Jacob konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Sie war so auf ihn konzentriert, dass ihr noch gar nicht aufgefallen war, dass sie immer noch gute drei Meter über dem Boden genau an der Stelle schwebten, wo er ihren Sturz abgefangen hatte. Es war wohl am besten so, dachte er und ließ sich langsam auf den Bürgersteig hinabsinken, während sie immer noch durch sein spöttisches Lächeln abgelenkt war. Es würde ihm noch schwer genug fallen zu erklären, wie es ihm gelungen war, eine Frau, die aus dem fünften Stock in den sicheren Tod stürzte, einfach so aufzufangen. Mal sehen … fünf Stockwerke … ungefähr siebenundfünfzig Kilo … und die Erdanziehungskraft …

„Ich finde Ihre Situation nicht unterhaltsam“, erwiderte er aufrichtig und lenkte ihre Aufmerksamkeit weiterhin auf sich, während er sein Gewicht wieder dem normalen menschlichen Standard anpasste. „Ich freue mich einfach nur, dass Ihnen nichts passiert ist.“

Isabella blinzelte ein paar Mal, da ihr plötzlich bewusst wurde, was dieser Fremde für sie getan hatte.

Jacob beobachtete, wie sich der Ausdruck der niedlichen Schönheit von mürrischer Empörung zu äußerstem Entsetzen wandelte. Im Geist gab er sich einen Tritt, weil er sie daran erinnert hatte, wie knapp es gewesen war, obwohl er ja nicht anders handeln konnte. Er betrachtete sie, während sie ihre volle Unterlippe zwischen die Zähne nahm, damit sie nicht zitterte. Ihre offensichtliche Verletzlichkeit verursachte ein Ziehen in seiner Brust und raubte ihm buchstäblich den Atem. Ein Feuerwerk an Gefühlen schien um ihn herum zu explodieren, und Jacob bemerkte, dass er jede Facette dieser Frau auf seinen Armen in sich aufnahm.

Sie war klein und fest mit ausgeprägten Rundungen, und ihre zierliche Gestalt war weiblich und weich an all den Stellen, an denen Männer es mögen. Das Mondlicht verstärkte noch die Wirkung ihrer makellosen Haut, blass und fast durchscheinend wie die Haut einiger Schattenwandler, denen er in seinem Leben schon begegnet war. Sie hatte weiches schwarzes Haar, unglaublich dick und lang, und er spürte, wie schwer es war, als es gegen seine Brust fiel und sich um seinen Oberarm wand. Ihre Züge waren zart, ihr Mund voll, ihre Augen so groß wie die eines unschuldigen Kindes. Eine Elfe mit veilchenfarbenen Augen, die im Mondlicht lavendelfarben wurden. Es war überwältigend, wie das Mondlicht ihre Schönheit betonte. Während er sie an seiner Brust barg, bewunderte er, wie warm sie war. Ihm war noch nie aufgefallen, wie verlockend menschliche Wärme sein konnte. Jacob fand sich plötzlich hart an der Grenze zu höchst unerlaubten Gedanken, und schlagartig war er zurück in der Wirklichkeit. In seiner Hast, sich von ihr zu lösen, hätte er Isabella fast fallen lassen. Während er einen verärgerten Blick über die Schulter zum Mond warf, schob er seine Hände tief in die Hosentaschen und widerstand dem seltsamen Verlangen, sie wieder an sich zu ziehen.

Als Isabella plötzlich wieder auf den Füßen stand, fühlte sie sich ein wenig benommen und verwirrt. Der Fremde hatte sich sehr abrupt zurückgezogen. So als wäre ihm gerade aufgefallen, dass sie hoch ansteckend sei. Auf der anderen Seite konnten Männer mit Frauen, die gefühlsmäßig verstört waren, nur schwer umgehen. Trotzdem blieb er nah genug, um sie zu halten, falls sie ihn brauchte. Doch sie musste nur ein- oder zweimal Luft holen, dann konnte sie wieder klar denken und aufrecht stehen.

Jacob beobachtete sie wachsam, während sie ihr Haar hinters Ohr schob, das bei Weitem nicht groß genug war, um die Strähnen auch zu halten. Sie fielen wieder nach vorn, sobald sie sie losließ. Er hatte Mühe, dem Drang zu widerstehen, es für sie zu tun, nur um ihr Haar einmal zu berühren. Er schluckte hart, fluchte innerlich in seiner eigenen Sprache und biss die Zähne zusammen.

„Ich weiß nicht, wie ich Ihnen danken soll, Mr … äh …“

„Jacob“, entgegnete er. Sein knurrender Ton ließ sie zusammenzucken und einen Schritt zurückweichen.

„Mr Jacob …“, sagte sie unsicher.

„Nein, nur Jacob“, korrigierte er und zwang sich, einen freundlicheren Ton anzuschlagen, denn ihm gefiel der Gedanke überhaupt nicht, dass sie sich so fürchten könnte vor ihm wie alle anderen. Sie war ein Mensch. Sie hatte keinen Grund, ihn zu fürchten.

„Also … Jacob“, versuchte sie es noch einmal, und ihre lavendelfarbenen Augen musterten ihn zaghaft. Doch einen Moment später wurde sie bereits wieder kühn. „Ich bin Isabella Russ, und ich bin Ihnen ausgesprochen dankbar für das … was Sie getan haben. Ich kann kaum glauben, dass ich Sie nicht erschlagen habe.“

„Ich bin sehr viel stärker, als ich aussehe“, bemerkte er.

Das konnte sich Isabella nicht vorstellen, und sie betrachtete ihn. Jeder Zentimeter an ihm wirkte genauso kraftvoll, wie er sein musste, um sie einfach so aufzufangen. Er wirkte nicht brutal, aber er hatte eine wunderbar breite Brust, breite Schultern, und seine Kleidung verbarg nichts von seinem durchtrainierten Körper. Soweit sie es erkennen konnte, war er schlank, athletisch, straff und kompakt an den richtigen Stellen. Und so hatte er sich unter dem grauen Mantel auch angefühlt. Aber mit seinem guten Aussehen, dem tollen Körper und dem piratenmäßigen Pferdeschwanz strahlte Jacob eine Dominanz aus, wie sie es noch nie erlebt hatte. Ja, er war tatsächlich stärker, als er aussah. Und das nicht nur im körperlichen Sinne.

Es reichte jedenfalls, um selbst eine kleine Bibliothekarin erbeben zu lassen. Der perfekte Mann und dann noch mit einem europäischen Akzent, der so üppig und elegant war wie alles an ihm – ungarisch oder kroatisch vielleicht. Er war ruhig und beherrscht. Er strotzte vor Selbstvertrauen und strahlte dabei eine gewisse Gefährlichkeit aus, die ihr Schauer über den Rücken jagte. Eine absolut verführerische Verpackung, das war sicher. Eine, die wahrscheinlich verheiratet war und sechs Kinder hatte.

Isabella seufzte, als sie wieder in der Wirklichkeit ankam. Erleichtert pustete sie sich den Pony aus der Stirn. „Jedenfalls vielen Dank für … na ja, Sie wissen schon.“ Sie machte eine lahme Geste hinauf zum Fenster, aus dem sie gerade gestürzt war, und zog verwirrt die Brauen zusammen. Wie hatte er es bloß geschafft, sie aufzufangen, ohne sich das Rückgrat zu brechen? Das war doch einfach unmöglich.

Plötzlich spürte Isabella, wie sich ihre Nackenhaare aufstellten.

Jacob sah, wie der Kopf der Frau plötzlich herumfuhr. Ihre hübschen Augen verengten sich argwöhnisch. Das reichte, um Jacobs eigene Instinkte zu wecken, und er tastete hinaus in die Nacht, um herauszufinden, was sie wohl beunruhigt haben könnte. Und zu seinem Entsetzen hatte sie offensichtlich genau das entdeckt, was er die ganze Zeit suchte.

Das Böse. Das Entsetzen. Sauls blankes Entsetzen. Jacob konnte die Angst riechen. Er konnte den bitteren Gestank von schwarzer Magie schmecken. Er war ganz in der Nähe, genau wie Jacob es erwartet hatte, als die Spur in dieser Gegend geendet hatte. Was auch immer den um sich tretenden und schreienden Saul durch den Pesthauch der dunklen Mächte gezerrt hatte, vergiftete und folterte den gefangenen Dämon gerade aufs Neue.

Doch Jacobs Jagdinstinkte fanden keine Spur, keine Richtung.

Verblüfft wandte Jacob sich wieder der kleinen Menschenfau zu, die immer noch mit schräg gelegtem Kopf das Unbekannte spürte. War es möglich? Hatte diese Frau jene Instinkte, die er ihrer Gattung noch vor ein paar Stunden abgesprochen hatte? Konnte sie spüren, was nicht einmal er zu wittern imstande war? So etwas hatte er noch nie gehört.

Doch Jacob spürte ihre Verwirrung, er roch die Veränderung in ihrer Körperchemie, als ihr Adrenalinspiegel in die Höhe schoss. Es war die typische Situation, in der man sich entscheiden musste, ob man floh oder ob man kämpfte. Oh ja, sie spürte ohne Frage die Gegenwart des Bösen.

„Wir gehen besser von der Straße weg“, sagte sie schnell und griff nach seinem Arm.

„Wieso?“, entgegnete er und widersetzte sich ihr.

„Weil es nicht sicher ist“, meinte sie, als würde sie es einem zweijährigen Kind erklären. „Hören Sie jetzt auf, den Macho zu spielen, und tun Sie, was ich sage.“

Tun, was sie sagt? Versucht diese kleine Frau tatsächlich, mich zu beschützen? Das verschlug ihm die Sprache. „Ich bin kein Macho“, erwiderte er scharf und gab sich absichtlich begriffsstutzig, während er sah, wie ihre Furcht noch zunahm. Es war faszinierend zu beobachten, wie sich ihr Gesicht rötete und der Puls an ihrem zarten Hals heftig schlug. Ihre Brüste hoben und senkten sich mit jedem Atemzug.

„He!“ Isabella verdrehte die Augen. „Gut! Wie Sie wollen. Gehen Sie nur einfach von der Straße weg!“

„Wieso?“, beharrte er.

Fasziniert sah er, wie sie ihr Haar zurückwarf, einen verärgerten Seufzer ausstieß und mit trotzig gespreizten Beinen die Fäuste in die Hüften stieß.

„Hören Sie, es gibt einfach Orte, wo es nicht besonders schlau ist, mitten auf der Straße herumzustehen und sich zu streiten. Und an so einem Ort sind wir! Wenn Sie unbedingt hierbleiben wollen, soll es mir recht sein. Ich werde jedenfalls …“

Plötzlich keuchte sie, griff sich mit der Hand an den Hals, und ein Gurgeln entrang sich ihrer Kehle. Instinktiv streckte Jacob die Hand aus, um ihr zu helfen, weil ihm ihre weit aufgerissenen lavendelfarbenen Augen nicht geheuer waren.

„Isabella? Was ist los?“, fragte er und zog sie in seine Arme.

„Jemand … Oh Gott, kannst du es nicht riechen?“

Das konnte er allerdings. Es war überall, zwar nur ganz leicht, aber unverkennbar – der Geruch nach verbranntem Fleisch. Auch nach Schwefel. Jacob besaß die Jagdinstinkte eines Raubtiers, doch keiner dieser Sinne ließ ihn diesen Geruch aufnehmen. Es gab keine Spur, keinen Pfad. Es blieb ihm verborgen. Einen Moment lang war er verblüfft. Vor ihm stand eine Menschenfrau, die keine seiner Fähigkeiten besaß, und doch rang sie nach Luft und verhielt sich, als würde sie dicken schweren Rauch und Schwefel einatmen, obwohl sie das eindeutig nicht tat. Zumindest nicht körperlich.

Jemand anders tat es.

Saul.

Irgendwo im Hinterkopf verstand Jacob, obwohl er noch nie so verwirrt gewesen war. Der Vollstrecker hielt nicht inne, um über das Wie und Warum und über die Unmöglichkeit dessen nachzugrübeln, was hier geschah. Er wollte nur eines wissen.

„Wo? Kannst du mir das sagen, Isabella? Wo ist er?“

„Ganz nah! In mir!“ Sie verkrallte ihre Hände über der Brust in ihrer Bluse, als wolle sie das andere Wesen herausreißen. Sie weinte, und dicke Tränen liefen ihr über das Gesicht und versuchten, den Rauch fortzuspülen, den es gar nicht gab.

„Nein. Hör mir zu.“ Er nahm ihr Gesicht in seine Hände, und ihm wurde bewusst, wie klein es war, wie zart. „Es ist ganz nah, aber es ist nicht in dir. Sieh mich an und sag mir, wo!“

Isabella entwand sich seinem Griff und lief hustend und keuchend vor dem imaginären Rauch davon. Jacob folgte ihr dicht auf dem Fuß. Sie bogen um eine Ecke und überquerten eine Straße. Sie bogen um eine weitere Ecke, und dann standen sie vor einem mächtigen verrosteten Tor aus Wellblech.

Ein Lagerhaus. Es war längst aufgegeben worden, doch in einem der oberen Fenster blitzte grelles Licht. Ein unnatürlich kaltes Licht, von dem Jacob törichterweise angenommen hatte, er würde es nie wieder sehen in seinem Leben. Er nahm die Frau bei den Schultern und zog sie an sich, während er sich zu ihrem Ohr hinunterbeugte. Trotz ihres Größenunterschieds passten sie perfekt aneinander.

„Hör zu“, murmelte er beruhigend, während sie immer noch nach Luft rang. „Es ist nicht dein Todeskampf, Bella. Lass ihn nicht an dich heran.“ Er sah zu dem unheilvollen Leuchten im Fenster hinauf. Sein Herz schlug wild, er musste etwas tun. Aber er konnte sie nicht einfach hier zurücklassen, weil sie sonst ersticken würde. Wenn sie sich den Rauch so fest einbildete, dass sogar ihre Augen tränten und ihre Stimme heiser wurde, dann konnte sie sich auch einbilden, dass sie keine Luft mehr bekommen und sterben würde. „Du siehst doch, hier ist kein Rauch. Hörst du mir zu, Isabella?“

Das tat sie. Sie sagte zwar nichts, doch sie holte seit einer Ewigkeit zum ersten Mal wieder tief Luft.

„Gut“, flüsterte er, und sein warmer Atem strich über ihren empfindsamen Hals. „Jetzt bleib hier in Deckung und atme einfach.“

Jacob griff in den Spalt zwischen den beiden Torflügeln und riss sie auseinander, als seien sie aus Papier und nicht aus tonnenschwerem Stahl. Das Geräusch ließ er so klingen, als würde bloß Metall im Wind quietschen.

Instinktiv folgte Isabella ihm ins Halbdunkel hinter dem Tor, ohne sich um seine Anweisung zu kümmern. Sie hatte Angst vor dem, was geschehen konnte, aber sie hatte noch mehr Angst davor, allein zu sein. Sie folgte ihm, die Schöße seines Mantels fest in der Hand, während er durch die Dunkelheit lief. Grelle Lichtblitze zuckten durch die Schwärze der Nacht und blendeten sie schmerzhaft. Doch Jacob ging ohne zu zögern weiter, als sei es helllichter Tag.

Drohend näherte er sich dem Licht, Isabella konnte es spüren. Plötzlich fühlte sie, wie er vor ihr in die Höhe stieg, offensichtlich kletterte er eine Leiter hinauf. Er entglitt ihrem Griff, und sie musste selbst nach den Sprossen tasten.

Doch sie fand keine. So sehr sie sich auch bemühte, sie konnte nichts finden, mittels dessen er in den oberen Stock des Lagerhauses gestiegen war. Ihr blieb nichts anderes übrig, als sich dem Licht zuzuwenden, das seine Gestalt nun als Silhouette erscheinen ließ, während er langsam und unbemerkt darauf zu schlich. Ihr heftiger Atem kam ihr viel zu laut vor, während sie nach Luft rang.

Und plötzlich sprang Jacob. Er sprang wirklich.

Vielleicht hatte Isabella es sich in all dem Dunst und der Finsternis und dem schillernden Licht nur eingebildet, aber sie hätte schwören können, dass der Mann aus dem Stand geschmeidig sieben Meter weit mitten in das Licht hineinsprang.

Und prompt tat sich die Hölle auf.

Ohne jede Vorwarnung quoll der Rauch, den sie gerochen hatte, aus dem widerwärtigen Licht und strömte wie ein fauliger grüner Wasserfall, vermischt mit Rost und schwarzem Qualm, aus dem obersten Stock. Dann gab es eine gewaltige Explosion. Trümmer und Körper kamen wie Raketen aus dem Loft geschossen, sodass Isabella den Kopf einziehen und ihre Augen vor dem grellen Blitz schützen musste.

Unglaublicherweise regnete es Männer.

Drei Meter neben Isabella prallte Jacob so heftig auf den Boden, dass man das Krachen seiner Knochen zu hören glaubte, und wirbelte eine gewaltige Staubwolke auf. Ein weiterer Mann krachte in einige Kartons nicht weit entfernt. Ein dritter kam in der Nähe der offenen Tür herunter, landete allerdings auf den Füßen. Der Mann federte den Aufprall ab wie eine Katze. Dann wickelte er sich in seinen Mantel – oder war es ein Umhang? – und rannte davon.

Isabella kümmerte sich nicht um sie, sondern packte die breiten Schultern des Mannes, der schwer atmend neben ihr auf dem Boden lag. „Jacob!“

„Isabella, mach, dass du hier wegkommst!“, rief Jacob, während er taumelnd auf die Füße kam, sie packte und so hart von sich stieß, dass sie auf dem Hintern landete. Sie schimpfte und fluchte über diesen peinlichen und schmerzhaften Aufprall und war drauf und dran, Mr Jacob Macho zu sagen, dass er sich zum Teufel scheren solle.

Doch die Worte blieben ihr im Halse stecken, als der Mann, der in den Kartons gelandet war, sich plötzlich darüber erhob.

Er tat es im wahrsten Sinne des Wortes. Er schwebte einfach in der Luft.

Isabella rang nach Atem, während sie zu ihm hinaufstarrte. Dabei fielen ihr noch ein paar andere äußerst wichtige Dinge auf. Der Mann, der über ihr und Jacob schwebte, war keinesfalls ein Mensch. Obwohl er zwei Füße hatte und relativ menschlich aussah, war er eigentlich eine gigantische Kreatur mit höllisch grünen, böse glühenden Augen in einem missgebildeten Kopf. Er hatte riesige lange Ohren, die spitz zuliefen und eher wie Flossen an seinem Kopf saßen und nicht wie Ohren.

Er hatte Reißzähne.

Oh, und sehr große Flügel.

Isabella hatte das seltsame Bedürfnis, einfach hysterisch zu kichern.

Okay, wann genau, fragte sie sich, bin ich eingeschlafen? Natürlich fing ein Mensch nicht einfach einen anderen Menschen auf, der aus irgendeinem Fenster fiel. Sie würde auch unter keinen Umständen irgendeinem fremden Mann einfach in ein verlassenes Lagerhaus folgen. Und es gab auch keine Monster mit Fledermausgesicht und Reißzähnen, die in der Bronx herumflatterten.

Dann richtete die Kreatur ihren Blick genau auf sie.

Okay, es wird langsam Zeit, dass ich aufwache, dachte sie, während sie Panik in sich aufsteigen spürte.

Das geflügelte Wesen stürzte sich direkt auf sie.

Wie der Blitz sprang Jacob in die Luft und fing das Monster im Flug ab. Als sie zusammenstießen, gab es ein hässliches Geräusch, und Isabella zuckte zusammen. Die Wucht von Jacobs Angriff war so groß, dass die beiden in einen Haufen Kartons auf der anderen Seite der Halle stürzten.

Fieberhaft blickte Isabella sich nach irgendetwas um, womit sie sich verteidigen konnte. Das Erste, was ihr ins Auge fiel, war eine schwere Eisenstange. Rost blätterte in ihren Händen ab und kratzte an ihren Handflächen, als sie die Stange aufhob. Sie rappelte sich hoch und schwenkte die Stange drohend, falls Jacob die Situation noch nicht in den Griff bekam.

Und das gelang ihm tatsächlich nicht.

Plötzlich kamen die beiden im Kampf verkeilten Wesen in einem Regen aus Pappfetzen aus den Kartons geflogen. Diesmal hatte die abstoßende Bestie die Oberhand. Mit der Kraft seiner riesigen Schwingen holte es aus, während es den hilflosen Jacob mit sich nach oben riss und ihn mit voller Wucht in die Decke rammte. Das Geräusch von Metallplatten, die eingebeult wurden, dröhnte durch die Halle, und entsetzt beobachtete Isabella, wie Jacob wie ein Stein zu Boden stürzte.

Er prallte mit einer Geschwindigkeit auf, die einem jeden Knochen im Leib brechen musste. Und wieder erhob sich eine Staubwolke. Entsetzt hustete Isabella, während sie beobachtete, wie sich eine dunkle Lache um dem Kopf ihres Retters ausbreitete.