Shadowdwellers - Sagan - Jacquelyn Frank - E-Book

Shadowdwellers - Sagan E-Book

Jacquelyn Frank

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Beschreibung

Der Priester Sagan wird in die Wildnis von Alaska entführt und begegnet dort einer Frau, die seinen Glauben und seine Selbstbeherrschung auf eine harte Probe stellt. Valera ist eine Hexe, die beinahe der Versuchung der schwarzen Magie erlegen wäre. Eigentlich sollte Sagan sich von ihr fernhalten, aber sein Herz hat einen eigenen Willen ...

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Seitenzahl: 494

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JACQUELYN FRANK

SAGAN

SHADOWDWELLERS

Roman

Ins Deutsche übertragen

von Beate Bauer

Über dieses Buch

Von Acadian, der Erzfeindin des Sanktuariums, entführt und beinahe zu Tode gequält, erwacht der Priester Sagan in einer abgelegenen Berghütte inmitten der Wildnis Alaskas. Er ist schwer verletzt und hat keine Erinnerung daran, wie er an diesen Ort gekommen ist. Auch die junge Menschenfrau Valera, die seine Wunden versorgt und ihn gesund pflegt, hat er noch nie zuvor gesehen. Je mehr Zeit Sagan in Valeras Gegenwart verbringt, desto faszinierter ist er von der geheimnisvollen Fremden. Doch diese stellt seinen Glauben schon bald auf eine harte Probe: Denn sie ist eine Hexe – und somit eine Todfeindin der Schattenwandler. Sagan weiß, dass ihre Liebe keine Zukunft hat. Er sollte sich von ihr fernhalten, und doch quält ihn die Vorstellung, ohne Valera in das Schattenreich zurückzukehren. Dabei ist es nirgendwo gefährlicher als dort: Acadian ist noch nicht besiegt, und nach dem Mord an ihrer Tochter sinnt sie auf Rache. Sie hat es auf den Thron von Königin Malaya abgesehen – und damit auf deren Leben. In Guin, dem Leibwächter der Königin, findet Sagan einen Verbündeten im Kampf gegen die sadistische Kriegerin. Doch Guin hat seine ganz eigenen Beweggründe … Und Sagan stellt fest, dass er nicht der Einzige ist, der sich zwischen Pflicht und Herz entscheiden muss.

Für Susan.

Eine Bewunderin, aus der eine großartige Freundin geworden ist.

Schattensprache – Terminologie

Bedenken Sie, dass keine Übersetzung ganz genau ist. Doch sie soll ein paar grundlegende Begriffe vermitteln.

Aiya: Ausruf der Frustration oder der Verärgerung (Oje! Ach ja! Oh nein! Etc.)

Ajai: (Das J wird ausgesprochen wie in Déjà-vu.) Mein Herr, mein Meister

Anai: Meine Dame, mein Fräulein

Bituth amec: Mistkerl (oder stärker)

Claro: Klar. Ist das klar? Haben wir uns verstanden?

Drenna: Dunkelheit, der Gott/die Göttin der Dunkelheit

Frousi: Eine Segmentfrucht, die nur im Dunkeln wächst; sie enthält viel Wasser und ist reich an Pflanzenproteinen, was sie zu einer guten Energiequelle macht.

Glefe: Waffe mit einer Doppelklinge, die beim Tragen zusammengeschoben wird und die in aufgeklapptem Zustand die Form eines S hat (wie ein Butterflymesser); in den Händen eines Experten funktioniert die Klinge wie ein Bumerang.

Jei li: in etwa Geliebte/-r, Liebste/-r, Schatz

K’jeet: Nachthemd, Kaftan

K’yan: Schwester (religiös)

K’yatsume: Eure Hoheit (weiblich), meine Königin

K’yindara: Flächenbrand, Feuersturm (weibliche Form)

K’ypruti: Miststück, Hure; verächtliches Schimpfwort für eine Frau

M’gnone:Licht (Hölle),der Gott des Lichts

M’itisume: Eure Hoheit (männlich), mein König

M’jan: Bruder, Vater (religiös)

Paj: Leichte Hose aus Baumwolle oder Seide mit engem Bündchen an den Knöcheln; wird traditionell unter einem Rock getragen, der bei jeder Bewegung des Körpers schwingt.

Sai: Dreizackige Waffe aus Stahl, die hauptsächlich zur Verteidigung eingesetzt wird.

Sua Vec’a: Halt! Lass das! Hör auf damit!

Die Namen:

Guin: Gwin Killian: Kill-Ē-yan

Acadian: AH-cā-dē-ann Xenia: Zuh-NEE-ahh

Rika: RĒ-kah Daenaira: Dāa-ah-NAIR-ah

Malaya: Mah-LĀ-yah Dai: Dā (day)

Sagan

1

Das speziell für seine Spezies entwickelte Gift, das durch seinen Körper floss, hatte viele heftige Auswirkungen, doch als ein bestimmtes Symptom ihn übermannte, bemerkte er die anderen nicht mehr.

Halluzinationen.

Sagan konnte die Wirklichkeit kaum von den seltsamen Schüben unterscheiden, die sich in seinem fiebrigen Verstand abspielten. Der Priester wehrte sich mit aller Kraft dagegen, indem er sich auf einfache Tatsachen konzentrierte. Auf etwas, was die Verbindung zum Hier und Jetzt aufrechterhielt, anstatt ihn in eine albtraumhafte, unwirkliche Welt zu stürzen.

Ich bin Sagan. Ich bin ein Bußpriester, einer der fünf von den Göttern auserwählten Oberpriester. Ich spüre diejenigen auf, die sündigen, und zwinge sie, zu büßen für das, was sie getan haben. Ich bin ein Schattenwandler, und meine Welt ist ein nächtliches Reich schützender Dunkelheit.

Ich werde sterben.

Sagan fand tatsächlich Trost in dieser Wahrheit, wie auch in allen anderen, denn er wusste, dass sie Gültigkeit hatten. Er wusste, dass er einen entscheidenden Kampf gegen die Feinde des Sanktuariums, des Ordenshauses der Schattenbewohner und des Hofs der Kanzler, verloren hatte. Die verruchte K’ypruti Nicoya hatte ihre Waffen in das Gift getaucht, das nun in ihm brannte, und es hatte nur einen kleinen Kratzer gebraucht, um ihn zu Fall zu bringen. Jetzt würde sie siegreich in die Welt hinausgehen, um, wie ihre Mutter Acadian, ihre finsteren Machenschaften zu betreiben, sie würde ihn von ihren Lakaien wegbringen lassen und ihn zu ihrem neuesten Spielzeug machen.

Vorausgesetzt, er überlebte so lange. Und nachdem er Acadians teuflisches Werk auf dem gefolterten und vernarbten Körper eines Freundes gesehen hatte, schöpfte er daraus tatsächlich einen gewissen Trost. Schließlich war er ein tiefgläubiger Mann, und er musste darauf vertrauen, dass Drenna ihn liebevoll empfangen würde, sobald er ins Jenseits hinüberglitt.

Doch bis dahin …

Der Priester schrie auf, als das Gift in jedem einzelnen Nerv seines Körpers einen brennenden Schmerz auslöste. Im einen Moment war der Schmerz belebend und klärend, und im nächsten tobte in seinem Verstand ein wildes Durcheinander aus chaotischen Bildern und schrillen Visionen. Im einen Moment wähnte er sich im Schattenreich, wo er sich in einer lichtlosen Sphäre bewegte, um einem Verfolger zu entkommen, und im nächsten im Traumreich, und er selbst war der Verfolger, der Sünder jagte.

Alles verschwamm und vermischte sich miteinander, bis jeder Winkel seines Gehirns in rastloser Aktivität aufblitzte. Die Nerven seines Körpers und seines Geistes waren völlig überreizt, und wie bei einer schweren Störung in einem Elektrizitätswerk brach alles zusammen.

Irgendetwas stimmte hier nicht.

Valera wusste es sofort, als sie in die Dunkelheit des Alaska-Morgens hinaustrat. Es war Winter, und es war fast die ganze Zeit dunkel. In anderen Teilen der Welt wurde es hell, doch in ihrem kleinen abgeschiedenen Teil von Zentralalaska herrschte schon seit geraumer Zeit der Nachthimmel.

Valera war daran gewöhnt. Sie war auch die schreckliche Kälte gewöhnt, als sie vor ihre Hütte trat, um die bewaldeten Berge zu betrachten. Sogar das ständige Heulen des Winds und die Schneeverwehungen waren so, wie es sein sollte.

Was also stimmte hier nicht?

Sie war es nicht gewohnt, ihre Intuition zu missachten, doch es war zu kalt, um sich mit der Angelegenheit zu beschäftigen, während sie wie eine Idiotin draußen im Schnee stand. Sie beeilte sich, Feuerholz zu holen, wobei sie mehrmals zwischen dem Holzstoß und dem Vorraum hin- und herging, wo sie es für den gemütlichen Kamin lagerte, den sie in dieser Jahreszeit ständig am Brennen hielt. Ein paarmal hielt sie inne, um sich umzusehen und herauszufinden, was anders war.

Es war wirklich lachhaft. Ihr nächster Nachbar war eine Art Forschungsstation, die mindestens hundert Meilen entfernt war und die viel höher lag. Und ehrlich gesagt war der Weg zu weit, um sich mal eben eine Tasse Mehl zu leihen, weshalb sie den Ort noch gar nie gesehen hatte. Sie wusste nur, dass es ihn gab.

Sie ging ein letztes Mal Holz holen und eilte dann zum Vorratsschuppen. Sie versicherte sich, dass genug Treibstoff in dem großen Generator war, und beschloss, etwas von dem gefrorenen Fleisch mit hineinzunehmen, das sie in dem brandgeschützten Bau sicher verwahrt hatte. Als sie erneut hinaustrat, hörte sie ein seltsames Scharren hinter der Hütte.

Ein Bär.

Verdammt, immer wieder versuchten sie, an ihre Vorräte zu kommen. Oh, das Essen war vor ihnen sicher, doch Valera war besorgt um ihr eigenes Wohlergehen. Sie sollte wieder in die Hütte gehen und warten, bis das Tier verschwunden war, doch dort gab es kein Feuer, und sie war schon länger in der tiefen Winterkälte, als sie eigentlich sollte.

Also ließ sie die Nahrungsmittel, die sie geholt hatte, so leise wie möglich zu Boden gleiten und hoffte, sich nicht noch mehr zur Zielscheibe zu machen, als sie es sowieso schon war.

»Wohin des Wegs?«

Valera schrie auf. Es war so kleinmädchenhaft, doch schließlich lebte sie an einem abgelegenen Berghang, mit Elchen und Bären als Nachbarn. Sie war es nicht gewohnt, angesprochen zu werden. Hastig drehte sie sich zu der Stimme um und sah zwei Männer vor sich, die scheinbar aus dem Nichts aufgetaucht waren.

Sie wusste augenblicklich, dass sie in allergrößten Schwierigkeiten war. Eine Frau, zwei Männer und keine Polizei und keine Nachbarn. Es war eine ganz einfache Rechnung, und sie wusste, dass sie sich auf der miesen Seite der Gleichung befand. Ganz sicher war sie sich, als die beiden dicht vor sie traten. Sie waren riesig. Wenn man die Parkas und die Winterausrüstung einmal abzog, waren beide gut einen Meter achtzig groß und gebaut wie aus Backstein.

»Na sieh mal einer an! Ich glaube, Davide, wir haben eine Nachbarin gefunden.«

»Das habe ich bemerkt«, antwortete Davide und versuchte, Valera den Schal vom Gesicht ziehen. Valera wich zurück. »Sie ist nicht besonders freundlich, was?«

»Nun, das liegt daran, dass es so kalt ist, du Dummkopf. Wir bringen sie hinein, wo wir sie aufwärmen können.«

Valera wäre eine Idiotin gewesen, wenn sie die Zweideutigkeit nicht verstanden hätte. Die Brust wurde ihr plötzlich eng, und ihr Herz bebte, und der Magen zog sich ihr zusammen vor Angst. Sie sagte nichts, als Davide sie auf einmal packte und sie in Richtung ihrer Hütte stieß.

»Hol den Priester, Morrigan.«

Priester? Was sollte das denn bedeuten? Sollte sie Opfer einer Zwangsehe werden? Mitten in der Wildnis von Alaska? Valera kam die Situation allmählich ziemlich unwirklich vor, obwohl ihr Puls raste angesichts der Gefahr.

Davide erreichte den Hütteneingang, und nachdem er sich vorsichtig mit dem Rücken an die Außenwand gelehnt hatte, stieß er sie vor die Tür, wobei er ihr durch den Anorak hindurch mit den Fingern brutal den Arm quetschte.

»Jetzt hör mir gut zu. Öffne die Tür und mach im vorderen Raum alle Lichter aus. Wir wollen es ein bisschen nett und romantisch, verstanden?« Er lächelte sie an, und das Weiß seiner Zähne leuchtete in der dunklen Nacht. »Und wenn du irgendeinen Trick versuchen solltest, dann wirst du es bereuen, das verspreche ich dir. Wir wollen nur ein Plätzchen, wo wir uns tagsüber ausruhen können, etwas zu essen und ein paar Annehmlichkeiten. Dann machen wir uns wieder auf den Weg, und du kannst wieder zurück in dein beschauliches Leben. Aber wenn du mich auf die Probe stellen willst, kann sich das ganz schnell ändern. Hast du verstanden?«

Valera nickte, und ein Zittern durchfuhr sie, als ihre Fantasie die Lücken füllte, die er gelassen hatte. Sie wusste, dass er »Annehmlichkeiten« absichtlich nicht näher definiert hatte, und sie wusste, dass seine Versprechen gelogen waren. Das waren starke und gefährliche Männer. Den Ärger, den sie mit sich brachten, konnte man schon von Weitem riechen.

Sie versuchte nachzudenken. Versuchte herauszufinden, weshalb sie wollten, dass sie das Licht ausmachte. Der Gedanke beschäftigte sie so, dass er die Furcht verdrängte, die in ihr hochkroch. Sie musste bei klarem Verstand bleiben. Konzentriert.

Valera nahm an, dass es Taktik war, damit sie unerkannt blieben. Beide Männer waren dunkelhäutig und in der Dunkelheit kaum zu erkennen, und auch ihre Gesichtszüge waren kaum auszumachen … obwohl sie sich bemühte, keinen von beiden zu lange anzuschauen, damit sie nicht auf den Gedanken verfielen, sie könnte sie sich einprägen wollen, um sie später zu beschreiben. Dass sie ihr Gesicht versteckten, bedeutete wahrscheinlich, dass sie sie am Leben lassen wollten, wenn sie sich aus dem Staub machten.

Val betrat langsam ihre Hütte und betätigte den ersten Schalter in dem Raum mit dem Holz. Sie hatte keine Angst, sich im Dunkeln durch die Räume zu bewegen. Sie hatte es schon oft tun müssen, wenn der Generator ausgefallen war oder wenn er keinen Treibstoff mehr gehabt hatte. Manchmal brannte eine Sicherung durch, oder sie musste aus irgendeinem Grund einfach Treibstoff sparen.

Sie trat von dem Vorraum in die Hütte. Die Doppeltüren hatten den Sinn, dass man sich beim Holzholen keine Sorgen wegen der entweichenden Wärme machen musste. Das scheiterte natürlich daran, dass ihr Gast die Tür weit aufhielt und ihr langsam und vorsichtig folgte.

Das Wohnzimmer war fast ganz dunkel. Nur kleine Lampen auf zwei Ecktischen und das Feuer im Kamin erhellten den Raum.

»Kipp Wasser ins Feuer«, ertönte der barsche Befehl hinter ihr.

Sie verkniff sich eine provozierende Antwort. Obwohl es fast eine persönliche Beleidigung war, von ihr zu verlangen, sie solle das beständig brennende Feuer löschen. Sie holte tief Luft und zwang sich, sich auf die wesentlichen Dinge zu konzentrieren. Sie machte die Lampen aus und holte einen Krug Wasser aus der Küche. Ohne Feuer würde es viel kälter werden in der Hütte, sodass der Generator mehr Leistung bringen musste und der Treibstoff schneller verbrennen würde. Doch auch darüber konnte sie sich später Gedanken machen. Sie hatte den Tank gerade erst nachgefüllt, und er würde ein paar Stunden halten.

Gerade lange genug, dass sie mich vergewaltigen und tötenkönnen, dachte sie grimmig.

Sobald das Feuer gelöscht war, scheuchte Davide sie durch die übrigen Räume des Hauses, bis nirgendwo mehr ein Licht an war. Er riss sogar den Stecker ihrer Digitaluhr aus der Wand, sodass die roten Ziffern erloschen. Dann stieß Davide sie zurück ins Wohnzimmer, wo sie auf der nächsten Couch landete. Vals Augen gewöhnten sich rasch an die Dunkelheit, weil sie die Hütte sowieso nie zu hell erleuchtete, und sie sah den Mann namens Morrigan mit einem schweren Gewicht auf der Schulter hereinkommen. Offensichtlich war es keine wertvolle Last, denn er warf das in Sackleinen gehüllte Ding mit einem Ruck von der Schulter. Es schlug hart auf dem Holzboden auf.

Sie wusste sofort, dass sich in dem Sackleinen ein Körper befand.

Übelkeit befiel sie, als trotz des schweren Aufpralls kein einziger Laut zu vernehmen war. War das der Priester, von dem sie gesprochen hatten? Was hatten sie mit ihm gemacht? Weshalb waren sie überhaupt hier?

Eigentlich sollte das hier der Ort sein, um sich vor den Menschen zu verstecken. Neun Jahre lang war das immerhin so gewesen. Nicht eine Menschenseele hatte sich hierher verirrt. Nur diejenigen, die die Hütte errichtet hatten, wussten, wo dieser Ort lag. Die Leute hatten nur eine vage Vorstellung, sie sahen sie und wunderten sich, wenn sie wegen ihrer Vorräte in die Ortschaft kam, doch keiner von ihnen wusste etwas Genaues. Sie hatte sogar zum Scherz ein kleines Holzschild geschnitzt und an ihre Tür gehängt.

Darauf stand Shangri-La.

Doch jetzt waren Eindringlinge in ihrer sicheren Oase und würden den Frieden dieses Ortes zerstören. Sie spürte es mit jeder Faser. Morrigan und David begannen ihre Anoraks und ihre Pullover auszuziehen, und sie konnte bereits deren Augen auf sich spüren. Grinsend tauschten sie einen Blick und versuchten, sie mit der bösen Absicht, die von ihnen ausging, einschüchtern.

Valera stand langsam auf, die Hände zu Fäusten geballt, während sich ihre Angst mit Wut mischte. Sie spürte, wie es heiß aufloderte in ihrem Bauch, während sie die Störenfriede anstarrte und sich nicht mehr darum scherte, was die davon hielten, dass sie die Aufmerksamkeit auf sie richtete.

»Sie machen meinen Fußboden nass«, sagte sie leise.

Die beiden Männer hielten inne, als hätte sie die Stopptaste auf ihrer Fernbedienung gedrückt. Sie blickten sie an, als hätte sie den Verstand verloren, und Davide stieß ein ungläubiges Lachen aus.

»Setz dich verdammt noch mal hin, und halt die Klappe, oder ich zeig dir einen nassen Fußboden«, knurrte Morrigan drohend. »Ich schneide dir deine Scheißkehle durch, dann kannst du zusehen, wie dein Blut darüberfließt.«

Langsam verschränkte sie die Arme vor der Brust, und ihre Fäuste zitterten, so fest ballte sie sie. Sie holte langsam Luft und konzentrierte sich, während sich in ihrer Körpermitte die Kräfte sammelten. Plötzlich stieß sie die Arme vor und schickte die gebündelten Kräfte in ihre Handflächen und ließ sie mit unbeugsamer Muskelkraft aufschnappen.

»Asparte inomus ancante mious!«

Die Worte kamen schnell, und blaue Blitze schossen an ihren Armen entlang zu ihren Händen, wo sie knisternde Kugeln bildeten. Die beiden Männer stießen spitze Schreie aus, noch bevor sie die erste Kugel geworfen hatte, was sie irgendwie überraschte. Sie brachte ihre Waffen zum Einsatz und landete zwei Volltreffer.

Der Zauberspruch war einfach, aber machtvoll. Die beiden Bälle aus kobaltblauer Energie trafen ihr Ziel, und ein helles Feld hüllte die beiden Männer ein. Der Stromschlag wäre stark genug, um sie außer Gefecht zu setzen, und sie wären so lange in dem statischen Feld gefangen, wie sie den Zauber aufrechterhielt.

Das war zumindest der Plan.

Zu ihrem Entsetzen und zu ihrer Überraschung waren die Männer kaum eingehüllt, da gingen sie in Flammen auf in einer wütenden Feuersbrunst. Geblendet von dem Schauspiel, schützte Valera ihre Augen, bis es plötzlich wieder dunkel wurde. Keuchend stürzte sie zu den beiden Häufchen Asche mitten auf dem Boden, wobei das blaue statische Feld die verkohlten Klumpen vollständig umschloss.

»Oh nein! Nein!«, rief sie aus, als sie vor ihnen auf die Knie sank und den Zauber auflöste. Tränen schossen ihr in die Augen und liefen ihr über die Wangen. Sie hatte sie nicht töten wollen! Sie verstand das nicht! Es war nur ein einfacher Lähmungszauber. Dieser hätte ihnen niemals so ein Leid zufügen dürfen! Sie hatte sich doch nur schützen wollen! Sie hatte ein Recht darauf! Doch irgendwie hatte sie es vermasselt.

Natürlich hast du das! Du vermasselst es immer! Deshalb bist du eine Gefahr für dich selbst und für den Rest der verdammten Welt!

Während sie abgehackt schluchzte vor Bestürzung und gegen die Übelkeit ankämpfte angesichts der Erkenntnis, dass sie zwei Leute getötet hatte, sackte Valera, immer noch kniend, zusammen und schlug die Hände vors Gesicht.

Da hörte sie ein schwaches Geräusch, wie ein leises schmerzvolles Stöhnen, was sie aus ihrer kummervollen Haltung riss. Nachdem sie sich mit den Ärmeln des Anoraks, den sie noch immer trug, übers Gesicht gewischt hatte, kroch sie so schnell wie möglich zu dem in Sackleinen gehüllten Körper. Er war mit dicken Seilen und einer Art Stahlkette verschnürt.

»Penchant! Penchant, komm her!«, rief sie.

Penchant kam aus dem hinteren Teil der Hütte ins Zimmer gerannt, wobei sein Halsband klirrte, als der silberne Drudenfuß, der daran hing, mit dem Glöckchen zusammenstieß. Der wunderschön getigerte Kater sprang auf Valeras Rücken, bewegte sich geschmeidig über ihre Schultern und schlüpfte unter ihr Haar.

»Komm her«, befahl sie ihm und tippte mit ihrem langen Fingernagel auf die Anhänger am Halsband. »Du weißt, was zu tun ist. Wir müssen ihm helfen.«

Penchant hielt inne und setzte sich einen Augenblick auf ihre Schulter, während er überlegte, ob er wirklich helfen sollte. Er war zwar ein enger Vertrauter, aber genauso oft war er ein typischer Kater.

»Tu’s, und du bekommst etwas zu naschen«, lockte sie ihn.

Thunfisch?

»Nein. Nicht Thunfisch. Aber ich habe ein paar von den Knusperleckerlis, die du so magst.«

Thunfisch wäre besser, schickte er an ihren Verstand.

Na gut, seufzte sie. Penchant sprang auf das schwere Bündel, und sie sah, wie sein Schwanz irritiert zitterte. Er ist eiskalt! Bestimmt bleibe ich mit meiner Zunge an den Ketten kleben!

»Penchant«, warnte sie ihn.

Penchant fauchte sie halbherzig an und senkte die Nase über die Kette. Mit einem einzigen Lecken breitete sich hellrosa Energie über die ganze Länge aus, und mit einem Zing wie von einem Gummiband löste sie sich in Luft auf. Das Gleiche tat Penchant mit dem Seil.

»Oh, braver Kater!«, rief Valera aus und klatschte in die Hände. Penchant hob stolz den Kopf und sprang schnurrend auf ihren Arm und ließ sich an den Ohren kraulen. »Okay, du bekommst gleich deine Belohnung.«

Valera setzte ihn ab und beeilte sich, das Sackleinen zurückzuschlagen. Penchant hatte recht. Der grobe Stoff und der Mann, der darin eingewickelt war, waren eisig kalt. Sie stöhnte erschrocken auf, als der steife Körper eines Mannes in einer seltsamen violetten Uniform aus dem Sackleinen zum Vorschein kam. Es gab ein dumpfes Geräusch, als die leere Lederscheide, die an einem Gürtel um seine Hüften befestigt war, zu Boden fiel.

Dann saß sie einen Augenblick völlig überrascht da und betrachtete den verwunschenen Prinzen auf ihrem Fußboden. Na gut, die Fantasie ging mal wieder mit ihr durch, doch es war das Erste, was ihr durch den Kopf schoss. Immerhin war er wirklich groß, wirklich dunkel und …

»Gnade«, murmelte sie, während sie seine feinen Züge betrachtete. Die Fantasie von dem Prinzen kam wohl von seinen Wimpern. Er hatte lange, dichte Wimpern, und sie lagen weich auf seinen Wangen. Selbst in der Dunkelheit konnte sie sehen, dass seine Haut die Farbe von Schokocreme hatte. Eines ihrer Lieblingsdesserts. Er hatte buschige schwarze Brauen, die seinen stolzen, edlen Gesichtszügen eine dramatische Note gaben, und eine hohe Stirn, die ihren Blick zu seinem langen nachtschwarzen Haar lenkte, das in seidigen Locken, die sehr weich aussahen, auf ihrem Eichenfußboden lag.

Er war an den Händen gefesselt. Und an den Füßen ebenfalls. Diese Tatsache riss sie aus ihrer Fantasie, und mit einem leisen Fluch fasste Valera an seinen Hals. Während sie seinen Puls suchte, bemerkte sie, dass sein Ärmel zerrissen und dass er verletzt war. Es war kein tiefer Schnitt, und es sah so aus, als würde die Wunde gut verheilen … sofern er noch am Leben war. Sie konnte keinen Puls fühlen, doch sie hätte schwören können, dass er einen Laut von sich gegeben hatte. Sie legte ihm die Hand auf die Brust, um zu sehen, ob er atmete.

Er ist vergiftet.

Val fuhr zu Penchant herum und blickte ihn an.

»Woher weißt du das?«

Ich kann es riechen. Schlimmes Zeug. Doch irgendjemand hat ihm schon ein Gegenmittel gegeben. Trotzdem, der Schaden ist schon angerichtet. Du wirst ihn heilen müssen.

»Nein. Kommt nicht infrage«, blaffte sie die Katze an. »Ich habe gerade zwei Männer getötet, als ich versucht habe, sie in Schach zu halten. Bei meinem Talent verwandle ich ihn in eine Rennmaus.«

Es liegt nicht an deinen Zauberkräften. Mit den Männern selbst hat etwas nicht gestimmt. Sie haben komisch gerochen, komisch ausgesehen, einen komischen Eindruck gemacht.

Anstatt sich näher zu erklären, trottete Penchant unter melodischem Klingeln seines Halsbands ins Schlafzimmer. Doch da Penchant oft Dinge sah, die sie nicht sehen konnte, nagte sie an ihrer Unterlippe und überlegte, ob sie ihm glauben sollte. Vielleicht hatte er recht. Vielleicht hatte sie es gar nicht vermasselt. Vielleicht konnte sie herausfinden, was mit diesen Männern nicht gestimmt hatte … wenn sie diesen hier heilte.

Nachdem sie tief Luft geholt hatte, legte sie die Hände auf die Brust des Mannes und stützte sich mit ihrem ganzen Gewicht auf ihn, und sofort spürte sie die ungewöhnliche Spannung und Kraft in der Muskulatur unter ihren Fingern.

»Heiliger Bimbam, der Typ ist gebaut wie ein Schwertransporter.« Was für ein Pazifist hatte den Körper eines Kriegers? Was für ein Priester kleidete sich auf diese Weise? Und warum hatten diese üblen Kerle ihn gefangen genommen? »Du hast einen Haufen Fragen zu beantworten, wenn du aufwachst«, murmelte sie.

Sie holte noch einmal tief Luft und begann ihren Heilzauber zu sprechen.

2

Sagan öffnete die Augen und blickte in völlige Dunkelheit, ein schweres Gewicht auf der Brust. Er holte Luft, als hätte er seit Jahrhunderten keinen Sauerstoff mehr eingeatmet. Es war, wie wenn er sich entmaterialisierte, wenn er von der realen Welt in die Schattenwelt oder in die Traumwelt wechselte. So viele Welten, und jede mit ganz besonderen Eigenschaften, mit denen er in seinem langen Leben immer zurechtgekommen war, und trotzdem fühlte er sich in diesem Moment fehl am Platz und nicht im Einklang mit dem Ort, an dem er sich befand, und auch nicht mit der Zeit.

Das lag daran, dass es keinen Schmerz gab. Keine Schwäche. Keinen Tod. Und sein Verstand sagte ihm, dass das eigentlich nicht sein konnte. Nur dass er sich nicht erinnern konnte, warum.

Sagan hörte ein leises Seufzen und bemerkte, dass er nicht allein war. Sofort überkam ihn das instinktive Gefühl, dass er um sein Leben kämpfen musste. Eine Frau … eine Frau, die versuchte, ihm wehzutun, und anderen, um die er sich sorgte.

Er setzte sich ruckartig auf, und sie stießen mit den Köpfen zusammen. Seine beachtliche Größe und sein Gewicht brachten die andere Person aus dem Gleichgewicht, und sie stolperte über seine Beine. Instinktiv streckte Sagan die Hand aus, um sein Opfer zu stützen und um ihm aufzuhelfen, und er war überrascht, als er weichen Stoff und einen ebenfalls weichen Körper spürte. Er schüttelte sich, um einen klaren Kopf zu bekommen, und richtete seinen Blick auf die Person.

Eine Menschenfrau!

Wenn der Priester nicht ohnehin schon ziemlich geschwächt gewesen wäre, wäre im bestimmt ganz flau geworden. Augenblicklich verschwand sein Gefühl von Bedrohung und Gefahr. Was allerdings nicht hieß, dass sie keine Bedrohung war, und er hielt sie ziemlich fest, während er versuchte, einen klaren Gedanken zu fassen.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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