Schau immer nach vorne! - Heidi Obermeier - E-Book

Schau immer nach vorne! E-Book

Heidi Obermeier

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Beschreibung

Heidi Obermeier, eine Karriere, die es in sich hat. Von der Fleischerei-Fachverkäuferin zur Unternehmerin des Jahres in Österreich. Das geht nur mit Durchhaltevermögen und dem Willen zum Erfolg. Aber ihr Führungsstil ist anders. Er ist geprägt von respektvollem Umgang und einem Miteinander auf Augenhöhe. Denn die gesamte Belegschaft im Unternehmen ist in ihren Augen ein Team, ehrliche Kommunikation ist die Basis. Erfolgreich sein und dabei einfühlsam und menschlich bleiben – darüber schreibt sie in ihrem Buch.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
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Seitenzahl: 202

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Heidi Obermeier

Schau immer nach vorne!

Von der Fleischereifachverkäuferin zur Unternehmerin

Copyright: © 2022 Heidi Obermeier

Verlag: TraditionArt Verlag

www.TraditionArt-Verlag.de

Lektorat: Ingo Noack

www.Lektorat-Buch.de

Umschlag & Satz: Erik Kinting

www.buchlektorat.net

Druck: tredition GmbH

An der Strusbek 10

22926 Ahrensburg

Softcover

978-3-347-76578-8

Hardcover

978-3-347-76579-5

E-Book 978-3-347-76580-1

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Inhaltsverzeichnis

1. Über die Autorin

2. Kurzbeschreibung

3. Mein Vorwort

4. Meine Kindheit und prägende Erlebnisse

4.1 Meine Familie

4.2 Prägende Erlebnisse in der Kindheit

4.2.1 Ein tief verstörender Krankenhausaufenthalt

4.2.2 Ferienarbeit als Zwölfjährige

4.2.3 Glückliche Erinnerungen an die Kindheit

4.2.4 Mutterersatz für meine Geschwister

4.2.5 Die Kindheit als Persönlichkeitsbildung

4.3 Ein dramatisches Familienereignis mit 15 Jahren

4.4 Erkenntnisse für mein Leben

4.5 Eine Hommage an meine Eltern

4.6 Meine Geschwister und ich

5. Nach der Schule und erste berufliche Erfahrungen

5.1 Mein erster Freund

5.2 Noch einmal ein Krankenhausaufenthalt

5.3 Firma Gumpold – berufliche Veränderung und Spaß am Leben

5.4 Ein Leben über die Verhältnisse

5.5 Berufswechsel und neues Glück

6. Meine Zeit mit Simon

6.1 Ein Großhandel für Heimtierbedarf – unsere neue Geschäftsidee

6.2 Unsere Wege trennen sich

6.3 Das Ende der Episode Simon und mein Fazit

7. Start in das Abenteuer „Fressnapf“ Österreich

7.1 „Fressnapf“ Österreich wächst

7.2 Zeitenwende und mein Aufstieg bei „Fressnapf“ Österreich

7.3 Meine Zeit als Interimsgeschäftsführerin

7.4 Jetzt bin ich am Ziel – oder doch nicht?

7.5 Geschäftsbesprechung in Marbella mit Folgen

7.6 Die Zusammenarbeit mit Hermann Lenders

7.7 Auf der Straße des beruflichen Erfolgs

8. Herausforderung Mitarbeiterführung

8.1 Fallbeispiele für erlebte Mitarbeiterführung

8.1.1 Meine Besuche in den Filialen

8.2 Meine Vorgehensweise mit positiver Rückmeldung

8.3 Umsatzvorgaben – was motiviert zum Erreichen der Ziele?

8.4 In guten wie in schlechten Zeiten

8.5 Der Mut, Fragen zu stellen oder um Hilfe zu bitten

8.6 Fehlerkultur und Anerkennungsmodus in den Unternehmen

8.7 „Fressnapf“ wird international und muss sich darauf einstellen

8.8 Lob, Wertschätzung und Anerkennung

8.9 Die persönliche Vielfalt der Mitarbeiter

9. Konflikte und deren Bewältigung

9.1 Conny Drescher – Beraterin und Coach

9.2 Kommunikation als Schlüssel zur Konfliktbewältigung

9.3 Mein Konflikt mit Katja und Petra

9.4 Seminar „Wie sehen mich die anderen?“

9.5 Jahresgespräche mit den Mitarbeitern

9.6 Mein ganz persönliches Coaching mit Conny

9.7 Mitarbeitergespräche mit Herausforderung

9.8 Das Kündigungsgespräch

9.9 Zickenkriege und Streitereien in der Belegschaft

9.10 Nichts, was es nicht gibt

10. Weiterentwicklung bei „Fressnapf“ Österreich

10.1 Wir steigern unseren Bekanntheitsgrad

10.2 Hunde als Bereicherung für die Arbeitsatmosphäre

10.3 Stellschraube Rohertrag – Herausforderung für den Einkauf

10.4 Zusammenarbeit und Freundschaft mit Steffi von der Eventagentur

10.5 Unser Vertrieb bekommt eine neue Leitung

11. Hermann Lenders – Wegbegleiter, Mentor, Freund

11.1 Präsentationstechnik – ein Lehrstück von Hermann Lenders

11.2 Meine Rede vor Wirtschaftsbossen

12. Die Meetings bei „Fressnapf“

12.1 Die Budget-Meetings

12.2 Die internationalen Meetings als Herausforderung

12.3 Eine Arbeitsgruppe mit Wegweisung

12.4 Internationale Meetings

12.5 Cherry-picking Heidi

12.6 Ein Geschäftsausflug nach Nordamerika

13. Franz – eine neue Beziehung und neue Erkenntnisse

14. Zeitenwende und eine Entscheidung steht an

14.1 Zur Entscheidungsfindung auf die Malediven

14.2 Mein Ende bei „Fressnapf“

14.3 Der neue Geschäftsführer bei „Fressnapf“ Österreich

15. Die Zeit nach „Fressnapf“

15.1 Torsten Toeller hat eine Überraschung für mich

15.2 Die Filiale in Ybbs geht durch die Decke

15.3 Noch mehr Herausforderungen für mich

15.4 Meine Verabschiedung von „Fressnapf“

15.5 Ein neuer Lebensabschnitt und ein tiefes Loch

15.6 Ich bin zurück im aktiven Leben – Aufstellungen als Form der Therapie.

15.7 Körpertherapie mit Julie Weyrer

15.8 Neue Menschen in meinem Leben

16. Die Entstehungsgeschichte von „Fressnapf“ – eine Erfolgsstory

16.1 Torsten Toeller – ein Ausnahme-Unternehmer

16.2 Eigenmarken und ein Logistikzentrum

16.3 Mitarbeiter im Mittelpunkt – die „Fressnapf“-Akademie

16.4 Das Wachstum geht weiter

17. Kommunikation – die Basis erfolgreicher und moderner Unternehmensführung

17.1 Eine Projektgruppe auf Krawall gebürstet

17.2 Führungskräfte als Kommunikatoren

18. Schlusswort und Fazit

19. Ich sage „DANKE!“

1. Über die Autorin

Angestellte, Firmengründerin, Chefin über 900 Mitarbeiter, Unternehmerin des Jahres – dies sind nur Eckpfeiler im Leben der Salzburgerin Heidi Obermeier. Um ein bewegtes Leben mit privaten Herausforderungen, beruflichem Erfolg und den dazu gehörenden Höhen und Tiefen zu beschreiben, muss man ins Detail gehen.

„Schau immer nach vorne! Was geschehen ist, ist vorbei, und Du kannst es nicht mehr ändern“, beschreibt Heidi Obermeier eines ihrer Lebensmottos. Und nach dieser Vorgabe hat sie auch ihr Leben gestaltet. Denn dieses Motto beinhaltet gleichzeitig den Blick auf die Gegenwart und nach vorne in die Zukunft. Fehler machen im Leben gehört dazu, idealerweise lernt man daraus. Und wenn mal etwas nicht so funktioniert, wie es geplant war, hat man zumindest herausgefunden, was der Grund für das Scheitern war. Das ist positive Grundeinstellung in Reinkultur und Heidi Obermeier lebt diese Einstellung.

In ihrer beruflichen Laufbahn war sie immer sehr nah dran an den Menschen, mit denen sie zusammenarbeitete. Mit 27 Jahren hatte sie gemeinsam mit ihrem damaligen Lebenspartner ihre erste Firma aufgebaut, einen Großhandel für Heimtierbedarf. Hier hatte sie auch schon Personalverantwortung – für über 60 Angestellte. „Man wächst mit seinen Aufgaben“, sagt sie und dabei hatte sie sich nie davor gefürchtet, Verantwortung zu übernehmen. Im Gegenteil: Verantwortung für Menschen zu haben, sieht sie als Möglichkeit, diesen Menschen etwas zu geben.

Um das an einem Beispiel zu verdeutlichen: Als Unternehmer kommt es auch zu Situationen, in denen man Kündigungen aussprechen muss. Auch wenn solche Gespräche unangenehm sind, hat sie sich nie davor gescheut. Denn in den meisten Fällen ist es ihr gelungen, den Betroffenen neue Perspektiven zu öffnen. So wurden diese Gespräche nicht einfach abgearbeitet, sondern dauerten die Zeit, die dafür nötig war.

Ihre positive Art zu führen, sollte sich ein paar Jahre später noch beweisen, als sie die Chance bekam, in ihrem Heimatland das österreichische Headquarter von „Fressnapf“ aufzubauen, einem international tätigen Unternehmen für Heimtierbedarf und -zubehör. Die Thematik war ihr nicht fremd, aber die Aufgabenstellung war die bis zu dem Zeitpunkt größte Herausforderung ihres Lebens. Das Resultat dieser Tätigkeit waren der erfolgreiche Auf- und Ausbau von landesweit 114 Filialen mit 900 Mitarbeitern und die Auszeichnung zur Unternehmerin des Jahres 2010 in Österreich.

Noch heute ist sie Gesellschafterin und Geschäftsführerin in zwei Filialen, denn ihr Beruf ist ihr Hobby und ihre Leidenschaft. Und das Arbeiten mit Menschen sieht sie als ihre Berufung.

In diesem Buch erzählt sie von ihren Eindrücken und Erlebnissen. Sie beschreibt, was für sie Erfolg und Führungskompetenz bedeutet und was weibliche Intuition und Empathie mit Erfolg zu tun haben. Denn ihrer Ansicht nach gibt es Unterschiede zur männlichen Vorgehensweise und sie bedauert, dass es nicht viel mehr Frauen gibt, die sich selbst die Türen öffnen für Verantwortung in Führungspositionen.

2. Kurzbeschreibung

Das Buch beschreibt den Weg einer Frau von der Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau über die Auszeichnung zur Unternehmerin des Jahres 2010 bis hin zur Lenkerin ihres eigenen Unternehmens. Um beruflich so erfolgreich zu sein, muss man nicht studiert haben und auch nicht hart sein im Umgang mit Mitmenschen. Die Eigenschaften, auf die es ankommt, heißen Empathie, soziale Kompetenz und die Fähigkeit, sich dann durchzusetzen, wenn es nötig ist. Heidi Obermeier hat es vorgemacht und gelebt. Wenn es einen weiblichen Führungsstil gibt, dann verkörpert sie ihn.

Dieses Buch beschreibt aber auch die persönliche Geschichte von Heidi Obermeier und ist damit die Biografie einer starken Frau. Aber es ist noch mehr: ein Mutmacher, ein Lehrbuch und eine Empfehlung, sich den beruflichen und privaten Herausforderungen des Lebens zu stellen. Das heißt: Bei all den Tiefen im Leben positiv bleiben, sie aushalten und so nutzen, dass die nächsten Höhen unweigerlich auf einen warten und sich weitere Türen öffnen.

Heidi Obermeier lädt dazu ein, den eigenen Weg zu finden und zu gehen. Sich selbst zu vertrauen, Fehler zu machen und dazuzulernen. Sie hat – als Frau und als Unternehmerin – auf höchsten Ebenen meist mit Männern zusammengearbeitet, verhandelt und ihren Weg gemacht. Wenn sich mit diesem Buch auch hauptsächlich Frauen angesprochen fühlen, so sind doch Männer ebenso herzlich willkommen, sich die weibliche Sicht auf Erfolg und Führungskompetenz einmal zu betrachten.

3. Mein Vorwort

Als Frau ein Unternehmen zu führen ist heutzutage nichts Außergewöhnliches mehr. Ein erheblicher Anteil kleinerer Firmen, insbesondere bei Dienstleistungsunternehmen und Ladengeschäften, wird von Frauen geführt. Die Erfahrungen zeigen, dass Frauen sehr kompetent mit ihren Umsätzen umgehen, sich empathisch im Umgang mit der Belegschaft zeigen und weniger unkalkulierbare Risiken eingehen als Männer.

Leider gibt es aber noch immer viel zu wenig Frauen in den Top-Etagen der großen Unternehmen und der multinationalen Konzerne.

Dies hat sich beispielsweise auf dem Pressefoto zu einem Treffen gezeigt, das anlässlich der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar 2022 stattfand. Auf diesem Foto waren beim sogenannten CEO-Lunch 30 Wirtschaftsbosse um einen großen Tisch versammelt. Unter diesen Unternehmenslenkern war keine einzige Frau. Entsprechend hat dieses Bild dann auch für einigen Wirbel und Diskussionen in den Medien gesorgt.

Mit dem österreichischen Headquarter der „Fressnapf“-Gruppe habe ich ein großes Unternehmen auf- und ausgebaut sowie geführt. Zunächst war ich zwei Jahre lang im Unternehmen im Vertrieb tätig; dann bekam dann die Chance, den österreichischen Markt zu erschließen. Natürlich hat das funktioniert! Gib einer Frau eine solche Gelegenheit, dann macht sie es – aufbauend auf ihrem Wissen und ihren Fähigkeiten.

Übrigens gibt es bei „Fressnapf“ die Du-Kultur. Das „Du“ ist die gebräuchliche Anrede, unabhängig von der Position, trotzdem respektvoll und auf Augenhöhe. Mir gefällt das außerordentlich gut und deshalb bleibe ich gerne auch in diesem Buch beim „Du“.

Neben meinen beruflichen Erfahrungen gehören auch Geschichten über Privates zu den Menschen und Erlebnissen, die mich geprägt haben. Da ist zum Beispiel mein Vater, der für mich Vorbild war und von dem ich gelernt habe, wie wichtig es ist, Schwierigkeiten auszuhalten, Lösungen zu finden und Begonnenes zu beenden. Er war es auch, der mich gelehrt hat, wieder aufzustehen, wenn man einmal etwas verbockt hat oder sonst irgendwie in ein mentales Tief abgerutscht ist.

Damit sind wir da angekommen, wo dieses Buch den Charakter einer Biografie einnimmt. Ich bin davon überzeugt, dass diese privaten Hintergründe elementar sind für meine Herangehensweise an die Unternehmensführung. Denn im menschlichen Miteinander eines Unternehmens ist nicht das akademische Wissen ausschlaggebend, sondern der Charakter. Man spricht dabei heute von Softskills.

Mit diesem Buch möchte ich für Frauen in Führungsverantwortung plädieren und ihnen Mut machen. Mut dafür, Herausforderungen anzunehmen, sich Ziele zu setzen, immer positiv zu bleiben und für die eigenen Träume zu leben. Es ist doch so: Wenn Du einen Job hast, der Dir Spaß macht, ist das keine Arbeit mehr. Ist das nicht eine schöne Aussicht, nie wieder arbeiten zu müssen?

In keinem Fall aber möchte ich bei meinem Fürsprechen für die weibliche Note in der Unternehmensführung gegen Männer sprechen. Ich hatte beispielsweise faszinierend kompetente und empathische Männer als berufliche Wegbegleiter und Mentoren an meiner Seite, ohne die ich es schlicht nicht geschafft hätte, meinen Weg zu gehen und meine Ziele zu erreichen. Denn sind wir ehrlich: Wir alle brauchen dann und wann Zusprache, Anregungen und Unterstützung. Am besten von jemandem, der sich auskennt – unabhängig vom Geschlecht.

Ich möchte aufzeigen, dass der Vielfalt wegen der weibliche Charakter in den Führungs- und Entscheidungsetagen der Wirtschaft wichtig ist und unbedingt seine Berechtigung hat. Da sollten wir Frauen uns einfach viel mehr zutrauen. Wir werden gebraucht, in allen Bereichen des menschlichen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Miteinanders.

Genieße dieses Buch und nimm Dir die Zeit, die Du dafür benötigst. Ich bin sicher, dass Du die eine oder andere Situation auch schon für Dich erlebt hast. Denn es sind Geschichten aus dem wahren Leben. Ganz bestimmt wirst Du – egal ob Frau oder Mann – etwas aus diesem Buch für Dich mitnehmen können.

Hier noch ein Hinweis:

Für eine bessere Lesbarkeit habe ich meist das generische Maskulinum verwendet. Damit sind selbstverständlich alle Geschlechter gemeint und es ist nicht beabsichtigt, jemanden zu diskriminieren.

Jetzt wünsche ich Euch aber viel Spaß beim Lesen.

Eure Heidi Obermeier

4. Meine Kindheit und prägende Erlebnisse

Bei einer Biografie stellt sich auch immer die Frage, an welcher Stelle im Leben man ansetzt. In der Nachbetrachtung kann ich sicher sagen, dass bestimmte Erlebnisse und Eindrücke aus meiner Kindheit wesentlichen Einfluss auf den Verlauf meines Lebens hatten und immer noch haben. Ganz besonders gilt das auch für meine Herangehensweise an die beruflichen Herausforderungen. Deshalb beginne ich bei diesem Buch einfach an dem Zeitabschnitt, der mich am meisten prägte – bei meiner Kindheit.

4.1 Meine Familie

Wir lebten in der kleinen und sehr überschaubaren Gemeinde Thalgau-Egg bei Salzburg. Meine Eltern hatten dort ein Haus gebaut, das sie sich mit ihrem kleinen Haushaltsbudget zusammengespart hatten. Denn finanziell vermögend waren wir nie. Wir waren fünf Kinder, wovon ich das zweitälteste war. Mein Bruder war zwei Jahre älter und meine Schwester zwei Jahre jünger. Dann kamen neun bzw. elf Jahre später ein Bruder und eine Schwester als Nachzügler in die Familie. Unsere Kleidung wurde jeweils an die jüngeren Geschwister weitergereicht, und wenn es nötig war, nähte unsere Mutter uns auch etwas aus Stofffetzen zusammen. Aber das war nicht unüblich zu dieser Zeit, deshalb fiel es auch nicht weiter auf. Für uns war dieser Umstand auch völlig normal und wir hatten nicht den Eindruck, dass uns etwas fehlte.

Die meiste Zeit waren wir sowieso draußen, der Bauernhof des Nachbarn war unser bevorzugtes Revier. Hier gab es immer etwas zu erleben. Von diesem Bauern haben wir unsere Holzski bekommen, doch das Skifahren haben wir uns selbst beigebracht. Olympiareif war es nicht, aber für den Hausgebrauch war es völlig ausreichend. Außerdem bastelten wir uns Dinge aus den Sachen, die die Natur hergab.

Dieser Nachbar war auch in anderen Dingen ein Glücksfall für uns. Denn wenn er einmal zu viele Feriengäste hatte, wurden die kurzerhand im Elternschlafzimmer untergebracht. Meine Eltern schliefen dann bei uns Kindern auf den Boden . So konnten sich meine Eltern ein paar Schilling dazuverdienen. Dafür gab dann hin und wieder schöne Überraschungen. Zum Geburtstag bekam ich beispielsweise Schokoküsse, was ein unglaublicher Genuss war, denn Süßigkeiten hatten wir sonst nicht. Einmal erhielt ich eine Puppe zu Weihnachten. Sie war mein größter persönlicher Reichtum und mein ganzer Stolz.

Jedes Vierteljahr bekamen wir ein Frühstück der Extraklasse: Anstatt Schwarzbrot gab es Semmeln, belegt mit ein paar hauchdünnen Scheiben Salami und verziert mit einem Tupfer Mayonnaise. Für uns Kinder war das ein Festmahl – wie Weihnachten und Geburtstag zusammen.

Mein Vater war Automechaniker und meine Mutter Hausfrau. Erst als wir Kinder alt genug waren, um uns selbst zu versorgen, übernahm sie dann Stellen als Putzfrau und als Haushälterin.

4.2 Prägende Erlebnisse in der Kindheit

Ich denke, die Persönlichkeit von uns allen erhält ihre wesentliche Prägung in der Kindheit. Gleichzeitig haben wir auch die Möglichkeit, extreme Erfahrungen zu verarbeiten und uns zu einem Menschen zu entwickeln, der seine negativen Erlebnisse gut verarbeitet.

4.2.1 Ein tief verstörender Krankenhausaufenthalt

Als ich etwa fünf oder sechs Jahre alt war, bin ich beim Spielen auf einen rostigen Rechen getreten. Ich musste ins Krankenhaus und es war klar, dass ich dort einige Zeit zur Behandlung bleiben würde. Als meine Eltern mich dann dort zurücklassen mussten und zum Gehen wandten, habe ich bitterlich geweint. Zu dieser Zeit waren Empathie für Kinder und pädagogische Herangehensweisen offenbar noch nicht an der Tagesordnung in Krankenhäusern. Denn als Reaktion auf mein Weinen wurde meinen Eltern untersagt, mich zu besuchen. Für ein kleines Kind ist das natürlich ein unglaublicher Einschnitt, der heute undenkbar wäre. Schließlich dauerte mein Aufenthalt in diesem Krankenhaus vier Wochen, in denen ich meine Eltern nicht sah. In mir verfestigte sich der Gedanke, dass sie mich vergessen hatten und nicht mehr wollten.

Der Junge, der im Bett neben mir lag, wurde dagegen regelmäßig von seinem Vater besucht. Eines Tages fragte ich diesen Vater, der ein sehr liebevolles Verhältnis zu seinem Sohn hatte, ob er mich mitnehmen würde, wenn meine Eltern nicht mehr kämen. Leider musste er das verneinen.

Als sie mich dann aber doch abholten, hatten sie ein weißes Kleidchen mit Rosenstickereien für mich dabei, das ich mir schon sehr lange gewünscht hatte. Damit war die Angst, meine Eltern verloren zu haben, erst einmal vorbei und die Situation war bereinigt. Aber ich bin mir sicher, dass in meinem Unterbewusstsein sehr viel hängen geblieben ist. Ich vermute auch, dass sich dadurch in mir eine ganz tiefe Überzeugung eingenistet hat, wie wichtig und notwendig es ist, allein klarzukommen.

4.2.2 Ferienarbeit als Zwölfjährige

Ab der zweiten Klasse der Hauptschule musste ich für jeweils die gesamte Dauer der Sommerferien als Zimmermädchen in einem Gasthaus am Attersee arbeiten gehen. Wir Kinder waren immer gehalten, früh selbstständig zu sein. Die Chefin war sehr herrisch und streng und sogar gewalttätig. Denn wenn wir etwas nicht so machten, dass sie damit zufrieden war, gab es immer sofort eine Ohrfeige. Das war zu dieser Zeit zwar nicht unüblich, trotzdem empfand ich diese Schläge als furchtbar entwürdigend.

Wir waren acht Kinder, die dort arbeiteten. Die Arbeitszeit war von morgens um 6:00 Uhr bis abends um 20:00 oder 21:00 Uhr, sodass vor 22:00 Uhr nicht ans Zubettgehen zu denken war. Geschlafen wurde in einem Raum mit vier Stockbetten, in dem die Fenster vergittert waren und die Zimmertür verschlossen. Ich wusste trotz meines kindlichen Alters, dass ein ausbrechendes Feuer im Gebäude unser Tod wäre, denn wir hätten keine Chance, aus dem Zimmer herauszukommen.

Die Arbeit war hart und das Verhalten der Chefin nach heutigen Richtlinien strafbar. Auch das hat mich geprägt. Ich achtete schon damals verstärkt darauf, Dinge richtigzumachen und Fehler zu vermeiden. Aber aus meiner jetzigen Sicht als Frau in modernen Führungspositionen mit Personalverantwortung weiß ich, dass man sauber arbeitende und zuverlässige Mitarbeiter viel besser anderweitig motiviert.

Trotz allem hatte diese Arbeit etwas Gutes, denn ich konnte mir von meinem ersten selbst verdienten Geld eine eigene Hose und im darauffolgenden Jahr einen eigenen Kassettenrekorder kaufen. Für unsere Generation war ein solches Gerät fast ein Statussymbol. Meine Altersgruppe kennt noch die alten Kassetten, bei denen man mit einem Bleistift die Bänder vor- und zurückspulen konnte. Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen war es, stundenlang Lieder aufzunehmen, und ich war mächtig stolz auf meinen selbstständig, mit eigener Hände Arbeit erworbenen Besitz.

4.2.3 Glückliche Erinnerungen an die Kindheit

Es gab natürlich auch viele schöne Erlebnisse und Erinnerungen, ganz besonders, wenn es um Streiche ging, die wir den Eltern spielten.

Ich erinnere mich daran, dass ich gerade wieder einmal auf meinen kleinen Bruder aufpasste und mir dabei überlegte, wie es wohl wäre, wenn der Kinderwagen den Hang an der Hauseinfahrt hinuntersauste und sich dann, unten angekommen, mit einem spektakulären Salto überschlüge. Aber was bringt einem die reine Vorstellung, wenn man die Dinge nicht ausprobiert!

Also machte ich es. Allerdings nahm ich vorher den Kleinen heraus, denn das wollte ich ihm doch nicht antun. Mit meinem Bruder auf dem Arm, gab ich dem Kinderwagen einen Schubs und er tat, was er tun sollte. Das Problem dabei war nur, dass meine Eltern es sahen, weil sie gerade im Garten arbeiteten. Natürlich erschraken sie furchtbar.

Prompt hatte ich wieder Kontakt mit der damals wohl am häufigsten angewendeten Erziehungsmethode: Ich bekam – ein weiteres Mal – eine Ohrfeige. Erst dann realisierte meine Mutter, dass mein Bruder nicht im Kinderwagen war.

Aber der Versuch war erfolgreich verlaufen, und ich sah mich auf einer Ebene mit berühmten Entdeckern und Erfindern.

Eine andere Geschichte, die mir auch gut in Erinnerung ist, ist ein kleiner Unfall beim Versteckspielen. Gut, ganz so klein war er nicht, aber es gab zumindest keine bleibenden körperlichen Schäden. Kinder kommen ja schon manchmal auf wirklich komische Ideen, und wir waren da kein bisschen anders. Mein Bruder hatte Pfeil und Bogen dabei. Wir versteckten uns und lauerten. Genau in dem Moment, als meine Schwester hinter einem Baum hervorschaute, traf sie ein Pfeil in die Nase. Sie schrie und blutete ziemlich heftig. Wir zogen den Pfeil heraus, brachten unsere Schwester nach Hause – bis vor die Eingangstür. Dann schrien wir nach unserer Mutter. Mein Bruder machte sich jedoch ganz schnell aus dem Staub. Die typische Reaktion meiner Mutter auf die Tat, diesmal ausgeführt mit einem Kochlöffel, konnte er damit aber nicht verhindern.

4.2.4 Mutterersatz für meine Geschwister

Meine Mutter war oft krank. Heute glaube ich, dass es die Sorgen waren, die sie permanent beschäftigten. Denn meine Eltern stritten sich oft und auch heftig, und zwar meist wegen des fehlenden Geldes. Aber auch wegen uns Kindern. Immer wenn meine Mutter krank war, musste ich schon als Kind – und älteste Tochter – Verantwortung für den Haushalt und meine Geschwister übernehmen. Als ich zehn Jahre alt war, kam sie für einige Wochen ins Krankenhaus. In dieser Zeit ging ich nicht in die Schule, sondern kümmerte mich um alles, was sie sonst machte. Sogar um meinen kleinen Bruder, der gerade mal knapp ein Jahr alt war. Für mich war das eine sehr belastende Situation.

Ich bin mir sicher, dass diese Verantwortung und die Mutterrolle, die ich teilweise übernommen hatte, von meinem Vater sehr geschätzt wurde. Ich war schon sein Liebling, aber das löste wiederum eine gewisse Eifersucht bei meiner Mutter aus. Die Folge war, dass ich ihr nie etwas recht machen konnte und häufig diesen einen, für mich sehr schmerzhaften Satz zu hören bekam: „Geh weg, das kannst Du nicht!“.

Für meine Geschwister bin ich auch heute noch in vielen Fällen Ratgeberin und Ansprechpartnerin, wenn sie Probleme haben. Wobei das heute einen völlig anderen Stellenwert hat, denn als erwachsene Frau geht man mit einem solchen Vertrauensvorschuss viel bewusster um. Und seien wir ehrlich: Es ist doch ein sehr schönes Gefühl, wenn man geliebten Menschen mit Rat und Tat zur Seite stehen kann.

4.2.5 Die Kindheit als Persönlichkeitsbildung

Im Großen und Ganzen hatten wir innerhalb der Familie keinen engen Kontakt. Jeder lebte mehr oder weniger für sich. Dadurch, dass meine Geschwister und ich oft auf uns allein gestellt waren, waren wir gezwungen, uns selbst zu helfen. Unsere Eltern wollten wir auch gar nicht zusätzlich mit irgendwelchen Dingen belasten, weil wir wussten, dass sie ständig mit Problemen zu kämpfen hatten.

Andererseits hatten wir Kinder aber trotzdem ein gutes Verhältnis untereinander. Wir waren füreinander da und kümmerten uns um denjenigen, der gerade Probleme hatte. Auch in diesen Fällen nahmen wir stellenweise die Position ein, die eigentlich die Eltern in einer Familie innehaben sollte. Aber so lernten wir früh, mit Widrigkeiten umzugehen und für alles Lösungen zu finden. Für das Jammern über Probleme gab es schon damals keine Zeit. Vielmehr hatten wir als Strategie entwickelt, zueinander ehrlich und aufrichtig zu sein. Was auch half.

Unterm Strich habe ich all diese Jahre als schöne und erlebnisreiche Kindheit in Erinnerung.

4.3 Ein dramatisches Familienereignis mit 15 Jahren

Ein für uns Geschwister dramatisches und prägendes Ereignis erlebten wir an einem Weihnachten. Ich war 15 Jahre alt. Ein Streit zwischen meinen Eltern eskalierte dermaßen, dass die Feier ein radikales Ende nahm. Meine Mutter verließ das Haus und mein Vater lief mit einem Strick in der Hand in den Wald.

Meine Geschwister und ich suchten sie. Tatsächlich fanden wir unseren Vater und konnten wir Schlimmeres verhindern. Trotzdem war dies unser letztes Weihnachtsfest als Familie. Wir waren alle davon überzeugt, dass es unsere Familie in der gewünschten Form nicht mehr gab. Und auf erzwungene Fröhlichkeit hatte keiner von uns Lust.

Für mich bedeutete das, dass ich seit diesem Vorfall viele Weihnachten und Silvester allein verbracht habe, zumal wir im Alter von 15 Jahren ohnehin das Zuhause verlassen mussten. In späteren Jahren habe ich Urlaub fern der Heimat gemacht oder bin zu Freunden gegangen bin, die mir wichtig waren.

Dadurch habe ich kennengelernt, wie schön es sein kann, wenn man zu Weihnachten in Bali am Strand sitzt, gemütlich ein Buch liest, die Natur im Urwald genießt und obendrein noch ganz mit sich im Reinen ist. Denn diese Erkenntnis hatte ich für mich mitgenommen: Ich kann allein sein, ich kann mir selbst genug sein, und ich kann mit mir selbst etwas anfangen.

Ich erlebte auch einmal eine ganz andere Art von Weihnachten, nämlich bei einer Freundin, die zwölf Geschwister hatte. Sie lud mich über die Weihnachtstage auf den heimatlichen Bauernhof am Wolfgangsee ein.