Scherbenmosaik - Katja Knapp - E-Book

Scherbenmosaik E-Book

Katja Knapp

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Beschreibung

"Die Bruchstücke meines Lebens fügen sich zu einem Mosaik zusammen und ergeben einen Sinn. Als Einzelstücke sind es Scherben, an denen ich mich schnitt, aber zusammengesetzt ergeben sie ein Muster, ein Ganzes, ein Bild." Das Jobkarussell von Katja Knapp dreht sich unaufhörlich. Sie hetzt durch den Alltag und verzettelt sich auf der Suche nach Arbeit. Aus- und Weiterbildungen, Orientierungskurse, verschiedenste Tätigkeiten - das Chaos ruft bei Katja Knapp psychosomatische Symptome hervor: Tinnitus, Herzrasen, Schlafstörungen und Angstattacken, begleitet von einer Essstörung, die nach der Trennung von ihrem Freund den Höhepunkt erreicht. Nur im Hungern findet sie noch Halt und Selbstkontrolle. Anfänge, Abbrüche und Umbrüche markieren den Leidensweg der Autorin. Bis sie auf einer Indienreise zu einer wichtigen Erkenntnis gelangt: Allein im Dasein liegt der tiefere Sinn des Lebens verborgen. Sie lernt ihr Leben in seiner Einzigartigkeit anzunehmen. In ihrem Erfahrungsbericht "Scherbenmosaik" illustriert Katja Knapp die einzelnen Stationen von angefangenen und abgebrochenen Jobs. Was ist der Sinn des Lebens? Warum lebe ich und was bleibt von mir am Ende?

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Seitenzahl: 65

Veröffentlichungsjahr: 2018

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INHALT

Die Pflicht zur Selbstwerdung oder das Beste von sich …

Meine Schullaufbahn – leicht geht anders

Irgendetwas mit Menschen vielleicht?

Dauercasting meiner Jobsuche

Wie geht ein selbstbestimmtes Leben?

Ein Koffer für meine letzte Reise

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

dank der professionellen Autorin Cornelie Kister, die in liebevoller Detailarbeit meine Autobiografie verfasste, hat meine Lebensgeschichte den Weg in die Befreiung geschafft.

Als Einzelstücke sind es Scherben, an denen ich mich schnitt, aber durch den sinnstiftenden, schriftlichen Aufarbeitungsprozess, ergeben sie zusammengesetzt ein Muster, ein Ganzes, ein Bild.

Genau diese Botschaft, möchte ich mit dir, liebe Leserin, und mit dir, lieber Leser, teilen.

DIE PFLICHT ZUR SELBSTWERDUNG ODER DAS BESTE VON SICH …

Wir alle leben bewusst oder intuitiv nach der Formel „Erfolg gleich Glück“: Wenn ich erst erfolgreich bin, dann werde ich auch glücklich sein. Erfolg zu haben, Dinge zu bewältigen und etwas zu schaffen ist die Formel, die alle Menschen von klein auf lernen. Es gilt von Anfang an, gut in die Spur zu kommen, um die besten Startchancen ins Leben zu haben. Wir müssen uns bewähren, ganz vorne mit schwimmen, damit es dann – später im Leben – leicht für uns wird. Damit wir lukrative Berufe ergreifen, die Sicherheit und Anerkennung versprechen. Die uns erfüllen und ein gesellschaftliches Ansehen verschaffen. Die uns zu etwas Besonderem machen, denn nur wer besonders ist, wer heraussticht aus der Masse der Normalen, der hat die besten Chancen glücklich zu sein. Ist es nicht so?

Wenn aber alle danach streben, erfolgreich und etwas Besonderes zu sein – wie kann das funktionieren? Es können doch nicht alle oben mitschwimmen. Denn wo es ein Oben gibt, da gibt es ein Unten. Wo es die Erfolgreichen gibt, da gibt es auch die Erfolglosen. Die Welt ist so gestrickt, dass es immer zwei Seiten der gleichen Medaille gibt. Wo die Sonne ist, da ist der Schatten. Wo Glück herrscht, muss es auch Unglück geben.

Die Frage ist, wie gehen wir mit den weniger Erfolgreichen um? Genießen sie in unserem gesellschaftlichen System denn kein Ansehen und keine Wertschätzung? Sind sie verdammt dazu, unglücklich zu sein, weil ihnen der eine vorgeschriebene Weg im Leben nicht geglückt ist?

Und dann stellt sich natürlich die Frage: Was ist Erfolg überhaupt? Woran machen wir Glück fest? In einer durchökonomisierten Welt wie der unsrigen verbindet man mit Erfolg in aller Regel beruflichen Erfolg. Und beruflicher Erfolg ist zumeist mit wirtschaftlichem Erfolg verknüpft. An dem wirtschaftlichen Erfolg hängt Geld und an Geld wiederum Ansehen. Und das Ansehen ist die Währung für Glück.

Ist das so? Warum aber hören und lesen wir von den vielen Problemen und dem Unglück erfolgreicher Menschen, wohlhabender Menschen, Menschen, die Stars sind, die eine hohe Aufmerksamkeit genießen? In der Regenbogenpresse, aber auch in seriösen Medien lesen und hören wir, dass viele Menschen trotz ihres Erfolgs alkohol- oder drogensüchtig sind, dass sie in aller Öffentlichkeit abstürzen, dass sie einsam sind, dass ihre Familien zerbrechen. Kann es sein, dass der schwer erkämpfte Erfolg, die mühsam eroberte Individualität und Identität, weil wir uns heute alle erfinden und entwickeln müssen, gar nicht zu wirklicher Autonomie und Glück führen, sondern bei vielen zu Verunsicherung, Angst, Zwang und Erschöpfung?

Und wie fühlen sich Menschen, die es erst gar nicht in die Spur beruflichen Erfolgs geschafft haben, für die bereits die Schule ein aussichtsloser Kampf war, die sich abmühen, um den Einstieg in den Beruf – und wenn es nur irgendein Beruf ist – zu finden? Öffentlich liest man über diese Menschen wenig, sie leiden im Stillen, jenseits der großen Bühne allgemeiner Wahrnehmung.

Ich gehöre zu der Kategorie Mensch, denen von Anfang an alles schwergefallen ist. Ich habe mich in der Schule abgemüht, ohne Erfolge zu erzielen. Ich habe nicht die Hürden in ein befriedigendes Berufsleben genommen. Ich bin, was Schule und Beruf anbelangt, wahrhaftig auf der Strecke geblieben. Besser gesagt, ich habe über viele Jahre hinweg das Jobcasting zu meiner Strecke erklärt. Die Suche nach einem beruflichen Platz war mein Leben, die Pflicht zur Selbstwerdung geriet mir zu einer Tortur. Seit der Schulzeit war mein Leben eine Serie der Um-, Ab- und Aufbrüche, die mit viel Leid verbunden war, mit Krankheiten und einem grauenhaften Selbstbild. Davon will ich erzählen.

Es ist meine Lebensgeschichte, die ganz sicher nicht glamourös ist, die nicht von großartigen Erfolgen berichtet. Aber es ist mein Leben, über das ich schreibe. Über das ich vor allen Dingen schreiben kann, die ich zu Papier bringe für mich und für andere. Über das eigene Leben zu schreiben bedeutet, die Autorin des eigenen Lebens zu sein. Nicht, um dadurch erfolgreich zu sein und Ansehen zu gewinnen. Es hat damit zu tun, selbstwirksam zu sein, die eigene Lebensgeschichte so anzunehmen, wie sie ist. Sie nicht besser und schlechter zu machen, als sie ist. Schreiben ist Reflexion, ist Abwägen und Bewerten und es ist sinnstiftend, weil es dazu befähigt, das eigene Leben so anzunehmen, wie es ist, und nicht zu wünschen, was nicht vorhanden ist. Es befähigt zur selbstkritischen Reflexion, die Dinge so zu sehen und zu bewerten, wie sie sind, und nicht darauf zu hoffen, dass sie anders sein mögen oder hätten sein sollen.

Ich möchte meine Lebensgeschichte, meine Tour de Force durch den Dschungel der Jobsuche ausführlich erzählen – für andere. Damit meine Leserinnen und Leser Trost und Mut darin finden, denn die Welt ist mehrheitlich von Menschen bevölkert, die es schwer haben, denen es nicht leichtfällt, einen Platz im Leben zu finden. Die nicht zielstrebig ihren Weg machen und die vorgeschriebenen Bahnen Schule, Abschluss, Ausbildung, Beruf, Familie beschreiten. Ich möchte meinen Weg erzählen, der individuell ist, der einzigartig ist. So wie jeder Mensch einzigartig ist. Ein Weg, der zeigt, dass jeder das Beste aus seinem Leben machen kann. Denn das persönliche Glück führt genau über diesen Weg: das Beste aus sich zu machen. Denn das Große, so schreibt der Philosoph Søren Kierkegaard, ist nicht dies oder das zu sein, sondern man selbst zu sein.

MEINE SCHULLAUFBAHN LEICHT GEHT ANDERS

Der Bildungsweg war in meinem Elternhaus klar vorgezeichnet. Der Schulabschluss mit der Matura und selbstverständlich ein Studium für die spätere berufliche Qualifikation. Eine Lehre zu absolvieren war keine Option. In dieser Hinsicht bildeten meine Eltern keine Ausnahme. Obwohl es doch vielerlei Möglichkeiten gibt, Schulabschlüsse zu erzielen, kommt für die meisten nur der höchste in Frage, ganz gleich welche Fähigkeiten und Kapazitäten die Kinder mitbringen. Von ihren eigenen Wünschen ebenfalls einmal ganz abgesehen. Ich hatte nämlich gänzlich andere Vorstellungen als meine Eltern und die Matura zählte nicht unbedingt zu den angestrebten Zielen. Mit 14 Jahren habe ich den Wunsch geäußert, eine Ausbildung zur Friseurin zu beginnen. Meine Tante in Wien besorgte mir für eine Woche sogar einen Praktikumsplatz in einem Wiener Salon, jedoch mit dem erklärten Ziel, mir diesen Wunsch gehörig auszutreiben. Ich sollte spüren, wie hart der Job ist und wieder auf den Weg zur Matura geführt werden. Sowohl meine Eltern als auch meine Tante blieben auf dem vorgezeichneten Weg, den sie für machbar und auch für das Beste hielten, selbst wenn es nur eben so ein Durchkommen war.

Was meine schulischen Möglichkeiten anbelangt, hatte ich eine wesentlich realistischere Einschätzung als meine Eltern. Ich tat mich mit dem Lernen sehr schwer und betrat schon die Volksschule mit erheblichen Defiziten. Auf der Hauptschule konnte ich noch recht gut mithalten, aber ich war ja zu Höherem bestimmt. Vier lange Jahre quälte ich mich durch das Oberstufen-Realgymnasium, bis ich im Frühjahr die Schule endgültig abbrach. Die Matura kam für mich nicht mehr in Frage. Sie war nie eine Option für mich gewesen, von Anfang an nicht. Und obwohl mein Vater andere Pläne für mich hatte, akzeptierte er meine Entscheidung, ohne Vorwürfe und Vorhaltungen. Am Ende hatte auch er erkannt, dass der gewünschte Abschluss nicht zu schaffen war.