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Schlomo erzählt den ersten Teil der Geschichte von Schlomo Asmaniel Jonsen, ein im schnuckeligen Retortenstaat geborener Sohn eines Schafhirten. Durch die Augen des hochbegabten Jungen erleben Sie einen völlig neuen Blick auf menschliches Zusammenspiel in der Welt. Wortgewandtheit und detailreiche Beschreibungen von Themen, mit denen sich jeder irgendwann konfrontiert sieht. Ein Roman wie Sie ihn sicherlich noch nie zuvor erlebt haben. Like Schlomo auf Facebook! www.facebook.com/SchlomoAsmanielJonsen
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Seitenzahl: 53
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Sebastian Rosen
Schlomo
Dieses eBook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Anfang
Teil1
Impressum
Anfang
Stellen Sie sich einmal vor Ihr Leben wäre genauso gelaufen, wie sie es sich gewünscht hätten. Damit meine ich nicht eine gesamtweltliche Gesellschaftsumgestaltung der utopischen Art, sondern eine realitätsnahe Alltagsvorstellung Ihres eigenen Mikrokosmos zum Guten hin verwunschändert. Dabei spielt es keine Rolle wo auf diesem Planeten das Schicksal Sie in die Welt hinaus gespien hätte, auf welchem Kontinent Sie gezeugt und geboren wären. Ihre Eltern hätten mit ihrem beruflichen Erfolg und den Genen für blendendes Aussehen und überdurchschnittliche Intelligenz das Fundament für ein Bilderbuchleben gelegt. Als Kind des Westens wären Sie überschüttet worden mit pädagogisch höchstwertvollen Kreativspielzeugen, im fernen Hinterwäldlerland des Ostens hätten Sie schon früh die Aufsicht über Ihre eigene kleine Ziegenherde bekommen und im dunklen Süden möglicherweise bereits vor der eigenen Entjungferung den Oberbefehl über Ihre eigene Kinderarmee erhalten. Kurz darauf hätten Sie den Abschluss an einer Eliteschule gemacht und sich erfolgreich für ein Stipendium an einer Ivy League oder Oxbridge Universität beworben. Oder Sie hätten die ersten Generationen einzigartigen Wildviehs gezüchtet oder das Territorium der Nachbarclans erobert. Sie wären auf dem aufsteigenden Ast. Ganz gleich vor welchem geografischen und kulturellem Hintergrund, Ihr Liebesleben wäre ähnlich angenehm abgelaufen. Entweder hätten Sie die perfekte Frau an der Uni kennen gelernt und mit ihr die perfekte Familie gegründet. Ihr Ehe wäre leidenschaftserfüllt und nie langweilig aufgrund unentdeckt gebliebener Affären – woanders hätten Ihre mit Weitblick erfüllten Eltern eine makellose Erstfrau arrangiert, die beliebig häufig durch freiwillig oder unfreiwillig eingegangene Zweit- und Drittehen ergänzt worden wäre. Mittlerweile bekleiden Sie einen Posten im gehobenen Management, besitzen das Großgrundviehmonopol oder vielleicht haben Sie auch das eigene Stammesgebiet verdoppelt und durften der Region den mittlerweile zweiunddreißigsten Namen verleihen. Mit anderen Worten: Das Leben gab Ihnen Zitronensaft und Sie haben Cocktails daraus gemacht.
Jetzt stellen Sie sich das genaue Gegenteil vor. Wir bleiben in den drei Beispielregionen. Dieses Mal stammen Sie jedoch von Eltern ab, die vermutlich nicht nur mindergradig verwandt sind, was sich wiederum spürbar auf ihre biologischen Prädispositionen auswirkt. Als viertes von sieben Kindern sind Sie mit keinem Ihrer Geschwister zu einhundert Prozent verwandt. Sie sind hässlich wie ein Grottenolm und dazu ungefähr so belichtet wie eine Dunkelkammer bei Stromausfall. Folglich würde keinerlei Erbe, weder genetisches noch tatsächlich materielles Sie und Ihre Zukunft in günstige Bahnen lenken. Als ein Mitglied der nächsten Kapitalismusgeneration würden Sie so eben die Schulpflicht überdauern und den Rest Ihres Lebens dem Staate entweder dankbar oder verhasst gegenüberstehen – je nachdem, wie gut oder schlecht das Sie umgebende Sozialsystem funktioniert. In ärmlicheren Verhältnissen hätten Sie schon vor Ihrem zwanzigsten Lebensjahr für das Überleben der eigenen Blutlinie gesorgt und würden fortan nur noch darum beten, dass die lokal beheimateten Bergziegen keine Geschlechtskrankheiten übertragen oder der besser gestellte Gleichaltrige aus dem Nachbardorf ein friedlicherer Warlord wird, als der, der eine Woche zuvor abgesetzt wurde. Das Leben wollte Ihnen nichts geben und Sie haben als Folge prädispositionierter Erkenntnisarmut dankend abgelehnt.
Teil1
Die meisten Menschen jedoch liegen irgendwo genau dazwischen. Und wenn dann irgendwann ein völlig durchschnittlicher, normaler und in keinster Weise herausragender Junge im Mannesalter angekommen ist, geht’s weiter mit der Tagträumerei. Oder auch nicht. Je nachdem wie viel Kreativpotential Mutter Natur unserem präfrontal lokalisiertem Vorstellungsvermögen mitgegeben hat. Im Falle meiner Wenigkeit ist das vermutlich eine ganze Menge. Jedenfalls drifte ich ziemlich häufig ab in eine wunderbare Traumwelt der tollsten Unmöglichkeiten. Oder in eine nicht enden wollende Meckerei über den beobachtbaren Teil der Welt, der gelegentlich einfach nicht unkommentiert bleiben darf. Abdriften werde ich auf jeden Fall. Sollte Ihre zum spürbaren Nacherleben notwendige Empathieabteilung also unterbesetzt sein, sollten Sie angewiesen sein auf kompetente Hineinfühlungsvermögensberater, dann legen Sie dieses Manuskript besser gleich aus der Hand und greifen Sie zur aktuellen Ausgabe der lokalen Boulevardzeitung.
Zum Beispiel findet man sich als anatomisch einwandfrei funktionierender aber möglicherweise hoffnungslos unattraktiver Mann gelegentlich in Tagträumen wieder, die sich schlichtweg nicht vermeiden lassen - gleichgültig wie viel oder wenig unsere Fantasie zu leisten vermag. Es gibt diese Stimme in unserer Hose, die uns immer mal wieder darauf hinweist, dass es langsam mal wieder Zeit wird. „Ficken?“ ist so eine Frage, die gestellt zu bekommen wohl der Traum eines jeden Mannes in solch einer empfindlichen Situation ist oder der zu lange in einer Beziehung mit ein und derselben Frau steckt. Im Supermarkt vor den Tiefkühlpizzen stehend, tritt eine Frau heran, die der Teufel höchstpersönlich erschaffen haben muss und genau diese rhetorisch einwandfrei formulierte Frage stellt. Kein Geplänkel vorher, keine Verpflichtungen danach. Es ist nicht nötig eine solche Situation mit Adjektiven wie „anrüchig“, „aufregend“ oder „verboten“ zu beschreiben. Jeder (nicht jede) weiß wovon hier die Rede ist. Die unausgesprochene Antwort des Gefragten wäre nur ein ungläubiges Kopfnicken während sie schon mit ihrer nach der eigenen Hand griffe und mit der anderen bereits begänne den ersten von vielen Knöpfen zu öffnen. Man würde sich zurückziehen in die Ökogemüseabteilung und zwischen Zucchini und Melonen dafür sorgen, dass einkaufende Biomamis noch einen Grund weniger hätten das überteuerte Antifleisch zu kaufen. Der eine oder andere Vertreter des schönen Geschlechts hat dieses Erlebnis nun möglicherweise schon seinem sexuellen Erfahrungsschatz hinzufügen dürfen, allein die Mehrheit aller Fantasierenden wird sich weiter im fantasieren üben müssen.
