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Frau Doris Rave hat in mühseliger Kleinarbeit etliche Geschichten aus der schwäbischen Alb gesammelt. Diese Geschichten handeln aus der Zeit zwischen 1942 und 1945, also im zweiten Weltkrieg. Einige Geschichten sind lustig, andere wiederum ziemlich gefühlvoll. Frau Rave hat eine strenge Kindheit erlebt. Aber sie hat es verstanden ,diese Kindheit in Kinderlandgeschichten zu verarbeiten Diese Geschichten sind mit dem Erfolgsroman "Herbstmilch" zu vergleichen. Herbstmilch – Lebenserinnerungen einer Bäuerin ist der autobiographische Lebensbericht der Bäuerin Anna Wimschneider (1919–1993) aus dem Jahr 1985 . Zum Schluss dann noch die Urgeschichte von Käfer Julius Großtat vom Baumburgwald. Ihre Sätze sind etwas gewöhnungsbedürftig, zugegeben. Aber ich möchte sie so ziemlich belassen, zu Ehren der Schriftstellerin. Frau Rave verstarb am 17.10.2011 in Delmenhorst. Sie war eine Freundin vom Herausgeber und Autor Johannes Schütte
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Seitenzahl: 117
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Johannes Schütte
Schwabengeschichten 1
schwäbische Kinderlandgeschichten
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Kurzbiografie Doris Rave
Doktor im Schnee
Die Maus in meinem Schlafzimmer
Mein kleines Brüderchen
Das Ende eines Krieges
Mein erster Kuchen
Die Hexe im Dorf
Kalles Gülletag
Großmutter macht Sauerkraut
Werbung Käfer Julius Großtat
Werbung Tanja Sternenlicht
Werbung Kochen und Backen
Mein Bruder ist verschwunden
Ein Schweineleben
Stricknadelmärchen
Geliebte Großmutter
Das dämliche Geschenk für Mutter
Die Reise einer Banane
Bucherlöl? Was ist das?
Käfer Julius Großtat und sein Schimmel Janus
Käfer Julius Großtat und sein Schimmel Janus 2
Herbstmilch und diese Geschichten im Vergleich
Vater erzählt vom Krieg
Kartoffelkäfer suchen
Das Laib Brot im Kuhfladen
Das kranke Kannichen
Omas Grießbrei
Der Ring
Zahnschmerzen
Impressum neobooks
Frau Doris Rave
Meine Kurzbiografie ist schon eine Geschichte für sich allein. Eine Geschichte, die meine anderen Geschichten erst so richtig geprägt hat.
Ich wurde am 29.Juli 1914 in Westerheim, auf der schwäbischen Alb, geboren, und habe dort die ersten 28 Jahre meine Lebens zugebracht.
Westerheim war damals ein kleines Bauerndorf. Meine Eltern waren zugezogen, und wir wohnten zur Untermiete bei Bauern. Die Hausherrin war eine sehr liebevolle Frau, die ich schon in sehr jungen Jahren Nizanana nannte, was soviel heißt wie Oma oder Großmutter.
1941 wurde mein Bruder Rudolf, genannt Rolf, geboren und 1942 mein Bruder Wolfgang.
Mutter war fast immer krank. So viel mir schon mit acht Jahren die Verantwortung für die kleinen Geschwister zu. Neben Kochen, Putzen, Einkaufen usw.
Und zur Schule musste ich ja auch. Da ich eine miserable Schülerin war, gab es mehr als genügend Prügel von den Eltern. Lesen, Schreiben, Diktat und Aufsatz waren immer das Beste, was ich abliefern konnte. Ich litt jedoch unter starken Rückenschmerzen, die keiner verstehen konnte und auch unter ständigen Bauchweh.
Wertheim war für mich mein Kinderparadies. Als ich das erste Mal dort Ferien machen durfte, stand ich auf der alten Mainbrücke und mir liegen die Tränen, weil ich mit all der Schönheit nicht zurecht kam. Ich betete still vor mich hin.
Beides aber, Wertheim und Nizanana haben mein ganzes Leben geprägt.
Nach meinem Schulabschluss , steckte mich mein Vater in eine Fabrik. Ich war 15 Jahre alt und musste Akkordarbeit leisten. 10 Stunden am Tag. Von dem Geld, das ich verdiente, habe ich niemals einen Pfennig gesehen.
Mein Elternhaus war inzwischen so unerträglich geworden, dass ich beschloss, auszureißen. Aber durch eine Schulfreundin, die meinem Vater erzählte, dass sie in einem Internat war,hat er auch mich dort angemeldet, So kam ich für ein Jahr in das Hauswirtschaftseminar Kloster Untermarchtal an der Donau.
Nach einem Jahr bekam ich eine Stelle bei dem ehemaligen Bundestagsabgeordneten, Dr, Eugen Gerstenmeier in Stuttgart. Dort arbeitete ich als Kindermädchen für seine 3 Kinder im Alter von 2 bis 9 Jahren. Mit der ältesten Tochter hatte ich bis vor wenigen Jahren noch Kontakt.
Anschließend ging ich als Putzhilfe und Stationsmädchen an das Krankenhaus
Marienhospital in Stuttgart und arbeitete dort 4 Jahre.
In der Zwischenzeit lernte ich meinen Vetter Hubert kennen, der Mönch im Benediktinerkloster Nereshaim war. Ab sofort kümmerte er sich um mich, meine Mutter und Geschwister. Vater hatte das Weite gesucht.
Durch Hubert kam ich acht Jahre später nach Kiel und begann dort in einem Kinderheim für schwierige Kinder, meist, Waisenkinder, zu arbeiten.
1967 heirate ich, erwartete ein Jahr später ein Kind, das ich durch eine Fehlgeburt verlor. 1969 wurde dann mein Sohn Christoph geboren und ich wurde zu einer Allein ziehende Mutter.
1972, nachdem ich noch eine Zeit lang einen Kindergarten geleitet hatte, entschloss ich mich Sozialpädagogik zu studieren. An der Universität Bremen. Auch das war eine harte Zeit für mein Kind und für mich. Das Studium konnte ich ebenfalls mit einem guten Examen beenden und nach einer Zeit der Arbeitslosigkeit , hatte ich das Glück, ein Stellenangebot an der Schule in Ganderkesee/Delmenhorst zu erhalten. Durch meine Zusatzausbildung für behinderte Kinder, konnte ich dort die Vorschule übernehmen.
Acht Jahre habe ich dort gearbeitet, dann wurde ich so krank, dass ich in Frührente gehen musste,
Wenig später zog ich nach Delmenhorst. Als mich die telefonische Nachricht erreichte, dass mein Vetter Hubert morgens tot in seinem Bett aufgefunden wurde, Tage vor seinem geplanten Besuch in Delmenhorst, zerriss mir der Schmerz fast das Herz.
In alle diesen Jahren habe ich geschrieben. Käfer Felix(Julius) Geschichten, Kinderlandgeschichten, Gedichte und ich begann mein Leben aufzuschreiben.
Doris Rave verstarb am 17.10.2011 in einem Altersheim in Delmenhorst
Herr Johannes Schütte hat dann Käfer Felix übernommen und ihn in Käfer Julius Großtat umgetauft. Dieser Käfer erlebt Abenteuer im Baumburgwald.
Diese hier aufgeführten Geschichten hat Doris Rave geschrieben. Sie wurde so belassen wie sie verfasst wurden.
Heiße Sommer und kalte Winter. Im Sommer zu wenig Wasser, und im Winter zu viel Schnee. So war es auch auf der schwäbischen Alb. Ob es heute auch noch so ist, weiß ich nicht.
Der erste Schnee fiel schon im Oktober, und im April schneite es immer noch.
Bei uns im Dorf war massenhaft Schnee. Unser Dorf war sowieso ein besonderes Dorf. Bei uns gab es Metzger und Bäcker, eine Post und zwei Kaufmannsläden, einen Müller und Bauern. Die hatten ja alles, was sie brauchten.
Nur die Post war eine komische Post. Da konnte man Briefe und Pakete hinbringen und Briefmarken und Postkarten kaufen. Aber immer wenn man Post bekam, war das eine recht anstrengende Sache. Es dauerte lange, eh mal so ein Brief eintrudelte und noch länger, eh man ein Paket bekam. Unsere Post war nur eine Nebenstelle und die Hauptpost lag in der nächsten Stadt. Die war sieben Kilometer entfernt. Dort gab es einen Bahnhof und ein paar Dampfzüge, einen Doktor und eine Apotheke. Dinge, die man eben braucht und die unseren Bauern nicht hatten.
Im Sommer fuhr jeden Tag ein Pferdewagen in die Stadt, um dort die Post für unser Dorf abzuholen. Und die Briefe, die wir geschrieben hatten, wurden hingebracht.
Wenn jemand bei uns im Dorf krank war, dann musste der Pferdekutscher in der Stadt den Doktor verständigen. Der hatte natürlich ein Auto und kam dann auch ganz schnell. Einmal in der Woche kam er sowieso, um nach allem zu sehen. Dann gab es bei uns eine Familie, in der gemeldet werden musste, wo der Doktor gebraucht wurde. Wenn der nun Medikamente verschrieb, dann mussten die auch in der Stadt abgeholt werden. Der Pferdekutscher war ein Postmann und brachte alles mit, was man braucht. Im Sommer war es nicht so schlimm. Manche Leute hatten ein Fahrrad und fuhren die sieben Kilometer in die Stadt ; sowie sieben Kilometer wieder zurück, wenn sie alles erledigt hatten. Ich musste mindestens einmal in der Woche zu Fuß die sieben Kilometer in die Stadt gehen und einkaufen, was bei uns nicht zu kriegen war. Dann mit den schweren Taschen . Das war ganz schön anstrengend. Bei uns gab es ja keine Straßen. Das ging auf und ab und auf und ab.
Wer zur Arbeit musste, der konnte mir dem Postpferdewagen morgens in die Stadt und nachmittags wieder mit zurück. Der Postpferdewagen fuhr nämlich zweimal am Tag in die Stadt und holte zweimal die Post ab.
Nun war es aber wieder einmal Winterzeit. Da musste die Post natürlich auch geholt werden. Aber dann wurde ein Schlitten eingespannt, und die Pferde bekamen eine Decke über den Rücken . Der Pferdekutscher war in dicke Pullis, Hosen und Mäntel eingepackt und hatte auch noch eine Decke und lange, warme Stiefel an. Die Pferde hatten Glocken um den Hals. Lustig hörte sich das an, wenn die so vor sich hin trabten und die Glöckchen bimmeln ließen.
Nun hatten wir aber einen Winter, der besonders schlimm war. Wir Kinder hatten uns ja immer über den Schnee gefreut. Was haben wir im Schnee und mit dem Schnee alles gemacht, Hütten gebaut und Schneemänner gemacht. Schlitten gefahren ; Ski gelaufen und sonst noch alles mögliche. Aber in diesem Winter ging alles nicht. Es schneite und schneite und hörte nicht wieder auf . Es war so schlimm, dass sogar der Büttel nicht rechtzeitig die Dorfgeschichten vorlesen konnte.
Morgens früh wurden die Straßen mit Schneeräumfahrzeugen frei gemacht und der Schnee, den diese Fahrzeuge bei Seite schafften, lag dann meterhoch vor unseren Haustüren. Dann mussten die Leute erst einen Weg frei schaufeln, damit man überhaupt mal vor die Tür konnte. Kaum war der Schnee weg geräumt, lag er schon wieder meterhoch. Die Leute,die am Schneeräumen waren, hatten den ganzen Tag zu tun und fuhren immer wieder die Straßen ab. Aber wenn man zum Dorf hinaus kam, sah es schlimm aus. Berge von Schnee. Solche Massen, wie ich sie noch nie gesehen hatte.. Der Postwagen sollte ja nun in die Stadt, um die Post zu holen. Aber er musste wieder umkehren. Er kam nicht durch. An diesem Tag gab es keine Post und der Doktor konnte auch nicht kommen. Wer krank war, bekam keine Medikamente. Das war schlimm für die Kranken ;und irgendeiner war ja immer krank.Mutter lag auch im Bett. Ihre Galle tat weh und der Doktor war nicht her zu kriegen. Das war dann auch der Doktor Teufel. Vor dem hatte ich immer Angst, weil er Teufel hieß Dabei war er ein ganz netter Doktor. Mutter hatte solche Schmerzen, dass sie es kaum aushalten konnte. Da kam Großmutter mit einem alten Hausmittel. Sie hatte Kartoffeln gekocht und die zermaust und in einen Leinensäckchen gefüllt und das hat sie ganz heiß der Mutter auf dem Bauch gelegt.Das hatte tatsächlich geholfen. Die Schmerzen wurden besser. Aber aufstehen konnte Mutter noch nicht. Deshalb musste ich kochen und meine beiden Brüder mal wieder versorgen. Das war schwer, weil ich ja nicht wusste, wie alles gemacht wird.
Am nächsten Tag sah es immer noch so schlimm aus. Der Schnee hatte sich vermehrt. Der Pferdeschlitten fuhr trotzdem los, um die Post zu holen. Er nahm auch einen Stadtarbeiter mit. Es war ein großes Glück, dass er nicht allein auf seinen Schlitten hockte. Die Pferde sackten ein und steckten bis zum Hals im Schnee. Zum Glück hatte der Postmann Schaufeln mit. Nun fingen alle an mit den Schaufeln den Schnee wegzuräumen, damit die Pferde wieder frei kamen. Als sie die Pferde endlich frei hatten, mussten sie wieder nach Hause fahren. So gab es auch an diesem Tag keine Post und keinen Doktor, weil der ja mit seinem Auto überhaupt nicht durch den dicken Schnee kam.
Nun war aber in der Stadt die höhere Schule und viele Kinder von uns gingen da hin. In der Stadt konnten die Kinder die Realschule besuchen. Bei uns im Dorf gab es nur eine kleine Volksschule. Fast alle Kinder konnten bei uns Ski laufen. Die, die in der Stadt die Schule besuchten, mussten mit den Skiern die sieben Kilometer fahren. Denen hatte das Spaß gemacht. Sie nahmen ihre Schulranzen auf dem Buckel und los ging es.. Als es dann am dritten Tag immer noch nicht besser mit dem Schnee war, musste sich auch der Postmeister die Skier anschnallen und die Post holen.
Nun waren immer mehr Leute im Dorf krank geworden ,und der Doktor musste unbedingt kommen. Also musste auch er die Skier anschnallen, seinen Medikamentenkasten auf den Buckel hängen und die Kranken besuchen. Die Kranken waren alle froh, dass der Doktor kam und der Doktor hat sich gefreut, weil er bei den Bauern ein schönes Vesper bekam. Außerdem packten sie ihm alles mögliche ein. Rauchfleisch und Wurst und Schinken und Brot und andere schöne Sachen. Er war auch bei Mutter gewesen. Aber die konnte nichts einpacken, weil sie arm war. Dafür konnte sie aber nach ein paar Tagen wieder aufstehen.
Irgendwann hörte es dann auf zu schneien und die Straßen konnten wieder geräumt werden, ohne dass sie gleich wieder voller Schnee waren.
Schön war es dann, wenn es kälter wurde und der Schnee auf den Straßen, Bergen und Hängen erfror, dass er knirschte. Dicke Eiszapfen hingen vor den Dachrinnen und die Fenster waren gefroren und hatten Eisblumen. Bei uns im Schlafzimmer waren sogar die Wände gefroren.
Ganz schlimm war es auf dem Klo. Der war außerhalb der Wohnung und es gab keinen Ofen . Jeder, der mal musste, hatte Angst vor der Kälte und wir holten uns andauernd eine Blasenentzündung
Ende.
Ich war wieder während der Ferien im Kloster und hab meinen Onkel besucht. Das waren schöne Ferien. So schön, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll zu erzählen.
Ich fuhr mit dem Zug hin. Das war so ein kleiner Zug, ein Schleicher. Das Kloster lag hoch oben auf einem Berg, und die Stadt lag auch sehr hoch. So keuchte der Zug die steile Strecke hinauf, kreuz und quer durch Wiesen und Wälder .Wenn der Zug nicht mehr konnte, hielt er einfach an. Mitten im Wald rauchte der Zugführer erst mal eine Zigarette. Die Fahrgäste hatten in der Zwischenzeit Möglichkeiten genug ein paar von den schönen Blumen zu pflücken, die man dort überall fand. Ein gemütlicher Zug war das. Nicht so ein Gehetze, wie es heute überall der Fall ist. Dicke Rauchwolken puffte die Lok aus, wenn sie so schnaufen musste und dann kam eine ganze besondere Kurve. Wenn man die hinter sich hatte, konnte man das herrliche Kloster in der Sonne leuchten sehen. Dann fing mein Herz immer tüchtiger zu klopfen an. Ferien im Kloster waren etwas vom Schönsten in meinem Leben.
Obwohl ich eigentlich viel Schönes hatte, viel Schönes erleben durfte, gab es immer noch etwas, das noch schöner war.
Endlich war es geschafft. Ganz kaputt vom Bergsteigen ,kam der Zug da oben an und hielt an dem kleinen Bahnhof. Er war froh, dass er sich ausruhen konnte.
