Schwadron der Eisenfresser - U.H. Wilken - E-Book

Schwadron der Eisenfresser E-Book

U. H. Wilken

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Beschreibung

Der Autor steht für einen unverwechselbaren Schreibstil. Er versteht es besonders plastisch spannende Revolverduelle zu schildern und den ewigen Kampf zwischen einem gesetzestreuen Sheriff und einem Outlaw zu gestalten. Er scheut sich nicht detailliert zu berichten, wenn das Blut fließt und die Fehde um Recht und Gesetz eskaliert. Diese Reihe präsentiert den perfekten Westernmix! Vom Bau der Eisenbahn über Siedlertrecks, die aufbrechen, um das Land für sich zu erobern, bis zu Revolverduellen - hier findet jeder Westernfan die richtige Mischung. Lust auf Prärieluft? Dann laden Sie noch heute die neueste Story herunter (und es kann losgehen). »He, du da, an der Theke! Wir reden mit dir!« »Ich aber nicht mit euch.« Der große Fremde kehrte den beiden Männern am Tisch den Rücken. »Habt wohl Schwierigkeiten beim Stuhlgang, wie?« »Die kriegst du, verdammter Yankee!« Beide kamen drohend hoch. »Warum, Amigos?« Der schlanke Fremde beobachtete sie im halbblinden Thekenspiegel. »Ihr habt was gegen den Norden?« »Eine ganze Menge!« schrie einer haßerfüllt. Damit griffen sie nach den Colts. Da wirbelte der drahtige Mann herum, warf sich zur Seite, riß sich im Fallen den Colt heraus und feuerte. Blei grub sich in die Theke. Kugeln trafen die Männer am Tisch und stießen sie zurück. Niemand griff ein, der Fremde trat vor die Toten. »Ich wollt' euch doch nur erklären, daß ich kein Nordstaatler bin.« Irgendwer hustete im Hintergrund. Pulverrauch stieg aus den am Boden liegenden Colts ins Gesicht des Mannes, der etwas gebeugt verharrte. Schlaff hing die speckige Lederjacke von den Schultern. Auch die derbe Hose und die Mokassinstiefel waren Kleidungsstücke, wie sie ein Plainsman trug. Achselzuckend schob er nun den rauchenden Colt in die Halfter. »Natürlich wißt ihr nicht, wer euch erschossen hat. Ich sag's euch: Curly Stakenbush!« Auf langen Beinen stakste er zur Tür und wandte sich vor dem Hinausgehen den Gästen zu. »Noch einen schönen Tag, Leute.« Quietschend schlugen die Flügel der Schwingtür hinter ihm zusammen. Draußen stieg er auf seinen Falben, ritt und trabte hinaus in die sonnendurchglühte Weite des texanischen Hinterlandes. * »Die Lunte brennt schon, Waco! Gleich fliegt die ganze Chose in die Luft – und sie werden knusprig wie die Weihnachtsgänse. Du kannst angreifen, Waco.« »Das mach ich glatt!«

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Seitenzahl: 136

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Die großen Western – 203 –Schwadron der Eisenfresser

U.H. Wilken

»He, du da, an der Theke! Wir reden mit dir!«

»Ich aber nicht mit euch.« Der große Fremde kehrte den beiden Männern am Tisch den Rücken. »Habt wohl Schwierigkeiten beim Stuhlgang, wie?«

»Die kriegst du, verdammter Yankee!« Beide kamen drohend hoch.

»Warum, Amigos?« Der schlanke Fremde beobachtete sie im halbblinden Thekenspiegel. »Ihr habt was gegen den Norden?«

»Eine ganze Menge!« schrie einer haßerfüllt. Damit griffen sie nach den Colts.

Da wirbelte der drahtige Mann herum, warf sich zur Seite, riß sich im Fallen den Colt heraus und feuerte. Blei grub sich in die Theke. Kugeln trafen die Männer am Tisch und stießen sie zurück.

Niemand griff ein, der Fremde trat vor die Toten.

»Ich wollt’ euch doch nur erklären, daß ich kein Nordstaatler bin.«

Irgendwer hustete im Hintergrund. Pulverrauch stieg aus den am Boden liegenden Colts ins Gesicht des Mannes, der etwas gebeugt verharrte. Schlaff hing die speckige Lederjacke von den Schultern. Auch die derbe Hose und die Mokassinstiefel waren Kleidungsstücke, wie sie ein Plainsman trug.

Achselzuckend schob er nun den rauchenden Colt in die Halfter.

»Natürlich wißt ihr nicht, wer euch erschossen hat. Ich sag’s euch: Curly Stakenbush!«

Auf langen Beinen stakste er zur Tür und wandte sich vor dem Hinausgehen den Gästen zu.

»Noch einen schönen Tag, Leute.«

Quietschend schlugen die Flügel der Schwingtür hinter ihm zusammen.

Draußen stieg er auf seinen Falben, ritt und trabte hinaus in die sonnendurchglühte Weite des texanischen Hinterlandes.

*

»Die Lunte brennt schon, Waco! Gleich fliegt die ganze Chose in die Luft – und sie werden knusprig wie die Weihnachtsgänse. Du kannst angreifen, Waco.«

»Das mach ich glatt!« Waco richtete sich halb auf. »Laß die Fetzen fliegen, Tilly! Wir geben der Stadt den Rest!«

Er lief geduckt davon.

Zischend fraß sich die Flamme durch die Lunte, die unter dem Staub des Abstellplatzes verlegt worden war; sie wanderte über den Hinterhof und näherte sich dem Erdloch unter der Wand des US Army Depots.

Irgendwo abseits schnaubten Pferde und stampften auf der Stelle. Matt schimmerten Waffen im Mondschein.

Da geschah es.

Der berstende Knall der Explosion ließ Fensterscheiben klirrend platzen, Pferde scheuten und Yankee-Posten ertstarrten.

Hoch stieß die Feuersäule aus dem brennenden Vorrats- und Ausrüstungslager der Nordstaatler. Gerät wirbelte durch die Luft und schlug beim Aufprall Hausdächer ein.

Brüllend jagten Reiter um die Häuser und hinter Ställen hervor, trieben die Pferde auf die Main Street und feuerten gnadenlos um sich. Zuckend brachen die Yankee-Posten vor der Flammenhölle des Depots zusammen. Schreie gellten durch die Stadt – hinaus ins nächtliche Tal, wo ein zweites Reiterrudel zum Sturmangriff ansetzte.

Wilde Horden tobten durch die Stadt. Nur einem kühlen Beobachter wäre aufgefallen, daß das Vorgehen dieser Reiter militärisch exakt geplant war, denn es entstand kein Leerlauf.

Vielleicht sollten die Bewohner getäuscht werden, denn immer wieder wurden Schlachtrufe laut: »Viva Texas! Viva Texas!«

»Es lebe Texas!«

Auch in der Kommandantur der Unionsarmee krachten Schüsse. Dort starb der US Kommissar mit seinem Stabspersonal im Kugelhagel der Angreifer.

Der Kommissar lag im Sterben, als sich ein Mann über ihn beugte und verwegen lächelnd die starken weißen Zähne seines Raubtiergebisses entblößte.

»Kannst du mich noch verstehen, he? Wir sind keine Banditen, wir sind Freiheitskämpfer – Rebellen, wie ihr sagt. Weißt du, wer ich bin? Waco! Und jetzt stirb!«

Nichts und niemand wurde verschont. Jeder, der zu den Yankess freundschaftliche Beziehungen gehabt hatte, mußte sterben.

Nur Minuten währte der höllische Spuk.

Trommelnder Hufschlag hämmerte in die Nacht hinaus – dorthin, wo sich dunkel und drohend die Berge erhoben.

Eine Stadt in Texas, von Soldaten des Nordens besetzt, brannte und färbte den Nachthimmel blutrot…

*

Gemächlich näherte er sich zu Pferde.

Er sah auf die im Tal in Doppelreihe aufgebauten Vier-Mann-Zelte der US Schwadon »Cannonball«.

Lässig lenkte er den Falben auf das Camp zu.

Vor den zerschlissenen Zelten reinigten Soldaten Gewehre und Army Colts, scheuerten blecherne Kochgeschirre, wienerten Kavalleriestiefel und schliffen ihre Langmesser die Säbel.

Und drüben am Seilkorral wurden die gesattelten Kavalleriepferde gestrichen. Einige Pferde wurden neu beschlagen.

Vor dem Zelt des Commanders schwang er sich aus dem Sattel, ließ den Zügel einfach fallen und reichte dem Posten am Zelt ein Stück Papier.

Der las, betrachtete ihn, las weiter, nickte dann und verschwand im Zelt. Stimmengemurmel drang durch die Planen. Der Posten kam wieder heraus, reichte ihm das Papier und knurrte: »Kannst zum Alten.«

Geduckt trat er ein und richtete sich erst vor dem Klapptisch auf.

»Stakenbush, Curly«, meldete er sich, »Ihrer Schwadron zugeteilt, Sir!«

»Stakenbush?« Der Major blickte auf und musterte ihn. »Merkwürdiger Name, denke ich.« Er hüstelte abfällig vor sich hin. »Sehr merkwürdig.«

»Stimmt, Sir, aber ich kann nichts dafür.«

»Wieso nicht?«

»Bin nicht gefragt worden, Sir!«

»Äußerst merkwürdig.« Der Major fuhr mit gespreizten Fingern durch sein eisgraues Stoppelhaar und langte anschließend zum Blechbecher mit Kaffee. »Scheußliches Gebräu.« Er winkte mit dem Becher in der Hand ab und vergoß die Hälfte. »Verdammt, aber ist nicht schade drum.«

»Stimmt, Sir. Kenne das Zeug. Da kriegt man Dünnschiß von.«

»Was geht Sie mein Dünn –« Der Major unterbrach sich mürrisch. »Dienstgrad, Stakenbush?«

»Ich hab’ keinen, Sir.«

»Was soll das heißen, Mann? Sie haben keinen Dienstgrad?«

»Stimmt. Bin als Kundschafter zugeteilt, Sir. Hier ist mein Marschbefehl, Major.«

»Aah ja, den hatte ich schon ganz vergessen. Also Scout Stakenbush.«

»Sir«, Curly beugte sich etwas vor, »C u r l y Stakenbush.«

»Mann, Stakenbush, Sie sind wohl Texaner, daß Sie so stolz auf ihren Namen sind.«

»Stimmt, Sir, ich bin in Texas geboren, aber mein Vater war aus Kentucky und meine Mutter stammte aus –«

»Das will ich gar nicht wissen, damn’d!« schnappte Major Killing. »Eine Frage: wie haben Sie uns hier überhaupt gefunden?«

»Oh, ganz einfach, Sir: Ich bin nur dem Armeemief gefolgt. Ja, das stimmt.«

»Hören Sie auf mit diesem ewigen ›stimmt‹, Mann! Sie wissen, warum man Sie herbeordert hat, nicht wahr? Es geht um eine ganze Streitmacht von Banditen in den Bergen. Die hausen da wie die ersten Menschen, und wir sollen ihnen den aufrechten Gang beibringen, den Gang ins Grab! Und Sie sollen mich mit Ihren Kenntnissen über Land und Leute unterstützen. Hoffentlich sind Sie kein Blindgänger.«

Ruckartig erhob er sich und stieß dabei den Blechbecher um. Gespannt beobachtete Curly, wie sich die braune Brühe über seinen Marschbefehl ergoß. Der Major griff danach und hielt ihm den völlig durchnäßten Papierlappen hin: »Die Order können sie behalten. Und nun raus mit Ihnen, ich hab’ noch zu tun. Posten, Kaffee!« Und damit setzte er sich wieder.

Der Posten kam herein, füllte den Becher aus einer Kanne und wollte gehen, doch Killing sagte: »Lassen Sie diesen hochwohlgeborenen Texaner Stakenbush zum Schmelztiegelzelt bringen, Posten.«

»Jawohl, Sir! Kommen Sie, Scout.«

»Pardon, Sir…« Curly zögerte. »Wieso Schmelztiegel?«

Killing zog die buschigen Augenbrauen zusammen. »Das Zelt hat als einziges noch Platz. Drei Mann sind jetzt drin, mit vieren kann er belegt werden. Da ist ein Indianer – er zögert noch mit dem Aufbruch in die Ewigen Jagdgründe –, ein Schwarzer und einer, der einigermaßen menschenähnlich aussieht.«

»Wieso menschenähnlich, Sir?« fragte Curly mit gespielter Unwissenheit.

»Er leidet zwar an Schlafkrankheit, wurde mir berichtet, aber immerhin hat er eine weiße Haut. Daran kann man ihn erkennen. So, und jetzt wegtreten, Stakenbush!«

Curly grüßte und verließ das Zelt.

*

»Also«, überlegte der bullige junge Schwarze und richtete den muskulösen Oberkörper vom Schlaflager auf; er bohrte andächtig in der Nase und nickte dann grinsend, »also, ich heiße Snowball und bin in Louisiana geboren.«

»Wieso nicht in Afrika, Snowball?« fragte Curly verwundert.

»Oh, da kann ich ja gleich ’ne Weisheit an den Mann bringen!« freute sich Snowball. »Weißt du, Nigger werden überall geboren – nur nicht in Afrika! Da werden Afrikaner geboren. Kapiert?«

Curly nickte und war einige Sekunden ernst, wandte sich dann den beiden anderen Männern im Zelt zu und sah sie fragend an.

»Ich heiße – verdammt, ist auch egal, wie ich heiße!« stellte sich der schwarzhaarige junge Mann vor und lächelte schüchtern. Er fuhr sich über das sonnengebräunte Gesicht und hob etwas die Schultern an. »Man nennt mich hier Knackie. Den Namen hab’ ich bekommen, weil ich so gern knacke, verstehst du?«

»Nein.«

»Knacken heißt soviel wie pennen, lange pennen, Mann.«

»Ach so.« Curly nickte dem jungen Indianer in Wildlederkleidung zu. »Dann heißt du wahrscheinlich ›Rote Eule‹.«

»Nix Eule!« widersprach der Comanche. »Ich Scout wie du und heiß auch so: ganz einfach ›Scout‹.«

»Aha… Fein, euch kennengelernt zu haben. Dann geh ich wohl besser.«

Curly bückte sich schon, um durch den Zeltausgang zu kommen.

»Du bleiben bei uns!« sagte Scout. »Du mit uns gegen Banditen gehen auf Kriegspfad!«

Curly grinste breit.

»Abgemacht, Jungs!«

Hände knallten ineinander. Lachend umarmten sich die Männer.

Genau drei Stunden später rückte die Schwadron »Cannonball« im klirrenden Trab ab und schob sich gleich einen Keil in jenes unweg­same Bergland, das von Banditen und Mordbrennern beherrscht wurde.

Von der ganzen Schwadron kannten nur zwei Mann dieses Laand.

Scout, der Comanche, und Curly Stakenbush.

*

»Da kommen sie…«

Zwei verwahrlost aussehende Kerle kauerten hoch oben am zerklüfteten Rand der Schlucht und beobachteten die langsam heranrückende Doppelreihe der Kavalleristen.

Sie hätten nicht in Deckung zu gehen brauchen, weil von dort unten aus kein Soldat sie entdecken konnte. Doch die roten Felsen gaben ihren Schutz vor der sengenden Sonne.

»Sie sehen wie Ameisen aus«, meinte der andere Mann grinsend, »und wir werden sie auch wie Ameisen zertreten!«

»Nur nicht so hastig, Bruder – wir wollen doch unseren Spaß haben mit diesen Americanos! Wir werden die Soldados einen nach dem anderen abschießen. Was glaubst du, was sie dann tun werden? Sie werden ihren Gott anflehen!«

»Ich habe eine Idee, Bruder Rhambo. Unsere kleine wilde Schwester wird der Lockvogel sein.«

»Sag mir, was du vorhast, Narciso«, drängte Rhambo und beobachtete die Schwadron in der tiefen, sandigen Schlucht. »Ich will das Blut der verfluchten Soldados fließen sehen.«

»Du bekommst Gelegenheit dazu, Rhambo! Wir werden nämlich zu Ehren der Americanos ein Fest veranstalten! In Mesa Grande soll nicht nur Mescal fließen!«

Die mexikanischen Banditenbrüder grinsten sich an und klopften sich gegenseitig auf die Schultern. Sie freuten sich auf das Massaker an den Soldaten und malten sich das schaurige Geschehen aus.

Dabei sahen sie immer wieder in die Tiefe. Dort zog ein langer Staubschleier hinter der Schwadron her. Unter den Hufen wallte roter Staub auf und wirbelte empor, legte sich auf Gesichter und Uniformen, auf Pferde und Gerät.

Von Osten zog die blaue Dämmerung über die Berge, und in den Tiefen wurde es nahezu schlagartig dunkel. Die Sonne sank als riesiger Feuerball hinter den Mountains und ließ den Himmel im Westen erglühen. Raunend strich der Wind über die Felsklippen und Yukkas hinweg – und über allem lag eine trügerische Stille.

»Ich kann nur noch die Staubfahne erkennen«, murmelte Rhambo. »Wahrscheinlich werden sie in der Schlucht lagern. Wir könnten sie schon jetzt angreifen, Bruder. Im Canyon können sie nicht ausweichen.«

»Laß mir den Spaß mit dem Fest, Rhambo. Gehen wir.«

Sie erhoben sich, gingen sporen-klirrend über den steinigen Pfad und machten sich nicht die Mühe, sich zu ducken. Sie fühlten sich der Schwadron haushoch überlegen.

Sie waren gewohnt, daß man ihnen gehorchte und ihnen schmeichelte. In jedem Bergnest empfing man sie wie Könige.

Und immer wieder hieß es, daß die Brüder Perez keine Angst vor der Hölle zu haben brauchten, denn die Hölle sei in ihnen.

Die Stimmen der beiden Bandoleros verwehten über den Felsen.

»Natürlich wird Eliza das machen, Narciso. Du kennst sie doch – sie kann ein Beist sein…«

Dann trappelten zwei Pferde davon – und überall in weiter Runde stiegen Bandoleros, die auf ihre beiden Anführer gewartet hatten, in die hölzernen Sättel und ritten an. Sie kamen von den Anhöhen und folgten ihnen…

*

»Was ist denn, Curly?« Snowball, der farbige Soldat, zügelte sein Pferd neben dem Falben. »Warum siehst du noch oben?«

Curly warf einen schnellen Blick zurück auf die langsam herankommende Schwadron, an deren Spitze Commander Major Killing ritt.

»Wir dürfen auf keinen Fall in der Schlucht lagern, Snowball! Ich hab’ da oben eine Staubwolke gesehen. Und dann hat sich da irgend etwas bewegt. Yeahh, ich hab’ mich nicht getäuscht!«

»Wie willst du das gesehen haben, Curly?« zweifelte der junge Neger. »Da oben ist es auch schon fast dunkel.«

»Ich weiß nicht, wer uns beobachtet hat, Amigo, jedenfalls hat der Bursche einen großen Fehler gemacht, er hat nämlich nicht an den roten Himmel im Westen gedacht. Und davor hat er sich verdammt deutlich abgehoben, ohne das selber zu merken!«

»Du scheinst ein guter Scout zu sein, Curly…«

»Jeder Scout weiß das. Frag unseren Comanchen, der wird es dir bestätigen. Du weißt doch selber, wie ungeheuer wichtig eine Rückendeckung ist.«

Curly wischte sich den Staub vom Gesicht und lächelte flüchtig. »Wenn du von einem Berg aus deine Feinde beobachten willst – wo legst du dich da hin? Auf den Berg oder in Deckung, also hinter den Berg?«

»Natürlich hinter den Berg, ist doch klar, Curly! Ich bin doch kein Idiot!«

»Nein, Freund, du mußt dich vor den Berg legen! du bist dann gewissermaßen ein Teil vom Berg. Und auch vor dem Berg findest du immer noch Deckung. Klar?«

»Aber klar«, antwortete Snowball zögernd, »völlig klar. Jedenfalls hatten wir damals als Sklaven auf den Baumwollfeldern keinen Berg im Rücken, sondern die Aufseher mit ihren Peitschen.

»Hast du deshalb für den Norden gekämpft?«

»Ja, im Bürgerkrieg, und der ist nun seit einem Jahr vorbei. Ich wurde zwangsrekrutiert, aber dann hab’ ich eingesehen, daß ich für eine gute Sache kämpfte. Schließlich ging es um die Freiheit der Farbigen, auch um meine, Curly. Ja, und dann bin ich in der Army geblieben, aber leicht hat man es mir nicht gemacht. Neger werden nur als Stallburschen, Knechte und Diener beschäftigt, was auch ’ne halbe Sklaverei ist.«

»Ich bin Texaner, Snowball. Bei uns hat es auch Sklaven gegeben.«

»O ja, aber viele Weiße sind auch Sklaven!«

Grüßend zog Snowball sein Pferd herum und ritt Major Killing und der Schwadron entgegen. Er ritt an die Seite des Commanders und bat um Sprecherlaubnis.

»Die haben Sie, Snowball. Solange wir hier draußen sind, können Sie mir sofort melden, ohne vorher fragen zu müssen. Also, was ist?«

»Sir, Curly hat ’ne Beobachtung gemacht, er vermutet oben am Schluchtrand Feinde. Und er sagt, daß wir auf keinen Fall im Canyon rasten dürfen. Ich meine – äh, Curly meinte, das könnte schlimm für uns werden, weil wir hier keine Deckung haben und der Gegner die Schlucht vorn und hinten verrammeln kann. Dann säßen wir in der Falle.«

Killing musterte ihn und bemühte sich, ernst zu bleiben.

»Das mit dem Verrammeln ist doch auf Ihrem Mist gewachsen, nicht wahr, Soldat?«

Snowball nickte schuldbewußt, doch bei den nächsten Worten des Commanders lächelte er wieder. Killing sagte: »Das ist ein guter Hinweis, Soldat Snowball – das wäre tatsächlich schlimm für die Schwadron. Reiten Sie jetzt nach hinten und reihen Sie sich ein.«

Als Snowball den Befehl ausführen wollte, hielt der Major ihn noch kurz zurück: »Ich glaube fast, Snowball, daß Sie auf dem besten Wege sind, ein Mensch zu werden.«

»Oh, danke, Sir!«

Dann ritt Snowball in eine Lücke und wurde damit ein Glied in der Kette der Reiter.

Gleich darauf gab Killing das Zeichen, die Pferde galoppieren zu lassen, und dann polterte die Schwadron zügig durch die enge tiefe Schlucht, erreichte den Ausgang und ritt hinaus auf die Ebene, die zwischen zwei Bergzügen eingebettet war.

Curly verließ die Schwadron; für einen Scout gab es keine festen Zeiten zum Rasten oder Lagern. So entfernte er sich von der Schwadron und traf weit draußen auf den Comanchen Scout.

Scout stand neben seinem Pferd, und der Nachtwind bewegte sein langes schwarzes Haar und die Mähne des grasenden Tieres.

»Was du hier wollen?« empfing Scout ihn mit kehliger Stimme. »Wenn Curly atmet, Scout nicht hören können den Wind! Der Wind zu Scout sprechen.«

»Ich kann den Wind nicht verstehen, aber dafür kann ich gut sehen – und ich sehe zum Beispiel, daß dich irgendwas bedrückt. Du hast Sorgen, Scout.«

»Nein!« widersprach Scout heftig. »Warum Sorgen? Ich finde alles in Ordnung!«

»Na, schön – reden wir also vom Wind. Und was sagt er dir?«

Curly war auf einmal wieder ernst, weil er die große Naturverbundenheit der Indianer kannte. Dieses schier grenzenlose Land war einst Indianergebiet gewesen. Und immer und überall hatten die Indianer aller Stämme auf die Zeichen der Natur geachtet.

Außerdem besaßen sie die Fähigkeit, manche Dinge schon vorauszusehen.

»Ich weiß, Scout, daß ihr Comanchen die besten Reiter der Welt seid, aber ich höre nur den Wind, Scout – keine Stimme, die zu mir spricht…«