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Die Protagonistin der Rahmengeschichte findet beim Tod der Mutter eine Sammlung aus Zeitungsausschnitten, Fotos, Postkarten und Zeitschriftenartikeln die in einem kurzen Zeitraum zwischen 1910 und 1912 in New York entstanden ist. Die Papiere dokumentieren die wichtigsten zwei Jahre im Leben der Amerikanischen Flugpionierin Harriet Quimby. Diese hat als Journalistin für die Wochenzeitschrift Leslies Weekly mehrere Hundert Artikel verfasst, war als Theaterkritikerin und Reisejournalistin tätig und hat mit Größen des jungen Films wie David Griffith und Linda Arvidson verkehrt. Die junge Frau lässt sie sich zusammen mit ihrer Freundin Matilde Moisant in der neugegründeten Moisant Aviatic school ausbilden und erringt als erste Amerikanerin ein Flugbrevet. 1912 möchte sie die Welt mit der Erstüberquerung des Ärmelkanals durch eine Frau überraschen. Die waghalsige Tat gelingt, bleibt aber weitgehend unbeachtet. Der Zufall will es, dass sie mit der Titanic Tragödie zusammenfällt, welche die Weltöffentlichkeit weit mehr beschäftigt als die mutige Tat einer unerschrockenen Frau. Kaum ein Jahr währt die Karriere dieser Pionierin der Fliegerei. Aber die Zeit hat gereicht, um aus Harriet Quimby ein Vorbild für viele Frauen zu machen.
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Seitenzahl: 367
Veröffentlichungsjahr: 2017
Wer nicht manchmal stehen bleibt und zurück schaut, weiß gar nicht, wie weit er schon gekommen ist.
Robert Muthmann, deutscher Rechtsanwalt, Journalist und Publizist
Dem Quimby-Huus in St. Gallen gewidmet, seinen Bewohnern und Betreuerinnen.
Teil 1
Cave Codorniu
Leslie’s Weekly
Der Mann mit dem Kätzchen
Statue of Liberty Race
Aufbruch
Jahreswechsel
Teil 2
Der Stammbaum
Das Kostüm
Kängurusprünge
Die Punktlandung
Der Mondscheinflug
Teil 3
Jokerkarte
Pressefutter
Mexiko
Wohlgehütetes Geheimnis
Europa
Der Kanal
Teil 4
New York
Der Wind dreht sich
Ganesha
Epilog
Quellenverzeichnis
Meine Mutter starb im Spätherbst, nach einem etwa zweijährigen Aufenthalt im Altersheim, am sechsundzwanzigsten November. Der Bruder drängte auf eine schnelle Räumung des Zimmers, er würde die Entsorgung durch das Brockenhaus organisieren, und zwar vor dem dreißigsten, bevor das Zimmer einen weiteren Monat bezahlt werden müsste.
„Such dir noch heraus, was du behalten willst, den Rest erledige ich“, sagte er.
Ich hätte etwas mehr Zeit gebraucht, aber ich hatte es mein Leben lang nicht geschafft, mich meinem großen Bruder gegenüber durchzusetzen.
Ich stand in dem Zimmer mit dem Südbalkon. Das trübe Novemberlicht des Nachmittags ließ die Winkel im Halbdunkel, ich wollte trotzdem kein Licht anzünden. Ein letztes Mal setzte ich mich auf das blau gemusterte Sofa, sah auf die Möbel, welche mich durch meine Kindheit hindurch begleitet hatten, auf das Bett, in dem die Mutter noch vor wenigen Tagen gelegen hatte. Etwas war zu Ende gegangen, daran würde ich mich gewöhnen müssen.
Was ich einpackte, hatte Platz in einer IKEA Schachtel. Die paar kleinformatigen Bilder, zwei Fotoalben, ein paar Bücher. Dazu die beiden zartwandigen chinesischen Tassen, aus denen wir mit unveränderbarer Regelmäßigkeit in den letzten Jahren an jedem Samstagnachmittag zusammen Tee getrunken hatten. Ich, nach meinem Empfinden die unabhängige Singlefrau, in den Worten meiner Mutter die unverheiratete Tochter und in der Sichtweise meines Bruders die Lehrerin, die ja Zeit für so etwas hatte.
Als ich die Tischtücher mit den von Hand gearbeiteten Spitzenbesätzen aus dem Wäscheschrank nahm, sah ich ganz zu hinterst eine Blechdose, geschmückt mit einem jener altmodischen Bilder, wie sie zu Beginn des letzten Jahrhunderts in Mode waren. Ich konnte mich nicht an diesen Behälter erinnern. Als ich ihn öffnete, war er so voll gestopft mit Zeitungsausschnitten, Bildern und Postkarten, dass ich das Papier hineindrücken musste, um den Deckel wieder schließen zu können. Ich packte die Blechdose ein, weil ich solche alten Büchsen liebe. Den Inhalt würde ich später entsorgen können.
Ich bedankte mich nochmals beim Personal, verabschiedete mich und sagte, dass mein Bruder für den Rest besorgt sein würde.
„Ja, das ist schon organisiert“, antwortete die Heimleiterin. Wie professionell hier mit dem Tod umgegangen wurde.
Ich stapfte mit meiner Schachtel durch den nassen Schnee, die Wolken hingen tief, es begann vor der Zeit dämmrig zu werden. Ich würde in Zukunft nicht mehr an diesen Ort kommen, der in den letzten Jahren regelmäßiges Ziel in meinem Wochenablauf gewesen war.
Zu Hause stellte ich die Schachtel in die Garage, ich würde die Sachen später aufräumen. Da blieb sie unausgepackt stehen, Wochen, Monate.
Der Winter war lang gewesen, der Frühling nass und dann plötzlich in einen frühen, heißen Sommer übergegangen. Meine Arbeit in der Schule hatte mir in diesem Jahr ungewohnte Mühe bereitet. Ich hatte eine sechste Klasse unterrichtet, der Stress mit dem Übertritt in die weiterführenden Schulen war dieses Mal besonders aufreibend gewesen. Der einzige Lichtblick in dieser schwierigen Zeit war Anja, eine junge Kollegin auf der Unterstufe, die mir immer wieder einmal zeigte, wie leicht das Leben sein kann.
Ich war froh, dass die Sommerferien endlich da waren. Fünf lange Wochen, die nicht im Voraus verplant waren, die ich von einem Tag zum andern spontan gestalten würde. Ich musste etwas Ruhe finden, meine berufliche Situation überdenken. So konnte es nicht weiter gehen.
Anstatt der Türe, die sich weit in eine wunderbar freie Zeit öffnete, so wie ich mir dies vorgestellt hatte, war da ein dumpfer Raum, der mich aller Energie beraubte. Ich verbrachte meine kostbaren Tage lustlos, die Zeit rann mir durch die Finger. Meine Bekannten waren in alle Winde verschwunden, mein Lieblingsrestaurant hatte geschlossen, das Theater machte Sommerpause. Ich vermisste Anja, die mir mit ihrer unbekümmerten Art fehlte.
Zufällig stolperte ich in der Garage über die IKEA Schachtel, die beinahe vergessen da stand. Ich trug sie hinauf in die Wohnung und begann, weil ich im Moment nichts Besseres zu tun hatte, auszupacken.
Die kleinen Bilder stellte ich an die Wand, vielleicht würde ich das eine oder andere aufhängen. Die beiden Teetassen räumte ich zu meinem Geschirr, die Tischdecken in den Wäscheschrank.
Dann war da diese Blechdose. Sie schien mir sehr groß für eine Schokoladen- oder Biskuitdose und war mit dem Schriftzug CAVE CODORNIU versehen. Sie hatte einen messingfarbenen Grund, über dem reiche Jugendstilranken in leuchtendem Kobaltblau das Bild eines geheimnisvollen jungen Mannes mit langem, schwarzem Haar einrahmten, der aus einem Sektglas trank und daran war, aus einer edlen Flasche ein zweites Glas zu füllen, so, als ob er es mir gleich kredenzen wolle. Die Schrift war in hellem Kirschrot. Vermutlich war die Dose einst Verpackung für drei Flaschen Sekt gewesen, eine Verpackung, die durchaus einen Wert in sich selber trug und sich zum Aufbewahren von neuem Inhalt geradezu aufdrängte.
Als ich die Dose vorsichtig öffnete, quollen sofort wieder die vielen Papiere hervor, die festgepresst den ganzen Innenraum ausfüllten. Ich betrachtete ein einzelnes Blatt genauer und sah, dass es sich um einen englischsprachigen Text handelte. Auch die nächsten Papiere die ich in die Hände bekam, waren in englischer Sprache, und bei einem entdeckte ich den Titel NEW YORK TIMES. Einige trugen zudem ein Datum, das in die Jahre um 1910 zurückführte. Neben den Zeitungsausschnitten waren einzelne Fotos vorhanden, Postkarten, handgeschriebene Zettel und zuunterst zusammengefaltete Seiten aus Zeitschriften.
Ich vermutete, dass die Sammlung von Dokumenten, die für mich im Moment keinen erkennbaren Sinn ergab, eine Hinterlassenschaft meiner Großmutter war. New York wies in diese Richtung, auch die Zeit zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts.
Ich erinnerte mich kaum an meine Großmutter, sie starb, noch bevor ich in die Schule kam. Ich wusste nicht einmal genau, ob es wirkliche Erinnerungen oder vielleicht nur Erinnerungen an Erinnerungen waren. Ich hatte sie, in Abgrenzung zu meiner Großmutter väterlicherseits, Oma Lisa genannt, was sich in meiner Kindersprache zu einer Omalaisa zusammen gezogen hatte. Mit einiger Sicherheit erinnerte ich mich daran, dass sie keinen Dialekt sondern Schriftdeutsch sprach. Das hatte wohl unsere Kommunikation erschwert, ich habe keinerlei Erinnerung an Geschichten, die sie mir erzählt haben könnte. Ganz im Gegensatz zu meiner anderen Großmutter, die eine wunderbare Geschichtenerzählerin gewesen war. Ich erinnerte mich, dass Omalaisa dafür Geige spielte und ich ihr dabei fasziniert zugehört hatte. Wenn ich versuchte, ihr Bild zurück zu rufen, sah ich eine große, schlanke Frau mit langem Hals und feingliedrigen Händen. Eine Erbschaft, die sie sowohl an meine Mutter als auch an mich weiter gegeben hatte.
Vorläufig stopfte ich das Papier wieder in die Sektdose zurück, nur die Fotografie einer jungen Frau, die wunderschön nostalgisch aussah, lehnte ich an die Wand der Dose, die ich auf dem Tisch stehen ließ. Ich wollte der Sache in den nächsten Tagen nachgehen.
Meine Mutter hatte mir als Kind immer wieder von ihrer Herkunft erzählt, von der Zeit in Amerika, von ihrer amerikanischen Mutter, der deutschen Großmutter. Ich konnte damals nicht genug bekommen von diesen Geschichten, von denen ich nie genau wusste, wie weit sie auf Tatsachen beruhten oder doch eher der Fantasie meiner Mutter entsprangen. Das war lange her und ich brauchte Tage, um die Lebensgeschichte meiner Großmutter in groben Umrissen wieder zusammen zu fügen:
Sie war das einzige Kind deutscher Einwanderer gewesen, die sich in den späten Achtzigerjahren des neunzehnten Jahrhunderts in New York angesiedelt hatten. Mein Urgroßvater hatte sich als Kürschner in relativ kurzer Zeit ein eigenes Geschäft mit der Fabrikation von feinen Handschuhen aufbauen können. Als meine Großmutter in den neunziger Jahren geboren wurde, lebte die kleine Familie im Schoße einer großen deutschen Gemeinde innerhalb eines New Yorker Quartiers, das sich Kleindeutschland nannte und sich kaum von einer Stadt in Deutschland unterschied. Es wurde mehrheitlich Deutsch gesprochen, mein Urgroßvater sang in einem deutschen Männerchor, trank nach den Proben sein Bier in einem der vielen Biergärten, es gab deutsche Kirchen, eine deutsche Bibliothek, und vor allem auch deutsche Schulen.
Hier wurde meine Großmutter eingeschult. Es musste am Ende der dritten Klasse gewesen sein, als das Ereignis eintraf, das sie für ihr ganzes Leben traumatisieren sollte. Kurz vor den großen Sommerferien hatte sie die Röteln bekommen und musste daher zu Hause bleiben. Das war für sie insofern ein kleines Drama, als sie damit am großen Fest zum Schuljahresschluss nicht würde teilnehmen können. An diesem Fest musste ein schreckliches Unglück passiert sein, was es genau war, wusste ich nicht mehr.
Auf jeden Fall zogen die Urgroßeltern bald danach um, aus der Lower East Side von Manhattan hinauf, in die Upper East Side. Hier ging nun meine Großmutter in eine englischsprachige Schule, sie wurde voll und ganz zu einer Amerikanerin, die ihre deutschen Wurzeln immer weniger spürte. Ihre musikalische Begabung wurde entdeckt, sie lernte Geige spielen, wurde im Schulorchester zu einer unverzichtbaren Stütze und besuchte nach ihrem Schulabschluss das Konservatorium von New York.
Über die Musik lernte sie zu Beginn der zwanziger Jahre meinen Großvater kennen, einen Schweizer, der kurz nach dem ersten Weltkrieg für eine Basler Firma nach New York geschickt worden war. Er war erheblich älter als sie und soll ein recht passabler Geigenspieler gewesen sein, allerdings nicht ganz auf dem Niveau meiner Großmutter. Sie lernten sich beim Quartettspiel kennen und lieben, heirateten und bekamen schon bald eine kleine Tochter, meine Mutter.
Mein Großvater hatte nie vorgehabt, für immer in Amerika zu bleiben. Als dann die Zeit für die Einschulung meiner Mutter kam, war dies auch der Zeitpunkt für die Rückkehr in die Schweiz. Das musste meiner Großmutter, die eine patriotische Amerikanerin gewesen ist, sehr schwer gefallen sein. Sie besann sich wieder auf ihre deutsche Muttersprache zurück, die unter dem Amerikanischen noch erstaunlich gut erhalten war, sie sprach das Deutsche mit leicht amerikanischem Akzent und weigerte sich standhaft, sich in Schweizerdeutsch zu versuchen.
Ich nehme an, dass sie sich in der schweizerischen Enge sehr einsam gefühlt hatte, dass ihr die Großstadt fehlte, die englische Sprache und ihre Heimat Amerika. Vermutlich hatte sie die Musik über vieles hinweg trösten können, trotzdem, wenn ich mich an sie zurück erinnerte, erschien in mir das Bild einer nicht sehr glücklichen Frau. War vielleicht dies der Grund, dass sie ihren Mann nur um wenige Jahre überlebte und relativ jung starb? Sie ist nicht einmal sechzig Jahre alt geworden.
Überrascht fühlte ich, dass mir meine Oma Lisa nie näher gestanden hatte als jetzt, wo ich zum ersten Mal ihrem Schicksal nachsann. Ich sah vor meinem inneren Auge eine Mutterreihe, diesen hölzernen Babuschkas ähnlich, bei der eine im Innern der nächsten steckte. All diese Frauen waren in meinem Innern, meine verstorbene Mutter, meine Großmutter, die ihre amerikanische Heimat Richtung Europa verlassen musste, meine Urgroßmutter, die es von ihrer europäischen Heimat nach Amerika verschlagen hatte.
Ich besah mir nochmals die Bilder, die ich beim Auspacken an die Wand gestellt hatte. Eines von ihnen zeigte meine Großmutter als junges Mädchen, in wenigen Bleistiftstrichen festgehalten. Ich hing es im Schlafzimmer an die Wand neben dem Fenster, wo ich es von meinem Bett aus sehen konnte. Die Zeichnung zeigte sie als ganz junge Frau, wenige Striche von ungeheurer Lebendigkeit. Sie drehte ihren Kopf von mir weg, dem Fenster zu, als ob sie in der Weite etwas entdecken könnte. Oder wendete sie den Blick von mir ab, um dadurch noch geheimnisvoller auszusehen?
Auf jeden Fall sah ich das Bild einer jungen Frau, den Kopf nach rechts gedreht, so dass ihr Profil sichtbar wurde. Das Auffälligste war ihr volles, glänzendes Haar, das nach der damaligen Mode mit einer üppigen seitlichen Rolle aufgesteckt war. Diese gab das Ohrläppchen zur Hälfte frei und endete in einem lockeren, tief sitzenden Haarknoten. Das Profil zeigte eine schön geschwungene Nase, einen feinen Mund mit schmalen Lippen und ein markantes Kinn. Das Auge ließ Verträumtheit und Tiefe ahnen und der kräftige Schwung der Braue gab zusammen mit dem deutlich geformten Kinn dem Gesicht eine gewisse Entschlossenheit. Der Hals war lang und zart, mit einem schwarzen Samtband umschlungen, das im Nacken zu einer kleinen Schlaufe verknotet war. Der breite Kragen des Kleides, von einer Brosche zusammen gehalten, war nur noch angedeutet.
Ich bedauerte zum ersten Mal, dass ich meine Mutter nicht mehr über das Leben der Großmutter ausfragen konnte, dass ich mit dem Bild und meinem mangelhaften Wissen über ihre Lebensgeschichte allein gelassen war. Daran war leider nichts mehr zu ändern, meine Neugier aber war geweckt.
Ich musste unbedingt dem Geheimnis der Blechbüchse mit dem romantischen Sekttrinker auf die Spur kommen, herausfinden, was die Bedeutung ihres Inhalts war.
Ich kippte den ganzen Inhalt auf den Tisch und suchte, wie bei einer unordentlich eingeräumten Fadenschachtel nach einem losen Ende, von dem aus etwas aufgerollt werden konnte. Fotos und Karten ließen sich von Zeitungsausschnitten trennen, die mehrseitigen Artikel von kleinen Zetteln, aber wie weiter?
Ich las, was ich gerade gut entziffern konnte, ziemlich wahllos, begann mir Namen zu notieren die mehrmals vorkamen, am häufigsten fand ich jene von Harriet Quimby und Matilde Moisant. Ich gab ihre Namen in die Suchmaschine des Computers ein und war erstaunt, wie viele Treffer gemeldet wurden. Die beiden waren Fliegerinnen der ersten Stunde, Pioniere der Aviatik, zu einer Zeit, als Fliegen noch ein großes, gefährliches Abenteuer war. War die Sammlung das Werk eines jugendlichen Fans, der die Erfolge seiner verehrten Idole dokumentierte? Es sah ganz so aus, obwohl ich mich fragte, warum eine junge Frau, die sich vor allem für Musik interessierte, ihre Stars nicht in diesem Bereich gesucht hatte, sondern ausgerechnet in dem der Fliegerei.
Es gab noch andere Namen die mehrmals erwähnt waren, besonders jene von Linda und David Griffith. Auch bei ihnen wurde ich im Internet fündig, sie verwiesen in eine andere Richtung, in die des jungen Stummfilms. Filmstars als Idole jungmädchenhafter Begeisterung, das konnte ich besser verstehen. Dazu passte auch ein Teil der Fotografien, die durchaus meiner Vorstellung von Filmstars entsprachen. Es waren sehr gut aussehende Frauen, auch Männer, zwar aus einer fernen Zeit, aber voller Charme und Glamour.
Als nächstes versuchte ich meine Auslegeordnung in eine chronologische Reihenfolge zu bringen, was relativ einfach war, weil der Großteil der Dokumente aus sorgfältig ausgeschnittenen Zeitungsausschnitten bestand, die alle säuberlich datiert waren. Die Sammlung war in einem engen Zeitraum von weniger als zwei Jahren angelegt worden. Das älteste Dokument trug das Datum vom September 1910, das jüngste jenes vom Juli 1912. Wie alt war wohl meine Großmutter gewesen, als sie das Material zusammengetragen hatte?
Die Papiere belegten den ganzen Esstisch, ließen kaum eine freie Stelle übrig. Ich beschloss, alles liegen zu lassen, funktionierte den Tisch zum Arbeitstisch um ohne zu ahnen, dass ich damit für die nächsten Wochen mein Essen in der Küche einnehmen würde und keinen Besuch mehr einladen konnte.
Die Sache hatte sich in mir festgesetzt. Ich war daran, ein loses Ende im langen Fadengewirr zu finden, an dem ich sorgfältig weiterziehen wollte, um Ordnung in das Ganze zu bringen. Natürlich suchte ich mehr als nur Ordnung, ich suchte eine Geschichte. Ich war überzeugt, dass sich in dem ganzen Durcheinander von Papieren eine solche verbarg. Vielleicht würde meine Großmutter doch noch zur Geschichtenerzählerin werden!
Meine Lebensgeister waren wieder geweckt, Müdigkeit und Unentschlossenheit wie weggeblasen. Ich hatte ein Ziel, ich wollte hinter das Geheimnis der Sektdose kommen, hinter das Geheimnis meiner Großmutter.
Die Sommerferien waren vorüber, das neue Schuljahr hatte wieder begonnen.
„Das ist aber cool“, sagte Anja, als ich ihr von meiner Entdeckung erzählte. Sie stand braungebrannt im Lehrerzimmer und ich merkte schnell, dass sie lieber selber von ihren Ferienerlebnissen berichten wollte.
Die Zeit, die ich für mein Unterfangen einsetzen konnte, war jetzt begrenzt. Und doch begann ich nun meinerseits zu sammeln, sammelte alles was ich zu den Namen Quimby, Moisant, Griffith und Arvidson finden konnte, im Internet, in Büchern und Zeitschriften. Dabei kam ich vom Hundertsten zum Tausendsten, die Informationen drohten mich zu überschwemmen, schwappten über mir zusammen, ließen mir kaum mehr Raum für die Gegenwart. Dabei fühlte ich mich lebendig wie schon lange nicht mehr, die Recherchen führten mich in Bereiche, von denen ich gar nicht gewusst hatte, dass sie mich interessieren könnten.
Es bildeten sich Bilder und Geschichten in meinem Innern, die wie farbige Perlen durcheinander rollten, aus einer fernen Zeit heraus zu leuchten schienen und die zu einer Kette verbunden werden wollten.
Ich nahm eine der Fotografien in die Hand und betrachtete sie so lange und konzentriert, bis meine Fantasie die Schranken von Zeit und Raum zu überwinden begann, bis ich hinter der altmodischen Kleidung die ferne Zeit wahrnehmen und im Blick der jungen Frau, die mich so direkt anblickte, ihre Gedanken und Gefühle, ja sogar ihre Träume erahnen konnte:
Portrait-Fotografie in schwarz weiß auf vergilbtem Halbkarton,
die hellen Partien elfenbeinfarben,
in Postkartengröße:
Eine schwarz gekleidete junge Frau
sitzt auf einem Holzstuhl mit geschnitzter Armlehne.
Tief ins Gesicht gezogen ein dunkler Hut,
mit einer hellen Tüllquaste verziert,
die den Blick auf ihr Gesicht lenkt.
Ein junges, bezauberndes Lächeln, strahlende Augen,
fein gezeichnete, ebenmäßige Züge, langer Hals.
Die Hand mit dem Armschmuck am Gelenk
verschwindet halb in einem Muff aus langhaarigem Pelz.
Auf der Rückseite die Signatur:
Harriet Quimby
in großzügiger Handschrift
und das Datum: September 1910
Sie steht zu oberst auf dem Flatiron Buildung, vorne an der Spitze, wo das riesige Gebäude gerade einmal vier Meter breit ist. Sie steht da wie auf einem Sprungturm, und wie auf einem solchen wippt sie eine Zeit lang in den Knien, bevor sie sich mit einem kräftigen Fußdruck vom Untergrund abstößt. Sie streckt die Arme aus wie bei einem Sprung vom Fünfmeterbrett und taucht einige Meter in die Tiefe. Dann breitet sie die Arme aus, wie ein Vogel seine Flügel, fängt sich im Fall auf und spürt die Luft unter sich, Luft die sie trägt. Sie bewegt sich wie eine Schwimmerin im Wasser, gibt mit Armen und Beinen kurze Schläge, um eine Richtungsänderung zu bewirken, lässt sich vom Aufwind in die Höhe tragen und danach wieder sinken. Sie spürt die angenehm kühle Luft ihren Körper umstreichen, sie genießt die Freiheit ihrer Bewegungen, die ungewohnte Sicht auf vertraute Dinge.
Unter ihr die Straßenschluchten von New York, die bekannten Strassen, sie könnte jede beim Namen nennen. Obwohl es heller Tag ist – das Licht eines Sommerabends, wenn die Sonne schon tief steht – sind keinerlei Leute zu sehen. Sie fliegt über eine menschenleere Stadt, südwärts, dem Meer entgegen. Ein Gefühl von grenzenloser Freiheit.
Bis zu dem Moment wo sie merkt, dass sie wieder der Schwerkraft der Erde ausgeliefert ist, da stürzt sie, stürzt wie ein Stein. Also bewahrheitet sich doch, was sie so oft vorher geträumt hat, sie wird aufschlagen und den Aufschlag nicht überleben.
Wie immer, erwacht sie in diesem Moment der Katastrophe, noch bevor sie den Boden erreicht.
Sie schreckt mit einem unterdrückten Schrei auf, sitzt kerzengerade im Bett und umfasst den Kopf mit beiden Händen. Das ist wieder dieser immer gleiche Albtraum, der sie in unregelmäßigen Abständen heimsucht, seit Jahren.
In einer der ersten Wochen hier in New York hatte sie ihn zum ersten Mal geträumt. Es war im Januar 1903, das Flatiron Building noch nicht ganz fertig aufgebaut, in den obersten Stockwerken streckte sich noch die bloße Stahlkonstruktion in den Himmel. Sie hatte, um dies genau sehen zu können, den Kopf so sehr in den Nacken legen müssen, dass sie ihren Hut mit beiden Händen festhalten musste. Sie war ungeheuer beeindruckt, und in der Nacht darauf träumte sie ihren Flugtraum zum ersten Mal. Sie hat ihn in den sieben Jahren so oft geträumt, dass sie sich sogar im Traum daran erinnert.
Ihr Atem geht viel zu schnell und ihr Herz rast. Warum nur dieser immer gleiche Traum?
Ihr Redaktionskollege, der einen dieser Vorträge des Doktor Freud vor einem Jahr gehört hat, ist überzeugt, dass der Traum etwas mit Sexualität und Erotik zu tun habe, alle Flugträume hätten dies, sagt er.
Ihre Freundin Linda deutet ihn ebenfalls psychologisch, allerdings auf andere Weise:
„Ja, Hatty, wer hoch steigt, der fällt auch tief.“ Linda ist keine neidische Person, doch der Erfolg ihrer Freundin sticht sie trotzdem ein wenig.
Harriet selber bringt den Traum eher mit ihrer zu vollen Blase in Verbindung. Sie ist eine bodenständige Person, die körperliche Symptome stärker wertet als Spekulationen die Psyche betreffend.
Aus Erfahrung weiß sie, dass an Einschlafen nicht mehr zu denken sein wird, sie steht auf, schlüpft in ihren Morgenmantel und geht zur Toilette.
Obwohl sie gestern nach dem Theaterbesuch am Broadway sehr spät zu Bett gegangen ist und die Uhr erst halb vier zeigt, fühlt sie sich ausgeschlafen. Sie braucht wenig Schlaf und ist der Natur dankbar für dieses Geschenk. Es gibt ihr die Möglichkeit auch dann zu arbeiten, wenn andere Leute in ihren Betten liegen.
Sie setzt sich an den Schreibtisch, will aber zu dieser frühen Morgenstunde die Schreibmaschine nicht benutzen. Das Geklapper ihrer Underwood würde die Zimmernachbarn aufwecken, das will sie vermeiden. Sie beginnt, sich Notizen zur gestrigen Theatervorstellung zu machen, das wird die Arbeit in der Redaktion erheblich abkürzen.
Es ist kurz vor sieben, als sie aus der Lifttüre in die Lobby und mit wenigen Schritten lächelnd zur Rezeption tritt. Um diese Zeit ist noch Jim, der Nachtportier an der Theke. Sie wechselt gerne ein paar Worte mit dem jungen Mann. Jedes Mal bevor sie das Haus verlässt, spielt sich zwischen ihnen das gleiche Ritual ab. Seit mehr als fünf Jahren, seit sie hier im Hotel Victoria, in der 27. Strasse wohnt:
„Einen schönen Tag, Miss Quimby“ und ihre Antwort:
„Guten Morgen Jim, einen Gruß an ihre Frau, und schlafen sie gut.“
Der zweite Teil des Rituals besteht darin, dass sie sich beim Umdrehen zur Eingangstüre, in ihrer ganzen Größe im Spiegel betrachten kann. Vermutlich ist der Spiegel an diesem Ort angebracht, damit der diensthabende Portier ein- und austretende Gäste betrachten kann, ohne sich ihnen direkt zuwenden zu müssen. Für Harriet ist es der Kontrollblick auf ihr Aussehen vor jedem Verlassen des Hotels.
Sie kann mit ihrer Erscheinung durchaus zufrieden sein. Sie entspricht den Modevorstellungen ihrer Zeit in idealer Weise, und sie ist sich dessen bewusst. Ihre Taille ist eng geschnürt, der lange Rock lässt nur die Spitzen ihrer Stiefel sehen, die Bluse ist an diesem kühlen Herbstmorgen unter einem kurzen Mantel versteckt, so dass nur der hohe Kragen zu sehen ist, der ihren Hals umschließt. Der Hut ist nicht besonders ausladend, schließlich ist sie ja auf dem Weg zu ihrer Arbeit.
Sie verlässt das Hotel in Richtung Broadway, schwenkt dann aber gleich in die 26. Strasse ein, um in die Fifth Avenue zu gelangen. Sie hat nur wenige Minuten zu gehen bis zu ihrem Arbeitsplatz in der Redaktion der Leslie’s Weekly. Es ist noch früh, sie mag diese ruhigen Morgenstunden in der die Riesenstadt kurz ihren Atem anzuhalten scheint, um dann tief Luft zu holen für einen neuen hektischen Tag, eine neue turbulente Nacht, diese Stadt in ihrer Rastlosigkeit, immer bemüht, der Zeit eine Nasenlänge voraus zu sein.
Sie weiß, dass Henry Beecher ebenfalls ein Frühaufsteher ist und somit zu dieser Zeit mit ziemlicher Sicherheit in seinem Büro anzutreffen sein wird.
Eigentlich ist Mr. Cahan, der stellvertretende Chefredaktor, ihr direkter Vorgesetzter. Aber sie hat bis jetzt gute Erfahrungen damit gemacht, sich mit ihren Anliegen gleich an die oberste Instanz zu wenden. Mr. Beecher ist es gewesen, der sie vor sieben Jahren angestellt hat, gleich in der ersten Woche, nachdem sie von San Francisco nach New York gekommen war. Er hat ihr, der wenig erfahrenen Journalistin, eine Chance gegeben.
Er brüstet sich gerne damit, dass er gleich erkannt hätte, dass diese junge Miss Quimby eine gute Nase für alles Neue habe, es aufspüre, bevor andere überhaupt bemerken, dass da etwas Neues im Entstehen war.
In der Zwischenzeit ist sie zu seiner besten Theaterkritikerin aufgestiegen, hat die Verantwortung für die Frauenseite und hat in den letzten Jahren für das Blatt unzählige Reisereportagen geschrieben.
Das Anliegen, das sie heute vorbringen will, betrifft allerdings ein anderes Gebiet und sie weiß, dass sie einige Überzeugungsarbeit vor sich hat, um ihr Ziel zu erreichen.
Sie geht in ihr Büro um Mantel und Hut abzulegen. Dann wagt sie sich in die Höhle des Löwen, noch bevor sie der Mut dazu verlassen kann. Sie klopft an die Türe mit der Aufschrift Chefredaktor, wartet das etwas unwirsche „herein“ ab, tritt mit einem Lächeln ein.
Mr. Beecher ist ein untersetzter Mann von etwas mehr als fünfzig Jahren, die Vorliebe für gutes Essen zeigt sich deutlich in seiner Körperfülle. Es ist in der Redaktion ein offenes Geheimnis, dass er auch Frauen gegenüber nicht abgeneigt ist. Besonders wenn sie, wie Harriet, jung und gut aussehend sind.
So entspannt sich seine ärgerliche Miene sofort, als er sie erblickt. Er unterhält sich gerne mit ihr, es gibt wenige Frauen, die so spontan und geistreich ein Gespräch zu führen wissen wie diese Miss Quimby.
„Ich nehme an, dass Sie etwas von mir wollen, Miss Quimby, wenn sie mich so früh in meinem Büro besuchen.“ Er ist sich gewohnt, ohne langes Geplänkel auf den Punkt zu kommen und er kann es auf den Tod nicht leiden, wenn es ihm seine Gesprächspartner nicht gleich tun.
“Ja Mr. Beecher, ich habe den Vorschlag für eine Reportage. Ich würde sie gerne machen, obwohl sie nicht genau in meinen Aufgabenbereich gehört. Es handelt sich um das Flugmeeting im Belmont Park. Wir dürfen es auf keinen Fall versäumen, über diese Flugschau, die sozusagen vor unserer Haustüre in New York stattfinden wird, zu berichten...“
Unwillig unterbricht Mr. Beecher seine junge Mitarbeiterin:
„Sie wissen genau, dass ich von dieser neuen Sportart nichts halte und ich werde es nicht dulden, dass darüber in meiner Zeitschrift geschrieben wird. Junge amerikanische Männer sollten nicht in unverantwortbarer Weise mit ihrem Leben spielen, indem sie sich mit Maschinen in die Lüfte erheben. Sie sollen Polo spielen, oder wenn es unbedingt sein muss, sich bei Pferderennen ihr Genick brechen. Nein, Miss Quimby, da stoßen Sie bei mir auf Granit.“
Harriet hat die Reaktion ihres Chefs nicht anders erwartet. So schnell lässt sie sich aber nicht von ihren Vorstellungen abbringen. Eine abschlägige Antwort ist der Auftakt zu einem erfolgreichen Gespräch, hat sie irgendwo gelesen:
„Sie haben bestimmt recht“, antwortet sie, „diese neue Betätigung ist offensichtlich nicht ganz ungefährlich und scheint eine ganze Menge an Mut zu erfordern. Wahrscheinlich ist es genau dies, was die Leute anzieht. Auf dem Dominguez-Feld in Los Angeles hat eine erste solche Veranstaltung mehr als 254‘000 Schaulustige begeistert.“
Obwohl sie ihrer Stimme so viel Überzeugungskraft als möglich zu geben versucht, wird sie wieder unterbrochen:
„Meine Meinung in dieser Sache ist gemacht, Sie versäumen sowohl meine als auch ihre Zeit.“
Sie holt neu aus:
„Es ist vermutlich das eindruckvollste Zeichen unserer neuen Zeit, dass sie es geschafft hat, den jahrtausende alten Menschheitstraum vom Fliegen zu verwirklichen. Dass es der Technik unserer Tage gelungen ist, die Schwerkraft zu überwinden. Wir sollten uns nicht gegen den Fortschritt stemmen.“
Der letzte Satz tut ihr schon leid, noch bevor sie ihn ganz ausgesprochen hat. Es ist ungeschickt von ihr, Mr. Beecher auch nur im Entferntesten zu unterstellen, dass er sich mit seinem Entscheid gegen den Fortschritt stellt. Er ist ein patriotischer Amerikaner und damit geradezu versessen auf Fortschritt. Der Satz kommt einem Angriff auf seine Ehre gleich.
„Ich war niemals gegen den Fortschritt, das wissen Sie genau“, sagt er, und seine Gesichtsfarbe rötet sich dabei, „aber es ist völlig unnatürlich und dem Menschen nicht angemessen, es den Vögeln gleich tun zu wollen und sich in die Lüfte zu erheben.“
Sie hat sich wieder gefasst und versucht es mit ruhiger Stimme aufs Neue:
„So viel ich weiß, hat man bei den Eisenbahnen auch einmal von Unnatürlichkeit gesprochen und dabei die Geschwindigkeit angeprangert, die dem menschlichen Maß nicht angemessen sei. Wenn Sie mich fragen, dann haben diese Flugzeuge vielleicht eine ebenso große Zukunft vor sich, wie es die Eisenbahn einst hatte.“
„Miss Quimby, Sie vergleichen hier Kraut mit Rüben. Bei der Eisenbahn handelt es sich um ein Transportmittel, das unserem Land unendliche wirtschaftliche Möglichkeiten erschlossen hat. Bei diesen Flugapparaten dagegen um hoch gefährliche Sportgeräte, die den Zirkus in unsere Lüfte zaubern wollen, um die Sensationslust der Leute zu befriedigen.“
Sie hat noch einen Trumpf, den spielt sie jetzt aus:
„Niemand weiß besser als Sie, wie gut die Beiträge über das Automobil bei unseren Leserinnen ankommen.“
Sie spielt damit auf ein Ereignis an, das sich im Herbst vor vier Jahren abgespielt hat, und dem eine ähnliche Diskussion wie die heutige voran gegangen war. Sie hatte es erreicht, im Vorfeld des Rennens um den Vanderbilt Cup, in einem der Rennwagen mitzufahren. Sie ist damit wohl eine der ersten Frauen gewesen, welche die Geschwindigkeit eines solchen Fahrzeugs erfahren konnte, und sie hat ihre Erlebnisse in einer viel beachteten Reportage veröffentlicht. Der Artikel war so erfolgreich, dass danach die Frauenseite regelmäßig über den Umgang mit den neuen Fahrzeugen berichten musste. Frau und Auto war zu einem Thema geworden.
„Es ist bis vor kurzem das Automobil gewesen, das an der Spitze des technischen Fortschritts gestanden hat, eines Fortschritts, der die Leute zu faszinieren vermag und der wohl auch nicht zu bremsen ist, jetzt ist es das Flugzeug.“
„Liebe Miss Quimby, wie würden Sie sich denn so einen Artikel vorstellen? Ich denke, er müsste in den Aufgabenbereich von Georg Cahan fallen, der die Reportagen über die Pferderennen im Belmont Park macht“, er sagt es nun ebenfalls mit ruhiger Stimme und stellt damit die Diskussion auf eine weniger emotionsgeladene Ebene.
Harriet weiß, dass mit diesem „liebe Miss Quimby,“ nach dem kämpferischen, nun der kreative Teil des Gesprächs kommen wird. Sie ist noch lange nicht dort angelangt, wo sie hin steuert, denn es geht ihr keineswegs darum, dass ihr Kollege Cahan über die Flugschau berichten wird. Sie selber will es tun, und zwar auf ihre Art.
„Ich bin befreundet mit Matilde Moisant, der Schwester von John Moisant, einem der amerikanischen Flieger, die sich am Meeting mit ihren europäischen Konkurrenten messen werden. Es wird für mich ein Leichtes sein, unsere Leser und Leserinnen mit Informationen aus erster Quelle zu versorgen. Denn glauben Sie mir, das Potential dieser neuesten technischen Entwicklung ist riesig und das Interesse daran bei unserer Leserschaft groß.“
„Ich will Ihnen nicht zu nahe treten“, sein Tonfall hat sich nun eindeutig verändert, „meines Erachtens haben Männer die besseren Fähigkeiten, technische Dinge an das Publikum heran zu tragen, und um genau dies scheint es sich hier in erster Linie zu handeln.“
„Vielleicht, wenn Sie an die Männer bei unseren Lesern denken. Aber die Mehrzahl unserer Leserschaft sind Frauen und glauben Sie mir, die interessieren sich nicht in erster Linie um technische Fragen. Die möchten erfahren, wie es ist, der Schwerkraft entflohen zu sein, wie es sich anfühlt, sich frei wie ein Vogel bewegen zu können, wie die Welt aus einer anderen Perspektive aussieht.“ Sie kommt nun richtig in Fahrt, lässt ihrer Begeisterung freien Lauf:
„Ich stelle es mir für unsere Leserinnen als sehr aufregend vor, sich am Teetisch, oder wo auch immer sie Leslie’s Weekly lesen, von einem dieser attraktiven jungen Flieger erzählen zu lassen, was sie in den Lüften mit ihren Maschinen so Ungewöhnliches erleben.“
Mr. Beecher ist ein durchaus verantwortungsvoller Chefredakteur, der für seine Zeitschrift einzustehen weiß. Für Argumente, welche die Verkaufszahlen betreffen, ist er immer offen – und die Schilderungen seiner Redaktorin gehen genau in diese Richtung.
„Also gut, von mir aus haben Sie grünes Licht für diese Sache. Ich verlange natürlich, dass Sie Cahan darüber informieren und sich mit ihm absprechen.“
Damit wendet er sich wieder den Papieren zu, die vor ihm liegen, für Harriet das Zeichen, sich zu verabschieden.
Zurück in ihrem Büro setzt sie sich an ihren Schreibtisch, schiebt die herumliegenden Papiere auf die Seite, stützt den Kopf in beide Hände und blickt auf die Tasten ihrer Schreibmaschine. Das gab ihr schon immer die Sicherheit, sich an eine neue Arbeit heran zu wagen.
Sie kann mit dem Gespräch zufrieden sein. Es ist nun an ihr, etwas daraus zu machen, und sie will ihren ganzen Ehrgeiz darein setzen, diesem fulminanten Anlass ein ebenso fulminantes journalistisches Zeichen zu setzen.
Das Dumme ist nur, dass sie kaum Kenntnisse über die Fliegerei hat, um ehrlich zu sein, nicht die geringsten.
Sie ist an der Party ihrer Freundin Matilde auf das Thema gestoßen. Diese hat vor einer Woche ihren zweiunddreißigsten Geburtstag gefeiert und dazu einige Gäste eingeladen.
Matilde Moisants Brüder sind vor kurzem in das Geschäft mit der Fliegerei eingestiegen und haben Großes damit vor. Zwar ist John, der jüngere der beiden, nicht da gewesen, aber der ältere, Alfred, hat voller Enthusiasmus von seinen Plänen gesprochen. Sie ärgert sich nun, dass sie offenbar zu wenig aufmerksam zugehört hat. Wirklich geblieben ist ihr nur die Erwartung dieser Flugschau. Alfred hat sie in den buntesten Farben angekündigt, mit der Vorhersage, dass die Teilnahme seines Bruders John den Namen Moisant in der ganzen Branche bekannt machen werde, was für das neue Geschäft nur von Vorteil sein könne.
Wenn sie darüber eine Geschichte schreiben will – und diese Gelegenheit lässt sie sich nicht entgehen, das hatte sie sofort gewusst – dann braucht sie jede Menge Informationen, so viele wie nur irgend möglich. Nicht um sie an ihre Leser weiter zu geben, viel mehr um zu begreifen, was an einer Flugschau so faszinierend und neu sein soll. Wenn es ihr gelingt, sich von der Begeisterung für eine Sache anstecken zu lassen, kann sie auch ihre Leser begeistern. Das ist eines ihrer Erfolgsrezepte. Obwohl ihr Schreibstil ein leichtfüßiger ist, ein im Plauderton humorvoll dahinplätscherndes Erzählen, ist sie eine sehr genaue Recherchiererin. Sie allein weiß, wie viel Arbeit hinter ein paar Zeilen stecken, die so leicht daher kommen.
Sie muss also ihre Freundin dazu bringen, sie mit ihrem Bruder John bekannt zu machen, so bald als möglich.
Zuerst will sie aber, wie versprochen, ihren Vorgesetzten informieren. Sie erledigt anstehende Sachen gerne sofort. Georg Cahan wird nicht vor elf Uhr in der Redaktion erscheinen, bis dahin bleibt ihr genügend Zeit für den Text über die Vorstellung des gestrigen Abends.
Sie zieht die handschriftlichen Notizen vom Morgen aus der Tasche. Es ist eindeutig eine jener Veranstaltungen, die sich in die Rubrik „Stücke, in die Sie mit Gattin und Töchtern gehen können“ einordnen lässt.
Die Theatersaison hat jetzt, in der ersten Septemberhälfte erst zögerlich begonnen, in den nächsten Monaten wird eine beinahe unüberschaubare Menge an Produktionen zu besprechen sein, sie wird kaum einen freien Abend haben.
Sie mag diese Arbeit, sie liebt und kennt das Show-Business aus ihrer Jugend in San Francisco, wo sie sich selber als Schauspielerin versucht hatte. Es sind ihr Freunde aus dieser Zeit geblieben, die nun ihr Glück, gleich ihr, in New York suchen. Harriet ist von geselliger Natur, darum enden viele ihrer Theaterbesuche erst spät nach Mitternacht, in einem der vielen einschlägigen Lokale. Ein Glück also, dass sie mit so wenig Schlaf auskommt.
Ihr Text ist beinahe fertig, als sie Cahans Schritte im Flur hört. Sie läuft ihm wie zufällig über den Weg und fragt, ob er einen Moment Zeit für sie habe.
„Für dich immer“, antwortet er, öffnet seine Bürotüre und lässt sie eintreten.
Sie teilt ihm mit kurzen Worten mit, dass sie von Beecher soeben den Auftrag für einen Bericht über die Air-Show im Belmont Park erhalten habe. Sie sieht ihm an, dass er keine Ahnung hat, wovon sie spricht. Cahan ist ein umgänglicher Kollege, der es in all den Jahren zum stellvertretenden Chefredaktor geschafft hat. Voraussicht ist aber nicht seine Stärke. Er kümmert sich erst um die Dinge, wenn sie nicht mehr zu übersehen sind. Das weiß Harriet auszunutzen und es hat ihr den Ruf eingetragen, dass sie eine ganz besondere Nase für Neuigkeiten habe. Ihrer Ansicht nach hat sie einfach ihre Augen und Ohren offen und dazu eine gehörige Portion Neugierde.
„Ja, dann mach das mal“, sagt er, und sie sieht vor ihrem inneren Auge bereits den Moment Mitte Oktober, wo er ihr mitteilen wird, dass er es sich anders überlegt habe, und die Geschichte selber aufziehen wolle. Dann wird es allerdings zu spät sein, sie lässt sich diese Sache nicht mehr aus der Hand nehmen.
Sie verabschiedet sich mit einem zufriedenen Lächeln und der Mitteilung, dass sie den Nachmittag ausser Haus verbringen werde.
Es ist halb drei, als sie aus dem Haus tritt und in den gleich anschließenden Madison Square Park einbiegt. Ihre Mutter wird bei dem milden Herbstwetter vermutlich irgendwo hier in der Sonne sitzen, so wie sie es an jedem freundlichen Nachmittag auf ihren regelmäßigen, kurzen Spaziergängen den Broadway hinunter tut. Im Sommer sitzt sie auf einer der Bänke im Baumschatten, im Frühling und im Herbst sucht sie die Sonne, schaut den spielenden Kindern oder den Vögeln zu.
Harriet hat ihre Mutter vor vier Jahren zu sich nach New York kommen lassen, als sie von der 68. Strasse in der Upper East Side ins Hotel Victoria umgezogen ist. Die beiden Frauen bewohnen zwei Zimmer gleich neben einander. Harriet freut sich, ihrer Mutter so nahe zu sein.
Mrs. Ursula Quimby ist eine Frau Anfang siebzig, deren schwarzes Haar unter dem einfachen Hut nur wenig mit Grau durchzogen ist. Sie ist mit dem Alter etwas mollig geworden, aber ihre feinen Gesichtszüge lassen noch immer erkennen, dass sie einmal eine schöne Frau gewesen ist. Die Falten in der von der Sonne gegerbten Haut und die schmalen Lippen lassen auf ein anstrengendes, arbeitsreiches Leben schließen.
Sie ist mit hohen Erwartungen in ihr Leben gestartet und sie hat sich über die ganze lange Zeit ihres Lebens Vorstellungen und Träume darüber bewahrt, wie das Leben einer Frau aussehen müsste. Dabei spielt Selbstbestimmung und Erfolg eine wichtige Rolle, ein Erbe, das viele Amerikaner aus der Pionierzeit in ihren Genen haben. Ihre Eltern waren aus Irland mit der Vorstellung nach Amerika gekommen, erfolgreiche Farmer zu werden. Auch Ursula lebte diesen Traum und brachte dafür mit ihrer arbeitsamen, naturverbundenen Art alle Voraussetzungen mit, außer, dass sie sich den falschen Mann zu ihrem Vorhaben ausgewählt hatte.
Sie arbeitete auf dem kleinen Anwesen nahe dem Lake Mitchigan den lieben langen Tag ohne Unterbruch, sorgte sich um Land, Haus und Familie. Doch ihr Mann war nicht zum Bauern geboren, verdarb mehr als er aufbaute. Er mag ein leidlicher Soldat gewesen sein, auch als Handwerker nicht ganz ungeschickt, aber unter seinen Händen vermochte nichts zu wachsen.
Harriets Vater, ein hellhäutiger Ire mit wildem rotem Haar, ist mehr als ein Kopf größer als seine Frau. Er muss dem jungen Mädchen, das ihre Mutter einst gewesen ist, so sehr gefallen haben, dass ihr ein kühler Kopf für weitergehende Überlegungen dabei abhanden gekommen ist.
Der Vater verschwand in Harriets Kindheit immer wieder für kürzere oder längere Zeit, überließ die kleine Familie ihrem Schicksal. Nachdem es mit der Farmerei endgültig aus war, zog Ursula mit ihren beiden Töchtern nach San Francisco. Sie versuchte sich mit dem Handel von Tee- und Heilpflanzen über Wasser zu halten. Trotz der bescheidenen finanziellen Mittel, ließ sie ihren beiden Töchtern die bestmögliche Schulbildung zukommen. Sie war schon immer eine sehr modern denkende Frau, die sich ihren Möglichkeiten entsprechend für gesellschaftliche Veränderungen einzusetzen versuchte, auch wenn diese nur im Umfeld der eigenen Familie möglich waren. Wenn sie den Erfolg nicht selber geschafft hatte, so schafften ihn vielleicht ihre Töchter.
Kitty, die ältere, war für die Träume der Mutter wenig empfänglich gewesen. Sie heiratete früh, und die Mutter befürchtete die Wiederholung des eigenen Schicksals.
Harriet aber, ließ sich von den Ideen der Mutter in hohem Maß prägen. Es bestand zwischen den beiden Frauen eine sehr enge Verbindung, die sich auch nicht abschwächte, als Harriet auszog, um ihre eigenen Wege zu gehen. Diese entsprachen durchaus den Vorstellungen der Mutter und sie tat alles, um den beruflichen Aufstieg ihrer Tochter zu unterstützen.
Sie hat ihr das Bestreben nach Autonomie mitgegeben, das Frauenbild einer selbstbewußten, selbständigen jungen Frau, die aus eigener Kraft ihr Leben erfolgreich gestalten kann. Dass sie nun im Alter an diesem Erfolg teilhaben darf, ist wohl der Lohn ihrer Bestrebungen.
Harriet erblickt die alte Frau, die auf der sonnenbeschienenen Bank eingeschlafen ist. Sie setzt sich neben sie, berührt sie sanft an den Schultern und lacht dann über den verwirrten Blick aus den verschlafenen Augen.
„Habe ich dich erschreckt?“
Portrait-Fotografie in schwarz weiß,
Brustbild, Querformat, etwas größer als eine Postkarte.
Der Hintergrund
ist schräg in eine dunklere obere Hälfte,
eine hellere untere Hälfte geteilt.
Davor ein Mann in schwarzem Anzug,
weißem Stehkragenhemd, schwarzer Krawatte,
schwarzem Borsalino.
Auf seiner Schulter ein kleines Kätzchen
mit getigertem Fell.
Der Mann wendet sein Gesicht dem Kätzchen zu,
das Halbprofil eine Mischung aus
männlicher Festigkeit und femininer Zartheit.
Die Katze weicht seinem Blick aus.
Auf Matilde Moisant ist Verlass. Sie werden sich zu dritt im Delmonico’s treffen, gleich nach dem ihr Bruder John aus Europa zurück sein wird.
Harriet hat Matilde erst kürzlich kennen gelernt, die beiden Frauen haben sich auf Anhieb verstanden. Es mag damit zusammen hängen, dass beide ihre Kindheit in der freien Natur auf einem Bauernhof verbracht haben, mit ihrer Liebe zu Pferden, oder vielleicht ganz einfach mit der Tatsache, dass sie beide mit über dreißig noch unverheiratet sind. Das ist selbst in den Künstlerkreisen in denen sich Harriet bewegt, eher die Ausnahme. Eine Frau nach dreißig hat verheiratet zu sein.
Matilde ist fast einen Kopf kleiner als Harriet und etwas mollig, was sie allerdings nicht daran hindert, dauernd in Bewegung zu sein. In ihrer Familie hat ihr dies seit ihrer Kindheit den Beinamen „Wirbelwind“ eingetragen. Sie ist kurzsichtig, trägt daher meist eine Brille und sie hat ein Lächeln, bei dem sich Grübchen in den Wangen bilden. Matilde lacht gerne und viel.
Vielleicht ist es diese Leichtigkeit, diese fröhliche Art das Leben anzupacken, das die beiden Frauen verbindet und so schnell zu Freundinnen werden ließ.
Harriet, deren Familie aus einem oft abwesenden Vater, der Mutter und der älteren Schwester Kitty bestanden hatte und die in der Zwischenzeit auf den abwesenden Vater und ihre Mutter geschrumpft ist, bewundert die Familie der Moisants, die wie Pech und Schwefel zusammen hält.
Matilde lebt mit ihren Brüdern John und Alfred, und ihrer Schwester Louise zusammen. Der Vater ist schon früh, ihre Mutter vor neun Jahren gestorben. Louise war damals erst neunzehn Jahre alt und Matilde hat so etwas wie Mutterstelle bei ihr eingenommen, was die beiden Schwestern bis heute stark verbindet.
Harriet kennt Alfred, er ist ein ernster Mann, der auf die fünfzig zugeht.
John, den Lieblingsbruder ihrer Freundin, hat sie noch nicht kennen gelernt. Er verbrachte das letzte Jahr in Frankreich, wo er sich mit der Fliegerei beschäftigte. Als Höhepunkt seiner neu erworbenen Fähigkeiten überquerte er zusammen mit einem Passagier im Flugzeug den Ärmelkanal. Das hat ihr Matilde voller Stolz und Bewunderung erzählt.
Harriet ist gespannt auf das Zusammentreffen mit ihm und freut sich auf den Abend.
Das Delmonico’s an der Fifth Avenue und 26. Strasse, ist nicht weit von Harriets Hotel entfernt. Matilde winkt ihr zu, als sie den eleganten Raum mit seiner vornehmen Ausstattung in dunklem Holz und warmem Rot betritt. Sie lacht Harriet entgegen, die mit ihrer Erscheinung die Blicke der anwesenden Gäste auf sich zieht und sich ihrer Wirkung durchaus bewusst ist.
John erhebt sich, kommt ihr galant entgegen, wie dies in Frankreich zum guten Benehmen gehört, in ihrem Land aber eher eine Ausnahme ist.
Es ist nicht die Tatsache, dass er es tut, sondern die Art und Weise wie er es tut, die ihr einen Augenblick ihre Sicherheit raubt. Vor ihr steht ein mittelgroßer, sehr gut aussehender Mann um die Vierzig, der sich seiner Wirkung auf Frauen durchaus bewusst ist.
Sie hat sich wieder gefasst, noch bevor er ihr den Stuhl zurecht schiebt.
Matilde ist nicht nur ein Wirbelwind was ihre Bewegungen anbelangt, sie liebt es auch, schnell und viel zu sprechen. Auf ihre unkomplizierte Art hilft sie beim Überbrücken von Anfangsschwierigkeiten, so dass beim ersten Drink zu den Vornamen gewechselt wird, und noch bevor die berühmten Delmonico Steaks serviert werden, ein sehr angeregtes Gespräch in Gange ist.
Es ist vor allem John der erzählt, genau das, was Harriet sich gewünscht hat. Und Matilde könnte ihrem geliebten Bruder nach der langen Abwesenheit sowieso stundenlang zuhören.
