Seewölfe - Piraten der Weltmeere 42 - Roy Palmer - E-Book

Seewölfe - Piraten der Weltmeere 42 E-Book

Roy Palmer

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Beschreibung

Die Männer hören es, bevor sie etwas sehen: Kanonendonner nordöstlich von ihrem Kurs. Hasard gibt den Befehl, darauf zuzulaufen. Doch als die Hasard-Männer wissen, was sich da abspielt, ist es schon zu spät. Am Ende dieses Kampfes kann der Kutscher nur noch feststellen, daß er gegen die Kopfverletzung, wie der Seewolf sie davongetragen hat, machtlos ist. Jetzt können die Männer von der "Isabella" nur noch auf ein Wunder hoffen. Was sie aber nicht verwinden können, ist die Tatsache, daß für dieses Unglück die Killigrew-Sippe verantwortlich ist. Denen wollen sie es heimzahlen...

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Impressum© 1976/2014 Pabel-Moewig Verlag GmbH,Pabel ebook, Rastatt.ISBN: 978-3-95439-299-5Internet: www.vpm.de und E-Mail: [email protected]

Inhalt

Kapitel 1.

Kapitel 2.

Kapitel 3.

Kapitel 4.

Kapitel 5.

Kapitel 6.

Kapitel 7.

Kapitel 8.

1.

Trotzig stemmte sich die „Isabella V.“ gegen die See. Sie überquerte Wogenkämme, stieß durch Wellentäler, pflügte die Fluten des Atlantiks vor der Küste von Portugal. Es lag etwas Majestätisches in dem Gesamtbild ihrer Erscheinung, nichts konnte ihrem mächtigen, vorwärtsdrängenden Rumpf Einhalt gebieten. Philip Hasard Killigrew, der Seewolf, hatte ja immer gewußt, was für ein zuverlässiges Schiff sie war und welche Qualitäten in ihr steckten. Nicht umsonst hatte er alles darangesetzt, sie dem fetten Generalkapitän Don Francisco Rodriguez unter den O-Beinen wegzuziehen.

Gischt sprühte vom Bug hoch, prallte gegen Galion und Bugspriet, stieg darüber hinaus und trieb über das Vorkastelle und den vorderen Bereich der Kuhl. Gischt schäumte auch von der Backbordseite über das Schanzkleid, wenn der Westwind seine Brecher gegen den Rumpf drückte. Wo keine Gischt war, da durchnäßten Regenböen die Kleidung der Männer auf Deck. Die Sicht war miserabel. Die Kälte ließ die Crew die Zähne zusammenbeißen. Milchiggrün und häßlich tanzten die Fluten, und es war, als wollte die See sagen: Haut ab, verschwindet, ich will euch nicht!

Man schrieb den 26. Januar 1580. Die „Isabella V.“ stand an diesem Vormittag einige Meilen querab von Cap da Rocca. Der Wind blies beständig aus westlicher Richtung, und die Galeone segelte mit Kurs Nordnordost über Steuerbordbug. Der Seewolf hatte die Segel so dicht wie möglich holen lassen. Aber dennoch mußte er regelrecht jonglieren. Seine „Isabella“ war eine behäbige Galeone, als Rahsegler mehr für raume Winde gebaut, also kein so guter Am-Wind-Segler wie beispielsweise die Zweimast-Karavelle, die sie seinerzeit als „Isabella IV.“ durch die Karibik gesteuert und dann in der Mona-Passage beim Kampf gegen Caligu in Brand geschossen hatten.

Das bedeutete also: Mal mußte Rudergänger Pete Ballie abfallen, um den Wind mehr ausnutzen zu können und fast mit ihm mitzulaufen, mal wurde wieder angeluvt, weil der auflandige Wind sie zu sehr nach Legerwall zu drücken drohte.

Ed Carberrys Stimme dröhnte über Deck. Doch weder seine barschen Befehle, die die Männer immer wieder an Brassen und Schoten purrten, noch das scheußliche Wetter konnten die allgemeine Stimmung an Bord dämpfen. Alle außer dem Friedensrichter Baldwin Keymis waren vergnügt. Die gute Laune grenzte schon fast an Euphorie.

Gewiß, die Karibik mit ihrem tropisch warmen, einladenden Klima lag weit im Westen und damit in unerreichbare Ferne gerückt. Mancher Mann aus der Crew sehnte sich nach dorthin zurück und träumte von den Abenteuern, der Schönheit der Inseln und dem exotischen Zauber, der sie trotz aller Strapazen und Entbehrungen gefangengenommen hatte.

Aber da war andererseits die Aussicht, nun endlich England zu erreichen! Die Engländer an Bord verspürten Heimweh. Je näher die Muttererde rückte, desto mehr wuchs auch das Verlangen, wieder den Fuß daraufzusetzen. Die anderen aus der Mannschaft, die beiden Holländer und die beiden Dänen beispielsweise, der Franzose Jean Ribault, Karl von Hutten oder Batuti, der riesige Gambia-Neger – auch ihre Empfindungen lagen gewissermaßen auf der gleichen Linie. Erstens waren sie Weltenbürger geworden, ihre Herzen schlugen nicht mehr im Takt der großen Vaterlandsgefühle. Warum nicht auch endlich England, das Zuhause ihres verehrten Seewolfes, schätzen lernen? Zweitens: Sie brannten darauf, zu erleben, wie Hasard drei Viertel des immensen Schatzes aus dem Schiffsbauch der „Isabella“ an Elisabeth I. ablieferte. Die königliche Lissy würde hocherfreut sein, zumal England nicht reich war und es bitter nötig hatte. Spanien hatte ein Weltreich errichtet, Spanien triumphierte, die Bedrohung durch die eitlen, überheblichen Dons wuchs ständig!

Drei Viertel für die Lissy, so hatte Hasard es bestimmt. Und das verbleibende Viertel der großen Beute? Nun, das würde er gerecht unter seinen Männern aufteilen.

Valdez, dieser tapfere alte Haudegen, hatte bereits seinen Anteil erhalten. Hasard hatte ihn selbst an Land gerudert. Valdez, der sich für ihre Sache geschlagen hatte, war in seine spanische Heimat zurückgekehrt. Hasard hatte ihn für seine Taten mit einem großen Lederbeutel voll Perlen belohnt. Und dann, beim Abschied, waren dem alten Kämpfer tatsächlich die Tränen gekommen.

Während der Atlantiküberquerung hatte Hasard seine Liebe zu Gwendolyn Bernice O’Flynn durch eine zünftige Trauung besiegelt. Robert Rowe, der Stadtschreiber von Falmouth, hatte das Zeremoniell vollzogen. Und jetzt, nach Cadiz und dem Abschied von Valdez, hatte Gwen ihrem Seewolf etwas offenbart.

Ein Kind war unterwegs. Es würde im September 1580 geboren werden. Ein kleiner Seewolf! Wenn das kein Grund zur Freude war! Es hatte auf Hasards Anordnung hin ein feierliches Besäufnis gegeben. Der Jubel der Männer hatte die ehrwürdige „Isabella V.“ bis in die Spanten erbeben lassen.

„He“, sagte Matt Davies, als er gemeinsam mit Karl von Hutten ein Fall klarierte. „Was ist nun, wenn’s kein kleiner Seewolf, sondern eine Wölfin wird?“

„Gar nichts. Sag bloß, du denkst, Hasard würde sich über ein Mädchen nicht genauso freuen.“

„Ich denke nichts, ich meine nur ...“

„Er denkt nie“, sagte der pfiffige Sam Roskill. Er hatte zufällig mitgehört, was die beiden sprachen. „Das überläßt er Maultieren, wie wir sie bei unserem Landgang in Südamerika benutzt haben. Die haben nämlich die größere Rübe.“

Karl lachte, Matt fuchtelte mit seiner Eisenhakenprothese und rief: „Komm mir bloß nicht zu nahe, du Himmelhund. Du willst wohl, daß ich dir dein Spundloch verdüble, was? Sticht dich der Hafer?“

Carberry blieb neben Karl von Hutten stehen und kratzte sich verwundert am Kinn. Ein Brecher schlug gegen die Bordwand. Carberry hielt sich mit einer Hand an der Nagelbank fest. „Hölle und Teufel, was ist bloß in Matt gefahren, daß er sich plötzlich so geziert ausdrückt? Spundloch, Hafer – ist ihm nicht gut?“

Karl wies nach achtern. Gwendolyn Bernice O’Flynn war auf dem Quarterdeck erschienen. Trotz einer Warnung Ferris Tuckers stieg sie den Niedergang zum Achterdeck hoch. Hasard, der bisher an der Schmuckbalustrade gestanden hatte, erblickte sie, eilte auf sie zu – und verhinderte im letzten Augenblick, daß sie aus der Balance geriet und hinschlug.

Karl sagte: „Matt hat Angst, daß Gwen ihn fluchen hört. Er würde sich schämen, wenn sie ’rauskriegt, was für eine schlechte Kinderstube er hat.“

„Fängst du auch noch an zu stänkern?“ Matt wandte sich um und blickte ihn drohend an. Eine Regenbö fegte über die Kuhl. Sie duckten sich und prusteten, dann rief Matt Davies: „Legt euch bloß nicht mit mir an! Und was Hasards und Gwens Kind betrifft, habe ich die Lösung gefunden. Wenn es eine Seewölfin wird, machen sie eben noch eins und noch eins und noch eins – bis auch ein Junge dabei ’rausspringt.“

„Recht hat er“, erwiderte Carberry zu Karl von Hutten. „Die Sippe muß unbedingt einen Stammhalter finden.“

„Ihr beiden braucht jetzt nur noch Hasard und Gwen zu fragen, ob sie mit eurer Planung einverstanden sind“, sagte Karl grinsend.

Unterdessen hatte der Seewolf seine Frau besorgt auf das Quarterdeck zurückgebracht. Schützend legte er ihr den Arm um die Schultern. „Du darfst dich nicht überanstrengen oder aufregen, Gwen. Denk daran, daß du jetzt nicht mehr allein bist.“

„Aber natürlich. Ich wollte nur an deiner Seite sein, weil ich es unter Deck einfach nicht mehr ausgehalten habe.“ Ihre grünen Augen richteten sich auf sein Gesicht. „Kannst du das nicht verstehen? Außerdem, ich bin doch nicht aus Zucker.“

Hasard lächelte. „Der Kutscher sagt, schwangere Frauen werden leicht eigensinnig und wunderlich, und er muß es ja wissen. Geh bitte wieder in deine Kammer, bevor dich eine Bö oder ein Brecher von Deck fegt. Lieber zanke ich mich mit dir, als daß ich riskiere, dich aus der See fischen zu müssen.“

Gwen schmollte ein bißchen. Aber den ersten Ehekrach wollte sie auch nicht vom Zaun brechen. Sie zog sich zum Steuerbordschott des Achterkastells zurück. Sie hatte den Niedergang erreicht, als ein grollender Laut auf die „Isabella V.“ zuwehte. Gleich darauf erfolgte ein zweites, ähnliches Geräusch, unterschwellig, drohend, unheimlich.

Gwen verharrte und drehte sich um. Sie sah Hasard, wie er am Großmast stehenblieb und etwas zu Dan hinaufschrie. Gwens jüngerer Bruder hockte auf seinem schwankenden Posten und hielt die Augen offen, aber er konnte nur zurückrufen: „Nichts zu sehen, Sir! Zu starke Regenböen!“

„Aus welcher Richtung kommen die Geräusche?“ wollte der Seewolf wissen.

„Nordosten!“

Hasard wandte sich an Ben Brighton und Ferris Tucker. „Das ist eindeutig Kanonendonner. Da, jetzt hat es wieder gekracht! Wir haben zwei Möglichkeiten.“

„Wir können auf Westkurs gehen, gegen den Wind kreuzen und uns verholen, ohne, uns den Teufel um das Gefecht zu kümmern“, entgegnete Ferris. „Was schert uns die Sache eigentlich?“

Hasard musterte ihn, und es tanzten wieder einmal tausend Teufel in seinen eisblauen Augen. „Vielleicht mehr, als du ahnst. Die Welt ist voller Überraschungen. Wer sagt uns, daß wir nicht doch noch so ganz nebenbei bei den Spaniern abstauben können? Ben, wir nehmen Kurs nach Nordost und laufen direkt auf den Kampflärm zu.“

„Aye, aye, Sir.“

Philip Hasard Killigrew konnte nicht wissen, wie unglückselig die Folgen ausfallen würden, die sich aus diesem Befehl ergaben. Hätte er auch nur ansatzweise etwas von dem Verhängnis gewittert, hätte er sich – bei allem Draufgängertum – doch lieber heimlich und leise verzogen.

Eine halbe Stunde später war es soweit. Die „Isabella“ rauschte unter Vollzeug nach Nordosten. Hasard holte jetzt aus ihr heraus, was in ihr steckte. Dan O’Flynns adlerscharfe Augen ließen ihn auch diesmal nicht im Stich.

Bevor die Männer auf Deck durch den Sprühnebel etwas erkennen konnten, beugte sich der Junge über die Segeltuchverkleidung des Hauptmarses und rief: „Deck! Sechs Schiffe voraus! Es sind zwei Karavellen und drei Galeeren im Gefecht mit einer Galeone!“

„Profos!“ Hasards Stimme donnerte über Deck.

„Sir?“

„Schiff klar zum Gefecht!“

„Aye, aye, Sir.“ Carberry brüllte los, und die Männer zeigten, was in ihnen steckte. Der ewige Drill, die unerbittliche Disziplin und das oft geübte Rollenexerzieren trugen wieder einmal ihre Früchte. Jeder wußte auch so, was er zu tun hatte. Sogar die „Neuen“, die sie aus dem Kerker von Santo Domingo befreit hatten, hatten sich in unverzüglicher Weise in die Mannschaft integriert und leisteten ihr Teil.

Während ein Drittel der Crew weiterhin mit den Segelmanövern beschäftigt war, raste das Gros auf die Gefechtsstationen und besetzte sie. Füße trommelten ihren Rhythmus auf den Decksplanken. Jemand fluchte, jemand rutschte aus und fiel hin. Die Stückpforten wurden geöffnet. Das einsetzende Rumpeln der Kanonen, die, nachdem die Laschungen gelöst worden waren, auf ihren Hartholzrädern ausgefahren wurden, war Musik in den Ohren der Männer.

Der Kutscher hatte die Holzkohlefeuer in der Kombüse mit Wasser gelöscht. Jetzt flitzte auch er über Deck, das heißt, es war mehr ein Schlittern, denn die „Isabella“ rollte und stampfte in der aufgewühlten See. Das erschwerte sämtliche Vorbereitungen, selbst das Ausstreuen von Sand auf den Decks und das Hochholen von Seewasser in Holzkübeln. Als der Kutscher die Kübel endlich gefüllt hatte und zum Befeuchten der Wischer bereitstellte, kippten sie wieder um.

„Hol’s der Henker“, schimpfte er.

„Hört euch das an!“ rief Al Conroy. „Der Kutscher flucht.“

„Ich kann auch noch ganz anders“, sagte der Kutscher.

Al Conroy war für einen Augenblick unachtsam gewesen. Das hatte jetzt seine Folgen. Seal Kildare, einer der Männer aus Falmouth, assistierte Al an einem der 17-Pfünder der Backbordseite. Dieser Seal war Handwerker von Beruf und ganz gewiß ein zuverlässiger Mann. Er drückte sich nicht, wo es zuzupacken galt, pfiff auf die mannigfachen Gefahren, die das Leben an Bord eines Schiffes mit sich brachte, und im übrigen wuchsen ihm allmählich „Seebeine“. Aber es gehörte mehr Erfahrung dazu, einen bockigen 17-Pfünder im Zaum zu halten.

Die Zugtalje hielt die Kanone noch bis zum Ende des Ladevorganges. Aber jetzt holte die „Isabella“ nach Steuerbord über. Seal Kildare hatte die Taljen, mit denen das Geschütz in Feuerstellung gebracht wurde, noch nicht befestigt. Das Rohr zuckte aus dem Lukensüll zurück – die Kanone rollte auf Seal zu!

„Verdammt“, brüllte Gary Andrews am Nachbargeschütz.

Al Conroy fuhr herum. Und dann hatte er alle Hände voll zu tun, die Kanone zusammen mit Seal im Zaum zu halten. Sie wollte sich selbständig machen, um jeden Preis. Al und Seal stemmten sich dagegen. Sie keuchten und schwitzten, boten ihre gesamte Kraft auf und schafften es tatsächlich, das schwere Ding aufzuhalten.

Die Kanone wäre sonst wie ein Geschoß quer über die Kuhl gerast. Sie hätte zweifellos die Zugtalje aus der Halterung gefetzt, wäre dann nach Steuerbord gerumpelt und durch das Schanzkleid gebrochen. Al, Gary, der Kutscher und all die anderen, die von Anfang an mit dem Seewolf gefahren waren, hatten ähnliche Szenen schon auf anderen Schiffen beobachtet: Kanonen hatten Männer überrollt und zermalmt und heilloses Durcheinander an Deck gestiftet. Mit Kanonen war nicht zu spaßen. Man hatte auch schon erlebt, daß sie an den Schildzapfen aus ihren Lafetten brachen. Al dachte an all das, und die Angst stand plötzlich in seinem Gesicht.

Gary, der Kutscher und Buck Buchanan sprangen heran und unterstützten die beiden in Bedrängnis geratenen Männer. Noch bevor die „Isabella“ wieder zur anderen Seite krängte, schoben sie den 17-Pfünder soweit in die Luke zurück, daß die vorderen Taljen ebenfalls befestigt werden konnten.

Das Schiff holte nach Backbord über. Gemächlich rumpelte die Kanone wieder nach vorn und steckte ihr Rohr durch die Stückpforte nach draußen.

„Verfluchtes Aas“, wetterte Al Conroy. „Und das muß ausgerechnet mir passieren!“

Der Profos stand breitbeinig hinter ihm. Er gleich geschickt die schlingernden Schiffsbewegungen aus und stemmte die Fäuste in die Seiten. „Ja, dir als Waffenexperten hätte so was wirklich nicht unterlaufen dürfen. Himmel, Arsch, bist du denn von allen guten Geistern verlassen, was, wie? Du Rübenschwein, muß ich dir so kurz vor England noch die Haut vom Hintern ziehen?“

Al ließ das Donnerwetter ohne Widerworte über sich ergehen. Seal Kildare wollte einen Einwand erheben, weil er doch eigentlich die Schuld an dem Ganzen trug. Aber Al winkte ab. Er sah ja ein, daß er besser aufpassen hätte müssen. Außerdem, wer Ed Carberry kannte, der ließ ihn toben.

Vierundzwanzig Culverinen, also 17-Pfünder, hatte die „Isabella V.“ zwölf auf der Backbord-, zwölf auf der Steuerbordseite der Kuhl. Dazu kamen vier Drehbassen auf der Back und sechs, Drehbassen auf dem Achterkastell, insgesamt also vierunddreißig Stück.

Während die Ladearbeiten an allen Geschützen abgeschlossen wurden, glitt die „Isabella“ auf die sechs fremden Schiffe zu. Immer lauter drang das Dröhnen der Kanonen herüber. Bald war der Pulverrauch wahrzunehmen. Er lag über den Decks der Schiffe, dehnte sich nach allen Seiten aus und schwebte dicht über dem Wasser auf die Galeone des Seewolfes zu.

Baldwin erhielt eine Ladung davon in die Nase. Der Rauch war beißend. Er ließ seine Augen tränen und reizte seine Atemwege derart, daß er zu husten begann.

Keymis, der Friedensrichter von Falmouth, stand neben Smoky auf der Back und richtete eine der Drehbassen.

„Siehst du“, sagte Smoky ungerührt. „Jetzt hast du einen Vorgeschmack auf das, was noch kommt, du Hund. Los, los, keine Müdigkeit vorschützen. Ich hab dir gezeigt, wie man fachgerecht das Geschoß in seine Lage bringt. Jetzt lernst du, wie man das Zündloch mit Pulver füllt. Willig, Mann, oder soll ich dir in den Hintern treten?“

„Deck!“ Mit diesem Ruf meldete sich Dan O’Flynn wieder aus dem Hauptmars. „Im Großtopp der Galeone flattert die Flagge mit dem Georgskreuz!“

„Ein Engländer“, sagte der Seewolf. „Da habt ihr’s, Männer. Wir helfen also einem Landsmann.“ Er verließ das Achterdeck, lief nach vorn und erklomm die Back. Wenig später konnte auch er durch das Spektiv die Flagge der Galeone erkennen. Und er sah noch mehr.

„Sie ist schwer angeschlagen“, sagte er zu Smoky und den anderen Männern auf der Back. „Ihr Fockmast ist außenbords gegangen. Die zwei Karavellen und drei Galeeren haben sie umzingelt. Lange steht sie das nicht mehr durch. Profos!“

„Schiff klar zum Gefecht, Sir!“

„Klar bei Kartuschen, wir greifen den am nächsten liegenden Gegner mit einer Backbordbreitseite an.“

„Aye, aye, Sir!“

Hasard eilte aufs Achterkastell zurück und gab Pete Pallie seine Anweisungen. Dann wandte er sich an Ben Brighton und Ferris Tucker. „Die fünf Gegnerschiffe haben Holzkreuze unter den Galions baumeln. Dreimal dürft ihr raten, welches ihre Herkunft ist.“

„Spanien“, sagte Ben. „Wer anders als die Dons führt ein so typisches Erkennungszeichen?“

Die „Isabella“ segelte auf die am weitesten südlich plazierte der drei Galeeren zu. Hasard ließ sein Schiff abfallen und auf Ostkurs gehen. Es lief nun voll vor dem Wind und hielt auf die portugiesische Küste zu. Dabei präsentierte es den Dons die Backbordbreitseite, wie der Seewolf es befohlen hatte.

2.

Die Spanier drehten sich voll Überraschung zu der imposanten Dreimast-Galeone um, die da wie eine Geistererscheinung aus dem Regendunst heransegelte. Allmählich wurden ihre Konturen für die Besatzungen der Galeeren scharf und konkret, aber zu spät begriffen die Spanier, daß sie es mit einem Gegner zu tun hatten. Sie glaubten wohl auch nicht daran, daß ein Feind die Dreistigkeit besitzen würde, sich bei dem Stand der Dinge an eine solche Übermacht heranzuwagen. Und genau das war ihr Fehler.