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In ihrem neuen Buch präsentiert Nina Queer eine Sammlung ihrer besten BILD-Kolumnen und unzählige neue, noch nie veröffentlichte Kapitel, aus ihrem schillernden Leben. Erstmals werden auch Kolumnen und Kurzgeschichten veröffentlicht, die von der BILD-Zeitung aus moralischen Gründen nicht abgedruckt oder stark gekürzt wurden. Noch nie war Nina Queer lesbarer, witziger und böser als 2020. Intellektuell und pointiert schildert sie mit und ohne Übertreibungen das Leben eines Superstars, der es nie wirklichgeschafft hat. Frustriert und glücklich beschreibt sie uns ihr Leben jenseits des guten Geschmacks. Queer lebt ständig über ihre Verhältnisse und nimmt uns mit in eine absurde Welt der Widersprüche, Intrigen, Lügen und Sexualität.Dieses Buch macht definitiv süchtig. Wenn man es erst begonnen hat zu lesen, kann man es nicht mehr aus der Hand legen. Lachausbrüche und Schocker garantiert! Über 9 Jahre mussten ihre Fans auf das neue Meisterwerk warten. Jetzt ist es endlich da. Es hat sich gelohnt.
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Seitenzahl: 214
Veröffentlichungsjahr: 2020
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Nina Queer
Sie ist wieder da
Impressum
© NIBE Verlag © Nina Queer
2020
Alle Rechte vorbehalten, insbesondere das des öffentlichen Vortrags sowie der Übertragung durch Rundfunk und Fernsehen, auch einzelner Teile. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotografie, Mikrofilm oder andere Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlags und Autors reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Created by NIBE Media
NIBE Media
Brassertstraße 22
52477 Alsdorf
Telefon: 02404/5969857
www.nibe-media.de
E-Mail:[email protected]
Inhalt:
VORWORT
MEIN GRENZENLOSES ELEND
DIE DRECKIGE BADEWANNE
MEIN LEBEN HAT VIEL MIT SCHEIßE ZU TUN
ICH BIN EINE KUH OHNE GLOCKE
FAST GESTORBEN
OHNE LIEBE IST DAS LEBEN SCHEIßE
EIN SCHIFF WIRD KOMMEN
NEULICH BEI MÖBEL HITLER
NIEMAND LIEBT MICH
WER HAT ANGST VORM KLEINEN PENIS?
GROSSER PENIS – SEGEN ODER FLUCH?
MEIN SEXSÜCHTIGER ASSISTENT
DIE RASTPLATZ CINDERELLA
SCHWIMMEN IST WIE SEX
DICKE EIER – OSTERFEIER
DIE ASSI-BRAUT
URLAUB BEI HITLERS
SCHWULE LANDEIER
MODELS SIND SCHLAMPEN
NACHBARSCHAFTSHILFE
HOW TO MAKE ANALVERKEHR!
SCHWULE FLUGENTEN
LEDER! Das Material der Verzweiflung
WILLKOMMEN IN LA ZENIA
RÜCKKEHR NACH LA ZENIA
IN DER ARSCHLOCHLECKEREI
DIE RÜCKKEHR DER MUMIE
DAS SCHWULETTENSCHIFF
IBIZA
BARCELONA
PARIS
FLEESENSEE
MEIN HORRORURLAUB MIT DÉSIRÉE NICK
DYING HOME FOR CHRISTMAS
KINKY AM NACHMITTAG
DIE KOLUMNE ÜBER DIE SCHWULEN HUNDE
WAS TUN, WENN ’S STINKT?
SIND DREIER NOCH MODERN?
SELBSTGEMACHTES
STADT, LAND, SCHLAMPE
DAS ENDE DER UNSCHULD
INFLUENCER SIND KRANKE MENSCHEN
ICH BIN ICH
WAS MICH BERÜHRT
WARUM NICHT MAL EINE FRAU MIT SCHWANZ?
ICH WAR DIE GRÖSSTE HURE DER STADT
UND ES WAR SOMMER
MANCHMAL BIN ICH DEPRESSIV
NIEMAND WILL EIN VOGEL OHNE LIED SEIN
Nina Queer ist Deutschlands erfolgreichste und berühmteste Party-Veranstalterin.
Sie ist BILD-Kolumnistin, Buchautorin und Moderatorin bei Radio Energy. Als Sängerin und Schauspielerin erzielte sie unzählige Erfolge. Nach eigenen Angaben hat sie mit über 5000 Männern geschlafen. Sie gilt als eine der führenden Sexpertinnen Deutschlands.
In ihrem neuen Buch präsentiert Nina Queer eine Sammlung ihrer besten BILD-Kolumnen und unzählige neue, noch nie veröffentlichte Kapitel, aus ihrem schillernden Leben. Erstmals werden auch Kolumnen und Kurzgeschichten veröffentlicht, die von der BILD-Zeitung aus moralischen Gründen nicht abgedruckt oder stark gekürzt wurden.
Noch nie war Nina Queer lesbarer, witziger und böser als 2020. Intellektuell und pointiert schildert sie mit und ohne Übertreibungen das Leben eines Superstars, der es nie wirklich geschafft hat. Frustriert und glücklich beschreibt sie uns ihr Leben jenseits des guten Geschmacks. Queer lebt ständig über ihre Verhältnisse und nimmt uns mit in eine absurde Welt der Widersprüche, Intrigen, Lügen und Sexualität.
Dieses Buch macht definitiv süchtig. Wenn man es erst begonnen hat zu lesen, kann man es nicht mehr aus der Hand legen. Lachausbrüche und Schocker garantiert!
Über 9 Jahre mussten ihre Fans auf das neue Meisterwerk warten. Jetzt ist es endlich da. Es hat sich gelohnt.
Der gesamte Inhalt dieses Buches ist frei erfunden und brutal erlogen.
Ähnlichkeiten mit realen Personen sind rein zufällig.
Mein zweites Buch möchte ich meinen Eltern widmen.
Als ich noch bei ihnen lebte, war ich ein furchtbares Kind, welches sich nie etwas sagen ließ und immer nur für Ärger und Sorgen verantwortlich war.
Mit nur 17 Jahren Altersunterschied waren meine Eltern mit meinem rätselhaft ausgeprägten Ego wohl einfach nur überfordert.
Als ich für immer von zu Hause wegzog, wurden die Sorgen meiner Eltern nur noch größer und als ich erfolgreich wurde, hatte ich keine Zeit mehr für Mutti und Papa.
Ich vergaß ihre Geburtstage und fehlte an Weihnachten.
Je älter ich werde, desto mehr vermisse ich sie. Desto dankbarer bin ich für alles, was sie für mich getan haben.
Sie sind die einzigen Überlebenden meiner Familie, bei denen ich mich noch bedanken kann, dass sie mich zu der Person gemacht haben, die ich heute bin.
Ihre Geburtstage werde ich mir trotzdem nicht merken.
Ich weiß, sie denken immer noch, dass ich mein Geld mit Prostitution verdiene.
Aber hey – das ist völlig in Ordnung. Damit kann ich gut leben. Und irgendwie ist es gar nicht so daneben. Wer im Showbusiness arbeitet, prostituiert sich täglich und ist nicht anders, als mit dem Wort NUTTE zu bezeichnen.
Ich liebe Euch von ganzem Herzen!
Wir sehen uns an Weihnachten in drei Jahren. Ganz bestimmt.
Ich mache uns eine trockene Pute.
Danke Mutti!
Danke Papa!
Heute Morgen bin ich in Menschenscheiße getreten.
Ja Menschenscheiße. Menschen treten eigentlich in Hundescheiße und nicht in Menschenscheiße. Was mich irgendwie zum Hund macht, oder? Als ich heute Morgen mit meinem kleinen Hund Tinky um den Block ging, ist es passiert. Einfach so. Völlig unvermittelt. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie ekelhaft Menschenscheiße stinkt. Ich meine, sie sieht ja per se nicht gut aus, aber, wenn man dann hineintritt und sich diese flutschige Masse auf der groben Sohle der Adidas-Turnschuhe verteilt, dann ist man nur noch einen Einatmer vom Erbrechen entfernt. Vielleicht ist es die Rache der Welt an mich, weil ich Tinkys Häufchen auch nie wegmache. Aber warum sollte ich das tun? Tinky ist ein so kleiner Hund, dass ihre Haufen kaum von gewöhnlichem Taubenkot zu unterscheiden sind. In Berlin ist eh alles so furchtbar dreckig. Als würde ein Hundehaufen zwischen allen Elektrorollern, Einbauküchen, alten, zahnlosen Menschen und allem, was man sonst noch so wegwirft, überhaupt auffallen. Jedenfalls habe ich meine Turnschuhe ausgezogen und sie da einfach stehenlassen. Jetzt liegen die da eben auch noch herum. Das Gute an Berlin ist, dass es niemanden wundert, wenn man in Socken durch die Stadt rennt. Berlin ist asozial. Ich habe mich perfekt angepasst.
Wie es mir sonst so geht? Na – schauen wir doch mal.
Im letzten Jahr habe ich etwa 10 Kilo abgenommen. Ich war also so alt und so dünn, wie noch nie zuvor in meinem Leben. Dann kam die Corona-Krise, jetzt sehe ich wieder so aus wie vorher. Dabei hätte ich es mir denken können: Wie immer, wenn man zum Sport geht, ist am Ende alles umsonst. Es gibt Tage, an denen schaue ich mich im Spiegel an und sage laut: »Also ich würde mich ficken.« Es haben sich viele Dinge geändert, während ich mir Tag für Tag selbst beim Verrotten zuschaue. Ich trinke jetzt auch allein. Früher brauchte ich für Alkohol und Drogen Gesellschaft. Heute reicht mir eine gute Doku im Fernsehen oder die Gedanken an einen Menschen, den ich mag oder nicht. Wie alle Alkoholiker würde ich mich jetzt nicht als Alkoholiker bezeichnen. Ich trinke halt einfach gerne und, wenn es Ärger gibt oder ich Probleme habe, dann macht es die Sache nicht einfacher aber irgendwie schick. Es gibt nichts Eleganteres als eine Person, die an gebrochenem Herzen leidet und dabei trinkt und raucht. Jemand, der etwas auf sich hält, sollte diesem klischeehaften Bild eines Hollywoodstars aus den Zwanzigerjahren gefälligst nachkommen. DAS ist das Leben, das ich führen möchte und nicht jenes, bei dem man morgens um acht in Menschenscheiße steigt.
2019 war das schlimmste Jahr meines Lebens, weil ich mich in den Teufel verliebt habe und, weil ich eben aus genau diesem Grund heraus Nacht für Nacht mit dem Tod tanzte. Jeden Morgen, wenn ich die Augen aufschlug, wusste ich nicht, ob es gut oder schlecht war, dass ich die letzte Nacht überlebt habe. Einer meiner Hunde ist gestorben, meine Mutter wurde alt und ich habe viele Jobs nicht bekommen, die ich gerne haben wollte. Panikattacken traten in mein Leben, ich habe meinen Verstand verloren und Freunde verletzt. Mit dem Ergebnis, dass mich meine beste Freundin für immer verlassen hat. Ich werde Bibi wohl den Rest meines Lebens vermissen.
Jedenfalls habe ich mich eines Tages für zu alt gehalten. Irgendwann zwischen 29 und letzter Woche habe ich mich Botoxen lassen. Ein bisschen Hyaluron war auch dabei und die Lippen habe ich mir auch dicker machen lassen. Ich dachte, das lenkt irgendwie vom Rest ab. Jetzt habe ich eine schreckliche Fratze und warte, bis die Wirkung nachlässt. Dass meine Fans und Freunde das ertragen oder mich möglicherweise als verrücktes, wie misslungenes Gesamtkunstwerk wahrnehmen, setze ich einfach mal voraus. Aber warum mein Mann mich immer noch liebt und unzählige Verehrer mich immer noch bumsen wollen, ist mir ein Rätsel. Vielleicht sehe ich ja von hinten besser aus. Da habe ich immerhin noch nichts machen lassen. Möglich wäre es – aber mein Interesse an den Rückseiten von Menschen, hält sich ehrlich gesagt in Grenzen. Ich will Leute lieber von vorne sehen. Ihnen durch ihre Augen in die Seele sehen oder ihnen Sperma durch ihre Penisse absaugen. Ich war immer schon eine Macherin!
Die Geschäfte laufen prima, was vor allem daran liegt, dass ich vollkommen integer bin. Ich sehe mich nicht mehr als Party Veranstalterin, sondern als Künstlerin.
Irgendwann hat die Vielfalt und Auswahl meiner Berufe so eine große Zahl und Bandbreite angenommen, dass ich es nur noch als „Künstlerin“ zusammenfasste.
Würde ich den Leuten aufzählen, was ich alles mache, würde ich ihren Verstand damit überfordern. Sie würden denken, dass ich so viel mache, weil ich in nichts wirklich gut bin. Weil Leute, die viel machen und jede Woche einer anderen Arbeit nachgehen, nun mal allgemein als Loser gelten. Bei mir ist das anders. Ich bin in allem, was ich mache eine Sensation. Aber bevor ich den Menschen das erkläre, habe ich schon dreimal die Welt neu erfunden und am Ende einfach am liebsten meine Ruhe. Jeder, der es möchte, kann sich ja mit meinem Gesamtkunstwerk beschäftigen und auseinandersetzen. Wenn man es nur ausführlich genug macht, entdeckt man völlig automatisch, dass ich ein Genie bin.
Mein Freundeskreis hat sich kaum geändert.
Auch, wenn die meisten meiner Freunde gehässige Schlampen sind, so kann ich doch auf sie zählen. Sie sind die Säulen meines Lebens. Was soll man auch groß machen? Entweder hat man Freunde oder man bringt sich um. Obwohl, Selbstmord wäre keine Option für mich. Kein absichtlicher Selbstmord. Unfälle geschehen.
Letztlich bin ich eh viel zu eitel und viel zu neugierig für Selbstmord. Wenn man sich umbringt, zieht dies die schreckliche Gewissheit mit sich, dass man ja sehr viel verpassen könnte und alle anderen einfach weiter feiern und einen schnell vergessen.
Vielleicht stehe ich irgendwann ohne Mann, Liebhaber und Freunde da. Was solls? Sicher werde ich dann schrecklich traurig und einsam sein, aber solange es Drogen und Alkohol gibt, lohnt es sich doch, noch zu leben. Ich bin ein Genussmensch. Als blutiger Amateur wartet das Ende ja an jeder Ecke auf einen. Wenn man jedoch wie ich Profi im Einnehmen von Rauschgiften ist, kann man dort sogar Heilung finden.
Drogen sind meine Religion. Ich bete sie an und sie bereiten mir eine schöne Zeit. Das ist ergiebiger als jede Woche in die Kirche zu rennen oder buddhistische Sitzungen abzuhalten. Und auch billiger am Ende. Meine Freundin Brigitte ist praktizierende Buddhistin. Wisst ihr, was die im Monat an Geld investieren muss? Allein für Kekse und Tee? Obendrauf kommen noch teurere Zugfahrkarten, um von einem Tempel zum nächsten zu kommen. Man kann schließlich nicht immer bei sich zu Hause herumsitzen und das Universum ansingen. Man muss auch mal raus, um andere Menschen zu belästigen und sie einer Gehirnwäsche zu unterziehen. Wenn Brigitte das hier liest, wird sie bestimmt sauer sein. Der Glaube ist, neben 400 Kilo Lebendgewicht und Homeshopping, das Einzige, was ihr noch geblieben ist. Auch sie hat man bei den Buddhisten einer Gehirnwäsche unterzogen. Seitdem sie regelmäßig betet, bestellt sie im Verkaufsfernsehen jedes erdenkliche Produkt, das Judith Williams jemals auf den Markt gebracht hat. Dadurch kann sie auch nie mit uns in den Urlaub fahren. Mit ihrem Geld urlaubt nur eine …, nämlich Judith Williams. Offiziell ist Brigitte natürlich nicht shoppingkanalsüchtig. Offiziell muss sie einfach mehr Steuern zahlen, als jeder andere Mensch auf der Welt. Bei einem Einkommen von 24.000 Euro im Jahr, muss sie eine Million Euro Steuern zahlen. Behauptet Brigitte. Niemand in unserem Freundeskreis redet darüber, aber wir alle wissen, dass Brigittes Finanzamt Judith Williams heißt. So gesehen kann ich von Glück reden, dass mein größtes Problem Menschenscheiße ist.
Das Leben kann mit unter furchtbar sein. Und manchmal, an einem Dienstagnachmittag passiert etwas, was unser Leben vollkommen unvorbereitet aus dem Gleichgewicht bringt und uns regelrecht aus der Bahn wirft.
Das Toilettenpapier ist aus und man merkt es erst, als man schon auf der Schüssel sitzt und der braune Omnibus den Tunnel längst verlassen hat. Man bekommt Besuch und hat vergessen den Sekt zu kühlen. Es juckt im Schritt, man denkt, die Haare wachsen nach, aber, wenn man genauer hinschaut, findet man Filzläuse.
Oder gar das schlimmste aller Szenarien: Ein Nagel bricht ab.
Kein Mensch ist davor geschützt, unverschuldet in den Abgrund zu fallen, den das Leben früher oder später für uns bereithält.
Mir persönlich geht es aber bestens. Stress habe ich nur, wenn zu viele Filmpremieren hintereinander stattfinden und ich mit dem Kauf von Kleidern und Accessoires nicht mehr hinterherkomme. Das dutzend Geschlechtskrankheiten habe ich allesamt unbeschadet ausgesessen. Mein wöchentlicher Drogencocktail ist für Viren und Bakterien tödlich. Meine eigene kleine hausgemachte Chemotherapie. Jeden Freitag. Jeden Samstag. Und manchmal auch einfach so – mitten in der Woche. Man muss die Therapien feiern, wie sie einem verabreicht werden.
Da ich es aber oft satthabe, ständig als der wahr gewordene Oraltraum von Prominenten und Großindustriellen zu gelten, sehne ich mich häufig nach jemanden, der mit meiner Glitzerwelt im Scheinwerferlicht nichts zu tun hat. Jemand aus dem Volk, einer, der dreckig ist.
Seit ich in Berlin lebe, pflege ich einen leichten Flirt mit einem recht hübschen Punk. Handy, Krawatte – trotzdem Punk.
Seine Hoden baumeln aus einem großen Loch seiner alten Anzughose, die mit einem Nietengürtel vor dem Totalabsturz bewahrt wird. Jedes Mal, wenn ich arrogant und voller Ignoranz an ihm vorübergehe und sich unsere Blicke mit voller Absicht und doch rein zufällig treffen, habe ich das Gefühl, dass die Eierchen des Anfang-20-jährigen vor Freude schwingen.
Nie kam es zwischen uns zu körperlich-freundlichen Übernahmen. Ich habe es immer bereut. Dann war er plötzlich weg. Für Jahre. Einfach so.
Bis zum 2. Adventssonntag im letzten Jahr – er stand am Taxistand vor der Online Bank, keine hundert Meter weg von meiner Wohnung. Fast hätte ich ihn nicht wiedererkannt. Er müsste jetzt so 25 oder 26 sein. Die Jahre sind nicht spurlos an ihm vorbeigegangen. Schmuddelig und verwachsen sieht er aus. Der starke Esprit eines Aufständischen ist fast verblasst. Ich bin zufällig betrunken und spreche ihn schamlos an. »Ficken?« Er: »Ja!«
Mein Zweites paar Lippen hat sich bereits weit geöffnet, als wir meine Wohnungstür erreichen. Im Wohnzimmer entledigen wir uns unserer Kleider.
Kein schöner Anblick. Meine Schnecke zieht sich in ihr Haus zurück.
Angst! Entsetzten! Graus!
Sein Körper – obwohl athletisch – wurde schon seit Beginn seiner Heroinsucht nicht mehr gepflegt und/oder gar in Schuss gehalten. Was solls? Es ist Weihnachten und ganz offensichtlich freut er sich auf meine exquisite Herrenscheide. Ich sehe es also als meine Pflicht an, sein Haus zu renovieren und danach als Erste darin zu wohnen. Seine Eier baumeln längst nicht mehr. Sie kleben fest. Und zwar am Oberschenkel. Gott sei Dank habe ich noch Fettlöser in meinem Werkzeugkoffer und eine Heckenschere auf dem Balkon. Mit meinem Ladyshave hätte ich die Büsche nie wegbekommen. Die Nagelschere ist mir bei der Feinarbeit danach behilflich. Ich wasche ihm alle Stellen, an denen Haare wachsen.
Ich entstaube die Trompete, wachse die Glocken und poliere den Zimtstern.
Stunden sind vergangen und mein Junkie wird von Minute zu Minute nüchterner. Die schöne Frau, die er noch vor wenigen Augenblicken in mir sah, verkommt mehr und mehr zu einer hässlichen, versauten Fratze.
Wird zu einer verbrauchten Frau mit Oberlippenbart – zu einem Mann.
Er versichert mir, dass es nicht meine Schuld ist. Das Heroin würde halt nachlassen und er kommt gerade auf Cold Turkey.
Schnell lasse ich ihm ein heißes Bad ein. Gebe einen Schuss Latschenkiefer aus der Drogerie – für 1,99 € der Liter – hinzu und lege die abgeschlaffte Fleischpeitsche samt ihrem Besitzer in die Fluten.
Dass der mir nüchtern wird, ist das Letzte, was ich jetzt brauche. Ich sage ihm mit hastiger Stimme, dass er sich entspannen soll und ich nur kurz Getränke hole. Unten am Spätkauf. Schnell springe ich in mein Mercedes-Sport-Coupe und fahre zum Kotti. 5 Gramm Heroin. Sicher ist sicher. Schnell noch zur S-Bahn Unterführung hinterm Alexxa. Da gibt es so einen komischen Automaten. Frische Spritzen müssen sein.
17 Minuten später bin ich wieder in meiner Wohnung.
Er ist weg.
Mein Plasmafernseher, mein Apple-Computer, mein Handy, mein Sparbuch, mein Original Autogramm von Johannes Heesters und meine Würde sind auch weg.
Das war das schönste Weihnachten, das ER jemals hatte.
PS: Das Arschloch hat mir in die Badewanne geschissen.
In Zeiten von Online-Dating und Sex-Apps sind Klappen in Vergessenheit geraten.
Viele junge Menschen wissen gar nicht mehr, was eine Klappe ist und auch ich muss zugeben: Als ich vor 20 Jahren nach Berlin zog (ich war damals 11), waren Klappen schon nicht mehr angesagt.
Nur durch einen älteren Freundeskreis (40+) wurde ich überhaupt in die bunte Welt des Klappensex eingeführt.
Was ist eine Klappe überhaupt?
Als Klappen bezeichnet man öffentliche Toiletten, auf denen sich Männer zu spontanem Sex treffen. Eine Art Mikro Darkroom, in dem man sich 24 Stunden am Tag Sex- und Geschlechtskrankheiten holen kann. Klappen befinden sich vorwiegend in großen Stadtparks oder auf nicht bewirtschafteten Autobahnraststellen. Alleine in Berlin gibt es über 30 Klappen. Deutschlandweit vermutet man an die 300.
Besonders beliebt sind Klappen jedoch nach Feierabend zwischen 16 und 20 Uhr, da viele Familienväter gerne auf ein kleines Lutscherli vorbeikommen, bevor sie sich mit ihrer Familie zum Abendessen gemeinsam an den Esstisch setzen. Aber auch schwule Fremdgeher schauen gerne auf einen Sprung vorbei. Zur Toilette muss ja jeder mal.
Auf einer Klappe geht immer was, nur leider ist die Auswahl stark begrenzt. Hier trifft man viele Opfer. Nach Alkohol stinkende LKW-Fahrer, Sexsüchtige, Junkies, Stricher und Personen, die nicht mit einem Computer oder Handy umgehen können, um sich anders zu verabreden. Aus diesem Grund wurden Klappen von jungen Männern lange gemieden. Klappenbesucher galten als altmodisch und völlig überaltert.
Vor 10 Jahren war ich selber auf einer Klappe, um mir ein eigenes Bild zu machen, und musste feststellen, dass alle Vorurteile stimmten. So schnell konnte ich gar nicht wegrennen, nahm auch schon ein 60-jähriger Schamhaarträger im grauen Pelz auf mir Platz. Es war nicht direkt eine Vergewaltigung aber auch nichts, an dem ich wirklich freiwillig teilgenommen habe. Nur widerwillig ließ ich die Freuden einer Klappe über mich ergehen. Was soll man auch machen, wenn man von so einer vergerbten Echse besprungen wird? Man will ja am Ende mitreden können und auch nicht diskriminierend herüberkommen. Alte Menschen werden so oft benachteiligt – nicht von mir.
Es war also der pure Ekel, der die Klappen in den Underground getrieben hat, um dort ein Dasein als absolute Subkultur für besonders Perverse und Zurückgebliebene zu fristen.
Doch die Zeiten ändern sich und so wie Schlaghosen und Blumenkleider, erleben auch Klappen dieser Tage eine wahre Renaissance.
In letzter Zeit machen immer mehr Überfälle, Raube und sogar Morde in privaten Wohnungen Schlagzeilen. Nur verständlich, dass man keine Lust mehr darauf hat, sich fremde Menschen in sein Privatestes zu lassen. Also verabreden sich viele junge Menschen direkt via Tinder, Grindr und Co zum fröhlichen Bumsen auf öffentlichen Toiletten und sorgen für ordentlich frischen Schwung in den altehrwürdigen Buden. Ein neuer Retro-Trend ist geboren.
Wenn es irgendwo in der Stadt frischen Sex gibt, dann bin ich da. Exklusiv für meine Leser testete ich vor 2 Tagen Berlins berühmteste Klappe an der Siegessäule im Tiergarten. Natürlich zur besten Zeit um 18 Uhr. Mit einer Jogginghose (selbstverständlich ohne Unterwäsche), einem T-Shirt und einer dünnen Lederjacke betrat ich den schlecht beleuchteten Betonklotz. Man hatte mich gewarnt, dass es mitunter gruselig werden würde, deshalb war ich für den Notfall bewaffnet. Ein kleines Döschen Pfefferspray und mein obligatorisches Buttermesser, ohne das ich mein Haus nie verlasse, sollen an diesem späten Nachmittag meine Begleiter sein.
Von der Abendsonne geblendet dauert es einige Augenblicke, bis die Umrisse im Dunkeln, für mich zu Bildern wurden. Und tatsächlich: Gleich am Eingang beim Waschbecken machten sich zwei Asiaten über einen dicken Mann Mitte 40 her. Sie teilen sich den Lolli schwesterlich. Jeder durfte abwechseln mal dran lecken. Hätte ich es nicht besser gewusst, würde ich sogar schwören, dass sie ihn aufessen wollten. Asiaten sind ein so bescheidenes Volk. Dafür verehre ich sie.
Schnell huschte ich vorüber und wollte mich auf die erste Toilette retten, um die Lage zu checken. Mist besetzt. Die zweite Tür stand zwar weit offen, aber auch hier war man beschäftigt. Hinter der dritten Tür gab es (noch) keine sexuellen Handlungen. Man war sich nicht einig und diskutierte laut.
Die vierte und letzte Tür musste es also sein. Und als hätte Gott meine Gebete erhört, stand dort ein einzelner Mann. Ich drücke mich zu ihm in die Kabine. Ein beißender Geruch stieg mir in die Nase. Der Typ hat seine Hose nicht heruntergelassen, um Sex zu haben. Er hat sie heruntergelassen, um aufs Klo zu gehen. Nur leider zu spät. Das war ja mal wieder so klar: Ich lande beim einzigen Kerl in der ganzen Toilettenanlage, der wirklich zum Scheißen dahin gekommen ist.
Unter leichtem Würgen verließ ich die Klappe auf dem schnellsten Weg. Nicht ohne vorher noch einen berühmten, alten, schwulen Filmregisseur mit Glitzerhut zu rempeln, der gerade die Location betrat.
Diese Promis sind einfach überall.
Mir waren meine Abenteuerlust und mein zügelloser Penisappetit an diesem Tag vergangen, aber, wenn ich im Sommer mal im Tiergarten picknicke, schau ich aber gerne wieder rein.
Mit etwas Glück habe ich dann genau so viel Spaß wie offensichtlich alle anderen.
Mein Resümee: Kann man mal machen. Muss man aber nicht.
Sicherer als sich zu Hause besuchen zu lassen, ist es allemal. Irgendwer ist ja immer da. An Zeugen und hässlichen Menschen wird es dort niemals einen Mangel geben.
Auf dem Weg von der Klappe zu meinem Auto kam mir übrigens noch mein Chef von Radio Energy entgegen. Ich hoffe, er wollte nur durch den Park joggen.
Vor einer Woche, am Mittwoch um exakt 15:41 Uhr hat die Liebe mein Leben verlassen. Sie verabschiedete sich nicht. Sie bedankte sich nicht für die schöne Zeit. Ohne bedauern hatte sie sich in zwei kalte Sätze einer WhatsApp Nachricht verkleidet, um es so kurz und schmerzlos wie möglich zu machen.
Dabei hatte alles so gut angefangen. Es war in einer heißen durchschwitzen Sommernacht in einem Kaufhaus, als sie plötzlich vor mir stand und ich sie unter Hunderten von Menschen erkannte. Es folgte der schönste Sommer und der aufregendste Herbst meines Lebens. Ich habe die ganze Zeit über Musik von ABBA gehört. Das mache ich nur, wenn ich außerordentlich fröhlich bin. Diesmal wollte ich alles richtig machen: keine Lügen, keine Spiele, keine Tricks, kein Fangnetz, kein doppelter Boden. Ich habe mich der Liebe von Anfang an nackt gezeigt. Lange bevor sie mit ihrem wunderschönen Körper und unglaublich süßen Muttermalen, nackt auf mir lag und mich küsste.
Aber die Liebe mag es nicht, wenn man ehrlich ist. Die Liebe hält einen für eine geistesgestörte Irre, wenn man ihr wahre Gefühle offenbart. Dabei bin ich gar keine Irre, sondern ein Genie und wer mich wirklich kennt, der weiß das auch. Hätte mich die Liebe nur einmal genau angesehen und sich von meiner Wärme umhüllen lassen, wäre sie nie von mir gegangen. War ich für die Liebe nur ein sexuelles Abenteuer? Eine prominente Trophäe? Die Liebe küsste mich immer so, als würde sie es ernst meinen mit sich selbst und mir. Sie sah mich immer so glücklich an und ich konnte das Versprechen einer ganzen Welt in ihren Augen erkennen.
Jetzt ist sie jedenfalls weg und ihre letzte Nachricht auf meinem Messenger wandert jeden Tag ein kleines Stück weiter nach unten. Sodass ich sie, am Horizont meiner Nachrichten, nur noch ganz klein sehen kann. Bei jeder neuen Nachricht und jedem Klingeln, das sie ankündigt, durchfährt mich ein Schauder und Hass. Hass auf alle Menschen, die mir eine Nachricht zukommen lassen und mich dadurch noch mehr von der letzten Botschaft trennen, die mir die Liebe geschickt hat. Ich habe Angst, dass die Gedanken an wundervolle Stunden ebenso nach unten rutschen und in Vergessenheit geraten könnten, wie die Nachrichten bei WhatsApp. Bei WhatsApp sehe ich auch, dass die Liebe online ist, und ich wünschte mir so sehr, dass sie just in dem Moment eine Nachricht an mich schreibt. Aber so ist das, wenn die Liebe nichts mehr mit einem zu tun haben will: Sie wird dann sehr schreibfaul.
Ich kann nichts mehr fühlen und meine Tage sind nur noch grau – wie ein einziges Warten auf den Tod. Damit die Zeit vergeht, treibe ich mich viel auf Partys herum. Erst gibt es Champagner und dann Tränen – jede Nacht das Gleiche. Ich trinke und rauche sehr viel, seitdem die Liebe nicht mehr da ist. Man hat plötzlich so viel Zeit fürs Trinken und Rauchen, weil man sich ja mit niemandem mehr treffen oder schreiben muss. Egal wie spät ich ins Bett gehe, um 5 Uhr morgens weckt mich mein Herz und sagt mir: »Ich bin gebrochen. Kümmere dich um mich!«
Doch, wie einen ungeliebten Kanarienvogel, dem man entwachsen ist, lasse ich es unbeachtet weiter zwitschern. Wozu braucht man ein Herz, wenn man keine Liebe mehr hat?
Ich bin eine Kuh ohne Glocke. Bei uns in den österreichischen Bergen ist eine Kuh ohne Glocke das Schlimmste. Zumindest dann, wenn sie verloren geht. Sie irrt ziel- und orientierungslos auf den Almen herum. Ohne Glocke kann sie niemand hören. Manchmal wird sie gefunden und gerettet, manchmal stürzt sie eine Schlucht hinunter und ist einfach tot. Ich hoffe, ich finde meine Glocke wieder, damit mich die Liebe hören und wiederfinden kann.
