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Während eines Urlaubs in den Bergen lernt die schöne Sonja den jungen Holzbildhauer Jonas kennen, der sich in die Bergeinsamkeit zurückgezogen hat, um seinem Handwerk nachzugehen. Bei ihm in der Hütte, hoch über der Waldgrenze, findet sie all das, wonach sie sich immer gesehnt hat: Liebe, Geborgenheit und Glück. In den nächsten Wochen verbringt Sonja jede freie Minute in Jonas’ kleinem Paradies, und im Stillen hofft sie längst, seine Frau zu werden ...
Aber eine gemeine Intrige trennt die beiden Liebenden ohne jede Vorwarnung, und Sonja, die bis ins Innerste verletzt ist, wird die Frau eines anderen. Doch noch auf der Hochzeitsreise, die sie nach Hawaii führt, denkt sie an den Mann, den sie am anderen Ende der Welt verloren hat - an Jonas, die Liebe ihres Lebens ...
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Seitenzahl: 113
Veröffentlichungsjahr: 2024
Cover
Dein Herz soll mein Zuhause sein
Vorschau
Impressum
Dein Herz soll mein Zuhause sein
Wie ein romantischer Urlaub in den Bergen Sonjas Leben auf den Kopf stellt
Von Dunja Wild
Während eines Urlaubs in den Bergen lernt die schöne Sonja den jungen Holzbildhauer Jonas kennen, der sich in die Bergeinsamkeit zurückgezogen hat, um seinem Handwerk nachzugehen. Bei ihm in der Hütte, hoch über der Waldgrenze, findet sie all das, wonach sie sich immer gesehnt hat: Liebe, Geborgenheit und Glück. In den nächsten Wochen verbringt Sonja jede freie Minute in Jonas' kleinem Paradies, und im Stillen hofft sie längst, seine Frau zu werden ...
Aber eine gemeine Intrige trennt die beiden Liebenden ohne jede Vorwarnung, und Sonja, die bis ins Innerste verletzt ist, wird die Frau eines anderen. Doch noch auf der Hochzeitsreise, die sie nach Hawaii führt, denkt sie an den Mann, den sie am anderen Ende der Welt verloren hat – an Jonas, die Liebe ihres Lebens ...
»Wie, Frau Bach, Sie sind noch hier?« Eine sympathisch aussehende, rundliche Frau in den Fünfzigern steckte den Kopf in Sonjas Büro und schaute sie erstaunt an. »Meine Güte, Sie sitzen ja fast im Dunklen! Ist Ihnen nicht gut?«
»Nein, nein, es ist alles in Ordnung. Ich habe mich nur gerade mal einen Augenblick entspannt.«
Frau Unterhofer, die Sekretärin von Sonjas Chef, schaltete das Licht an.
»Ich sollte Ihnen von Herrn Lang noch den Katalog hier auf den Schreibtisch legen.« Sie zögerte einen Moment. »Also, wissen Sie, Frau Bach, wenn ich Ihnen das sagen darf, Sie arbeiten einfach zu viel. Eine so junge, hübsche Frau wie Sie sollte an einem Freitagabend wie heute eine nette Verabredung haben und nicht noch um halb neun in der Firma sitzen!«
Sonja straffte sich auf ihrem Schreibtischstuhl und schaltete den Computer aus.
»Im Moment gibt es halt viel zu tun«, meinte sie entschuldigend.
»Gut, aber jetzt sollten Sie auch nach Hause gehen und sich einen schönen Abend machen. Also, dann wünsch ich Ihnen ein gutes Wochenende – bis Montag.«
»Ja, bis Montag, Frau Unterhofer. Ihnen auch ein schönes Wochenende.«
Als Sonja wieder allein in ihrem Büro war, löste sie ihren schweren blonden Haarknoten und lehnte sich erneut zurück. Ihre Nackenmuskeln schmerzten.
Ich soll mir einen schönen Abend machen? Wie lange ist es her, dass ich einen schönen Abend hatte? Ein Abend mit einem Mann, den ich liebe, ein gemütliches Essen zu zweit, romantische Musik, zärtliche Stunden?
Sie lachte bitter auf und gab still für sich zu, dass sie den letzten richtig schönen Abend mit Alessandro verbracht hatte. Während ihrer Romanze hatte sie pro Woche zwei schöne Abende verlebt. An den anderen Tagen war er in seinen italienischen Restaurants gewesen. Die Wochenenden und die Feiertage hatte er mit seiner Frau und seinen beiden Kindern verbracht.
Nein, sie wollte nicht wieder an ihn denken! Dieses Kapitel ihres Lebens war endgültig vorbei!
Durch die hohen Fenster ihres Büros fiel ihr Blick auf die erleuchtete Kirche St. Martin. Sonja liebte die Aussicht auf die spitzgiebeligen Fassaden der Altstadthäuser von Landshut mit ihren attraktiven Innenhöfen und lichten Atrien. Nachdem sie vor sechs Jahren von München hierher gezogen war, hatte sie sofort diese alte Stadt ins Herz geschlossen.
Es war tatsächlich schon dunkel draußen. Heute war der erste schöne Herbsttag im September gewesen. Die Sonne hatte von einem strahlend blauen Himmel herab geschienen und den Landshutern noch einmal spätsommerliche Temperaturen beschert. Sonja hatte den ganzen Tag ihr Büro nicht verlassen. Jetzt fühlte sie sich erschöpft, ausgelaugt und leer. Ihr Magen knurrte.
Still saß sie auf ihrem Stuhl und eine unendliche Traurigkeit breitete sich plötzlich in ihr aus. So geht's nicht weiter, dachte sie. Das soll mein Leben sein? Mit einunddreißig?
Nachdem sie vor einem halben Jahr ihre Beziehung zu Alessandro Cavi beendet hatte, war ihr Job zu ihrem Lebensinhalt geworden. Sonja arbeitete als Abteilungsleiterin in einer Firma für Computerbedarf – der größten ihrer Art im niederbayerischen Raum.
Wenn sie spätabends nach Hause gekommen war, hatte sie keine Kraft mehr gehabt, um über die gemeinsame Zeit mit Alessandro nachzudenken. Sie war dann nur noch müde ins Bett gefallen, um sich am nächsten Morgen erneut so früh wie möglich in ihre Arbeit zu stürzen.
»Ich kann nicht mehr!«, flüsterte sie leise vor sich hin, und ihre Augen füllten sich langsam mit Tränen.
Das schrille Läuten des Telefons ließ sie jäh zusammenschrecken. Wer konnte das denn sein?
Sie drückte auf den Knopf: »Hallo?«
»Dachte ich es mir doch, dass du noch immer im Büro bist! Ich habe bei dir zu Hause schon mehrmals angerufen, aber da habe ich nur deinen Anrufbeantworter erreicht.«
»Martin! Von wo rufst du denn an?«
»Ich bin heute Morgen ganz früh nach Mailand geflogen. Die Verhandlungen mit den Italienern sind kurzfristig auf heute verschoben worden. Gleich gibt es noch ein Galadiner, und morgen Mittag fliege ich wieder zurück. Ich dachte, vielleicht könnten wir beide morgen Abend zusammen essen gehen. Du kommst nach München, übernachtest bei mir und Sonntagmorgen fahren wir hinaus an den Starnberger See.« Er zögerte eine Sekunde. »Oder ... wir machen, was immer du willst. Am Montag muss ich schon wieder für drei Tage nach London.«
Sonja lächelte vor sich hin und schüttelte in stiller Verzweiflung den Kopf. »Nein, Martin, das geht nicht. Ich fühle mich nicht gut. Ich bin völlig überarbeitet und brauche mal Ruhe. Ich glaube, ich werde mich an diesem Wochenende von der Welt zurückziehen und mich zu Hause einigeln.«
»Du brauchst vielleicht einfach nur ein bisschen Abwechslung und musst auf andere Gedanken kommen! Dabei kann ich dir bestimmt helfen!«
»Du, das ist lieb gemeint von dir. Aber ich möchte einfach nur allein sein. Vielleicht ein anderes Mal.«
»Gut, aber darauf komme ich bestimmt zurück! Du weißt ja, dass du die Frau bist, die ich heiraten möchte und mit der ich Kinder haben möchte. Aber was dieses Wochenende angeht«, so fuhr er gut gelaunt fort, »mal sehen, vielleicht rufe ich einfach Claudia Schiffer oder Caroline von Monaco an, die wollten immer schon mal mit mir ausgehen! Also, Bella, dann erhol dich gut!« Nach einer kleinen Pause fügte er mit etwas weicherer Stimme hinzu:
»Gib auf dich Acht. Ich melde mich, wenn ich aus London zurück bin. Ciao!«
»Ciao, Martin.« Mit einem leisen Seufzer legte Sonja den Hörer zurück.
Martin Keil – der Nachbarsjunge aus ihrer Kindheit in Bernau. Früher waren sie zusammen mit der Jugendgruppe der Kirche in die Berge gewandert, hatten in Hütten übernachtet und Streiche ausgeheckt. Dann hatten sich ihre Wege getrennt.
Erst als sie nach ihrer Ausbildung zur Bürokauffrau bei einer Münchener Firma angefangen hatte, waren sie sich eines Tages auf dem Viktualienmarkt über den Weg gelaufen.
Martin hatte inzwischen Karriere gemacht. Er war selbstständiger Finanz- und Immobilienmakler, der Kunden in ganz Europa hatte. Obwohl er zu dieser Zeit mit einer Freundin zusammengelebt hatte, hatte er Sonja ab und zu angerufen. Seit einem halben Jahr, da beide wieder solo waren, bemühte sich Martin verstärkt um sie.
Vor vier Wochen hatte sie sogar nach einem Abend in geselliger Runde, an dem sie etwas zu viel getrunken hatte, eine Nacht mit ihm verbracht. Sie mochte ihn, ja, aber der zündende Funke war bisher von ihr noch nicht zu ihm übergesprungen.
Martin war ein gut aussehender, erfolgreicher Mann. Er war liebevoll und verwöhnte sie. Aber immer, wenn sie sich sahen, vermittelte er ihr das Gefühl, dass andere Dinge wichtiger waren.
Ständig klingelte sein Handy, und er musste »mal ganz schnell« noch ein wichtiges Gespräch führen oder einen Termin abklären. Seine Unruhe und seine Hektik machten sie nervös.
Außerdem spürte sie tief unter seiner sympathischen und offenen Art eine Härte und Skrupellosigkeit, die sie vorsichtig machten. Vielleicht brauchte er diese aber gerade, um in seinem Geschäft so erfolgreich sein zu können.
Sonja riss sich von ihren Gedanken los. Plötzlich hatte sie es eilig, nach Hause zu kommen. Ihr war kalt. Sie schlüpfte in ihre Kostümjacke, griff nach der Umhängetasche und löschte das Licht. Der große luxuriöse Aufzug brachte sie sanft und geräuschlos ins Erdgeschoss.
»Grüß Gott, Frau Bach, wieder heute die Letzte?«
»Guten Abend, Herr Huber! Wie geht es Ihrem Bein?«
Der Nachtportier war ein liebenswerter, alter Mann, mit dem sie immer gern ein paar Worte wechselte.
»Wenn's Wetter schön ist, geht's gut. Aber wenn Sie mal so alt sind wie ich, dann sind Sie schnell zufrieden. Ein schönes Wochenende, liebe Frau Bach!«
»Danke, Herr Huber, Ihnen auch!«
♥♥♥
Ein schönes Wochenende wurde es nicht. Sonja wusste mit sich und ihrer Zeit nichts anzufangen. Als ihre Stimmung am Sonntagnachmittag auf dem Nullpunkt war, klingelte das Telefon.
»Jetzt rate mal, wer hier spricht!«, kam eine muntere Frauenstimme durch die Leitung.
»Christine«, rief Sonja überrascht und fügte dann leise hinzu: »Mein Gott, Christine, du kannst gar nicht ahnen, wie sehr ich mich über deinen Anruf freue!«
»Na, sag mal, was ist denn mit dir los?«
»Ach, zurzeit geht's mir nicht so gut.« Und sie erzählte ihrer besten Freundin, wie unglücklich sie war.
Christine hatte früh geheiratet, war Hausfrau und glückliche Mutter von drei Kindern. Seit Jahren lebte die Familie in Freilassing, wo Christines Mann Florian Leiter einer Grundschule war.
»Sonja, ich habe immer gewusst, dass du nicht der Typ Karrierefrau bist. Du wolltest doch genau wie ich auch immer eine Familie haben. Aber dafür ist es noch nicht zu spät. Du bist schließlich noch jung.«
»Wo soll ich denn den Mann fürs Leben kennenlernen? Ich habe ja fünf Jahre geglaubt, dass Alessandro der Richtige für mich ist. Er hat mir immer erzählt, seine Frau würde ihn ständig betrügen und er bliebe nur wegen der Kinder bei ihr. Sonst hätte ich doch diese Beziehung nicht so lange aufrechterhalten. Er hat mir immer wieder versprochen, sich scheiden zu lassen. Und als ich ihm dann die Pistole auf die Brust gesetzt habe, wollte er von seinen Versprechungen nichts mehr wissen.«
»Sonja, du musst jetzt an deine Zukunft denken.« Christine fing ein neues Thema an: »Was ist denn eigentlich mit Martin?«
»Ich weiß nicht so recht ...«, zögerte Sonja. »Er ist lieb und nett, ein aufmerksamer Liebhaber, aber als Familienvater kann ich ihn mir – ehrlich gesagt – nicht so recht vorstellen. Obwohl er immer sagt, er wolle Kinder haben! Doch die meiste Zeit jettet er in der Welt herum. Wann will er dann noch Zeit für ein Familienleben aufbringen? Im Übrigen liebe ich ihn nicht.«
»Das ist der einzige Grund, ihn nicht zu heiraten!«, meinte Christine trocken. »Ich glaube, du solltest mal richtig ausspannen. Du musst, bevor du neue Pläne für deine Zukunft schmiedest, einen freien Kopf bekommen. Weißt du noch, wie du früher dafür immer in die Berge gestiegen bist? Wenn du dann nach einer langen Bergtour müde zurückgekommen bist, wusstest du wieder genau, was du wolltest.«
»Ja, du hast recht. Hier im Flachland habe ich ganz vergessen, wie gern ich das immer gemacht habe.«
»Fahr doch ins Salzburger Land. Dort gibt es ein wunderschönes idyllisches Tal, das Kleinarler Tal. Florian war dort schon zweimal mit einem Kollegen zum Bergwandern. Er kann dir einige Tipps geben. Und auf dem Rückweg schaust du dann noch bei uns rein. Was hältst du davon?«
Ohne zu zögern, ließ sich Sonja schon am nächsten Tag für kommenden Freitag bis Sonntag ein Zimmer in einem abgelegenen Gasthof am Ende des Kleinarler Tals reservieren. Florian machte einen Termin für sie mit einem erfahrenen Bergführer aus, der sie samstags in die Bergwelt begleiten sollte.
So kam es, dass sich Sonja ein paar Tage später, freitagmorgens, in aller Frühe auf den Weg nach Österreich machte. Entspannt fuhr sie in ihrem schwarzen Cabrio auf der Landstraße dahin.
Wie eine unscharfe Fotografie tauchte die Landschaft nur zögernd aus dem Frühnebel auf. Einzelne Höfe auf abgeernteten Feldern und verstreute kleine weiße Kapellen prägten kilometerweit das Bild. Zwischendurch fuhr sie immer wieder an riesigen, hässlichen Industriegebieten vorbei, wo der Verkehr sich zu dieser Stunde verdichtete.
Sie brauchte nur zwei Stunden bis zur österreichischen Grenze, und es war gerade später Vormittag, als sie von der Schnellstraße bei St. Johann im Pongau links in die Bergwelt abbog. Die Herbstsonne tauchte die Landschaft in ein warmes Licht. Bergauf ging's durch kleine Dörfer, wo jedes Haus sein Gärtchen hatte und die Balkone mit Sturzfluten weißer und roter Geranien prunkten.
Sonja fuhr an Einödhöfen vorbei, die schon von Weitem durch ihre Feuerglocke auf dem Dach und die Madonna im Giebel auf sich aufmerksam machten.
Eine kurvenreiche Straße führte schließlich nach Kleinarl. Zu dieser Jahreszeit waren hier nur wenige Touristen. Hinter dem Dorfausgang ging es weiter durch noch immer grüne Wiesen bis ans Ende des Kleinarler Tals.
Hier ruhte der Jägersee mit seiner meist stillen, dunklen Oberfläche. Das am Seeufer gelegene Gasthaus zog im Sommer Heerscharen von Touristen an. Heute sah alles wie ausgestorben aus.
Sonja parkte neben dem einzigen Wagen und stieg aus. Sie öffnete die schwere alte Holztür. Eine rundliche Frau kam auf sie zu.
»Grüß Gott! Sind Sie die junge Dame aus Landshut?«
»Guten Tag, ich heiße Sonja Bach«, stellte sich Sonja lächelnd vor, »haben Sie mich schon erwartet?«
»Ja, freilich, Sie sind unser einziger Gast. Um diese Zeit ist's mit der Saison vorbei. Nur die Wanderer schauen tagsüber zu einer Jause noch herein. Kommen Sie, ich zeig Ihnen Ihr Zimmer!«
Schon wollte sie Sonjas Reisetasche ergreifen.
»Nein, nein, lassen Sie mich das ruhig machen«, kam ihr Sonja zuvor. Ihr war es peinlich, dass die ältere Frau ihr die Tasche tragen wollte.
Nachdem sich Sonja in dem Zimmer mit dem breiten Holzbett und der karierten Bettwäsche eingerichtet und frisch gemacht hatte, ging sie hinunter in die Gaststube.
Die massiven Tische mit den schweren, vom vielen Scheuern gebleichten Platten, der weiß getünchte Ofen, über dem ein hölzerner Hirschkopf hing, und die vergilbten Fotografien von ehemaligen Gästen an den Wänden schafften in der Gaststube eine heimelige Atmosphäre.
