Skipping Christmas: Ein CEO zu Weihnachten - Daniela Felbermayr - E-Book
SONDERANGEBOT

Skipping Christmas: Ein CEO zu Weihnachten E-Book

Daniela Felbermayr

0,0
3,99 €
Niedrigster Preis in 30 Tagen: 3,99 €

oder
-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.
Mehr erfahren.
Beschreibung

Nachdem Carrie Tanner genau an Weihnachten von ihrem Freund verlassen worden ist, hat sie die Nase voll von Feiertagen, Weihnachtsliedern und Geschenkeshopping und will Weihnachten einfach nur ausfallen lassen. Ihr bester Freund und Boss Lewis überredet sie dazu, mit ihm gemeinsam in die Berge zu fahren, wo er ein paar schöne Tage mit seiner neuen Freundin Ashley verbringen will. Carrie soll einstweilen Ashleys unter Liebeskummer leidenden Bruder Lee bei Laune halten. Als ein Schneesturm ausbricht und Carrie und Lewis plötzlich auf Ashleys Anwesen eingeschneit werden, wird Carrie bewusst, dass Lewis viel mehr für sie bedeutet, als sie all die Jahre geglaubt hat. Doch Lewis hat nur Ashley im Sinn - inklusive den Heiratsantrag, den er ihr an Heiligabend unbedingt machen will und für den er Carries Hilfe braucht. Also beschließt Carrie, dass die Gefühle für ihren Boss absolut tabu sind. Dass das nicht lange gutgehen kann, liegt auf der Hand, oder?

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Skipping Christmas

EIN CEO ZU WEIHNACHTEN

DANIELA FELBERMAYR

Copyright © 2022 Daniela Felbermayr

1. Auflage, 2022

Text & Titel: Daniela Felbermayr

Cover: canva.com

unter der Verwendung von Shutterstock

All rights reserved.

www.danielafelbermayr.com

[email protected]

https://www.danielafelbermayr.com/newsletter/

Folgen Sie mir auf Facebook oder Instagram oder melden Sie sich zum Newsletter an!

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung der Autorin. Personen und Handlungen aus diesem Roman sind frei erfunden, Ähnlichkeiten mit oder Bezüge zu real existieren Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt. Markennamen und Warenzeichen, die in diesem Buch vorkommen, sind Eigentum ihrer rechtmäßigen Besitzer.

Inhalt

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Epilog

Prolog

Also, deine Eltern reisen am vierundzwanzigsten an und meine am zweiundzwanzigsten. Meine Schwester kommt am dreiundzwanzigsten und deine Brüder ebenfalls. Lewis kommt am fünfundzwanzigsten, wenn er nicht mit einer seiner Frauenbekanntschaften beschäftigt ist und Weihnachten wieder einmal ausfallen lässt.“

Carrie Tanner hatte alles unter Kontrolle und wie jedes Jahr kurz vor Weihnachten hatte sich in ihrem Bauch dieses warme, weiche, angenehme Gefühl ausgebreitet, das sie schon geliebt hatte, als sie noch ein kleines Mädchen war und es langsam auf Heiligabend zuging. Wenn die Welt ein kleines bisschen achtsamer wurde, das Tempo reduzierte. Wenn die Stadt unter einer Schneedecke eingehüllt wurde und die Menschen ein bisschen zusammenrückten. Jetzt, mit vierunddreißig hatte sich an ihrer Liebe zu den Festtagen nichts geändert und je näher das Fest der Feste rückte, umso mehr verwandelte sie sich in ein aufgeregtes, kleines Mädchen, das es nicht erwarten konnte, am Weihnachtsmorgen aus dem Bett zu kommen und hinunter ins Erdgeschoss zu laufen, um zu sehen, ob Santa schon da gewesen war und Geschenke unter den Baum gelegt hatte. Dieses Gefühl war eine Mischung aus nostalgischer Erinnerung, Wohlgefühl und Familiensinn, das sie im Dezember einhüllte. Und mit jedem Jahr freute sie sich erneut auf das Fest der Liebe. Schon Monate im Voraus plante sie, kaufte Geschenke ein und ließ Grußkarten drucken. Sie machte sich bereits im August darüber Gedanken, wer sich worüber freuen würde, wälzte Plätzchenrezepte im September und dachte sich ein Dekorationskonzept im Oktober aus. Den ganzen November über war sie damit beschäftigt, sich auf den Tag nach Thanksgiving vorzubereiten, an dem traditionell die Weihnachtszeit begann, sie den Baum schmückte und die Weihnachtsdeko mitsamt der Lichter anbrachte. Ab diesem Zeitpunkt war ihr Haus von Plätzchenduft umgeben und im Kühlschrank stand immer ein frischer Krug Eggnogg. Sie war eine der ersten, die sehnlichst auf die Schokoladenlebkuchen wartete, die in den Läden schon im Spätsommer angepriesen wurden und machte sich manchmal schon im Sommer daran, den Weihnachtsbrief zu verfassen.

Das Weihnachtsfest in diesem Jahr sollte ein ganz besonderes werden. Es war das erste Fest, das sie und ihr Freund Brian in ihrem gemeinsamen Haus feierten. Sie waren lange auf der Suche nach dem passenden Zuhause gewesen, hatten Liegenschaften besichtigt und langsam aber sicher geglaubt, dass es nirgendwo das Haus für sie gab. Und sie hatten wieder und wieder abgewogen, ob es für sie auch wirklich an der Zeit war, sich ein gemeinsames Haus zu kaufen, immerhin waren sich noch nicht verheiratet. Aber sie waren seit sechs Jahren ein Paar, und das kleine Appartement in Queens, in das Carrie mit Mitte zwanzig eingezogen war, und das sie und Brian seit nunmehr fünf Jahren teilten, war mittlerweile nicht mehr nur zu klein, es war auch nicht mehr ganz der Stil von zwei Mittdreißigern, die ihr Leben ziemlich gut im Griff hatten. Dann war Carrie eines Abends, als sie auf Rückweg von ihren Eltern war, wegen einer Umleitung, kombiniert mit ihrer Orientierungslosigkeit falsch abgebogen und schließlich – anstelle auf dem Turnpike Richtung Queens – auf der Schnellstraße gelandet, die nach Long Island führte und ehe sie sichs versah, fuhr sie durch eine kleine, beschauliche Wohnsiedlung, in dem ein Haus mit einem „Zu Verkaufen“-Schild stand, das ihre Aufmerksamkeit auf sich zog. Es war, als hätte das Haus Carrie magisch angezogen und noch bevor sie es sich näher angesehen hatte, wusste sie, dass dies das Haus war, in dem sie alt werden wollte. Es war mit roten Ziegeln im Kolonialstil erbaut, hatte drei Stockwerke und einen großen Garten. Saubere weiße Fensterläden ließen es freundlich und ordentlich wirken und der Sockel des Hauses war mit hübschen Blumenrabatten geschmückt. Mit einem Moment brachen tausend Gedanken über Carrie herein. Sie sah, wie sie und Brian im Sommer ein Barbecue veranstalteten, wie sie im Herbst mit einem Glas Wein auf der Veranda saßen und die letzten warmen Tage genossen und wie sie im Winter im Garten einen Schneemann bauten. Sie malte sich aus, wie ein großer Weihnachtskranz an der Tür prangte und wie hübsch das Haus aussehen würde, wenn es erst mit Lichterketten dekoriert war und ein großer, aufblasbarer Weihnachtsmann mit Rentiergespann im Garten, und ein Frosty auf dem Dach, stand. Ohne sich mit Brian abzusprechen, rief sie die Nummer an, die auf dem Zu-Verkaufen-Schild angegeben war und vereinbarte für den übernächsten Tag einen Besichtigungstermin.

Seither waren nun drei Monate vergangen. Sie und Brian hatten ihr neues Haus bezogen und es langsam aber sicher zu einem Zuhause gemacht. Dass das erste Weihnachtsfest mit allen Familienmitgliedern bei Carrie und Brian stattfinden sollte, lag eigentlich auf der Hand und Carrie war sich sicher, dass Brian ihr diese Weihnachten die Frage aller Fragen stellte und um ihre Hand anhielt. Es war der richtige Zeitpunkt, es konnte keinen besseren geben. Sie waren seit über sechs Jahren zusammen, hatten den nächsten Schritt mit einem eigenen Haus gewagt und … sie waren bereit, zu heiraten. Außerdem, seit sie in das Haus gezogen waren, hatte ihre Beziehung sich noch intensiviert, sie hatten schon öfters übers heiraten gesprochen und eigentlich war es nur noch eine Frage der Umstände, bis sie es öffentlich machten. Die große Weihnachtsfeier im Rahmen ihrer gesamten Familie und all ihrer Freunde würde den perfekten Rahmen für einen Antrag darstellen. Ein weiteres Indiz dafür, dass Brian etwas im Schilde führte, war überdies, dass er seit ein paar Wochen ziemlich nervös zu sein schien. Er plante etwas, soviel war klar.

„Dann haben wir ja richtig Glück, dass wir diesen einen Abend heute noch für uns haben, ehe die Meute einfällt“, lachte Brian und trank einen Schluck Wein. Er zwinkerte Carrie zu und sie erwiderte sein Lächeln. In den letzten Wochen hatte sich ihre Beziehung noch einmal intensiviert. Sie hätte gelogen, hätte sie behauptet, die vergangenen sechs Jahre wären immer nur rosig gewesen. Sie hatten, wie alle anderen Paare auch, ab und zu zu kämpfen gehabt, aber die Kurve immer wieder gekriegt. Und in den vergangenen Monaten – seit die Sache mit dem Haus begonnen hatte, Ernst zu werden, hatte auch Brian sich verändert. Er war lockerer geworden. Netter und aufmerksamer. Es schien fast so, als hätte das Haus in der 1842 Gerardstreet auf Long Island einen guten Einfluss auf ihn. Sie kicherte in sich hinein. Besser, als wenn es den Einfluss auf ihn hatte, dass das Haus in 112 Ocean Avenue in Amityville auf seine Eigentümer gehabt hatte.

Sie hatten einen Tisch im „La Maison“, ihrem Lieblingsrestaurant reserviert und wenn sie ehrlich war, glaubte Carrie, dass es gut möglich war, dass Brian sie noch an diesem Abend fragte, ob sie seine Frau werden wollte. Sie nahm ebenfalls einen Schluck. Trotz des Stresses der letzten Tage war Brian unglaublich gut gelaunt, riss Scherze und hatte immer ein Lächeln auf den Lippen. Das verwunderte Carrie, denn bisweilen war Brian jemand, der mit Stress nicht so gut umgehen konnte und oftmals unfreundlich reagierte. Früher hatte nur eine Kleinigkeit gereicht, um ihn aus der Fassung zu bringen, doch seit ein paar Wochen, seit sie in ihr Haus gezogen waren, hatte er sich verändert und war völlig entspannt. Und obwohl sein Handy fast in einem durch bimmelte, permanent E-Mails und SMS-Nachrichten aus dem Büro eintrudelten – Brian arbeitete als Reporter für die Manhattan Today – ließ er sich die Feiertagslaune dieses Jahr nicht vermiesen. Das Haus tat ihm also genauso gut, wie ihr, stellte Carrie fest.

Sie wollte ihm gerade sagen, dass sie unglaublich glücklich war, mit ihm an ihrer Seite und in diesem perfekten Haus und dass sie sich sehr darauf freute, die Festtage mit ihren Familien zu verbringen, als Brians Handy neuerlich eine SMS vermeldete. Sie war etwas genervt davon, dass er das Handy noch nicht einmal während des Essens beiseitelegen konnte, sagte aber nichts. Ausgerechnet heute bimmelte es wirklich in einem durch, aber es war die Vorweihnachtszeit und gerade jetzt passierte eben überall in der Welt etwas, worüber Manhattan Today berichten musste. Sie wollte die gute Stimmung nicht unnötig belasten und außerdem stand ihr ein schöner, langer Weihnachtsurlaub mit Brian bevor, den sie nicht mit einem Streit beginnen wollte.

„Schon wieder die Redaktion?“, fragte sie.

„Da kannst du mal sehen, wie begehrt ich bin, Baby“, grinste Brian.

„Ich liebe eben den Besten, du bist für die Redaktion unentbehrlich“, scherze Carrie.

„Liegt vermutlich daran, dass der Rest der Truppe mit Grippe im Bett liegt“, sagte Brian, während er sein Smartphone aus der Tasche zog und die SMS öffnete.

Im nächsten Moment gefror seine Mine. War sie zuvor noch warm, herzlich und entspannt gewesen, so hatte sie sich binnen Sekunden in eine starre Maske verwandelt, die fast verzerrt wirkte. Brians Gesichtsfarbe kam ihm abhanden und seine Augen starrten ungläubig auf den Bildschirm seines Handys.

„Ist ... ist alles in Ordnung?“ In Carrie breitete sich ein mulmiges Gefühl aus.

„Muss mal telefonieren“, sagte Brian kurz angebunden, während er vom Tisch stürzte und sich rüde zwischen den Gästen hindurch nach draußen drängte. Ein Kellner hätte fast sein Tablett fallen lassen und eine Frau wurde von Brian grob angerempelt. Carrie sah ihm nach. Das mulmige Gefühl in ihrem Bauch hatte sich verstärkt. War etwas Schlimmes passiert? Mit seiner Familie? Seiner Mutter oder seinem Vater? Oder gab es einen Notfall im Büro? Vor der Fensterfront des „La Maison“ tauchte Brian auf, der wild gestikulierte und ziemlich aufgebracht ins Telefon schrie. Er wirkte – gottseidank – nicht wie jemand, der gerade eine schlimme Nachricht, seine Familie betreffend erhalten hatte, viel eher wie jemand, der mit Büroproblemen zu kämpfen hatte. Er sah fast verzweifelt aus. Fuhr sich mit einer Hand durchs Haar und warf den Kopf in den Nacken. Er hatte ihr in den letzten Wochen oft erzählt, dass der neue Praktikant, dem man ihm zugeteilt hatte – Jamie – ein Idiot war. Jamie war auch der Grund für die vielen Überstunden, die Brian machen musste, weil er es kaum schaffte, eine noch so einfache Aufgabe halbwegs anständig auszuführen und Brian immer nachbessern, oder ihm in letzter Sekunde den Arsch retten musste. Er war nicht in der Lage, den Kopierer zu bedienen, legte Akten falsch ab, hatte das Computersystem schon zweimal zum Absturz gebracht und machte immer viel zu lang Pause. Dass er immer noch für die Redaktion arbeitete, lag darin begründet, dass sein Onkel Teilhaber an Manhattan Today war und es vermutlich ein mittleres Erdbeben ausgelöst hätte, hätte man Jamie entlassen.

Nach einer gefühlten Ewigkeit kam Brian mit hochrotem Kopf zurück ins Restaurant. Es war fast, als wäre der Mann, der jetzt gegenüber von Carrie Platz nahm, ein ganz anderer, als der, der von wenigen Minuten noch hier gesessen hatte. Sein Blick war abwesend, voller Wut und gleichzeitig so schockiert, als habe man ihm eine Nachricht überbracht, die ihm den Boden unter den Füßen weggezogen hatte. Hatten sie noch vor wenigen Minuten über Weihnachten gesprochen und gescherzt, so schien dieses Gespräch Millionen Jahre entfernt zu sein.

„Ist alles in Ordnung?“

Carrie sah Brian besorgt an, der sein Essen ignorierte, das vor ihm auf dem Teller kalt wurde. Er antwortete nicht.

„Brian, um Himmels Willen, was ist los?“

Er sah sie an. Er sah sie viel zu lange an, durchbohrte sie förmlich mit seinem Blick und machte keinen Mucks.

„Gar nichts. Genießen wir diesen schönen Abend und unser schönes Leben, das wir uns geschaffen haben“, sagte er mit ironischem Unterton, bevor er begann, sein Filet Wellington in sich hineinzuschaufeln wie ein Neandertaler, der noch nie zuvor mit Messer und Gabel gegessen hatte. Er schob sich einen Bissen nach dem anderen in den Mund, schaufelte Kartoffelbrei nach, kaute mit offenem Mund und schluckte viel zu große Brocken hinunter. Carrie schüttelte den Kopf, während er sein Glas Wein in sich hineinschüttete, sich frischen Wein eingoss und gar nicht darauf achtete, dass er das Tischtuch mit Merlot tränkte. Er rief den Kellner herbei und bestellte einen großen doppelten Scotch ohne Eis. Carrie kam der irrsinnige Gedanke in den Sinn, dass Brian mit einem doppelten Scotch im Blut nicht mehr in der Lage sein würde, nach Hause zu fahren. Sein Blick war immer noch abwesend und Carrie erkannte eine Art Hilflosigkeit darin, die aber von all der Wut und der Ohnmacht überdeckt wurde.

„Brian, um Himmels Willen, was ist passiert?“, fragte Carrie eindringlich, nachdem der Kellner den Scotch gebracht und Brian ihn in einem Zug hinuntergekippt hatte. Ihr Herz raste und sie fühlte sich hilflos. Brian war schon öfters jemand gewesen, der seine Emotionen schwer im Griff hatte und der hin und wieder überreagierte. Aber so wie jetzt hatte sie ihn in all den Jahren ihrer Beziehung noch nie erlebt. Er war zum Explodieren angespannt, seine Mine eine Mischung aus Hilflosigkeit, Wut, Panik und Schock. Carrie war in der Beziehung der beiden der Fels in der Brandung und der Ruhepol und bisher war es ihr auch immer gut gelungen, Brian wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen, wenn die Emotionen mit ihm durchgingen. Doch jetzt … schien es so, als hätte sie den Zugang zu ihm völlig verloren. Und sie wusste noch nicht einmal, was überhaupt passiert war. Auffordernd sah sie ihn an, versuchte, ihn mit ihren Augen einzufangen. Jetzt erst sah Brian auf und erwiderte ihren Blick. Ein kalter Schauer lief ihr über den Rücken. Noch nie hatte sie Brian in einer derartigen Verfassung erlebt, wie jetzt. Er wirkte wie ein Vulkan, der kurz vor dem Ausbruch stand und alles, was sich ihm in den Weg stellte, niedermetzeln würde.

„Was los ist, willst du wissen?“ Sein Atem ging stoßweise, so, als wäre er gerade einen Marathon gelaufen. Oder kurz davor, einen Herzanfall zu bekommen.

Wortlos nickte Carrie, während Brian sie einige Sekunden lang eindringlich ansah.

„Ich werde Vater“, sagte er dann.

KapitelEins

Carrie warf die Tür ihres Büros zu und versuchte, sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren, doch die glöckchengeschwängerte Melodie von „All I want for Christmas is you“, war immer noch deutlich hörbar. Gepaart war die Melodie mit Gelächter und Gekicher, ab und zu wurden Gläser aneinandergestoßen. Genervt rollte sie mit den Augen. Diese blöde Weihnachtsparty. Warum man die immer noch unbedingt in der Firma abhalten musste und nicht, wie jedes andere Unternehmen auf dieser Welt, eine Bar oder ein Restaurant dafür mieten konnte, konnte sie nicht nachvollziehen. Und dann auch noch die Anwesenheitspflicht.

„Dass Sie sich ja nicht davor drücken, Miss Tanner“, hatte Al Green, einer der Aufsichtsräte gesagt, als er ihr am Morgen über den Weg gelaufen war.

„Ich weiß nicht, ob ich es schaffe“, hatte sie geantwortet und händeringend nach einer Ausrede gesucht, wo der Plan doch eigentlich war, das Büro nach Dienstschluss zu verlassen und sich im Jogginganzug und mit einer Pizza auf dem Schoß irgendwelche alten Serien anzusehen, wie sie es das letzte Jahr über fast täglich getan hatte.

„Miss Tanner, ich bestehe darauf, dass Sie an der Weihnachtsparty teilnehmen“, sagte Green, „wir haben sie im letzten Jahr bei keiner einzigen Firmenveranstaltung gesehen. Sie waren nicht am Frühlingsball und nicht auf dem Sommerfest. Und die Kürbisparty im Oktober haben sie ebenfalls geschwänzt. Es gehört ebenfalls zu ihren Pflichten als Assistentin des CEO, die gesellschaftlichen Termine des Büros wahrzunehmen, als nur die berufsbedingten. Es werden einige Geschäftspartner hier sein, die sie bestimmt gerne sehen, und sich mit ihnen unterhalten würden. Networking ist ziemlich wichtig, heutzutage. Außerdem … wenn Sie hier Karriere machen möchten, kommen Sie um Feste wie die Weihnachtsparty ohnehin nicht herum. Das hat alles mit Partnerbindung zu tun, verstehen Sie? Und gerade als Assistentin von Mr. Garner, der neuer CEO der Firma ist, sollten Sie sich immer vor Augen halten, dass Ihre Anwesenheit hier praktisch verpflichtend ist. Sie sind sowas wie das Aushängeschild der Firma. Die Assistentin auf ihrer Position ist mindestens so wichtig wie der Chef selbst.“ Al Green hatte ihr zugezwinkert und war dann abgedampft. Sie hatte versucht, Lewis, ihren besten Freund aus Kindertagen und mittlerweile auch ihren Boss, zu überreden, nicht an der Party teilnehmen zu müssen, doch Lewis meinte, gegen das Wort von Al wäre auch er machtlos. Erst recht, wo er gerade seit sechs Monaten CEO war und sich mit dem Aufsichtsrat gutstellen musste. Und dass es ja nicht schaden konnte, wenn Carrie wieder einmal unter Leute kam.

Zerknirscht hatte sie also zugesagt, die Weihnachtsparty zu besuchen, sich aber vorgenommen, sich in ihrem Büro einzuschließen und an den Präsentationen zu arbeiten, die Lewis bei seinen kommenden Terminen brauchen würde.

Sie hatte gerade noch eine Mail an einen Partner aus Florida geschrieben, als sie auf die Uhr sah. Es war kurz nach elf Uhr abends, die Party draußen war in vollem Gange, ein Großteil der Gäste hatte bereits deutlich zu viel Eggnogg getrunken und für sie war es jetzt Zeit, nach Hause zu gehen. Bereits, als sie angekommen war, hatte sie widerwillig eine Runde durchs Büro gedreht, allen „wichtigen“ Personen, allen voran Al Green, die Hand geschüttelt und kurz Smalltalk gemacht, der sie an den Rand des Wahnsinns gebracht hatte. Alle hatten sie gefragt, wie sie denn die Feiertage verbringen würde, ob sie und ihr Verlobter mit der Familie feiern würden und was sie sich denn von Santa wünschte. Immer und immer wieder hatte Carrie dann ihre einstudierten Antworten, dass sie ein ruhiges Fest bevorzugte und nichts Besonderes geplant hatte, herabgespult und artig zugehört, wie die anderen von pompösen Familienfesten, Anreisen quer durchs ganze Land und Stille Nacht im Kreise der Liebsten erzählten. Eine solche Runde stand ihr jetzt auch noch einmal bevor. Sie würde durchs Büro laufen, ein Glas Sekt hinunterkippen, sich vielleicht auf einem Foto ablichten lassen, sich bei Al Green verabschieden und dann … endlich nach Hause fahren und Weihnachten hinter sich lassen. Sie würde Weihnachten schwänzen. Wieder einmal. Das Fest widerte sie an. Ständig fragte man sie, ob sie sich denn schon auf die Feiertage freute und wo sie das Fest verbringen würde. Früher wäre sie dabei ins Schwärmen geraten, hätte lang und breit von den Vorbereitungen und von den Plänen erzählt, die sie für das Fest hatte. Von Geschenken und Rezepten, die sie ausprobieren wollte, und von der Challenge, alle Verwandten so auf die Gästezimmer im Haus aufzuteilen, dass jeder am Ende des Tages auch ein Bett hatte. Doch jetzt … war sie froh, wenn der ganze Zauber vorbei war und die Welt wieder in den Alltag überging.

„Bei meiner Familie in Connecticut“, log sie immer, wenn jemand sie nach ihren Plänen für Weihnachten, und wo sie das Fest verbringen würde, fragte. Hätte sie die Wahrheit gesagt, nämlich, dass sie sich die Feiertage über einschließen und sämtlichen Weihnachtskram aussperren würde, um auf den 2. Januar zu warten, bis der ganze Trara vorüber war und die Welt sich wieder normalisierte, hätte man sie wohl ziemlich schief angesehen. Hätte sie dann noch erwähnt, dass ihre Beziehung vor genau einem Jahr wegen einer Frau namens Jamie zerstört worden war, die ihr Freund als inkompetenten, männlichen Praktikanten beschrieben hatte, die dann aber ein Baby von ihm erwartet hatte, wären ihr mitleidige Blicke gewiss gewesen.

Seit dem verhängnisvollen Abend im „La Maison“ hatte sich Carries Leben völlig verändert. Als Brian ihr damals, kurz vor Weihnachten, eröffnet hatte, dass er Vater wurde, hatte sie das zunächst für einen dummen Scherz gehalten. Brian konnte gar nicht Vater werden, wenn sie nicht schwanger war. Und wenn sie nicht schwanger war … Ihr Gehirn hatte eine ganze Weile gebraucht, um zu fassen, was der Mann, mit dem sie bis dato sechs Jahre lang Tisch und Bett geteilt hatte, ihr in dem Moment zu sagen versuchte. Doch dann hatte er ihr reinen Wein eingeschenkt. Jamie war nicht der tollpatschige, übergewichtige Praktikant der Redaktion, der es mit Körperpflege nicht so genau nahm, sondern eine siebenundzwanzigjährige Reporterin, die bei Manhattan Today angefangen und Gefallen an Brian gefunden hatte. Er erzählte Carrie, dass es ganz harmlos angefangen hatte, dass sie sich hin und wieder Ratschläge bei ihm geholt hatte und dass sie ab und zu gemeinsam zum Mittagessen gegangen waren, keine große Sache. Eines Tages hatte es wohl von einer Sekunde zur nächsten gefunkt und obwohl Brian noch versucht hatte, seine Gefühle für Jamie zu unterdrücken, lief zwischen den beiden seit knapp vier Monaten etwas. Etwas Ernstes. Vier Monate. Carrie war fast in Ohnmacht gefallen, bei dem Gedanken daran, dass er bereits mit einer anderen geschlafen – und sie vermutlich sogar bereits geschwängert gehabt hatte - während sie beide ihr Haus gekauft und es bezogen hatten. Er erklärte ihr immer und immer wieder, dass er zunächst versucht hatte, Jamies Annäherungsversuche zu ignorieren, doch als man die beiden dann im September gemeinsam nach Fort Lauderdale zu einem Kongress geschickt hatte, konnte er nicht mehr an sich halten.

---ENDE DER LESEPROBE---