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Diese Frau soll kühl und zurückhaltend sein? Niemals, denkt Joffrey als er Marisa in den Armen hält…
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Seitenzahl: 159
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Marie Cordonnier
So sinnlich und so zärtlich
Roman
Die Maschine legte sich in eine Linkskurve. Statt Himmel sah Marisa im gegenüberliegenden Kabinenfenster nun das Patchworkmuster der Pariser Vorstädte. Sie schluckte angestrengt und umklammerte mit beiden Händen ihre Sitzlehnen. Hoffentlich merkte man ihr nicht an, dass sie vor Angst halb umkam.
Lächerlich. Da saß sie nun mit ihren fast 29 Jahren, dem abgeschlossenen Jurastudium, einem Super Job und einem Auftrag, um den sie jedes Mitglied der Rechtsabteilung vonHancott-Beautyglühend beneidete, und was tat sie? Sie fürchtete sich wie ein kleines Mädchen, das im Dunkeln allein in den Keller gehen sollte. Verflixt, wie sie das Fliegen hasste!
Ein gedämpfter Klingelton unterbrach ihre Gedanken. Die Leuchtschriftmahnung, sich anzuschnallen und nicht zu rauchen, erlosch. Sie waren auf Reisehöhe angelangt. In einer guten Stunde würde das Flugzeug auf dem Flughafen von Nizza wieder aufsetzen, und die lange Reise aus New York war endlich zu Ende.
Sie versuchte sich zu entspannen, an schöne Dinge zu denken. Flugangst war ein psychologisches Problem, man musste sie einfach vergessen! Marisa bewegte unbehaglich die Schultern unter der grauen Jacke ihres Flanellkostüms. Für einen kühlen Frühlingstag in Manhattan war es genau das Richtige gewesen. Inzwischen klebte ihre Bluse zwischen den Schulterblättern. Der Frischluftstrom aus der kleinen Düse schräg über ihr brachte kaum Erleichterung. Sollte sie die Jacke ausziehen?
Besser nicht. Der Mann an ihrer Seite starrte sowieso schon ständig herüber. Wenn sie nur noch die apricotfarbene Seidenbluse trug, würden ihm vermutlich die Augen aus dem Kopf fallen. Marisa hatte sich in den vergangenen Jahren an diese Reaktion des männlichen Geschlechts mit einer Mischung aus Spott und Ungeduld gewöhnt. Ganze 165 cm groß, besaß sie eine zierliche Figur mit langen, schlanken Beinen und einer knabenhaft winzigen Taille. Um so überraschender war daher ihr wohlgeformter, üppiger Busen. Als Teenager hatte sie sich wegen ihres Umfangs geschämt und sogar von einer Operation geträumt. Mittlerweile hatte sie sich mit ihm abgefunden, wenngleich nicht begeistert. Sie trug am liebsten lose Jacken, weite Pullis und großzügig geschnittene Blusen. Auch jetzt schwitzte sie lieber, als sich noch intensiveren Blicken auszusetzen. Sie zwang sich, eine Gelassenheit vorzutäuschen, die sie nicht empfand.
»Diese Maschinen sind leider schrecklich überheizt, nicht wahr? Wenn Sie Ihre Jacke ablegen möchten, ich kann sie gut noch im Gepäckfach unterbring... «
Marisa schüttelte kühl den Kopf. Konnte der Mann neben ihr Gedanken lesen?
»Nein, nein... vielen Dank! «
Sie fixierte den Wolkenteppich draußen, der Ähnlichkeit mit einem glitzernden Schneefeld in den Rocky Mountains hatte. Sie hatte keine Lust, eines dieser belanglosen Gespräche unter Reisenden zu beginnen. Trotzdem setzte ihre Phantasie noch einmal das Gesicht ihres Nachbarn zusammen, in das sie eben geschaut hatte. War es nun schön oder hässlich? Schwer zu sagen.
Graue Augen unter dichten, buschig schwarzen Brauen, die Haare ebenfalls rabenschwarz und sehr kurz. Eine
prägnante Adlernase, ein lächelnder sympathischer Mund. Scharf eingeschnittene Falten erschwerten es, das Alter des Mannes genau einzuschätzen. Irgendwo zwischen 35 und 45. Ein Franzose offensichtlich. Das erklärte sein eher südländisches Aussehen und die schnelle, akzentfreie Sprache. Nein, schön war er nicht, auch nicht gerade attraktiv, aber faszinierend männlich!
Lieber Himmel, wohin verirrten sich ihre Gedanken? Als ob sie nicht schon genügend Probleme mit Männern hätte! Besonders mit einem Mann, Don Markson. Der Streit mit ihrem Freund hatte den Abschied von New York überschattet. Warum wollte er sich mit ihrer Beziehung nicht zufrieden geben, so wie sie war? Sie hatte nun einmal keine Sehnsucht nach einem Ehering und dieser so genannten Ordnung in ihrem Leben, die er anpries wie ein besonders leistungsfähiges Staubsaugermodell! Und dies hatte sie ihm mehr als deutlich zu verstehen gegeben. Die hässliche Szene lief wie ein Film vor ihrem geistigen Auge ab. Dons Worte drangen klar und beleidigt durch ihre Erinnerung: »Gegen dich ist der Nordpol eine Dschungelregion, Marisa Hancott. Ich habe den Eindruck, du hältst mich für so eine Art pflegeleichten Schmusebär. Ein Plüschtier, das du dir bei Bedarf zum Kuscheln leistest und danach in die Ecke stellst. Dein Pech, dass ich sprechen kann und mich gegen diese Behandlung wehre. Kommt das Wort Liebe in deinem persönlichen Wörterbuch überhaupt vor? «
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
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