Sternkreuzer Proxima - Ein neuer Aufbruch - Dirk van den Boom - E-Book

Sternkreuzer Proxima - Ein neuer Aufbruch E-Book

Dirk van den Boom

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Beschreibung

Schicksalsmission jenseits der Grenzen der bekannten Galaxis! Der verheerende Bürgerkrieg ist vorbei - zumindest vorerst. Die alte Republik liegt in Schutt und Asche. Die Nachkriegsordnung hängt vor allem von einer Frage ab: Wer kann sich als erster überlegene außerirdische Technologie sichern? Denn die terranische Zivilisation ist nicht allein im Universum! Die außerirdische KI Caliban hat Captain Zadiya Ark und die Proxima um Hilfe bei einem verheerenden Konflikt in ihrem Heimatsystem gebeten. Unter der Flagge von Arks Heimat Khalid soll die Proxima mit dieser Mission auch einen essentiellen Wissensvorsprung sichern. Doch die Terranische Republik ist ebenfalls interessiert: Admiral Bonet beauftragt Captain Gerard Kraus - und beide haben noch eine Rechnung mit Zadiya Ark offen ... Wer gewinnt das Wettrennen mit unbekanntem Ziel? Was wird die Terraner dort erwarten? Und warum sollen ausgerechnet die technologisch unterlegenen Menschen in der Lage sein, den Konflikt unter den Aliens zu beenden? Die Fortsetzung von "Sternkreuzer Proxima" von Dirk van den Boom verspricht erneut packende Action, hintergründigen Humor und einfach gut durchdachte Military-SF! Folge 7: Die Mission der Proxima steht unter einem schlechten Stern: Kurz vor dem Start erschüttert ein Anschlag die Basis auf Khalid. Captain Ark und ihre Crew müssen überhastet aufbrechen. Captain Kraus und die Terraner sind der Proxima auf den Fersen - dank gestohlener außerirdischer Antriebstechnologie. Doch ist diese zuverlässig? Zum Testen war kaum Zeit ... eBooks von beBEYOND - fremde Welten und fantastische Reisen.

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Inhalt

CoverSternkreuzer Proxima – Die SerieÜber diese FolgeÜber den AutorTitelImpressum123456789101112131415

Sternkreuzer Proxima – Die Serie

Der verheerende Bürgerkrieg ist vorbei – zumindest vorerst. Die alte Republik liegt in Schutt und Asche. Die Nachkriegsordnung hängt vor allem von einer Frage ab: Wer kann sich als erster überlegene außerirdische Technologie sichern? Denn die terranische Zivilisation ist nicht allein im Universum!

Die außerirdische KI Caliban hat Captain Zadiya Ark und die Proxima um Hilfe bei einem verheerenden Konflikt in ihrem Heimatsystem gebeten. Unter der Flagge von Arks Heimat Khalid soll die Proxima mit dieser Mission auch einen essentiellen Wissensvorsprung sichern. Doch die Terranische Republik ist ebenfalls interessiert: Admiral Bonet beauftragt Captain Gerard Kraus – und beide haben noch eine Rechnung mit Zadiya Ark offen …

Wer gewinnt das Wettrennen mit unbekanntem Ziel? Was wird die Terraner dort erwarten? Und warum sollen ausgerechnet die technologisch unterlegenen Menschen in der Lage sein, den Konflikt unter den Aliens zu beenden?

Die Fortsetzung von »Sternkreuzer Proxima« von Dirk van den Boom verspricht erneut packende Action, hintergründigen Humor und einfach gut durchdachte Military-SF!

Über diese Folge

Die Mission der Proxima steht unter einem schlechten Stern: Kurz vor dem Start erschüttert ein Anschlag die Basis auf Khalid. Captain Ark und ihre Crew müssen überhastet aufbrechen. Captain Kraus und die Terraner sind der Proxima auf den Fersen – dank gestohlener außerirdischer Antriebstechnologie. Doch ist diese zuverlässig? Zum Testen war kaum Zeit …

Über den Autor

Dirk van den Boom (geboren 1966) hat bereits über 100 Romane im Bereich der Science-Fiction und Fantasy veröffentlicht. 2017 erhielt er den Deutschen Science Fiction Preis für seinen Roman »Prinzipat«. Zu seinen wichtigen Werken gehören der »Kaiserkrieger-Zyklus« (Alternative History) und die Reihe »Tentakelkrieg« (Military SF). Dirk van den Boom ist darüber hinaus Berater für Entwicklungszusammenarbeit, Migrationspolitik und Sozialpolitik sowie Professor für Politikwissenschaft. Er lebt mit seiner Familie in Saarbrücken.

DIRK VAN DEN BOOM

EIN NEUER AUFBRUCH

Folge 7

Originalausgabe

»be« – Das eBook-Imprint der Bastei Lübbe AG

Copyright © 2021 by Bastei Lübbe AG, Köln

Textredaktion: Uwe Raum-Deinzer

Lektorat/Projektmanagement: Lukas Weidenbach

Covergestaltung: Massimo Peter-Bille unter Verwendung von Motiven von © Arndt Drechsler

eBook-Erstellung: hanseatenSatz-bremen, Bremen

ISBN 978-3-7517-1517-1

be-ebooks.de

lesejury.de

1

»Ist sie nicht wunderschön?«

Simmons’ Stimme hatte etwas Schwärmerisches, und sein Gesicht wirkte unnatürlich weich im Licht der Kontrollen, die ein sanftes Netz bunter Effekte auf seine Haut zeichneten. Captain Zadiya Ark sah den Chefingenieur der Proxima halb amüsiert, halb gerührt an. Dieser Mann empfand hier ein echtes Gefühl, über das sie sich nicht lustig machen wollte, vor allem, da ihre eigenen Emotionen gar nicht allzu weit davon entfernt waren.

Wunderschön – das war allerdings dann doch nicht der Begriff, der ihr als Erstes eingefallen wäre. Aber die Ingenieure hatten es unbestritten geschafft, die Umbauten auf eine optisch gefällige Weise in die Gesamtlinie des Schiffes einzufügen. Die zusätzlichen Ausbuchtungen des neuen Tritranstriebwerks waren unverkennbar und gaben der alten Lady einen »dicken Hintern«, wie manche Crewmitglieder despektierlich sagten. Dass dieser aber zugleich eine technologische Innovation besonderer Qualität beherbergte, die der Proxima einen überlichtschnellen Flug mit einer Geschwindigkeit ermöglichen würde, die nie zuvor ein terranisches Schiff erreicht hatte, durfte man hierbei schon hervorheben.

Damit war die gute alte Proxima nicht nur das schnellste jemals von Menschen erbaute Schiff, sie war sogar schneller als die Caliban-Einheit, die ihnen diese Technologie gebracht hatte. Es war nicht einfach gewesen, dies zu erreichen. Pläne allein machten bekanntlich noch keine Technik, sondern es galt selbst für die Spezialisten, erst die dahinterstehenden physikalischen Prozesse zu verstehen. Caliban war freilich ein sehr geduldiger Lehrmeister gewesen, und da es hier um bereits erprobte Maschinen ging, musste nicht allzu viel experimentiert werden. Dennoch war es immer noch ein kleines Wunder, dass bisher alles so reibungslos vonstattengegangen war.

Die außerirdische Sonde würde den Rückweg quasi huckepack im Tritransfeld des Kreuzers mitmachen, und das würde eine Reise von vielen Monaten immerhin auf nur wenige Monate verkürzen. Es half sicher auch, dass sie im Gegensatz zur suchenden Sonde keine Umwege fliegen wollten.

Das war für Zadiya Ark das Wichtigste: das schnellste Schiff der ihr bekannten Galaxis! Wunderschön? Vielleicht nicht unbedingt. Wahrhaft beeindruckend? Ohne jeden Zweifel.

Das kleine Raumboot glitt langsam an der Hülle der Proxima entlang. Das Schiff wurde noch von einigen Wartungsgerüsten bedeckt, über deren automatische Magnetschienen Gerätschaften und Techniker an der Hülle entlangglitten. Denn obgleich der Kreuzer in drei Schichten umgebaut worden war und man in Rekordzeit geschafft hatte, wofür andere Monate einkalkuliert hätten, waren sie noch nicht ganz abflugbereit. Als ein Schatten auf die Hülle fiel, wandten sich Ark und Simmons gleichzeitig ab und erblickten die Sphäre der Caliban-Einheit. Sie schwebte keine eintausend Meter von der Proxima entfernt im All und sah aus wie ein Wachhund, der sein Territorium verteidigte. So falsch war diese Analogie gar nicht: Die Hilfe für den technologischen Sprung, den man auf Khalids Hauptwerft derzeit erlebte, war keineswegs uneigennützig erfolgt. Die Caliban-Einheit wünschte sich Hilfe, nicht für sich, sondern für jene, die sie hergeschickt hatten. Das war der Handel, den sie mit ihr eingegangen waren.

Auch Simmons schien in diesem Moment daran zu denken.

»Die Enthüllungen Calibans machen mir immer noch Angst, Captain«, sagte er leise, mit etwas belegter Stimme. »Er schilderte uns die Zustände in seinem Teil der Galaxis sehr eindringlich, und ich fühle mich hin- und hergerissen, was meine eigene Haltung dazu anbetrifft. Da ist auf der einen Seite diese wunderbare Utopie, von der er berichtet hat, diese Allianz ganz unterschiedlicher galaktischer Zivilisationen – aber dann ist da auch dieser harte Kontrast, ein Bürgerkrieg, in dem fast jeder gegen jeden kämpft. Und wenn auch nur die Hälfte von dem stimmt, was er uns erzählt hat, ist es sogar noch schlimmer gekommen: Im Verlaufe dieses furchtbaren Konflikts tauchten Menschen auf, die hinter vielen der Intrigen, Anschläge und Attentate zu stecken scheinen … ich kann das immer noch nicht begreifen.«

»Calibans Erbauer auch nicht, daher haben sie ihn ja losgeschickt, um nach jenen zu suchen, die ihnen anscheinend so viel Ärger bereiten«, erwiderte Ark ruhig. »Und wir müssen uns vor Augen führen, dass wir vermutlich noch nicht einmal die Hälfte der Geschichte kennen, Simmons. Wir wissen bislang nur von einem Krieg und einem Feind. Wappnen Sie sich also besser gleich für unliebsame Überraschungen.«

Der Feind. Caliban hatte ihnen detailliert von dem Krieg berichtet, von den Angreifern, die die Allianz schon dadurch in ihren Grundfesten erschüttert hatten, indem sie eine Zivilisation gegen die andere ausgespielt und gleichzeitig durch gezielte Attentate und Anschläge Unruhe in die gesellschaftlichen Fundamente gebracht hatten. Zweifellos eine sehr menschliche Taktik, ein Eindruck, der sich noch dadurch verfestigt hatte, dass Caliban zu berichten wusste, dass unter den Trümmern der wenigen Anschläge, die missglückt waren, menschlich aussehende Tote gefunden wurden. Wie sich herausgestellt hatte, waren dies Angehörige einer Zivilisation, die gerade weit entfernt in einen eigenen schweren Konflikt verwickelt war: die Menschheit!

Caliban war schließlich dorthin aufgebrochen. Er hatte ihnen beteuert, nicht zu den Menschen geschickt worden zu sein, um Entschädigung oder Bestrafung einzufordern, sondern allein um zu verstehen und, wenn möglich, Hilfe zu erhalten.

»Es erinnert mich an unsere alte Republik.« Simmons klang jetzt bitter. »Eine großartige Utopie, zerstört durch einen Bürgerkrieg. Den wir gerade erst beendet haben. Jetzt leckt die Menschheit ihre Wunden und denkt schon wieder an Aufbau – aber wir müssen losfliegen, mitten in den nächsten Konflikt dieser Art hinein. Ist es das wirklich wert?«

»Sie hätten auch um Versetzung bitten können.«

Simmons schüttelte in plötzlicher Empörung den Kopf. »Und Sie im Stich lassen, Captain? Ich mag vielleicht Angst haben, aber ich bin nicht ehrlos. Sie brauchen mich jetzt. Das dürfte doch wohl klar sein.«

Ark lächelte. Ein Ingenieur benötigte Selbstbewusstsein. Simmons war reichhaltig damit ausgestattet.

Der Mann hatte in allem, was er sagte, absolut recht. Eine große Reise voller Ungewissheiten, aber auch voller Hoffnung. Wenn der Blick in die auseinanderbrechende Terranische Republik schon nur schlechte Nachrichten enthüllte, war es naheliegend, nach schöneren Dingen weiter draußen Ausschau zu halten. Und damit war keineswegs ein weiterer Krieg gemeint, sondern – ganz pragmatisch – das Interesse der Regierung von Khalid an neuen Freunden, neuen Partnern, neuem Wissen. Es war an der Zeit, den Blick nicht mehr nur auf den eigenen Bauchnabel zu richten. Das hätte Ark jederzeit unterschrieben.

»Sie gehen heute Abend auch auf den Empfang, Simmons?«

Der Mann verzog das Gesicht und wischte dadurch das Andächtige wie auch das Sorgenvolle aus seinen Zügen. Er würde gleich seinem Missfallen wortreich Ausdruck geben, falls sie ihn dazu aufforderte. Aber Zadiya Ark musste sich den ganzen Tag über schon genug Gejammere von Leuten anhören, die an irgendeiner Kleinigkeit etwas auszusetzen hatten. Sie brauchte jetzt wirklich keine weitere Dosis davon.

Rasch fügte sie hinzu: »Schon gut, Simmons, Sie müssen nichts weiter sagen. Es ist eine politische Einladung. Der Rat von Khalid steht vor den ersten Wahlen nach der Trennung von der Republik. Die politische Lage ist nicht so stabil, wie wir das gerne hätten. Da steht für alle Kandidaten einiges auf dem Spiel. Wir sollen der ganzen Gala einfach zusätzlichen Glanz verleihen.«

Simmons zeigte mit beiden Händen auf sich selbst. »Das hier soll Glanz verleihen?«

Ark verstand, was er meinte, äußerte sich aber lieber nicht dazu. »Sie könnten ihre Ausgehuniform anziehen. Sie haben doch die neuen Embleme und Abzeichen?«

Simmons knurrte etwas. Natürlich waren auch ihm die neuen Symbole der Flotte Khalids übergeben worden, in deren Dienste er nunmehr getreten war. Um zu vermeiden, dass man an alle völlig neue Uniformen austeilen musste, war man pragmatisch vorgegangen: Die Monturen blieben gleich, und man entfernte nur alles, was an die Republik erinnerte, und klebte dafür etwas Neues drauf. Die Designer hatten sich Mühe gegeben. Ark war mit der Symbolik der neuen Flotte ganz zufrieden und ging davon aus, dass selbst ein immer etwas zerknautscht wirkender Mann wie Simmons, der permanent aussah, als hätte er zu wenig geschlafen, darin ganz passabel rüberkommen sollte.

»Ich bin kein Freund von Galas und Empfängen. Was passiert, wenn einer dieser Bürokraten mit mir reden möchte? Und an den Buffets gibt es nie das, was ich mag.«

»Das ist doch ganz einfach: Sie zaubern einen langen technischen Vortrag über irgendeine Nichtigkeit aus der Tasche. Ich versichere Ihnen, Simmons, Ihre Beliebtheit wird in kürzester Zeit ins Bodenlose sinken.«

Der Ingenieur sah auf, seine Augen leuchteten hoffnungsvoll. »Wirklich? Das wäre ja ganz wunderbar.«

Ark lachte und schüttelte den Kopf. »Wenn Sie mich jetzt zurück zum Dock bringen könnten. Ich habe noch einiges zu erledigen, bevor ich mich auf dem Empfang unbeliebt machen darf.«

Wohl wissend, dass sie als Captain sich diesen Luxus gar nicht leisten durfte, nickte Simmons ihr mitleidig zu, ehe er das Raumboot herumschwingen ließ, um die Inspektionsreise zu beenden. »Wann fliegen wir los?«, fragte er.

»Bald. Es hängt ein wenig von Ihrer Arbeit ab. Wann sind Sie mit allem fertig?«

»Das kann ich Ihnen genau sagen: bald«, erwiderte Simmons, der vor Generationen etablierten Tradition folgend, einem Captain niemals einen Termin zuzusichern, wenn dieser selbst keinen festlegte. Ark hatte keine andere Antwort erwartet. Sie hätte ohnehin keinen solchen Termin nennen können. Tatsächlich hoffte sie, auf dem abendlichen Empfang ein wenig Orientierung über ihr Abflugdatum zu gewinnen. Es war ja nicht so, dass sie dort nur zum Vergnügen auftreten würde. Alle Entscheidungsträger waren anwesend.

Sie warf einen letzten Blick auf das allmählich aus ihrem Blickfeld verschwindende Schiff. Die Überholung des Schiffes war weitgehend abgeschlossen, und in Kürze würde auch der letzte Landurlauber wieder zum Dienst erscheinen. Sie war froh, dass fast die gesamte Crew sich bereit erklärt hatte, auch der neuen Regierung zu dienen, nur wenige hatten dies verweigert. Zu ihrem Erstaunen hatte selbst die Bordärztin unterschrieben, als klar wurde, dass die nächste Reise eine Hilfs- und Forschungsmission werden sollte und keine militärische Intervention. Sie war als Zivilärztin unter Vertrag genommen worden, eine der neuen flexiblen Regelungen der Flotte von Khalid, um dringend benötigtes Fachpersonal für die Schiffe anzuwerben. Dass von Kampen dazugehören würde, damit hatte Ark eigentlich nicht gerechnet, aber es war eine angenehme Überraschung gewesen.

Ark würde bald auf Reisen gehen, und sie vermisste Captain Yin von der Achat, mit dem sie einige aufregende Abenteuer erlebt hatte. Doch die Korvette stand nun unter einem anderen Kommando und wurde als Schiff der Systemflotte eingesetzt. Yin selbst hatte die Gelegenheit ergriffen, den Dienst zu quittieren, und wollte sich nun einer zivilen Karriere widmen. Ark hatte ihn seitdem aus den Augen verloren. So bald würde es wohl auch keine erneute Kontaktaufnahme zwischen ihnen geben. Sie bedauerte das sehr, aber sie respektierte auch Yins Entscheidung, ja es hatte sogar bei ihr selbst diesen Moment der Versuchung gegeben, in dem sie in Erwägung gezogen hatte, sich ähnlich zu entscheiden.

Aber es war wirklich nur ein Moment gewesen. Und er hatte sich nie wiederholt.

Nachdem sie an der Andockstation angekommen waren und sie sich von Simmons verabschiedet hatte, stellte sie fest, dass drei Männer auf sie warteten. Sie war keinem von ihnen je zuvor begegnet, aber da sie schnellen Schrittes auf sie zumarschierten, bestand kein Zweifel, dass es um sie ging.

Einer, ein schmaler Typ mit einem länglichen und knochigen Gesicht, hielt ihr einen Ausweis unter die Nase, den sie erst einmal in Ruhe inspizierte. Alles war neu auf Khalid, und die gewohnten Dokumente und Legitimationen hatten hier keine Bedeutung mehr. Wenn sie den Ausweis richtig verstand, war der Mann ein Vertreter dessen, was sich unter der neuen Regierung Schritt für Schritt als Geheimdienst etablierte. Arks Begeisterung hielt sich in Grenzen. Geheimdienste waren zwar von einem Nimbus der Verschwiegenheit und Effizienz umgeben, ihre Erfahrungen mit ihnen waren aber eher negativer Natur. Spätestens seit sie mit ihrem Schiff, damals noch unter der Flagge der Republik, in eine Schlacht geflogen war, die sich als Desaster erwiesen hatte, vertraute sie der nachrichtendienstlichen Omnipotenz nur noch unter Vorbehalt. An dieser Einstellung hatte sich nichts mehr geändert, egal, für wen die Schlapphüte gerade arbeiteten.

»Was kann ich für Sie tun, meine Herren?«

»Brosik ist mein Name. Wollen wir uns nicht in einen Besprechungsraum setzen. Die Sache ist sehr wichtig.«

Das war sie doch immer. Ark spürte augenblicklich Widerwillen in sich aufsteigen.

»Hat es etwas mit meiner Mission zu tun?«

»Ja, in der Tat. Es könnte sein, dass wir Ihren Aufbruch … beschleunigen müssen.«

Ark war sofort alarmiert, denn Brosik strahlte den Habitus eines Mannes aus, der weder zu Übertreibungen noch Lügen neigte. Er wirkte überaus ernst, aber ohne diese Aura von Wichtigtuerei, die manche Leute seines Schlages ständig um sich verbreiteten. Deshalb war Ark bereit, ihren Widerwillen beiseitezuschieben.

»Da vorne ist ein Besprechungsraum. Wir setzen uns dorthin«, sagte sie und zeigte darauf. Brosik nickte sofort. Nachdem sie in dem leeren Raum Platz genommen hatten, wirkten die Geheimdienstler auch gleich nicht mehr so bedrohlich, und die Atmosphäre wurde deutlich entspannter.

»Wir haben leider schlechte Nachrichten, Captain«, begann Brosik ohne weitere Umschweife. »Es gibt klare Hinweise darauf, dass die Reste der Republik auf Khaled einen aktiven Spionagering unterhalten.«

Die Reste der Republik, die auch noch den alten Namen trugen, regierten von Terra aus ein buntes Gemisch an Zentral- und Kolonialwelten, die sich nicht für unabhängig erklärt hatten. Nach aktuellen Schätzungen machte dies etwa vierzig Prozent des alten Staatsgebietes aus. Der Rest hatte sich – wie Khalid – auf die eine oder andere Weise selbstständig gemacht.

»Das sind schlechte, aber keine überraschenden Nachrichten«, erwiderte Ark. »Khalid ist eine der größeren Freien Welten, und natürlich will die Restrepublik ein Auge darauf haben, was hier passiert – und gegebenenfalls auch darauf Einfluss nehmen.«