Sternkreuzer Proxima - Sammelband 7 - Dirk van den Boom - E-Book

Sternkreuzer Proxima - Sammelband 7 E-Book

Dirk van den Boom

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Beschreibung

Galaktische Intrigen, gefährliche Missionen und ein Geheimnis, das Raum und Zeit sprengt!

Captain Zadiya Ark und ihre Crew vom Sternkreuzer Proxima begeben sich auf ihre bisher rätselhafteste Mission. Eine unbekannte Droge bedroht die Stabilität der jungen Republik - und niemand weiß, wer dahintersteckt. Auf der Raumstation Pendulum, in einem Schiff, das aus der Zeit gefallen scheint, und auf dem Planeten Meridia gerät die Crew in ein Netz aus Verrat, Manipulation und temporalen Anomalien.

Als schließlich ein Verräter in den eigenen Reihen entdeckt wird, steht mehr auf dem Spiel als nur das Überleben der Proxima: das Schicksal der gesamten Galaxis!

Für Fans von Military Science Fiction, Space Opera und temporeicher Sternenflotten-Action: Dirk van den Boom entfesselt einen neuen Höhepunkt seiner erfolgreichen Sci-Fi-Serie.

Dieser Sammelband enthält die Folgen:

Das Netz (19)

Im Zeitsturm (20)

Die Meridia-Krise (21)

eBooks von beTHRILLED - mörderisch gute Unterhaltung!

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Seitenzahl: 382

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Dirk van den Boom
Sternkreuzer Proxima - Sammelband 7

Digitale Erstausgabe - Sammelband

beTHRILLED in der Bastei Lübbe AG

Copyright © 2026 by

Bastei Lübbe AG, Schanzenstraße 6 - 20, 51063 Köln, Deutschland

Vervielfältigungen dieses Werkes für das Text- und Data-Mining bleiben vorbehalten.

Die Verwendung des Werkes oder Teilen davon zum Training künstlicher Intelligenz-Technologien- oder -Systeme ist untersagt.

Covergestaltung: Guter Punkt, München

ISBN 978-3-7517-9365-0

Über den Autor

Dirk van den Boom (geboren 1966) hat bereits über 100 Romane im Bereich der Science-Fiction und Fantasy veröffentlicht. 2017 erhielt er den Deutschen Science Fiction Preis für seinen Roman "Prinzipat". Zu seinen wichtigen Werken gehören der "Kaiserkrieger-Zyklus" (Alternative History) und die Serie "Sternkreuzer Proxima" (Military SF). Dirk van den Boom ist darüber hinaus Berater für Entwicklungszusammenarbeit, Migrationspolitik und Sozialpolitik sowie Professor für Politikwissenschaft. Er lebt mit seiner Familie in Saarbrücken.

Über das Buch

Galaktische Intrigen, gefährliche Missionen und ein Geheimnis, das Raum und Zeit sprengt!

Captain Zadiya Ark und ihre Crew vom Sternkreuzer Proxima begeben sich auf ihre bisher rätselhafteste Mission. Eine unbekannte Droge bedroht die Stabilität der jungen Republik - und niemand weiß, wer dahintersteckt. Auf der Raumstation Pendulum, in einem Schiff, das aus der Zeit gefallen scheint, und auf dem Planeten Meridia gerät die Crew in ein Netz aus Verrat, Manipulation und temporalen Anomalien.

Als schließlich ein Verräter in den eigenen Reihen entdeckt wird, steht mehr auf dem Spiel als nur das Überleben der Proxima: das Schicksal der gesamten Galaxis!

Für Fans von Military Science Fiction, Space Opera und temporeicher Sternenflotten-Action: Dirk van den Boom entfesselt einen neuen Höhepunkt seiner erfolgreichen Sci-Fi-Serie.

Dieser Sammelband enthält die Folgen:

Das Netz (19)

Im Zeitsturm (20)

Die Meridia-Krise (21)

eBooks von beTHRILLED - mörderisch gute Unterhaltung!

Sternkreuzer Proxima - Sammelband 7

Cover

Titel

Impressum

Über den Autor

Über das Buch

Inhalt

Sternkreuzer Proxima - Das Netz

Cover

Grußwort des Verlags

Was bisher geschah …

Titel

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

Impressum

Sternkreuzer Proxima - Im Zeitsturm

Cover

Grußwort des Verlags

Was bisher geschah …

Titel

1

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4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

16

Impressum

Sternkreuzer Proxima - Die Meridia-Krise

Cover

Grußwort des Verlags

Was bisher geschah …

Titel

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

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12

13

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Impressum

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Contents

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Was bisher geschah …

Nach dem Zerfall der Terranischen Republik erklären sich die Kolonien für unabhängig, und ein galaktischer Krieg entbrennt. Der Sternkreuzer Proxima unter dem Kommando von Captain Zadiya Ark rettet Überlebende einer verheerenden Schlacht, darunter den Verräter Admiral Bonet, der sich den Kolonialen angeschlossen hat. Während die Proxima verzweifelt versucht, die republikanische Flottenstation zu erreichen, wird sie von den Kräften der Kolonialen verfolgt. Ein unerwarteter Kontakt mit einer außerirdischen KI namens Caliban rettet das Schiff und führt zu einem ersten Kontakt zwischen Menschen und Aliens. Doch die Hilfe der Fremden bleibt rätselhaft.

Am Ende von Staffel 1 (Folge 1 – 6) erreicht die Proxima ihr Ziel, aber die entscheidende Schlacht ist bereits verloren, und die Republik liegt in Trümmern. In Staffel 2 (Folge 7 – 12) wird deutlich, dass außerirdische Technologie den Schlüssel zur Nachkriegsordnung darstellt. Die terranische Zivilisation ist nicht allein im Universum, und ein Eroberungskrieg der Maschinenwesen der Zu7 droht, auch die Menschheit zu vernichten. Captain Ark entdeckt, dass menschliche Klone die Kontrolle über die Maschinen übernommen haben. Es gelingt der Crew, die Katastrophe zu verhindern, doch Ark bleibt ein gefährliches Ziel für ihre Feinde, darunter Bonet und Captain Kraus, die in der neuen Republik Schlüsselpositionen eingenommen haben.

Zu Beginn der dritten Staffel (Folge 13 – 18) erhält Captain Ark eine geheime Nachricht: Ihr Erzfeind Bonet plant einen Angriff auf die Flüchtlinge im Onyx-System. Der Widerstand gegen die neue Republik bietet Ark an, inkognito nach Terra zurückzukehren, um einen Anschlag auf Bonet auszuführen. Während sie sich auf diese gefährliche Mission vorbereitet, führt die Proxima im Onyx-System eine Abwehrschlacht gegen Piraten und Saboteure.

Als Ark auf Terra operiert und sich in eine tödliche Verschwörung um Bonet und das republikanische Regime verwickelt, spitzt sich die Lage im Onyx-System zu. Die angreifende Flotte der Neuen Republik rückt vor, und trotz aller Anstrengungen gerät die Verteidigung der Proxima ins Wanken. Im finalen Showdown auf Terra deckt Ark eine groß angelegte Manipulation in den Reihen des Regimes auf. Ein tödlicher Tumult bricht aus, als sie und Bonet direkt aufeinandertreffen. Gleichzeitig tobt im Onyx-System die Schlacht weiter, und das Schicksal der Proxima und ihrer Crew steht auf Messers Schneide.

DIRK VAN DEN BOOM

DAS NETZ

Folge 19

1

Zadiya Ark rieb sich die Augen. Sie brannten vor Müdigkeit. Ark verdrückte einen leisen Fluch zwischen ihren Zähnen. Drei Wochen Urlaub hatte sie gehabt, Sonne, Strand, Cocktails und … Bekanntschaften. Zwischendurch Anrufe und Nachrichten. Die Proxima hatte in der Werft ihren eigenen Urlaub gemacht, mit Reparaturen und Aufwertungen, mit Maschinen, die der alten Hülle ein neues Make-up verpassten und ihrem Leib neue Innereien. Sie würde sich verändert haben, wenn Ark zu ihr zurückkehrte, vielleicht mehr, als ihr lieb war.

Dass sie vorher in das neue Flottenhauptquartier gerufen wurde, war ihr definitiv nicht lieb. Der Zubringer hatte sie direkt zum Mars gebracht, wo der Neubau durch vollautomatische Gebäudedrucker errichtet wurde, quasi vor ihren Augen. Bis dahin saßen die Stäbe und das gesamte Verwaltungspersonal in großen Barackensiedlungen. Es herrschte eine Atmosphäre des Aufbruchs, des Wiederaufbaus. Die Republik erwachte zu neuem Leben. Auferstanden aus Ruinen. Ark empfand nicht einmal eine Andeutung von Romantik. Dass die Regierung von Khalid, kaum dass die Besatzungstruppen abgezogen waren, den Wiedereintritt in die Republik beschlossen hatte, ging ihr mehr gegen den Strich, als sie erwartet hatte. Sie war im Kreis gelaufen. Ark wollte jetzt wieder eine klare Linie haben, eine klare Loyalität empfinden.

Das fiel ihr nicht leicht. Übermüdung half dabei nicht. Pflichtbewusstsein überdeckte ihren Unwillen. Das war etwas, auf das sie stets zurückgreifen konnte.

»Captain, Sie werden erwartet.« Die Frau im grauen Kostüm trug das Abzeichen des Marineverwaltungsdienstes. Ihr Gesicht wirkte so verschlossen wie eine Maske. Sie war von tadelloser Höflichkeit, deutete sogar eine Verbeugung an. Aber alles in ihrer Haltung schrie: »Ich kann dich nicht ausstehen!«

Zadiya Ark hatte ein Regime zu Fall gebracht, dem so mancher im Stillen nachtrauerte. Doch wie nach jeder Revolution konnte man nicht alle Mitläufer und Sympathisanten einfach entlassen. Man brauchte sie, um das Räderwerk in der Maschinerie der Macht in Gang zu halten. Ark wusste das auf einer sehr rationalen Ebene, doch deshalb musste sie es ja noch lange nicht gut finden.

Der Konferenzraum war behelfsmäßig wie alles im neuen Hauptquartier. Zwei Männer erwarteten sie. Es war beinahe beruhigend, dass sie fast genauso müde aussahen, wie sie sich fühlte. Der eine war ein Admiral, dessen Rangabzeichen sehr neu aussahen, er war sehr jung für seinen Rang. Anscheinend einer derjenigen, die zur richtigen Zeit auf der richtigen Seite gewesen waren. Die Revolution frisst ihre Kinder oft, aber manchmal erst, nachdem sie sie an ihre Brust gedrückt hat.

Ark ließ sich von niemandem drücken. Das Letzte, was sie vor ihrem Urlaub getan hatte, war, eine Beförderung abzulehnen. Sie war keine Kriegsgewinnlerin und würde es niemals sein. Das hatte keinen guten Beigeschmack. Der junge Admiral war offenbar anderer Ansicht gewesen.

Der andere Mann trug keine Uniform, sondern einen schlichten Anzug. Ark machte sich keine Illusionen. Haltung und Mimik schrien ihr »Geheimdienst!« ins Gesicht. Sie hatte spontan schlechte Laune.

»Admiral Hansen«, sagte der junge Mann und reichte ihr die Hand. Er verlangte kein Zeremoniell, wusste, dass das unpassend wirken würde. Ark war älter als er, und sie war eine Heldin. Eine Legende, sagten manche bereits. Legende? Wenn sie das schon hörte, wollte sie sich nur noch verkriechen. Doch sie ahnte Schlimmes. Wenn man in etwas gut war, erhielt man nicht nur Lob, sondern bekam meistens noch mehr Arbeit und Verantwortung aufgebürdet. Der Teufelskreis des Erfolgs, ausgedacht von jenen, die auf immer im Mittelmaß verharrten.

»Ich darf Ihnen Sebastian Cort vorstellen, vom Flottengeheimdienst.« Hansen lächelte schief. »Das haben Sie sich wahrscheinlich schon gedacht.«

Cort lächelte auch, kalt und emotionslos, als ob er die Muskeln in seinem Gesicht mit einem Federwerk aufgezogen hätte und diese sich danach wieder entspannten. Ark blieb natürlich höflich und reichte dem Mann die Hand. Selbst die war kalt. Warum nur konnte es keine Agenten des Geheimdienstes geben, die herzliche, joviale und ausreichend aufgewärmte Menschen waren? Nein. Das würde man ihnen wahrscheinlich nicht abnehmen. So wussten zumindest alle, woran sie waren.

»Einer fehlt noch in der Runde«, sagte Hansen und sah betont auf die Uhr. Ein Signal ertönte, und das Gesicht des Admirals hellte sich auf. »Das dürfte er sein.«

Ark freute sich über den Neuankömmling. Alban Simeon war mittlerweile so etwas wie ein alter Kamerad, von der jungenhaften Frische jener Zeit, als sie ihn kennengelernt hatte, war nur noch wenig zu bemerken. Die Erlebnisse der letzten Monate, die schnelle Folge von Krisen und Gefahren, hatte ihn altern lassen, vielleicht sogar mehr, als seinen Jahren entsprach. Das bedauerte Ark sehr und hoffte, dass auch Simeon jetzt ein paar ruhige Dienstjahre geschenkt bekäme. Dann fiel ihr Blick wieder auf Cort, und sie spürte, wie diese Hoffnung sich sofort in Wohlgefallen auflöste. Nein, damit war wohl nicht zu rechnen.

»Captain Simeon …«, begann Ark, hielt dann aber inne. Diesen Titel hatte er tragen dürfen, als man ihm, ein wenig aus der Not geboren, das Kommando über das erbeutete Piratenschiff Grüne Perle gegeben hatte. Das war während der Schlacht um Onyx gewesen, mittlerweile fast drei Monate in der Vergangenheit. Simeon war nicht direkt in die Kampfhandlungen involviert, sondern weit außerhalb mit dem Aufbringen eines Frachters beschäftigt gewesen. Das hatte ihn stets gewurmt. Als er auf die Proxima in seine Dienststellung als Zweiter Offizier zurückgekehrt war, hatte er jeden Erholungsurlaub abgelehnt. Er habe sich ja gar nicht angestrengt. Ark hatte bereits einige sehr, sehr ernste Worte mit ihm geredet.

Was sie aber wirklich ärgerte, war die Tatsache, dass Simeon ohne ihr Wissen hierher beordert worden war. Formal war das natürlich in Ordnung, aber es war schlechter Stil. Erneut schaute sie Cort an. Wenn es für sie jemanden gab, der als Quelle schlechten Stils zu gelten hatte, dann war es dieser Mann.

»Dann sind wir komplett«, sagte Hansen. »Ich möchte mit Ihnen die neue Aufgabe der Proxima besprechen. Die Umbauarbeiten neigen sich dem Ende zu, wenn ich die Berichte richtig deute.«

»Jawohl, Admiral. Es wird noch letzte Hand angelegt, aber die Proxima ist bereit für den Dienst. Einige Besatzungsmitglieder sind noch im Urlaub, aber die letzten dürften binnen einer Woche zurückgekehrt sein.« Bis auf jene, die den Dienst quittiert hatten. Es gab einige, die endgültig die Schnauze voll hatten, und auch die Aussicht, unter Ark dienen zu dürfen, half da nicht weiter. Ein schönes Beispiel dafür, dass man die Strahlkraft einer »Heldin« niemals überschätzen sollte. Aber auch nicht unterschätzen, wie sie sogleich erfuhr.

»Ark, ich stelle die Korvette Achat unter dem Kommando von Captain Yin unter ihren Oberbefehl. Sie sind ja alte Bekannte. Yin ist aus dem Ruhestand zurückgekehrt, als er hörte, dass Sie ihn brauchen.«

»Ich brauche ihn?«

Hansen lächelte. »Es wurde ihm nicht direkt so gesagt, aber durchaus angedeutet. Wir haben ein großes Interesse daran, dass sich ein bewährtes Team dieser Mission stellt. Auch die Achat hat einige Umbauten über sich ergehen lassen. Die Korvette ist jetzt ein fliegendes Forschungslabor und hat fast ihr gesamtes Waffenarsenal dafür geopfert. Sie werden gut auf Yin aufpassen müssen, Captain.«

»Er kann ganz gut auf sich selbst aufpassen.« Ark beugte sich nach vorne. »Was ist das für eine Mission? Ich vermute mal, dass es etwas mit diesem Medikament zu tun hat, das untrennbar mit den Aktivitäten des alten Regimes in Zusammenhang stand – richtig?«

»Exakt richtig«, sagte Cort. »Sie haben drei Aufträge, Ark, falls Sie das nicht überfordert.«

»Mal sehen.«

Der Agent lächelte dünn. »Erstens: Finden Sie die Quelle und die Hinterleute dieses Produkts. Zweitens: Finden Sie heraus, wie viele Menschen das Zeug schon nehmen. Drittens: Sammeln Sie alle Informationen, die uns helfen könnten, ein Gegenmittel herzustellen. Es ist nämlich so: Die Droge lässt sich nach Einnahme kaum noch im menschlichen Körper nachweisen. Wir wissen also nicht, wer sie alles genommen hat oder immer noch nimmt. Wir brauchen eine Liste der Personen, an die sie geliefert wurde. Wir brauchen Namen.«

»Im Ernst?«, fragte Ark. »Sie haben entsprechende Proben seit Monaten vorliegen, und es ist Ihnen noch nicht gelungen, etwas in dieser Richtung zu entwickeln? Yins Korvette mag ein Labor sein, aber das ist doch nichts im Vergleich zu den Einrichtungen, die Ihnen zur Verfügung stehen.« Sie zeigte bedeutsam auf Cort. »Dass der Geheimdienst modernste Geheimlabors unterhält, ist ein offenes Geheimnis.«

Der Mann verzog das Gesicht. »Ich weiß wirklich nicht, wovon Sie hier reden.«

»Wovon wir aber reden können«, griff nun Hansen ein, einen bösen Blick auf den Agenten werfend, »ist die Tatsache, dass alle unsere bisherigen Bemühungen nichts gebracht haben. Wir haben nicht einmal die genaue Zusammensetzung des Mittels herausfinden können.«

Ark sah ihn mit großen Augen an. »Das ist doch absurd, Admiral. Bei allem Respekt, und ich bin nun wirklich keine Biochemikerin oder so was, aber das kann ich nur schwer glauben. Was für eine Eigenschaft hat dieses Medikament, dass es sich einer genauen Analyse entzieht?«

»Nun, allgemeine Zutaten, Trägerstoffe und so was sind klar erkennbar«, sagte Cort. »Wir haben chemische Formeln und derlei. Sie ergeben nur keinen Sinn. Sie dürften auch in dieser Kombination nicht bewirken, was sie bewirken. Uns fehlt der Zusammenhang. Vielleicht ein Katalysator. Eine Strahlung. Ein Trigger. Ich weiß es nicht. Niemand weiß es. Und es kommt noch schlimmer: Sobald es eingenommen wurde, ist es nach kurzer Zeit im menschlichen Organismus nicht mehr nachweisbar, ohne dabei an Wirkung zu verlieren. Das stellt uns nicht nur vor ein großes Rätsel, es führt auch dazu, dass wir nichts haben, mit dem wir entsprechend manipulierte Menschen identifizieren können.«

Ark schüttelte den Kopf. Cort, eben noch kalt und abweisend, klang am Ende beinahe verzweifelt. Sie konnte ihnen immer noch nicht glauben, aber auf diesem Gebiet war sie nun wirklich keine Expertin.

»Welche Vollmachten habe ich?«

Hansen nickte. »Sie haben den Befehl direkt vom Admiralstab und der neuen, provisorischen Regierung. Höchste Autorität, wenn ich das sagen darf. Alle Dienststellen sind verpflichtet, Sie umfassend zu unterstützen, egal wobei. Das betrifft auch die Verwaltungen von Planeten innerhalb der Republik, bis hin zu den Gouverneuren. Befreundete Nationen haben ihre Hilfe zugesagt. Alle haben Angst vor dem, was Sie herausfinden werden. Aber sie haben noch mehr Angst vor der Ungewissheit.«

» Wir . Was wir herausfinden«, warf Cort ein. »Der Dienst wird seine Recherchen nicht abbrechen, nur weil Captain Ark durch die Galaxis reitet.«

Ark schüttelte langsam den Kopf. Das zentrale Problem war mal wieder, dass echte Kooperation und ein gewisses Maß an Solidarität fehlten. Das war in der alten Republik so gewesen. Das war in den abtrünnigen Kolonien so gewesen. Und es schien immer noch so zu sein. Vieles vermochten die Menschen zu lernen, aber an manchen Sachen schienen sie sich weiterhin die Zähne auszubeißen. Und Ark biss kräftig mit zu.

»Wir arbeiten alle am gleichen Ziel«, beschwichtigte Hansen die Teilnehmer. »Captain, Sie bekommen alle Informationen, die wir zusammengetragen haben. Diese Sache ist groß. Wenn unsere Informationen stimmen, fing all dies bereits vor den Kolonialkriegen an. Tatsächlich gibt es unter den Analysten einige, die der Meinung sind, diese Verschwörung habe die Kolonialkriege erst ausgelöst. Ich finde, dass das sehr weit hergeholt ist, aber …« Hansen zögerte, warf einen Blick auf Cort, dessen Gesicht wieder eine kalte Maske war. »… ich kann und werde es nicht ausschließen.«

»Der Endgegner«, sagte Simeon. Alle ignorierten ihn. Nur Ark lächelte und nickte ihm zu. Welche Spiele er wohl bevorzugte?

2

Vara schaute auf den Blumenstrauß. Nicht eine der Blumen war echt, zumindest nicht in dem Sinne, dass sie irgendwo angepflanzt und in Ruhe gewachsen waren. Sie sahen echt aus, das musste er den Gentechnikern lassen, die dieses Gewächs irgendwann in einem Reagenzglas angesetzt hatten. Dort wuchs es auch, meist binnen weniger Tage, ein Produkt hoch entwickelter Biotechnologie. So bekam der Romantiker auf einer aus Metall und Plastik bestehenden Raumstation frische Blumen. Sie waren natürlich sündhaft teuer. Gefühle hatten ihren Preis, und um diese adäquat auszudrücken, bedurfte es einer weiteren Zuzahlung.

Er hoffte, von Kampen wusste das zu schätzen. Er stand gerade vor der Tür ihrer vorübergehenden Unterkunft. Bald würden sie auf die Proxima zurückkehren, sie gehörten diesmal zu den Letzten, die es noch nicht auf den Kreuzer geschafft hatten. Nach drei Wochen Urlaub und sinnlosem Nichtstun hatte sich Vara endlich dazu entschlossen, etwas durchzuziehen, was er viel zu lange vor sich hergeschoben hatte. Ein Date. Nein, er war kein Teenager mehr. Eine Verabredung zum Essen. Natürlich war das eigentlich das Gleiche, es klang nur etwas mehr … altersangemessen.

Die Tür öffnete sich.

Er hatte gar nicht den Summer betätigt. Das war jetzt peinlich.

Von Kampen sah ihn an, und er war bereit, ihren Spott zu ertragen. Kein Spott. Sie erblickte die Blumen. Da war etwas, das durch die Blume gesprochen wurde und bei ihr ankam. Er hatte bewusst keine Rosen gewählt. Zu aufdringlich und bedeutungsschwanger. Aber das Bouquet war farbenfroh, und der Florist hatte es dermaßen fachmännisch gebunden, dass Vara beim Zuschauen einen Anflug echter Bewunderung empfunden hatte. Profis. Er mochte Profis. Der Strauß war jedenfalls sehr beeindruckend und strahlte Schönheit aus. Vara glaubte es, weil ein Profi ihn gebunden hatte. Sandra von Kampen, die Bordärztin der Proxima , glaubte es, weil sie es zu fühlen schien.

»Hast du noch lange warten wollen? Oder ist der Türsummer kaputt?«

Nicht im Dienst, dann per Du. Darauf hatten sie sich zu Beginn des Urlaubs geeinigt

»Ich …«

»Komm rein. Ich habe nicht selbst gekocht, ich habe fachkundig bestellt. Ich weiß, dass du die Arbeit von Profis schätzt.«

Sie machte Platz für ihn, und er folgte einer Frau, die – das hatte er gar nicht gewusst – telepathische Fähigkeiten besaß.

Den Tisch hatte sie nicht decken lassen, und aus irgendeinem Grunde stand eine Vase mit Wasser in der Mitte des Arrangements. War er so durchschaubar? Es musste wohl so sein. Vara setzte sich, und von Kampen holte die vorbereitete Mahlzeit aus der kleinen Küche, drapierte Synthfleisch, Gemüse und allerlei weitere Beilagen so, dass es vielleicht nicht schön aussah, aber praktisch zu erreichen war. Vara mochte praktisch. Als sie das große Fleischstück in Scheiben schnitt, bewies sie die Kunstfertigkeit einer Ärztin, die es gewohnt war, ganz vorsichtig in Menschen zu schneiden. Es sagte einiges über Vara aus, dass ihm dieser Gedanke nicht den Appetit verdarb.

Sie sprachen wenig, nur oberflächliches Zeug, da sie das Essen selbst nicht mit Persönlichem belasten wollten. Erst das Vergnügen, dann die Pflicht, denn sie beide wussten genau, dass jetzt Dinge ausgesprochen und damit geklärt werden mussten. Möglicherweise war ein voller Magen die ideale Voraussetzung dafür; die Flasche Wein, die sie gemeinsam sehr maßvoll dazu leerten, war es ganz gewiss.

Dann aber war die Zeit gekommen, sich mit etwas auseinanderzusetzen, was Vara oft genug als Feind betrachtet hatte: Gefühle. Sie nahmen nebeneinander auf einem Sofa Platz. Die Ärztin machte Musik an, und für einen Moment kam sich Vara wie in einem Kaufhaus vor, aus dessen versteckten Lautsprechern konsumfördernde »Muzak« plätscherte.

»Sandra«, sagte er dann, weil er ja musste. »Ich bin froh, dass ich diese Gelegenheit habe … es ist so. Ich weiß, dass du ein Problem mit dem hast, was ich mein Leben lang … ich weiß, dass meine Sichtweise auf meine Profession und meine Bereitschaft, Dinge zu tun … und du bist Ärztin und wurdest damals in den Dienst gepresst, was noch einmal auf besondere Weise … dennoch … also …« Seine Stimme erstarb. Es half nicht, dass von Kampen ihn aufmerksam ansah und jedem seiner Worte konzentriert folgte. Das übte zu viel Druck auf ihn aus, vielleicht doch in Erwägung zu ziehen, einen seiner Sätze auch mal zu beenden.

»Ernesto.«

Nur sein Vorname. Den bekam er selten zu hören. Es war immer wieder ein bisschen seltsam, wenn er ihn dann doch vernahm. Nur dieses eine Wort. Vara suchte nach Vorwurf in ihrem Tonfall, konnte aber keinen entdecken. Das war eine Erleichterung. Er versuchte einen zweiten Anlauf.

»Ich bin manchmal nicht der feinsinnigste Mann, aber ich denke … ich bin eben auch ein Produkt meiner … ich will damit nichts entschuldigen, aber die Umstände und die lange Zeit … was ich damit eigentlich sagen möchte, ist, dass …«

»Ernesto.«

Vara verstummte wieder. Er musste wohl aufgeben. Er hatte sich doch alles so schön zurechtgelegt, einen taktisch durchdachten Schlachtenplan entworfen mit allen Eventualitäten und Rückzugsoptionen wie auch einer vagen Hoffnung auf den Sieg. Doch als er nun diese Frau ansah, verstand er mit einem Male, was er falsch gemacht hatte. Dies war kein Kampf. Es ging nicht um Eroberung. Sandra von Kampen war nicht seine Feindin.

Sie beugte sich nach vorne, legte eine Hand um seinen Hals und zog ihn zu sich hinüber. Er wusste nicht, ob sie sich auch einen Plan zurechtgelegt hatte. Wenn, dann war er um einiges einfacher und direkter als seiner. Sie küssten sich lange, eher vorsichtig. Dann ein zweites Mal, etwas weniger vorsichtig, ja durchaus mutig. Kein Triumph für irgendwen. Eine Allianz, in der beide gewannen.

»Du bist so ein Idiot, Ernesto«, sagte sie dann leise. »Öfter, als dir lieb sein sollte.«

»Ich möchte das ändern.«

Die Ärztin lächelte. »Ich werde dir dabei helfen.«

Vara nahm das als Versprechen, aber auch als Drohung wahr. Wie es eben so war, wenn man mit einer Frau wie dieser zusammen war. Für einen Moment fühlte er sich überfordert, wie meist bin solchen Dingen.

Sie küsste ihn ein drittes Mal.

Vara erkannte, dass er mit dieser Überforderung leben könnte.

Es kam noch zu einem vierten Kuss, doch dann piepten ihre Kommunikatoren. Von Kampen sah ernsthaft angefressen aus, zum einen, weil sie gestört worden waren, aber auch deshalb, weil Vara sich wieder so pflichtbewusst und diszipliniert zeigte, dass er sein Gerät bereits in den Händen hielt, ehe die Ärztin ihrem Missfallen überhaupt richtig Ausdruck geben konnte.

»Das darf doch nicht wahr sein!«, zischte sie dann doch, ehe sie ihren eigenen Kommunikator aktivierte.

»Ja?«, sagten beide gleichzeitig. Zadiya Ark war auf ihren Schirmen zu sehen, es handelte sich um einen Sammelanruf. Vara schaute in die Liste. Nur sie beide. Alle anderen waren wohl schon an Bord.

Ark runzelte auf den Monitoren die Stirn. Am Hintergrund konnte sie wohl erkennen, dass beide Angerufene ganz nahe beieinandersaßen.

»Dienstbesprechung«, beeilte sich Vara zu sagen.

»Steht da Wein auf dem Tisch?«

Vara und von Kampen drehten beide die Kameras. Ark lachte auf. Für einen Moment schien sie vergessen zu haben, weswegen sie anrief. Es schwang ein seltsamer Ton der Erleichterung in ihrem Lachen mit, als wäre ein Knoten geplatzt oder eine Hoffnung erfüllt worden. Vara fühlte sich fast beschämt. Er hatte nicht geahnt, dass Ark sich darüber Gedanken gemacht hatte … na egal.

»Captain, was können wir für Sie tun?«

Ark warf einen betonten Blick auf die Uhr an ihrem Arm. »Wir haben drei Stunden bis zum Abflug. Ich gebe Ihnen Dispens bis eine Stunde vorher, aber dann fällt es auf, und alle fragen sich, warum sie beide Sonderrechte bekommen. Wir haben einen Auftrag, und wir müssen ihn gemeinsam besprechen, denn was wir jetzt zu tun beabsichtigen, betrifft Ihrer beider Fachgebiete. Zwei Stunden. Wird Ihre Besprechung so lange dauern? Nein, sagen Sie nichts.«

Arks Gesicht verschwand. Betretenes Schweigen war die Folge. Nach einer Weile holte Vara tief Luft.

»Nichts verdirbt einem die Stimmung mehr …«, begann er.

»… als ein Anruf von der Kommandantin, die anzügliche Bemerkungen macht«, beendete die Ärztin seinen Satz. Sie zeigte auf den Tisch. »Es ist noch Wein da. Eine ganze Flasche. Ich würde sie ungern hier im Schrank stehen lassen.«

»Nun, wir werden kaum zwei Stunden dafür brauchen«, mutmaßte Vara. Von Kampen lächelte.

»Wir können in Ruhe über unsere Gefühle reden«, meinte sie dann hilfreich.

Vara stöhnte leise auf. Der Abend entwickelte sich jetzt definitiv in die falsche Richtung.

Er öffnete die Flasche.

3

»Einen Kurs, Spezialist? Einen einzigen?«

Simmons schaute Hamilton streng an. Es fehlte aber die Schärfe hinter der gespielten Empörung. Marcus Hamilton war gerade auf die Proxima zurückgekehrt, und er dachte, er wäre der Letzte gewesen. Dann aber hatte er gehört, dass noch immer einige Mitglieder der Crew fehlten. Es gab Leute, die wirklich alles bis zur letzten Minute ausreizen mussten. Er gehörte dazu.

Aber es war weder Zeit mit Margie noch wilde Feiern in den Bars der Raumstation gewesen, die ihn festgehalten hatten. Er hatte gelernt und sich einer Prüfung unterzogen. Offiziersakademie auf Raten, hatte Margie es genannt, ein Kurs nach dem anderen, und wenn er irgendwann in ferner Zukunft alle durchhatte, erhielt er das gar nicht so heiß ersehnte Patent.

Ein Kurs. Für den Chefingenieur der Proxima wohl zu wenig.

»Es war alles, was in der Zeit möglich war«, verteidigte sich Hamilton. Das Ausmaß, in dem manche Leute Anteil an seiner Karriere nahmen, war erschreckend. Als ob das nicht in erster Linie seine eigene Sache wäre. »Entweder einen Kurs richtig oder zwei nur so halb, ohne Chance auf ein Examen vor dem nächsten Aufenthalt an einer Flottendienststelle. Wann immer der sein wird. Die Gerüchteküche sagt, wir gehen auf Geisterjagd.«

»Geisterjagd?«, echote Simmons. »Ich habe gehört, wir retten mal wieder die Welt.«

»Wir versuchen es zumindest«, hörten sie die Stimme von Simeon, als dieser seinen Fuß in den Maschinenraum der Proxima setzte. Als Zweiter Offizier war er für den obligatorischen letzten Rundgang im Hafen verantwortlich, eine halb offizielle Erinnerung an die Crew, dass der Ernst des Lebens wieder an die metallene Hülle des Kreuzers klopfte.

»Nun, Geisterjagd ist gar kein schlechtes Konzept«, erwiderte Hamilton. »Wer genau hinter der ganzen Verschwörung steckt, ist ja noch völlig unbekannt. Für mich bleiben das so lange Geister, bis ich meine Hände um den Hals einer konkreten Person legen kann.«

»So aggressiv! Das macht die Offiziersakademie aus einem?« Die Stimme der vierten Person im Bunde war weiblich und gehörte Margie, die den Anwesenden lächelnd zunickte. »Ich hätte es niemals zulassen sollen, dass du diesen Weg gehst.«

»Du hast mich gedrängt, bis ich aufgegeben habe!«

»Beziehungsprobleme bitte in der Freizeit klären«, warnte Simmons.

»Wir haben kaum Freizeit!«, beklagte sich Margie. Der Chefingenieur zeigte auf Simeon.

»Bitte bei der Schiffsführung beschweren!«

Simeon sah von einem zur anderen und schüttelte den Kopf. »Ich sehe, hier sind alle dienstbereit. Dann will ich nicht länger stören.« Sprach’s und drehte sich um. Vielleicht kam es nur Hamilton so vor, aber es schien so, als hätte er es besonders eilig.

»Wann gibt es den ersten Tagesbefehl?«, fragte Margie nun ernsthaft. »Ich wüsste schon gerne, in welche Richtung es geht.«

»Wir haben bereits ein Briefing bekommen«, antwortete Simmons, der anfing, die Große Checkliste hervorzuholen, die sie nun gemeinsam durchgehen würden, um das Triebwerk und die Energieversorgung der Proxima als betriebsbereit zu zertifizieren. »Wir folgen den Spuren, die wir auf der Grünen Perle gefunden haben, und fliegen zu einem Piratenstützpunkt, der von den Gaunern benutzt wurde, um die Ware aufzunehmen und zu verteilen. Ark hofft darauf, dass dort jemand singt. Ich glaube, es bedarf dazu einiger Überzeugungsarbeit.« Simmons deutete auf die Liste. »Ein Grund mehr, die Funktionsfähigkeit der Energiewaffen zu prüfen. Spezialist Hamilton, diese heroische Aufgabe übertrage ich Ihnen.«

»Das freut mich ja sehr«, antwortete Hamilton.

Die nächsten beiden Stunden waren sie alle – mit weiteren Spezialisten – damit beschäftigt, die Startvorbereitungen für die Proxima zu beenden. Vieles war neu im Innenleben des Schiffes, die Umbauten waren nicht unerheblich gewesen. Der Kreuzer gehörte ohne Zweifel zu den am meisten renovierten Schiffen der Flotte, und es sah nicht so aus, als würde man ihn allzu bald in den Ruhestand verabschieden. Ark hatte, das wusste jeder, gerade eine Beförderung abgelehnt, die sie nach Ansicht aller mehr als verdient gehabt hätte. Gleichzeitig waren sie froh, dass sie ihnen erhalten blieb.

Neben neuer Ausrüstung bekamen sie auch neue Besatzungsmitglieder. Manche der alten Crew rotierten planmäßig heraus, bei anderen endete die Dienstzeit, und sie wollten nicht verlängern, und ein paar hatte es in den letzten Kämpfen irgendwie erwischt, und sie würden aus medizinischen Gründen den Dienst vorerst nicht fortsetzen können.

Viele neue Gesichter. Hamilton fühlte einen seltsamen Unwillen bei dem Gedanken. Die »Alten« – die von Anfang an dabei gewesen waren – wuchsen zu einer verschworenen Gemeinschaft zusammen. Vielleicht manchmal etwas zu verschworen.

So gesehen war es eigentlich gut, dass neue Leute dazukamen.

Die Zeit verging wie im Flug, was angesichts der konzentrierten Arbeit nicht verwunderlich war. Es gab immer wieder Hinweise durch die allgemeine Kommanlage, aber diese waren nur technischer Natur. Nichts zur Mission. Die Gerüchteküche sprang in die Bresche, und je näher der Zeitpunkt des Starts rückte, desto abenteuerlicher wurden die Vermutungen. Arks Rolle beim Sturz des alten Regimes befeuerte die Fantasie noch zusätzlich. Ihre Aktivitäten sollten, so vermutete man, in Kürze verfilmt werden, und es gab bereits Listen mit Anwärterinnen auf die Hauptrolle. Hamilton hatte die Vermutung, dass diese Rolle heiß begehrt sein würde. Und er war sich ziemlich sicher, dass Margie ihn überreden würde, sich das Spektakel anzusehen.

Als die Proxima ablegte, bekam er es beinahe nicht mit. Es war ein normales Manöver, das keine besonderen Sicherheitsvorkehrungen erforderlich machte. Eine Abfolge von Signaltönen informierte die Besatzung darüber, dass die Reise losging, aber es war ein gemächlicher Prozess unter Wahrung aller Regeln, und damit gab es keinen Grund, die Bordroutine außer Kraft zu setzen. Die Mannschaft war bereits im üblichen Schichtsystem, und der Rhythmus des Bordlebens begann, die Erinnerungen an Landgänge und nicht mehr anwesende Kameraden zu verdrängen. Die Neuen mussten eingearbeitet werden und ihren Platz finden. Die Maschinerie musste funktionieren, egal, welche Namen die Zahnräder führten.

Dann, als die Proxima schon eine gute halbe Stunde unterwegs war, um sich aus dem dichten Verkehr um die Raumstation zu befreien und den ersten Sprung zu machen, verkündete die Kommandantin das Reiseziel. Alle lauschten gespannt der Ansage und machten sich ihre Gedanken. Das Ziel hieß Pendulum, und es war in der Tat eine halb legale Station am Rande des besiedelten Gebiets, ein Ort, an dem man Piraten vermutete und halbseidene Geschäfte erwartete.

Hamilton sah, dass sich das Gesicht von Simmons verfinsterte, als er es vernahm.

»Etwas nicht in Ordnung?«, fragte er besorgt.

»Ich muss mit Captain Ark reden«, murmelte Simmons, wandte sich ab und ging. Alle sahen ihm nach, Verwirrung im Blick, auch etwas Sorge, gewiss aber eine Menge Neugierde. Der Chefingenieur machte sich viele Gedanken, aber meist nur um die Maschinen. Das hier fühlte sich plötzlich sehr persönlich an.

Etwas war definitiv nicht in Ordnung.

»Pendulum ist ein Labyrinth, und die Bewohner hassen jeden«, sagte Vara und lehnte sich in seinem Stuhl zurück. Ark und er hatten sich mit den letzten Berichten über die Station befasst, die leider nicht allzu aktuell waren. Wegen der großen politischen und militärischen Krise waren die Ressourcen anderweitig konzentriert worden. Das war immer ein Fehler, der sich irgendwann rächte. »Die Republik hat mehrmals Polizeiaktionen durchgeführt, doch die waren von eher durchwachsenem Erfolg. Man müsste einen richtigen Krieg beginnen, um die Lage dort in den Griff zu bekommen.«

»Zu viele sehr ehrbare Menschen profitieren von dieser ›Lage‹ und sorgen dafür, dass der Wille zum Durchgreifen schwach bleibt«, kommentierte Ark. Sie schaute auf den Bildschirm, der auf dem Tisch stand und das vertraute Gesicht von Captain Yin zeigte, dem Kommandanten der Korvette Achat , die sie wieder begleitete. Wenn sie das Gesicht des älteren Mannes betrachtete, wurde ihr warm ums Herz. Es war so gut, in diesen Zeiten auf so etwas wie Beständigkeit zurückgreifen zu können. »Daran hat sich auch während der Auseinandersetzungen in letzter Zeit nichts geändert. Waffenlieferungen und Produktion von Verbrauchsgütern zu unschlagbaren Preisen und jenseits der üblichen Standards – sie haben an jeden verkauft, der Geld hatte und bereit war, auf Garantieansprüche zu verzichten. Wenn es Kriegsgewinnler gegeben hat, dann sitzen sie auf Pendulum. Es ist absolut nicht verwunderlich, dass sie auch am Handel mit unserer mysteriösen Kontrolldroge mitverdient haben.«

»Eines ist schon mal sicher, wir sind dort nicht willkommen«, fasste Vara zusammen. »Wir ganz besonders nicht. Der Captain der Grünen Perle hatte dort einen guten Ruf, und wir haben ihn auf dem Gewissen. Unsere Reputation ist beim zwielichtigen Gesindel sehr schlecht.« Er lächelte. »Normalerweise würde ich das als Anerkennung empfinden. In diesem Falle ist es leider ein Problem.«

»Ich kann zu diesem Thema wenig beitragen«, sagte Yin. »Ich bin viel rumgekommen, aber von Orten wie Pendulum habe ich mich immer ferngehalten. Ich war nicht einmal Teil einer der gelegentlichen Polizeiaktionen. Ich folge in dieser Sache Ihrer beider Rat.«

Doch guter Rat war hier teuer, wie alle übereinstimmend wussten.

Der Türsummer ertönte, und Ark runzelte die Stirn, öffnete aber. Simmons trat ein, und er sah nicht gut aus. Vara und die Kommandantin waren sofort alarmiert.

»Was ist passiert?«, fragte Ark.

»Setzen Sie sich«, forderte Vara den sichtlich angegriffenen Mann auf. Der Chefingenieur zögerte, die Einladung anzunehmen, tat es dann aber doch.

»Captain«, sagte er heiser, räusperte sich und versuchte es dann ein zweites Mal: »Captain, wir fliegen nach Pendulum.«

»Das ist korrekt.« Ark entspannte sich etwas. Das Triebwerk stand also nicht kurz vor der Explosion. Es war eine andere Art von Problem.

»Das ist für mich eine sehr schwierige Destination.«

Yin lachte. »Das ist für jeden Menschen mit etwas Ehre im Leib so.«

Der Chefingenieur schüttelte den Kopf. »Darum geht es nicht.«

Ark hob die Augenbrauen. »Simmons, ich möchte Ihnen nicht alles einzeln aus der Nase ziehen müssen. Sie haben offenbar etwas auf dem Herzen, und wir hören zu. Jetzt reden Sie aber auch.«

Der Ingenieur nickte. »Captain, es ist so: Ich habe Familie auf Pendulum. Um genau zu sein, das schwarze Schaf der Familie, meinen Bruder Cyrus. Es gibt kaum jemanden in der Verwandtschaft, der noch mit ihm redet, er hat es sich mit allen verscherzt. Ein Dieb, ein Betrüger, unangenehmer Typ, leicht reizbar, bemerkenswert herzlos und grundsätzlich unhöflich. Meine arme Mutter …« Er hielt inne. »Das ist nicht so wichtig. Nun ist es aber so, dass auch ich etwas ungewöhnliche Wege für meine Familie eingeschlagen habe. Ich bin der einzige Raumfahrer. Der Rest ist sesshaft. Mit der Krume verwurzelt, wie man so schön sagt. Nur zwei Kinder haben das Weite gesucht, Cyrus und ich.«

»Und er ist auf Pendulum? Wenn keiner mehr mit ihm redet, woher wissen Sie das dann?«, fragte Vara.

Simmons sah bekümmert drein. »Nun, genau deswegen: Weil wir beide die einzigen sind, die die Heimat hinter sich gelassen haben, bin ich tatsächlich derjenige, der überhaupt noch gelegentlich Kontakt mit ihm hat. Sehr gelegentlich.« Er hob abwehrend die Hände. »Ganz oberflächlich. Er weiß, dass er mich niemals in seine halbseidenen Geschäfte wird reinziehen können. Er hat es ein paarmal versucht und ist krachend damit gescheitert. Aber er schickt manchmal Nachrichten. Er hat Kinder, ich habe Neffen und Nichten. Darüber kann ich nicht einfach so hinwegsehen, auch wenn so ziemlich jedes seiner Kinder eine andere Mutter hat. Er ist aber irgendwie sesshafter als ich, und seine aktuelle Frau hat er tatsächlich seit drei Jahren nicht verlassen … das lässt mich ein wenig hoffen.«

Der Tonfall des letzten Nebensatzes zeigte deutlich, wie wenig Simmons von so einer Lebensführung hielt. Vara wunderte sich ein wenig. So konservativ hätte er den Mann gar nicht eingeschätzt. Aber an seiner Menschenkenntnis musste er ohnehin noch arbeiten.

»Simmons, Ihre Familiengeschichte ist hochinteressant«, sagte Ark, und das tatsächlich ohne jede Ironie. »Und ich verstehe, dass Sie sich vielleicht Sorgen machen. Dies ist aber nur im weiteren Sinne eine Polizeiaktion. Wir wollen da nicht aufräumen, das haben größere Interventionen der Republik nicht geschafft. Wir benötigen Informationen.«

»Die Sie nicht bekommen werden, jedenfalls nicht so einfach. Ich habe mich zwangsweise mit den Zuständen dort beschäftigt. Sie werden auf eine Mauer des Schweigens stoßen.« Simmons sagte es mit großer Überzeugungskraft, und Vara wusste, dass Ark exakt die gleichen Befürchtungen hatte.

»Sie sind gar nicht hier, weil Sie sich Sorgen machen«, schloss Vara. »Sie sind hier, weil Sie einen Vorschlag für uns haben.«

Simmons lächelte plötzlich, eine Freude, die der Erste Offizier teilte. Seine Menschenkenntnis war vielleicht doch besser als erwartet. »Genau so ist es. Lassen Sie mich und jemanden mit Anpassungsfähigkeit alleine nach Pendulum gehen. Die Proxima bleibt in gebührender Entfernung, wir kaufen uns Tickets für einen der Trampfrachter. Mein Bruder ist ein mieser Kerl und sehr unangenehm, aber er wird mich nicht ans Messer liefern. Blut ist dicker als Wasser. Außerdem hat er sich unlängst bei mir gemeldet mit einer undefinierbaren Bitte um Hilfe. Das kann ich als Anknüpfpunkt verwenden. Ich kann so mehr erreichen, als wenn ein Kreuzer der Republik im Orbit auftaucht.«

»Das hört sich für mich gut an«, sagte Yin. »Eine persönliche Beziehung hilft immer, wenn Sie das auf sich nehmen wollen.«

»Ich bin bereit dazu«, erwiderte Simmons entschlossen.

»An wen haben Sie als Begleitung gedacht?«, fragte Vara. »Ich vermute, auch da hatten Sie schon eine Idee, als Sie beschlossen haben, den Agenten zu spielen?«

Simmons nickte. »Er wird mich zwar verfluchen, aber ich glaube wirklich, dass Marcus Hamilton der Richtige ist. Wir können uns als Techniker auf Jobsuche ausgeben, denn Leute mit Qualifikationen werden dort immer gesucht. Da ist es hilfreich, wenn man diese Qualifikationen auch tatsächlich hat. Eine Demonstration sollte für uns kein Problem darstellen.«

Vara warf Ark einen langen Blick zu. Hamilton selbst mochte die Idee vielleicht nicht. Aber Vara hatte mittlerweile eine ähnlich hohe Meinung von diesem Mann entwickelt wie der Chefingenieur. Die Idee war nicht verkehrt.

Die Kommandantin beugte sich nach vorne. »Lassen Sie uns einen Plan machen.«

»Soweit ein Ort wie Pendulum Pläne zulässt«, murmelte Yin.

Damit war es wohl beschlossen.

4

Onyx war ja bereits der Arsch der Galaxis gewesen. Halterman III war nicht viel besser. Es war eine kleine Welt, fast vollständig von Wasser bedeckt, mit einem einzigen Kontinent, den die Bewohner passenderweise »Die Insel« nannten und auf dem die Bevölkerung – nicht einmal eine Million – vor allem davon lebte, seltene Aminosäuren und medizinische Algenprodukte in die Republik zu exportieren. Für Urlaube war Halterman III ebenfalls nicht geeignet, der Himmel war stets verhangen, was man gemeinhin eine »steife Brise« nannte, wehte hier, und Fauna wie Flora auf der »Insel« waren unspektakulär, graubraun und öde.

Die Schöpfung hatte sich auf den Ozean konzentriert und hier interessante Dinge vollbracht. Für eine Weile war sogar vermutet worden, dass diese Welt eine intelligente aquatische Lebensform hervorgebracht hätte, eine Neuigkeit, die sich schnell als Hoax, geboren aus den Fieberträumen eines geistig überforderten Fischers, herausgestellt hatte.

Dennoch besuchten jedes Jahr einige unbeirrbare Spinner diese Welt, um mit Tauchausrüstung und gemieteten U-Booten nach Aliens Ausschau zu halten. Die Bewohner der Kolonie ertrugen es nicht nur mit Fassung, sie erzählten den Touristen auch schöne Schauergeschichten und boten ihre – überteuerten – Dienste als Fremdenführer an.

Ungeachtet der wenigen tatsächlichen Attraktionen hatte Halterman III einen wichtigen Vorteil für ihre Mission: Die Welt gehörte ganz ohne Zweifel zur Republik, und der lokale Gouverneur wusste, wem er Loyalität schuldete, zudem war sie nur eine Tagesreise von Pendulum entfernt. Wie überall in den Randgebieten wurde der öffentliche Nahverkehr von kleinen Trampfrachtern bedient, die in endlosen Schleifen mögliche und unmögliche Orte anflogen und dabei sowohl Waren wie auch Passagiere aufnahmen. Grenzen spielten für diese Leute nur eine untergeordnete Rolle.

Dies war ihr Ansatzpunkt.

Die Achat hatte sie zu dieser Reise nicht begleitet, sondern befand sich noch in einem sicheren Hafen. Die Anwesenheit des Forscherteams war als nicht notwendig erachtet worden, und Schiff und Besatzung waren zu wertvoll, um unnötig in der Galaxis herumgeschickt zu werden, nur damit sich die Proxima nicht so allein fühlte. Ark wusste aber, dass sich das schnell wieder ändern würde, und sie freute sich auf diesen Moment.

Ihre Kommunikation mit der Kolonialverwaltung war kurz und höflich gewesen. Vielleicht etwas zu kurz und formell für Arks Geschmack. Nicht genug, um bei ihr Alarm auszulösen, aber sie reichte aus, um sich unwohl zu fühlen. Sie würde mit dem Gouverneur in Ruhe reden, allein schon um dieses Gefühl gleich wieder loszuwerden. Halterman III war unwichtig, randständig und nur aus Versehen in der richtigen Position für ihre Mission. Was sollte da schon schiefgehen?

Mit gemischten Gefühlen betrat Ark das Beiboot, das Simmons, Hamilton und sie zur Oberfläche bringen würde. Der Plan des Chefingenieurs hatte vieles für sich, und wer war sie, dass sie von riskanten Undercover-Manövern abriet? Dennoch bedeutete es, dass sie zumindest für eine gewisse Zeit die Kontrolle verlieren würde, und was war eine Kommandantin wert, die Kontrollverlust als angenehm oder sogar erstrebenswert ansah? Gar nichts. Alles in ihr drängte sie dazu, selbst die Reise nach Pendulum anzutreten, doch Simmons hatte davon abgeraten. Je größer die Gruppe, desto höher die Chance, dass Fehler passierten. Ark nahm es nicht als Beweis seines Misstrauens. Ganz tief in ihrem Herzen war sie ihm für diese Entschuldigung sogar dankbar. Trotz der Ruhepause fühlte sie nach den Ereignissen beim Sturz der Regierung auf Terra noch immer eine gewisse Müdigkeit in sich, die weder durch Kaffee noch durch Schlaf zu bekämpfen war. Sie war sich nicht sicher, woher sie kam. Vielleicht war alles doch ein wenig zu viel geworden.

»Captain, Sie müssen wirklich nicht mitkommen«, sagte Simmons zur Begrüßung. »Wir werden doch keinen offiziellen Empfang beim Gouverneur mitmachen. Pendulum hat Beobachter im System, da wäre unsere …«

»Genau deswegen«, unterbrach ihn Ark, gar nicht einmal ungehalten. »Ich lande zu einem offiziellen Flottenbesuch, um nach Ende des großen Konflikts auch der treuen Bevölkerung von Halterman III zu signalisieren, dass die Republik wieder präsent ist – und wer wäre dazu besser geeignet als die Heldin der Revolution?« Der letzte Halbsatz triefte vor Sarkasmus. Sie benutzte die Rolle, oder vielmehr: Sie nutzte sie aus. Sie hielt aber nichts davon. »Sie und Hamilton werden, während aller Augen auf das Remmidemmi gerichtet sind, das ich betreiben werde, unauffällig davonschleichen und ihr Ding durchziehen. Ich werde von ihnen beiden ablenken, nicht mehr und nicht weniger.«

Simmons wirkte betroffen. Darauf hätte er selber kommen können. Er hatte all seine Schritte auf Pendulum durchgeplant, auch die Reise dorthin, aber den allerersten Schritt hatte er nicht bedacht, zumindest nicht so richtig. Ark hatte ihm diese Mühe abgenommen.

Sie betraten das Beiboot, und schnell glitt es aus dem Hangar des Kreuzers hinab auf die kleine, graue Welt, deren lange Wolkenbänke endlose Schlieren durch die Atmosphäre zogen. Als sie die Wolkendecke durchbrachen, breitete sich der endlose Ozean vor ihnen aus. Erst kurz darauf sahen sie den kleinen Kontinent, und es zeichneten sich die Umrisse der einzigen größeren Siedlung ab, des Verwaltungszentrums Aiwan, benannt nach dem Prospektor, der dieses System in die Datenbank eingetragen hatte. Es gab noch einige kleinere Dörfer an den Küsten, meist um verarbeitende Betriebe herum, die die Rohstoffe veredelten oder verpackten, doch Aiwan war zweifelsohne das Einzige, was einer Stadt zumindest nahekam. Dass dort der einzige Raumhafen lag, war selbstverständlich.

»Drei Trampfrachter«, sagte Ark, als das Landefeld in Sicht kam. Die Raumschiffe waren gut zu erkennen und befanden sich in unterschiedlichen Phasen des Verfalls. Trampfrachter liefen mit einem sehr engen Budget und einer Gewinnmarge, die große Investitionen meist unmöglich machten. Ein Flug mit einem solchen Schiff war zumindest abenteuerlich.

»Ich logge mich ins lokale Netz ein«, sagte Hamilton. »Der Flugplan sieht gut aus. Gleich zwei der Frachter wollen Pendulum ansteuern, die Hamilkar schon morgen, die Esmeralda in einer Woche. Wir können auf beiden Kabinenplätze buchen.« Er sah Ark fragend an. »Soll ich?«

Vara hatte den beiden Infiltratoren neutrale Accounts für ihre Kommunikatoren eingerichtet, die keine Rückschlüsse auf die Proxima zuließen. Eine Buchung gleich bei der Landung des Beiboots aber war etwas verdächtig. Man durfte sich von dem Aussehen der alten Schiffe nicht täuschen lassen: Die Mannschaften dieser Schrottkisten bestanden aus erfahrenen und gewitzten Leuten, die diesen Dienst nicht deswegen verrichteten, weil sie unfähig waren, sondern weil ihre persönlichen Umstände sie dazu getrieben hatten. Steckbriefe auf den wichtigen Welten, wo die Polizei tatsächlich ihrer Aufgabe nachging, gehörten oft dazu.

»Warten Sie noch etwas mit der Buchung. Und bleiben Sie hier an Bord wie abgesprochen«, sagte Ark. »Lassen Sie mich erst das Remmidemmi beginnen. Ich will, dass alle auf mich und den Gouverneur starren und sich meine völlig belanglose Rede anhören.«

Hamilton nickte. Das Beiboot setzte auf. Der Pilot, ein Mann namens Colbert, der den ganzen Flug über geschwiegen hatte, deutete aus dem Cockpitfenster. »Da ist bereits das Empfangskomitee. Ich darf mal sagen, dass ich nicht beeindruckt bin.«

Ark schaute hinaus. Zwei Bodengleiter näherten sich dem Beiboot und kamen zum Stillstand. Uniformierte sprangen heraus und nahmen so etwas Ähnliches wie eine Formation ein. Auf Halterman III war kein Militär stationiert. Die Uniformen wiesen die Ehrengarde dort als Polizisten aus. Dann kletterte eine ältere Frau aus einem der Fahrzeuge und strich sich über die durch den Wind aufgewirbelte Kleidung mit dem weiten Umhang.

»Das ist nicht der Gouverneur«, stellte Ark fest. »Haben wir diese Frau in der Datenbank?«

Hamilton war bereits dran. »Stellvertretende Gouverneurin Barkam, Captain. Der Chef war wohl verhindert.«