Sylvan & Tyler, Teil 3 - T. C. Jayden - E-Book

Sylvan & Tyler, Teil 3 E-Book

T. C. Jayden

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Beschreibung

Sylvan und Tyler haben endlich zueinander gefunden. Doch es warten neue Diskrepanzen auf die beiden, denn Sylvan ist nicht bereit, über längere Zeit im Verborgenen zu leben. Er möchte seine Gefühle für Tyler am liebsten der ganzen Welt zeigen – ungeachtet dessen, was die Öffentlichkeit für sie bedeuten könnte.

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T. C. Jayden, Lena Seidel

Sylvan & Tyler, Teil 3

Entfesselt

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Das Buch

Sylvan und Tyler haben endlich zueinander gefunden. Doch es warten neue Diskrepanzen auf die beiden, denn Sylvan ist nicht bereit, über längere Zeit im Verborgenen zu leben. Er möchte seine Gefühle für Tyler am liebsten der ganzen Welt zeigen – ungeachtet dessen, was die Öffentlichkeit für sie bedeuten könnte.

EINS

 

Sylvan stand da und starrte den Fahrstuhl an. Nichts rührte sich. Wieso war er doch gleich hergekommen? Um sich die nächste Ohrfeige einzuhandeln? Aus den Augenwinkeln bemerkte er ein Leuchten. Er hob den Blick und sah in die gut versteckte Kamera, die ihn misstrauisch zu mustern schien.

War sie mit Ton? Wahrscheinlich nicht. Es ging nur darum, zu sehen, wer hier unten stand. Mit wild klopfendem Herzen drückte er noch einmal auf die Klingel. Nichts. Vielleicht war Tyler auch gar nicht da? Er wartete, die Sekunden zogen sich in die Länge; dann zog er Stift und Papier aus der Jackentasche. Wobei „Papier“ übertrieben war. Es handelte sich lediglich um eine Serviette.

Mit bebenden Fingern legte er sie an die Fahrstuhltür und schrieb vorsichtig seine Nachricht darauf: „Es tut mir leid. Bitte lass mich rein.“

Er steckte den Stift wieder weg und hielt die Serviette in die Kamera.

 

Tyler las die Nachricht auf beinahe zwei Quadratmetern. Ach fuck! Ohne darüber nachzudenken drückte er auf die Fernbedienung für den Aufzug und schickte ihn nach unten. Aufgewühlt zählte er die Sekunden mit, bis sich die Fahrstuhltüren vor Sylvan öffnen würden. Vier -- fünf -- unten -- sechs -- sieben -- auf. Ungewollt begann Tyler zu grinsen, in seinem Magen kribbelte es wild, seine Finger zitterten leicht. War es Sylvan mit seiner Entschuldigung ernst? Zumindest ließ ja die Nachricht auf etwas in der Art schließen, und Tyler war mehr als neugierig, die Gründe für all das zu erfahren. Denn ohne eine solche Erklärung würde er seinen Lover einfach wieder wegschicken. Ebenso, wie der es mit ihm gemacht hatte.

Über den Bildschirm sah er zu, wie Sylvan in den Lift stieg. In spätestens zehn Sekunden würde er ihm gegenüberstehen ... Tyler fühlte sich auf einmal wie ein Teenager beim ersten Date. Unsicher, nervös, erwartungsvoll, ohne zu wissen, was genau ihn eigentlich erwartete. Und glücklich, aus irgendeinem völlig unbekannten Grund.

Bevor sich der Aufzug öffnen konnte, schaltete er wieder auf das laufende Fernsehprogramm. Sylvan musste ja nicht auf der Stelle von einem überdimensionalen Bild aus dem Eingang begrüßt werden ...

 

Nervös fummelte Sylvan an der Serviette herum, während er nach oben gefahren wurde. Darüber, dass sein ganzer Aufzug verriet, dass er auf Tour gewesen war, hatte er gar nicht nachgedacht. Bis jetzt, da der Aufzug langsamer wurde und schließlich sanft hielt. Er atmete tief durch, als die Türen sich öffneten.

Eigentlich hatte er damit gerechnet, dass Tyler ihn erwartete. Nicht auf der Couch sondern vor dem Fahrstuhl. Aber nein … Er musste sich kurz umsehen, bis er den Mann schließlich vor dem Fernseher erblickte.

Am liebsten wäre er einfach wieder zurück in den Fahrstuhl gestiegen. Er hasste es, sich bloßstellen zu müssen. Sein Stolz verbot es ihm – ebenso wie sein Verstand es im Augenblick tat, denn der riet ihm zur Flucht. Tyler würde ihm das Herz brechen … und er ließ es auch noch zu.

Langsam kam er näher, schob die Hände wieder in die Taschen und biss fest die Zähne zusammen. „Es tut mir leid“, presste er hervor. „Ich wollte nicht, dass du gehst. Ich dachte nicht … dass du es tun würdest.“

 

Tyler konnte nicht anders, er begann bei den kaum verständlichen Worten leicht zu lächeln. „Ich dränge mich niemandem auf“, erwiderte er leise. „Wenn mir jemand sagt, dass ich nicht erwünscht bin, gehe ich.“

Hoffentlich sah Sylvan ihm nicht an, wie sehr ihn die letzten Tage seit diesem verhängnisvollen Gespräch in Sylvans Wohnung mitgenommen hatten. Bestimmt sah er müde aus, mit grauer Haut, in die sich die Falten tief eingegraben hatten. So fühlte er sich jedenfalls – plötzlich alt.

Einen Moment lang musterte er seinen Besucher. Sylvans Aufmachung ließ kaum einen Zweifel zu, welche Intention er damit bezweckte. Hatte er sich heute Nacht niemand anderen gefunden, den er verführen konnte? Oder gab es noch andere Gründe für sein Auftauchen?

Mit einem seltsamen Grummeln in der Magengegend stand er auf und deutete auf einen Platz auf der Couch. „Aber warum setzt du dich nicht erstmal und trinkst einen Schluck? Und dann könntest du mir vielleicht erklären, warum du mich überhaupt rausgeworfen hast?“

 

Sylvan zögerte. Nein, das lief nicht, wie er es sich vorgestellt hatte. Er fühlte sich vorgeführt, und auch wenn er wusste, dass er nichts anderes verdient hatte, wehrte sich alles in ihm dagegen, das zuzulassen.

„Sag – sag mir einfach, ob ich dir irgendwas bedeute“, sagte er, ohne sich zu rühren. „Denn wenn nicht … dann werde ich mich nicht von dir mit Tomaten bewerfen und vorführen lassen. Ich … Ich habe einen Fehler gemacht und es tut mir leid, dass ich … dass ich davon ausgegangen bin, dass du um mich kämpfen würdest, aber – aber ich wäre nicht hier, wenn du mir egal wärst und ich – ich wüsste einfach gerne …“

Er schloss die Augen und senkte den Kopf. Ach, das war doch alles scheiße! Nicht zuletzt, weil die Rollen vollkommen falsch verteilt waren. Er kroch nicht zu Kreuze. Niemals! Er war es, der mit einem kühlen Lächeln dastand, während andere sich vor ihm um Kopf und Kragen redeten – nicht umgekehrt. Kein Herzflattern konnte diese Schmach wert sein. Oder?

 

Ob er ihm etwas bedeutete? Das war ein Witz, oder? Tyler schüttelte den Kopf, während er um die Couch herum- und auf Sylvan zukam. Noch bevor er über etwaige Konsequenzen nachzudenken begann, nahm er seinen Lover in die Arme und küsste ihn – wohl wissend, wie sehr Sylvan es hasste, ungefragt angefasst oder gar geküsst zu werden. Wenn der ihm jetzt eine Ohrfeige verpasste, war das Ding zwischen ihnen gelaufen ... Aber es bestand immerhin die Möglichkeit, dass Sylvan feinfühlig genug war, um zu erkennen, was genau in diesem Kuss lag: Unbändige Sehnsucht und unbestreitbare Zuneigung. Er wollte nicht so weit gehen und behaupten, sich in Sylvan verliebt zu haben, obwohl er wusste, dass er sich damit nur selbst belog. Das war jedoch irrelevant. Wichtig war jetzt nur, wie gut sich Sylvan in seinen Armen anfühlte. Als würde er dorthin gehören …

 

Zuerst jagte ihm das Kopfschütteln einen eisigen Schauer über den Körper, dann stand Tyler auch schon vor ihm. Im nächsten Moment spürte Sylvan die starken Arme an sich und die vermissten Lippen auf seinen. Ohne auch nur den Anflug von Anspannung sank er gegen den Älteren. Er schlang die Arme um seinen Nacken, erwiderte den Kuss mit aller Leidenschaft, die er aufbringen konnte. Seine Finger gruben sich in das dichte Haar und er presste sich eng an seinen Lover. Erleichterung machte sich in ihm breit. Zufriedene Wärme. Glück.

„Tut mir leid“, nuschelte er in den Kuss. „Dass ich … so ein Arsch bin.“

Gott, ja. Das war er. Sogar jetzt noch fragte er sich, ob es nicht besser wäre, die Beine in die Hand zu nehmen und Tyler hinter sich zu lassen. Sich selbst das Herz rauszureißen, bevor es jemand anderes tun konnte.

 

Alles an Sylvans Verhalten sorgte für eine Schmetterlingsparty in Tylers Innerem. Die Anschmiegsamkeit, die Leidenschaft, das erleichterte Seufzen, das er wahrscheinlich unbewusst ausgestoßen hatte.

„Dann sei einfach kein Arsch mehr“, murmelte er zurück, unterbrach den Kuss und lachte leise, wobei er Sylvan zärtlich in die Augen sah.

„Erklärst du mir jetzt, warum ich so abrupt vor die Tür gesetzt wurde? Ich habe mich gefühlt wie ein Hund, den keiner mehr will“, wiederholte er seine Frage von vorhin.

Langsam setzte er sich in Bewegung, ohne seinen Lover loszulassen, und führte ihn so nun doch zur Couch.

 

Sylvan ließ zu, dass Tyler ihn zur Couch zog, und glitt dort direkt auf den Schoß des Älteren. Sanft kraulte er ihn im Nacken und sah ihn dabei mit einem kleinen Lächeln an. „Kannst du dir das nicht denken?“, fragte er ruhig. „Da wäre … zum Beispiel mein Vater. Wenn der irgendwann rausbekommt, was ich hier treibe, dann hebt der die Welt aus den Angeln, um das ungeschehen zu machen. Normalerweise wäre mir das egal, weil ich weiß, wie ich mit ihm umgehen muss, um dem zu entgehen, aber … du würdest nicht einfach so davonkommen und das ist mir nicht egal.“

Hoffentlich reichte das als Antwort, denn wenn er noch präziser werden musste, dann würde er sich eine Kugel in den Kopf jagen müssen. „Wenn ich das noch mal versuchen sollte, geh einfach nicht …“

 

Diese Erklärung war logisch und doch lachte Tyler auf. „Meinst du nicht, dass ich erstens alt genug bin, um so etwas zu überstehen, und zweitens mich gegen deinen Vater zur Wehr setzen könnte?“

Sanft strich er über Sylvans Wangen und legte die Stirn auf dessen Schulter. Phrasen wie „Ich habe dich vermisst“ oder „Mach so etwas nicht nochmal“ gingen ihm durch den Kopf und wurden wieder verworfen. Nein, so einen Quatsch gab er nicht von sich! Dafür wisperte er: „In den vergangenen Tagen habe ich gemerkt, wie sehr ich dich brauche.“ Himmel, er lieferte hier gerade einem ausgemachten Macho sein Herz aus! Würde Sylvan damit sorgsam umgehen oder es einfach zertrampeln, wenn es ihm nicht mehr gefiel? Dieses Risiko musste er eingehen ... Und noch ein weiteres, denn Jonson Senior war nicht die einzige Quelle, von der latente Gefahr ausging, sollte ihre Beziehung – oder was immer sie hier hatten – auffliegen.

 

Sylvan lächelte und schmiegte das Gesicht sanft gegen Tylers. „Sagst du das, weil es wahr ist, oder weil du weißt, dass ich es hören wollte?“ Die Worte waren Balsam für seine Seele. Ja, er wollte gebraucht werden. Er wollte, dass man sich nach ihm sehnte. So war er schon immer gewesen. Der Mittelpunkt des Universums. Nur, dass Tyler ihm dieses Gefühl viel seltener gab als alle anderen Männer in seinem Leben. Vielleicht war es das, was es zu etwas Besonderem machte. Was diesen Mann zu etwas Besonderem machte.

„Du … hast mir unheimlich gefehlt“, flüsterte er. „Die ganze Zeit.“

 

Ungesehen zog Tyler eine Augenbraue nach oben. Wollte Sylvan ihm gerade weiß machen, dass er sich nicht abgelenkt hätte? Na hoffentlich war er nicht so dumm ... Das hätte er ihm nämlich nicht geglaubt und ihm den Versuch, ihn für dumm zu verkaufen, obendrein übel genommen. Nein, entschied er, DAS hatte Sylvan mit keiner Silbe gemeint. Alles im grünen Bereich.

Er hob den Kopf wieder und betrachtete seinen Lover eingehend.

„Ich sage dir das, weil es so ist. Du solltest mich inzwischen mindestens so weit kennen, als dass ich dir nicht nach dem Mund rede. Egal, wie sehr du etwas hören willst.“

 

„Stimmt“, sagte Sylvan. „Das weiß ich wohl … umso schöner, es zu hören.“

Er schmiegte sich enger an Tyler, streichelte durch sein Haar und küsste sich über das schöne Gesicht, das er so vermisst hatte. „Aber gut genug kenne ich dich trotzdem noch nicht. Erzähl mir von dir – von deinem Leben, deiner Gegenwart. Du kennst jetzt meine, also ist es nur fair …“

Wahrscheinlich kannte Tyler ihn jetzt noch viel besser, als er sich eingestehen wollte. Immerhin war seine Familiengeschichte, sein ganzes Leben, kein großes Geheimnis. Was ein Geheimnis war, waren seine sexuellen Vorlieben, auch wenn er sich nie dagegen sträuben würde, schwul zu sein. Er nicht, sein Vater schon. Was das irgendwann für ein Spektakel geben würde …

 

Von seiner Gegenwart sollte er erzählen? Wo sollte er da anfangen? Tyler lehnte sich zurück und neigte den Kopf leicht zur Seite, sah Sylvan nachdenklich an und seufzte leise. Was wollte der Junge von ihm wissen und was war er bereit zu berichten? Na, vielleicht sollte er einfach mit dem Wesentlichen anfangen – mit etwas Glück konnte sich Sylvan einen guten Teil selber zusammenreimen, ohne dass er darüber reden musste. Und eventuell würde er dann auch verstehen, warum Tyler so rein gar keine Angst vor den gefürchteten Machenschaften des Staranwalts hatte.

„Mein Name ist Tyler Stanley“, sagte er leise und ruhig. Mit diesem Namen würde Sylvan nur etwas anfangen können, wenn er sich über die Machtverhältnisse in dieser gigantischen Stadt informiert hatte ... Also reichte das nicht.

„Ich bin 41 Jahre alt und Eigentümer des Universe. Unter anderem. Wie ich aufgewachsen bin, habe ich dir ja bereits erzählt. In dem Zusammenhang war ich als Teenager Mitglied der Dark Devs.“ Zumindest das war über die Grenzen hinaus ein Begriff, der Angst auslöste und bekannt war. Das erklärte den meisten Menschen jedenfalls seine Furchtlosigkeit und die Methoden, die er kannte, wenn auch nicht benutzte.

 

Sylvan hob die Brauen und sah den Mann vor sich durchdringend an. „Okay“, sagte er schließlich langsam. „Dann weiß ich jetzt auch, was du letztes Mal mit dem Friedhof gemeint hast … schätze ich.“